Verhandlungen
der kaiserlich-königlichen
zoologisch-botanischen Gesellschaft
in Wien.
Herausgegeben von der Gesellschaft.
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XLVI. Band. ob
Mit 9 Tafeln und 7 Figuren im Texte.
Wien, 1896.
Im Inlande besorgt durch A. Hölder, k. und k. Hof- und Universitäts-Buchhändler.
Für das Ausland in Commission bei F. A. Brockhaus in Leipzig.
Druck von Adolf Holzhausen,
k. und k, Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien.
Adresse der Redaetion: Wien, I., Wollzeile 12.
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Uebersicht der in diesem Bande enthaltenen Sitzungs-
und Seetionsberichte.
Monatsversammlung am 8. Jänner 1896 .
" „ 5. Februar 1896
„ 4. März 1896
General rare am 1. April 1896
Monatsversammlung am 6. Mai 1896 .
a ». 3. Juni 1896
Botanischer Diseussionsabend am 20. December 1895
n 5 „ 24. Jänner 1896
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n 5 „ 20. März 1896 .
Constituirende Versammlung der Section für Botanik .
Versammlung der Section für Botanik am 12. Mai 1896 .
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Fe iirende ve hldie der Section für Zoologie .
Versammlung der Section für Zoologie am 13. November 1896
Constituirende Versammlung der Section für Coleopterologie
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eins der en für eek am 27. November 1896 .
Ausschuss-Sitzung am 6. November 1896
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Stand der Gesellschaft am Ende des Jahres 1896.
Protector:
Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog
Rainer.
Leitung der Gesellschaft
im Jahre 1897.
Präsident: (Gewählt bis Ende 1898.) Ai
Freiherr Dr. Richard Drasche v. Wartimbe g.)
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Vicepräsidenten: (Gewählt bis Ende 1898. \ > j
P. T. Herr Marenzeller, Dr. Emil v. \r, “,5% W
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Seeretäre: (Gewählt bis Ende 1898.) A
P. T. Herr Fritsch, Dr. Carl.
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Recehnungsführer: (Gewählt bis Ende 1898.)
P. T. Herr Kaufmann Josef.
Ausschussräthe:
P. T. Herr Adensamer, Dr. Theodor. (Gewählt bis Ende 1898.)
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VI Leitung der Gesellschaft.
P. T. Herr Ganglbauer Ludwig. (Gewählt bis Ende 1898.)
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Mitglieder, welche die Sammlungen der Gesellschaft ordnen:
Die zoologischen Sammlungen ordnen die Herren: Anton Handlirsch, Josef
Kaufmann.
Die Pflanzensammlung ordnen die Herren J. v. Hungerbyehler, M. Ferd.
Müllner und Dr. Franz Ostermeyer.
Die Betheilung von Lehranstalten mit Naturalien besorgen die Herren: Anton
Handlirsch, Dr. Franz Ostermeyer, Dr. Paul Pfurtscheller.
Die Bibliothek verwalten die Herren J. Brunnthaler und Dr. A. Zahlbruckner.
Das Archiv hält Herr Paul Löw im Stande.
Kanzlist der Gesellschaft:
Herr Cornelius Frank, VIII, Lenaugasse 11.
Gesellschaftsloeale:
Wien, I., Wollzeile 12. — Täglich geöffnet von 3—7 Uhr Nachmittags.
Versammlung am 8. Jänner 1896.
Vorsitzender: Herr Dr. Emil v. Marenzeller.
Neu eingetretene Mitglieder:
Als Mitglied bezeichnet durch
P. T. Herren
Ficker Gustav, Gymnasial-Professor,Wien, VI. A. Handlirsch, M. F. Müllner.
Hutten v. Klingenstein Moriz, k. u. k.
BT Elerr:
Major a. D., Marburg in Steiermark . . Dr. €. Fritsch, Dr. H. Rebel.
Keissler, Dr. Carl Ritter v., Wien, XIII,
Cumberlandstrase 1 . . . . . . .. Dr. C. Fritsch, Dr. C. Rechinger.
Nedwed Carl, Gutsbesitzer, Szt.-György,
Comitat Eisenburg, Ungarn . . Dr. C. Fritsch, A. Handlirsch.
Pfeiffer Ritter v. Wollheim, Wohin
Secretär der k. k. Südbahn-Gesellschaft,
Wien, IV., Weyringergasse 11 . . . Dr. Lütkemüller, Dr. Zahlbruckner.
ar, Max, stud. phil., Wien, VIII., re
a 2 2 Dr. C. Eritseh,” Dr. CerRechinper:
Herr Prof. Dr. C. Fritsch legte Exemplare des Ranunculus
pygmaeus Wahlbg. vor, welche von Prof. Dr. F. Thomas in Ohr-
druf für das Herbar der Gesellschaft eingesendet wurden.
Diese Exemplare wurden von Prof. Thomas am 27. Juli 1895 im obersten
kleinen Fleissthale in Kärnten oberhalb des Zirmsees (zwischen Seebichlhaus und
Sonnblick) in einer Seehöhe von ca. 2660—2680 m gesammelt und zuerst Prof.
Dr. P. Aseherson in Berlin übermittelt, welcher mir zuerst von diesem Funde
Mittheilung machte. Ranuneulus pygmaeus Wahlbg. ist bekanntlich eine arktisch-
alpine Pflanze, welche aus den Alpen nur von wenigen Standorten in Tirol und
Salzburg bekannt ist, deren östlichster bisher der Velbertauern südlich von Mitter-
sill war. Der neue Standort liegt bedeutend östlicher und ist auch zugleich der
erste Standort dieser Art in Kärnten, aus welchem Lande die Pflanze bisher nicht
bekannt war. — Bekanntlich wurde Ranunculus pygmaeus Wahlbg. auch in den
Centralkarpathen aufgefunden.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 1
> Versammlung am 8. Jänner 1896.
Hierauf demonstrirte Herr C. Reichert einige neuere Mikro-
skope und deren Nebenapparate.
Nach einem kurzen historischen Rückblick betreffend die Aenderungen der
mikroskopischen Technik in den letzten Decennien besprach der Vortragende die
Verbesserung der heutigen Mikroskope gegenüber den älteren Instrumenten, die
er in folgender Weise zusammenfasste:
1. Verbesserung der groben und feinen Einstellung und hauptsächlich die
der Mikrometerschraube.
2. Bessere Beleuchtung bei den stärkeren Vergrösserungen.
3. Zweckmässige Einrichtung bei starken Vergrösserungen, um die Präparate
systematisch durchsuchen zu können.
4. Zweckmässige einfache Einrichtungen, um das unter dem Mikroskop
gesehene Bild entweder durch Zeichnung oder Photographie festzuhalten oder zu
vervielfältigen. P
Das vor etwa zwanzig Jahren am meisten verbreitete Mikroskopstativ
war das mittlere Hartnack’sche Hufeisenstativ Nr. 8. Die Construction dieses
Modells ist einfach und solid und die Mikrometerschraube für mittlere Ver-
grösserungen ausreichend; das Ganze, wenn es gut ausgeführt ist, als Schul-
und Laboratoriummikroskop für viele Bedürfnisse auch heute noch vollständig
genügend.
Für stärkere Vergrösserungen ist jedoch die Construction der Mikrometer-
schraube nicht sorgfältig genug, da sie zu hart geht, und das Bild in vielen
Fällen schwankt, das heisst sich nach links und rechts verschiebt, beim dauernden
Arbeiten infolge dessen das Auge und durch den harten Gang der Mikrometer-
schraube auch die Hand ermüdete. Weiter hat es in solchen Fällen, wo man
oft genöthigt ist von schwacher zu starker Vergrösserung überzugehen, noch den
Nachtheil, dass sich ein Revolver an demselben nicht zweckmässig anbringen
lässt. Für solche Fälle ist ein Mikroskop mit Zahn und Trieb unbedingt vorzu-
ziehen, und es werden deshalb heute auch beinahe alle Mikroskope mit Zahn und
Trieb angefertigt.
Für stärkere Vergrösserung ist jedoch das Wichtigste an jedem Mikroskop
die feine Einstellung mittelst der Mikrometerschraube.
Die Hartnack sche Construction der Mikrometerschraube ist sehr ein-
fach, leicht und billig auszuführen, hat jedoch den Nachtheil, dass die Ueber-
tragungsfläche der Mikrometermutter auf die Prismaführung selbst nicht richtig
angeordnet ist, weil diese zu gross ist und dadurch auch ein Theil der Bewegung
der Mikrometermutter auf die Prismaführung selbst übertragen wird, was bei
starken Vergrösserungen den bekannten Nachtheil des Schwankens des mikro-
skopischen Bildes hat.
Bei der später von Winkel angegebenen Construction wird die Bewegung
nur durch eine Stahlspitze auf eine gehärtete Stahlfläche übertragen. Diese
Construction ist wesentlich besser, da der Gang ein viel leichterer und sicherer
und namentlich bei kleineren und mittleren Stativen ein ausgezeichneter ist.
Versammlung am 8. Jänner 1896. 3
Für grosse Mikroskope, wo der Obertheil des Mikroskopes sehr schwer ist,
und wo ebenfalls der ganze Mikroskopkörper mittelst Feder, wie bei der Hart-
nack’schen, in die Höhe gehoben werden muss, hat sie den Nachtheil, dass, wenn
die Feder nicht sehr stark ist, diese bald erlahmt, oder aber, wenn sie wirklich
stark ist, die Mikrometerschraube durch den Druck zu sehr leidet und sich bald
abnützt, oder der Gang ein unregelmässiger wird.
Dies hat mich veranlasst, abweichend von den beiden früheren Construc-
tionen, nicht die Prismaführung mittelst Feder in die Höhe zu drücken, sondern,
wie die untenstehende Abbildung zeigt, dieses Prineip umzukehren und die eigene
Schwere des Mikroskopkörpers als Gegengewicht zum theilweisen Ausgleich des
gleichmässigen Ganges der Mikrometerschraube zu benützen; bei dieser Con-
struction genügen ausserordentlich zarte Federn, um
einen dauernden und weichen Gang der Mikrometer-
schraube zu erhalten, da die Schraube nur ein klein
wenig mehr wie das Gewicht des Mikroskopkörpers
zu heben hat. Da nun eine Verminderung des Ge-
wichtes des Obertheiles des Mikroskopes nie zu be-
fürchten ist und dasselbe immer nach abwärts
drücken wird, so bietet diese Construction eine
Dauerhaftigkeit, wie sie von keiner der früheren
Constructionen erreicht wurde.
Der am meisten gegenwärtig verbreitete Be-
leuchtungsapparat ist der Abb&'sche. Derselbe hatte,
als er zu Anfang der Siebzigerjahre von Abbe& con-
struirt und von Zeiss ausgeführt wurde, im Anfang
gar keinen Erfolg, erst als durch Dr. Robert Koch
neue Präparations- und Färbemethoden gefunden
und eingeführt wurden, hat sich dessen hohe Brauch- |
barkeit gezeigt, und hat er auch allgemeine Aner- N
kennung errungen. Speciell hier in Wien verhielt
man sich lange sehr skeptisch ihm gegenüber, und nachdem vom Auslande vor-
wiegend Instrumente mit und in Oesterreich solche ohne Beleuchtungsapparat be-
stellt wurden, so musste ich, um die Fabrication nicht zu complieiren, abweichend
von der ursprünglichen Construction, eine Einrichtung treffen, welche es leicht
ermöglicht, entweder das Eine oder das Andere am Mikroskop leicht anzubringen.
Diese Einrichtung erlaubt durch wenige Handgriffe, den Condensor gegen
die Cylinderblende auszuwechseln und auch das Ganze zu heben und zu senken
und vom Tisch ganz zu entfernen, so dass diese Construction von vielen Gelehrten
der Zeiss’schen vorgezogen wird.
Für solche Untersuchungen, wo es sich darum handelt, sehr oft und bequem
von der Condensorbeleuchtung zur gewöhnlichen Spiegelbeleuchtung überzugehen,
habe ich diese Einrichtung in der Weise modificirt, dass ein einfacher Druck
genügt, den Condensor aus- oder einzuschalten und von der Condensorbeleuchtung
zur Spiegelbeleuchtung oder umgekehrt überzugehen.
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4 Versammlung am 8. Jänner 1896.
In England ist es seit langer Zeit üblich, an jedem besseren Mikroskop
einen beweglichen Objecttisch zu besitzen. Bei uns wurde diese Einrichtung Jarien
Zeit ignorirt und als Spielerei betrachtet.
Wenn es nun bei schwachen Vergrösserungen auch gar keine Schwierig-
keiten bietet, bei einiger Geschicklichkeit und Fertigkeit ein Präparat zu durch-
suchen, so ist es bei einer tausendfachen Vergrösserung ganz unmöglich, ein
Objeet derart zu durchsuchen, dass man mit gutem Gewissen sagen kann, jede
Stelle im Gesichtsfelde vor sich gehabt zu haben. Zu solchen Untersuchungen
ist ein gut gehender beweglicher Objecttisch eine grosse Annehmlichkeit und
erleichtert die systematische Durchmusterung der Präparate.
In England wird das Mikroskop von Anbeginn gleich für einen beweglichen
Objecttisch eingerichtet, bei uns ist dies nur bei den ganz grossen und theueren
Instrumenten der Fall. In den meisten Fällen wird der Tisch aus ökonomischen
Gründen erst später angepasst, er muss also jederzeit nachgeliefert werden können.
Dies hat zu der von mir zuerst ausgeführten Construction des aufsetzbaren Kreuz-
tisches geführt, der von Prof. E. Fleischl 1887 in der Behrens’schen Zeit-
schrift beschrieben wurde und heute auch von vielen anderen Firmen etwas ver-
ändert hergestellt wird.
Diese Vorrichtung kann an jedem beliebigen, nach continentalem Typus
gebauten Mikroskop auf- und abgesetzt werden, es können sowohl grosse als
kleine Objeetträger verwendet werden; in seiner heutigen Ausführung entspricht
er allen Anforderungen, die man an einen solchen Hilfsapparat stellen kann.
Er kann jedoch nur an grösseren Instrumenten mit Vortheil angebracht werden,
weil nur diese genügend Raum zur Bewegung und Ausnützung bieten.
Dies war die Veranlassung zu einer Modification, bei der durch eine neue
Befestigungsmethode viel Raum gespart und hiedurch soviel Weg gewonnen wurde,
dass der bewegliche Objecttisch auch an kleineren Instrumenten mit Vortheil ver-
wendet werden kann; nachdem die Mikroskoptische verschieden sind, werden die
Befestigungsrahmen auch in verschiedenen Formen und Grössen den Objecttischen
entsprechend angefertigt. Bei Nachbestellung eines solchen Objecttisches ist es nur
nöthig, die Grösse des Mikroskoptisches anzugeben. Er kann ebenfalls leicht auf-
gesetzt und wieder entfernt werden.
Ich komme nun zum Schlusse zu den photographischen Hilfsapparaten.
Die Mikrophotographie gibt nur da gute Resultate, wo gute Objeete mit scharfen
Contouren, das heisst wo genügende Contraste vorhanden sind. Je dünner und
schöner die Präparate sind, umso bessere Resultate darf man auch erwarten.
Vor einigen Jahren hat man sehr voluminöse, mit allem möglichen Beiwerk ver-
sehene Apparate gebaut, aber man hat bald gesehen, dass die einfachen und
stabilen Apparate die besten sind, die allerdings, je nachdem man specielle Be-
dürfnisse im Auge hat, auch eine speeielle Einrichtung haben können und müssen.
Ich möchte mir nun zwei mikrophotographische Apparate zu zeigen er-
lauben, wie sich solehe durch vielseitige Erfahrungen ergeben haben.
Der kleine Apparat ist, damit er sehr solid und dauerhaft sei, aus Guss-
fertigt. An demselben kann mit jedem Mikroskop gearbeitet werden,
Botanischer Discussionsabend am 20. December 1895. 5
es können ganz schwache und mit entsprechenden Objectiven und Ocularen Ver-
grösserungen bis 1000 erzielt werden.
Für Institute, wo der Anschaffungspreis keine so grosse Rolle spielt, habe
ich einen grösseren, umlegbaren Apparat construirt; derselbe hat einen längeren
Auszug und es können auch mit schwächeren Ocularen Vergrösserungen von 1000
und darüber hergestellt werden.
Der Apparat kann sowohl in aufrechter wie liegender Stellung verwendet
werden. Auch können die optischen Behelfe wie Spiegel, Heliostat oder Lampe,
Beleuchtungslinse, Lichtfilter, matte Scheibe u. s. w. an dem Apparat selbst an-
gebracht und in fixe Stellung gebracht werden.
Die grobe Einstellung geschieht am Mikroskop mit der Mikrometerschraube,
dann mit dem Hook'’schen Schlüssel; bei ganz starken Vergrösserungen hat sich
die Einstellung mit Hebel und zwei über Rollen gehenden Schnüren am besten
bewährt.
Botanischer Diseussionsabend am 20. Deeember 1895.
Herr Dr. Al. Zahlbruckner demonstrirte einige Typen
peruanischer Phanerogamen.
Hierauf legte Herr Prof. Dr. C. Fritsch einige neue
Phanerogamen der europäischen Flora vor.
Zur Vorlage gelangten:
l. Knautia Byzantina Fritsch, eine neue Art aus der Verwandtschaft
der Knautia integrifolia (L.). Dieselbe wurde von J. Nemetz bei Constantinopel
gesammelt. Vergl. diese „Verhandlungen“, 1895, S. 429.
2. Hesperis Velenovskyi Fritsch —= Hesperis Steveniana Velenovsky,
non DC. Wächst im Banat, Serbien und Bulgarien, wo sie die nahe verwandte
pannonische Hesperis silvestris Cr. —= Hesperis runcinata W.K. vertritt. Vergl.
diese „Verhandlungen“, 1895, S. 375.
3. Erysimum heterotrichum Fritsch, eine Hybride zwischen Zry-
simum Pannonicum Cr. = E. odoratum Ehrh. und Erysimum silvestre Cr. —
E. Cheiranthus Pers., bisher nur in Serbien beobachtet. Vergl. diese „Verhand-
lungen“, 1895, S. 377.
Schliesslich überreichte Herr F. Anger ein Exemplar von
Ruscus Hypoglossum L. für das Herbar der Gesellschaft. Das-
selbe stammt von einem neuen Standorte in Niederösterreich, Kirch-
berg bei Hainfeld (900 m).
6 Franz Werner.
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-
orientalischen Region.
Von
Dr. Franz Werner.
(Mit Tafel 1.)
(Eingelaufen am 30. December 1895.)
Nachstehend gebe ich ein zweites Verzeichniss von Reptilien und Batra-
chiern des indo-australischen Faunengebietes, welche ich theils vom kgl. Museum
für Naturkunde in Berlin (M. B.)!) (Sunda-Inseln), theils von den Herren Prof.
Dr. v. Graff (G.) in Graz und Dr. Th. Adensamer (A.) in Wien (Java und
Amboina) und schliesslich von den Herren Gustav Schneider in Basel, Wilhelm
Schlüter (S.) in Halle und G. Redemann (R.) in Antwerpen zur Bestimmung
erhielt.
Wenngleich der Werth derartiger, wenn auch mit systematischen Bemer-
kungen versehener Verzeichnisse gewöhnlich nicht sehr hoch angeschlagen wird,
wo es sich nicht um wenig bekannte Gebiete oder seltenere Arten handelt, so
halte ich sie doch schon darum nicht für überflüssig, weil sie in der Regel einen
Ueberblick über denjenigen Theil der Fauna eines bestimmten Gebietes gewähren,
der dem sammelnden Tropenreisenden, mag er nun selbst auf die Suche gehen
oder sich die Thiere von den Eingebornen bringen lassen, mit einer gewissen Noth-
wendigkeit unterkommt, also der betreffenden Fauna ihren Charakter verleiht.
Ein solches Charakterbild der Fauna des botanischen Gartens von Buitenzorg und
Umgebung gewähren uns die auf Java angelegten Collectionen von Prof. v. Graff
und Dr. Th. Adensamer. Aus demselben vorher angeführten Grunde ist auch
die Angabe der Zahl der Exemplare jeder in der betreffenden Collection enthaltenen
Art nicht unnöthig, da sie, wenn auch nur sehr beiläufig, die Verhältnisszahl
der Häufigkeit derselben vorstellt. Was schliesslich die Angaben über Pholidose
und Färbung anbelangt, so sind solche darum nicht ohne Werth, weil aus solchen
Aufzeichnungen in vielen Fällen ein Bild der Variabilitätsgrenzen einer Form
gewonnen und Annäherung mancher verwandter Arten bis zum Verschwinden der
bisher angenommenen Artunterschiede, ebenso wie die scharfe Scheidung oft sehr
ähnlicher Formen erkannt werden kann. Derjenige, welcher schon ein grosses
Material durchgearbeitet hat, weiss von der geradezu staunenswerthen Variations-
fähigkeit mancher Reptilien zu erzählen, welche oft kein einziges der Artmerk-
male ganz unberührt lässt, wie wir dies wohl im höchsten Grade bei der Kreuz-
otter ausgeprägt finden. Aus diesem Grunde sind derartige Angaben Manchem,
!) Die Buchstaben in Klammern kommen dann in der Aufzählung der Arten als Abkürzung
des Namens des Sammlers oder Einsenders der betreffenden Art vor.
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 7
der sonst leicht versucht ist, aus einer abweichenden Form, namentlich wenn sie
nur in einem einzigen Exemplar vorliegt, frischweg eine neue Art zu construiren,
und der davon absteht und die Novität in den Formenkreis einer Art einfügt,
wenn er in der Literatur derartige Abweichungen bei dieser Art erwähnt findet,
gewiss nicht unerwünscht.
Das vorliegende Verzeichniss enthält kurze Beschreibungen mehrerer seltener
Arten und einiger Novitäten, welche grösstentheils aus der Sendung des Berliner
Museums stammen. Die Bezeichnung „Blngr., R. B. I.“ bedeutet wieder: Bou-
lenger, Fauna of British India, Reptilia and Batrachia, die Bezeichnung „Blngr.,
Mares. “ bezieht sich auf die betreffenden Kataloge der herpetologischen
Sammlung des British Museum vom selben Verfasser. Alle übrigen Literatur-
angaben sind ausführlicher, wo solche überhaupt nothwendig erschienen.
A. Ceylon.
1. Gymnodactylus frenatus Gthr. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 42.) (R.).
2. Hemidactylus gleadowii Murray. (R.)
3. Ceratophora stoddartii Gray. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 227.) Diese Art
scheint nicht sehr selten vorzukommen, da ich von Herın Redemann bereits
eine ziemliche Anzahl von Exemplaren erhielt.
3a. Cophotes ceylanica Ptrs., Monatsber. d. Akad. d. Wissensch. in Berlin,
1861, S. 1103. (Blngr., Cat. Liz., I. p. 275.)
Ein g' dieser seltenen Art, welche durch ihren prehensilen Schwanz
ausgezeichnet ist. Greifschwänze erkennt man bei Eidechsen (Chamaeleonten,
Stenodactylus guttatus, Phrynocephalus mystaceus, caudiwvolvulus, Cophotis,
Xiphocercus, manche Amphisbaenen, Corueia) und Schlangen (Boiden, Atheris,
Trimeresurus) in der Regel an der überall gleich dicken, wenigstens etwas ventral-
wärts eingerollten und am Ende mitunter etwas verdickten, oft von der Basal-
hälfte verschieden gefärbten hinteren Schwanzhälfte.
4. Calotes saleoides n. Sp.
Diese Art, welche mir leider nur aus einem weiblichen Exemplar bekannt
ist, gleicht der Salea horsfieldi so sehr, dass ich sie anfänglich als ceylonesische
Varietät derselben betrachtete. Vor der Schulter befindet sich eine kleine schwarz-
gefärbte Falte, welche nicht auf die Kehle übergeht. Der Kopf ist jederseits nur
mit einem einzigen Dorn bewehrt, der sich über und etwas hinter dem Tympanum
befindet. Die Rückenschuppen sind grösser als die ventralen, schwach gekielt, die
Kiele sehr wenig nach aufwärts gerichtet, die Ventralschuppen sind stark gekielt.
Die oberen Kopfschuppen sind ziemlich gross, an der Schnauze gekielt, die
Supraorbitalen in der Längsrichtung des Kopfes verlängert. Die Kehlschuppen
sind stark gekielt, kleiner als die dorsalen. Nackenkamm sehr klein (9), aus
wenigen einzeln stehenden Dornen bestehend, kein Rückenkamm. 51 Schuppen
um die Rumpfmitte. Tympanum etwa so lang wie das Auge. Der vierte Finger
ist etwas kürzer als das Auge, das Hinterbein erreicht mit der Spitze der vierten
Zehe den Vorderrand des Tympanums.
S Franz Werner.
Oberseite graugrün mit dunklen Querbinden auf Extremitäten, Schwanz
und Rumpf. Die dunklen Schuppen daselbst haben helle Mittel-Längsstriche wie
bei Salea. Seiten mit einem dunklen Netzwerk. Unterseite hell graugrün, ein-
farbig. Mehrere vom Auge ausgehende schwarze Linien, zwei auf die Oberlippe,
zwei zum Tympanum ziehend.
Totallänge 225 mm, Schwanz 152 mm. (S.)
5. Calotes liocephalus Gthr. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 329, Pl. 26.)
Von dieser schönen Art liegt mir ein prachtvolles g' vor, welches sich
von der Abbildung in Boulenger’s Katalog namentlich durch die noch stärkere
Verdickung der Schwanzbasis unterscheidet. Der Kopf ist gross, unter und
hinter dem Tympanum stark backenartig aufgetrieben, Dorsal- und Gularschuppen
sehr schwach gekielt. Fünf dunkle Querbinden am Rücken, drei Flecken auf
der Schnauze, dahinter mehrere dunkle Querbänder auf dem Kopfe. Totallänge
350 mm, Schwanzlänge 225 mm, Kopflänge 30 mm, Kopfhöhe 20 mm, Kopfbreite
22 mm, Schwanzhöhe an der dicksten Stelle 15 mm.
6. Lyriocephalus seutatus L. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 281.) dad. (S.)
7. Varanus bengalensis Daud. Ein junges Exemplar. (S.)
3. Mabwia carinata Theob.
Mir liegen zwei Exemplare (ad.) vor, welche mich die Richtigkeit meiner
Bestimmung der in meiner früheren Arbeit für Ceylon angeführten Mabwia
macularia Blyth zu bezweifeln veranlassten. Nicht dieses, aber die mir neuer-
dings zugekommenen zwei Exemplare besitzen allerdings deutlich siebenkielige
Dorsalschuppen. Die Zahl der Schuppenreihen beträgt 30, die der Supraeiliaren 5,
von denen das dritte das längste ist. Die Hinterbeine erreichen nur bei einem
Exemplare die Achsel, bei den zwei anderen nur das Handgelenk. (R.)
9. Lygosoma (Homolopida) fallax Ptrs. g' mit blauer, weisspunktirter
Kehle. (R.)
10. Rhinophis trevelyanus Kel. (Blngr., R.B. I, p. 156; Cat. Snakes, I,
p. 142.) (S.)
11. Tropidonotus asperrimus Blugr., Ann. Mag. N. H. (6), VII, 1891,
p- 281; Cat. Snakes, I, p. 232, Pl. 15, Fig 2.
Von dieser specifisch ceylonesischen, dem 7. piscator sehr ähnlichen Art
liegt mir jetzt wieder ein altes und ein junges Exemplar vor. Die in der früheren
Arbeit (Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1893, S. 351) für Ceylon
erwähnten Exemplare von 7’. piscator gehören natürlich, wie auch schon Boettger
in seinem Referat im Zoologischen Centralblatte corrigirte, ebenfalls zu 7. asper-
rimus. (R.)
12. Tropidonotus stolatus L. (R.)
13. Aspidura copü Gthr. (Blngr., R.B. L, p. 289; Cat. Snakes, I, p. 311.)
Von dieser seltenen Schlangenart erhielt ich von Herrn Redemann
zwei schöne Exemplare, aus denen man ersieht, dass Aspidura copi wohl die
grösste Aspidura-Art ist, da das eine Exemplar eine Länge von 500 mm besitzt
(Schwanz 36 mm). Beide Exemplare sind bis auf den Umstand ganz typisch, dass
das Rostrale von oben etwas sichtbar ist. Die oberen Schwanzschuppen sind
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 9
gekielt, es sind also beide Exemplare /'. Temporalia 1+2, Ventralen 136, 138,
Subcaudalpaare 17. Färbung oben schön rothbraun mit zwei Längsreihen grosser,
dunkler, heller geränderter, undeutlicher Flecken. Unterseite mit grossen und
kleinen unregelmässig angeordneten Sprenkeln. Bauchseite hellgelb, Schwanzunter-
seite grau gewölkt. Oberlippenschilder mit dunklen Seitenrändern. (R.)
14. Aspidura guentheri Ferg.
Ein Exemplar. V.115, A.1, Se. 19. (R.)
15. Aspidura trachyprocta Cope.
Mehrere Exemplare, auch ganz junge. Einige sind nahezu schwarz (der
Bauch auf gelblichem Grunde dicht dunkelgrau gefleckt) und gleichen dann einiger-
massen der vorigen Art. (R.)
16. Haplocercus ceylonensis Gthr., Cat. Col. Sn., p. 15; R. B. L, p. 204.
— Bingr., R. B. I. p. 291; Cat. Snakes, I, p. 309.
Zwei Exemplare. Sechs Oberlippenschilder, das vierte das Auge berührend.
V.178 (9), 197 (2), Se.50 (5), 45 (7). Oberseite dunkelbraun mit der typischen
Zeichnung. Unterseite lebhaft ziegelroth (Z'), lachsfarbig (2). (R.)
17. Zamenis mucosus L. (R.)
18. Coluber helena Daud. (R.)
19. Dendrophis caudolineolatus Gthr., Proc. Zool. Soc., 1869, p. 506, Pl. 40,
Fig. 1. — Blngr., R.B. L, p. 339; Cat. Snakes, II, p. 85.
Mir liegen von dieser seltenen Schlange drei Exemplare vor, von denen
die Länge des grössten 865 mm beträgt (Schwanz 290 mm). Das Auge ist bei allen
so gross wie seine Entfernung vom Nasenloch. Schuppenzahlen der drei Exemplare:
I. Ventralen 156, Subcaudalpaare 115, Temporalia 1 +2, Supralabialia 7—8
(4. und 5. berührt das Auge).
II. Ventralen 153, Subcaudalpaare 123, Temporalia 2+2, Supralabialia 8S—9
(4. und 5., beziehungsweise 5. und 6. berührt das Auge).
III. Ventralen 154, Subcaudalpaare 111, Temporalia 1+ 2, Supralabialia 9
(5. und 6. berührt das Auge).
Bei Exemplar III fehlt beiderseits das Frenale, wie dies bei manchen
Leptophis-Arten ausnahmsweise, bei anderen constant vorkommt.
Oberseite graugrün, manche Schuppen mit weissen und schwarzen Rändern,
auf der Hinterhälfte des Körpers nur mit schwarzen; diese dunklen Ränder bilden
im Zusammenhange die Längsstreifen des Schwanzes (am deutlichsten ist der
Streifen am Rande der Ventralen).. Ein dunkler Schläfenstreifen vorhanden.
Oberlippe und Kehle gelblich. Unterseite des Rumpfes grasgrün, gegen den
Schwanz zu und auf dessen Unterseite blaugrün, dieser mit dunkler Längslinie
in der Mitte. Halsseiten röthlichgelb, mit grossen dunklen Flecken am Rande
der Ventralen, die sich hinter dem ersten Rumpfviertel allmälig verlieren. (R.)
20. Simotes arnensis Shaw.
Drei ziemlich erwachsene Exemplare. Scheint die häufigste Simotes-Art
Ceylons zu sein. (R.)
21. Oligodon sublineatus DB. (R.)
22. Dipsas ceylonensis Gthr. (R.)
Z. B. Ges. Bd. XLVI.
[89]
10 Franiz Werner.
Ein Exemplar. 7—7 Supralabialia, von denen wie bei dem seinerzeit er-
wähnten mit 8—8 Supralabialen das dritte bis fünfte das Auge berührt. Prae-
oeulare 1, Postoculare 2. Temporalia 2+3, 3+4, das mittlere der ersten Reihe
vertical halbirt.
23. Bungarus coeruleus Schneid. (R.)
Oberseite graugrün mit kleinen weissen Flecken, die meistens in paarigen
Ringen angeordnet sind. Bauchseite einfarbig weiss. Sq. 15, V. 199, A. 1, Se. 40.
24. Naja tripudians Merr. (R.)
Junges, rothbraunes Exemplar; unten lichter, Kehle gelb. Schuppen-
formel: Sq. 22 (Hals), 19 (Rumpf), V. 171, A. 1, Se. /.+1.
25. Vipera russellii Shaw. (R.)
26. Anecistrodon hypnale Merr. (R.)
Mehrere Exemplare. Wie bei Psammodynastes pulwerulentus (s. Seite 19)
sind die Z' mehr rothbraun oder gelbbraun, die @ mehr graubraun oder grau-
schwarz. Ein trächtiges ® enthielt sechs Junge, welche die Färbung des 2
und deutliche Zeichnung besassen, während die erwachsenen Exemplare meist
fast einfarbig sind.
27. Trimeresurus trigonocephalus Daud.
Ein schönes, halbwüchsiges Exemplar, im Gegensatze zu dem im früheren
Verzeichnisse beschriebenen blaugrünen Exemplar gelbgrün gefärbt (Z'). Sq. 17,
V.151, Se. @/g +1. Oberlippenschilder 10—10. (R.)
28. Rana hexadactyla Less. (R.)
29. Ichthyophis glutinosus L. (S.)
B. Sunda-Inseln.
Die nachfolgend verzeichneten Arten stammen von Borneo (Museum Berlin),
Sumatra (M. B., ferner von Herrn W. Schlüter, @. Redemann, Dr. Aden-
samer und G. Schneider) und schliesslich von Java (Buitenzorg, wenn nicht
anders angegeben: Dr. Adensamer und Prof. v. Graff, ferner vom Museum
Berlin).
I. Chelonia.
1. Oyelemys amboinensis Daud.
Kopf eines grossen und ein junges Exemplar. — Sumatra. (M. B.)
2. Geoemyda spinosa Gray. (Blngr., Cat., p. 137.)
Ein junges, schönes Exemplar. — Borneo. (M. B.)
3. Trionyz subplanus Geoffr. (Blngr., Cat., p. 246; R. B. I, p. 11.)
Ein altes und ein Embryo mit Dottersack (G.), sowie zwei junge Exemplare
(A.) dieser Art (alle von Java), welche sich von der folgenden schon durch die
Zeichnung des Kopfes (braun mit einer dunklen Linie von der Schnauze zum
Auge und von da schief über die Schläfe herunter, ein Winkelflecken auf dem
Hinterkopf — Spitze nach vorn —, Schenkel parallel zum Schläfenstreifen, ferner
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 11
eine diesen Winkel halbirende Längslinie) leicht unterscheiden lassen. Halsseiten
gelbbraun, scharf von der braunen Nackenfärbung abgesetzt.
4. Triony& cartilagineus Bodd. (Blngr., Cat., p. 253; R. B. L, p. 15.)
Zwei grössere Exemplare von Java (A.), ein junges von Sumatra (M. B.).
Kopf oben und unten braun mit gelben Flecken.
II. Sauria.
5. Gymmodactylus marmoratus Kuhl.
Java. (A.,G.) Ein Exemplar (M. B.), welches ich als var. quadrilineatus n.
abtrennen möchte, unterscheidet sich vom Typus durch das stark ausgerandete,
des Längseinschnittes entbehrende Rostrale und durch die Zeichnung, die aus vier
dunkelbraunen Längsstreifen besteht, von denen die äusseren beiden am Hinter-
rande des Auges beginnen. Zwei Paar Kinnschilder, das äussere sehr klein. Keine
Grenzreihe von Tuberkeln gegen die Ventralgegend. Vielleicht n. sp. — Sumatra.
6b. Gymmodaetylus lateralis n. sp. (Taf. I, Fig. 4.)
Aus der Gruppe des Gymmodactylus pulchellus Gray, aber die Hautfalte
an jeder Seite des Rumpfes stark und ungleichmässig gezähnelt. Kopf gross,
vorn zugespitzt mit starker longitudinaler Längsfurche. Oberseite mit sehr kleinen
Granulae, die auch auf der Schnauze nicht grösser sind, und kleinen, glatten
oder schwach konischen Tuberkeln. Rostrale oben ausgerandet, gross, polygonal
(neuneckig), Nasenloch zwischen dem Rostrale, dem ersten der 11 Supralabialia
und fünf kleineren Schildehen. 10 Sublabialia, Mentale etwa fünfeckig, 2—3 Kinn-
schilder, die innersten am grössten und hinter dem Mentale in Contact. Kehl-
schuppen sehr klein, Bauchschuppen ziemlich klein, sonst wie bei pwlchellus.
Durchmesser des Auges kleiner als seine Entfernung von der Öhröffnung, die
schief, rundlich und von kaum !/; Augendurchmesser ist. Oben graubraun mit
zwei undeutlichen helleren Längsstreifen, zwischen denen zwei Reihen grosser,
runder, dunkelbrauner, hell geränderter Flecken. Schwanz mit wirtelig gestellten
stachelförmigen Tuberkeln (sechs in einem Wirtel) und vier breiten dunkelbraunen
Ringen. Länge 140 mm (Schwanz 75 mm). — Sumatra. (M. B.)
7. Hemidactylus frenatus DB.
Java. (A., @.) Jedenfalls die häufigste Geckonidenart Javas ausser der
folgenden.
8. Gehyra mutilata Wiegm.
Zahlreiche Exemplare, meist (namentlich die Jungen) mit hellen, häufig
dunkel geränderten Fleckchen, wie dies auch Boettger (Herpetol. Mittheil. in
29.—32. Bericht des Offenb. Ver. für Naturk., S. 115) angibt. Die reproducirten
Schwänze sind weit dicker und breiter als die ursprünglichen, mitunter mit zahl-
reichen dunklen Flecken, Seitenkante weniger scharf. Die ursprünglichen sind an
der Spitze weiss geringelt. (A., G.)
9. Gehyra oceanica Less. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 152.)
Neu fürdie Sunda-Inseln (Sumatra), bisher nach Westen nur bis zu den
Molukken bekannt. Das vorliegende Exemplar (2) unterscheidet sich von typischen
)*
-
11% Franz Werner.
Stücken nur dadurch, dass das Rostrale oben nicht ausgerandet ist. 12—12 Ober-,
10—12 Unterlippenschilder. Das vertical elliptische Nasenloch wird vom Rostrale,
ersten Supralabiale und vier Schildchen begrenzt, von denen das über dem Rostrale
liegende das grösste ist. Oben hellgrau mit schwarzen Flecken und Längs-
streifen. (M. B.)
10. Spathoscalabotes mutilatus Gthr. (Blngr., Cat., I, p. 157, Pl. XIII, Fig. 1.)
Ein ganz typisches Exemplar von Nord-Borneo (M. B.), ein zweites von
Java (A.), ein drittes von Sumatra (R.). Eine durch den langgestreckten Körper
sofort auffallende Form.
1l. Gecko stentor Cant. (Blngr., Cat., I, p. 184.)
Ein grosses Exemplar (145 + 115 mm), welches keine weissen Querbinden,
sondern nur einzelne weisse Tuberkeln besitzt. — Sumatra. (M. B.)
12. Gecko vertieillatus Laur. — Java. (A., G.)
13. Ptychozoon homalocephalum Crev. — Java. (A., G.)
14. Draco volans L. — Java (A., G., M. B.), Sumatra (8.).
15. Gonyocephalus kuhlii Schleg. — Zwei g' aus Java. (M. B.)
16. Gonyocephalus beyschlagi Bttgr., Herpet. Mittheil. in 29.—32. Bericht
des Offenb. Ver. für Naturk., 1892, S. 104.
Ein erwachsenes g’ dieser schönen Art (Sumatra), ganz typisch. Tym-
panum elfenbeinweiss. Länge 375 mm (Schwanz 270 mm). (Taf. I, Fig. 5.)
17. Calotes eristatellus Kuhl. — Sumatra. (M. B.)
18. Calotes jubatus DB. — Java. (A., G.)
19. Varanus salvator Laur. — Java (A., G.), Sumatra (S.), Nord-Borneo
(M. B.).
20. Varanus dumerilii Schleg. (Blngr., Cat., II, p. 312.)
Ein junges Exemplar dieser an den grossen Nackenschuppen sofort kennt-
lichen hübschen Art. — Sumatra. (S.)
21. Tachydromus sexlineatus Daud. — Java. (A., G.,M.B.)
22. Mabwia multifaseiata Kuhl. — Java. (A., G.,M. B.)
Die unter Nr. 5, 7, 8, 12—14, 18, 19, 21, 22 und 25 angeführten Eidechsen-
arten sind geradezu charakteristisch für die Umgebung von Buitenzorg auf Java.
Die Eidechsenfauna dieser Gegend ist ärmer als die Schlangenfauna, wir finden
unter den massenhaft auftretenden Mabuien und Calotes stets nur die eine Art,
so dass eigentlich die Zahl der in dieser sonst so üppigen Tropenfauna gemeineren
Arten nicht grösser ist, als die von Oesterreich-Ungarn.
235. Mabuwia quinquecarinata n. Sp.
Nahe verwandt der Mabwia multicarinata Gray, mit 28 Schuppenreihen
um die Rumpfmitte, die dorsalen und lateralen mit fünf sehr starken Kielen.
Das erste Frenale ist kaum halb so breit, aber um ein Drittel höher als das
zweite. Kein Postnasale. Supranasalia durch das Frontonasale getrennt, welches
etwas länger als breit ist. Hinterbeine reichen trotz der kurzen Zehen mit der
vierten Zehe zur Achselhöhle. Oben dunkelbraun mit sieben schmalen weisslich-
gelben Längsstreifen. Rumpfseiten und Unterseite der Extremitäten rothbraun.
Extremitätenschuppen 2—3kielig. Unterseite schmutzigweiss, Kehle mit einigen
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 18
dunklen Punkten. Länge 58 + 116 mm. Vorderextremität 21 mn, Hinterextremität
27 mm. — Sumatra. (M. B.)
24. Lygosoma (Hinulia) paradoxum n. sp. (Taf. I, Fig. 3.)
Diese neue Art ist namentlich durch die Länge ihrer Hinterbeine, die mit
der vierten Zehe bis zwischen Auge und Ohröffnung reichen, durch die auffallende
Kürze der ersten und fünften Zehe und die Länge der vierten Zehe ausgezeichnet.
Verhältniss der Zehenlängen (mit Kralle) von 1—5 2°5:45:7'5:16:3. Femur 12,
Tibia 12 mm. Totallänge der hinteren Extremität 47 mm, der vorderen 20 mm.
Kopfrumpflänge 63 mm (Schwanz abgebrochen).
Ohröffnung ohne Läppchen, ziemlich gross, fast vertical elliptisch. Fronto-
nasale bildet mit dem Rostrale eine lange Sutur. Fünf Supraocularia, die ersten
drei in Berührung mit dem Frontale; zwei vordere Frenalia übereinander stehend.
Frontoparietalia deutlich. Schuppen glatt, die der Seiten kleiner als die des
Rückens und Bauches. Kopf lacertenartig. Unterseite der 2.—4. Zehe mit zahn-
artig vorspringenden, scharfkantigen Schuppen in einer Reihe, die unter den
Gelenken besonders gross. Oben rothbraun, mit heller braunen, an den Seiten
weisslichen Flecken und Querbinden; unten schmutzigweiss, Extremitäten und
Schwanz gelblich. Schwanzunterseite mit einer Reihe quer erweiterter Schilde.
— Sumatra. (M. B.)
25. Lygosoma (Keneuxia) olivaceum Gray.
Mit zahlreichen olivenbraunen Längsstreifen, die durch die dunklen Ränder
der Dorsal- und Lateralschuppen entstehen; nur ein junges Exemplar besitzt
deutliche Querbinden, die bei den erwachsenen nur im Nacken angedeutet sind.
— Java. (A., G.)
26. Lygosoma (Liolepisma) noctua Less.
Diese Art ist von Boulenger in seinem Catalog (I, p. 256) nicht von den
Sunda-Inseln erwähnt; doch liegt mir ein Exemplar aus Sumatra (R.) vor und
habe ich ein zweites aus Java im Wiener Museum gesehen.
27. Lygosoma (Homolepida) temmincki DB. — Sumatra. (R.)
28. Lygosoma (Lygosoma) chaleides L. — Sumatra. (R.)
III. Ophidia.
29. Typhlops lineatus Boie typ. und var. sumatrana n.
Diese Varietät unterscheidet sich vom Typus (der von Java in der Coll. A.,
G. und M.B. vertreten ist) durch 24 Schuppenreihen um den Körper, durch die
andere Form der Mundspalte (mehr U-förmig, also mit parallelen Seitenrändern,
bei lineatus mehr V-förmig, also mit divergirenden Rändern). Färbung fahlgelb
mit undeutlichen Längslinien; 320 mm lang, davon 7 mm, also !/, auf den
Schwanz. (S.) Vielleicht n. sp.
30. Typhlops braminus Daud. — Java. (A.)
31. Python reticulatus Schneid. — Java (A.), Unter-Langkat, Sumatra
(M. B.).
32. Oylindrophis rufus (Laur.). — Java. (A., G., M.B.)
14 Franz Werner.
33. Xenopeltis unicolor Reinw.
Je zwei alte und junge Exemplare von Sumatra. (R., M. B.)
Schuppenzahlen: V. 173, 169, 171, Se. 14°, +1, 12a +1, 172,
34. Polyodontophis geminatus Boie.
Ein Exemplar, d'. (A.)
Schuppenformel: Sq. 17, V. 164, A. Y,, Se. st...
39. Tropidonotus trianguligerus Boie.
Das grösste Exemplar, zugleich das grösste bisher von mir gemessene
(Coll. G.) ist 104 mm lang. Dieses und noch ein anderes grosses ist wegen seiner
lebhaft rothen, grossen Lateralflecken bemerkenswerth. Die Art gleicht mitunter
sehr dem T’ropidonotus piscator und dem ceylonensischen Tropidonotus asper-
rimus, lässt sich aber durch den Mangel der beiden, diesen Schlangen fast immer
zukommenden Streifen (unter und hinter dem Auge) auf den ersten Blick unter-
scheiden (eine seltene Ausnahme siehe bei Boettger, Herpet. Mitth., S. 131).
56. Tropidonotus piscator Schn. var. melanozosta Boie. (Blngr., Cat.
Snakes, I, p. 232.)
Scheint seltener zu sein als ihre ceylonesische Verwandte; zwei junge Exem-
plare aus Sumatra. (R.)
37. Tropidonotus vittatus (L.). — Java. (A., G.)
38. Tropidonotus subminiatus Schleg.
Java. (A., @.) In der Jugend mit schön gelbrothem Halsband, deutlich
längsgestreift, im Alter fast einfarbig werdend.
39. Tropidonotus chrysargus Schleg.
Zwei schöne Exemplare von Sumatra. (M. B.)
Schuppenformel: I. Sq. 17, V. 139, A. !/, Se. Ya-+l.
1.4 8gq. 17, v2 1A Ar SSH ee
Oben dunkel graugrün mit zwei Reihen runder heller Flecken (den Längs-
streifen von subminiatus und maculatus entsprechend).
40. Tropidonotus maculatus Edeling, Nederl. Tijdschr. Dierk, DH, 1864,
p: 203. — Blngr., Cat. Snakes, I (1893), p. 260.
Es liegen mir mehrere Exemplare dieser grossaugigen und langschwänzigen
Tropidonotus-Art vor. Frontale etwas länger als sein Abstand von der Schnauzen-
spitze. Oberseite braun mit 2—4 Reihen quadratischer schwarzer Flecken ; zwischen
der äusseren und mittleren Fleckenreihe ein heller Längsstreifen wie bei Trrope-
donotus subminiatus. Halsseiten mit grossen schwarzen Flecken. Kopf oben mit
schwarzen Punkten und Vermieulationen. Unterseite hellgelb. Hinterränder der
Ventralen an den Seiten schwärzlich. Eine sehr ähnliche Form von Tropidonotus
trianguligerus kommt neben dieser Art auf Sumatra vor.
I. V.145, Se. 110. Länge 850 mm, davon 315 mm auf den Schwanz.
11 Iraasal>riros. Ar Ari5o=, Ba Droleng Re &
II. „14, „ 65+... (4 Postocularia rechts.)
Va; 148,0 MG6 2er
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 15
V. V.149, Se. 107. Länge 600 mm, davon 220 mm auf den Schwanz.
Mae JAH.
I—VI von Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
VII. V.150, Sec. 102. (Sumatra, $.)
41. Macropisthodon flaviceps DB. — Sumatra. (M. B., S.)
42. Macropisthodon rhodomelas Boie.
Ein erwachsenes Exemplar. Internasalia so lang als Praefrontalia; Frontale
wenig länger als breit. 1 Praeoculare, 1 Suboculare jederseits (erstere zur Hälfte
getheilt), 2—3 Postocularia, 2+3 Temporalia, 8 Supralabiale (4. und 5. das Auge
berührend). Die Ventralen (139) beginnen gleich hinter den hinteren Rinnen-
schildern. Subcaudalpaare 45. — Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
43. Lycodon aulieus (L.).
Nur ein Exemplar in der Coll. A. Diese auf Ceylon gemeine Schlange
scheint auf den Sunda-Inseln nicht häufig zu sein.
44. Lycodon effrenis Cant. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 356.)
Ein erwachsenes Exemplar, einfarbig braun. Ventralen 221, Subcaudal-
paare 37 +... 10 Oberlippenschilder, 3.—5. das Auge berührend. — Sumatra. (R.)
45. Lycodon subeinctus Boie. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 359.)
Ein Exemplar mit sechs deutlichen hellen Querbinden (die im Nacken
eingerechnet). (R.) Die Jungen sind denen von Bungarus semifasciatus sehr
ähnlich (Mimicery’?).
Schuppenformel: Sq. 17, V. 214, A. !/,, Se. "e+1.
46. Zaocys tornieri n. sp. (Taf. I, Fig. 1.)
Unterscheidet sich von allen anderen Zaocys-Arten dadurch, dass sie nur
12 Schuppenreihen besitzt. Von den drei anderen Arten, welche nur ein Frenale
besitzen, ist diese Art durch neun Supralabialia (fünftes und sechstes das Auge
berührend), von Zaocys dhumnades ausserdem durch die grössere Zahl der Sub-
caudalen (131), von Zaocys nigromarginatus und luzonensis dadurch, dass zwei
Mittelreihen von Schuppen sehr stark gekielt sind, zu unterscheiden. Ausserdem
besitzt die Art bedeutend weniger Ventralen als die anderen, nämlich nur 146.
Die Kielung der beiden Mittelschuppenreihen erstreckt sich nur auf die Schwanz-
basis, der grösste Theil des Schwanzes ist mit vollkommen glatten Schuppen
bedeckt. Internasalia so lang als Praefrontalia. Rostrale doppelt so breit als
hoch. Frontale etwas länger als vorn breit, so lang als sein Abstand von der
Schnauze, etwas kürzer als die Parietalia. Frenale länger als hoch. Kein Sub-
oculare, zwei Postocularia. Temporalia 1+1. Oben braun, Kopfseiten gelbbraun,
Unterseite grünlich; Unterseite des Schwanzes mit schwärzlicher Längsmittel-
linie. Totallänge 1130 mm, Schwanz 410 mm. — Sumatra.
Ich habe diese neue Art Herrn Dr. G. Tornier, Custos am kgl. Museum
für Naturkunde in Berlin, zu Ehren benannt.
47. Zamenis korros (Schleg.). — Java. (A., G.)
48. Xenelaphis hexagonotus Cant. (J'):
V. 187, Se. 10%/00 +1. — Sumatra. (M. B.)
16 Franz Werner.
49. Coluber oxycephalus Boie.
12 Exemplare. Java (A., G.), Sumatra (S., M. B.). Im Magen von zweien
fanden sich Reste kleiner Vögel und Fledermäuse. — Schuppenformel:
I. g. Sq. 23 (24), Supralabialia 8—8, das letzte sehr gross (5. und 6. unter
dem Auge), Sublabialia 13—13, V. 247, A. !/, Se. #5 +1.
U. g. Sq. 25, Supralabialia 10—10 (6. und 7. unter dem Auge), Sub-
labiälia 13—14,; V. 243, A. !/,, Se, 24. +1.
II. 2. Sq. 25, Supralabialia 9—9, das letzte sehr gross (6. und 7. unter dem
Auge), Sublabialia 13—14, V. 1, +246, A.'/,, Se. 3/33 +1.
IV. .’50.95, Supralab. 8—8 ( 5.6.0.d.A.);V. 249, A. Fl, Se Be
Ve 25! n 9—8 (6.,7.,5.,6. FE VE =>
Ver 25: & 9—9 ( 6,7. a nchln 28
VEL?E 5 98; 5.1, 89 (5,656, 7.4007, 4) nad
VII 231(25), „4 9— 2 ( 6,745 nn) mi. a ae
IX. n 23 (24), ” Sr IL 3. ‚6. „nn en 2221), ” a ” 13, + Il:
X. (Sumatra.) 2. Sq. 23, ae 9—10 (6. und 7. unter dem Auge),
N. 236, As t/u80.0 a tl.
Bei II. sind die beiden Temporalia erster Ordnung vertical getheilt.
Schwanz des @ unten gelb, der der g' grauviolett mit zwei schmalen (T.)
oder breiten (II.) gelben Längslinien an der Kante.
50. Coluber melanurus Schleg.
Von den zahlreichen Exemplaren aus Sumatra (R., M. B., S.) ist ein grosses
aus Nord-Borneo (M. B.) durch einfarbig graugrüne Oberseite und ölgrüne, auf
der Hinterseite auf einen schmalen Streifen eingeengte Färbung des Bauches
bemerkenswerth. Ein zweites (S.) ist vollständig schwanzlos, die Wunde ist aber
ganz verheilt, scheint also dem T'hiere gar nicht geschadet zu haben. Diese häufige
Schlangenart Sumatras ist auf Java jedenfalls weit seltener, da in der grossen
Collection v. Graff’s kein einziges, in der noch grösseren von Aleriehaue nur
ein junges Exemplar enthalten war.
51. Coluber radiatus Schleg. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 61.)
Ein junges Exemplar. — Sumatra. (R.)
52. Coluber taeniurus Cope. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 47.)
Ein mittelgrosses Exemplar wurde von Herrn Dr. Adensamer aus einer
Höhle auf Sumatra mitgebracht. Vorn einfarbig blaugrau, ohne Querbinden,
Hinterhälfte mit der typischen Streifenzeichnung.
Sehuppenformel: Sg. 25, V. 276, A. !ı, Se. 1Mhoa+1.
Supralabialia 7—9 (auf der einen Seite 5. und 6. Supralabiale zu einem
breiten Schilde vereinigt, ebenso das 8. und 9., daher 5., beziehungsweise 5. und
6. Supralabiale das Auge berührend), rechts ein Suboculare.
53. Dendrophis pietus Gmel. — Sumatra, Borneo (M. B.), Java (A., G.).
54. Dendrophis formosus Boie. (Blngr., Cat., II, p. 84.) .
Supralabialen einmal 8 (3.—5. unter dem Auge) und 9 (4. und 6. unter dem
Auge), sonst immer 9; Sublabialen je einmal 10—9, 10—11, zweimal 10—10.
ee ee
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 17
Ein langes Schild begrenzt das 7.—9. und theilweise auch das sechste Sublabiale
von innen bei zwei Exemplaren, bei einem das 6.—9. auf einer, das 7.—10. auf
der anderen Seite; bei einem vierten das 6.—8. einer-, das 6.—10. andererseits.
Postocularia 2—4, Temporalia 2+ 2 beiderseits.
Schuppenformel: Sq. 15, V. 184, 1+1!l-+182, 188, 179, A. Yı, Se. 14940,
leer 145 | 145, 15 45 + 1l;
Mehrere Exemplare von Sumatra (M. B., S.), Borneo (M. B.), Java
(A G.):
55. Dendrelaphis caudolineatus Gray. — Nord-Borneo. (M. B.)
56. Simotes purpurascens Schleg. (Blngr., Cat., II, p. 218.)
Ein erwachsenes und ein junges Exemplar dieser hübschen Schlange,
welche sich von typischen Stücken dadurch unterscheiden, dass die Internasalsutur
etwas kürzer ist, als die Praefrontalsutur und dass das Frontale nur wenig
länger ist, als sein Abstand von der Schnauzenspitze. Bei dem grossen Exemplare
links ein, rechts zwei Subocularia unter dem Praeoculare, so dass links das vierte
und fünfte, rechts nur das fünfte der acht Supralabiale das Auge berührt. Tempo-
ralia 2+3.
Schuppenformel: G.?/s, Sq. 21, V.170, A.1, Se. #/,g-+1.
Die Unterseite des Thieres, welches in mancher Beziehung eine gewisse
Aehnlichkeit mit den Xenodon-Arten der neotropischen Region aufweist, irisirt
lebhaft.
57. Simotes octolineatus Schn.
Var. A. Java. (G.) — Var. B. Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
58. Simotes signatus Gthr.
Mehrere Exemplare dieser dem Simotes subcarinatus von Borneo in Färbung
und Zeiehnung sehr ähnlichen Art. — Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
59. Oligodon bitorquatus Boie. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 237.)
Ein Exemplar von Tjibodas, eines von Buitenzorg auf Java. (A.)
Schuppenformel: I. V. 166, A. 1, Se. #%/g +1.
IV 353, SEP
60. Ablabes baliodirus Boie. — Sumatra. (M. B.)
61. Ablabes longicauda Ptrs. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 284.)
Ein Exemplar dieser zu den langschwänzigsten Schlangen gehörigen Art
(Schwanz die Hälfte der Totalläinge — 25 cm — einnehmend, was nicht einmal
bei den langschwänzigen Baum- und Sandnattern vorkommt). 2 Praeoeularia,
2 Postocularia, 7 Supralabialia. — Sumatra. (R.)
Schuppenformel: V. 114, A. !/,, Se. %/hoa+1.
62. Pseudorhabdium longiceps Cant. (Blngr., Cat., II, p. 329.)
Ein Exemplar mit prachtvollem blauen und gelben Metallglanze. Ein
gelbes Halsband und ein gelber Fleck hinter dem Mundwinkel. — Sumatra. (R.)
Schuppenformel: V. 146, A. 1, Se. /g+1.
63. Calamaria vermiformis DB.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 3
18 Franz Werner.
Ein Exemplar. Oben einfarbig dunkel olivengrün, die beiden äussersten
Schuppenreihen und Kehle gelb. Unterseite sonst auf dunklem Grunde gelb
gefleckt. Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
Schuppenformel: V. 163, A. 1, Se. Pfyo+1.
Ein zweites Exemplar von Sumatra. (S.)
64. Calamaria sumatrana Edeling, Nat. Tijdschr. Nederl. Ind., XXX,
1870, p. 379. — Blngr., Proc. Zool. Soe., 1890, p. 34; Cat. Snakes, II, p. 339.
Ein junges Exemplar. V. 144, Sc. 22. Oben einfarbig braun, am Aussen-
rande der Ventralen und der ersten Schuppenreihe je eine braune, durch einen
gelben Zwischenraum getrennte Längslinie. Unterseite typisch. (R.)
Ein zweites Exemplar dieser Art, gleichfalls aus Sumatra (M. B.), besitzt
152 Ventralen, 22 Subcaudalpaare. Kopf oben fein dunkel punktirt, sonst wie
das andere Exemplar.
65. Calamaria virgulata Boie. (Blngr., Cat., II, p. 340—341.)
Vier Exemplare der Var. ©. — Java. (M. B.)
66. Calamaria pavimentata DB. var. semidoliata n. (Blngr., Cat., II,
p. 348.)
Oben röthlichbraun, jede Schuppe dunkel gerändert, mit 23 schwarzen Quer-
binden von der Breite zweier Schuppenquerreihen und im Abstande von etwa sechs
Reihen, unten schmutziggelb mit vereinzelten schwarzen Flecken, Anscheinend
neu für Sumatra. (R.)
Schuppenformel: V. 139, A. 1, Se. +1.
67. Calamaria anceps n. Sp.
Eine der schlanksten Calamarien mit 210 Ventralen und 9 Subcaudalen-
paaren. Das vorliegende Exemplar ist 291 mm lang, wovon 7 mm auf den Schwanz
entfallen. Durchmesser 4 mm, Supralabialia fünf, von denen das dritte und vierte
das Auge berührt. Das Frontale ist länger als breit, mehr als doppelt so breit
als ein Supraoculare; das erste Sublabiale berührt das der anderen Seite hinter
dem Mentale (Symphysial). Je ein Prae- und Postoeulare vorhanden.
Kopf und vordere Rumpfhälfte hellbraun, hinten ins Dunkelbraune über-
gehend, mit blauem Metallschimmer; eine Kopflänge hinter dem Mundwinkel
und über der Afterspalte je ein hellgelbes Querband, wodurch auf den ersten
Blick die Unterscheidung von Kopf und Schwanz nicht leicht ist. Hinter dem
vorderen Halsband bemerkt man auf dem Rücken sechs Längslinien, nach aussen
davon eine Zickzacklinie, ausserhalb dieser eine Punktreihe jederseits; diese Zeich-
nungen werden in der hinteren Körperhälfte unkenntlich. Die Schuppen der drei
äussersten Reihen besitzen je einen hellen Mittelpunkt. Oberlippe und Unterseite
hellgelb, Schwanz mit schwarzer Mittellinie auf der Unterseite.
Von der verwandten Calamaria bicolor DB. lässt sich die Art sofort durch
die zahlreicheren Ventralen und weniger Subcaudalen, die weit geringere Schwanz-
länge (!/a, bei Calamaria bicolor etwa '/; der Totallänge) und die Färbung
unterscheiden.
68. Calamaria Linnaei Boie. (Blngr., Cat., I, p. 345.)
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 19
Eines der vorliegenden zahlreichen Exemplare (A., G., M. B.), sehr jung,
stimmt in der Grösse des Rostrale mit Calamaria borneensis überein, hat aber
nur 140 Ventralen, ist auch sonst eine typische Calamaria Linnaei.
69. Dipsas dendrophila Reinw.
Mehrere Exemplare in verschiedenen Altersstufen, von denen das grösste
(welches zugleich das längste bisher von mir gemessene ist) 212 m lang ist. Die
Färbung variirt innerhalb der ihr gesteckten Grenzen nicht unbeträchtlich, indem
die gelbe Zeichnung bald mehr, bald weniger zurückgedrängt ist. — Sumatra
(M. B.), Java (A.).
70. Dipsas eynodon Cuv. (Gthr., Cat. Col. Snakes, p. 168.)
Ein Z' und ein @ dieser schönen, bekanntlich einen auffallenden Dimor-
phismus der Geschlechter in der Färbung zeigenden Baumschlange. Das Z' hatte
einen noch wohlerhaltenen Vogel im Magen. — Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
71. Dipsas boops Gthr., 1. e., p. 179. — Ein junges Exemplar. Sumatra. (M.B.)
72. Dipsas multimaculata Reinw. (Gthr., 1. e., p. 169.) — Java (G.), Su-
matra (R.).
73. Chrysopelea ornata Shaw. — Sumatra. (M. B.)
74. Chrysopelea rubescens Gray. (Gthr., 1. e., p. 145.)
Zwei schlecht erhaltene Exemplare dieser Schlange, die in der Form und
in der Zeichnung des Kopfes lebhaft an gewisse Psammophis-Arten erinnern.
— Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.)
75. Psammodymnastes pulverulentus Boie.
Zahlreiche Exemplare. Nach dem vorliegenden Maäteriale scheinen die g'
wie bei Ancistrodon hypnale mehr helle, braune, die durch die Eier enorm ange-
schwollenen @ düstere, graue Färbung zu besitzen, wie dies unter den einheimi-
schen Arten bei Coronella austriaca der Fall zu sein pflegt. — Sumatra. (M. B., S.)
76. Psammodynastes pietus Gthr.
Ein Exemplar (G. Schneider). 7 Supralabialia, davon auf einer Seite das
2.,3 und 4. (drittes sehr schmal) unter dem Auge; auf der anderen Seite 8 Supra-
labialia, davon das 3. und 5. unter dem Auge, das 2. und 4. nicht den Öber-
lippenrand erreichend. 3 Postocularia, 2+2 Temporalia. Vordere und hintere
Kinnschilder durch die an der Kinnfurche zusammenstossenden vierten Sublabialia
getrennt. Hinter dem vierten Sublabiale und hinteren Rinnenschild, nach aussen
noch vom fünften Sublabiale begrenzt, ein grosses Schild.
Schuppenformel: Sq. 17, V. 164, A. 1, Se. ?
77. Dryophis prasinus Boie.
Unter-Langkat, Sumatra (M. B.), Java (A., @.). Unter den vorliegenden
Exemplaren befinden sich ein oberseits olivenbraunes Exemplar und eines mit
rosenrother Bauchseite. Auch sind bei jüngeren Exemplaren die Schuppenränder
namentlich in der Halsregion schwarz oder weiss.
78. Homalopsis buccata L.
Ein sehr grosses @ aus Sumatra (R.), 25 vollständig entwickelte Junge
enthaltend; ausserdem noch zahlreiche Exemplare aus Sumatra (M. B.) und Java
3*+
20 Franz Werner.
(A., G.), die jungen alle hell gelbbraun mit schwarzen, ältere graubraun oder
graugrün mit dunkelbraunen Zeichnungen.
79. Hypsirhina enhydris (Schn.).
Ein altes Exemplar mit mehreren anscheinend neugebornen Jungen. (A.)
80. Hypsirhina plumbea L. — Sumatra. (M. B.)
81. Naja tripudiens Merr. — Unter-Langkat, Sumatra (M. B.).
82. Naja sputatrix Reinw.
Ich rechne ein junges Exemplar einer Naja zu dieser Art, welche ich für
eine solche halte, die früher oder später eingezogen und als Varietät zu Naja
tripudians gestellt werden wird, da ich bereits mehrere Exemplare zu untersuchen
Gelegenheit hatte, die manche Charaktere von Naja tripudians, manche wieder
von sputatrix besitzen, also bei dem relativen Charakter dieser Merkmale als
complete Uebergangsformen gelten können. Auch das vorliegende Exemplar besitzt
zwar 24 Schuppen um den Hals und 19 um den Rumpf, aber drei ungetheilte
und 46 getheilte Subcaudalia, was mir für die Art charakteristischer zu sein
scheint, als die Zahl der Schuppenreihen.
Ein zweites Exemplar, welches ich sonst zu Naja tripudians Merr. var.
atra Cant. rechnen würde, besitzt 22 Schuppen um den Hals, 17 um die Rumpf-
mitte und 48 Subcaudalenpaare. Ein drittes besitzt 23 Schuppen um den Hals,
17 um die Rumpfmitte, sowie 50 Subcaudalenpaare, also beide Exemplare keine
unpaaren Subcaudalia; das erste Exemplar wäre also wegen der unpaaren ersten
Subeaudalen, die beiden anderen wegen der niedrigen Schuppenreihenzahlen zu
sputatrix, ersteres aber wegen der höheren Schuppenzahlenreihen, letztere wegen
der durchwegs getheilten Subeaudalen zu tripudians zu rechnen.
83. Naja bumgarus Schleg.
Haut zweier erwachsener Exemplare, wovon das eine, vollständige, 3°40 m
lang ist. Kopflänge bis zum Hinterrande der Postparietalia bei einem Exemplar
75cm, beim anderen 6°5cm. — Sumatra. (M. B.)
Ferner ein junges Exemplar (G. Schneider): Supralabialia 7, 3. und 4.
unter dem Auge. Praeocularia 1, Postocularia 3, Temporalia 2+2 +2 (die obersten
der ersten und zweiten Reihe verschmolzen).
Schuppenformel: Sq. 19 (Hals), 15 (Rumpf), V. 255, A.1, Se. 7+® a +1.
84. Bungarus fasciatus (Schneid.)
Eines der vorliegenden Exemplare hatte einen noch wohlerhaltenen Tropi-
donotus vittatus von relativ bedeutender Grösse und Dicke in sich. Java. (A.,
G., M. B.)
85. Bungarus semifasciatus Kuhl. — Java. (A., G., M. B.)
86. Adeniophis bivirgatus Boie.
Drei Exemplare der blaugestreiften Varietät. — Sumatra. (M. B.)
87. Adeniophis intestinalis Laur.
Färbung verschieden von der gewöhnlichen, oben braun mit zwei dorsalen
und zwei bis vier lateralen Längslinien; keine helle Spinallinie (am Schwanz eine
solche). Keine gabelförmige Kopfzeichnung; 2—4 subeaudale Querbinden. —
Sumatra. (M.B.) Ein Exemplar von Java (G.) normal gefärbt.
u
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. >1
88. Callophis gracilis Gray. (Günther, Cat. Col. Snakes, p. 230.)
Ein Exemplar dieser ausserordentlich schlanken Elapide. Länge 690 mm
(Schwanz 25 mm). Oben graubraun mit einem medianen und je drei lateralen
schwarzen Längsstreifen und schwarzen Querbändern, zwischen denen je eine
Verdickung des Spinalstreifens liegt. — Sumatra. (R.)
Schuppenformel: Sq. 13, V. 311, Se. 2/g+1.
89. Megaerophis flawiceps Reinh. — Sumatra. (R.)
90. Amblycephalus carinatus Schleg.
Unter-Langkat, Sumatra (M. B.), Java (A.).
91. Ancistrodon rhodostoma (Reinw.).
Nach dem Mageninhalte eines Exemplares zu schliessen, frisst diese Gift-
schlange auch Frösche (Rana). (A., G.)
92. Trimeresurus Wagleri Schleg.
Ein junges und ein erwachsenes Exemplar; letzteres (2) 757 mm lang,
Schwanz 115 mm, Kopflänge 46 mm, Kopfbreite 35 mm, Kopfhöhe 24 mm. Supra-
labialia 10—10. (S.)
Schuppenformel: Sq. 26, V. 143, Se. #/+1.
Ferner weitere vier Exemplare, wie vorige aus Sumatra. (M. B.)
I. Supralabialia 10—9 (das dritte und vierte, bezw. dritte durch zwei, das fünfte,
bezw. vierte durch drei Schildchen vom Auge getrennt).
Schuppenformel: Sq. 25, V. 142, A. 1, Se. #/s-+1.
II. Supralabialia 8—8.
Schuppenformel: Sq. 23, V. 142, A. 1, Se. ®/s+1.
III. Supralabialia 9—9.
Schuppenformel: Sq. 23, V. 140, A. 1, Se. 2/.+1.
IV. Supralabialia 10—9.
Schuppenformel: Sq. 25, V. 139, A. 1, Se. +1.
93. Trimeresurus gramineus Shaw.
Ein schönes, mittelgrosses Exemplar; Supralabialia 10—11, das zweite die
vordere Begrenzung der Zügelgrube bildend, wie die beiden unteren der drei
langen Praeocularen die hintere. Oben prachtvoll einfarbig grün, unten heller,
eine gelbe Längslinie auf der äussersten Schuppenreihe. — Sumatra. (M. B.)
Schuppenformel: Sq. 21, V. 163, A. 1, Se. "#1.
Diese Art kommt also neben dem nahe verwandten T’rimeresurus formosus,
von dem ich ein Riesenexemplar von Sumatra gesehen habe, vor.
IV. Batrachia.
1. Oxyglossus lima Tsch.
Ein grosses Exemplar aus Java. (A.)
2. Rana macrodon Tsch.
Zwei Exemplare, ohne gelbe Rückenlinie. — Java. (A., G.)
3. Rana tigrina Daud.
>> Franz Werner.
Zahlreiche Exemplare, davon mehrere oberseits ganz einfarbig olivenbraun.
— Java. (A., G.)
4. Rana limnocharis Wiegm.
Dieser Frosch ist von der ähnlichen, aber grösseren Rana tigrina stets
leicht durch das Vorhandensein eines deutlichen äusseren Metatarsaltuberkels und
die kürzeren Schwimmhäute der Zehen zu unterscheiden. Auch ist der gelbe
Rückenstreifen stets sehr schmal (bei Rana tigrina dagegen breit), die dunklen
Rückenzeichnungen sehr deutlich; Einfarbigkeit der Oberseite ist selten. Die gelbe
Längslinie auf der Oberseite der Hinterbeine kommt bei Rana limnocharis wie
bei tigrina vor. Die dunkle W-förmige Zeichnung der Kehle der männlichen
limnocharis konnte ich bei tigrina nicht beobachten. Die Längsfalten des Rückens
sind bei limnocharis mehr scharf, bei tigrina aber abgerundet. — Java. (A., G.)
5. Rana chalconota Schleg.
Die vorliegenden Stücke haben dieselben Eigenthümlichkeiten wie die von
Boettger (Herpet. Mitth., S. 141) erwähnten.
6. Rana erythraea Schleg.
Ein junges Exemplar aus Java (A.), ein grosses aus Sumatra (M. B.).
7. Rhacophorus reinwardti Wagl. (Blngr., Cat., p. 88.)
Von den vier Exemplaren fehlt der schwarze Achselhöhlenfleck einem voll-
ständig, dem anderen links. Oberseite blaugrau, bezw. violett, Seiten gelbgrün.
Interorbitalraum deutlich breiter als das obere Augenlid (siehe auch Boettger,
Herpet. Mitth., S. 141). Nur das jüngere Exemplar hat einen dunklen Fleck
zwischen der zweiten und dritten Zehe, die älteren nur zwischen der fünften
und vierten, sowie vierten und dritten Zehe.
8. Rhacophorus leucomystax (Gravh.) typ. und var. sexvirgata Gravh.
(Blngr., Proc. Zool. Soe. London, 1889, p. 29; R. B. L, p. 474).
Java (A., G.) und Nord-Borneo (M. B.).
9. Rhacophorus chiropterus n. sp. (Taf. I, Fig. 2.)
Gaumenzähne in zwei etwas schiefen, durch einen bedeutenden Zwischen-
raum getrennten Reihen nahe dem Vorderrande der Choanen. Tympanum ?/; des
Augendurchmessers. Nasenloch näher der Schnauzenspitze als dem Auge. Inter-
orbitalraum etwa dreimal so breit als ein oberes Augenlid. Schnauze abgerundet,
Schnauzenkante deutlich. Finger mit ganzen Schwimmhäuten und kleinen Haft-
scheiben; ebenso die Zehen. Ein starker Hautsaum an der Beugeseite der Vorder-
extremität von der Schulter zur Handwurzel; sehr kleine Hautlappen an der Ferse
und über dem After. Hinterbeine reichen mit der Ferse zur Schnauzenspitze.
Oben hellgelb mit kleinen schwarzen Punkten, unten gelblich. Länge 43 mm. —
Nord-Borneo.
10. Bufo melanostietus Schneid.
11. Bufo biporcatus Gravh. (Blngr., Cat., p. 311.)
12. Bufo asper Gravh. (Blngr., Cat., p. 313.)
Beide letztere Arten nur in der Collection Adensamer.
13. Megalophrys nasuta Schleg. (Blngr., Cat., p. 443.)
Ein erwachsenes Exemplar (G. Schneider), ein junges (S.).
u
un
Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 23
C. Amboina.
(Collection Adensamer.)
1. Cyelemys amboinensis (Daud.). (Blngr., Cat., p. 133.)
In allen Altersstadien vertreten. Ein Exemplar mit abnormem, zu einem
kugelförmigen Knollen ausgewachsenem Rückenpanzer.
2. Hemidactylus frenatus DB. (Blngr., Cat., I, p. 120.)
Ein junges Exemplar.
3. Gecko vittatus Houtt. (Blngr., Cat., I, p. 185.)
Acht Exemplare. Zu erwähnen wäre, dass der Schwanz dieser Art im
normalen Zustande weiss und braun geringelt ist, reproducirt aber entweder braun
ist und die Fortsetzung der dorsalen gelblichen Rückenlinie trägt oder weiss mit
braunen Längslinien.
4. Gecko monarchus DB. (Blngr., Cat., I, p. 187.)
Ein erwachsenes und ein junges Exemplar.
5. Draco lineatus Daud. (Blngr., Cat., I, p. 264.)
6. Calotes cristatellus Kuhl. var. moluccana Less. (Blngr., Cat, I
p- 316.)
7. Lophura amboinensis Schloss. (Blngr., Cat., I, p. 402.)
Ein erwachsenes g'.
’
8. Lygosoma (Keneuxia) smaragdinum (Less.) (Blngr., Cat., III, p. 250.)
Zwei Exemplare. Weisslich mit hellbraunem oder chocoladebraunem,
breitem Dorsalband und schwarzbraunen und weissen Flecken.
9. Lygosoma (Emoa) eyanurum (Less.). (Blngr., Cat., III, p. 290.)
10. Enygrus carinatus (Schneid.). (Blngr., Cat., I, p. 107.)
Ein junges Exemplar.
11. Brachyorrhos albus (L.). (Blugr., Cat., I, p. 305.)
Zwei Exemplare, oben einfarbig braun, an den Seiten lichter, Bauch weiss.
Mittellinie der Schwanzunterseite schwärzlich. Parietalia nach aussen von je einem
langen Schild begrenzt. Oberlippenschilder 7—7, drittes und viertes unter dem
Auge. 1+2 Temporalia. Erstes Sublabialenpaar in Berührung hinter dem
Mentale.
Schuppenformel: I. Sq. 19, V. 177, A. !/,, Se. 7/+1.
IEs Sg:19,;w VAT; Aral 28er:
12. Hyla dolichopsis Cope. (Blngr., Cat., p. 384.)
Auch bei den vorliegenden Stücken ist wie bei denen Boettger’s (Herpet.
Mitth., 8. 156) die Schnauze nicht länger als 1!/—1?/; des Augendurehmessers
und die Saugscheiben sind nicht grösser als das Tympanum.
24 Franz Werner. Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region.
g
Erklärung der Abbildungen.
Tafel I.
Fig. 1. Zaocys tornieri n. sp. Kopf (natürliche Grösse).
»„ 2. Rhacophorus chiropterus n. sp. Von oben (natürliche Grösse).
Q
2 5 » » Mundhöhlendach.
Hinterbein |
Vierte Zehe von Lygosoma paradoxum n. sp. (nat. Gr.).
Kopf von oben |
Gymnodactylus lateralis n. sp. (wenig vergrössert).
(Gonyocephalus beyschlagi Boettger (wenig vergrössert).
ea www
8
Referate.
Thiselton-Dyer W.T. Botanical Nomenclature. (Bulletin of miscellaneous
information. Royal Gardens, Kew. November 1895, p. 278—281.)
Auf der Versammlung der British Association for the Advancement of
Science zu Ipswich im September vorigen Jahres war die Botanik das erste Mal
durch eine eigene Section vertreten, deren Präsident Mr. W.T. Thiselton-Dyer,
der Director der Royal Gardens in Kew, war. In der Adresse, mit welcher der-
selbe die Sitzungen der Section eröffnete, berührte er unter Anderem auch die
Frage der botanischen Nomenclatur. Der diese betreffende Abschnitt seiner Rede
erschien in der November-Nummer des „Kew Bulletin“ in seinem vollen Umfange
abgedruckt. Die offieielle Stellung des Redners allein rechtfertigt es — abge-
sehen von dem inneren Werth der Ausführungen —, von diesen hier Notiz zu
nehmen. Da aber der betreffende Artikel anderswo in wörtlicher deutscher Ueber-
setzung erscheinen wird, so dürfte es an diesem Orte genügen, nur einige der
wesentlichsten Stellen herauszuheben.
„Was wir in der Nomenclatur brauchen“, sagt der Redner, „ist das
Maximum an Stabilität und das Minimum an Wechsel, das mit dem
Fortschritt zur Vervollkommnung unseres taxonomischen Systems
vereinbar ist.“ Stabilität ist vor Allem nothwendig, wenn die Wissenschaft mit
dem praktischen Leben, namentlich mit jenen Zweigen desselben, in welche die
botanische Nomenclatur seit Langem Eingang gefunden hat, wie Gartenbau,
Handel, Arzneikunde und Kunst, in Berührung bleiben soll. „Aenderungen
werden nothwendig, es sollte aber niemals ohne gewichtigen und guten Grund
darauf bestanden werden.“
Bei der Uebertragung einer Art in eine andere Gattung ist @s „üblich“,
den specifischen Theil des ursprünglichen Namens wenn möglich beizubehalten,
und bei der Reduction mehrerer Arten auf eine ist es „üblich“, den zuerst
publieirten Namen zu wählen. Dann aber fährt der Redner fort: „Ich stimme
|
}
un Mi Me
Referate. >25
jedoch mit dem verstorbenen Sereno Watson darin überein, dass einem Namen
absolut kein ethisches Moment in Folge einer Priorität der Publication oder der
Stelle innewohnt, ein Moment, das irgend Jemanden moralisch verpflichten würde,
einem Namen den Vorzug vor dem anderen zu geben.“ Angesichts der Aufgabe,
die Pflanzenarten zu benennen, zu beschreiben und zu classificiren, und so das
Materiale zu einer umfassenden Behandlung der Vegetation des Erdballes zu
schaffen, erscheinen ihm „Botaniker, die ihre Zeit über Prioritätsfragen vergeuden,
wie Knaben, die mit einem Auftrag fortgeschickt, ihre Zeit damit zubringen, in
der Strasse zu spielen.“ Der Vortragende führt hierauf einige Beispiele von
Namensänderungen an, die in neuester Zeit infolge der strieten Anwendung
des Prioritätsprineipes vorgeschlagen wurden und die, gänzlich nutzlos für die
Wissenschaft selbst, die systematische Botanik nur lächerlich machen können,
und sagt: „Das Schlimmste aber ist, dass diejenigen, welche den Gegenstand
sorgfältig studirt haben, wissen, dass es aus Gründen, welche zu erörtern ich
nicht Zeit habe, fast unmöglich ist, zu einem Ende zu kommen, sobald man
einmal daran gegangen ist, die geläufige Nomenclatur aufzustören.“ Und zum
Schlusse heisst es: „Obwohl ich die Angelegenheit vor die Section gebracht habe,
so ist sie doch nicht von der Art, dass diese oder überhaupt eine Vollversammlung
von Botanikern in derselben viel thun kann, und während ich hoffe, ihre Zu-
stimmung zu den allgemeinen Principien, die ich dargelegt habe, zu erlangen,
muss doch zugegeben werden, dass die technischen Einzelheiten nur von erfahrenen
Specialisten gewürdigt werden können. Alles, was sich erhoffen lässt, ist ein
allgemeines Uebereinkommen zwischen den Personalen der wichtigsten Institute
in den verschiedenen Ländern, in denen an systematischer Botanik gearbeitet wird.*
0. Stapf.
Forschungsberichte aus der biologischen Station zu Plön. Herausgegeben
/ von Dr. Otto Zacharias, Director der biologischen Station. Theil I (189),
II (1894) und III (1895). Berlin, R. Friedländer & Sohn. 8°. 52, 155 und
209 Seiten mit zahlreichen Tafeln, Abbildungen, Tabellen und Karten.
Etwas über vier Jahre sind es her, dass die biologische Station in Plön
ihrem Zwecke übergeben wurde, und schon füllen die Arbeiten, die aus ihr
hervorgegangen, drei Bände, deren jeder stattlicher als sein Vorgänger sich
präsentirt, was Umfang und Inhalt betrifft. Es ist dies der ungewöhnlichen
Rührigkeit und Arbeitskraft des Leiters dieser Anstalt, Herrn Dr. O. Zacharias,
zu verdanken.
Die Aufgaben dieses Institutes, respective der Süsswasserstationen über-
haupt sind von Zacharias selbst,!) sowie von Walter speciell für das Süsswasser
präeisirt worden. In zusammenfassender Weise hat Referent diese Aufgaben bei
einem 1894 bei der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte gehaltenen
ı) Ueber den wissenschaftlichen Zweck und die praktische Bedeutung der biologischen Station
zu Plön. Plön, 1894. (Als Manuscript gedruckt.) Ferner in allen seinen Aufsätzen in den Forschungs-
berichten an vielen Stellen.
Z.B. Ges. Bd. XLVI. 4
26 Referate.
Vortrage für stehende und fliessende Süsswässer, sowie für das Meer dargelegt.!)
Sie sind:
I. Wägung, resp. Zählung des organischen Materiales der gegebenen Wasser-
ansammlung (Productionskraft).
II. Constatirung aller Thier- und Pflanzenspecies („floristischen und faunistischen
Inventars“).
III. Statistisch genaue Angabe der Verbreitung und Menge, und zwar:
a. an sich,
3. in ihrer Abhängigkeit von
A. äusseren,
B. inneren Einflüssen (d. i. in der Organisation gelegenen Einflüssen).
Unter solchen äusseren Einflüssen sind zu verstehen: Temperatur, Qualität
und Quantität des Lichtes, chemische Zusammensetzung des Wassers, geo-
logischer Charakter des Grundes, Tiefe des Wassers u. a. Die bezüglichen Unter-
suchungen werden daher natürliche Vorarbeiten bilden. Solche Daten für Plön
liefern Ule (Geologie und Orohydrographie der Umgebung von Plön) und Krause
(Uebersicht der Flora von Holstein), sowie zahlreiche gelegentliche Bemerkungen
in den übrigen Aufsätzen.
Die sub I skizzirte Aufgabe ist in III zum Theile mitenthalten, II ist eine
nothwendige Vorarbeit zu III. Die Constatirung der Fauna des Seengebietes ist
vor Allem das Verdienst Zacharias‘, dann Brockmeier’s (Mollusken), Gar-
bini’s (Flohkrebse), Blanchard’s (Hirudineen). Die Wasser-Phanerogamen be-
handeln Krause und Klebahn, die Characeen Sonder, die Algen Klebahn
und Lemmermann, die Diatomeen Castracane und Brun. Darunter finden
sich zahlreiche von Zacharias neu entdeckte Species, eine Reihe neuer Algen-
gattungen, resp. Arten bringt Lemmermann u. s. w.
So wichtig diese Arbeiten an sich sind, so unerlässliche Vorarbeiten sie für
die Lösung der Hauptaufgabe bilden, so werden die zahlreichen Details doch nur
den betreffenden Fachmann interessiren. Hingegen möchte ich über die bezüglich
der Hauptaufgabe (III) erreichten, in allgemein naturwissenschaftlicher
Beziehung so wichtigen Resultate eine zusammenfassende, aus allen einschlägigen
oben eitirten Arbeiten geschöpfte Uebersicht bringen:
A. Limnetische und litorale Flora und Fauna.
Man hat unter den Bewohnern des Sees — Thieren und Pflanzen — zwei
Antheile zu unterscheiden, der eine — der litorale — bewohnt die Uferregionen,
der andere — Plankton — schwebt frei im Wasser: der pelagische Antheil,
wie ihn E. Müller genannt hat, besser nach Haeckel als der limnetische
zu bezeichnen (wo dann der Ausdruck „pelagisch“ für das Meer vorbehalten bleibt).
Die Territorialgrenzen zwischen diesen beiden Antheilen sind aber keineswegs
!) Berichte der Deutschen botanischen Gesellschaft, Jahrgang 1894, General-Versammlungs-
heft, S. 133.
Referate. 27
scharfe, wie es bisher nach Forel allgemein angenommen wurde, sondern ein-
seitige. Die litoralen Organismen sind nämlich dadurch auf die Uferzone be-
schränkt, dass sie entweder festsitzen und infolge ihres Lichtbedürfnisses über
eine gewisse Tiefe nicht hinabgehen, oder dass sie das Bedürfniss haben, von
ihren Schwimmtouren öfters auszuruhen. Für die planktonischen oder limneti-
schen Organismen, die vermöge besonderer Vorrichtungen in der Lage
sind, frei schwebend auszuharren, besteht eine solche Beschränkung nicht. Wir
finden sie im der Seenmitte gerade so wie am Ufer.!) Die Planktologie
hat uns daher auch im Allgemeinen nicht mit neuen Organismen bekannt ge-
macht, die Plankton-Organismen finden sich auch am Ufer, das bislang die Quelle
unseres Studienmateriales war. Das sind keine theoretischen Erwägungen, son-
dern Ergebnisse der Plöner Studien. ?)
B. Anpassungsvorrichtungen.
Das Studium der Anpassungsvorrichtungen, vermöge derer die limnetischen
Organismen im Wasser schweben, hat zu einer Reihe von in allgemein natur-
wissenschaftlicher Beziehung bedeutungsvollen Resultaten geführt. Solche Vor-
richtungen sind:
1. Schwimmorgane, die eine Eigenbewegung ermöglichen (Flossen, Flossen-
säume, Geisseln).
2. Aeussere Formen, welche theils eine Vergrösserung der Oberfläche be-
wirken, theils als solche das Sinken erschweren (Platten, Scheiben, Stacheln,
Hörner, Anordnung zu Ketten).
3. Verringerung des specifischen Gewichtes durch im Körperinneren auf-
tretende Stoffwechselproducte, und zwar:
a) Fett,
b) Gas.
4. Besondere hydrostatische Apparate (Blasen, pulsirende Vacuolen).
5. Anheftung an andere limnetische Organismen (bei den sogenannten passiv-
limnetischen Organismen).
Diese Vorrichtungen nun erscheinen entweder einfach oder mannigfach
combinirt als Ursachen eines mehr minder ausgebildeten Schwebevermögens.
Bei den Protozoen treten vor Allem pulsirende Vacuolen, ferner Fett auf;
einige Vorticellinen und Acineten sind passiv-limnetisch, sie hängen sich besonders
an Diatomeen und Nostoceen an (besonders massenhaft ist Salpingoeca minuta
auf der Diatomee Asterionella).
Sehr verschiedenartigen Anpassungserscheinungen begegnen wir bei den
Rotatorien: bei den Anuraeen, Synchaeten und Asplanchna sind die Zellen des
Magens stets von zahlreichen Fetttröpfchen erfüllt, ebenso die frei auf dem Wasser
!) Zacharias bringt detaillirte wiederholt ergänzte Verzeichnisse sämmtlicher limnetischer
Organismen des Plöner Sees.
2) Die wichtigsten Sätze der Ergebnisse der Plöner Arbeiten habe ich durch römische Rand-
nummern fortlaufend bezeichnet,
4*
2 fe) Referate.
schwimmenden Eier von Synchaeta grandis; auch die von Polyarthra platy-
ptera führen reichlich Fett und unterstützen das Schweben des Mutterthieres,
das die Eier mit sich herumträgt. Einen besonderen hydrostatischen Apparat hat
das Bipalpus-Ei in Form einer prall mit Wasser gefüllten Blase. Die Anuraeen
sind abgeflacht und bedornt.
Bei den limnetischen Copopoden, vielen Cyelopiden und Calaniden
finden wir grosse „Oelkugeln“ in den Bindegewebemaschen, die in Verbindung
mit den wohlausgebildeten activen Schwimmapparäten diese Organismen zu einer
schwebenden Lebensweise vorzüglich befähigen. Keilförmige Fortsätze finden wir
am Kopfe der Hyalodaphnien; den Eindruck „zweckloser, grotesker Auswüchse*
machen die ersten Antennen mancher Bosminen.
Diese Studien über Anpassungserscheinungen an das planktonische Leben
bei Thieren verdanken wir Zacharias.
Die planktonischen Pflanzen — durchwegs Algen (im weiteren Sinne) —
zerfallen nach den Anpassungsvorrichtungen in drei Gruppen:
1. Am schlechtesten — so scheint es — sind die Diatomeen angepasst.
Zwar sind ihre Gehäuse durchaus sehr zart gebaut und nicht selten ist die äussere
Form schon eine solche, die das Sinken sehr erschwert (Scheiben, Spindeln;
Atheya und Rhizosolenia, für welche Gattungen bisher Vertreter nur
aus dem Meereswasser bekannt waren, besitzen borstenförmige Fortsätze
an ihren Kieselgehäusen); in demselben Sinne wirkt die Vereinigung zu ketten-
oder sternförmigen Zellverbänden, wie wir sie z. B. bei den drei häufigsten Plankton-
Diatomeen — Melosira laevissima, Synedra erotonensis und Asterionella formosa
— treffen. Ein gewisser Gehalt der Zellen an Fett macht sie speeifisch leichter,
aber noch immer sind sie schwerer als Wasser, wie man sich an dem Untersinken
der Diatomeen in einem Glaseylinder überzeugen kann. Strömungen und Wellen-
schlag (s. unten) werden hier wohl hauptsächlich das Schweben ermöglichen. !)
2. Der Besitz von Cilien ermöglicht actives Schwimmvermögen, hieher
Volvox aureus, Eudorina elegans, Pandorina morum, die so häufige Peridinee
Ceratium hirundinella (bei der der dreihörnige abgeflachte Körper das Schweben
befördert, u. a.), zahlreiche Infusorien.
3. Cyanophyceen (Gloeotrichia echinulata, eine der häufigsten Plankton-
algen im Plöner See, Anabaena plur. spece., Olathrocystis aeruginosa, Coelo-
sphaerium Kuetzingiamum).
Während die sub 1. und 2. subsummirten Algen specifisch schwerer sind
als Wasser, sind die planktonischen Cyanophyceen leichter als dieses; sie
steigen in ruhig stehendem Wasser rasch an die Oberfläche und bilden hier eine
„Wasserblüthe“. Sie verdanken diese Eigenschaft dem Gehalte ihrer Zellen
an Gasvacuolen. Die Entdeckung und der Nachweis?) dieser Gasvacuolen
1) In diese Gruppe gehören auch einige planktonische Protococcoideen (Pediastrum Boryanum,
P. duplex) und eine Desmidiacee (Staurastrum graeile).
2) Auf die höchst interessanten Details dieses Nachweises kann leider nicht eingegangen
werden. Ich verweise auf die Original-Arbeiten: Strodtmann im III. Bande, ferner „Anpassung
der Cyanophyceen an das pelagische Leben“ (Archiv für Entwicklungsmechanik der Organismen, Bd.I,
ne a ne ee
I.
Referate. 29
dureh Klebahn und Strodimann ist eines der in allgemein naturwissenschaft-
licher Beziehung wichtigsten Resultate der Plöner Studien.
Trotz der genannten Hilfsmittel zur Führung der planktonischen Lebens-
weise würden doch die letztangeführten Organismen sich an der Oberfläche an-
sammeln, die anderen zu Boden sinken, wenn nicht der Wellenschlag und verticale
Wasserströmungen — gewissermassen als objeetive Hilfsmittel —, (im Meere
ausserdem das höhere specifische Gewicht des Wassers) mitwirkten. Die vertiealen
Strömungen sind auch bei ruhigstem Wasser vorhanden und sind die Folge von
Temperaturdifferenzen. Von deren Wirkung kann man sich sehr schön durch
Strodtmann’s Versuch überzeugen: in einen Glascylinder wird Plankton ge-
bracht, nach längerem Stehen sammelt es sich theils am Boden, theils an der
Oberfläche an; das Umfassen des Cylinders mit der Hand unten oder oben genügt,
um einen Theil des Planktons emporzuwirbeln, beziehungsweise hinabsteigen zu
machen.!) Wellenschlag und verticale Wasserströmungen gehören somit zu den
wichtigsten Factoren bei der Herstellung einer gleichmässigen
C. Verbreitung und Vertheilung.
So argumentirt Zacharias im I. Bande in Uebereinstimmung mit seinen Unter-
suchungen. Ganz anders aber spricht er sich im II. Bande auf Grund seiner
im mittlerweile verflossenen Jahre gepflogenen, auf den ganzen See ausgedehnten
Heft 3, Leipzig, 1895) und im Biologischen Centralblatt, Bd. XV, 1895, Nr. 4. — Klebahn im
III. Bande und in „Flora“, 1895, Heft 1. — Ausser den obgenannten Cyanophyceen aus den Familien
der Rivulariaceen, Nostoceen und Chroococcaceen kennen wir noch pelagische Osecillariaceen, und zwar
marine aus der Gattung Trichodesmium und limnetische aus der Gattung Oseillatoria (0. rubescens,
prolifica und Agardhü). Für Trichodesmium Hildbrandti Gomont hat Klebahn das Vorhandensein
von Gasvacuolen constatirt. — Ausser den Cyanophyceen besitzt nur eine Alge, die Protococcoidee
Botryococcus Braunii ein ausgeprägtes Steigvermögen, das sie wahrscheinlich der Durchtränkung der
Membranen mit Fett verdankt.
1) Als eine Schutzeinrichtung gegen Verfolgung dürfte — besonders bei den grösseren lim-
netischen Organismen — deren grosse Durchsichtigkeit aufzufassen sein. — Es gibt eine Reihe von
Fällen, wo Arten, die im Allgemeinen nur als Uferbewohner auftreten, in einem See im Plankton
aufgefunden werden, und zwar nicht nur in einzelnen versprengten Exemplaren, wie dies ja gelegent-
lich bei sehr vielen litoralen Organismen der Fall ist, sondern als ein ansehnlicherer Bestandtheil, der
sich eine gewisse Zeit hindurch erhält. So z. B. ist der sonst litorale Chydorus sphaericus im Dobers-
dorfer Teiche bei Kiel limnetisch; Sida erystallina findet sich in den westpreussischen und italieni-
schen Seen limnetisch u.a. m. Solche litorale Organismen werden als tycho-limnetisch (tycho-
pelagisch) bezeichnet. Sie bilden theoretisch den Uebergang zu jenen interessanten Organismen, auf die
uns Zacharias zuerst aufmerksam gemacht hat, und die zwar ausschliesslich planktonisch auf-
treten, aber ihrer ganzen Organisation nach litoral erscheinen, und deren nächste systematische Ver-
wandte auch litoral sind. Hieher gehören Vertreter der Rotatoriengattung Floscularia und der drei
Protozoengattungen Carchesium, Epistylis und Dinobryon. (Nur bei der Euglenoide Colacium vesi-
eulosum dürfte nach Zacharias der umgekehrte Fall vorliegen.) Auf Grund jener Ergebnisse stellt
Zacharias die Theorie auf, dass die limnetischen Organismen sich aus litoralen herausentwickelt
haben durch Vervollkommnung der Schwebevorrichtungen auf dem Wege der Selection; er tritt da-
mit der Relietentheorie Pavesi's entgegen, nach welcher die limnetische Fauna aus einer marinen
entstanden sei als Relict aus einer Zeit, in welcher die Seen mit dem Meere in Verbindung standen.
‚ Diese Theorie ist übrigens auch vom geologischen Standpunkte von R. Credner zurückgewiesen
worden.
IE
I
var
5)
30 Referate.
Untersuchungen aus und kommt zu dem Resultate: „Die Vertheilung des Plankton
ist in oft ziemlich nahen Seetheilen sehr verschieden; es gibt Schwärme.“ Er
polemisirt daher auch sehr energisch gegen die Hensen’sche Lehre von der
gleichmässigen Verbreitung, sowie gegen dessen Zählmethode. Im dritten Jahre
übernehmen Zacharias und Strodtmann gemeinsam die Untersuchungen und
kommen zu einem vermittelnden Resultate: „.... .. dass man bei der Plankton-
Vertheilungsfrage zu unterscheiden hat zwischen dem Plankton als Masse und den
einzelnen Species von schwebefähigen Pflanzen und Thieren, aus denen sich die-
selbe zusammensetzt. In letzterer Beziehung findet keine gleichförmige Verthei-
lung statt, sondern während einzelne Species mehr peripherwärts zu finden sind,
bevorzugen andere die centralen Partien. Das Plankton als Masse hingegen ist
ziemlich gleichförmig vertheilt, d. h. verticale Netzzüge aus derselben Tiefe, sowie
horizontale Oberflächenzüge von derselben Zeitdauer liefern auch annähernd gleiche
Planktonmengen, so dass Unterschiede im Betrage von mehr als 25°/, selten
SndW.. x Freilich gilt das aber stets nur von Bezirken gleicher Tiefe und
Bodenbeschaffenheit, sonst ergeben sich sehr bedeutende Differenzen, welche bis
zur Vervierfachung des Planktonvolumens hinaufgehen können. Solche Unter-
schiede sind es denn auch gewesen, welche mir im Sommer 1893 starke Zweifel
an der gleichmässigen Vertheilung des Limnoplankton erregten, denen ich im
II. Hefte der Forschungsberichte unumwundenen Ausdruck gegeben habe. Diese
Ungleichförmigkeiten finden jetzt ihre Erklärung durch die Thatsache, dass die
Planktonmenge in Binnenseen von grosser Flächenausdehnung in un-
mittelbarer Abhängigkeit von den Tiefenverhältnissen steht. Der
grosse Plöner See zeigt demnach so viele Verschiedenheiten in der Massenver-
theilung des Plankton, als er Einsenkungen und Erhebungen des Grundes besitzt,
und deren sind nicht wenige, wie Ule durch seine fleissigen Lothungen nachge-
wiesen hat.* (Zacharias.) — „Nehmen wir an, ein See sei kreisrund, die Tiefe
nehme gleichmässig auf allen Seiten zu, die Bodenbeschaffenheit sei überall die
gleiche, auch Zuflüsse seien gleichmässig vertheilt oder ganz fehlend. Wenn nun
nicht gerade ein heftiger Wind den See aufwühlt, so dürfen wir .auf allen Peri-
pheriepunkten des vom Mittelpunkte aus gezogenen Kreises eine gleichförmige
Planktonvertheilung annehmen. Je mehr sich ein See diesem Ideal nähert, um
so mehr nähert er sich auch dieser Gleichmässigkeit. Sobald jedoch in der einen
oder anderen oder in mehreren Beziehungen Abweichungen eintreten, um so
geringer oder grösser werden auch die Ungesetzmässigkeiten.“ (Strodtmann.)
Dies der heutige Standpunkt.
[Es ist dies die richtige Stelle, um auf zwei für die ganze Planktologie,
sowie für die Errichtung der Süsswasserstationen hochwichtige Fragen einzugehen:
1. Hensen’s statistische Methode? Das Prineip dieser besteht bekannt-
lich darin, Individuen und Species zunächst für kleinste Proben von bekanntem
Volum unter dem Mikroskope durchzuzählen und so deren Zahl für die ganze
durchfischte Wassersäule, und aus mehreren solchen Wassersäulen für einen ganzen
Meeres- oder Seeabschnitt zu berechnen, Gleichmässigkeit der Vertheilung
des Planktons in diesem vorausgesetzt. Es fragt sich also nur darum,
h
f |
nz
ernennt
«
Referate. St
für einen wie grossen Bezirk des Sees eine solche Gleichmässigkeit wirklich be-
steht. Auf dem offenen Meere herrscht — wie es scheint und wie auch nach
Obigem völlig begreiflich — eine solche für ungleich grössere Bezirke als im
seichten See, zumal wenn dieser eine reiche horizontale und verticale Gliederung
(des Grundes nämlich) besitzt. Mit Recht tritt Zacharias daher entschieden
dagegen auf, die Ergebnisse einiger mit einem kleinen Netze gemachten Fänge
für den ganzen See auszuwerthen, ebenso mit Recht tritt er dagegen auf, nur
alle 2—3 Wochen den See zu besuchen, um aus diesen Resultaten ein Bild der
periodischen Veränderungen des Plankton im Laufe des Jahres zu erhalten.
Zacharias verweist auf eine ganze Reihe von Beispielen, wo eine Species binnen
wenigen Tagen sich enorm vermehrte, um ebenso rasch wieder zu verschwinden
(oder auch umgekehrt).!) Solche wichtige Veränderungen werden nur bei täglicher
Beobachtung constatirt werden können. Aber die angeführten Fehler, welche
Zacharias der Hensen’'schen Methode vorwirft, sind nicht Fehler der Methode,
sondern der Ausführung, die eminente Bedeutung der Hensen’schen Zählmethode
wird dadurch nicht beeinträchtigt. Mit Recht legt Zacharias so grosses Gewicht
auf die tägliche Beobachtung (mit blosser Schätzung der Häufigkeit der Formen),
denn zur Durchführung des eigentlichen Ideals: der täglichen Zählung, reichten
Arbeitszeit und Arbeitskraft nicht aus. Intuitiv hat Zacharias den richtigen
Weg eingeschlagen, um in möglichst kurzer Zeit eine möglichst allseitige Kenntniss
über das Leben des Sees zu erhalten. Eine grosse Anzahl von Detailfragen bleibt
zu lösen, ja wird zum Theile erst aufgerollt. Zur Lösung dieser werden ana-
tomische, entwicklungsgeschichtliche, systematische und experimentelle Studien an
sich und in Verbindung mit der Zählmethode zu Resultaten führen, welche nach
Ansicht des Referenten für die Naturwissenschaft der Lebewesen im Allgemeinen
von grösserer Tragweite sein werden, als irgend ein anderer Forschungszweig.
Aus dem Gesagten ergibt sich von selbst die Beantwortung der zweiten Frage:
2. Stabile oder Wanderstationen? Es ist das eine Frage, die schon vor vier
Jahren anlässlich der Gründung der Plöner Station und vor Kurzem, als es sich
um staatliche Subventionirung dieser handelte, vielfach ventilirt wurde. Damals
(siehe Fussnote S. 25) und jetzt wieder (Ueber den Unterschied in den Aufgaben
wandernder und stabiler Süsswasserstationen; Biologisches Centralblatt, Bd. XV,
1895, Nr. 9) ist Zacharias mit Entschiedenheit für stabile Wasserstationen ein-
getreten; er erzählt, mit wie viel unsäglichen Mühen er durch Jahre (1884— 1889)
Seenstudien im Riesen- und Isergebirge, Holstein, Pommern, Westpreussen und in
den Maaren der Eifel gemacht. Und alle Resultate sind unbedeutend gegen die
in Plön in zwei Jahren gewonnenen. Anlässlich der Subventionsfrage ist auch
Rud. Virchow mit seiner Autorität für die stabile Station und Zacharias im
preussischen Landtage eingetreten.
Die Frage beantwortet sich aus diesem Referate schon von selbst: Es ist
kein Zweifel, dass wir durch Wanderstationen unsere faunistischen, respective
floristischen Kenntnisse wesentlich werden erweitern können, dass wir bezüglich
ı) Vergl. z. B. die folgende Tabelle S. 32.
32 Referate.
einzelner interessanter Fragen der Hydrobiologie, die sich uns bei unseren stabilen
Studien aufgedrängt, werthvolle Bereicherungen erfahren werden. Aber die Hydro-
biologie als zusammenhängende Wissenschaft wird sich nur dureh Studien in
stabilen Stationen entwickeln. Diese verhalten sich zu den Wanderstationen etwa
ebenso, wie Zacharias’ tägliche Beobachtungen zu den obgenannten alle drei
Wochen mit dem kleinen Netze in einer eng umschriebenen Partie des Sees aus-
geführten Untersuchungen. ]
D. Plankton-Quantität.
Zacharias durchfischte vertical mit einem Netze von 63°6 cm? Oeffnung
eine Wassersäule von 40 m Tiefe; das gefischte Plankton, mittelst Fliesspapier
getrocknet, wurde gewogen.!) Es ergaben sich:
Tag| Monat Saul, Gewicht Anmerkung
ratur
24 | Jänner | ? 343 mgr | 20 Diatomeensp., darunter 4 Melosira-Sp.
27 | Februar a E 40 „ Vornehmlich Melosira.
9 März Eee Do
16 R oe Dar
24 n ll HAT
28 A DSB lese:
29 R. 4:01, 602 „
1 April 48, 586 „
” 50 „ |1050 „ Fast reines (monotones) Plankton, aus
5 j Ba 960 „ : 22
7 i zarntolgieet, Melosira laevissima bestehend.
11 r 6:91, 629 , |||
14 R b’bur, 407 „
16 5 Dias 140 „ l:
13 5 1.025 HE 5
2) h 1.08% 20%,
3 5 7.06% 12795
e8 Mai er Lit] | Plankton sehr wenig, ‚so dass dessen
| Wägung nicht genug sicher ausführbar.
9) Juni lö:hz } Male Gewichtszunahme
12 14:04, 1.125 | | durch Vermehrung von Bosminen, 3 ä ä 1
| < Rotatorien, Dinobryon, Ceratien, S2SX3
19 ? 153421 195.4 | regen | "Abs.
25 & ee 238 rg
14 :Anlir 4wl9&ln,, 151097 , | 3.8
8 r 208 „ | 0 „ | =) 5, S
ı) Das mitgewogene capillar zurückgehaltene Wasser veranschlagt Zacharias auf ein
Viertel des Gesammtgewichtes. Dieses Viertel wäre zu subtrahiren.
u ee A
Referate. 33
Tag| Monat Kemper: | Gewicht Anmerkung
ratur
15 Juli 185° C.| 82 mgr
ER 08
as fi ve ü m 2 Vermehrung von @Gloeotrichia echinu-
„ f Be lata, die nun hauptsächlich das Plankton
6.| August | 187 „ 400 „ bildet
12 nn Id8::, 218 „ $
ih E 169 „ 540 ,
23 n 16:08, 508% Abnahme von @loeotrichia.
H ? Er x ER n | Planktonzunahme durch Crustaceen und
hi Serena 140 "arg ]] Eagenlipsrei |
Der Planktongehalt des ganzen Sees würde sich somit für eine durch-
schnittliche Tiefe von 10 m und eine Fläche von 32 km? für den ertragreichsten
Tag (7. April) mit 15.000 Centnern, für den 17. April mit 900 Centnern berechnen.
Für den Hectar stieg die Planktonproduction vom 9. März bis zum 7. April um
mehr als 30 Centner. Ein Acker mittlerer Qualität (vierter Classe) liefert nun
pro Jahr 30—32 Centner Roggenkorn und 40—50 Centner Stroh. Diese sind nun
freilich substanzreicher als die gleiche Menge Melosirenplankton. Bedenkt man
aber, dass jene 30 Centner in 29 Tagen produeirt wurden, dass späterhin (s. u.)
durch reichliches Auftreten anderer Organismen wieder eine bedeutende Zunahme
des Plankton sich einstellte, dass der See auch im Winter nicht brach an orga-
\nischem Leben ist, so ergibt sich daraus, dass das Wasser dem besten Ackerlande
an Fertilität nicht nachsteht.
Zur Klarstellung der verticalen Verbreitung gemachte Stufenfänge ergaben:
1. Zur Zeit der üppigsten Entwicklung finden sich zunächst der Oberfläche
am meisten Melosiren, resp. Gloeotrichien (Nothwendigkeit des Lichtes für den
Stoffwechsel).
2. Nach abwärts nimmt die Zahl der Melosiren ab, um in den tieferen
|Schichten wieder zuzunehmen; diese Zunahme ist aber durch das Hinabsinken
der absterbenden, jedenfalls schwebeunfähig gewordenen Fäden bedingt. Dasselbe
gilt für Gloeotrichia im Stadium der Sporenbildung (die Sporen enthalten näm-
lich keine Gasvacuolen).
Die Tabelle hat uns ferner mit der Thatsache der
E. Periodischen Zu- und Abnahme des Plankton
bekannt gemacht. Zacharias bringt detaillirte Periodieitätstabellen für zwei
Jahre, und zwar für alle häufigen Species des Plöner Sees. Hier nur das Wichtigste:
Die Monate Februar und März sind die planktonärmsten, häufig sind nur die
Melosiren; aber schon im April werden die Flagellaten und Diatomeen häufiger,
daher (?) bald darauf auch die Protozoen, Rotatorien und Cruster, die in den
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 5
34 Referate.
Sommermonaten ihre Maxima erreichen. Schon Ende April oder Anfang Mai ver-
schwinden die Melosiren, andere Diatomeen und Cyanophyceen stellen sich jetzt
ein: besonders Fragilaria crotonensis und capucina, Asterionella gracillima,
Diatoma tenue, Anabaena flos aquae, Olathrocystis aeruginosa, besonders aber
Gloeotrichia echinulata. Schon im October werden alle diese selten und weiterhin
immer seltener; dafür treten Melosiren wieder auf, häufiger aber werden sie erst
im Februar bis März. Auch im October verschwinden die Protozoen, die also
vornehmlich an die wärmere Jahreszeit gebunden sind, bald darauf auch die Rota-
torien und Dreissenia-Larven, dagegen harren die meisten Krebse (Hyalodaphnia,
Cyclops oithonoides, Bosmina plur. sp., Kurythemora lacustris, Diaptomus) länger
aus, bis zum Jänner; nun beginnt wieder die planktonärmste Zeit. Wovon leben
nun diese Krebse vom November bis zum Jänner? Zacharias antwortet auf
Grund seiner eingehenden Darminhalt-Untersuchungen bei jenen Krebsen: 1. von
den Diatomeen, 2. von dem Detritus, der sich durch Zerfall der massenhaften
Blätter und Stengelabfälle der grossen litoralen Pflanzen bildet, und der durch
einen stärkeren Wind und die Wogen über den ganzen See vertheilt wird.
Diese Befunde gelten für den grossen Plöner See und dürfen, wie Zacharias
wiederholt betont, keineswegs generalisirt werden; so weist er auf einige Fälle
hin, wo Organismen, die im grossen Plöner See im Winter fehlten, sich in einem
benachbarten kleineren See im Jänner unter dem Eise fanden.
Wie weit Uebereinstimmung besteht, können nur in grossem Massstabe
vorgenommene vergleichende Untersuchungen zeigen, wobei Zacharias’ Tabellen
als Muster dienen sollen. Einen hochinteressanten Anfang hiezu bieten Zacha-
rias und Henscher, die an gleichen vorher vereinbarten Tagen das Plankton
des Plöner, resp. des Züricher Sees untersuchten. „Es ist aus beiden Fang-
berichten zu ersehen, dass die Arten zwar vielfach dieselben sind, aber hier und
dort in ganz anderen Mengenverhältnissen auftreten. Dies kommt jedoch, wie ich
gesehen, auch in dicht benachbarten holsteinischen Seen vor (d. i. solchen, die
kaum 2km von einander entfernt sind). Bei dieser Wahrnehmung ist es schwer
angänglich, die geographische Lage als eine besondere Ursache der faunisti-
schen Verschiedenheiten anzuführen; wir müssen vielmehr annehmen, dass inner-
halb jedes Seebeckens die Periodieität durch natürliche Auslese geregelt
worden ist, insoferne es für jede Species innerhalb desselben Sees einen Zeitpunkt
geben muss, wo es für sie am vortheilhaftesten und leichtesten ist, sich nume-
risch auszubreiten. Dies wird in erster Linie von den Ernährungsverhältnissen,
dann aber auch von der sehr complieirten Verkettung äusserer Umstände ab-
hängen, wie sie in jeder geregelten Lebensgemeinschaft (Biocönose), als welche das _
Limnoplankton wohl betrachtet werden darf, vorausgesetzt werden muss. Die ur-
sprünglich für das Zusammenleben vieler Formen günstigsten Periodieitäts-
Verhältnisse der einzelnen Species werden sich naturgemäss erhalten haben und
weiter vererbt worden sein. Auf diese Weise erklärt es sich nach meiner Ansicht
am besten, dass in benachbarten Seen die nämlichen Species oft ganz verschiedene
Periodieitäten aufweisen, während weit entfernte Wasserbecken sich in dieser Be-
ziehung oft völlig übereinstimmend verhalten.“ (Zacharias.)
XI.
XI
XI
Referate. 35
F. Variabilität.
Zacharias führt (im I. Hefte) eine Reihe von interessanten einschlägigen
Beispielen an, bezüglich derer ich auf das Orginal verweise. Von besonderem
Interesse sind aber die periodischen Gestaltveränderungen, mit denen
uns Zacharias zuerst kekannt gemacht hat (durch 10 Tage im Juli reichlicher
Stachelbesatz bei Cerotium hirundinella; Verkürzung des Kopfhelmes bei Hyalo-
daphnien, der Antennen bei Bosmina coregoni im Winter; hingegen Verlängerung
des ganzen Körpers bei Bipalpus vesiculosus im Winter); ferner das Auftreten
von Zwergformen planktonischer Organismen, u. zw. bei Rotatorien (Synchaeta
pectinata und tremula) und Infusorien (Stentor eoeruleus).
* *
*
Trotzdem Referent Details nach Möglichkeit vermieden hat, ist das Referat
doch ziemlich breit geworden — dafür stellt es annähernd die Grundzüge der
Süsswasserplanktologie in ihrem heutigen Entwiceklungszustande
dar. Auf alleinteressanten Details eingehen, hiesse die drei Bücher abschreiben;
nur zwei derselben, die dem Referenten besonders erwähnenswerth scheinen, mögen
noch Platz finden:
1. Das Vorhandensein einer Süsswassernemertine (Tetrastemma lacustre)
und eines nordischen Egels (Placobdella Raboti) im Plöner See.
2. Eine neue Infusorienspecies: Dileptus trachelioides Zacharias, die in
ihrem Leibe reichlich Zoochlorellen enthält. Es obwaltet hier ein Verhältniss der
Symbiose, das beiden Organismen zu statten kommt. Damit hängt die sehr
geringe Nahrungsaufnahme bei Dileptus zusammen, ja manche Individuen haben
Mundöffnung und Bauchspalt überhaupt nicht. Es ist. dies eine Anpassung an
veränderte Lebensverhältnisse, die unter unseren Augen vor sich geht. Der Taster-
rüssel, der bei Dileptus anser z. B. stets hin- und hergeht und nach Nahrung
sucht, ist hier zu einem Stummel reducirt, übrigens ist diese Reduction bei ver-
schiedenen Individuen verschieden weit vorgeschritten. Besonders interessant ist
es auch, dass bei Theilung der Dileptus-Zelle ein Theil der Zoochlorellen ihren
normalen Platz am hinteren Leibesende verlässt, um sich in die andere Hälfte
zu begeben. Dr. S. Stockmayer.
Albow N. Prodromus Florae Colchicae. Tiflis und Genf, 1895. 8°. XXVI+
290 S. Mit vier Tafeln.
Mit vorliegendem Werke wird die Erinnerung an das mythisch verklärte
Colchis aufgefrischt. Der Verfasser subsummirt darunter den westlichen Kaukasus
mit den Landschaften Abchasien, Adzhazien, Circassien, Gurien, Imeretien, Min-
grelien und Samurzaknien. Er stützt sich hiebei auf seine in den Jahren
1888—1894 gemachten Aufsammlungen, auf die Dr. Gustav Radde’s vom Jahre
1893, die A. G. Ardasenow’s und die 250 Nummern umfassende Alexander
Lamakin’s. Nach dem geographischen Rückblicke auf das fragliche Gebiet folgt
der enumerative Theil. Hier befleissigt sich der Verfasser der möglichsten Kürze.
5*
XIV.
36 Referate.
Auf Arten, die keiner ergänzenden Beschreibung bedürfen, wird einfach hinge-
wiesen. Neu sind: Ranuneulus n. sp.?, Corydalis calcarea, Cardamine pectinata
Pall. var. Adzharica, Draba Ossetica (Rupr.) Somm. et Lev. y. racemosa Somm.
et Lev. in litt., Polygala vulgaris L. subsp. comosa var. Caucasica Chodat,
Alsine laricifolia Whlnbrg. var. Pontica und A. subuniflora, Arenaria rotundi-
folia M. B. var. Colchica, Hypericum nummnulariaefolium Trautv. var. pumilum,
Geranium gracile Ledeb. var. glabriusculum, G. Armenum Boiss. var.? und @.
Robertianum L. var. tenwisectum, Haplophyllum Taurieum Jaub. et Spach var.
latifolium, Rhammus Frangula L. £. latifolia, Genista elatior Koch var. hirsuta
und @. Mingrelica, Oytisus Colchieus, Trifolium rytidosemium Boiss. et Hohen.
f. nanum, Astragalus Freyniü und A. Frickü Bge. var. longirostris Freyn et
Albow, Oxytropis Albana Stev. var. Colchica und ©. Samurensis Bge. var.
Colchica, Vieia Cracca L. f. stipulis dentatis, Cerasus Laurocerasus Lois. var.
brachystachius Medwedeff et Albow und laurifolius, Sorbus Aria Crantz var.
velutina, subtomentosa, glabra und ineisa, Rosa glauca Vill. f. nana Crepin und
R. villosa L. var. folüüs glabrescentibus Crepin, Rubus rusticanus Mere. var,
folüs supra pilosis, Geum waldsteimioides, Potentilla verna L. f. Asiatica Siegfr.
et Kell. (N. s.), Epilobium Colchicum, hirsutum L. f. tomentosum racemis ab-
breviatis et glabrescens racemis valde elongatis, Sempervivum globiferum L. var.
pseudoglobiferum, Saxifraga Colchica und 5. Pontica, Astramtia Pontica und
4A. Oolchica, Bupleurum polymorphum und B. sp.?, Carum saxicolum, Chaero-
phyllum aureum L. y.—£. und C. rubellum, Seseli sp.? und 5. calcareum,
Ligustieum physospermifolium, Peucedanum calcareum, Heracleum scabrum und
H. calcareum, Malabaila (Pastinaca?) aurantiaca und M. chrysantha, Asperula
ceynamchica L. var. alpicola = A. ce. P. alpina et y. affinis Boiss., Galium erectum
Huds. var. calcareum, Cephalaria calcarea, Scabiosa ochroleuca L. var. calcarea
(an sp.?), Achillea Millefolium X nobilis und A. (Ptarmica) griseo-virens, Anthemis
tinetoria L. f. floribus pallide luteis vel albidis, Pyrethrum Starckianum Albow
var. foliosum und P. sp., Senecio orientalis Willd. var. eriocarpus und @. auran-
tiacus DC. y. dentatus, Cardwus Colchicus, Cirsium sp.?, C. aggregatum Ledeb.
var. macrophyllium, C. Kusnetzowianum Somm. et Lev. var. polycephalum und
oblongifolium, Jurinew pumila Albow var. major, Psephellus hypoleucus Boiss.
var. «. Adzharica, B. Abchasica und y. Caucasica, Centaurea salicifolia M. B.
var. canescens, Taraxacum Oolchieum, Mulgedium Bourgaei Boiss. var. Colchi-
cum, Orepis rumicifolia Boiss. et Bal. var. glandulosa, Campanula Sarmatica
Ker var. calcarea, rapunculoides L. f. cordifolia = C. cordifelia C. Koch, pani-
culata und facie ommino, C. rupicolae Boiss. et Sprun. und (©. glomerata L. var.
symphytoides, Primula suaveolens Bertol. var. Colchica, Vincetoxicum Raddeanum
und V. probab. n. sp., Gentiana septemfida Pall. var. diversifolia und C. para-
doxa Albow var. latifolia, Swertia punctata Baumg. var. concolor, Mwyosotis
alpestris Schm. f. pumila Albow und grandiflora Boiss. Herb., Eritrichium villo-
sum Bge. var. Caucasicum, Verbascum sp.? (Leiantha), doch ist das in Betracht
gezogene Y. rubiginosum W. K. ein Mischling von V. Austriacum Schott und V.
phoeniceum L., aber nicht V. nigrum X phoeniceum, während die kaukasische
u ee
De Zu 4 3
Referate. 31
Pflanze der Combination V. orientale X phoeniceum e. psilobitryum Ledeb. ent-
sprechen dürfte, Linaria sp., Serophularia chrysantha Jaub. et Spach var.
glabra, Veronica denudata, Pedicularis condensata M. B. f. pumila, Calamintha
offieinalis Moench f. glabrescens, Marrubium Astrachanicum Jacq. var. Rad-
deanum, Stachys macrophylla und St. annua L. var. perennans, Betonica offi-
einalis L. f. hirsuta (ob Betonica hirsuta Leyss.?), Plantago lanceolata L. var.
Kopeimyensis, Ulmus montana Sm. var. laciniata Trautv. in Herb. Boiss., Corylus
Colchica, Salix sp.?, Orchis viridi-fusca, Iris Lazica, Allium pseudostrietum,
A. gracile und A. Candolleanum, Hemerocallis sp.?, Polygonatum multiflorum
All. f. macrophyllum, Carex maxima Seop. var. angustifolia, Carew n. sp. (Legi-
timae Koch) und Carex n. sp., Agrostis vulgaris Wither. var. elongata Boiss.
Herb., Avena Adzharica, Catabrosa (Colpodium) Caucasica und ©. (Colpodium)
n. sp.?, Bromus asper Murr. var. glabrescens. Crepin (Rosa), Focke (Rubus),
an (Astragalus), Hackel (Festuca), Siegfried und Keller (Potentilla)
bearbeiteten einzelne Gattungen. Ein erklärendes Standortsregister und ein
Gattungsverzeichniss bilden den Schluss. Auf den beigegebenen vier Tafeln werden
Campanula mirabilis Albow, Gentiana paradoxa Albow, Trapa Colchica Albow,
Ohysmydia agasylloides Albow und Agasyllis latifolia Boiss. abgebildet.
Das ganze Werk ist den Manen Edmond Boissier’s, der sich um die
Flora des Orients für alle Zeiten unvergängliche Verdienste erworben, in dank-
barer Würdigung der grossartigen Munificenz, mit der William Barbey, dessen
Schwiegersohn und wissenschaftlicher Erbe, ihm die in Chambesy befindlichen
Sammlungen zugänglich gemacht und sonst seine Bestrebungen nachhaltigst ge-
fördert hat, gewidmet. J. A. Knapp.
Berichte der Commission für Erforschung des östliehen Mittelmeeres.
XVII. Zoologische Ergebnisse, VI. Sapphirinen des Mittelmeeres und der Adria,
gesammelt während der fünf Expeditionen S. M. Schiff „Pola“ 1890— 18.
Bearbeitet von Ad. Steuer. (Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch. in Wien,
Bd. LXII, S. 149— 176, mit vier Tafeln.) Wien, 1895.
Das Sapphirinenmaterial, welches während der vier Tiefsee- und der letzten
Adria-Expedition gesammelt und vornehmlich auf Grund der monumentalen
Copepodenmonographie W. Giesbrecht’s bearbeitet wurde, enthält 11 Species,
die hier in der vom Verfasser beliebten Reihenfolge — nach der Häufigkeit
nämlich — aufgezählt sind: Sapphirina nigromaculata Claus, auronitens Claus,
maculosa Giesbr., angusta Dana, gemma Dana, ovato-lanceolata Dana, bieuspr-
data Giesbr., metallina Dana, opalina Dana, scarlata Giesbr. und lactens Giesbr.
Ausser Bemerkungen über untergeordnete Charaktere und Varietäten: ein-
zelner Species wurde hier das g’ von Sapphirina lactens Giesbr. und das © von
Sapphirina maculosa Giesbr. zum ersten Male beschrieben; jenes gleicht fast voll-
ständig seinem 9, dieses unterscheidet sich vom g' wie folgt: Bs: Ri = 5:35,
Ri des zweiten Fusspaares sind anders geformt und das dritte Glied des vierten
Fusses ist deutlich abgesetzt. Von Sapphirina nigromaculata Claus finden wir
eine eingehende Beschreibung der drei letzten Copepodiden (der Verfasser bevor-
35 Referate.
zugt den älteren Namen Cyelopid-Stadien). Das Wachsthum der Pleonalsegmente
erfolgt bei diesen Copepodiden nach der Claus’schen Segmentirungsregel. Die
caudalwärts fortschreitende Verkümmerung der Extremitäten wird auf die Tendenz
einer Reduction der Segmentzahl zurückgeführt, wie dies auch Grobben für die
muthmasslichen Stammformen der Copepoden, die Apusiden, hervorgehoben. Die
allgemeinen Auslassungen des Verfassers über die Systematik der Gruppe können
hier füglich übergangen werden.
Anatomische Organisationsverhältnisse haben in dem Capitel über die
Zeugungsorgane Berücksichtigung gefunden. Diese Theile hat der Verfasser mit
sichtlicher Assiduität auf Schnittserien untersucht und die spärlichen vorliegenden
Angaben über den Bau und die Entwicklung der Genitalien — Giesbrecht hat
bis jetzt nur den taxionomischen Band geliefert — theils richtiggestellt, theils
ergänzt. E
Das meiste Interesse dürfte der faunistische Abschnitt des Berichtes bean-
spruchen (S. 156—159). Eine Zusammenstellung der Daten über einzelne Fänge
ergab nur negative Resultate. Von etwaigen verticalen Wanderungen dieser Cope-
poden in der täglichen oder jährlichen Solarperiode lässt sich nichts wahrnehmen.
Referent hatte, als Mitarbeiter der akademischen Commission, Gelegenheit, auch
für andere Planktonkrebse das Nämliche festzustellen. In der Region von 0 bis
1000 m!) hat man die Sapphirinen in jeder Tiefe, zu jeder Zeit und ohne Rück-
sicht auf die Entfernung der Küsten in verschiedener Verdichtung angetroffen ;
dabei ist zu betonen, dass das Material zum grössten Theile im Hochsommer
gesammelt wurde. Gleichzeitig vorgenommene Fischzüge mit dem Tanner- und
dem Öberflächennetz ergaben stets nur in einem Netze Sapphirinen, woraus der
Verfasser den Schluss zieht, dass sich ihre jeweiligen Ansammlungen nie weit in die
Tiefe ausdehnen; diese Ansammlungen scheinen ihrerseits durch die Züge der
Wohnthiere, d. i. der Salpen, geleitet zu werden. Bemerkenswerth ist das Vor-
kommen der Sapphirina scarlata Giesbr. im ägäischen Meere, da diese Art bis
jetzt nur im Paeific entdeckt wurde; alle übrigen Arten gehören der Neapler
Fauna an. Etwas befremdend wirkt daher die einleitende Aeusserung des Ver-
fassers, es sei zweckmässig, beim Studium der Verbreitung pelagischer Thiere
die Meere im Sinne der Landthiergeographie in verschiedene Zonen einzutheilen,
zumal der Zusammenhang mit nachfolgenden Angaben, die des illativen Charakters
entbehren, wenig einleuchtet.
Der für den Verfasser unverständliche Umstand, dass seine Thiere aus-
schliesslich den tropischen und subtropischen Meeresring bewohnen und dennoch
zur Winterszeit, z. B. im Golfe von Triest die oberen Wasserschichten nicht ver-
lassen, könnte in der partiellen Eurythermie dieser Copepoden eine Erklärung
finden. Tad. Garbowski.
!) Dass Sapphirinen im pelagisch-abyssalen Plankton vorkommen, wurde bereits von auswärtigen
maritimen Expeditionen constatirt. Das Abyssal entwickelt sich in der mittleren Partie des Mittel-
meeres, im südlichen Streifen der Adria und bei den Cykladen. Nichtsdestoweniger kann man nicht
in dieser Gegend von einer typischen Abyssalfauna (v. Marenzeller) reden, wie sie sich im atlan-
tischen Ocean entwickelt. (Anmerkung?des Referenten.)
be Le ee En U
2
a
Referate. 39
Ortmann Arnold E. (Princeton, N. J., U.S.N.). Grundzüge der marinen
Thiergeographie. Anleitung zur Untersuchung der geographischen Ver-
breitung mariner Thiere, mit besonderer Berücksichtigung der Dekapoden-
krebse. Mit einer Tafel. Jena, Gust. Fischer, 1896.
Der durch zahlreiche Specialarbeiten rühmlichst bekannte Verfasser bietet
in der genannten Broschüre ein Opus von eminenter Wichtigkeit für jeden Zoologen,
auch wenn dieser seine Untersuchungen auf die innere Morphologie der Seethiere
zu beschränken pflegt. Jedes von den coneis abgefassten Capiteln enthält eine
Fülle von Gedanken, deren Anführung und eventuelle Anfechtung in einem kurzen
Referate nicht wohl thunlich wäre. Es mögen blos die wesentlichsten Ergebnisse
angedeutet werden.
Es sind nur zwei eireumpolare (arktische + boreale) und eine eircum-
tropische Region zu unterscheiden. Ein verfehltes und vergebliches Bemühen
wäre es, nach etwaigen Charakterformen Localregionen aufstellen zu wollen.
Lebensbezirke sind als Bezirke gleicher primitiver Existenzbedingungen auf-
zufassen,; das Medium, das Licht und das Substrat treten hiebei als hauptsäch-
lichste Faetoren auf. Während der erste Factor, mit der einzigen Ausnahme der
Brackgewässer, eine unveränderliche Grösse darstellt, wird die Seefauna durch die
beiden anderen in drei Grundstöcke differenzirt: das Litoral, in einer Ausdehnung
von 100 Faden,!) das Pelagial, bis zur Tiefe von 400 m, und das licht- und
pflanzenlose Abyssal; das letztere ist von der Nähe und der Qualität des Meeres-
bodens vollkommen unabhängig. Die sogenannten Facies sind hingegen in erster
Linie nach der Beschaffenheit des Grundes zu bestimmen, in zweiter nach Mass-
gabe der Vegetation (Mare Sargassum!). Es gibt selbstverständlich Thiere, die
ein intermediäres Leben führen und z. B. als nekto-planktonische zu bezeichnen
sein werden, oder je nach dem Altersstadium und der Jahreszeit dem Haeckel-
schen Benthos oder dem Plankton beizuzählen sind.
Bionomische Ausführungen nöthigten den Verfasser, zu mehreren Fragen
der Umwandlungstheorie Stellung zu nehmen. Der Verfasser ist ein Eklektiker,
Anhänger Herb. Spencer’s, M. Wagner’s und G. Pfeffer’s. Weismann’s
Amphimixis kann nichts erklären, weil sie ja mit verschiedenem Ahnenplasma
arbeitet, uns aber nicht sagt, worin jene Verschiedenheiten ihre Quelle haben.
Die Amphimixis wirkt auf das Durchschnittsmass der specifischen Merkmale eher
conservirend. Die Vermischung schlechter Eigenschaften ist wichtiger, als das
Ueberhandnehmen des Passendsten. Ein Satz auf S. 32 enthält eine (unvoll-
ständige) Definition des Artbegriffes: „Als Arten können wir nur solche Formen
ansehen, die sich infolge von Isolirung auch durch morphologische Merkmale
scharf und constant von gleichzeitig lebenden verwandten Formen abheben.* (Ein
solcher Artbegriff kann jedoch wegen Veränderlichkeit der Thiere nur zeitweilig
„constant“ sein.) Neue Arten können nicht durch Mutation, sondern durch räum-
liche Trennung entstehen und erheischen ein simultanes Zusammenwirken von
vier Factoren. Diese sind: das Anpassungsvermögen, das Vererbungsvermögen
!) Ein Faden = eirca 1'85 m.
40 Referate.
des Angepassten, das zur Bildung verwandter Formenkreise führt, die Naturzucht,
welche eine Mutation derselben bedingt, und viertens eine räumliche Isolirung.
Der Bezirk eupelagischer Fauna kann sich bis zur Küste erstrecken. Alle Formen
der Hochsee sind wahrscheinlich aus nektonischen Formen hervorgegangen, die
vom Substrate abhängig waren. So sind z. B. Sergestes und Leucifer typisch
planktonische Thiere geworden.
Aus Ortmann’s trefflichen, an anderen Stellen erschienenen Specialstudien
ist zu ersehen, dass „ohne ausgedehnte und kritische, systematische Vorarbeiten
ein fruchtbares geographisches Studium nicht denkbar ist“ (Vorwort, 8. IV).
Je sparsamer dabei ein Verfasser mit Verallgemeinerungen und induetiven Theo-
remen umgeht, umso weniger hat er zu befürchten, seine Behauptungen durch
weitere Untersuchungen dereinst entkräftet zu sehen. Tad. Garbowski.
Standfuss, Dr. M. Handbuch der paläarktischen Gross-Schmetter-
linge für Forscher und Sammler. Zweite, gänzlich umgearbeitete und
durch Studien zur Descendenztheorie erweiterte Auflage. (392 S., 8 Farben-
drucktafeln und 8 Textfiguren.) Jena, G. Fischer, 1896. (14 Mk.)
Der vorliegende umfangreiche Octavband, welcher dem bekannten Anatomen
Prof. Dr. Arnold Lang in Zürich gewidmet erscheint, bietet in seinem Inhalte
eine Vereinigung von einerseits durchaus empirischen, nur für den praktischen
Sammler berechneten Rathschlägen, andererseits eine Fülle höchst werthvoller,
durch das Resultat langjähriger Experimente gestützter biologischer Betrachtungen.
Es ist selbstverständlich, dass bei der bekannten vieljährigen Thätigkeit des Ver-
fassers auf dem Gebiete der praktischen Lepidopterologie die diesbezüglichen Mit-
theilungen seiner reichen Erfahrungen allen Sammlern höchst willkommen sein
müssen, was auch der Erfolg der ersten Auflage dieses „Handbuches“ bereits be-
wiesen hat. Ob es nothwendig erschien, hiemit auch die für einen anderen Leser-
kreis berechneten descendenz-theoretischen Studien von allgemein wissenschaft-
licher Bedeutung zu einer Publication zu verbinden, bleibt fraglich. Verfasser
sucht es in der Vorrede aus praktischen Gründen zu rechtfertigen. Im Nach-
folgenden seien nur einige der interessantesten Betrachtungen aus dem biologi-
schen Inhalte des Buches in Kürze hervorgehoben.
Im Capitel „Paarung“ (8. 41—117) wird namentlich die Hybridation aus-
führlich behandelt. Nach einer Uebersicht über die bisher bekannt gewordenen
Fälle von Hybridationen, wobei (wie auch sonst überall im Buche) in sehr aner-
kennenswerther Weise Literatureitate gegeben werden, sind bisher in 24 Combi-
nationen Hybridfalter paläarktischer Macrolepidopteren gezüchtet worden, wovon
nicht weniger als sieben Fälle auf das Genus Saturnia kommen. Letztere werden
auch in ausführlicher Weise (S. 66—100) besprochen und namentlich auch
descriptive Mittheilungen über die Entwieklungsstadien dieser Hybridformen im
Vergleiche mit jenen der betreffenden Stammarten gemacht. Diese grösstentheils
vom Verfasser selbst benannten Hybridformen sammt dazu gehörigen Raupen
werden auf den drei ersten der vorzüglich ausgeführten Farbendrucktafeln zur
Abbildung gebracht. Im Anschlusse daran führt eine phylogenetische Betrachtung
Referate. 41
den Verfasser (in Uebereinstimmung mit Weismann [1876]) zu der gut begrün-
deten Annahme, dass Saturnia Spini die phylogenetisch älteste, Saturnia Pa-
vonia eine jüngere und Saturmia Pyri die jüngste Form sei.
Hohes Interesse beanspruchen die allgemeinen Schlüsse über Hybridation,
zu welchen Verfasser gelangt (S. 107—115); darnach prävalirt einerseits der
mütterliche Organismus in der hybriden Nachkommenschaft namentlich in den
ersten Entwicklungsstadien, andererseits aber derjenige Elterntheil, welcher der
phylogenetisch älteren Art angehört. Da sich bisher kein einziges weibliches Indi-
viduum einer unzweifelhaften Bastardform als fortpflanzungsfähig erwiesen hat,
schliesst Verfasser mit gutem Grunde die Hybridation als unmittelbar artbildenden
Factor vollständig aus und gelangt (S. 115) zur bekannten Feststellung des Art-
begriffes von rein physiologischem Standpunkte, der in etwas erweiterter Form
auf S. 353 wiederholt wird.
Im Abschnitte „Zucht der Raupen“ spricht Verfasser (S. 148) die Resultate
seiner vielfachen Experimente mit Erhöhung der Temperatur während des Raupen-
lebens dahin aus, dass je wesentlicher die Frasszeit der Raupe durch die Erhöhung
der Temperatur gekürzt werde, desto bedeutender die Grössenreduction des Falters
sei, und andererseits ein trotz der Temperaturerhöhung nicht verkürztes Raupen-
leben zur Vergrösserung des Falters führe. In diesem Abschnitte werden auch
(S. 153—166) die Krankheiten der Raupe in übersichtlicher Weise behandelt.
Das Zahlenverhältniss der beiden Geschlechter einer Art stellt sich nach
mehrfachen Zuchtresultaten und verschiedenen Berechnungsweisen so dar, dass
auf 100 weibliche Falter 106 männliche kommen. Diese Relation beider Ge-
schlechter trifft nach den beigebrachten Belegen auch anderwärts in der organischen
Welt wie in der menschlichen Statistik zu. Die durch andere Autoren wiederholt
ausgesprochene Behauptung, dass durch Futtermangel im Raupenleben vorwiegend
männliche Falter erzogen werden können, wird dahin berichtigt, dass eine Beein-
flussung des (bereits in den ersten Entwicklungsstadien entschiedenen) Geschlechtes
nicht erfolgen könne, dass aber bei Futtermangel die überlebenden Individuen
darum vorwiegend männlich ausfielen, weil in diesem Geschlechte eine Grössen-
reduction ohne wesentliche Beeinträchtigung der Geschlechtsproducte leichter
möglich und daher die männlichen Raupen gegen Nahrungsmangel widerstands-
fähiger seien.
Im Capitel „Ueber die von den normalen abweichenden Falterformen“
werden die als „Albinismus“ und „Melanismus“ bekannten Erscheinungen auf
jene Fälle beschränkt, wo die Pigmentsubstanz in den Schuppen die normale
Färbung nicht erreicht oder sich darüber hinaus verdüstert, ohne dass hierbei die
Zeichnungsanlage der Art verändert würde.
Wie wenig die bestehende Nomenclatur (welche nur einen historischen
Erklärungsgrund für sich hat) der natürlichen Verwandtschaft der Formen ent-
spricht, wird (S. 217) mit Recht hervorgehoben und an einigen Beispielen erläutert.
So stellt die Varietät Hethlandicus Knaggs von Hepialus Humuli L. zweifellos
die ältere, sexuell monomorph gebliebene Form dar und wäre folgerichtig als
Stammart zu bezeichnen. Aehnliche nomenclatorische Unrichtigkeiten finden sich
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 6
42 Referate.
auch bei saison-dimorphen Arten, wo bald die erste, bald die zweite Generation
als Grundform bezeichnet wird.
Bei der eingehenden Behandlung des Saison-Dimorphismus (für welche
vox hybrida in neuerer Zeit das Wort Hora-Dimorphismus Anwendung gefunden
hat) konnte die (im vorigen Hefte dieser Schriften besprochene) neueste Publieation
Weismann’s nicht benützt werden, woraus sich erklärt, dass unter den 23 auf-
gezählten Fällen paläarktischer Arten sich auch solche finden, bei welchen die
Ueberwinterung nicht im Puppenstadium erfolgt, die also im Sinne Weismann s
(1875 und 1895) nur klimatisch polymorph, nicht aber saison-dimorph sind (8. 228
bis 236). Es folgt hierauf die ausführliche Mittheilung zahlreicher vom Verfasser
ausgeführter Temperaturversuche, namentlich mit Vanessa-Arten, die schliesslich
zu einer genealogischen Betrachtung dieser Faltergruppe verwerthet werden
(S. 296— 302). Von hohem Werthe sind die Ergebnisse dieser Experimente auch
durch den Nachweis, dass bei Formen von nördlicherer Provenienz durch Erniedri-
gung der Temperatur eine Convergenz zu älteren Typen, rücksichtlich durch
Erhöhung der Temperatur eine Divergenz zu denselben gesteigert werden kann,
wogegen sich Arten, welche aus dem Süden eingewandert sind, in beiden Fällen
umgekehrt verhalten (S. 285). Es handelt sich also überall durch entgegengesetzte
Einwirkung der Temperatur um Hervorbringung entweder regressiver (atavisti-
scher) oder progressiver, in der Entwicklungsrichtung der Art gelegener, jedoch
normal nicht erreichbarer Formen. So wurde der (bereits von Fischer publi-
eirte) Nachweis der unmittelbaren Verwandtschaft von Vanessa Jo und Vanessa
Urticae experimentell erbracht, wofür auch eine Zahl Abbildungen auf Tafel VI
vorliegen. Ueber den Werth derartiger äusserlicher Veränderungen der Falter
äussert sich Verfasser trefflich, indem er (8. 288) sagt: „Wenn diese Verschiebungen
im Farbenkleide der Flügel auch keinen massgebenden Einfluss auf die Fort-
pflanzung ausüben können, so sind sie doch als ein Anzeichen dahin anzusehen,
dass auch Veränderungen in physiologisch wichtigeren Beziehungen vorgegangen
sind, die allerdings nicht immer gleichen Schritt mit der äusserlich sichtbaren
Divergenz halten müssen.“ Entscheidend für die Beständigkeit einer Form ist eben
nur die innere (physiologische) Disposition, die eine Rückkreuzung unmöglich
macht, eine Thatsache, die mit Recht gegen die ausschliessliche Verwerthung
des Falterkleides durch Eimer bei systematischen Darstellungen hervorgehoben
wird.
Die allgemein anerkannte biologische Thatsache, dass die Widerstands-
fähigkeit einer Form in direetem Verhältniss zu ihrem phyletischen Alter steht
(S. 290), findet hier ihre neuerliche Bestätigung.
Aus dem Abschnitte über Aberrationen (S. 305—321) sei nur hervorgehoben,
dass es sich vielfach hier um antagonistische Eigenschaften der Art handelt, d. h.
um solche Eigenschaften, die sich in einem und demselben Individuum aus-
schliessen. Für viele Aberrationen ist eine sprungweise Entstehung anzunehmen;
bei der Kreuzung der Grundart mit solchen aberrirten Stücken zeigt die Nach-
kommenschaft keine Mittelform, sondern nur Individuen der Grundart und der
Aberration, was an einigen Zuchtresultaten nachgewiesen wird.
Referate, 43
Schliesslich sei noch darauf hingewiesen, dass in einem eigenen Capitel
(S. 322—353) Andeutungen zur Frage der Artbildung gemacht werden.
Diese kurzen Mittheilungen aus dem reichen Inhalte des Buches mögen
genügen, um nicht nur jedem Lepidopterologen, sondern auch jedem Biologen in
weiterem Sinne des Wortes geradezu die Unentbehrlichkeit dieses Handbuches
darzuthun. Ohne Vorurtheil kann behauptet werden, dass ein ähnliches Compen-
dium mit so vielem Thatsachenmaterial von allgemein biologischer Bedeutung
vereint, in der neueren entomologischen Literatur nicht seines Gleichen hat. Das
Buch erscheint geradezu berufen, die Basis für zielbewusste weitere Bestrebungen
auf dem Gebiete der Experimental-Biologie abzugeben, und wäre ihm schon allein
von diesem Standpunkte aus die weiteste Verbreitung zu wünschen.
Nicht zuletzt sei die treffliche Ausstattung, welche die bekannte Verlags-
handlung G. Fischer der Publication angedeihen liess, mit Lob hervorgehoben.
Dr. H. Rebel.
Publieationen über Lepidopteren.
(Referent Dr. H. Rebel.)
Transaetions of the Entomologieal Society. London, 1894, Part III—V.
Meyrick, Edw. On Pyralidina from the Malay Archipelago (p. 455—480).
In der verhältnissmässig kleinen Arbeit werden nicht weniger als 17 neue
Gattungen und eine denselben entsprechende Zahl neuer Arten aufgestellt.
Walsingham, Lord. Catalogue of the Pterophoridae, Tortrieidae and
Tineidae of the Madeira Island, with notes and deseriptions of new species
(p- 535—555).
Eine Revision der Typen Wollaston’s von maderischen Microlepidopteren
gibt dem ersten Microlepidopterologen Englands Veranlassung, eine erschöpfende
Uebersicht über die bisher von Madeira bekannt gewordenen Pterophoriden,
Tortrieiden und Tineiden (zusammen 66 Arten) zu geben. Interessenten der so
lehrreichen atlantischen Fauna müssen auf das Original verwiesen werden. Es
seien hier nur die neuen Formen erwähnt: Hyponomeuta Bakeri (p. 542 bei
Egregiellus Dup.), Anacampsis Wollastoni (p. 545), Blastobasis Lavernella (p. 547),
Bl. Desertarum Woll. var. nov. Radiata (p. 550), Bl. Lignea (p. 550) und var.
Adustella (p. 551), Epistetus n. gen. (bei Blastobasis) mit Pica n. sp. als Art
(p. 552—553), Laverna Rebeli (p. 554).
Bethune-Baker, George T. Descriptions of the Pyralidae, Crambidae
and Phycidae collected by the late T. Vernon Wollaston in Madeira (p. 581—586).
Gleichsam als Ergänzung zu der eben erwähnten ausgezeichneten Arbeit
Lord Walsingham'’s soll das vorliegende, leider sehr oberflächlich und ohne
. Berücksichtigung der einschlägigen Literatur angefertigte Verzeichniss von
24 Arten dienen, wovon Scoparia Wollastoni (p. 583), Botys Maderensis (p. 584)
und Botys Atlantieum (p. 584) als neu beschrieben werden.
44 Referate.
Aus den Sitzungsberichten sei nur eine interessante Mittheilung Tutt’s
über Zygaena Exulans und deren Localformen (p. XXVI—-XXVI), sowie die
hervorragende Rede („Address“) des Präsidenten Elwes in der Jahressitzung
vom 16. Jänner 1895 (p. L-LXXXIV) erwähnt, welche die geographische Ver-
breitung der Tagfalter zum Gegenstande hat.
Tijdschrift voor Entomologie (Nederl. Ent. Vereenig.). XXXVII. 1893—1894.
Snellen, P. C. T. Aanteckeningen over Nederl. Lepidoptera. II. Miero-
lepidoptera (p. 1—32, Pl. 1).
Dieser vierte Nachtrag zu dem bekannten Faunenwerke desselben Autors
zählt als neue Arten für die niederländische Fauna Blabophanes Lombardica
Hering (p. 14, Pl. 1, Fig. 4—6, im Vergleiche zu Ferruginella Hb., Fig. 1—3),
Blabophanes Truneicolella Tngstr., Argyresthia Laevigatella H.-S., Gelechia Semi-
decandrella Stt. und Sitotroga Cerealella Oliv. auf. Bei vielen anderen Arten
werden mit der mustergiltigen Gründlichkeit dieses ausgezeichneten Fachmannes
nebst vielen Fundortsangaben auch andere werthvolle Anmerkungen nachgetragen.
Derselbe. Lepidopt. Aanteckeningen (p. 67—72). 1. Hestina Mimetica
Butl., Pl.3, Fig. 1. 2. Nepheronia Octavia n. sp., p. 68, Pl. 3, Fig. 2. Tanah-
Djampea, mit werthvollen Bemerkungen über andere Pieriden. 3. Papilio Aga-
memnon L., Aberration mit gelben Flecken, Pl. 3, Fig. 3.
Derselbe. Description de deux &speces inedites du genre Gossensia Rag.
1. @. Cinnamomealis, p. 74, Pl. 3, Fig. 5, 6. Salawatti. 2. @. Lutealis, p. 75,
Pl. 3, Fig. 7, 8. Iles Obi.
Derselbe. Bockaankondiging (p. 76—77) über Hampson’s II. Band der
indischen Heteroceren.
Derselbe. Aanteckening over Heleyra Hemina Hew. (p. 78—79). Ueber
die generische Stellung dieser interessanten Nymphalide.
Derselbe. Glyphodes Jaculalis, nieuwe Soort der Pyraliden (von den
Philippinen) (p. 177—179).
Brants, Mr. A. Een Paar Halsorganen bij de Rups van Notodonta Zie-
zac L. (p. 196—224, Pl. 5).
Eine sehr interessante Arbeit morphologischer Natur über ein bisher unbe-
kannt gebliebenes, an der Ventralseite des Halses der genannten Raupe ausstülp-
bares Organ, welches in Form und Function der bekannten Nackengabel der
Papilionidenraupen gleicht. Da dieses Schutzorgan nur selten zur Ausstülpung
gelangt, ist es bisher der Beobachtung entgangen. Die ähnliche morphologische
Verhältnisse behandelnde Literatur wird eitirt und besprochen.
Beiträge zu einem Verzeichnisse der Inseetenfauna Graubündens von
Dr. E. Killias, fortgeführt von J. L. Caflisch. Lepidoptera. II. Nachtrag.
(72 8. und zwei Karten. Beilage zum Jahresbericht 1894/95 der Naturf.
Gesellsch. Graubündens. 38. Bd. Chur, 1895.)
Seit dem vor neun Jahren, noch von dem inzwischen verstorbenen
Dr. Killias publieirten I. Nachtrag zum Verzeichnisse der Bündner Lepidopteren
sind 50 Arten Maerolepidopteren und 20 Microlepidopteren im Canton Graubünden
Referate. 45
neu aufgefunden worden, so dass sich die Gesammtzahl aller Arten auf 929 Macero-
_ und 667 Micerolepidopteren stellt. Zu den interessantesten Vorkommnissen zählt
die bisher in der Schweiz noch nicht beobachtete Psyche Standfussi H.-S.
(Davos-Dörfli, am Licht Ende Juli 1887, Hauri), Lophoptery& Carmelita Esp.
(Davos-Dörflii, am elektrischen Licht Anfang Juni 1895, Boner), Caradrina
Noctivaga Bell. (bei Ilanz, bereits von Rätzer aus dem Visperthal bekannt ge-
macht), Hiptelia Loretzi Stgr. (wo ein näherer Fundort verschwiegen wird), Dasy-
polia Ferdinandi Rühl (Stilfser Joch, schwerlich eigene Art), Plusia Aemula Hb.
(Bergün [Rothschild] und Weissenstein [Caflisch]), Plusia V. argenteum Esp.
(alljährlich im Curhause Tarasp, in dessen Umgebung die Futterpflanze Tha-
lietrum foetidum wächst), Eugonia Fuscantaria Hw. (Ilanz), Hemerophila
Abruptaria Thnbrg. (Misox, bereits von Rätzer erwähnt), Odezia Tibiale Esp.
(bei St. Martin), Eupithecia Insigniata Hb. (Ilanz 1894, Caflisch), Scoparia
Gracilalis Stt. (synonym mit Alpina Stt.), Conchylis Elongana F. (Weissenstein,
Caflisch; wahrscheinlich eine unrichtige Bestimmung, da die Art bisher noch
nicht im Alpengebiet beobachtet wurde), Butalis Acanthella God. (Bergell).
Für eine grosse Zahl anderer Arten werden weitere Fundorte im Gebiete
bekannt gemacht. Neu beschrieben wird eine Erebia Ceto Hb. var. Caradjae
Cafl. (S. 15) „bei Ponte im Oberengadin noch im Juli“. Sie ist bedeutend kleiner
(35 mm) als die Unterengadiner Ceto, die orangegelben Keilflecken reducirt und
verdunkelt, und kommt hierdurch jedenfalls der von Rätzer (Mitth., VIII, S. 222)
bekannt gemachten Ceto var. Obscura aus dem Wallis nahe.
Die beiden Karten veranschaulichen das Verbreitungsgebiet einiger Arten.
Stettiner Entomologische Zeitung. 55. Jahrg., 1894. Nr. 4—12.
Fruhstorfer, H. Neue und wenig bekannte Java-Rhopaloceren (S. 116
bis 125, Taf. II—V, Fig. 1).
Dieser von schönen colorirten Abbildungen begleitete faunistische Beitrag
behandelt acht Formen, wovon Zeuzxidia Dohrni, Herona Pringondani, Delias
Bromo und Elymnias Maheswara als neue Arten beschrieben werden.
Derselbe. Ein neuer Tagfalter aus Nias (Herona Djarang, S. 126, Taf. V,
Fig. 9, Jg).
Derselbe. Einige Worte über Morphotenaris Schoenbergi (S. 127—128).
— Eine Verwahrung gegen die von Dr. Staudinger („Iris“, VI, S. 363 ff.) ver-
suchte Einziehung dieser von Fruhstorfer aufgestellten Gattung.
Drei Geometridenzwitter.
1. Acidalia Virgularia Hb., und aberr. Bischoffaria Lah. von Otto
Habich (S. 131, Taf. V, Fig. 1). Habich erhielt durch Zucht aus dem Ei von
einem stark verdunkelten @ zwei getheilte Zwitter, bei welchen die linke männliche
Seite ebenso verdunkelt war wie die Stammmutter, während die rechte weibliche
Seite normale Färbung zeigt. Die übrigen Stücke dieser Zucht gehörten theils
der Varietät, theils der Stammart an.
2. Bupalus PiniariusL. von Al. Rogenhofer (8.131, Taf.V, Fig. 2).
_ Getheilter Zwitter, links g’, rechts @. Die Zahl beschriebener Zwitter bei dieser
46 Referate.
Art beträgt nicht blos zwei, wie nach Bertkau behauptet wird, da bereits Hagen
(1861) einen solchen erwähnt, und Bertkau nur eine Fortsetzung des Hagen-
schen Verzeichnisses gibt.
3, Cleogene Peletieraria Dup. von Thd. Seebold (8.132, Taf.V, Fig.3).
Vorwiegend männlich, die linke Flügelseite theilweise verkrüppelt und von der
hellen Färbung des 9; dagegen ist der linke Fühler männlich, der rechte weiblich.
Hugo Christoph, ein Nachruf von Major Ed. Hering (8. 133—139)
— Die bewährte Feder Hering’s gibt eine übersichtliche Lebensskizze des am
5. November 1894 in Petersburg verstorbenen bekannten Lepidopterologen.
Prout, Louis B. Synonymische Bemerkungen über Cidaria Ferrugata
Spadicearia und Unidentaria (S. 160—161).
Ein magerer Auszug einer von demselben Verfasser in der Londoner Entom.
and Natur. Hist. Society 1894 erschienenen Publication, wonach Spadicearia Bkh.
(= Ferrugata Cl.) auf Grund des männlichen Genitalapparates in Ueberein-
stimmung mit Aurieillius (1891) als gute Art von Corculata Hufn. (= Ferru-
gata L.) getrennt wird, zu welch’ letzterer Unidentaria Hw. als Aberration mit
schwarzem Mittelfeld der Vorderflügel gehört.
Hedemann, W.v. Beitrag zur Kenntniss der Mierolepidopteren-Fauna von
Dänisch-Westindien (S. 230—302).
Die bereits mehrfach (conf. Referate dieser Zeitschrift, S. 114) erwähnte
Sammelreise des bekannten Lepidopterologen gibt zu diesem schönen faunistischen
Beitrag Veranlassung, welcher nur die Pyralidinen und Crambiden mit zusammen
70 Arten umfasst, dadurch aber sehr an Werth gewinnt, dass alle von den dänisch-
westindischen Inseln bekannt gewordenen Arten darin aufgenommen sind und mit
reicher Literaturkenntniss vielfach die Synonymie, namentlich auch durch Ver-
gleich Fabriei’scher Typen, berichtigt wird. Es werden zwei neue Genera, u. Zw.
Rapoona (bei Ceratoclasis Led.) mit der Art Tristis (S. 292—293) und Heringia
(bei Piletocera Led.) mit der Art Mendica (8. 293—294) aufgestellt, ausserdem
mehrere neue Arten beschrieben.
Rothke, Max. Einige Schmetterlings-Aberrationen aus der Fauna Cre-
felds (S. 303—305). Neu benannt wird eine Papilio Machaon-Aberratio: Nigro-
faseiata mit obliterirten gelben Saummonden auf der Oberseite der Hinterflügel.
Hering, Ed. „Carl Reutti“, ein Nachruf nach dem am 12. Jänner 1894
verschiedenen bekannten Verfasser der Lepidopterenfauna des Grossherzogthums
Baden.
Weymer, Gust. Beitrag zur Lepidopterenfauna von Rio Grande do Sul
(Exotische Lepidopteren, VII) (S. 311—333). Es werden 140 Rhopaloceren -Arten
und 38 Heteroceren angeführt, darunter mehrere neue Arten und ein neues
Lithosidengenus: Antiloba (S. 328) mit Carnea n. sp. als Art.
Seitz, Dr. A. Schmetterlinge aus Süd-Shan-tung (S. 333— 345).
Es werden nur 19 Arten angeführt, aber interessante Angaben fannistisch-
biologischer Natur eingeflochten. Die eingangs gemachte Bemerkung über die
Willkür in der Abgrenzung des paläarktischen Faunengebietes wäre für viele
Sammler beherzigenswerth.
’
Referate. 47
Hinneberg, Dr. C. Grapholitha Tetragrammana Stgr. und Plutella
Incarnatella Steudel (S. 345—5358, mit einer Nachschrift von Hering).
Von beiden bisher sehr wenig beobachteten Microlepidopteren-Arten werden
die bei Potsdam, resp. Berlin entdeckten ersten Stände bekannt gemacht, wonach die
Tortrieide auf Humulus lupulus, die Plutellide auf Sisymbrium Alliaria lebt. Aus-
führliche Ergänzungen auch in deseriptiver Hinsicht werden für beide Arten gegeben.
Weymer, Gust. Besprechung von „A handbook to the order Lepidoptera
by W. F. Kirby“ (Allen’s Naturalist's Library) (8. 398—402).
Drude 0. Deutschlands Pflanzengeographie. Ein geographisches Cha-
rakterbild der Flora von Deutschland und den angrenzenden Alpen-, sowie
Karpathenländern. Erster Theil. Stuttgart (J. Engelhorn), 1896. (16 Mark.)
Es ist mit Freude zu begrüssen, dass der Verfasser des vor einigen Jahren
erschienenen „Handbuches der Pflanzengeographie“* nun daran gegangen ist, die
in diesem Werke besprochenen allgemeinen Prineipien in einem speciellen Floren-
gebiete durchzuführen. Dieses specielle Gebiet ist nicht Deutschland im politischen
Sinne, sondern das deutsche Sprachgebiet, welches also auch einen grossen
Theil der Schweiz und Oesterreichs umfasst. Aus Gründen der Zweckmässigkeit
wurden auch noch Holland und Belgien (z. Th.), das Gebiet des Jura und theilweise
auch jenes der Karpathenländer mit berücksichtigt. Das Buch ist daher auch für
die floristisch thätigen Botaniker Oesterreich-Ungarns von grosser Wichtigkeit.
Wenn in den folgenden Zeilen eine kurze Inhaltsübersicht gegeben wird,
so bezweckt diese nur, demjenigen, der nicht Gelegenheit hat, in das Werk selbst
Einsicht zu nehmen, anzudeuten, was er in demselben finden kann.
Der Gesammttitel des vorläufig allein vorliegenden ersten Theiles lautet:
„Die Vertheilung der Pflanzenformen im Gebiet nach Klima und Standort.“
Unter den fünf Abschnitten dieses ersten Theiles gibt der erste einen allgemeinen
„Ueberblick über das Gebiet und seine Pflanzenwelt“, während der zweite „die
biologischen Vegetationsformen des Gebietes“ behandelt. Der dritte (umfang-
reichste) Abschnitt ist der speciellen Besprechung der einzelnen im Gebiete ein-
heimischen Pflanzenfamilien mit Rücksicht auf deren Verbreitungs- und Standorts-
verhältnisse gewidmet, während der vierte — der dem Referenten der werthvollste
zu sein scheint — „die mitteleuropäischen Vegetationsformationen* in ausführ-
licher Weise darlegt. Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit der „periodischen
Entwicklung des Pflanzenlebens im Anschluss an das mitteleuropäische Klima.“
Während in Bezug auf den Inhalt der Abschnitte 1—3 und 5 auf das
Werk selbst verwiesen werden kann, glaubt Referent keinen Fehlgriff zu thun,
wenn er die vom Verfasser im vierten Abschnitte gegebene Gliederung der mittel-
europäischen Vegetationsformationen in ihren Hauptzügen hier wiedergibt.
1. Die deutschen Waldformationen, 14 an der Zahl, sind folgende:
- Kiefernheidewald (Pinus silvestris), Schwarzföhrenwald (Pinus nigra), Auenwald
(Laubwald ohne Rothbuchen!), Bruchwald (Erlen und Weiden), gemischte Laub-
holz-Formation der niederen Regionen, Buchenhochwald, lichte Hain- und Vor-
holz-Formation der niederen Regionen, baltisch-hereynische Mengwald-Formation,
48 Referate,
Tannenwald der Bergregion, Voralpenwald, obere hercynische Fichtenwald-Forma-
tion, subalpiner Hochgebirgswald, montane und subalpine Waldbach-Formation.
2. Die immergrünen und alpinen Gebüsch- und Gesträuch-
Formationen. Hieher gehören die Niederungsheiden und die subalpinen Berg-
heiden, beide mit Calluna vulgaris und Vaccinium-Arten, die „Schneeheide* mit
Erica carnea, die Gebüsche der Alpenrosen, Legföhren und Wachholderarten, der
Grünerle und der Alpenweiden.
3. Die deutschen Grasflur-Formationen, und zwar: Triftgrasfluren,
Sandgrasfluren, Salz- und Strandwiesen, langhalmige Niederungs- und Thalwiesen,
kurzhalmige Bergwiesen, langhalmige Bergtriften und Riedgrasfluren, kurzrasige
Alpenmatten, Gras- oder Wiesenmoore.
4. Die Moosmoor-Formationen, mit drei Haupttypen: Calluma-Moos-
moore, ur (Pinus uliginosa!) und alpine Moosmoore.
. Die Formationen der Wasserpflanzen: die Schilf- und Röhricht-
Forkmiätionien, die schwimmenden und untergetauchten Pflanzen des süssen Wassers
und die oceanischen Formationen.
6. Die offenen Formationen des trockenen Sandes und Fels-
gesteins von der Küste bis zur unteren Bergregion. Hieher gehören zunächst
die psammitischen Formationen, dann die halophile psammitische Formation
(Sandstrandflora mit Elymus arenarius, Ammophila arenaria, Agropyrum-Arten,
Carex arenaria etec.), endlich die dysgeogenen Felsformationen (Silikatgesteine
und Basalte; Kalkgerölle).
7. Die Salzpflanzen-Formationen des festen Landes. Unter den
„Wiesen- und Triftformationen der Halophyten“ sind die Salzwiesen von Atropis
maritima, die gemischten Graswiesen (Atropis maritima und distans mit Seirpus
maritimus, Poa- und Agrostis-Arten) und die Artemisia-Salztriften zu nennen.
Für die „sumpfigen Halophyten-Formationen“ oder Salzsümpfe sind besonders Sali-
cornia herbacea, Aster Tripolium, Triglochin maritimum und andere Gewächse
charakteristisch. „Die Wattenform der Salicornia* ist hievon zu unterscheiden.
8. Fels-, Geröll- und Nivalformationen des Hochgebirges. Hier
kann man drei Regionen unterscheiden, welche selbst wieder in Unterregionen
zerfallen: die präalpine Fels- und Geröllformation (untere Grenze ca. 1000 m,
obere 1800—2000 m), die alpine Fels- und Geröllformation (und zwar infraalpine
Formation bis zur Krummholzgrenze; intraalpine bis zur Grenze der Vaceinien,
Arctostaphylos-Arten ete.; supraalpine bis zur Grenze der Alpenweiden ete.) und
die nivale Fels- und Geröllformation (von ca. 2500—2600 m bis auf die Schnee-
gipfel, und zwar infranivale, intranivale und supranivale Formation).
9. Das Schlusscapitel des dritten Abschnittes behandelt „die Bodenbedeckung
Deutschlands unter dem Einfluss der Cultur“. Hier kommen neben den Cultur-
pflanzen auch die Unkräuter und Ruderalpflanzen zur Sprache.
Möge das interessante und höchst lesenswerthe Werk recht viele Floristen
anregen, nicht nur den einzelnen Raritäten und „kritischen Arten“, sondern
auch den Pflanzengenossenschaften ihres wWöhngehieles Alter zu
schenken! Prof. Dr. ©. Fritsch (Wien).
49
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ii 8
NGOFS
Versammlung am 5. Februar 1896.
Vorsitzender: Herr Custos Dr. E. v. Marenzeller.
Neu eingetretene Mitglieder:
Als Mitglied bezeichnet durch
PT. Herr P. T. Herren
Binder Franz S., Magistratsbeamter, Wien,
III, Barichgasse 14 . . . - ....... J.v. Hungerbyehler, Dr. F. Spaeth.
Breit Josef, Beamter, Wien, VII., Mariahilfer-
strasse zn $: /ankaslih : Ban. „laden. Ganglbauer, Dr; P.'Spaeth:
Chimani, . Otto, Wiens XVIII., Antoni-
gasse en DI. ern Be Dr. E. Chimani, J. Kaufmann.
Jawrowski, Dr. Anton Ritter v. ae
Professor, Lemberg . . Dr. ©. Fritsch, A. Handlirsch.
Reichert Carl, Optiker, Wan VIIL, Bennse
Basen a en EIN lsı 100Dris Gi Eritsch, 7A4 >Hiandlirsch:
Wiesbauer Josef, Postsparcasse - Beamter,
Wien, VIII., Josefstädterstrasse 8 . . . L. Keller, F. Tschörch.
Der Vorsitzende widmete zunächst dem verstorbenen langjährigen
Mitgliede Julius Edlen v. Bergenstamm einen warm empfun-
denen Nachruf. Die Anwesenden erhoben sich zur Ehrung des Ver-
blichenen von den Sitzen.
Herr Secretär Prof. C. Fritsch machte die Mittheilung, dass
die beschlossene Statutenänderung nunmehr von der hohen
k. k. n.-ö. Statthalterei genehmigt wurde. Die geänderten Statuten
wurden den Mitgliedern bereits mit dem ersten Hefte des Jahr-
ganges 1896 der „Verhandlungen“ zugesendet.
Z. B. Ges. Bd. XLVI.
Ds |
50 Versammlung am 5. Februar 1896.
Herr Prof. Dr. G. v. Beck demonstrirte eine neue Lami-
naria aus der Adria, welche von Hofrath Steindachner bei
der Insel Pelagosa in grösserer Tiefe in mehreren Exemplaren ge-
sammelt wurde.
Da im Mittelmeere bisher nur Laminaria brevipes Ag. und L. Rodrigueziü
Burn. gesammelt wurden, aus der Adria aber keine Laminaria bekannt ist, ver-
dient der Fund einer der L. saccharina verwandten Art besonderes pflanzen-
geographisches Interesse, welches noch dadurch gesteigert wird, dass eine neue,
der Laminaria saccharina J. Ag. zunächst verwandte Art vorliegt, welche als
Laminaria adriatica G. Beck bezeichnet wird. Die Pflanze zeigt ein kräftiges
verästeltes Rhizom, dessen Aeste der Mehrzahl nach als Haftwurzel sich festsetzen,
zum Theile aber wie bei keiner anderen Art zu neuen Pflanzen heranwachsen,
wobei ausläuferartige Bildungen entstehen. Ein kurzer, 3—4 cm langer, dünner
Stiel trägt den länglichen, am Rande faltigen, bis 15 m langen und bis 03 m
breiten, lebhaft grünen Blattkörper, der mittelst eines Isthmus von 3°5—5 cm
Breite mit dem älteren, ebenso gestalteten und mit zahlreichen Bryozoen be-
setzten Blattkörper verbunden ist. Leider waren keine Sporangiensori aufzufinden.
In der anatomischen Beschaffenheit ergab sich gegenüber der L. saccharina eine
ziemlich scharf abgesetzte Hyphenschichte, und die grössten Zellen der mehr-
schichtigen Markschichte lagen zunächst der Hyphenschichte, während sich bei
L. saeccharina letztere in der Mitte zwischen Rinde und Hyphenschichte befinden.
Auch die alten Laubkörper der Laminaria adriatica hatten niemals die lederige,
fast hornartige Consistenz des Blattkörpers, wie sie kräftige Exemplare der L.
saccharina aufweisen, während die jungen Blattkörper anatomisch nicht wesent-
lich von jenen der L. phyllitis Lam. abwichen.
Herr Custos Dr. L. v. Lorenz demonstrirte Exemplare zweier
vor einem Jahre von A. B. Meyer?) neu beschriebener Paradies-
vögel, welche erst kürzlich dem Hofmuseum eingesendet worden
waren, und knüpfte daran folgende Bemerkungen:
Das vorliegende Exemplar von Pteridophora alberti (Z') weicht theilweise
von dem durch Meyer beschriebenen und abgebildeten Vogel ab und stellt
offenbar ein etwas jüngeres Altersstadium dar, indem die oberen Schwanzdecken
nicht schwarz mit olivenbraunem Rande, sondern haarbraun?) sind, mit einem
Anfluge von Oliv gegen den Rand zu. Die Oberseite des Schwanzes ist dunkel
matt haarbraun, an den Aussenfahnen etwas oliv; auch den beiden mittleren
Schwanzfedern fehlt jeder Glanz. Die oberen Flügeldecken braungrau, die
!) Abhandlungen und Berichte des kgl. zoologischen und anthropologisch-ethnographischen
Museums zu Dresden, 1894/95, Nr. 5.
2) Farbenbezeichnung nach Ridgway’s „Nomenclature of colors“.
en
.
&
n-
Versammlung am 5. Februar 1896. Hl
kleineren davon mit einem Anfluge von Oliv, einige mit feinen dunkleren Quer-
bändern. Schwungfedern braunschwarz, gegen die Basis matt zimmtbraun. Unter-
seite des Körpers ockergelb, gegen die Mitte etwas mit goldgelb untermengt.
Kinn und Kehle wie bei dem typischen Exemplare sammtschwarz mit violettem
Glanze und sehwachem grünlichen Schiller nach der Brust zu, dazwischen finden
sich aber noch als Reste des Jugendkleides einzelne bräunliche, zum Theile
schwarz gebänderte Federchen.
Die eigenthümlich gestalteten verlängerten Zierfedern, von denen je eine
über den Augen entspringt, sind ungleich lang, die rechte 320 mm mit 35 ver-
breiterten Fahnenstrahlen, die linke 350 mm mit 38 Fahnenstrahlen; der etwas
abgeplattete, oben convexe, unten gekehlte Schaft dieser Federn ist oben hell
drap, unten umberbraun, wie die lappigen Fahnenstrahlen; diese auf der Ober-
seite im Ganzen milchig blauweiss (perlgrau), dunkler bläulich (indigo) gegen
die Vorder- und Hinterränder, welche selbst von einer schmalen schwarzen Linie
begrenzt sind.
Von Parotia carolae liegen drei Männchen in verschiedenen Kleidern
vor, welche ergeben, dass das von Meyer beschriebene und abgebildete Indivi-
duum dieser Art noch kein ganz ausgefärbter Vogel sei, während sich wohl ein
soleher unter den hier zu besprechenden befindet, der die Charaktere dieses
Stadiums zeigt.
Dieser (I) ist oben sammtschwarz mit violettem Schimmer auf den Schultern,
dem Unterrücken und den Flügeln, jedoch die Federn des Mantels und Nackens
bis auf die Seiten des Halses tragen dunkel kastanienbraune Endsäume, die
in gewissem Liehte goldigbraun glänzen. An den von den Nasenlöchern bis über
die Mitte der Augen sich hinziehenden seitlichen Federkämmen tragen nur die
vorderen nach innen gekrümmten Federn und dann jene, welche das Ende
der Kämme über den Augen bilden, weisse Spitzen, bei den mittleren Federn
dieser Kämme aber fehlen dieselben, so dass der weisse Saum unterbrochen
ist. Die Kopfplatte ist glänzend, dunkel goldig braungelb (ocker), der
hinter dieser Platte sich am Hinterhaupte hinziehende glänzende Querkamm ist
grün, blau und rothviolett. Die drei hinter jedem Auge entspringenden Feder-
schäfte sind sammt den spatelförmigen Fahnen 123—124 mm lang. Die Augen
werden von einem dunkel kastanienbraunen Saume kurzer sammtartiger Federn
umgeben. Wangen, Kinn und Kehle im Ganzen von schwarzer Grundfarbe;
Wangen mit dunkelbraunem, goldig glänzendem Anfluge, namentlich gegen ihre
hintere Grenze zu; Federn von Kinn und Kehle auch mit braunen Enden; jene
des Kinnes besonders an den Seiten verlängert und hier mehr braun als schwarz.
An der Grenze vor dem glänzenden Brustschilde ein kleiner heller Fleck von
10:15 mm, gebildet von an der Basis weissen, gegen das Ende zu braunen
Federchen, die allmälig in die metallischen Federn der Vorderbrust übergehen;
dieselben sind jedenfalls noch ein kleiner, letzter Rest des Jugendkleides, wie
dies zwei zwischen ihnen zum Vorscheine kommende schwarze Federchen
andeuten. Federn des Brustschildes rosaviolett und ölgrün schillernd, mit sammt-
schwarzem Mittelflecke. Verlängerte Federn an den Seiten der Brust der Reihe
7*
52 Versammlung am 5. Februar 1896.
nach schwarz, kastanienbraun und weiss; übrige Unterseite schwärz. Untere
Flügeldecken schwarz und braun.
Dieser Balg kommt dem Kleide des ausgefärbten Vogels am nächsten,
indem nur der kleine weiss und braun gesprenkelte Fleck vor dem Brustschilde
noch einen Rest des Jugendgefieders darstellt, der schliesslich auch schwindet,
so dass dann beim alten Vogel der Vorderhals bis zur Brust schwarz wird, wie
bei den zwei anderen Arten der Gattung.
Der nächste Balg (II) stimmt in der Färbung so gut wie vollkommen
mit dem von Meyer abgebildeten Vogel überein. Die Federn des Nackens und
Oberrückens besitzen keine braunen Enden, sondern zeigen denselben violetten
Schimmer wie die übrigen Partien der Oberseite; die Federkämme an den Seiten
des Kopfes haben einen ununterbrochenen weissen Saum; die Scheitel-
platte ist etwas matter goldig braungelb glänzend als jene des vorbeschriebenen
Exemplares; die Augen umgibt ein hell braungelb schimmernder Ring, der
vorne am breitesten ist; Wangen, Kinn und Kehle sind hell, chamois, seiden-
artig glänzend mit dunkler Basis der Federn; von der Kehle zieht sich über
den Vorderhals zum Brustschild ein heller Streifen, 12 mm breit und 32 mm lang,
gebildet von weissen Federchen mit braunen Enden. Die spatelförmigen, hinter
den Augen entspringenden Federn ungleich entwickelt, die längste 105 mm, die
kürzeste 70 mm lang. Sonst wie I gefärbt.
Der dritte Balg (III) endlich stammt von einem noch jüngeren, doch
auch schon im Stadium des Kleiderwechsels befindlichen Vogel. Auf der Ober-
seite sind Mantel und kleinere Flügeldecken sammtschwarz mit violetten Reflexen;
Unterrücken, Oberseite des Schwanzes, grössere Flügeldecken und Secundarien
braungrau (bister), stellenweise mehr oder weniger mit sammtschwarzem Anfluge.
Handschwingen schwarz, Rand der seitlichen Federkämme ununterbrochen glänzend
schmutzigweiss; Scheitelplatte noch etwas blasser und matter ocker als bei Il.
Grün-blau-violettes Querband am Hinterhaupte entwickelt. Augen rundum von
einem goldig braungelben Ringe umgeben. Wangen, Kinn und Kehle ähnlich
wie bei II, nur in der Mitte der Kehle etwas dunkler (Federn des Vorderhalses
defect). Brustschild bereits entwickelt, jedoch von weniger lebhaftem Glanze,
übrige Unterseite lehmbraun mit schmalen welligen schwarzen Querbändern.
Seitliche Brustfedern verlängert, zum Theile ganz lehmbraun und schwarz
gebändert, zum Theile graubraun oder weiss und nur gegen das Ende gebändert,
einige weiss und gegen die Spitze einfach bräunlich. Spatelförmige Zierfedern
110 mm.
Herr Custos Dr. Emil v. Marenzeller theilte die neuen An-
sichten von Dr. Rinaldo Marchesini, Assistenten an der Lehrkanzel
für pathologische Anatomie in Rom, über die Struetur des Muskel-
gewebes, insbesondere der quergestreiften Muskeln mit (Anatomi-
scher Anzeiger, Bd. XI, Nr. 5).
Botanischer Discussionsabend am 24. Jänner 1896. 53
Marchesini hat durch lang fortgesetztes Maceriren und Anwendung eines
nicht näher bezeichneten Färbemittels den bekannten Bildern eine neue Deutung
gegeben. Die Fibrillen lassen sich in äusserst feine Faserchen zerlegen, die von
Strecke zu Strecke feine Knötchen zeigen, wie sie durch starke Ausdehnung von
Spiralen entstehen. Durch die parallele Lagerung dieser Faserchen und Anord-
nung der Knötchen in gleichen Abständen entstehen feine Querstreifen, die zum
Theile schon früher bekannt waren (Hensen’sche Mittelscheibe, Krause’s
Zwischenscheibe), und sowohl den dunklen wie hellen Scheiben angehören. Die
ersteren erklärt Marchesini durch eine bestimmte Gestalt der Muskelfasern.
Sie sind jenen entsprechend vorgewölbt und an diesen Stellen (Bowman'sche
Dises) sind die feinen Faserchen fester untereinander verbunden.
Botanischer Diseussionsabend am 24. Jänner 1896.
Herr Prof. Dr. G. v. Beck sprach unter Vorlage eines reichen
Herbarmateriales eingehend:
Ueber die Formen der Anthyllis Dillenii Aut.
Die Thatsache, dass unter Anthyllis Dillenii sehr Verschiedenes begriffen wird
und dass gerade in unseren Adrialändern ein hiezu gehöriger Schwarm von Arten
oder Rassen anzutreffen ist, gab den Anlass, diesen vornehmlich den Mittelmeer-
ländern angehörigen Formen der Anthyllis Vulneraria, welche sich durch mehr
minder purpurfärbige Kelehe und meist auch durch ins Rothe spielende Färbung
der Blume auszeichnen, Beachtung zu schenken.!) Es ergab sich, dass die meisten
Formen, wenn auch nicht immer morphologisch streng gesondert, doch geographisch
gut geschieden sind und dass eigentlich nur die echte Anthyllis Dillenii hievon
eine Ausnahme macht, indem sie zerstreut durch ganz Europa bis nach England
und Schweden vorkommt. Dass gerade diese Pflanze nach ihrer Blüthenfärbung
nicht samenbeständig ist, hat schon Hoffmann (Botan. Zeitung, 1881, S. 105)
nachgewiesen. In der nachfolgenden Liste sind nahe verwandte Formen durch eine
vorstehende Klammer verbunden, ausserdem zeigt 1 und 15 die nächste Verwandt-
schaft zu 3 und 4, ferner 2 zu 5. Selbst bei einer weitgehenderen Vereinigung
der angeführten nächst verwandten Formen würden doch noch 11 gut unter-
scheidbare Arten oder Rassen erübrigen.
A. Annuae. Einjährig, zu Anfang des Sommers ihres Keimjahres blühend, ein-
oder wenigstengelig. Wurzel dünn.
1. A. praepropera (A. Kern.). Adrialänder.
2. A. Spruneri Boiss. Oestliche Mittelmeerländer.
ı) Ausführlicheres wird in Dr. v. Bieck’s VIII. Beitrage zur Flora von Südbosnien ent-
halten sein.
54 Botanischer Discussionsabend am 24. Jänner 1896.
B. Monticolae. Ausdauernd, mehrstengelig. Wurzel holzig. Stengel meist
mehrköpfig.
3. A. adriatica G. Beck (? A. Weldeniana Rechb.; var. rubra Rehb. f.
z. Th.). Adrialänder, Orient.
| 4. A. illyrica G. Beck (A. Dillenii Aut.; A. baldensis A. Kern.; var. coc-
cinea Vis. z. Th.; A. polyphylla Pant., non W.K.). Mittelmeerländer.
5. A. variegata Boiss. Dalmatien, Orient.
6. A. maura G. Beck. Südspanien, Marocco.
7. A. Dillenii Schult. (Dillen., Hort. Eltham., II, p. 431, Pl. 320,
Fig. 413! — A. vulneraria Mill., var. rubriflora Ser., rubida Lam.,
?rubicunda Schur —= A. sangwinea Schur. — A. tricolor Vuk.,
A. erythrosepala Vuk.). Von England und Schweden durch ganz
Europa.
©. Alpicolae. Ausdauernd, mehrstengelig. Stengel niedrig, ein- bis wenig-
köpfig.
* Alpinae, boreales, pyrenaicae.
8. A. vulnerarioides Bonj. (Astragalus vulmerarioides All.; var. Alliont
Ser.) Monte Cenis, Pyrenäen.
9. A. Bonjeani G. Beck. Monte Cenis.
10..A. coccinea (L.) Fries, Oeland; f. pyrenaica G. Beck. Pyrenäen.
11. A. valesiaca G. Beck. Schweiz.
=. Dinarıcae,
[ 12. A. pulchella (Vis.) = 13.? Montenegro und anliegende Gebirge.
) 13. A. scardica Wettst. (A. Webbiana Pant., non Hook.). Montenegro
\ und anliegende Gebirge, Scardus.
\ 14. A. intercedens G. Beck. Hercegovina.
15. A. albana Wettst. (A. Webbiana Gris., non Hook.). Macedonien.
*** Hispanicae.
16. A. Webbiana Hook. )
17. A. hispida Boiss. et Reut. \ Shilenänien
18. A. nivalis (Willk.). a
19. A. arundana Boiss.
A. rubieunda Wend. dürfte zur A. Vulneraria var. rubra L. (Fl. Suee.,
ed. II, p. 249, excel. Syn.) gehören.
Herr Dr. Al. Zahlbruckner legte hierauf die neue Lite-
ratur vor.
Beiträge zur Flora des Trentino. 55
Beiträge zur Flora des Trentino,
mit Rücksicht auf Gelmi’s Prospetto della Flora Trentina.
Von
Georg Evers.
Rector a. D. in Trient.
(Eingelaufen am 10. Jänner 1896.)
Gleditschia triacanthos L. häufig um Trient, in Hecken, Feldern, Gärten,
anscheinend hie und da verwildert.
(Acacia Julibrissin Willd., Sophora japonica L., Caragana arborescens
Lam. und ©. frutescens DC. häufig angepflanzt, erstere beide auch an Wegen:
Trient, Calliano, Rovereto, Riva etc.)
Robinia Pseud-Acacia L. überall verwildert und ganze Abhänge über-
ziehend, z. B. des Fersina-Ufers.
Cytisus hirsutus L. var. pygmaeus m. (bei Gelmi Cytisus prostratus,
als Varietät des Oytisus hirsutus aufgestellt). Alpenwiesen: Bordone, Vasone,
Stivo ete. häufig.
Var. purpurascens m. Kronen roth, von der Farbe des Oytisus purpureus.
Hülsen an den Seiten fast kahl. Trient, Goceia d’Oro (vulcanische Hügel); sehr selten.
Anthyllis Vulneraria L. ist mir nicht so häufig begegnet als die folgenden:
Anthyllis pallidiflora Jord. Riva; Monte Brugino bei Mori; Val di Ledro,
Molina auf Wiesen an der Ledrostrasse.
Anthyllis Dillenii Schultes. Krone blutroth ; Stengel ausgebreitet nieder-
liegend. Trient, Muralta, steinige Hügel; Weiden am Monte Chegul; Mori, Monte
Brugino.
Var. variegata m. Fahne und Flügel gelb, dann orangeroth, zuletzt braun-
roth; Kelch nicht aufgeblasen, trüb dunkelviolett. An denselben Standorten
wie vorige.
Anthyllis Jacqwini Kern. Baldo; Trient, Marenza; Gaza. Gelmi corrigirt
Kerner und meint, die hiesige Pflanze sei von Anthyllis montana L. kaum als
Varietät zu trennen. Anthyllis montana L. (mit um die Hälfte grösseren Kelchen
und Kronen, welch’ letztere purpurn sind, während Anthyllis Jacqwini eine weiss-
liche Fahne zeigt) ist mir wenigstens bislang hier nie begegnet.
Lotus corniculatus L. in einer sehr grossblüthigen und hochwüchsigen
_ Form, z. B. Val di Ledro, Biacesa auf Wiesen.
”
7
&
Ex
52
«
-
a a
Oxytropis Jacquini Bnge. Gelmi verpflanzt die Oxytropis montana DU.
auf die hiesigen „pascoli alpini“, und lässt sie sogar häufig dort vorkommen;
ich bezweifle die Richtigkeit dieser Angabe sehr. Oxytropis montama ist eine
„plante plus ou moins pourvue de poils blanes; fleurs d’un pourprerose* (G. G.)
und mir hier nie begegnet.
56 Georg Evers.
Astragalus exscapus L. habe ich an der nördlichen Grenze des Trentino
gefunden, und zwar im September (1893) zwischen Mals und Glurns.
Orobus vernus L. kommt auch in einer auffallend kleinblättrigen Form vor.
Sarche, in den felsigen Hängen der Strasse nach Comano; Trento, Goceia d’ Oro,
vulcanische Hügel.
Potentilla daonensis m. Gehört zur Sippe Tormentilla. Wurzelblätter ziem-
lich lang gestielt, fünfblattig, zur Blüthezeit meist vertrocknet; Blättchen eiläng-
lich, kerbzähnig. Stengelblätter sitzend, dreiblattig; Blättchen oval, tief kerbzähnig,
am Rande umgebogen, oberseits dunkelgrün, kahl, unterseits blasser, auf den
Nerven glänzend seidenhaarig; Nebenblättchen sitzend, zuweilen sehr kurz gestielt,
tief gezähnt. Pflanze liegend, aufstrebend. Val Daone, felsige Ufer des Chiese,
22. August 1895.
Potentilla strietissima Zim. Monte Terlago.
Potentilla aurea L. Trient, Monte Vasone, in Gebüschen (schlaff- und zart-
stengelige Ferm).
Potentilla tridentina Gelmi (et mihi). Am 11. Mai 1887 von mir entdeckt
in den Gebüschen des Monte Brugino und dann an verschiedenen Orten und in
verschiedenen Formen beobachtet, kürzlich von Gelmi am Vasone aufgefunden
und bei Siegfried ausgegeben.
1. forma dumetorum. Wurzelstock verholzend, mehrstengelig; Stengel aus-
gebreitet, aus liegendem Grunde aufstrebend, mit krausen ‘und abstehenden weiss-
lichen Haaren bekleidet. Wurzelblätter fünfblattig, ziemlich lang gestielt; Blättchen
länglich oder länglich-spatelförmig, oberseits freudiggrün, mit einzelnen ange-
drückten und glänzenden Härchen bekleidet, unterseits blasser, von angedrückten
seidigen Haaren glänzend, an der vorderen Seite tief gezähnt; Zähnchen rundlich.
Stipulae sitzend, halbstengelumfassend, 3—4schnittig, klein; Kronen gross, den
Kelch um das Doppelte überragend, lebhaft gelb mit orangefarbigem Fleck;
Petalen mit den Rändern sich deckend.
2. Var. bordalensis m. Triftenform; in allen Theilen kleiner. Stengel
theilweise aufrecht; Pflanze dichter seidig glänzend behaart. Mori, auf Triften
und Weiden der Bordala, einer heissen Mulde zwischen Monte Brugino und
Monte Stivo.
3. Var. Canfedinensis m. Alpenform; in allen Theilen robuster als Nr. 1.
Stengel an demselben Stocke theils niederliegend und aufstrebend, theils steif
aufrecht, namentlich die mittleren, oft mit einem gestielten dreiblattigen Stengel-
blatt versehen. Kronen dunkler gelb. Wurzelstock oft mit zehn und mehr oben
ästigen Stengeln einen dichten, oft spannhohen Busch bildend, während die Form
Nr. 1 meist nur wenig stengelig bleibt. Trient, Alpenwiesen des Monte Canfedin,
oberhalb des Passo di S. Giovanni zwischen Vezzano und Molveno, 26. Juni 1895.
Potentilla Gardae m. Wurzelstock und Stengel wie vorige, aber ganze
Pflanze dicht grau und glänzend seidig behaart; Stengel und Blattstiele dicht
abstehend behaart; Stengel selten mit einem gestielten und dreiblattigen Stengel-
blatt. Wurzelblätter langgestielt, fünfblattig; Blättchen verkehrt eilänglich, keil-
förmig verschmälert, vorn herum bis 8- oder 9zähnig, beiderseits dicht und glänzend
Beiträge zur Flora des Trentino. 57
grau seidig behaart; Kronen etwas kleiner und heller gelb als an voriger. Monte
Baldo, Alpenweiden in Campi über Nago; Val di Ledro, Malga Dromaö und
von da mit Wasser in die Waldregion herabgehend bis fast an den See (bei
Mezzolago). 24. Juli 1890 (Baldo), 16. Mai 1895 (Dromaö). Einzeln auch am
Monte Canfedin zwischen P. Canfedinensis angetroffen.
Bastarde: 1. Potentilla bruginoönsis m. = P. bolzanensis X tridentina,
letzterer näher stehend wegen des seidenhaarigen Glanzes, aber unterschieden
durch mehr oder weniger zahlreiche Pusteln von Sternhärchen auf der Blattunter-
seite und dunkleres Colorit. Monte Brugino; sehr selten.
2. Potentilla Vasonis m. — P. tridentina X glandulifera. Kleiner als P.
tridentina und mit Drüsen bekleidet. Trient, Monte Vasone; sehr selten.
Potentilla Pari m. Quasi caulescens, caules decumbentes; folia radieaha
numerosa, longepetiolata, quwinata; foliola magna, obovata, in basim vel in
petiolulum attennata, inciso-dentata, supra parce pilosa et viridia subtus palli-
diora pilisqgue adpressis in sole sericeo-micantibus nee non minimis pustulis
vestita; folia caulinaria ternata, parva, illis similia; stipulae tri-plus partitae;
caules, petiola et pedunculi erisporum pilorum tegumento et longioribus pilis
patentibus dense vestita; florum panicula ramosa, bi-trifurcata hoc modo, ut
in angulo cujusque furcationis una sola longe pedunculata corona ewistat; cymae
bi-triflores, folio caulinari stipulato munitae; coronae medioeres; petala calicem
duplo superantia, lutea. In pascwis alpinis et subalpinis montis Pari, vallis
Ledro. 11.| VIII. 1890. — Drüsen habe ich zwischen der Behaarung nicht zu
finden vermocht.
Potentilla Mezzocoronae m. Wurzelstock holzig, mehrstengelig; Stengel
kräftig, kurz, niederliegend, ausgebreitet, abstehend behaart; Wurzelblätter (der
Sommerblätter) langgestielt, fünfblattig; Blättchen länglich-elliptisch, die drei
inneren in einen sehr kurzen Stiel verschmälert, die zwei seitenständigen sitzend,
in der Basis verschmälert, beiderseits lebhaft grün, spärlich behaart bis fast kahl,
unterseits mit wenigen winzigen Sternhaarpusteln, mit Ausnahme des untersten
Theiles tiefgezähnt; Zähne stumpf. Frühlingsblätter unterseits weisslich-langhaarig
an den Nerven. Stengel zuweilen mit einem gestielten dreiblattigen Stengelblatt;
Blatt- und Cymenstiele mit langen abstehenden weisslichen Haaren bekleidet,
drüsenlos; Cymen wenig-vielblüthig, öfter verästelt; Kelch angedrückt behaart;
Kronen gross, leuchtend gelb, mit orangefarbenem Fleck auf der Basis der Petalen;
diese einander mit ihren Rändern deckend. S. Michele, auf den heissen Felsen
und Hängen um Castell Mezzocorona. 27. März 1890; beginnt Ende Februar
zu blühen; Sommerblätter 26. Mai 1890, seitdem jährlich beobachtet.
Potentilla bolzanensis Zim. kommt in drei Formen vor: a) var. mierantha
Sauter; Db) var. astelligera Pant., Trient, Goceia d’Oro; ce) var. glandulifera
Sauter, Trient, Doss Trent.
Bastard: Potentilla glandulifera Kr. X bolzanensis. Trient, Allo Speechio,
auf heissen Kalkhügeln.
Vielleicht eine weitere Form der Potentilla bolzanensis ist folgende:
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 8
58 - Georg Evers.
Potentilla Rivae m. Colorit gelblichgrün; Pflanze drüsenlos oder an den
Cymen drüsig behaart (var. glandulifera), grossblüthiger als Potentilla bolza-
nensis, namentlich die Varietät, an Stengeln und Stielen abstehend lang behaart;
Blätter oberseits schwach, unterseits dichter lang behaart und unterseits spärlich
sternhaarig. Kronen leuchtend gelb. Stengel ausgebreitet niederliegend. Riva,
auf den heissen Felsterrassen des Monte Giumella über der Ponalestrasse, über
Biacesa und Molina im Ledrothale. April.
Potentilla viscida m. Ganze Pflanze klebrig von fast filzig verworrenen
Drüsenhärchen und zottig von längeren abstehenden Haaren. Blätter 3—5blattig,
Blättchen fast dreieckig oder dreieckig-oval, vorn gekerbt oder kerbsägig, unter-
seits sternfilzig-klebrig, beiderseits zottig, unterwärts dichter, am Rande und
Zähnen gewimpert. Unterscheidet sich von der lebhaft grünen P. bolzanensis
var. glandulifera auf den ersten Anblick durch ihr grauzottiges Colorit. Trient,
Goecia d’Oro; Rovereto, an sonnigen Hängen bei Castell Noarna; Toblino, am
Ufer des Lago di Massenza. 26. März 1894; 9. April 1895 et saepius.
Sie scheint mit Potentilla opaca L. (non aut.) einen Bastard zu bilden;
in ihrer Nachbarschaft habe ich eine Form aufgenommen, die ich nach ihrem
Standorte unterscheide:
Potentilla Noarnae m.: Kelch, Stengel und Blüthenstiele drüsig und ab-
stehend behaart, Blätter ohne Sternhaare, unterseits dicht, oberseits schwächer
behaart. Um Castell Noarna einzeln an Wegen. 9. April 1895.
Potentilla opaca L. (non aut.) scheint mit Potentilla bolzanensis Zim.
eine Combination einzugehen; oder aber es gibt Zwischenformen zwischen beiden.
Durch vorläufige Benennung nach ihrem Fundorte unterscheide ich folgende:
Potentilla Bondonis m. Pflanze drüsenlos; Stengel aufwärts abstehend behaart,
Blätter oberseits fast kahl, jung striegelhaarig, unterseits dicht behaart und mit ein-
zelnen Drüsenhaaren versehen; Kronen verhältnissmässig gross, goldgelb. Trento,
in cacumine montis Vasone. 7. Mai 1895. Vielleicht eine Combination: Potentella
opaca L.xX bolzanensis; da sie jedoch auf dem isolirten, anscheinend vuleanischen
Gipfelaufsatz des Vasone allein und in Menge vorkommt, so glaube ich nicht
recht an Bastardirung, sondern neige mehr zu der Annahme einer Zwischen-
form zwischen der Opaca- und der Bolzanensis-Gruppe.
Von der Opaca-Gruppe habe ich Gelegenheit gehabt, eine Reihe ver-
schiedener Formen zu beobachten auf den Gypsvorbergen des südlichen Harzes.
An heissen Gypsfelsen findet sich eine sehr kleine Form mit Blüthen kaum von
dem Umfange einer Erbse (var. pusilla Host). Eine ähnliche Kleinheit der Ver-
hältnisse mit Ausnahme der Kronen, die grösser sind, zeigt die hiesige Winterform,
die ich z. B. auf dem Monte Terlago Ende November aufgenommen (f. hiemalis).
Eine andere um Trient vorkommende Form hat bedeutend grössere Blüthen
(f. tridentina) und unterscheidet sich von einer verhältnissmässig gross blühenden
thüringischen Form hauptsächlich nur durch das viel hellere Gelb der Kronen
und verhältnissmässige Kleinheit der Statur. Eine Form mit im Lichte beider-
seits fast seidig glänzenden Blättchen (f. sericans) fand ich bei Biacesa im Val di
Ledro.. Die grossblüthigste und schönste jedoch von allen habe ich auf Gypshügeln
Beiträge zur Flora des Trentino. 59
im Alten Stolberge, einem der Gypsvorberge des südlichen Harzes, aufgenommen
(f. stolbergensis), welche nach Zimmeter der Potentilla amansiana Schultz nahe
kommt, aber dicht behaart ist.
Auch Potentilla glandulifera« Kras. scheint in einigen Variationen aufzu-
treten. Eine grossblüthige Form unterscheide ich nach dem Fundorte als Potentilla
Ronchi m. Stengel namentlich oberwärts kurz drüsig und kraus behaart und mit
einzelnen abstehenden längeren Haaren bekleidet, gegen oben nebst den Blüthen-
stielen und Kelchen fast filzig mit schwachem Seidenglanze; Blättchen oberseits
schwach striegelhaarig, unterseits besonders an den Nerven dicht anliegend behaart,
an der Spitze büschelig bewimpert, mit schwachem Seidenglanze. Ala, Val Ronchi,
auf Felsterrassen. 30. April 1895.
Potentilla Ponale m. bezeichne ich eine sehr schöne grossblühende Variation.
Kelche, Blüthenstiele und oberer Stengel dicht kurz drüsig und abstehend lang
behaart. Blätter fünfblattig; Blättchen verkehrt oval-länglich, keilförmig ver-
schmälert, im oberen Theile (?/;) kerbsägezähnig, beiderseits behaart, unterseits
dichter und länger, besonders an den Blattnerven, ohne Sternpusteln. Riva, auf
Felsterrassen am Ponalebach. 17. April 1895.
Endlich ist mir eine Potentilla glandulifera Cras. begegnet, welche auf
der Blattunterseite einzelne Sternhaarpustelchen zu zeigen und daher zwischen
der Potentilla glandulifera und der Potentilla bolzanensis eine der ersteren
näher stehende Zwischenform darzustellen scheint; ob Bastard? Ich unterscheide sie
vorläufig als Potentilla dubiosa m. Trient, Alla Specchio, in der Nachbarschaft von
Potentilla glandulifera X bolzanensis. Rovereto, bei Castellano, auf Felsterrassen.
April 1895.
Potentilla baldensis Kern. Zartstengelig, Kronen weit kleiner als bei der
typischen Form. Mori, im Steingerölle. Mai 1856.
Potentilla Sauteri Zimm. Trient, Martignano. Loppio, zwischen den Fels-
trümmern des Bergsturzes.
Potentilla loppiensis m. (2? Potentilla bolzanensis X Sauteri?). Mehr- und
zartstengelig; Stengel theils aufrecht, theils aus liegender Basis aufstrebend, im
unteren Theile mit einzelnen langen abstehenden Haaren und einem kurzen
krausen Haarkleide, oberseits mit kurzen Haaren mässig bedeckt. Wurzelblätter
lang gestielt, 3—5blattig; Blättchen eingeschnitten gezähnt in der oberen, ganz-
randig in der unteren Hälfte, eilänglich bis keilförmig im Umrisse, oberseits
dunkelgrün mit einzelnen Striegelhaaren, unterseits blasser mit langen, gegen
das Licht seidig glänzenden Haaren und einzelnen winzigen Sternpünktchen;
Blattstiele mit langen abstehenden Haaren dicht, Blüthenstiele mit kürzeren
mässig bekleidet. Inflorescenz arm, 2—5blüthig; Kelch langhaarig; Kronen
langgestielt, mittelgross (wie an Potentilla Sauteri). Loppio, im Bergsturze
zwischen Loppio und Nago mit Potentilla Sauteri. 20. Mai 1895.
Potentilla incanescens Opiz. Rovereto, Castell Barco in Weinbergen.
Potentilla perincisa Borb. Klausen, an Porphyrfelsen.
Rubus Maranzae m. (R. caesio X sulcatus?). Die lanzettlichen Neben-
blätter scheinen diesen Rubus in die Sippe der Caesii oder Orthoacanthi zu stellen,
g*+
60 Georg Evers.
während der gänzliche Mangel an Drüsen gegen diese Stellung wieder Bedenken
erregt. Die frühe Blüthezeit (Mai, Juni), die grossen, leuchtend weissen Kronen,
die langen Staubgefässe, der kantige, gefurchte Schössling lassen an eine Combi-
nation mit Rubus sulcatus denken, zumal dieser Rubus an den Abhängen des
Bergzuges der Maranza ebenfalls vorkommt. Der Sammtfilz der Blattunterseite
jedoch will weder zu Rubus caesius, noch zu Rubus sulcatus stimmen.
Schösslinge niederliegend, grün oder einerseits rothbraun, mehr weniger
scharf kantig und gefurcht, bald ziemlich kräftig, bald dünn, kahl, drüsenlos,
mit kleinen, nadelspitzigen, wenig gekrümmten, öfter gezweieten Stacheln mässig
bewehrt; Blätter fünfzählig, langgestielt; Blättchen derb, oberseits dunkelgrün,
kahl, mit einzelnen Striegelhaaren, unterseits in der Jugend weisslich, später
grünlich weichfilzig, seidig glänzend, wellig, mittelstes länger, das obere Paar
der seitenständigen kürzer gestielt, das unterste Paar kleiner, sitzend oder eines
kaum merklich gestielt, mit den Rändern einander und die Blättchen des oberen
Paares berührend, im Umrisse eirundlich, das. unterste zuweilen fast spatelförmig,
das mittelste fast rund mit schwach herzförmiger Basis, alle doppelt und buchtig
gezähnt (Zähnchen stumpf, mueronirt), mit aufgesetzter schlanker, kaum deutlich
kerbsägiger Spitze; Blattstiele nach oben abstehend behaart, mit wenigen rück-
wärts gebogenen, schlanken, kleinen Stacheln bewehrt; die die Blüthenrispen tragen-
den Aeste abstehend kurz behaart, beblättert, spärlich fein bestachelt; Blätter
5—3zählig, obere meist dreizählig, verschieden gestaltet; mittelstes kurz gestielt,
ei-rauten-, ei-spatel- oder trapezförmig, zuweilen tief dreilappig oder mehrfach
kurzlappig, buchtig doppelt gezähnt. Lappen und Hauptzähne wieder einfach oder
doppelt gezähnt; Seitenblättchen sehr kurz gestielt, die untersten sitzend, mit den
ändern sich deckend, ei-rauten-, spatelförmig oder eilanzettlich, an der Basis
und am äusseren Rande oft tief gelappt, faltenförmig wellig. Rispe kurz, zuweilen
unterbrochen, durchblättert; Blättchen einfach oder gelappt; Rispenästchen unten
aufrecht, oben spreitzend abstehend, letztere kürzer und meist einblüthig; Achse,
Rispenäste und Blüthenstiele graulichgrün filzig, abstehend behaart, wenig und
klein bestachelt; Kelchblätter oval, plötzlich in eine lange Spitze zusammen-
gezogen, graulichgrün und am Rande schmal weiss filzig, während der Blüthe
zurückgeschlagen, später zusammenneigend. Fruchtboden kahl. Trient: Monte
Maranza, Monte Celva, Passo di Roncogno. Mai.
Var. coriaceus mit fast lederigen, unterseits noch dichter und weisslich
filzigen Blättchen, kürzeren gedrängten Trauben, röthlichen Kronen und fast
rundlichen Schösslingen. Trient: Maranza, im Steingerölle über Villazzano.
Rubus discolor W. et N. (R. macrostemon Focke) f. rosiflora. Monte
Baldo Brentonieo.
Rubus brachybothrys Focke (N. Giorn. bot. ital., 16, Nr. 2, 1884) wird
von Focke zu den Zomentosi gezählt, obwohl er drüsenlos ist. Schösslinge
bogig, scharfkantig, spärlich behaart, bald kahl werdend, mit mittelmässigen
rückwärts gerichteten Stacheln bewehrt. Blätter fünfblattig, fingerförmig, Stipulae
lang, lineal, behaart. Blattstiel behaart und bestachelt, der des Endblättchens
doppelt länger; Blättchen doppelt gesägt, oberseits von Striegelhaaren und kleinen,
Beiträge zur Flora des Trentino. 61
durch das Mikroskop erkennbaren Sternhärchen „sericeo-micantia“, unterseits dicht
weissfilzig oder im Alter grünlich, Endblättehen herz-eiförmig oder mit abge-
stumpfter Basis, eiförmig, lang zugespitzt, die Seitenblättchen sehr kurz, aber
deutlich gestielt, sich nicht deckend. Blüthentragende Aeste „tomentoso-hirti
aculeis mediocribus reclinatis foliusque ternatis instructi*. Inflorescenz endständig
oder einfach ästig, kurz, 10—20blüthig oder gegen die Basis mit Seitenzweigen
vermehrt. Blüthenstiele nebst Rhachis „tomentoso-hirsuti aculeis gracilibus leviter
falcatis muniti“. Bracteen lanzettlich, behaart, oft trifidi. Kronen klein oder
mittelmässig, Sepalen filzig, zurückgebogen während und nach der Blüthe; Kronen
weit grösser als die Sepalen, weiss; Staubgefässe die Griffel überragend.
Trient, Doss $S. Rocco; an der Nordseite von Cav. de Sardagna entdeckt.
Eine kahlere Variation (var. Sti Rocchi m.), niedrig, Kronen röthlichweiss, da-
selbst Südseite. !)
Rubus brentonicus m. (? R. superdiscolor X tomentosus Hal.?). Hoch-
bogig, kräftig; Schösslinge kahl, kantig, gerillt, mässig bestachelt, Stacheln rück-
wärts gekrümmt, mittelmässig. Schösslingsblätter fünfzählig; Endblättehen kurz
gestielt, Seitenblättehen paarweise sehr kurz an einem gemeinsamen kurzen
Stielchen gestielt, oder am Grunde zusammengewachsen, oder eines sitzend, das
andere gestielt,?) alle oder doch vier einander mit den Rändern deckend, breit ei-
lanzettförmig, die unteren fast rautenförmig, grob doppelt-sägezähnig, oberseits
dieht sternfilzig trüb graugrün, unterseits dicht weisslichgrün filzig, gegen das
Licht nicht seidig glänzend, Blattstiel abstehend kraus behaart, ziemlich reich
bestachelt, Stacheln klein, kräftig, gekrümmt, gelb. Blätter der blüthentragenden
Aeste dreizählig, Blättehen denen der Schösslinge ähnlich, ebenfalls an der Basis
abgerundet, Endblättehen gross, kurz gestielt, Seitenblättchen etwas kleiner, das
eine sehr kurz gestielt, das andere sitzend. Traube sparrästig, unterste Aeste
entfernt, von Stengelblättern gestützt, der dritte von einem einfachen Blättchen,
klein bestachelt, nebst den Kelchen dicht filzig und von längeren krausen Haaren
fast zottig. Kelehe nach der Blüthe zurückgeschlagen; Kronen mittelgross, rosen-
roth. Erinnert durch Tracht und Colorit an die rothblühenden Zwischenformen
(oder Bastarde?) zwischen Rubus collinus DC. und R. ulmifolius Schott., nicht
aber an Rubus discolor X tomentosus, welcher letzterem viel näher steht. (Inns-
bruck, Stangensteig.) Monte Baldo, ober Brentonico gegen das Coppiothal zu.
19. Juli 1895.
Rubus baldensis Kern. (R. ulmifolius X tomentosus), von Gelmi nicht
erwähnt. Monte Baldo, um Brentonieo. Behaarung des Rubus tomentosus, Kronen
des Rubus ulmifolius (voth). Der von Gelmi erwähnte Rubus tomentosus X ulmi-
folius steht letzterem näher, wenn er existirt.
Rubus tomentosus Borkh. kommt auch in der Variation ceinereus Rb. vor,
welche mit Rubus caesius einen Bastard, Rubus tomentosus cinereus X caesius,
bildet. Trient, Monte Gaza.
1) Rubus brachybothrys X caesius siehe unten.
2) oder dreiblattig und dann die Seitenblättehen tief doppellappig.
62 Georg Evers.
Rubus cognolensis m. (? R. tomentosus X discolor?). Bei der Doppelbenen-
nung von Bastarden setze ich denjenigen Rubus, dem meiner Meinung nach
der Hauptantheil bei der Combination gebührt, stets an zweiter Stelle. Hoch-
bogiger mächtiger Strauch von gelbgrünem Colorit. Schösslinge kantig, roth-
braun, fast kahl, mit starken, rückwärts gekrümmten, an der Basis spärlich
behaarten Stacheln bewehrt; Blätter fünfblattig, Blattstiel mit kleinen, zurück-
gekrümmten, gelbspitzigen, rothbraunen Stachelchen bewehrt und flaumhaarig;
Blättchen verkehrt ei-rautenförmig, unregelmässig grob doppelt gezähnt, oberseits
scheinbar kahl, gegen das Licht schimmernd (von mikroskopischen Sternhärchen),
unterseits weisslich filzig, sammtweich, Stiel des Endblättchens von halber Länge
des Blattes, Seitenblättchen meist an jeder Seite paarweise, kurz gestielt, das
untere kürzer, mit den Rändern sich deckend, wenigstens ein Paar; rispentragende
Aeste sparsam bestachelt, kurz und sparsam behaart, untere Blätter fünfblattig,
Blättchen grösser als die Schösslingsblätter, diesen sonst gleichgestaltet, obere
dreiblattig; Traube sehr lang und schmal, unten unterbrochen, untere Rispen-
äste weit von einander entfernt, von grossen Blättern gestützt, abstehend, aber
kurz, in kurze spreitzende Aestchen sich theilend; oberer Theil der Rispentraube
gedrängt. Achse, Aestchen, Blüthenstiele und Kelche dicht graulich filzig und
kraus behaart, bestachelt mit kleinen gelben Stachelchen, ohne bemerkbare Drüsen-
haare; Kelche nach der Blüthe zurückgeschlagen; Kronen mittelgross, weiss;
Staubgefässe röthlich bis rosenroth; Fruchtkörnchen wenige, länglich, schimmernd
filzig. Trient, felsige Weinberge bei Cognola.
Die Gruppe des Rubus ulmifolius Schott scheint in folgenden Variationen
hier vorzukommen:
1. Rubus dalmatinus Tratt. (R. amoenus Portenschl.). Schösslinge wenig
behaart und wenig weissschülferig,; rispentragende Aeste, Achse, Aestchen und
Blüthenstiele dicht filzig und oft auch abstehend behaart. Strauch aufrecht,
hochbogig. Rispe straussförmig, so bei Toblino, oder kurz sparrig, so bei Bren-
tonico (Rom).
2. Rubus decumbens m. Schösslinge schwach, niederliegend, schwach schül-
ferig bereift und schwach behaart, wenig bestachelt, Stacheln schwach. Blätter
5—szählig, Blattstiel dicht behaart, feinstachelig; Blättchen rundlich, viel kleiner
als an voriger, oberseits mit einzelnen Striegelhaaren, Endblättchen mit herz-
förmiger Basis, kurz gestielt, mit kurzer Spitze, Seitenblättchen sehr kurz gestielt,
die untersten sitzend, einander deckend, oder wenn nur dreiblattig, die Seiten-
blättehen mit einem breiten Seitenlappen, mit stumpfer Spitze. Rispenachse ete.
wie an voriger. Monte Baldo, bei S. Giacomo im Felsgerölle.
3. Rubus rusticanus Mere. Schösslinge,. blüthentragende Zweige, Achse,
Blattstiele mit einem weissschülferigen Wachsüberzuge mehr oder weniger dicht
bedeckt, sonst kahl oder fast kahl, oberster Theil der Achse und Blüthenstiele,
bezw. Blüthenästehen zugleich flaumig oder ganz filzig (an römischen Exemplaren
auch kurzhaarig). Trient, Muralta und häufig. Diese Form ist anscheinend durch
Mittelformen mit dem Rubus dalmatinus Tratt. verbunden, welche den weiss-
schülferigen Wachsüberzug mit filziger Behaarung derart verbinden, dass die
TEE FARB ER, 7 BERN,
Beiträge zur Flora des Trentino. 63
Schösslinge und der untere Theil der Zweige von jenem, der obere Theil der
letzteren und die Achse von dieser bedeckt sind. Eine genaue Grenze zwischen
beiden ist daher wohl kaum zu fixiren. Bei Rom habe ich solche Mittelformen
aufgenommen.
Rubus tridentinus m. (R. rusticanus X discolor?). Ueber mannshoher
Strauch. Sehösslinge hochbogig überhängend; Rispen bis 50 cm lang, bis 30 em
breit, unterste Aestcehen oft bis 35 cm lang. Tiuriones robusti, 5- quetri. canali-
culati, glabrescentes, tenuissimo tegumento albescente et squamante quasi cereo
sparse tecti, valıdıs aculeis, sub sole rubentibus (sicut tur.), squamantıbus,
glabre flaveque apieulatis muniti; folia quwinata, petiolis parce aculeatis; foliola
obovata, breviter acuminata, basi rotundata, margine simplieiter serrato-denti-
culata, coriacea, supra obscure viridia, glabra, subtus denso tomento non
micante albescentia, medium longe petiolatum, infima lateralia breviter; rami
paniculam portantes longi, canaliculati, sparse aculeati, tegumento illo squa-
mante albido dense vestiti, foliati folüis qwinatis, quaternatis, ternatis; foliolis
lateralibus saepe lobatis; panicula ramosissima, folata, quasi pyramıdata, ramis
erecto-divaricatis, parce aculeatis, squamantibus, in ramulos secundarios divisis;
rami superiores et secundarü sicut et pedumculi denso tomento sordide viride-
albescente vestiti, pubescentes, sparse aculeati; sepala albo-tomentosa, sub anthesi
reflexa, nuda; flores numerosissimi; petala laete vel pallide rosea, calicem
plus duplo superantia, foris puberula; stamina rubentia, stylos adaequantia
vel paullulum superantia; germina pubescentia. Juni bis October. Da er voll-
kommene und reiche Früchte bildet, so dürfte dieser auffallend mächtige Rubus,
wenn er Bastardirung sein Entstehen verdankt, zur selbstständigen Art geworden
sein, wie er denn sehr häufig auftritt. Trient, Muralta, an Weinbergsmauern,
verbreitet. b
Rubus bruginoensis m. (R. tomentosus glaber X dalmatinus?, non R.
dalmatinus (ulmifolius) X tomentosus = R. baldensis Kern.). Schösslinge ziemlich
hochbogig, kantig, kahl, nur hie und da mit schülferigem Wachsüberzug bekleidet,
spärlich mit rückwärts gerichteten geraden Stacheln bewehrt. Blätter fünfblattig,
ziemlich lang gestielt, Blattstiele schwach wachsschülferig, flaumig, mit rückwärts
gekrümmten kleinen Stacheln bewehrt; Blättchen, das endständige ei-lanzettlich,
die seitenständigen elliptisch-lanzettlich, gegen vorn spatelförmig verbreitert, am
Rande gekerbt-gesägt; oberseits kahl, gelbgrün, kaum schimmernd gegen das
Licht, unterseits weissfilzig. Blätter der rispentragenden Aeste breiter und grösser,
5—3blattig, ei-lanzettlich, fast ei-rautenförmig, ei-spatelförmig oder elliptisch-
lanzettlich, die Seitenblättehen öfter gelappt, grob kerbsägig und öfter buchtig;
Behaarung wie die Schösslingsblätter. Rispentragende Aeste lang, schwach stern-
und abstehend kurzhaarig, mit kräftigen, rückwärts gekrümmten, an der Basis
rothen, an der Spitze gelben Stacheln bewehrt; Achse, Rispenästchen und Blüthen-
stiele sternfilzig und abstehend kurzhaarig, ziemlich reichlich mit kleinen gelben
Stacheln bewehrt. Inflorescenz kurz, straussförmig, aus kurzen, sparrig abstehenden,
wieder verästelten, 2—6blüthigen Aestchen zusammengesetzt. Sepalen graufilzig,
schmal weissfilzig berandet, nach der Blüthe zurückgeschlagen, nackt; Kronen
64 Georg Evers.
blass rosenroth, mittelgross. Mori, an felsigen bebuschten Abhängen des Monte
Brugino oberhalb Nomesino. 15. Mai 1894.
Rubus loppiensis m. (R. sulcatus X brachybothrys?). Turiones ascendentes,
apice dependentes, costatı, striati, supra badiü, infra virides, minimis pilis
(stellatis) et longioribus erispis parce vestiti, hie illue vie paullulum squamantes,
parvis rectis debilibusque aculeis rubentibus pubescentibus glabre flaveque api-
culatis ornati; folia qwinata; medium foliolum longe petiolatum, lateralia
superiora breviter, infima in horum petiolis unum sessile alterum brevissime
petiolulatum sedentia, obovata (medium rotundatum breviterque acuminatum),
‚margine irregulariter duplo-denticulata, paullisper undulata et irregulariter
marginata, coriacea, supra obscure viridia, ex strigulis et minimis pilis stellatis
in luce micantia, subtus denso tomento minimisque in sole micantibus pilis
vestita et quasi sericea mollia pallide-viridia, in medio nervo minimis aculeis
flavis recurvatis parce ornata; folia racemorum paniculam portantium quaternata
et ternata; foliola interdum lobata; petiola ommium parce et parve aculeata;
inflorescentia foliata, interrupta (infimis ramulis longe remotis, grandibus folüis
ornatis et patentibus), im suprema parte ex brevibus ramulis erecto-patentibus,
supremis divaricatis composita; ramuli foliis ternatis, superiores foliolis sim-
plicibus decrescentibus faleiti; ramuli et pedunculi parvis aculeis rectis rubenti-
bus pubescentibus muniti, viridi tomento vestiti et pubescentes; sepala viride-
tomentosa, mwuda, sub anthesi reflexa; petala calicem superantia, laete rosea;
stamina stylos superantia. — Majo. Mori, in declivibus saxosis et dumetosis
montis Brugino super pagum Nomesino vallemque Loppiensem. 15.|V. 1894.
Rubus vezzanensis m. Twuriones humiles, arcuati, obtuse angulati, vie
paullisper albide squamantes (sub microscopio), parce pubescentes, quasi glabre-
scentes, parceque aculeati; aculei ex lıta et fusca albide squamante radıce ın
rectam glabram et flavam cuspidem porreeti; folia ternata, longe petiolata
petiolo fusco parvisque recurvatis fuscis flave acuminatis aculeis parce munita;
foliola petiolata, inferiora breviter, quasi coriacea, supra glabra, flavo-viridia,
subtus tenui tomento pilisque micantibus vestita, ovato-lanceolata (medium bası
quasi cordata), interdum lobata vel unum lateralium parvo foliolo quarto
ornatum, margine grosse et duplo denticulata, dentibus latis mwueronatis; folia
ramorum fioriferorum similia, subtus dense albide-tomentosa. Panicula medio-
eris, interrupta ex remotis infimis ramulis longis erecto-patentibus, foliolo munitis
et approximatis, superioribus divaricatis paullulum decrescentibus composita;
axis, ramuli pedunculi paniculae et calices dense albo-tomentosa, pilis patenti-
bus, multisque rectis basi rubris pubescentibusque, apice glabris et flavis aeuleis
ornata, non glandulifera. Peduneuli longi, uniflori. Sepala adjacentia, petala
parva, pallide rosea vel alba rubentia. Tridentum, in locis herbosis rupestribus
inter Vezzano et Terlago, solo calcar. Juni, Juli.
Rubus pallidus W. et N. Trient, Monte Vasone.
Rubus hirtus W. et K. var. grandis Neum. Molveno, in Waldschluchten
der Paganella. Val Genova.
Rubus Bellardü W. et N. var. subalpinus Hal. Riva, Monte Giumella.
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EN NERET
Beiträge zur Flora des Trentino. 65
Rubus tomentosus glaber X caesius. Nebenblätter lanzettlich, daher die
dem caesius näher stehende Combination, jedoch Pflanze drüsenlos. Schösslinge
fast kahl, rundlich, bereift; hat eine dem caesius ähnliche Tracht, während
Rubus caesius X tomentosus dem Rubus tomentosus weit nähersteht.
ö Rubus rusticanus X caesius. Strauch liegend, kletternd. Schösslinge
kantig, kräftig, fast kahl, grün, mit mittelmässigen geraden Stacheln spärlich
bewehrt. Blätter lang gestielt, 5—3blattig. Stiel flaumig, klein bestachelt; Neben-
blätter lineal-lanzettlich; Blättchen rundlich, mit aufgesetzter Spitze, Endblättchen
mit herzförmiger Basis, lang gestielt. Seitenblättehen: mittleres Paar kürzer ge-
stielt, mit kaum herzförmiger Basis, unterstes Paar an den Stielen des oberen Paares
sitzend; Blättchen mit den Rändern sich deckend, unregelmässig doppelt gezähnt,
oberseits kahl mit wenig Striegelhaaren, unterseits dünn grünfilzig, seidig glänzend;
ziemlich derb, aber nicht lederig. An dreiblattigen Blättern pflegt von den Seiten-
blättchen, die oft Seitenlappen zeigen, das eine kurz gestielt zu sein, das andere
zu sitzen, auch fehlt zuweilen die aufgesetzte Spitze. Blätter der rispentragenden
Aeste 3—5blattig; Blättchen sitzend oder das eine und andere sehr kurz gestielt,
mit den Rändern sich deckend, gross, meist ei-rautenförmig, stumpf gespitzt oder
fast abgerundet an der Spitze. Blüthenstand an der Spitze des Stengels gehäuft,
5—7blüthig; entfernt unter demselben in einer Blattachse ein kurzes, 2—3blüthiges
Aestehen. Kronen gross, blassrosa. Martignano, auf Weinbergmauern kletternd.
Rubus Vestii X caesius dürfte ein Rubus an Mauern bei Molveno dar-
stellen, wenn nicht der Mangel an Drüsen diese Combination vernichtet. Neben-
blättehen lineal-lanzettlich, Schösslinge liegend, dünn, rundlich, grün, kahl, ziem-
lich reich mit kleinen blassen Stacheln bewehrt. Blätter dreiblattig, lang gestielt,
Stiele reich klein bestachelt; Blättehen frei oder mit den Rändern sich deckend,
eiförmig, kurz zugespitzt, trübgrün, oberseits kahl, unterseits mit grünlichem, im
Lichte seidenartig glänzenden dünnen Filz bekleidet, unregelmässig grob gezähnt,
sparsam bewimpert, am Grunde abgerundet; Endblättchen kurz gestielt, seiten-
ständig sitzend oder eines sehr kurz gestielt; Stiele schwach behaart, reich klein
bestachelt. Rispentragende Aeste lang, fast kahl, blattreich, mit zahlreichen
kleinen, gekrümmten Stachelchen bewehrt; ihre Blätter in der Jugend unten fast
weissfilzig, rundlich oder kurz bespitzt. Rispe kurz, wenigblüthig, zuweilen von
einem bis drei weit entfernten unteren, von grossen Blättern gestützten Neben-
träubehen begleitet und dann scheinbar beblättert. Achse, Aestchen, Stiele grün-
filzig und behaart, mit nadelförmigen rothen Stachelchen dicht bewehrt; Sepalen
zugespitzt, grünfilzig, schmal weissfilzig berandet, bestachelt, sub anthesi abstehend,
an die Frucht angedrückt. Kronblätter weiss, den Kelch kaum doppelt über-
ragend; Blüthen theilweise fehlschlagend; Frucht klein, aus wenigen länglichen,
härtlichen, röthlichschwarzen Körnern bestehend. An der Richtigkeit der Combi-
nation zweifelnd, habe ich diesen Rubus im Herbar als Rubus Molveno unter-
schieden. September.
Rosa molvenoensis bezeichne ich vorläufig eine Rose, deren grosse ei-, zu-
weilen birnförmige, sehr kurz gestielte, zuweilen sitzende, nackte und kahle Frucht
mit aufrecht abstehenden und nur kleine Anhängsel zeigenden Kelchzipfeln und
2. B. Ges. Bd. XLVI. )
66 Georg Evers.
wolligen Griffeln eine Glauca anzeigen, deren Blättchen verhältnissmässig klein,
meist eilanzettlich, einfach sägezähnig und wie die ganze Pflanze kahl sind.
Stacheln ziemlich derb und sichelförmig, an den blüthentragenden Zweigen fast
gerade. In Blüthe bis jetzt nicht gesehen. Molveno, am Ufer des Sees. Vielleicht
eine Zwischenform zwischen Rosa glauca und canina.
Alchimilla. Gelmi hat die neueren Untersuchungen Buser’s (Bull. de la
Soeiete dauph., 1892, p. 92 ff.; Les Alchimill. subniv. in Bull. de !’Herbier Boiss.,
Tom. 2, 1894; Berichte der Schweiz. botan. Gesellsch., 1894, Heft 4) unberück-
sichtigt gelassen, letztere beide, weil sie noch nicht vorlagen, daher dürfte eine
kurze Uebersicht der für das Trentino in Frage kommenden Arten hier am
Platze sein.
1. Alpinae. Alchimilla grossidens Bus. (A. subsericea Reut. p.p.). Blätter
fast kahl, wenig zottig; Blättchen tief kammartig gezähnt, Zahnung an den Seiten-
rändern nicht hinabgehend,!) verkehrt-eiförmig oder länglich verkehrt-eiförmig.
Granitpflanze. An den Buser’schen Original-Exemplaren sind die Blätter bis
auf den Grund zertheilt, und decken sich die Blättehen mit den Rändern. Val
Daone, zwischen den Malgen Nudole und Boazzo an Felsen des Chiese-Ufers.
22. August 1895. Hier in zwei Formen: mit bis auf den Grund getheilten
Blättern, deren Blättchen sich nur zum Theile mit den Rändern decken, und mit
Blättern, deren Theilung theilweise nicht bis auf den Grund geht.
Alchimilla subsericea Reut. (non Koch, nec Gaud.). Ausläufer treibend;
Blättehen 5—7, oberseits glänzend, an der Spitze tief gezähnt, Zähne zusammen-
neigend; Granit und Kalk. An den Buser’schen Exemplaren ist das Blatt bis
auf den Grund getheilt. Bislang von mir hier nicht gefunden.
Alchimilla alpina L. Blätter bis auf den Grund getheilt, Blättchen nie
über sieben, an der Spitze fein gezähnt, Zähne dicht aneinander schliessend.
Nach Gelmi „frequente sui monti di Fiemme, Val Sugana, Giudicarie, Palu,
Baldo“. Von mir bislang nicht gefunden, bezweifle auch die Häufigkeit, da nach
Buser diese Art auf die Centralalpenkette beschränkt ist.
Alchimilla Hoppeana Rb. Blätter nicht bis auf den Grund getheilt;
Blättchenabschnitte bis neun. Zahnung an den Rändern hinabgehend. Kalkpflanze. f
Ob die von Gelmi auf dem Stivo angegebene Pflanze mit zum Theile unten
zusammengewachsenen Abschnitten hieher gehört, bezweifle ich; ich halte sie für
die folgende:
Alchimilla transiens Bus. (A. saxatilis var. transiens Bus.). Ausläufer
treibend. Blätter kurz fünfschnittig, innere Abschnitte bis auf den Grund ge-
theilt, elliptisch, nur vorn gezähnt; Kelchblätter seidig. Val Sugana, Cima Giotera,
Porcegno, Setteselle, Monte Baldo, Judicarien, Frate di Bregazzo; Rovereto, Stivo?
Alchimilla pallens Bus., der Hoppeana ähnlich, schwächer seidenhaarig,
heller. Blätter bis achtschnittig, oberseits glauk, unterseits deutlich netzaderig;
Abschnitte unten zusammengewachsen, Zahnung offen, beiderseits hinabgehend.
Rovereto, Stivo?
!) Nach Original-Exemplaren Buser's.
EEE EEE WE
Beiträge zur Flora des Trentino. 67
2. Pubescentes. Alchimilla pubescens Lam.!) (A. subsericea Koch, non
Reut.; A. montana Willd. p. p.). Bogig aufsteigend; Blätter oberseits weich-,
unterseits weiss seidenhaarig, glänzend, bis neunlappig, ringsum gezähnt. Trient,
Monte Gaza, Monte Brugino; Val di Ledro, Malga Droma&.
Var. glaucescens Wallr. Niederliegend, ausgebreitet. Blätter glauk, Lappen
halbkreisrund. (Norddeutsche Waldgebirge: Süntel, Harz.) Trient, Alpenweiden
der Cima Canfedin: eine kleinere Form (var. subalpina).
Alchimilla colorata Bus. Krone innen purpurbraun; Blätter unterseits
deutlich netzaderig. Lappen nur vorn gezähnt, nur auf den Nerven seidenhaarig.
An den Buser’schen Original-Exemplaren vermag ich die purpurbraune Färbung
der inneren Blüthe nicht zu erkennen, habe aber viele Exemplare der A. pube-
scens und auch der A. flabellata aufgenommen, an denen die Mitte der Krone
dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt ist. Der Hauptunterschied scheint mir mit
dem Satze ausgedrückt werden zu können, dass Alchimilla colorata Bus. eine
Form der A. flabellata mit unterseits nur dünn behaarten Blättern darstellt,
deren Geäder man unter den Härchen erkennen kann. Annähernde Exemplare
habe ich am Hafelekar bei Innsbruck aufgenommen.
Alchimilla flabellata Bus. (A. pubescens Koch., non Lam., nee M.-Bieb.,
nec Willd.). Pflanze grauzottig; Blattlappen nur vorn gezähnt, an den Seiten
ganzrandig. Trient, Monte Canfedin und Passo di S. Giovanni; Val di Ledro,
Monte Pari; Mori, Monte Brugino.
Alchimilla intermedia Hall. fill. (A. helvetica Brügg.). Niederliegend;
Blätter breit und tief gelappt, Lappen vorn tief, fast „fingerförmig“ gezähnt, ab-
gestutzt; ganze Pflanze einschliesslich der Inflorescenz dicht behaart. Ich glaube
sie angetroffen zu haben auf Triften der Malga Ciago auf dem Monte Gaza.
3. Splendentes. Alchimilla splendens Christ wird im Trentino kaum
vorkommen; sie ist eine Pflanze der Schweiz. Blatt flach, „cartacee, 9—11lobee,
glabre en dessus, d’un vert glauque sombre, a face inferieure soyeuse-pubescente,
a nervures brillante, dentel&e ä dents petits, dent terminale tres petite“.
4. Calieinae. Alchimilla fissa Schum. Spinale bei Campiglio, Tonale ete.
Alchimilla acutidens Bus. Niederliegend, gelbgrün, glänzend, fast kahl.
Rhizom holzig; Blätter gewellt, neunlappig, kahl, auf den Nerven unterseits
seidenhaarig; Lappen dreieckig-eiförmig, ringsum gezähnt; Zähne spitz, pinsel-
artig seidenhaarig; Blattstiel anliegend lang- und weisshaarig. Stengel unten
lang behaart, oben kahl; Stengelblätter bis !/; und !/, (obere) eingeschnitten,
gelappt. Infloreseenz locker, an den Enden der Aeste geknäuelt, kahl. Ritten,
Seiser Alpe, Schlern.
Alchimilla connivens Bus. Dunkelgrün. Rhizom schwach; Blätter neun-
lappig, flach, derb, unterseits glanzlos, glauk, gefaltet, an den Falten, Nerven und
am Stiel glänzend seidenhaarig; Lappen halbeiförmig, ringsum gezähnt, Zähne
spitz, pinselförmig, zusammenneigend; Blattstiel lang behaart, jung seidig. Stengel
ı) Die Form vegeta des Buser’schen Alchimilla Herb. kann ich von anderen behaarten
Formen desselben nicht recht unterscheiden, z. B. von A. pastoralis Bus,
9*
68 Georg Evers.
niederliegend, bis zur Verästelung schwach zottig; Stengelblätter klein, tief ein-
geschnitten. Inflorescenz kurz, dünnästig, kahl, in lockeren Knäueln. Monte Baldo,
Belluneser Alpen, Ritten bei Kupenna.
Alchimilla fallae Bus. Steif. Blätter oberseits kahl, unterseits weich
seidenhaarig, graugrün, bis neunlappig. Stipeln trockenhäutig. Stengel unten an-
liegend grauhaarig. Inflorescenz locker, Stiele haardünn. „Südliche Alpen.“
Alchimilla sericoneura Bus. Wie vorige, aber derb, gedrungen. Blätter
bis 11lappig, lederig, rothbraun gefleckt, seicht gelappt, gezähnt; Zähne weiss
pinselhaarig. Inflorescenz „corymbös“.
5. Vulgares. Alchimilla pastoralis Bus. Blätter bis neunlappig, beider-
seits zottig, jung seidenhaarig, glauk; Lappen halbeiförmig, Zähne „mommi-
formes mucronees“. Stengel wenig beblättert. Inflorescenz locker; Blüthen schwach
behaart oder kahl. Trient, Monte Maranza; Rovereto, Passo della Beeca del Bon-
done (Orto d’Abramo). Form vegeta, üppiger und höher. Trient, Monte Vasone.
Alchimilla alpestris Schmidt (A. glabra Kern. p. p.). Val Daone, Val
Genova.
Alchimilla exigua Bus. Habitus der A. flabellata, aber Blattzahnung
ringsum, zusammenneigend. Inflorescenz kahl. Kelchröhre schmal birnförmig.
(Bormio.)
Alchimilla strigosula Bus. Hellglauk. Stengel und Blätter rauhzottig;
Blätter wellig, seicht gelappt. Inflorescenz schmal, locker geknäuelt. Blüthen
gross, dicklich. „Südtirol.“
Alchimilla micans Bus. Dunkelgrün, zottig, jung seidig. Blüthen kahl;
Blätter rundlich, tief und schmal gelappt, oberseits schimmernd. Stengel nieder-
liegend, schwach ;\Inflorescenz flattrig. (Innsbruck, Rumer Joch.)
Alchimilla suberenata Bus. Schwach abstehend zottig, aber Inflorescenz
kahl. Blätter papierdünn, rund, stark wellig, aber dünn behaart, breit und tief
gelappt; Zahnung „zizenförmig, wie gekerbt*. Inflorescenz mager, durchblättert,
trugdoldig; obere Stengelblätter mit tiefen, spreitzenden Lappen. Trient, Maranza.
Anmerkung. Von vorstehender glaube ich eine Variation bei Innsbruck
gefunden zu haben: var. oenipontana m. Blätter oberseits flach, fast kahl, nur
gegen die Zahnung hin etwas seidig schimmernd (im Lichte), unterseits seidig
behaart, meist siebenlappig, Lappen halb kreis- oder halb eirund, Zähne gewim-
pert; Stengel meist von unten aufwärts ästig, bis oben hin abstehend kurz behaart,
an der Sonnenseite oft korallenroth. Blattstiele gelblich seidenzottig; Kelchzähne
gewimpert. Inflorescenz fast kahl, von einzelnen Haaren gewimpert. Fruchtkeleh
birnförmig. Innsbruck: Solsteingebirge, Brandjochboden. September 1884.
Amygdalus Persica L. var. spontanea. Trient, Bolgher, in Hecken.
Sorbus domestica L. Wild, meist nur als Strauch.
Rhus typhina L. Wie verwildert. Trient, Goccia d’ Oro.
Ailanthus glandulosa Desf. Ueberall verwildert.
Euphorbia maculata Pall. (E. Preslü Guss.). Ueber fusshoch in Wein-
bergen auf Muralta bei Trient.
Euphorbia duleis L. f. pubescens. Trient, Goceia d’ Oro.
Beiträge zur Flora des Trentino. 69
Euphorbia falcata L. kommt in zwei Formen vor: mit wehrlosen Blättern
(einfach oder spreitzend ästig) und mit mueronirten Blättern (f. mueronata).
Letztere, viel seltener, hat einen anderen, schlankeren Habitus, der sie schon von
Weitem unterscheiden lässt. Trient, Muralta in Weinbergen; Monte Terlago, an
felsigen Orten.
Oxalis acetosella L. rosiflora. Mit ganz rosenrothen Kronen. Mori, Sla-
vini di S. Marco.
Linum laeve Scop. (L. alpinum L. var. montanum Koch) mit steif auf-
rechten Fruchtstielen. Monte Baldo, Costabella.
Geranium parviflorum Viv., Fl. lyb. sp., p. 39 (@. purpureum Vill., Dauph.,
3, P- 374, Pl. 4; @. Robertianum L. var. parviflora Gr. et Godr., 1, p. 306). Trient,
Mezzotedesco u. s. w. in Gebüschen und Wäldern; geht nördlich bis Bozen. (Rom,
Insuggherata in den Macchien.) Kronen denen des Geranium lueidum an Grösse
und Farbe ähnlich. Mai.
Var. succulenta. Klein, steif aufrecht oder ausgebreitet liegend, im frischen
Zustande etwas fleischig. Form der heissen Felsen. Trient, Muralta ete., Mori,
Slavini di S. Marco, ms ete. (Auch in den Abruzzen bei Oronto von Felsen
gesammelt.)
Geranium sangwineum L. f. latisecta. Blätter nicht bis auf den Grund
zerschnitten, kaum bis ?/; des Umfanges, Abschnitte kurz, breit oval, vorn
abgestumpft.
Var. parviflora. Kronen halb so gross (so bei Rom, Insuggherata).
Var. parviflora caerulea. Kronen dunkelblau. So eine Staude: Trient,
Goceia d’ Oro.
Hibiscus syriacus L. häufig in Lusthainen; Trient, Goceia d’Oro, am
Salebache.
Philadelphus coronarius L. Monte Baldo, Val Aviana; Sareathal unter
Stenico; Trient, bei Aldeno in den Boschi gegen Val Cei ete.
Epilobium parviflora X hirsutum. Kronen halb so gross als an Epi-
lobium hirsutum. Loppio, am Loppiobach; scheint dort als selbstständige Art
aufzutreten.
Lythrum Salicaria L. Die in Norddeutschland gemeine Form (Blüthen-
quirle dicht, eine einzige walzliche ununterbrochene Aehrentraube bildend) scheint
hier nicht vorzukommen. Auch die in Thüringen von mir beobachtete Form
(ästig mit ruthenförmigen Aesten, lockeren und oft unterbrochenen Trauben und
langgespitzten, wagrecht aus der Traube weit abstehenden Bracteen) ist mir bislang
noch nicht aufgefallen (f. ramosa). Hier fällt mir eine Form auf mit Stengel, der
unterhalb der Traube in einer diese oft um das Doppelte übertreffenden Länge
nur mit kleinen, kurzen, einander ziemlich genäherten, bracteenartigen Blättchen
besetzt ist (f. tridentina?). Ob diese Form constant ist, habe ich noch nicht
beobachtet. Ferner:
Var. pumilum m. Stengel bogig aufstrebend, 30—40 cm hoch; unterste
Blätter elliptisch, vorn stumpf, übrige lanzettlich, nur 3—4 cm lang. Traube
kurz, locker, unten unterbrochen, Blüthenquirle von. kurzen, aus der Traube nicht
70 Georg Evers.
hervorragenden, aus herzförmiger Basis zugespitzten Bracteen gestützt. Trient,
Monte Terlago; in Sümpfen am Lago Santo mit Galega offieinalis.
Sempervivum acuminatum Schott. Trient, Goceia d’ Oro, vuleanische Felsen
(Art Basalt); Rovereto, Passo della Becea del Bondone, Kalkfelsen; Waidbruck,
Porpbyrfelsen.
Sempervivum alpinum Griseb. et Schl. Trafoi, Franzenshöhe.
Sempervivum Wulfeni Hoppe. Val Daone, Franzenshöhe.
Sempervivum barbulatum Schott ($. montanum X arachnoides). Trafoi.
Sazxifraga carinthiaca Schott et Kotschy. (Stengel von der Mitte an oder
oben locker rispig.) Trient, Cima Canfedin, Wormser Joch.
Sasxifraga brevifolia Sternb. Nago, an Felsen des Forts. April.
Saxifraga rhaetica Kern. Val Vestino, Trafoi, häufig.
Sasifraga mutata L. In wahren Riesenexemplaren mit ruthenförmigen
Nebenstengeln und langen Aesten, z. B. Passo della Beeca del Bondone über
Rovereto.
Saxifraga Burseriana L. in zwei Formen; die grossblüthige Thalform:
Trient, Vela; Etschthal von Condino bis Salurn. März, April. 2. f. alpina. Kronen
halb so gross, ganze Pflanze kleiner. So: Cornetto d’Abramo, Bondone ete.
Sazxifraga petraea L. in sehr üppiger Form im oberen Avianathal des
Monte Baldo auf nassen Felsbänken.
Dianthus Pontederae Kern. (Sched. 2, 67). Trient, Monte Celva.
Dianthus inodorus L. var. humilis. Fingerhoch, braunknotig; Blätter steif,
Stengelblätter wagrecht abstehend. Brenta.
Dianthus erubescens Trev. Waidbruck; Völs am Schlern; Monte Baldo,
Brentonico.
Dianthus speciosus Rb. Schlern.
Silene nemoralis W. K. var. rubriflora. Trient, Muralta, in dumetis saxosis
vinetor.
Silene livida Koch var. albiflora. Trient, Villa Rossi, in dumetis rupestribus.
Silene Saxifraga L. f. fusca. Blüthen dunkelbraun. Trient, Doss Trent.
Cerastium brachypetalum Desp. f. villosa decumbens. Trient, Muralta
in vinetis.
Cerastium tauricum Spreng. Mori, Slavini.
Cerastium triviale Lk. var. holosteoides Fr. Trient, Goccia d’ Oro.
Chenopodium striatum Kras. (1894). Blätter eiförmig-lanzettlich, dunkel-
grün, Zweige rothgestreift. Trient, Campo trentino; am Etschdamm hie und da.
Scheint nach brieflicher Mittheilung Dr. Murr’s neu eingeschleppt zu sein.
Phytolacca decandra L. Verwildert hie und da: Trient, Goceia d’ Oro.
Helianthemum canum Dun. Mori, Slavini, Trient, Monte Celva, Riva.
Helianthemum alpestre DC. (H. italicum Pers. var. alpestre G. et Gr.).
Becea del Bondone über Cei; Monte Gaza ete.e Gelmi subsummirt diese Art
nebst FH. canum Dun. unter H. oelandicum Wahlbg. Nach Kerner, Sched., III,
p. 69, ist A. oelandicum aber eine andere Pflanze als H. alpestre Jacq., welches
ermuthlich eine Form des H. alpestre DC. darstellt. Das hiesige, von mir hier
Beiträge zur Flora des Trentino, 71
gemeinte Helianthemum hat verhältnissmässig grosse, leuchtend gelbe Kronen,
dieht weisszottig behaarte Kelche, weissfilzige Blüthenstiele. Pflanze vielstengelig,
Stengel unten holzig. Blätter zu zwei einander entgegengestellt, sitzend (die
untersten kaum gestielt), schmalelliptisch, kurz, oberseits kahl, unterseits behaart,
Aeste der Stengel abstehend dicht kurz und locker langhaarig.
Helianthemum micranthum G. et Gr. (H. italicum Pers. var. mieranthum
G. et Gr.). Die vorige Pflanze en miniature; Kronen kaum den Kelch über-
ragend. Prags, Sarlkofl, überhaupt oberhalb der Waldregion.
Helianthemum vineale Pers. (= H. piloselloides Lap.?). Den beiden vorigen
ähnlich, aber Blätter unterseits weissfilzig. Trient, Weinberge, heisse Kalkhügel,
z. B. Muralta etc.
Helianthemum salicifolium Pers. Warme Hügel am Gardasee bei Torri;
unweit ausserhalb der Grenze des Trentino.
Helianthemum rude Kern. Pflanze rauhhaarig. Blätter gestielt, lang,
schmalelliptisch, mit Sternhaarpusteln. Torri am Benacus (Rigo). Eine üppige,
sehr grossblüthige Gebirgsform mit vielstengeligem Rhizom und unten holzigem
Stengel unterscheide ich als var. montana. Monte Gaza, Passo di S. Giovanni;
vermuthlich noch weiter verbreitet.
Helianthemum vulgare Gärtn. Eine Winterform mit braunrothen Kelchen
findet sich in Goecia d’Oro bei Trient in schneefreien Wintern. Die Blätter scheinen
auf der Unterseite schwache Sternhaarpusteln zu zeigen; in diesem Falle dürfte
die Form zur vorigen zugehören.
Cheiranthus Cheiri L. Mezzotedesco, im Walde unter den Felsen des
Castells Mezzocorona, einige wenige Stöcke.
Matthiola incana DC. Riva, Monte Brione, an Felsen über der Torbole-
strasse einige Stöcke, wahrscheinlich Gartenflüchtlinge.
Roripa amphibia Scop. f. longidentata. Während von den beiden in
Norddeutschland, Thüringen und Franken von mir angetroffenen Variationen die
eine nur ungetheilte Blätter (f. riparia Tausch?), die andere die untersten Blätter
kammförmig eingeschnitten, die übrigen ungetheilt zeigt, und eine dritte, schwim-
mende Form (in den Teichen bei Walkenried) sehr langgestielte ovale Blätter
hat mit herzförmiger Basis und zwei entfernten Oehrchen an den fast geflügelt
erscheinenden Blattstiel (f. cordata), zeigt die Pflanze des Loppio-Sees, die ich
oben unterschieden habe, gefiederte unterste und langgezähnte obere Blätter; nur
die obersten als Deckblättchen der Inflorescenzäste fungirenden Blättchen sind
ganzrandig. Kronen grösser und lebhafter gelb, als an den nördlichen Pflanzen.
Loppio, im See.
Draba montana Koch (D. saxigena Jord., ef. Sched., Nr. 891). Stiel der
Schöttehen länger als diese; Schötchen kahl. Schaft der Traube länger als diese.
Kronen gross, goldgelb. Trient, Cima del Bondone. Die Kronen ähnlich denen
der Draba Beckeri Kern.
Draba Huteri Porta (Herb. Porta, Plantae ex Tirol. bei Huter). Val di
Ledro (P.). Ob eine gute Art, vermag ich nicht zu beurtheilen; sie steht der
12 Georg Evers.
Draba frigida Saut. nahe. Porta findet einen Unterschied in den Schoten („apice
sensim attenuata stilo diametri sublongiori“).
Biscutella laevigata L. var. hispida. Riva, an Felsen der Ponalestrasse.
Etschufer zwischen Mattarello und Aldeno bei Trient.
Var. glabra coriacea. Blätter fast lederartig. Riva, an Felsen der Ponale-
strasse.
Nuphar luteum Sm. hat doppelt so grosse Blüthen und Früchte als die nord-
deutsche Pflanze.
Helleborus altifolius Hayne kommt mit rosenfarbenen (selten) und braunen
bis grünlich braungelben Kronen vor. Rovereto, vom Castell Noarna bis zum
Monte Stivo hinauf (die weissblühende ist dort selten). Val di Pur bei Pieve di
Ledro (alle drei Varietäten).
Anmerkung. Helleborus viridis L. mit doppelt grösseren Blüthen als
an der norddeutschen Pflanze. Rocca di Garda.
Ranunceulus auricomus L. kommt einblüthig mit R. Thora L. im Val
Brenta über Pinzolo vor (f. alpina Schur).
Ranuneulus Aleae Willk. = R. Cengialti Kern. Trient, Chegul. — Var.
albiflora. Rovereto, in Weinbergen beim Castell Barco.
Aconitum ranunculifolium Rb. Wälder am Schlern.
Var. dolomiticum m. Wurzelblätter mit breiteren Blattlappen, kürzeren Ein-
schnitten, genäherten (nicht spreitzenden) Abschnitten, im Umkreise fast nieren-
förmig (Lienz, Amblacher Bergwiese, Juli 1878). Rovereto, Becea del Bondone.
Aegopodium Podagraria L. var. baldense m. Stengel über 1m hoch,
schlank; untere Stengelblätter lang gestielt, Blattfiedern elliptisch-lanzettlich,
lang zugespitzt, doppelt gesägt-gezähnt; hat eine elegante Tracht im Vergleiche
zu der gewöhnlichen Pflanze. Monte Baldo, in Wäldern oberhalb La Scaletta bei
S. Giacomo. Beim ersten Anblick der oft fast bis mannshohen schlanken Stauden
glaubt man nicht, ein Aegopodium vor sich zu haben.
Heracleum montanum Schleich. (H. asperum Hausm., non M.-B., H. Pa-
naces Rb.). Blätter unterseits kahl oder grauhaarig, mit geraden Seitenrändern.
Kommt auch mit rothen und mit gelblichen strahllosen Kronen vor. (Letztere
z. B. auch bei Nauders.)
Heracleum pyrenaicum Lam. (H. Pollinianum Bert., nicht, wie Gelmi
will, identisch mit ZH. asperum Hausm.). Blätter unterseits weisslichfilzig. Bon-
donekette.
Heracleum flavescens Bess. Fruchtknoten kahl. Kronen gelblich, strahllos.
Blätter fünfzählig, gefiedert, Abschnitte handförmig, fiederspaltig, unterseits weiss-
filzig. Fassa, Caressapass; Trafoi.
Torilis infesta Hoffm. var. longistyla Rb. Trient, Muralta, in Weinbergen.
Asperula leiantha Kern. Gelmi führt eine A. longiflora W. K. Hausm.
auf, bezweifelt dann die Richtigkeit seiner Citate und findet zuletzt, dass „la
nostra sta molto vieina alla eynanchica*. Letztere nun hat „corolla con lembo.
quasi eguale al tubo, esternamente rugoso-papilloso“ (Arcangeli). Die
Pflanze jedoch, welche Gelmi mit obigen Citaten im Auge hat, zeigt eine aussen
Beiträge zur Flora des Trentino. 75
durchaus glatte und kahle Corolle, hat also mit A. cynanchica nichts zu thun.
Asperula leiantha Kern. unterscheidet sich von A. longiflora W. K. Hausm. durch
ebenfalls aussen glatte Corollen, während die Corolle der letzteren als von aussen
„eminentüs per lentem videndis scabriuscula* beschrieben wird (conf. Sched., VI,
p. 82, 83). Dieselbe äussere Beschaffenheit der Corolle zeigt A. aristata L. fil.,
welche sich von A. longiflora W. K. durch graugelbliche Corollen und stumpfe
Zipfel derselben unterscheidet. Letztere habe ich bei Terracina und die var. gar-
ganica Hut. (mit viel kürzeren Blättern) am Gargano aufgenommen, die roth-
blühende Asperula longiflora W. K. mit spitzen Corollenzipfeln in den Abruzzen
bei Oronto. Die Trienter Asperula nun kommt, wenn ich recht sehe, in zwei
Variationen vor, die vermuthlich durch den Standort bedingt sind und vielleicht
sich nicht streng von einander scheiden lassen. Die eine ist die Felsen-, die andere
die Buschform. Erstere hat im Allgemeinen kürzere Corollen und Blätter, kürzere
und steifere Stengel als letztere, bei welcher die mittleren langen Stengelblätter
ausserdem oft wagrecht abstehen. Man könnte erstere vielleicht als f. strieta
unterscheiden. Corolle aussen glatt und kahl, die Röhre mindestens doppelt so
lang als der Saum.
Galium maximum Moris. Ein @. palustre L. mit breiteren Blättern und
überhaupt in allen Theilen grösseren Verhältnissen, sowie rückwärts rauhem
Stengel. Campo trentino, Etschthal bei Salurn. Galium elongatum Presl, ähnlich,
aber mit glattem Stengel, ist mir noch nicht begegnet.
Galium tiroliense Willd. (@G. insubrieum Gaud.) ist bis 5 Fuss hoch, mit
papierdünnen Blättern. Salurn, Etschthal; Bozen.
Galium elatum Thuill. Blätter „obovees ou oblongues-lanc£olees, assez
courtes“, aber nicht papierdünn, kürzer als bei voriger, fester, von mir bei Metz
aufgenommen. Val Daone, Boazzo. Früchte genarbt; die der Pflanze von Val
Daone kleiner als bei der von Metz, daher vielleicht als var. montana zu unter-
scheiden.
Galium pubescens Schrad. (@. Mollugo L. var. hirtum Mey., Chlor. hannov.,
p. 368). Bozen, Trient ete. an warmen Standorten.
Galium erectum Huds. (@. Mollugo L. var. angustifolium Neilr.). Bozen,
Kematen am Ritten, Runkelstein, Trient, Sopramonte etc.
Galium scabridum DC. (@. lueidum B. hirtum Neilr., @. scabrum M. et K.).
Riva, Castell Tenno.
Galium cinereum All. an allen heissen Kalkfelsen um Trient.
Galium praecox Wirtg. Kronen goldgelb, grösser als bei @. verum, ge-
ruchlos; Blätter breiter. Um Trient, z. B. am Fersinadamm.
Galium rubrum L. Kahl; Kronenzipfel haarspitzig.
Galium piligerum Braun (Sched., VI, p. 79). Behaart. Bozen, Ritten.
| Galium obliquum Vill. (G. mueronatum Lam.). Kronen weisslich, haar-
- spitzig; Stengel behaart. Trient etc.
| Galium pseudo-obliguum Braun (Sched., VI, p. 79). Kahl. Kronen weiss,
Zipfel nur zugespitzt, nicht haarspitzig. Eisackthal bei Waidbruck.
Z.B. Ges. Bd. XLVI. 10
u
74 Georg Evers.
Galium Leyboldii Braun. Kahl, glatt. Kronen röthlich bis roth; Zipfel
nicht haarspitzig. Rispe schmal (= Galium tirolense Leyb., non Willd.). Waid-
bruck bis Kastelruth und Seiss. Trient, Vasone.
Var. purpurea. Kronen dunkelroth, Zipfel stumpf. Monte Baldo, S. Giacomo.
Galium harcynicum Weig. (G. saxatile L. p. p.) ist nach Gelmi aus dem
Trentino verschwunden.
Galium austriacum Jacq. (conf. Sched., VI, p. 74 ff. und I, p. 60). Gelmi
hält den Namen Galium silvestre Pollich. fest. Von den Arten, welche dieser
Sammelname zusammenwirft, zeigt sich Galium austriacum Jacg. (G. pusillum
Neilr. var. nitida) in der Region der Kalkberge. Monte Gaza; Bondone ete.
Ebendaselbst auch
Galium asperum Schreb. (@. scabrum Jacq., @. silvestre var. pubescens
Schreb.), Pflanze bis oben hin behaart, und
Galium nitidulum Thuill., Pflanze nur unten behaart, endlich
Galium laeve Thuill. (@. silwestre glabrum Koch), die kahle Form mit
armblüthigen Rispen.
Galium commutatum Jord., kahl und glatt mit verlängerter lockerer
Rispe, und
Galium nitidulum Thuill. var. scabriusculum Braun, mit am Rande rauhen
Blättern und lockerer Rispe vermag ich für das Trentino noch nicht zu con-
statiren.
Ein kahles gelbgrünes Galium mit gelblichweissen Kronen, linealen, flachen,
etwas glänzenden, vorn verbreiterten und mehr weniger lang begrannten Blättern
habe ich sowohl am Rumer Joch über Mühlau bei Innsbruck, als auch im
Trentino, z. B. Val Genova, Bedole und im Val Fummo beobachtet. Vermuthlich
ist es das von Dalla Torre als Galium anisophyllum Vill. angesprochene Galium.
Gentiana biloba DC. (@. Charpentieri Thom., @. punctata X lutea),
Monte Roön (Huter), hat Gelmi übergangen.
Pulmonaria tridentina m. Frühlings-Wurzelblätter lang gestielt, inclusive
Stiel bis 40 cm lang, oval-lanzettlich, am Grunde herzförmig (oder abgerundet),
in eine lange Spitze vorgezogen, zuweilen auch allmälig in den Blattstiel
zusammengezogen und an demselben etwas hinablaufend, dünn, nicht glänzend,
weich, unterseits mit auf Pustelchen sitzenden Striegelhaaren bekleidet, oberwärts
mit hellgrünen, öfter in einander überlaufenden Flecken bedeckt, am Rande und
Blattstiel wimperig, aber nicht borstig behaart. Herbstblätter bis 30 cm lang,
oval-lanzettlich ohne lange Spitze, am Grunde nicht herzförmig,.
sondern allmälig in den geflügelten Blattstiel verschmälert, fester,
oberseits glänzend, mit hellgrünen Flecken bedeckt, sammtweich, mit sehr zer-
streuten Striegelhaaren bekleidet. Blüthenstand nach dem Verblühen etwas
locker, nebst den oberen Stengeln, den Blüthenstielen und Kelchen ziemlich
dicht mit kürzeren und längeren gegliederten abstehenden Haaren und unter-
mischten (nicht so zahlreich wie bei Pulmonaria Vallarsae Kern.) Drüsen bekleidet.
Fruchtkelehe nicht aufgeblasen; Kelchzähne so lang als die Kronenröhre und
diese verhüllend; Kronen grösser als an Pulmonaria offieinalis und obscura,
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7
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Beiträge zur Flora des Trentino. 15
anfangs rothviolett, dann dunkelblau. Trient, Schlucht des Salebaches, Goccia
d’Oro, Mori, Monte Brugino; Val di Ledro, Malga Dromaö in dumetis. März
bis Mai.
Mentha Piperita L. Trient, Muralta, in Weinbergen, Villa Kofler 1891
(identisch mit der wildwachsenden Mentha Piperita L. des Sösethales im Harz
bei Osterode).
Mentha aquatica L. var. acutifolia Sm. Trient, Fontana santa.
Var. hirsuta Koch. Ebenda.
Lycopus mollis Kern. Trient, Martignano ete. ziemlich häufig.
Lycopus europaeus L. f. gigantea. Ueber mannshoch; untere Blätter bis
15cm lang, 6cm breit, die untersten fiederspaltig, die folgenden am Grunde
fiederspaltig, die mittleren am Grunde fiederzähnig, die oberen grob gezähnt.
Trient, Martignano, Fersina ete., in Weinbergen, an Mauern, in Gärten und an
feuchten Orten. Zycopus exaltatus L. fil., welchen Gelmi bei Martignano entdeckt
haben will, habe ich bislang noch nicht aufzufinden vermocht.
Galeopsis canescens Schult. Latifolia und angustifolia häufig.
Galeopsis intermedia Vill. var. glabrescens. Stengel fast kahl mit einzelnen
Drüsen, Blätter kahl, lebhaft grün, oval. Kelche mit einzelnen Drüsen; Kronen
klein. Monte Baldo, S. Giacomo.
Galeopsis speciosa Mill. (@. versicolor Curt.), von Gelmi als „frequente
in luoghi incolti* ete. angegeben, habe ich seltsamer Weise um Trient noch
nicht zu finden vermocht. Sie scheint überhaupt vertreten zu werden durch
folgende:
Galeopsis Eversi Murr, Deutsche botan. Monatsschrift, XII, 1894, S. 17 ff.
(Galeopsis tridentina i. m. Herb.). Stengel unter den Gelenken nicht merklich
verdickt, ganz oder im oberen Theile mehr weniger dicht abstehend behaart,
Haare nicht so steif wie bei Galeopsis speciosa und nicht so weich wie bei
Galeopsis pubescens; unter den Blüthenquirlen mit einzelnen Drüsen besetzt.
Blätter eiförmig, am Grunde nicht herzförmig (wie Galeopsis Murriana Wettst.),
sondern in den Blattstiel vorgezogen, oberseits mit kurzen, in einem Grübchen
sitzenden Haaren spärlich bekleidet, unterseits blasser grün, sammtweich. Kelch
grau, zuweilen spärlich drüsig. Krone mit langer, den Kelch weit überragender
Röhre, gelb mit violetter Zeichnung auf weissem Grunde auf der Unterlippe
(nicht mit grossem violetten Flecke wie Galeopsis speciosa). Trient, Campo
trentino; Molveno bei Molini; Val Rendena, Lardaro und bei Pinzolo an Hecken
(oft mannshoch); Monte Baldo, S. Giacomo, Val Sugana, Tesino ete. August,
September. 7
Galeopsis Tetrahit L. £. flaviflora. Kronen gelb, ungefleckt, Stengel unter
den Gelenken wenig verdickt, unter den Quirlen abstehend langhaarig mit
kürzeren Drüsenhaaren, Blätter am Grunde abgerundet. Klausen, an Waldrändern
oberhalb Waidbruck.
Galeopsis Murriana Wettst. et Borb. (Sched., VI, p. 39). Die hiesige
Form weicht etwas von der typischen, die ich schon 1876 bei Lienz angetroffen
habe, ab, dürfte auch kaum als Bastard zwischen Galeopsis Tetrahit und speciosa
10*
mp
(6 Georg Evers.
aufgefasst werden, da letztere hier mindestens sehr selten ist, sondern eventuell
als Combination: Galeopsis Tetrahit X @. Eversit Murr. Die hiesige Pflanze ist
viel weniger drüsenreich, als die Innsbrucker und Lienzer Pflanze.
Betonica Alopecurus L. ist auch auf dem linken Etschufer bei Trient an
dem Gebirgszuge der Maranza die, wie es scheint, einzige Form.
Betonica Jacgqwini Gr. et Godr. (II, 674, conf. Sched. ad flor. Austr.-Hung.,
III, p. 99), mit kleinen Kronen und anders behaarten Kelchen, scheint hier in der
Nähe nicht vorzukommen. Aber am Schlern in Wäldern über Ratzes. Vielleicht
auch an den Gebirgen der Val Sugana, was erst noch zu erforschen ist. Dass
der Kelch länger behaart sei als bei voriger (Gr. et Godr.), habe ich nicht
gefunden, vielmehr das Gegentheil.
Betonica damica Mill. (conf. Sched. ad flor. Austr.-Hung., III, p. 97).
Baldo, Ritten, Fassa.
Calamintha nepetoides Jord. var. albiflora. Margreid bei Salurn im Etsch-
thale, an Kalkfelsen.
Calamintha parviflora Lam. (©. Nepeta Clairv.) var. canescens m. Kronen
weiss, ganze Pflanze grauhaarig, steif, Blätter gekerbt. Riva, Felsen der Ponale-
strasse; Trient (Terracina, Solmona).
Linaria Oymbalaria Mill. Kommt auch in einer fast sonnenlosen Klamm
der Crozzi di Cadine hinter Vela bei Trient vor, wo sie den Felsschutt weithin
überzieht und im Herbste blüht.
Veronia polita Fr. var. rosiflora. Trient, Muralta, in Weinbergen. _
Februar, März.
Euphrasia montana Jord. Rovereto, Travignolothal ete.
Euphrasia hirtella Jord. Val di Sole, Rabbi, Fueine.
Euphrasia brevipila Burn et Grmli. Passo Cop di Mezzo im Adamello-
stock (zwischen Val S. Valentini und Val Fummo).
Euphrasia drosocaly& Freyn. Schlern, Marmolata.
Euphrasia Freynii Wettst. (E. minima X hirtella). Franzenshöhe.
Euphrasia Portae Wettst. Monte Giove ete.
Euphrasia alpina Lam. Val Genova.
Euphrasia pieta Wimm. Judicarien, Monte Ringia.
Euphrasia Kerneri Wettst. Val Vestino.
Euphrasia vestinensis Wettst. (E. trieuspidata X Kerneri), conf. Oesterr.
botan. Zeitschr., 1894, S. 452. Val Vestino.
Euphrasia stricta Host. Val Sugana, Tesino; Val Daone, Boazzo.
Melampyrum cristatum L. Bracteenschopf purpurn. Trient, Monte Calisio,
Celva, Mori.
Melampyrum nemorosum L. f. purpurascens. Schopf röthlich bis purpurn.
Trient, Monte Calisio. — Form viridis m. Schopf grün. Ebenda.
Melampyrum pratense L. var. dissectibracteatum m. Kronen goldgelb,
grösser als bei M. pratense. Bracteen der obersten Blüthenbüschel in 6—7 lange,
auseinander stehende, am Rande fein bewimperte, pfriemliche Zähne zerschlitzt;
Kelch kahl, Kelchzähne fein gewimpert. Deckblätter der mittleren Blüthen-
ste -
ie ze ee
Beiträge zur Flora des Trentino. AT
büschel viel grösser, am Grunde mit beiderseits bis vier fast pfriemlichen Zähnen, in
eine lange Spitze verschmälert; die der untersten Blüthen am Grunde oft bis
15cm breit. Stengel meist vom Grunde an mit zahlreichen, nach allen Seiten
sparrig abstehenden Aesten; Stengelblätter nicht länger als die untersten Bracteen
und schmäler. Pflanze derb. (Vielleicht identisch mit M. digitatum Schur?)
Trient, Monte Calisio.
Primula digenea Kern. Riva, ad ripas torrentis Ponale in vinetis.
Primula Anisiaca Stapf. Ebenda und Trient, Sardagna ad dumetor mar-
gines, rara.
Primula acaulis L. var. albiflora. Trient, am Nordfusse des Doss Trent,
sehr selten.
Primula brevistyla DC. Trient, Doss Trent; Riva, Val Balino ete.
Primula longiflora All. Trient, Cima Canfedin.
Primula spectabilis Tratt. Vallarsa, Val Prigione im Passubiostock. Mai.
Val’ delle Seghe, Brentastock, über Molveno. Juni.
Diospyrus Lotus L. Häufig in Anlagen eultivirt. Früchte werden von
Buben genascht.
Arbutus Unedo L. Toblino, angepflanzt.
Adenophora suaveolens Mey. Monte Giore zwischen Chiesethal und Val
di Ledro.
Inula ensifolia L. Riva, Felsterrassen der Ponalestrasse; Calliano, Castell
Beseno.
Inula squarrosa L. Toblino, felsige Hügel gegen S. Massenza.
Achillea lanata Spreng. (non Koch). Monte Baldo.
Achillea strieta Schleich. (A. tanacetifolia All. var. angustisecta-lanugr-
nosa.) Monte Baldo: Brentonico; S. Giacomo.
Achillea distans W. K. (?) var. alpestris m. Niedriger als die Ofener
Pflanze, grundständige Blätter gestielt, Fiedern erster Ordnung abermals gefiedert,
Abschnitte unregelmässig gezähnt; Blattspindel und Fiederachsen breit und nebst
den Segmenten tief gezähnt; Zähne zugespitzt, haarspitzig. Blätter derb, weich
behaart, wie Stengel und Köpfchenstiele. Hüllschuppen kahl, bleich. Monte
Paganella.
Senecio alpestris Hoppe ($. longifolia Jacq.). Bondonekette (oberhalb
Sardagna, Passo della Becca ete.); Baldo, Altissimo; Monte Gaza, Scanuppia etc.
Senecio pratensis Hoppe und $. paluster L. scheinen im Trentino zu fehlen.
Senecio paludosus L. var. tomentosus m. (Blätter unterseits weissfilzig.)
Etschthal, z. B. bei Aldeno. Eine Form mit dünnerem graulichen Filz (var. riparius
Wallr.) sammelte ich bei Strassburg a. Rh., die kahle Varietät an norddeutschen
Flüssen. Ob letztere im Trentino vorkommt, vermag ich nicht zu constatiren.
Senecio Doronicum L. var. glabra. Monte Baldo, am Altissimo; die ge-
wöhnliche z. B. Monte Gaza. Eine Form zwischen beiden (f. glabrescens) z. B.
‚bei Fassa, Monte Vajol am Capessapass.
Senecio rupestris W. et K. (S. nebrodensis DC., non L.) f. sinuato-den-
tata. Fassa, Val Duron; Trafoi ete. — Form pinnatifida. Trient, Bondone etc.
(ko) Georg Evers.
Senecio abrotanifolius L. Mit orangerothen Blüthen. Schlern ete.
Senecio barbaraeifolius Krocker (S. erraticus Bert.) wird von Gelmi als
Varietät des 5. aquaticus Huds. aufgeführt; er hat viel kleinere Köpfchen als
dieser und eine ganz andere Tracht. S. aquaticus von den Wiesen bei Hannover
wenigstens zeigt aufrechte Aeste und ebenso die englische Pflanze, während $.
barbaraeifolia durch seine sparrigen, fast wagrecht abstehenden Aeste auffällt.
Auch die in der Blattform der letzteren ähnliche Form des $. aquaticus (f. pin-
natifida = $. barbaraeifolia Rb., non Krocker) zeigt die beiden erwähnten
Unterschiede.
Senecio cordifolius Gouan (S. cordatus Koch) vom Monte Baldo fällt durch
grössere Köpfchen, hellgrünes Blattcolorit und mehr gesägte Zahnung der fast
lederigen Blätter auf.
Senecio memorensis L. wird von Gelmi als „frequente nei boschi“ ete.
angegeben. Wenn der in den Waldthälern des Oberharzes (Oderthal, Rehberger
Graben ete.) ziemlich häufige Senecio dieses Namens die richtige Pflanze Linne&’s
ist (Stengelblätter 30 cm lang, 10 cm breit, scharf und gross doppelt gezähnt,
ziemlich lang gespitzt in die einem breit geflügelten kurzen Stiele gleichende,
halb stengelumfassende Basis verschmälert), so ist mir der Senecio nemorensis L.
in den Alpen überhaupt noch nicht vorgekommen. Der Köpfchenstand desselben
ist ausserordentlich reichblüthig und erinnert an denjenigen des Senecio fluvia-
tilis Wallr. (S. salicetorum Gr. et Godr.). Im Trentino habe ich bislang nur den
Senecio sarracenicus L. (S. Fuchsii Gmel.) in breiter- oder schmalerblättrigen
Formen angetroffen. Auch den in Steiermark gesammelten S. Jacquinianus Rb.
(S. nemorensis L. var. odorus Koch) habe ich hier nirgends gesehen. Die Angabe
(Gelmi’s dürfte daher auf Unbekanntschaft mit dem Senecio nemorensis L. be-
ruhen, und nur S. sarracenicus L. im Trentino sich finden.
Cirsium pannonicum Gand. kommt mit lichtgrünen und mit glauceseirenden
Blättern vor; erstere Form z. B. am Monte Celva, letztere am Monte Maranza.
Cirsium Candolleanum Näg. (C. oleraceoX Erisithales). Köpfchen gehäuft,
mit breiten bedornten Deckblättern und bedornten Hüllschuppen; Zungen gelblich-
weiss. Köpfchenstiele flaumig, Stengel beblättert. Blätter buchtig gefiedert, dornig,
oberseits etwas rauh, unterseits schimmernd, kahl.
Cirsium flavescens Koch (©. spinosissimo X Erisithales und nicht, wie
Gelmi meint, = (irsium Ganderi Huter /[C. sub Erisithales X spinosissimum])
kommt auch in einer Abweichung mit oberseits nacktem Stengel vor. Trafoi.
Die von M. v. Eichenfeld im Travignolothale aufgefundenen und in diesen
„Verhandlungen“ bekannt gegebenen Cirsien wiederhole ich hier nicht.
Carduus viridis Koch (©. defloratus Willd., Gand., non L.). Travignolo-
thal. Vielleicht auch anderwärts.
Cardwus rhaeticus DC. (conf. Sched., I, p. 76) möchte wohl aufzufinden
sein. Ich glaube eine zwischen dieser und Carduus defloratus L. (C. Summanus
Poll.) stehende Variation gefunden zu haben:
Carduus tridentinus m. Untere Anthodialschuppen aus ei-lanzettlicher
Basis in eine lange Spitze verschmälert (wie Carduus rhaeticus), innerste sehr
Beiträge zur Flora des Trentino. 79
kurz bedornt. Blätter dunkel meergrün, unterseits etwas blasser, kahl, tief grob
buchtig gezähnt, zuweilen klein gelappt, am Rande etwas kräus, bald unmerklich
in den Blattflügel übergehend, bald an der Basis scheinbar in ÖOehrchen ver-
breitert und dann zusammengezogen gefaltet in denselben übergehend; Flügel
bald beiderseits breit von einem Blatt zum anderen herablaufend, gelappt, bald
nur an einer Seite, selten an beiden Seiten des Stengels schmälere lappige
Leisten darstellend, hin- und hergebogen, wie die Blattzähne und Blattlappen
mit längeren und kürzeren Dornen bewehrt. Die langen nackten Köpfchenstiele
gerillt, spinnwebig und flockig behaart. Achenen theils fehlschlagend, theils
kümmerlich (an dem mir vorliegenden Exemplar). Pflanze bis 80 em hoch,
Stengel einfach oder vielästig, dicht beblättert. Ich kann die Pflänze nicht für
einen Bastard halten, da sie ziemlich häufig sich findet und oft in kleinen
Gruppen auftritt. Trient, Monte Calisio, Monte Chegul, Monte Maranza, in
Gebüschen, zuerst 1890 angetroffen. Kommt breiter- und schmalerblätterig vor.
Centaurea nigrescens Willd. = C. vochinensis Bernh. (Sched., I, p. 81 ff.)
dürfte im Trentino schwerlich vorkommen. Was Gelmi mit Centaurea nigrescens
Koch meint, ist mir unbekannt.
Centaurea transalpina Schleich. mit weissflockiger Hülle, kleinen, drei-
eckigen und angedrückten Anhängseln (Innsbruck, Stephansbrücke) kommt mit
grösseren Köpfchen und längeren Fransen der Anhängsel (var. Candollei Faecch.?)
bei Salurn vor.
Centaurea cirrhata Rb. (©. rhaetica Mor.). Val di Ledro, Tremalzo ete.
Oentaurea plumosa Lam. (C. nervosa Willd.). Adamellostock, felsige Hänge
ober Val S. Valentino am Cop di Casa ete.
Oentaurea pseudophrygia C. A. Mey. (C. phrygia Koch, non L.). Anhängsel-
fransen zurückgekrümmt; scheint im Trentino zu fehlen. Auch ©. phrygia L.
mit langen, die Hüllschuppen verdeckenden, zurückgekrümmten Fransen habe ich
noch nicht hier angetroffen, obgleich Arcangeli sie für das italienische Tirol
angibt.
Centaurea montana L. (Kammfransen nicht länger als der schwarze Rand
der Hüllschuppen.) Fingerhoch, Köpfchen sehr gross; Blätter wollig-filzig grau-
grün. Castell Toblino, an heissen Kalkfelsen bei Ranzo.
Oentaurea asillaris Willd. (Fransen länger als der dunkle Rand der Hüll-
schuppen.) Pflanze mit nicht filzigen Blättern. Bondone di Trento.
Var. incana Neilr. (als C. montana var. incana). Blätter grauweisslich
filzig. Torbole, Nago, an heissen Abhängen.
Var. rubriflora. Blüthen roth; Blätter filzig. Trient, Monte Celva.
Centaurea Scabiosa L. Mezzotedesco, an Dolomitfelsen.
Var. ceinereocephala m. Köpfchen mit schmutzig weisslichem Wollflaum
bekleidet; Hüllschuppen länglich, die oberen oft purpurn, Fransen bräunlich oder
bleichgelb, gewimpert; Zungen dunkelpurpurn. Blätter lederig, hellgrün, glänzend,
mit linealen oder lineal-lanzettlichen Fiedern, einfach oder doppelt gefiedert. An
den Dolomitfelsen des rechten Etschthales von Margreid bis Mezzotedesco. Viel-
leicht die Centaurea sordida Hausmann's. Bei Toblino kommt sie ebenfalls vor,
s0 Georg Evers.
Crupina vulgaris Pers. Ala.
Hieracium Pilosella stoloniflorum var. grandiflorum Hausm. Köpfchen so-
( j
gross wie an H. Hoppeanum; Hülle und oberer Theil des Stieles weissfilzig und
schwarzdrüsig; Köpfchenstiele bis 36 cm lang. Ausläufer dick, bis 50 cm lang,
niederliegend, mehrere steif aufrechte Köpfchenstiele treibend. Trient, Goceia d’Oro.
Var. Peleterianum Mer. Bozen, Meran.
Hieracium bifurcum M.-B. (H. bifwreum Koch p. p., H. praealtum X Pilo-
sella.) Stengel 1—2blättrig, in der Mitte gegabelt. Mori, Slavini di S. Marco.
Hieracium Kochit Gremli (H. breviscapum Koch, non DC.). Trafoi.
Hieracium flavum Gand. (H. aurantiacum var. luteum Koch, H. sabino X
aurantiacum Neilr.) ist vielleicht die von Gelmi „AH. aurantiacum var. bicolor
Hausm. — luteum Facch.“ genannte Pflanze.
Hieracium cymosum L. (H. Nestleri Vill.). Trient, Bondone; Goccia d’Oro.
Gelmi’s Hieracium porrifolium X sabaudum ist ein Missverständniss der
Erörterung von N. P. über die Formenreihe von H. porrifolium bis H. sabaudum
einer- und bis H. umbellatum andererseits. Die wenigen dürftigen Exemplare,
welche der Autor dieses angeblichen Bastardes mir als die einzigen seines Fundes
zu zeigen sich herbeiliess, sind magere Individuen des M. leiosoma N. P., oder
genauer, da die Köpfchen verhältnissmässig klein sind, des H. Calisii m. und
stammen von der „Scala“ bei Trient, wo ich ebenfalls einige ähnliche Individuen
beobachtet habe. N. P. erklären ihr H. leiosoma mit der Formel H. porri-
folium — umbellatum, aber nicht: H. porrifolium X umbellatum, und das H.
leiocephalum Bartl. mit der Formel H. porrifolium — sabaudum, aber nicht:
H. porrifolium X sabaudum, und weisen ausdrücklich die Auffassung der genannten
Arten als Bastarde zurück. Das H. leiocephalum Bartl. ist jedenfalls eine ganz
andere Pflanze, als die von Gelmi H. porrifolium x sabaudum getaufte Form.
„Flieracium saxatile Jacq.“ ist eine vieldeutige Phrase, da Jacquin zwei
verschiedene Pflanzen nacheinander so genannt hat. N.P. behalten diese Phrase
als Bezeichnung einer ihrer Subspecies; welche Pflanze aber Gelmi mit diesem
Namen meint, lässt er im Unklaren.
Hieracium bupleuroides Gmel. „Die typische Pflanze dieses Namens
findet sich ausschliesslich in Schwaben.“ N. P. Es wäre mithin am besten,
wenn nur die schwäbische Pflanze mit diesem Namen bezeichnet bliebe. Im
Trentino kommt mit Sicherheit nur Heeracium crinifolium N. P. var. como-
phyllum N. P. von den unter Hieracium bupleuroides Gmel. von ihnen sub-
summirten Arten vor: Fleimsthal, Moöna (N. P.). Rosettblätter lang gestielt,
behaart wie der Stengel; Hülle grau, weichhaarig; die Varietät mit dichter
weicher Behaarung der Blattunterseite. Nach Murr (Oesterr. botan. Zeitschr.,
1895, S. 425, 426) gehört Hieracium Schenkü Griseb. (die gewöhnliche Form
der Gruppe Hieracium bupleuroides Gmel. [bei N. P.] = H. Tellianum A. T.
in den nordtirolischen Kalkalpen) zu der Subspecies Hieracium cerinifolium N. P.
Im Trentino ist mir das Hieracium Schenkii Griseb. bislang noch nicht begegnet.
Was das Hieracium calycinum A. T. betrifft, welches von N. P. zu ihrem Hiera-
eium subspeciosum gezogen wird (mit?), so hat A. T. eine von mir am Arlberg
a Fe a ee
Beiträge zur Flora des Trentino. 81
gesammelte, sehr schöne, gänzlich kahle (nur die Köpfchenhülle ist behaart),
mehrstengelige Form brieflich bestimmt als „Zlieracium calyeinum A. T., H.
glaucum et buwpleuroides inter et H. scorzoneraefolium quasi medium, sed
tamen prioribus magis appropinguatum meo sensu.* Bei Trafoi, an den Moränen
des Mädatschferners habe ich eine Form aufgenommen, die dem Hieracium
calathodes N. P. (H. bupleuroides Gmel. subspec. calathodes N. P.) zu ent-
sprechen scheint. (Stengel und Blattunterseite, sowie Blattrand schwach behaart,
Blätter elliptisch.)
Hieracium glaucum All. var. Willdenowii Monn. Hochgabelig, kahl.
Vintschgau, Gomagoi; Campiglio.
Var. turbinatum N. P. Köpfchenstiele unter dem Köpfchen angeschwollen,
Rosettblätter kurz gestielt, lanzettlich, derb, am Grunde behaart. Scanuppia,
über S. Sebastiano; Monte Baldo, Brentonico;, Torbole.
Var. subturbinatum N. P. Köpfchenstiele nicht oder kaum verdickt,
Blätter bis 1'/; cm breit, kurz, unterseits stark behaart. Trient, Monte Terlago,
Cadine. Bildet mit Zieracium amplexicaule den Bastard:
Hieracium cadinense m. (H. amplexicaule x sawatile bei Gelmi). Köpfchen-
hülle graumehlig; Pflanze gelbdrüsig. Wurzelblätter elliptisch-oblong oder lanzett-
lich in den Blattstiel verschmälert, Stengelblätter sitzend, lanzettlich, Stengel
in lange, einköpfige Aeste sich theilend. Trient, Monte Terlago, Cadine, Buco
di Vela.
Hieracium porrifolium L. In mehreren Variationen von niedrigen, zarten,
einfachen, wenigköpfigen Formen zu hohen, reichverästelten, und geht, wie mir
scheint, durch Mittelformen in folgende über:
Hieracium Calisii m. (Bei Huter zuerst unter diesem Namen, später
unter der irrigen Bezeichnung Hieracium leiosoma N. P. var. leiocephalum
Bartl. ausgegeben. Aber Hieracium leiosoma N. P. und H. leiocephalum Bartl.
sind zwei verschiedene Pflanzen, s. unten.) Es gehört zur Gruppe Fieracium
leiosoma N. P. und stellt die am reichsten verästelte, fast doldenförmige
Inflorescenz tragende Form derselben dar. Stengel bis 120 cm hoch, aphyllopod,
zuweilen quasi phyllopod, indem die untersten Blätter eine dichte Rosette bilden,
unterhalb der Verästelung dicht beblättert, unten mit langen abstehenden Haaren
gleichsam bebartet oder ganz kahl (var. glabra). Blätter schmallanzettlich,
bis 12cm lang, 1!/; cm breit, beiderseits verschmälert, sitzend, selten sehr kurz
gestielt, spärlich lang behaart (oder kahl), am Rande gewimpert (mit der Lupe
bemerkbar), wenig und kurz gezähnt, die oberen fast ganzrandig, unterseits mit
einzelnen sehr kleinen Pusteln. Traubenäste sehr lang, mit einzelnen kleinen
Blättern oder Braeteen versehen, in mehrere (2—5) längere oder kürzere einköpfige
Stiele sich theilend und zusammen eine reiche Corymbe bildend. Anthodien und
oberster Theil der Stiele schwach mehlig bepudert, kaum graulich; Achenen
gerippt, roth oder rothbraun, nicht fehlschlagend, wie bei Hieracium leiosoma N. P.
meist der Fall ist. Trient, Monte Calisio, auf Kalkschotter mit Hrieracium porri-
folium. Calliano, Castell Beseno. August, September (1890 aufgefunden).
Z. B. Ges. Bd. XLVI. lt
s2 Georg Evers.
Var. angustissimum m., Wie vorige, aber Blätter lineal, lang zugespitzt,
unterste bis 25cm lang. Diese Form scheint in Hieracium porrifolium über-
zugehen.
Hieracium leiosoma N. P. Köpfchen grösser als an voriger. Köpfchen-
stand eine einfache längere oder kürzere Rispe von einköpfigen abstehenden
Aestchen bildend, zuweilen quasi doldig. Stengel und Blätter unten spärlich
lang behaart. Val Sugana, Pieve di Tesino.
Var. opimum m. Wurzelblätter wenige und dann oft lang gestielt, nebst
den unteren Stengelblättern länglich elliptisch-lanzettlich, lang zugespitzt und
lang in den Stiel oder die Basis verschmälert, unten nebst den unteren Stengeln
lang abstehend, aber spärlich behaart. Stengel doppelt so hoch als an voriger,
in einzelne lange ein- oder wenigköpfige Aeste sich theilend; Rispe daher sehr
locker und lang. Köpfchen grösser als an voriger, nebst dem oberen Theil des
Stieles schwach mehlig bepudert. Achenen schwarz. Rovereto, Aufstieg zum Passo
della Becca, zu kleinen Heerden vereinigt. Trient, Buco di Vela, sehr einzeln.
Hier kommen auch einzelne sehr dürftige Exemplare mit strohfarbenen Achenen
vor, und solche sind die von Gelmi als sein Bastard mir gezeigten Exemplare.
Hieracium leiocephalum Bartl. Die hiesige Pflanze, welche diesem Hrera-
cium nahe zu stehen scheint, ist in der Tracht der vorigen ähnlich, aber breit-
blätteriger und fast immer aphyllopod. Stengel und Blätter dichter und abstehend
behaart; unterste Blätter zuweilen kurz gestielt, sonst alle mit mehr oder weniger
lang verschmälerter Basis sitzend, elliptisch-lanzettlich bis lanzettlich, nicht so
lang zugespitzt wie an voriger, sich mehr der Form der Blätter einer der hiesigen
Formen des Hieracium boreale nähernd. Köpfchenstand eine längere, aus auf-
recht abstehenden einköpfigen Aestchen zusammengesetzte Traube bildend, oder
eine lockere, wenigästige Corymbe. Hüllschuppen sehr schwach bepudert. Trient,
an Kalkfelsen der Strasse nach Pergine bei Fort Civezzano, mit anscheinenden
Uebergängen in Hieracium boreale, welches in der Nähe an buschigen Abhängen
sich findet.
Hieracium illyrieum Fr. ist bei N. P. Sammelname einer Gruppe. Im
Trentino kommen folgende Arten, beziehungsweise Formen vor:
Hieracium erinopodum N. P. Blätter schmallanzettlich, unterseits reich-
lich weich behaart. Stengelblätter fast pfriemlich, Kopfstand lax rispig; Hülle
spärlich behaart. Monte Baldo, zwischen Brentonico und S. Giacomo.
Var. baldensiforme N. P., Stärker; Blätter gezähnelt. Ebenda. — Hierher
scheint mir zu gehören:
Hieracium baldense N. P. Oefter mehrstengelig; f. opima m.: Stengel
bis 107 cm hoch, oft vom Grunde an in wenige lange Aeste getheilt und dann an
der untersten Theilungsstelle mit einem dichten Büschel grundständiger Blätter
bekleidet, oder bis zur Haupttheilung dicht beblättert. Blätter lanzettlich, beider-
seits lang verschmälert, die untersten in einen geflügelten quasi Blattstiel, bis
18cm lang, 2 cm breit, sitzend, mit einzelnen kleinen Zähnen, oberseits kahl,
unterseits und besonders am Hauptnerv abstehend lang behaart, sparsam be-
EZ ed ei ed
N N RN.
Beiträge zur Flora des Trentino. 33
pustelt. Anthodien und Köpfchenstiele gepudert. Achenen kaum gerippt, schwarz-
roth. Monte Baldo, Brentonico; Mori, Slavini di S. Marco, 1890.')
Hieracium saxwetanum Fr. Bis 20 cm hoch. Stengel beblättert, sehr ästig;
Aeste dünn, wieder verästelt. Blätter unterseits und auch oberseits am Rande
behaart; Schuppen kaum mehlig, behaart, mit wenigen Drüsen; Köpfchen klein.
Calliano, Castell Beseno; Mori, 1890.
Hieracium glaueiforme N. P. Bis 50 em hoch, im oberen Drittel ver-
ästelt. Rosettenblätter stiellos oder kurz gestielt, lanzettlich, gezähnt, unterseits
reichlich behaart, beiderseits reichlich beflockt. Stengelblätter 5—8, lanzettlich
bis lineal; Kopfstand lax, 5—6köpfig; Hülle kahl oder wenig behaart und be-
drüst, mehlig. Trient, zwischen Buco di Vela und Cadine; über Sardagna; Monte
Baldo, Brentonico (N. P.). Dieser Beschreibung nahe zu kommen scheint mir
ein Zieracum, das ich zuerst in den Slavini di S. Marco bei Mori, dann auf
Mauern beim Castell Toblino, endlich in einer breitblätterigen Variation in der
Buco di Vela beobachtet und im Herbar vorläufig als Hieracium lagarinum m.
eingelegt habe, und welches Murr (Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 394) viel-
leicht in nahe Verwandtschaft einerseits zu Aieracium eriopodum Kern., anderer-
seits zu H. baldense N. P. setzt.
Hieracium lagarinum m. Rhizoma obliquo-horizontale, uni- vel pluri-
caulis; caules glabri, I—2-foliati, supra paniculato-ramosi ramis divaricatis
vel in longos pedumeulos monocephalos divisi. Folia glaucescentia; radicalia
petiolata et incl. petiolo usque 17 cm longa, 2 em lata, utrimque longe attenuata,
acuminata, remotis dentibus (5—6 utrimque) sinuato-dentata, supra glabra,
subtus, praesertim in nervo dorsali margineque pilis patentibus vestita; folium
caulinare his simile, angustius, longe utrimque attenuatum, usque 14 cm longum,
sessile; folium superius lineare, usque 7 cm longum. Panicula bracteolata. An-
thodia et pedumeulı albicante tomento canescentia; squamae nigricantes; achenia
costata, badia. Vallis Lagarina, in saxis calcar. loci Slavini di S. Marco prope
Mori; Castell Toblino. Mai.
Var. latifolium m. Folüs radiealibus elliptieo-lanceolatis, externis ellip-
tieis minoribus, usque 3 cm latis, in petiolum attenwatis. Tridentum, Crozzi di
Cadine, in rupibus calcar. Mai.
Hieher scheinen mir folgende Formen ebenfalls zu gehören:
Hieracium Celvae m. Rhizoma obliquo-horizontale, umi- vel bicaulis.
Caules ramosi, foliati, brevissimis vie conspicuis pilis erispis et in basi pilis
longioribus patentibus vestiti, incl. panicula usque 85 cm alti. Folia glauces-
centia, mollia; radicalia in brevem petiolum attenuata, interna usque 25 cm
longa, vix 2 cm lata, longissime attenuata, in inferiori dimidio paueis longis
acutissimis porrectis vel patentibus dentibus (4—6 utrimque) sinuato-dentata;
externa breviora, elliptico-lanceolata, apice non attenuata, parce denticulata,
1) Nach den Beobachtungen, die ich an den Standorten des Fieracium baldense N. P., d. h.
der von mir und Murr für dasselbe gehaltenen Pflanze gemacht habe, gibt es Individuen, die man
von dem H. leiosoma N. P. nicht unterscheiden kann. Möglich, dass es zwischen diesen beiden
Formen Uebergänge gibt.
ale
S4 Georg Evers.
omnia supra glabra, subtus et praesertim in nervo dorsali margineque longis
pilis patentibus parce induta, petioli longis pilis quasi villosula. Foliola cauli-
naria infima wsque 18 cm longa, anguste-lanceolata, longissime wtrimque
attenuata, sessilia vel quasi-petiolulata, in inferiori dimidio paucis acutissimis
dentibus sinuato-dentata et parce denticeulata, supra glabra, subtus vie pube-
rula; foliola superiora longe remota, infimum usque 12 cm longum, lineare, in
basi umi dente ornatum vel integrum, sequentia decerescentia. BRami paniculae
longissimi, foliolis linearibus ornati et bracteolati, erecto-patentes, in longos
pedunculos vel longos ramulos bicephalos divisi; peduneuli puberuli, sub antho-
dis sicut haec ipsa tegumento farinoso canescentes; squamae sub illo nigri-
cantes; linguae longe-denticulatae; achenia costata costisque apice pliec« con-
spicua conjuncta. Tridentum, Monte Celva, in locis rupestribus dumetosis. Juni.
Planta videtur esse rarissima.
Hieracium roveretanum m. Rhizoma obliquo-horizontale. Caulis ramosus,
glaber, usque SO cm altus, 1—2-foliatus, longam angustam interdum paullisper
dilatatam paniculam portans. Folia glaucescentia, radicalia numerosa, longe
petiolata (petiolo interdum folio longiore) incl. petiolo usque 23 cm longa, externa
minora elliptica, obtusa, interna elliptico-lanceolata, in petiolum decurrentia,
apiculata, externa denticeulata, interna in inferiore dimidio singulis longıs et
acutis dentibus porrectis (3—4 utrimque), sinuato-dentata et irregulariter denti-
culata, omnia supra glabra, subtus singulis pilis vestita, in margine breviter
ciliata, in petiolis longis pilis haud dense induta. Folium caulinare (inferius)
utrimque longe attenuatum, sessile vel quasi-petiolulatum, paneıs longis dentibus
inaequalibus et ceurvato-porrectis dentatum, glabrum, margine et subtus in nervo
dorsali pubescens. Bracteolae lineares. Rami paniculae longi bi-tricephali;
peduneculi elongati, in suprema parte sicut et anthodia farinoso-canescentia et
pubescentia; achenia costata, fusca. Rovereto in glareosis calear. montis Bru-
gino. Mai.
Zum Formenkreise des Hieracium ilyricum Fr., und zwar auch zu den
Arten desselben, die wenig beblätterten Stengel zeigen, scheint mir ferner die
folgende Variation zuzugehören:
Hieracium tridentinum m. Von mir bei Huter unter diesem Namen
ausgegeben, später aber von A. T. als Hieracium pallescens W. K. bezeichnet,
welches es aber sicher nicht darstellt, von Anderen H. canescens Schleich. ge-
tauft, welches es aber auch nicht sein kann, wenn dasselbe identisch ist mit H.
Trachselianum!) Christ, vorausgesetzt, dass das von Murr mir unter diesem
Namen mitgetheilte Feracium richtig bestimmt ist. Die von Huter seinerzeit
als H. camescens Schl. ausgegebene Pflanze wieder stimmt weder mit dem Murr-
schen Hieracium Trachselianum überein, noch mit dem FH. tridentinum m.
1) A. T. sagt über dieses Hieracium, dem er als Synonym HM. oxydon Fr. beisetzt: „Cette
plante, intermediaire entre eirritum, subineisum (s. unten) et glaucum, a les Ecailles du perieline
attenuses-subobtuses au sommet, poilues exterieurement, mais totalement depourvues de poils glandu-
leux, ainsi que les pedoncules.*“ Les Hier., p. 68.
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j
N REN. DER MN. u Kur
Beiträge zur Flora des Trentino. 85
Hieracium tridentinum m. Phyllopod. Stengel und Blattstiele dicht weich-
zottig; grundständige Blätter ziemlich zahlreich, elliptisch-lanzettlich, theils mit
lang verschmälerter Basis sitzend, theils in den kurzen Blattstiel verschmälert,
kaum glauceseirend, grob gezähnt, oberseits kahl, am Rande und unterseits ab-
stehend zottig behaart, weich. Stengelblätter 1—2, lanzettlich zugespitzt, mit
verschmälerter Basis sitzend, deerescirend. Hülle und Köpfchenstiele dicht weiss-
mehlig gepudert, Schuppen schmal, lang zugespitzt, schwärzlich. In drei Formen:
1. Var. oligocephalum m. Köpfehen 3—6, Wurzelblätter bis 6cm lang,
kaum gestielt, Stengel einblättrig. Pflanze diehter und länger behaart. Die Mauer-
form. Trient, Pontalto, an warmen Weinbergsmauern. Mai.
2. Var. rupestre m. Köpfchenstand rispig, zuweilen fast ebensträussig.
Wurzelblätter verkehrt-eiförmig bis elliptisch- und lang-lanzettlich, in den ziem-
lich langen Blattstiel verschmälert, bis 20 em lang, 3 cm breit, beiderseits mit
4—5 langen spitzen, vorwärts gerichteten Zähnen; unterstes Stengelblatt diesen
gleichgestaltet und gleich gross, obere entfernt, rasch decresceirend. Trient, Kalk-
felsen zwischen Pontalto und Civezzano. Mai.
3. Var. rivulare m. Ueberall kahler; Blätter oberseits dunkler grün, nicht
glauk, unterseits bleicher, oft mit rothbraunem Hauptnerv und Blattstiel; letzterer
lang behaart; Blätter unterseits und am Rande spärlich flaumig. Stengel meist
rothbraun überlaufen, bald von unten an in weitsparrige Aeste sich theilend, bald
einen aus wenigen spreitzenden und langen Stielen zusammengesetzten Köpfchen-
stand tragend. Blattform wie bei voriger, ebenso Bepuderung der Hülle und der
Behaarung, letztere überall geringer. Trient, am Fersinadamm. Mai.
Folgende beiden Variationen stellen vielleicht Alpenformen des vorigen dar.
Hieracium alpigenum m. Phyllopod. Wurzelblätter nicht zahlreich, meist
lang gestielt, bis 12 cm lang, 1, höchstens 2 cm breit, beiderseits verschmälert,
die äusseren kürzer gestielt, kürzer, breiter und stumpfer, die inneren länger
gestielt, länger und ziemlich lang zugespitzt, beiderseits mit wenigen kleinen,
vorwärts gerichteten Zähnen besetzt, kaum glaucescirend, oberseits kahl, dunkel-
grün oder (bei den zwei Variationen) schwach lauchgrün, unterseits blasser, am
Rande und Rückennerv, sowie am Blattstiel mehr oder weniger kraus behaart,
unterseits mit einigen Pusteln. Stengel bis 50cm hoch, 1—2blättrig, aufrecht,
oben in wenige 1—2köpfige spreitzende Aestchen, beziehungsweise Köpfchenstiele
sich theilend, spärlich und kurz behaart oder ganz kahl (bei zwei Variationen).
Köpfchenstiele und Hüllen schwach behaart oder kahl, spärlich mehlig bepudert,
Schuppen schwärzlich, Zungen dunkelgelb oder hellgelb, Achenen braunroth, ge-
rippt. Trient, Monte Gaza, an Kalkfelsen des Passes S. Giovanni. Juni.
Var. angustifolium m. Grundständige Blätter schmäler, länger gestielt,
schwach glauceseirend, unterseits gegen das Licht schwach schimmernd. Stengel
und Hüllen kahl, Zungen heller gelb. Riva, an Felsen und auf Felsschutt der
Bocea di Tratt. August.
Eine Zwischen- oder Uebergangsform zwischen der Gruppe des Hieracium
ilyricum Fr. und derjenigen des H. tridentatum Fr. möchte in folgender vorliegen:
Ss6 Georg Evers.
Hieracium tesinense m. (Scheinbar) phyllopod; Stengel steif, mehrblättrig,
im oberen Drittel sich in wenige, meist einköpfige Aeste theilend, unten nebst
den Stielen, Nerven und Rändern der Blätter mit langen abstehenden Haaren
bekleidet. Wurzelblätter länger, Stengelblätter kürzer gestielt (letztere allmälig
deereseirend), oval-lanzettlich bis lanzettlich, in den Blattstiel verschmälert, die
Stengelblätter länger zugespitzt, am Rande beiderseits mit einigen langen und
einigen kleinen Zähnen besetzt, oberseits grün, kaum glauceseirend, kahl, unter-
seits bleicher. Köpfehenstiele beschuppt, nebst den Hüllen ziemlich dicht weiss-
mehlig bepudert; der filzige Puder geht dünner werdend bis unter die Verästelung
hinab. Hüllschuppen schwärzlich, äussere etwas abstehend, innere schmal spitz-
lich. Achenen glänzend schwarz. Val Sugana, Pieve di Tesino auf Kalkschotter
bei Pradellan. August. Monte Baldo bei S. Giacomo.
Die letzte Subspecies des Formenkreises von Hieracium illyrieum Fr. nennen
N. P. Corüfolium. Derselben glaube ich folgende Form zuzählen zu sollen, ob-
gleich ich das Hieracium corüfolium N. P. selbst nieht kenne.
Hieracium coriifolioides m. Pflanze aphyllopod, glauk, kahl, nur unten
am Stengel und auf der Unterseite der unteren Blätter abstehend behaart.
Blätter oberseits kabl, dunkelgrün, glaucescirend, unterseits blass lauchgrün,
sparsam bepustelt, fast lederig, mit verschmälerter Basis sitzend, elliptisch-lan-
zettlich, bis 5cm lang, am Rande umgerollt, sparsam gezähnelt; Stengel steif
aufrecht, unten dicht beblättert, bis 40 cm hoch, im oberen Drittel wenig ver-
ästelt, Aeste 1—2köpfig. Köpfchenstand daher sehr locker, fast nackt; Köpfchen-
stiele unter den Köpfehen etwas verdickt, nebst den Hüllen sparsam bepudert;
Hüllschuppen dunkel, heller berandet. Trient, Calliano, am Burgberg des Castells
Beseno äusserst selten und nur einmal in wenig Individuen bis jetzt gefunden.
August.
Hieracium eallianthum A.T. (H. nudum Gr. et Godr., H. villosum var.
glabrescens Schultz?, H. nudum Kerner?) mit spatelig gerundeten äusseren und _
lanzettlichen inneren gestielten Grundblättern und mit gerundeter Basis sitzenden
Stengelblättern habe ich so wenig als Hieracium scorzoneraefolium Vill. (Passeier-
stock bei Landeck; Kerschbaumer Alp bei Lienz) bis jetzt im Trentino ange-
troffen. Ebenso wenig Formen der Gruppe Subspeciosum N. P.: H. inelinatum
A. T. (1879) = H. subspeciosum N. P. mit der Varietät mit unterseits stern-
haarigen Blättern (H. Solilapidis m.) oder das zwischen diesem und FM. dentatum
Hoppe stehende H. pulchrum A.T., dessen drei Formen: monocephala, gemuna
und Zongifolia m. nebst dem H. alfenzinum m. am Arlberge zahlreich von mir
gesammelt worden sind.
Hieracium dentatum Hoppe var. dentatiforme N. P. Gröden, bei der
Regensburger Hütte in Zirbelwäldern. 1888.
Var. subvillosum N. P. Trafoi, heil. drei Brunnen. 1885.
Var. Gremlü A. T. Fassa, Duronthal. 1888.
Hieracium amplexicaule L. var. petraeum Hoppe. Blätter schmal, gelbgrün.
Felsen der Stilfserjoch-Strasse bei Trafoi.
Hieracium intybaceum Wulf. Trafoi, Madatschmoränen (handhoch).
Beiträge zur Flora des Trentino. 87
AH. silvaticum Lam. (H. vulgatum Fr.). Eine Form mit breit eiförmigen,
vorn stumpfen oder in eine stumpfliche Spitze vorgezogenen, unterseits grau-
flaumigen Blättern und gelblich drüsigem, steif sparrigem Köpfehenstande
(f. Fersinae m.). Trient, Ufermauern des Fersinabaches. Mai.
Hieracium anfractum Fr. (fide A. T.). Val di Sole, Fueine bei Castell
Ossana.
Hieracium silvaticum Lam. (var. maculatum eglandulosum). Trient,
S. Rocco. Mai.
Hieracium Bocconei Griseb. (f. longifolia). Trafoi, Wälder über den
Weissen Knoll.
Hieracium ineisum Hoppe. Stengel oberwärts zottig, blattlos. Hierzu
dürfte das H. nivale Gelmi —= H. Gelmü Sarnthein gehören, da dasselbe nach
der Beschreibung bei Gelmi drüsenlos ist und einen oberwärts zottigen, blatt-
losen Stengel hat.
Hieracium subincisum A.T. (Les Hier. des Alpes, Nr. 84). Glaucescirend.
Grundblätter „attenuses-cuneiformes, arrondies ou tronquees-subemargindes a la
base, plus ou moins herissdes“, an der Basis oft fiederschnittig, unterseits häufig
purpurbraun, oberseits braun gestrichelt; „tige glabre ou poilue, eilie, mono-
csphale ou fourchue oligoc&phale; pedoneules etoiles-farineux et poilus-subeglandu-
_ leux ainse che le pericline*. Mai. Trient, Monte Celva, Monte Maranza, Monte
ET TEN VEN | RSWOiNn
Calisio; Passo di Roncogno; Mori, Slavini di S. Marco.
Hieracium rupicolum Fr. (H. bifidum Koch, non W.K.). Trafoi, Moränen
des Madatschferner ete.
Hieracium glaueinum Jord. (H. subcaesium Fr. p.p., H. alpicolum Gremli).
Trafoi, heil. drei Brunnen.
Hieracium subdolum Jord. (H. ineisum Koch, non Hoppe, H. subcaesium
Fr. p. p.). Val Sugana, bei Borgo in Wäldern; Tione. Eine niedrige Hochalpen-
form. Trafoi, Felsen des Madatsch.
Hieracium subcaesium Fr. f. violascens. Trient, Goceia d’ Oro.
Hieracium murorum L. var. flavescens m. Blätter fast ganz kahl, gelb-
grün; Stiele oft weinroth, ebenso die Blätter oft roth überlaufen; mit drüsigen
Köpfchenstielen und Hüllen (subvar. glandulosum m.), so im Pizthale bei Plan-
geros, nebst einer sehr grossblätterigen Form mit dicht schwarzdrüsigen Hüllen
_ und Pedunkeln (f. rivulare m.) ebendaselbst im Bache. Endlich subvar. eglandu-
losum m. Drüsenlos; Blätter sehr dünn, oft weinroth überlaufen, wie auch die
Blattstiele; Hüllen weisslich filzig mit einzelnen schwarzen Borsten. Trient, Sca-
nuppia, felsige Alpenweiden unter der Becca di Filadonna. August.
Hieracium trafoiense m. (H. gombense Lapp.? var. trafoiense m.). Phyllo-
pod oder aphyllopod; grundständige Blätter breit elliptisch-lanzettlich, in den
schmalgeflügelten Blattstiel zusammengezogen, gezähnelt oder wenig gezähnt,
oberseits fast kahl, unterseits und am Rande und Stiel abstehend weich behaart,
bis 18 cm (inel. Stiel) lang, 4cm breit, sehr dünn. Stengel aufrecht, abstehend
behaart, beblättert, wenigköpfig oder kleintraubig; untere Stengelblätter den grund-
ständigen an Grösse gleich, in den breitgeflügelten Blattstiel zusammengezogen,
tote) Georg Evers.
mittlere kaum decreseirend, breit oder verschmälert oder fast leierförmig (pre-
nanthoidförmig) stengelumfassend; obere kleiner, abgerundet oder verschmälert
sitzend. Hülle und Köpfchenstiele gelblich filzig, dicht schwarzdrüsig. Achenen
röthlichbraun, gerippt. Pflanze bis SO cm hoch. Trafoi, Wälder über der Weiss.
Knoll. August.
Hieracium Knollense m. Tracht der vorigen ähnlich. Grundblätter wenige,
oval-lanzettlich, lang und nicht merklich geflügelt, am Rande und am Grunde
zuweilen buchtig gezähnt; untere Stengelblätter gleichgestaltet, mit lang ver-
schmälerter Basis sitzend oder kurzgeflügelt gestielt, obere verschmälert sitzend.
Inflorescenz wie vorige oder auch drüsenlos (f. eglandulosum m.). Vermuthlich
Bastard des vorigen mit einem FH. silvaticum L. Trafoi, mit voriger gesell-
schaftlich. August.
Hieracium perfoliatum Fröl. Pflanze gelbgrün. Inflorescenz (nebst Hüllen)
mit gelblichem Filze und gelblichen, schwarz gestielten Drüsen dicht bekleidet.
Trafoi, mit voriger.
Knautia magnifica Kern. Monte Baldo, Val Fredda, Val di Ledro, Monte
Trimalzo. 1890.
Knautia persieina Kern. (Sched., VI, p. 99). Montes Lessinenses, Malera.
Succeisa agrestis W. K. Kelchborsten kurz oder fehlend. Trient ete.
Succisa pyrenaica All. „P. biancastro-tomentosa, eretto (2—6 dee.)“, von
Gelmi bei Riva angegeben, ist bislang dort trotz eifrigen Suchens nicht gefunden
worden.
Succisa graminifolia L. var. rosiflora. Trient, Monte Colisio.
Globularia Willkommiü Nym. var. albiflora. Val di Ledro, über Mezzolago.
Plantago montana Lam. mit kahlen und mit schwach seidenhaarigen
Blättern. Die Form holosericea Gand. mit seidenzottigen Blättern nur einmal
bis jetzt gefunden. Trient, Monte Vasone, auf vulcanischem Gestein.
Plantago serpentina Vill., non Koch, mit flachen, schlaffen, flaumhaarigen
Blättern bei Mals.
Plantago arenaria W.K. Trient, Martignano.
Daphne alpina L. auch in den Felstrümmern zwischen Loppio und Nago.
Broussonetia papyrifera Vent. In Zäunen und in Anlagen, zuweilen ver-
wildert in Buschform, z. B. Fersinadammmauer bei Trient.
Orchis purpwrea Huds. auch Doss Trent.
Goodyera repens Br. Grasleitenthal am südlichen Fusse des Schlern.
Iris pallida Lam. auch bei Mezzocorona.
Nareissus ledroönsis m. Valdi Ledro, Malga Droma&. Nareissus poetieus
und N. radiflorus wachsen dort heerdenweise und zwischen ihnen ziemlich
häufig ein Nareissus mit weissen, gelbgestreiften oder in der Mitte gelblich
gefärbten Perigonblättern von der Grösse derer des Nareissus poetieus. Durch
das Trocknen wird diese Zeichnung verwischt und das Perigon gelblichweiss.
Gagea Brentae m. (@. lutea Schult. var. Brentae m.). Wurzelblatt linealisch,
kaum halb so breit als das der Gagea lutea der norddeutschen Wälder und ohne
die plötzlich „mützenförmige* Zuspitzung; Perigonblätter spitz, nieht stumpf,
Beiträge zur Flora des Trentino. 89
wie die jener, und nicht auswendig grün, sondern beiderseits hellgelb mit 3—5
grünen Nerven, durchscheinend. Brenta, Malga Mezzodi, unterhalb der Rocca di
Brenta. 27. Juni 1895 (an schmelzendem Schnee).
Asphodelus albus L. auch am Monte Baldo, Frai di Nago über Malga
Cassine di Nago.
Sorghum halepense Pers. Auch Trient, Muralta, Vigna Kofler.
Ephedra vulgaris Rich. Die hiesige Form zeigt vielleicht einige Unter-
schiede. Stämmcehen heerdenweise am Boden liegend, hie und da wurzelnd, sich
verästelnd. Aus den Knoten der Aeste entwickeln sich Aestchen zweiter Ordnung,
theils einzelne, theils meherere in dichten Büscheln zusammengestellt, kurz
gegliedert; aus den Gliederknoten entsprossende blüthentragende Zweige in dichten
Scheinquirlen, deren an älteren Aesten oft 2—3 dicht übereinander folgen.
Während der Blüthe richten sich die blüthentragenden Zweige meist etwas auf,
werden bis 40 cm lang. Scheiden der Gliederknoten krugförmig, weisslich, an
zwei Seiten in eine stumpfe Spitze vorgezogen, an einer Seite offen. Männliche
Kätzehen kugelig, sitzend, in gestielten und ungestielten Knäuelchen gehäuft,
deren 2—4 in Scheinquirlen an den Knoten der Zweige sitzen. Scheiden dann
zerrissen, ihre Läppchen quasi Deckblättehen; Antheren eiförmig, oben mit ge-
öffnetem Mündchen, dessen Rand fein gezähnt ist, kurz gestielt und an der Spitze
eines dicken Stieles gehäuft. Weibliche Aehrchen gestielt, einzeln oder zu zweien
einander gegenüber. Juni. Trient, Doss Trent, auf schwer zugänglichen Fels-
terrassen der Nordseite.
Referate.
Ice-bound on Kolguev, a chapter in the exploration of aretie Europe to which
is added a record of the natural history of the Island by Aubyn Trevor-
Battye, F.L. Z., F. Z.S. ete., Member of the British Ornithologist’s Union,
with numerous illustrations by J. T. Nettleship, Charles Whymper and the
author and three Maps. Westminster, Archibald Constable and Co., publishers
to the India Office, 14 Parliament Street, S. W. 1895.
„Von Eis umschlossen auf Kolguev“ betitelt sich das vortreffliche, vor
Kurzem erschienene Werk von Trevor-Battye, das einen höchst schätzbaren
Beitrag zur wissenschaftlichen Erkenntniss der naturhistorischen Verhältnisse der
arktischen Gegenden der östlichen Erdhalbe liefert.
Die Insel Kolgujew, auf deutschen Karten auch Kalguew benannt, liegt
bekanntlich im nördlichen Eismeere, nordöstlich vom weissen Meere, zwischen
68° 43’ und 69° 30’ nördlicher Breite und zwischen 48° 15’ und 49° 55’ östlicher
Länge von dem Meridian von Greenwich, also zwischen Nowaja-Semlja und der
Halbinsel Kanin. Sie umfasst 3496 km? und ist vom Cap Swjatoi Noss an der
Timanküste des arktischen russischen Festlandes 50 englische Meilen entfernt.
Bisher ward die Insel, ohne günstige Häfen und mit einer gefahrvollen Küste,
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 12
90 Referate.
von den Schifffahrern mehr gemieden, als aufgesucht, und eine wissenschaftliche
Untersuchung ist nur einmal im Jahre 1841 von Prof. Saweljew, in Begleitung
des Botanikers Dr. Ruprecht, unternommen worden. Zweimal, im Juli und im
August des genannten Jahres, schifften die letzteren vom Continent auf die Insel
und brachten im Ganzen 16 Tage auf ihr zu, wobei aber an zehn Tagen fürchter-
liche Stürme jede Unternehmung vereitelten. Trevor-Battye dagegen verlebte
drei Monate auf dem Eiland unter wechselnden Schicksalen, die er in einem
ungemein anziehend geschriebenen Tagebuche ausführlich schildert.
Auf der Dampf-Yacht „Saxon“, die ihm sein Freund, Mr. Mervyn Powys,
in der Absicht ihn zu begleiten ausrüstete, fuhr er am 2. Juni 1894 von Peter-
head, nördlich von Aberdeen in Schottland, ab nach Bergen und längs der nor-
wegischen Küste weiter, erreichte am 10. Juni das Nordcap, am 11. Vardö, am
14. Swjatoi Noss an der Halbinsel Kola, am 15. das nordwestliche Cap von Kanin
und landete nach äusserst schwieriger Fahrt am 21. an der Nordseite der Insel
Kolguev an der Gosina-Mündung, nur von einem Manne und einem Hunde be-
gleitet und mit Lebensmitteln für einen Monat, einem Zelte, Waffen, Instru-
menten u. dgl. versehen. Die Yacht sollte nach Vardö zurückfahren, dort Kohle
aufnehmen und über Nowaja-Semlja wieder auf Kolguev eintreffen. Letzteres
fand jedoch, durch Vereisung gehindert, nicht statt, und unser Autor war ge-
zwungen, unter unsäglicher Mühsal die Insel zu Fuss zu durchwandern, bis er
an deren Ostseite am 30. Juni eine Samojeden-Niederlassung antraf. Nach oben
erwähntem dreimonatlichem Aufenthalte und eifriger Durchforschung des Landes
in verschiedenen Richtungen verliess er am 18. September mit einem russischen
Händlerschiffe die Insel und erreichte das Festland westlich von der Petschora-
Mündung, von wo er über Oksina und Ust-Zylma auf dem Landwege zu Schlitten
Archangel, Vologda und Moskau erreichte und über Petersburg nach England
heimkehrte, am 19. November zu Queenborough anlangend.
In den ersten sechs Abtheilungen des Werkes ist, wie erwähnt, in Tage-
buchform die Reise selbst lebendig geschildert, und es sind darin bereits mancherlei
Mittheilungen über die Beschaffenheit des Landes, über dessen Fauna und Flora,
über die Lebensweise, Sitten und Gebräuche der Samojeden enthalten, sowie
durch gelungene Abbildungen auf zahlreichen dem Text eingefügten Holzschnitten
erläutert.
Die siebente Abtheilung fasst dann die wissenschaftlichen Ergebnisse über-
sichtlich zusammen.
Sie betreffen zunächst die Bevölkerung (zur Zeit 59 Samojeden), und es
finden sich namentlich Bemerkungen über ihre Beziehungen zu den Bewohnern
des nächsten Festlandes und über ihre Sprache, unter Hinweis auf den hervor-
ragenden finnischen Linguisten M. A. Castren, neben dem wohl auch unser Fried.
Müller zu nennen wäre.
Ihrer geologischen Beschaffenheit nach ist die Insel, wie manche andere
arktische, neuerer Entstehung, zeigt keine anstehenden Felsen, die nördlichen
zwei, etwas höheren (bis 250 englische Fuss) Dritttheile bestehen aus thonigen
oder sandigen, torfbedeckten oder kahlen Rücken, mit Gräben wechselnd, die kleine
ia nal a nn u nn ZZ
Referate. 9]
Seen und Moräste enthalten, während der südliche Rest als eine öde Gras-, Sumpf-
und Torfniederung bis ans Meer reicht. Durch Eis von den Festlands-Tundren
und von Nowaja-Semlja herbeigeführte Bruchstücke von Granit, Sandstein und
Kalk des oberen Silur (mit Halysites catenularius, Cyathophyllum truncatum
und Naticopsis sp.), sowie Anschwemmungen durch das sturmbewegte Meer be-
wirken eine stetige Vergrösserung des Bodens von Kolguev.
Ueber die Flora hat schon Ruprecht einen für seinen kurzen Aufenthalt
auf Kolguev bewundernswerthen Bericht in „Flores Samoyedorum eisuralensium“
(Beiträge zur Pflanzenkunde des russischen Reiches, St. Petersburg, 1845) geliefert.
Unser Autor führt nun ein Verzeichniss von 97 (95 Arten und zwei Varietäten)
Phanerogamen und 29 Kryptogamen (worunter je 13 Moose und Flechten) auf.
Darunter sind viele von Ruprecht nicht aufgefundene, während Letzterer, abge-
sehen von Varietäten, noch 21 Arten angibt, die Trevor-Battye nicht beob-
achtet, aber der Vollständigkeit halber auch beigefügt hat, so dass die Phanero-
gamenflora sich auf 116 Arten belaufen würde. Von borealen Pflanzen Russlands
waren darunter Stellaria Edwardsü Br. bisher von Spitzbergen und Nowaja-
Semlja, Stellaria humifusa Rottb. von Spitzbergen und dem finnischen und
russischen Lappland, dann Antennaria carpathica Bl. F. von Nowaja-Semlja
bekannt. Auffallend ist auf Kolguev das Fehlen so wohl bekannter nordischer
Formen, wie Saxifraga oppositifolia L., Mertensia maritima Gray und des
schönen Azalea-ähnlichen, für die nordrussischen Tundren charakteristischen
Ledum dilatatum Ait. Im Allgemeinen ist der Pflanzenwuchs durch das unge-
mein rauhe Klima der Insel mit seinen Junifrösten, den häufigen kalten Nebeln
und den vorherrschenden Nordstürmen sehr gehemmt. So erreicht z. B. Achillea
Millefolium L. nur eine Höhe von 8cm, und Salix lanata L., die auf dem Fest-
lande, kaum zehn Meilen von der Küste, bis zu Manneshöhe heranwächst, erlangt
auf Kolguev nur Kniehöhe, und dies nur an günstigen Standorten. Ungemein
spät tritt auch die Blüthe und Fruchtreife ein. Viola biflora L., die zu Tromsö
am 11. Juni in Blüthenfülle war, kam auf Kolguev erst am 2. August zur Blüthe.
Rubus chamaemorus L. war bis zum 25. August noch nicht allgemein reif,
während dies an der Petschora schon am 11. August der Fall ist. Von Rubus
arcticus L. sollen nach übereinstimmender Aussage der Samojeden auf Kolguev
keine Beeren reifen. Von anderen Zwergsträuchern wären noch zu erwähnen
Dryas octopetala L., zwei Vaccinium-Arten, uliginosum L. und Vitis Idaea L.;
von Heiden: Arctostaphylos alpina Spr. und Pirola minor L.; dann Betula
nana L.; von Weiden ausser der bereits erwähnten Salix lanata noch Salix
Lapponum L., S. Myrsinites L., S. reticulata L., S. herbacea L. und $. polaris
Wahlenb.; endlich Empetrum nigrum L.
Zum Schlusse bringt der Verfasser noch zwei Verzeichnisse der Vögel-
und Säugerfauna von Kolguev mit Bemerkungen über das Vorkommen, die
Lebensweise u. s. w. der einzelnen Species. Besonders merkwürdig ist das massen-
hafte Auftreten der Wildgänse auf der Insel, deren Fang mit Sacknetzen im
Tagebuch (18. Juli) genau beschrieben ist, wo bei einer solchen Jagd nicht weniger
als 3325 Stücke gefangen wurden, darunter 3300 der am häufigsten vorkommenden
122
92 Referate.
Bernicla brenta (Pallas), 13 Exemplare von Anas segetum (J. F. Gmelin) und 12
von Anser albifrons (Scopoli). In Rasen verpackt werden die Thiere weit nach
dem Festlande versendet. Im Ganzen werden 47 Vogelarten angeführt, deren 33
unser Autor selbst aufsammelte, worunter viele auch mit Nestern und Eiern.
Hervorgehoben mögen noch werden: Plectrophanes nivalis L. und P. lapponica L.,
einer der häufigsten Vögel auf Kolguev, neben Otocoris alpestris (L.), ferner
Nyctea scandiaca (L.), Oygnus Bewicki Yarell (= minor Pall.), Harelda glacialıs
(L.), Somateria spectabilis (L.), Lagopus albus (J. F. Gmelin), der allgemein ver-
breitete Phalaropus hyperboreus L., Lestris crepidata Brehm, Colymbus areti-
cus L. und (©. septemtrionalis L.
Bezüglich der Säugethiere ist zu bemerken, dass auf Kolguev kein
Nagethier vorkommt, also sowohl Myodes lemnus L., als auch Lepus variabilis L.
fehlen. Sonst sind Phoca groenlandica Nilss. und Ph. vitulina L., Trichechus
rosmarus L., Ursus maritimus Desm., Canis lupus L., ©. vulpes L. und (C.
lagopus L., sowie das als Hausthier gehaltene Renthier, Cervus tarandus L.,
zu erwähnen.
Die Ausstattung des Werkes ist eine in jeder Hinsicht glänzende.
Dr. A. Kornhuber (Wien).
«raff, Ludwig v. Die Zoologie seit Darwin. Rede, gehalten bei der feier-
lichen Inauguration als Reetor Magnificus der k. k. Universität in Graz am
4. November 1895. Graz, Leuschner & Lubensky, 1896. 8°. 32 8.
Vor Darwin hat man „die naturphilosophischen Ideen als unbewiesene
und unbeweisbare luftige Spiele der Phantasie betrachtet“ und die descriptive
Arbeit, „aller Speeulation misstrauend, klammerte sich ängstlich an den Boden
der Thatsachen“. Die Mumien wohldiagnostieirter Species hat plötzlich das Band
der Blutsverwandtschaft umschlungen. Seit Haeckel und Gegenbaur arbeitete
man aber zu exclusiv in vergleichend-anatomischer Richtung und erst in jüngster
Zeit gelangt das physiologische Experiment in der mit Delage „Biomechanik*
zu nennenden Forschungsrichtung zu Ehren. Nur diese kann die Homologie in
der organischen Entwicklungsmannigfaltigkeit (z. B. die der Keimblätter) mit
Sicherheit klarlegen. Die Vererbungsfrage wurde erst auf Grund von nach-
darwinischen Untersuchungen über das Chromatin und die Centrosomen scharf
formulirt, und zwar durch den Neo-Darwinismus Weismann’s. Der Letztere
leugnet mit Recht die Vererbung erworbener Eigenschaften, welche nach Delage,
Haeckel u. A. die Descendenz bedingt.!) Durch Anregung zu exacten biolo-
gischen und thiergeographischen Studien hat die Umwandlungstheorie selbst auf
die triste „museale Haar- und Borstensystematik* wohlthätig gewirkt, obwohl
die Reaction vorübergehend etwas stark ausfiel. Die Systematiker werden zunächst
die Variationseurven für einzelne Formen zu bestimmen haben, um der Abstraetion
synthetischer Artenbeschreibung entgegenzuwirken, die der Abstammungslehre
ı) Referent nennt sie „Vererbung heterogener Inductionen“ (Biologisches Centralblatt,
Bd. XV, S. 324).
„a a DB ee A ee re re ee
R
Referate. 93
niemals das nöthige wissenschaftliche Materiale liefern kann. „Die Zeit scheint
nicht mehr ferne zu sein, da man den Darwinismus ebensowenig als Partei-
sache betrachten wird, wie das kopernikanische Weltsystem.“
Hiermit wäre der Inhalt dieser lesenswerthen Rede hinreichend charakteri-
sirt. (Der Reinertrag ist dem Freitisch-Institute der Grazer Universität gewidmet.)
Tad. Garbowski.
Uzel Heinrich. Monographie der Ordnung Thysanoptera. Königgrätz,
1895. Gr.-4°. 4728. mit 10 Tafeln und 9 Textbildern.
Eine durchaus originelle und gründliche Bearbeitung dieser bisher sehr
vernachlässigten Inseetenordnung. Der grösste Theil des Werkes ist der Systematik
gewidmet und zweisprachig (böhmisch und deutsch) durchgeführt. Er behandelt
alle bisher bekannten Arten der Welt (72), von denen Uzel mehr als zwei Drittel
selbst untersucht hat, und 63 neue Arten. Die ganze Ordnung zerfällt in zwei
Unterordnungen: 1. Terebrantia (mit den Familien Aeolothripidae und Thriptdae)
und 2. Tubulifera (Familie Phloeothripidae), mit zusammen 36 Gattungen, von
denen 11: in der Monographie neu beschrieben werden. Sowohl für Gattungen
als auch für Arten sind Bestimmungstabellen vorhanden. Die übrigen Theile des
Werkes behandeln Anatomie, Entwicklungsgeschichte, Palaeontologie, Biologie ete.
und sind in böhmischer Sprache verfasst. Kurze deutsche Resumes geben jedoch
auch hier eine Uebersicht des Inhaltes. Aus dem historischen Theile ist zu
entnehmen, wie gewissenhaft Uzel die sehr zerstreute Literatur (194 Publicationen)
über die Thysanopteren benützt hat. Von den zehn prächtig ausgeführten Tafeln
sind sieben der Systematik und drei der Anatomie und Morphologie gewidmet.
A. Handlirsch.
Wasmann E., S. J. Die ergatogynen Formen bei den Ameisen und
ihre Erklärung. (Biologisches Centralblatt, XV, 1895, Nr. 16 und 17.)
Wasmann unterscheidet folgende Zwischenformen zwischen Weibehen und
Arbeitern bei Ameisen:
1. Individuen, die in Körpergrösse und Hinterleibsentwicklung (auch der
ÖOvarien) den eigentlichen Weibehen angehören, dabei jedoch die Brustbildung
der Arbeiterin besitzen und deshalb vollkommen flügellos sind. — Huber’s
„femelles apteres“; morphologisch als ergatoide Weibcehenform, biologisch
als secundäre Königin zu bezeichnen.
2. Individuen, die nur durch etwas stärkere Entwicklung der Ovarien von
den gewöhnlichen Arbeiterinnen abweichen. — Gynaikoide Arbeiterform.
3. Individuen, die nur in der Körpergrösse den Weibchen sich anormal
nähern, sonst (auch in der Hinterleibsbildung) normale Arbeiterinnen sind. —
Anormal grosse Arbeiter (makroergate Form).
4. Individuen, die in Körpergrösse und Hinterleibsentwicklung den Ar-
‚beiterinnen angehören, dagegen in der Brustbildung, besonders durch das buckel-
förmige Mesonotum, den Weibchen sich anschliessen, aber stets ungeflügelt sind.
— Pseudogyne Arbeiterform (eine entschieden pathologische Bildung).
94 Referate.
5. Individuen, die nur in der Körpergrösse und dem etwas schmäleren
Thorax den Arbeiterinnen sich nähern, im Uebrigen normale geflügelte Weibchen
sind. — Anormal kleine Weibchen (mikrogyne Form).
6. Individuen, die zwischen 5’ und ® allmälige und allseitige Uebergänge
bilden. — Ergatogyne Mischformen.
Dass die Erklärung der Entstehung dieser Formen ein sorgfältiges Studium
und viel Scharfsinn erfordert, beweisen die zahlreichen in letzter Zeit über dieses
I'hema publieirten Arbeiten (von Weismann, Lubbock, Forel, Emery), welche
Wasmann in seiner Auseinandersetzung kritisch verwerthet hat.
Wasmann’s geistvolle Auseinandersetzung ist nicht geeignet, hier in
allzu gedrängter Form besprochen zu werden, und wir verweisen daher auf das
ohnehin nicht sehr umfangreiche Original. A. Handlirsch.
Schaefer Theod. Will. The poisonous sting of the „Electrie light
bug“ or Belostoma, as it is called by entomologist’s. Kansas
City Mo., 1895. 8°. 38. (Repr. from the „Medical index“.)
Diese kleine Arbeit behandelt den schmerzhaften Stich, welchen die grossen
Wasserwanzen (Belostomiden) mit ihrem Rüssel verursachen. Schaefer glaubt,
es müssen Giftdrüsen vorhanden sein. A. Handlirsch.
Fischer E., Cand. med. Neue experimentelle Untersuchungen und
Betrachtungen über das Wesen und die Ursachen der Aberrationen
in der Faltergruppe Vanessa. 8°. 678. und 2 Tafeln. Berlin, R. Fried-
länder & Sohn. 3 Mk.
Als Ergänzung und Erweiterung seiner im Vorjahre publieirten „Trans-
mutation der Schmetterlinge infolge Temperaturänderungen“ (vgl. diese Schriften,
Jahrg. 1895, S. 82) theilt Verfasser vorerst die Resultate weiterer Temperatur-
versuche mit. Hierbei ist besonders bemerkenswerth, dass auch Versuche mit
der Einwirkung von Temperaturen unter 0° ©. gemacht wurden, welche aller-
dings nach den mitgetheilten Ergebnissen (S. 16—19) nicht ganz den weit voraus-
eilenden Erwartungen des in Schlussfolgerungen allzu raschen Verfassers ent-
sprochen haben dürften. Selbstverständlich konnten tiefe Temperaturen bis
— 20° ©. nur intermittirend und mit entsprechenden Uebergangstemperaturen
zur Anwendung gebracht werden. Jedenfalls ist die Annahme, dass auf diese Weise
dieselben und noch weiter gehende Hemmungserscheinungen, wie sie durch wochen-
langes Einwirken einer constanten Temperatur von 0°C. erreicht werden, in
relativ kurzer Zeit erzielt werden können, verfrüht und bedarf gewiss noch weiterer
experimenteller Belege, als sie der Verfasser erbracht hat.
Als Versuchsobjecte dienten die bekannten Vanessenarten, bei welchen Ver-
fasser durch das geschilderte Verfahren das Entstehen einer bei sämmtlichen
Arten analogen Aberration mit zusammenfliessendem zweiten und dritten schwarzen
Costalfleck annehmen zu können glaubt, wie sie für Vanessa Urticae als Ichnu-
soides Selys, für V. Polychloros als Testudo Hb., für V. Antiopa als Hygiaea
Härch., für V. Cardwi als Elymi Rbr. bereits bekannt sind und für Vanessa Jo
Referate. 95
als Antigone (S. 16, 56), für V. Atalanta als Olymene (Verfasser schreibt S. 19,
57 gegen jeden lateinischen Sprachgebrauch „Alymene“) erst benannt werden.
Diese sechs aberranten Formen werden im Vergleiche mit ihren Stamm-
arten auf den beiden schwarzen Tafeln in entsprechender Weise zur Abbildung
gebracht.
Verfasser begnügt sich aber nicht mit Temperaturexperimenten, er prüft
auch andere Factoren, als: chemische Stoffe, Elektrieität, Schwerkraft und Trans-
fusion des Blutes auf ihren Einfluss, ist aber bei der hastigen Oberflächlichkeit,
mit der diese Versuche, sowie der Abschnitt „Anatomisches“ (S. 40—45) be-
sprochen werden, offenbar nirgends zu einem selbstständigen, publicationsreifen
Resultate gelangt.
Um die Mittheilungen über den etwas eingehender behandelten „Einfluss
der Schwerkraft“ (S. 27”—36) zu erwähnen, geht Verfasser hierbei offenbar von
der irrigen Ansicht aus, dass die in der Pflanzenphysiologie als Knight'sche
Rotationsversuche bekannten Experimente auch auf die in der Entwicklung be-
griffene Puppe von Einfluss sein müssen, vergisst aber ganz, dass es sich bei der
Pflanze vor Allem um Wachsthumserscheinungen handelt, die im Ausfärbungs-
process der Puppe doch nur eine untergeordnete Rolle spielen, und ferners, dass
durch Centrifugiren der Einfluss der Schwerkraft vermindert oder selbst aufge-
hoben wird. Wenn die (unbedeutenden) Veränderungen der Falter, die Verfasser
bei diesen Versuchen erzielte, thatsächlich im Zusammenhang mit der Gravitation
stehen, so ist hieran allein die veränderte Ruhelage der Stürzpuppen Schuld,
nicht aber ein täglich durch fünf Minuten manuell in Anwendung gebrachtes
Centrifugiren, bei welchem die für so kurze Zeit einwirkende Fliehkraft nach der
organischen Beschaffenheit der Puppe kaum den durch sie abgeschwächten Ein-
fluss der Schwerkraft eompensirt haben dürfte. Der Verfasser fühlt selbst die
Voreiligkeit der Schlussfolgerung aus diesen Versuchen, denen nicht nur die that-
sächliche Vorbedingung, sondern, wie es scheint, auch die nöthige Vorkenntniss
zu einem wissenschaftlichen Erfolge mangelt.
In den theoretischen Betrachtungen (S. 46—63) erweckt der Abschnitt
„Compensation der Farben“ Interesse, worunter Verfasser eine correspondirende
Gesetzmässigkeit in der Vertheilung eines Farbenpigmentes auf Ober- und Unter-
seite der Flügel versteht, ohne zu einem halbwegs befriedigenden Abschlusse
gelangen zu können.
Die vorerwähnten aberranten Vanessa-Formen werden nach dem früheren
Standpunkte des Verfassers als Hemmungserscheinungen aufgefasst und in allzu
weiter Schlussfolgerung „als die dem Miocän angehörenden Formen“ angesprochen,
wofür sogar eine vergleichende Tabelle (S. 60) der Miocänformen, Eiszeitformen,
Be
mitteleuropäischen Formen und südlichen Varietäten der hier in Frage stehenden
sechs Arten gegeben wird. Interessant ist hierbei, dass Verfasser ein analoges
Verhalten sämmtlicher sechs Arten annimmt, während Standfuss in seinem
kürzlich erschienenen, dem Verfasser noch nicht benützbar gewesenen Handbuch
(S. 284) rücksichtlich der beiden Vertreter der Gattung Pyrameis eine ihrer süd-
lichen Einwanderungsrichtung entsprechende, entgegengesetzte Reaction voraussetzt.
9 6 Referate.
Alles in Allem macht die (wieder selbstständig erschienene) Publieation
überall den Eindruck des Unfertigen und Uebereilten, und ist dem jugendlichen
Verfasser sehr zu empfehlen, erst einmal mit einer gereiften Arbeit hervorzu-
treten, wenn er sich seinen Ruf für die Zukunft nicht gründlich verderben will.
Dr. H. Rebel.
Paczoski J. Przyezynki do znajmosci flory krajowej (Beiträge zur
Kenntniss der polnischen Flora). Separat-Abdruck aus Pamietnik fizyogra-
fiezuny (Physiographisches Jahrbuch), Bd. XIII. (Warschau, 1895.) 8°. 33 8.
Die vorliegende Arbeit besteht aus drei Abschnitten: I. O ezterech roslinach
nowych dla flori Krölestwa (Ueber vier für das Königreich Polen neue Pflanzen).
Es sind dies: 1. Mibora verna P. B. Diese lag im Herbare der Kiewer Universität
mit der Bezeichnung „Polonia“, doch folgt daraus nicht mit Bestimmtheit, dass
damit das heutige Polen gemeint sei, da seit Bieberstein’'s Zeiten die Autoren
unter „Polonia* und „Polonia australis“ Podolien verstanden haben, und selbst
die Annahme, dass dieselbe von Michael Szubert herrühre, wird hinfällig, wenn
man weiss, dass es damals in Polen einen Jastrzebowski, Waga etc. gegeben
hat. 2. Malva moschata L. wurde vom Grafen Ladislaus Montresor bei Plonsk
im Gouvernement Warschau gesammelt. 3. Aposeris foetida Lees. Diese in
Ledebour’s „Flora Rossica“ fehlende Pflanze sah Herbich in Bessarabien, hart
an der Grenze der Bukowina, und Marie Hempel fand dieselbe nach Lap-
ezynhski’s Bericht im Gouvernement Lublin, doch bestritt Semenow, ein Schüler
der Warschauer Universität, die Richtigkeit dieser Angabe und wollte solche auf
eine Verwechslung mit Orepis foetida L. zurückführen. Verfasser stiess auf selbe
im Gouvernement Minsk bei Mozyr und sah überdies im Kiewer Herbare aus
Krzemieniee in Volhynien herrührende Exemplare. Die Annahme, dass die fragliche
Pflanze auch in Podolien vorkommen müsse, erscheint um so berechtigter, als
dieselbe für mehrere Punkte Ostgaliziens nachgewiesen ist. 4. Veronica Dilleniv
Crantz. Wurde von F. Karo bei Czestochau gesammelt und lagen dem Verfasser
davon Exemplare aus den Gouvernements Grodno, Minsk, Mohylew, Czernigow,
Volhynien, Podolien, Kiew, Poltawa, Ekaterinoslaw, Woronez und Astrachan, so-
wie aus dem Kaukasus vor. — II. Spis roslin zebranych w r. 1893 w guberniach
tomzynskiej i siedleckiej (Verzeichniss der im Jahre 1893 in den Gouvernements
Lomza und Siedlee gesammelten Pflanzen). Nennenswerth sind: ein Mischling
von Dianthus plumarius (oder D. arenarius) mit D. Carthusianorum oder D.
diutinus Kit. (richtiger Rehb. —= D. sabuletorum Heuf., Ref.), Spergula Mori-
sonü Boreau, Rosa tomentosa Sm. ß. cuspidata (M.-B.), Filago minima Fr.
f. strieta Paezoski (N. s.), Centaures maculosa Lam., doch ist C. Biebersteinit
DC. davon verschieden, Matricaria discoidew DC., überdies in Volhynien, den
Gouvernements Minsk und Grodno vorkommend, sowie Arctostaphylos Uva ursi
Spr. — III. Rosliny zebrane w okolicach miasteezka Derazni w powiecie laty-
ezowskim, gubernii podolskiej (Verzeichniss der um das Städtchen Deraänia,
Distriet Latyezow in Podolien gesammelten Pflanzen). Zunächst verwirft Ver-
fasser Rehmann’s Behauptung, dass die ostgalizische Flora dem pontischen
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3
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Referate. 97
Gebiete angehöre. Von den so namhaft gemachten Pflanzen sind hervorzuheben:
Aethusa Cynapium L. var. segetalis Boenningh. und Centaurea stenolepis Kern.
Von eingeschleppten Pflanzen erwähnt Verfasser Centaurea solstitialis L. (richtiger
©. Adami Willd.) und Xeranthemum annuwum L. an Eisenbahndämmen zwischen
Zmerinka und Winnica, mithin hart an der galizischen Grenze. Für Volhynien
findet Referent Centaurea Caucasica M.-B. von Besser angegeben.
J. A. Knapp.
Litwinow J. D. Botaniczeskija ekskurzija w Sierzanskom ujezdje
(Botanische Excursionen im Sierzaner Bezirke) in Bull. de l’Acad. imp. des
Sc. de St. Pötersb., Ser. 5, II (1895), p. 423—449.
Der Verfasser bereiste diesen im Gouvernement Simbirsk gelegenen Bezirk
und schildert dessen Vegetation. Von den so namhaft gemachten Pflanzen sind
hervorzuheben: Androsace septentrionalis L., Allvum lineare L. und A. tulipae-
folium Ledeb., Alyssum alpestre L. (?), Artemisia Armeniaca Ledeb., A. latifolia
Ledeb. und A. sericea Web., letztere von der Galiezja gora, dieser in neuester
Zeit bekannt gewordenen Uebergangsstation für eine Reihe von Pflanzen aus
dem Ural nach Podolien, beziehungweise Ostgalizien, im Bezirk Elece des Gouverne-
ments Orel, Avena Besseri Griseb. oder richtiger A. desertorum Less. in Linnaea,
IX (1834), p. 208 und Avena Schelliana Hackel, doch ist dieselbe nach gefälliger
Mittheilung des Autors keine selbstständige Art und hat Avena pratensis L.,
B. steppacea Czerna&w, Consp. pl. (1859), p. 74, zu heissen, während die für
Zytomierz und Poczajöw angegebene Avena pratensis, weil nicht mehr dem ®
Steppengebiete angehörig, die genuine Linne'sche Art oder Avena compressa
Heuff. (A. pratensis L. B. compressa Zing.?) sein dürfte, (enolophium Fischeri
Koch, Centaurea maculosa M.-B. soll heissen ©. Biebersteinii DC. oder ist ein
Schreibfehler für Lam., Cirsium esceulentum ©. A. Mey. und €. serrulatum M.-B.,
Clausia aprica Kornuch-Trotzky, Echinops Ribis L. (?), Ephedra vulgaris Rich.,
Euphorbia petrophila C. A. Mey., Galatella tenuifolia Lindl., Glyceria plicata Fz.,
Hedysarum argyrophyllum Ledeb. und H. grandiflorum Pall., Helianthemum
Oelandicum Whlnbreg. (richtiger H. Italicum Rchb.), Hierochloa borealis R. et Sch.,
Iris furcata L. soll heissen M.-B., Lathyrus pisiformis L., Nasturtium brachy-
carpum ©. A. Mey., Onosma echioides L.(?) und O. simplieissimum L., Pedi-
cularis comosa L. ist eher P. campestris Griseb. et Schenk oder doch eine dieser
nahe stehende Pflanze, Plantago maxima Ait. und P. media L. var. Urvilleana
Rapin, ursprünglich von Kertsch in der Krim beschrieben, wird für die Gouverne-
ments Orenburg, Samara, Simbirsk und Ufa, sowie für den Bezirk Zadonsk des
Gouvernements Woronez nach Müller’s Aufsammlung constatirt, Rumex Uera-
nicus Fisch., Salix stipularis Sm., Scabiosa isetensis L., Scorzonera ensifoha
Pall. und Sc. Marschalliana ©. A. Mey., Silene procumbens Murr. und S. Sibiriea
Pers., Syrenia sessiliflora Ledeb. und Vieia pieta Fisch. et Mey. Eine eingehende
Erforschung dieses Gouvernements dürfte noch manches interessante Detail zu
Tage fördern.
J. A. Knapp.
Z.B. Ges. Bd. XLVI. 13
95 Referate.
Battandier et Trabut. Flore de l’Algerie contenant la description de toutes
les plantes signalees jusqu’a ce jour comme spontanees en Algerie et catalogue
des plantes du Maroc. Monocotyledones.!) Alger et Paris, 1895.
Eine Flora über ein pflanzengeographisch wichtiges Gebiet! Die Abfassung
derselben entspricht so sehr der üblichen Schablone, dass es kaum nöthig ist,
Näheres darüber mitzutheilen. Bestimmungsschlüssel finden sich für die Haupt-
abtheilungen und Familien, bei den grösseren Familien auch für die Gattungen,
bei schwierigen Gattungen für die Arten. Die Diagnosen der Familien, Gattungen
und Arten sind ebenso wie alle anderen in französischer Sprache abgefasst. Die
Autoreneitation ist etwas mangelhaft, unter (aber nicht consequenter!) Anwendung
der Klammermethode. Auch einzelne neue Arten sind beschrieben.
Bei Benützung des Buches zur Bestimmung von Algier-Pflanzen werden
die beigegebenen fünf Tafeln namentlich dem Anfänger gute Dienste leisten:
eine bringt Analysen von Juncus-, die zweite von Carex-Arten; drei Tafeln
stellen in vortrefflicher Reproduction Habitusbilder der Infloreseenzen von
92 Gramineenarten dar; die letzte bringt Blattquerschnitte von Festuca-Arten.
Prof. C. Fritsch.
Coiney, Aug. de. Ecloga altera plantarum hispanicarum seu icones
stirpium superioribus annis per Hispanias detectarum. Nouvelles
figures de plantes trouvees en Espagne. Paris (G. Masson), 1895. Avec
12 planch. lithograph.
Im Jahre 1893 erschien in demselben Verlage die erste „Ecloga plantarum
hispanicarum“ des Verfassers, in welcher auf zehn lithographischen Tafeln folgende
Pflanzen abgebildet waren: Arabis Malinvaldiana Rouy et Coiney (zum Ver-
gleiche auch A. parvula Duf. und A. auriculata Lam.), Coineya rupestris Rouy
(= Hutera rupestris Porta), Saxifraga Aliciana Rouy et Coincy, Carthamus
Dianius (Webb), Senecio Coineyi Rouy, Thymus Antoninae Rouy et Coincy,
Teucerium Franchetianum Rouy et Coiney, Ornithogalum subeucullatum Rouy
et Coiney, Apteranthes Gussoneana Mik. (Frucht), Cheilanthes Hispanica Metten.
Die nun erschienene „Ecloga altera“ enthält die Abbildungen folgender
Arten: Alyssum Amoris Coincy (zum Vergleiche A. collinum Brot.), Viola
cochleata Coiney, Paronychia Rouyana Coincy (daneben P. echinata Lam.
f. australis und P. echinata Lam. typ.), Kundmannia Sicula DC. var. longiseta
Coiney, Valeriana longiflora Willk, Echium fruticescens Coiney, Linaria Go-
bantesiana Coiney, Origanum compactum Bss. var. Rouyanum Coincy, Teucrium
floccosum Coiney (und 7. pumilum L.), Phalaris Hispanica Coincy, Panicum
eruciforme Sibth. et Sm. und dessen var. brevifoliatum Coincy, Agrostis (a-
stellana B. R. var. pilosa Coincy.
Das Werk ist prächtig ausgestattet; die Tafeln enthalten neben den
Habitusbildern stets auch die zur Unterscheidung wichtigen Analysen. Der Text
enthält ausführliche Beschreibungen der neuen Arten, sowie kritische Bemer-
kungen zu den anderen abgebildeten Pflanzen. Prof. C. Kitsch
\) Der erste, weit umfangreichere Band, welcher die Dicotyledonen enthält, erschien schon 1838.
39
Versammlung am 4. März 1896.
Vorsitzender: Herr Custos Dr. E. v. Marenzeller.
Neu eingetretene Mitglieder:
Ba Erlerr:
Günner, Dr. Anton, Wien, IV., Favo-
ritenstrasse 23 . Re 2
Maiwald, P. v., Gymnasial- Lehrer,
Braunau in Böhmen . . . . . Dr. €. Fritsch, A. Handlirsch.
Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden erhielt
Herr Hugo Hinterberger, Lector für Photographie an der k. k.
Universität, das Wort zu seinem Vortrage über „Photographie
mittelst X-Strahlen“, welchen er in Verbindung mit Herrn Glas-
bläser ©. Woytatek, der die Herstellung der Hittorf’schen Birnen
zeigte, durchführte.
Herr Woytadek hatte zu diesem Vortrag sein gesammtes Instrumentarium
zur Verfügung gestellt, nämlich eine Kahlbaum’sche Quecksilberluftpumpe, einen
Ruhmkorff’schen Funkeninductor, der durch den Strom eines Accumulators betrieben
_ wurde, und einen Blastisch, und es war dem Vortragenden hiedurch ermöglicht,
die interessanten Lichtphänomene, welche beim Durchleiten eines elektrischen
EIRRI TR Hi DE
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Funkenstromes durch evacuirte Glaskörper eintreten, zu zeigen. Der Vortragende
besprach zunächst die verschiedenen Typen von Hittorf’schen Röhren, wie solche
zur Photographie mit X-Strahlen an der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt für
- Photographie und Reproductionsverfahren verwendet werden, und liess eine Anzahl
solcher Birnen, welche aus der Werkstätte Woytadek’s stammten, eursiren.
Dieser hatte unterdessen eine Birne an die Luftpumpe angeschmolzen und liess
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 14.
100 Versammlung am 4. März 1896.
dieselbe nebst einer zweiten, bereits früher angeschmolzenen, durch einen Gehilfen
evacuiren. Während dieser Procedur, welche eine Stunde in Anspruch nahm,
stellte er am Blastisch eine Birne mit scheibenförmiger Kathode her. Herr
Hinterberger zeigte indessen die Lichterscheinungen einer Geisslerröhre, ferner
die Phosphorescenz erregende Wirkung der Kathodenstrahlen und die Licht-
erscheinungen in den beiden Birnen, welche evacuirt wurden, beim Einleiten des
Inductionsstromes und ging dann zur Praxis der Photographie mittelst Röntgen-
Strahlen über. Er besprach zunächst die photographischen Präparate, welche zur
Aufnahme verwendet werden können, und theilte die diesbezüglichen Versuche
von Dr. Eder und Prof. Valenta mit, woraus hervorging, dass die nassen
Verfahren (Jodbromsilbereollodium-Badeverfahren und die Collodium-Emulsions-
verfahren) hiefür ungeeignet sind und die besten Resultate mit Gelatine-Emulsions-
platten erreicht wurden, und zwar im Gegensatze zu anderen Berichten nicht
mit orthochromatischen, sondern mit gewöhnlichen hochempfindlichen Trocken-
platten. Hierauf zeigte Herr Hinterberger, wie die Platte zum Schutze gegen
Lichtstrahlen und Feuchtigkeit adjustirt werden muss (Einschlagen in schwarzes
Papier, Auflegen einer Celluloidfolie) und zählte die Factoren, welche bei Bestim-
mung der Expositionszeit berücksichtigt werden müssen, auf.
Zum Schlusse demonstrirte Herr Hinterberger den bekannten Röntgen-
schen Fundamentalversuch mit dem Fluorescenzschirm, der sehr gut gelang, und
erklärte dann die ausgestellten Aufnahmen von Dr. Eder und Prof. Valenta,
welche in sehr schönen Heliogravuren (theils Negative, theils Positive) die An-
wendbarkeit der Photographie mit Röntgen’s X-Strahlen für die Zwecke der
beschreibenden Naturgeschichte bewiesen. Es waren dies Aufnahmen der mensch-
lichen Hand (eines 17jährigen Studenten und eines $jährigen Mädchens) und
des menschlichen Fusses, ferner Aufnahmen verschiedener Thiere (diverser Fische,
zweier Frösche, einer Aesculapschlange, eines Chamäleons und einer Eidechse).
Am 14. Februar 1896 wurde ein botanischer Diseussions-
abend abgehalten, an welchem Herr Prof. Dr. A. Burgerstein
„Ueber die Abstammung des echten Dammarharzes“ und Herr Prof.
Dr. 6. Fritsch „Ueber einige Arten und Hybriden der Gattung
Sorbus“ sprachen.
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EEE EEE EEE EEE BERGER WERE RE WERTET AT Ni
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 101
Lichenologische Ausflüge in Tirol.
Von
Dr. F. Arnold.
(Eingelaufen am 5. Februar 1896.)
XXVil Pians.
Yin erhebliches, der genaueren Erforschung der Flechtenflora von Tirol
im Wege stehendes Hinderniss bilden die weiten Entfernungen sowohl ober der
Waldregion als im Bereiche der eultivirten Landschaft. Als ich am 5. August 1894
von Pians nach Kappl in Paznaun ging, um hier Stereocaulon alpinum Laur.
zu sammeln, bemerkte ich auf der langen Strecke nur eine erwähnenswerthe
Flechte, nämlich Lecanora epanora Ach., welche an den Felswänden längs der
Strasse zwischen Zollhaus und See steril nicht gar selten auftritt. Gleich unter-
halb Kappl führt die neue Strasse durch ein vor Jahren herabgeschwemmtes
Steingerölle, auf welchem jetzt Fichten- und Lärchengehölz in die Höhe gewachsen
ist. Auf beiden Seiten der Strasse dehnt sich das reichlich fruchtende Stereo-
caulon alpinum in solcher Menge aus, dass die Oberfläche des Bodens ein grau-
weisses Aussehen annimmt. Die Pflanze ist von hier in Arn. exs. 1604 auf-
genommen. Alle übrigen Erdflechten: Cladonia silvatica, uncialis, deformis,
Peltidea aphthosa, Peltigera rufescens, treten dem Stereocaulon gegenüber an
Häufigkeit zurück. An Larix-Zweigen Evernia thamnodes Flot.
An der Rinde der Obstbäume in den Grasgärten von Pians (832 m) waren
nur wenige und solche Arten zu erblicken, welche auch ausserhalb der Alpen sich
daselbst einzustellen pflegen.
Das Gehänge oberhalb Pians ist mit Strauchwerk bewachsen. Auf einem
bemoosten Glimmerblocke neben einem Fusswege traf ich dort Physma polyanthes
Bhd., Arn. Jura Nr. 599, Tirol XXIII p. 134, vorzugsweise über Grimmia Hart-
manmi wachsend. Kleine, fast muschelförmige Thallusanfänge der Peltigera
canıina L. f. soreumatica Flot., Arn. München Nr. 88 hatten sich zwischen den
Moosen eingefunden: thallus sorediis cinereis consitus.
Ein Hohlweg vermittelt weiter oben den Uebergang nach Grins (1002 m).
Hier auf glimmerhaltigem Boden längs der Wegböschung Peltidea venosa und
Biatora sanguwineoatra Wulf., Arn. Jura Nr. 284, Tirol XXI p. 133: thallus
minute gramulosus, viridis, apoth. rufofusca, ep. hyp. fuse., spor. incol., sim-
plices, 0012—15 mm lg., 0003—4 mm lat. Gesellig mit dieser Flechte eine Form
der Buellia scabros« Ach., Arn. Jura Nr. 376, Tirol XXI p. 141, auf dem grün-
lichen Thallus von Sphyridium fungiforme zerstreut: apothecia parva, atra,
intus K —, epith., hyp. fuscesc., hym. jodo caerul., sporae fuse., graciliores,
14*
102 F. Arnold.
0'010—12 mm Ig., 0'004 mm lat., 8 in ascis oblongis (comp. Buellia athallina
auf Sphyridium auf dem Hochgern in Flora 1870 p. 236 Nr. 2).
An der gegenüber liegenden Seite des Thaleinschnittes, kurz vor den ersten
Häusern von Grins bedeckt Collema pulposum Bhd. stellenweise die lockere Erde
der Felsspalten, daneben Sedum album.
Beim Meilensteine Nr. 1!/, an der Heerstrasse gegen Landeck hatte ich
im August 1848 das Laubmoos Desmatodon cernuus so zahlreich gesehen, dass
ich es im folgenden Jahre sammeln und später in Schultz Herb. norm. Nr. 195,
sowie in Rabenh. Bryotheka Nr. 957 b vertheilen konnte. Der Meilenstein wurde
zufolge der Einführung des neuen Längenmasses später beseitigt, das Moos aber
war, wie ich mich am 13. August 1893 überzeugte, an der anstossenden Strassen-
mauer noch immer, wenngleich spärlich, erhalten.
Da die Umgebung von Pians und ein Gang nach Tobadill (1536 m) kein
besseres Ergebniss lieferten, beschloss ich, den nördlich ober Pians gelegenen
Gatschkopf zu ersteigen. Am 10. August 1894 wurde die Augsburger Hütte
(2320 m) und am nächsten Tage der Gipfel des Berges (2942 m) erreicht.
Unweit der Hütte auf Glimmerblöcken: 1. Lecanora badia Pers. atque
f. einerascens Nyl., Arn. Tirol XXIII p. 120; 2. L. polytropa Ehr. atque var. intri-
cata Schrad.; 3. Lecidea instrata Nyl., Arn. Tirol XXV p. 374: thallus obscure
cinerascens, minute areolato rimulosus, apoth. atra, ep. fuscese, K—, hyp.
incolor., sporae oblong., 0012—14 mm lg., 0'004—5 mm lat.; 4. Lecidea entero-
leuca Ach., Nyl.; 5. Rhizocarpon geographicum; 6. Tichothecium Pygmaeum
auf Lecanora polytropa.
Bei der am steilen Gehänge des Berges auf einem kleinen Vorsprunge
erbauten Hütte erscheint die normale Flora der Kalkalpen. Weiter oben ragen
zahlreiche Felsen hervor, auf welchen Lecideen mit weisser Kruste vielfach ver-
breitet sind. Das Gestein besteht aus mergeligem Kalk der Partnachschichten.
Ueberblickt man die kleine Liste der an jenem Tage gesammelten Flechten,
so bemerkt man einige äusserlich unscheinbare Arten, welche nach den bisherigen
Beobachtungen erst ober der Waldzone beginnen:
1. Physcia elegans f. tenwis Wbg. | 12. Biatora fuscorubens Nyl.
2. Physcia australis Arn. | 13. Leeidea tessellata Fl. f. caesia Anzi.
3. Callopisma aurantiacum Lghtf. ı 14. L. speirea Ach.
4. Gyalolechia aurella Hoff., Arn. 15. L. subumbonata Nyl.
5. Pyrenodesmia Agardhiana Mass. | 16. L. rhaetica Hepp.
6. Placodium concolor Ram. f. ı 17. L. immersa Web.
7. Lecanora dispersa Pers. ı 18. L. enteroleuca Ach., Nyl., Arn.
8. Sarcogyne wrceolata Anzi, Arn. | 19. L. subtumidula Nyl.
Tirol XXV p. 390. ı 20. Catillaria athallina Hepp.
9. Aspieilia polychroma Anzi f. can- | 21. Bilimbia subtrachona Arn.
dida Anzi. 22. Siegertia Weisii Sch.
10. Hymenelia caerulea Kb. 23. Rhizocarpon geographicum f. pulve-
11. Biatora rupestris f. inerustans DC. | rulentum Schaer.
Zr En 2 a
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 103
24. Stigmatomma clopimum Whg. 28. Thelidium pyrenophorum Ach.,
25. Lithoicea tristis Kplh. Arn. Tirol XXV p. 372.
26. Verrucaria caerulea Ram. f. caesia | 29. Polyblastia albida Arn. (pl. alpina).
Anzi. 30. Tichothecium gemmiferum T.
27. Verrucaria phaeosperma Arn. 31. Tichothecium pygmaeum Kb.
a) Physcia australis Arn. Flora 1875 p. 154; Tirol XX p. 375, XXI p. 121,
XXIV p. 265: nicht häufig: thallus compactus, ambitw lobatus, sporae sub-
fusiformes, utroque apice saepe acutae, sporoblastuüs valde attenuatis, quare
1 septat., 0'015—18 mm Ig., 0005—6 mm lat.
b) Placodium concolor Ram., Arn. Tirol XXIII p. 111, f. elatum Arn.
(vel propria species): ziemlich selten: a typo differt colore lutescente viridulo,
thallo effigurato margine magis deplanato, lobis tenwioribus, elongatis. Apothecia
fuseidulo testacea, epith. sordide lutesc., sporae oblongae, 0'009—11 mm Iq.,
0005 mm lat.
c) Lecidea subumbonata Nyl., Arn. Tirol XXIII p. 123: häufig an den
grösseren Felsen und von hier in Arn. exs. 1623 ausgegeben: hyph. non vel
parum amyloid., hypoth. fuscescens, non incolor, sporae oblong., 0010—14mm Ig,,
0°005—6 mm lat., ypraeterea, praecipue secundum habitum cum L. umbonata
Hepp 257 congruit. Die in der Hochalpenregion der Pyrenäen, der Schweizer
und Tiroler Alpen auftretende Gruppe grossfrüchtiger Lecideen mit weissem,
dickem Thallus verdient eine besondere Monographie, doch ist das in der Gegen-
wart vorliegende Material hiezu noch nicht genügend.
d) Lecidea subtumidula Nyl., Flora 1885 p. 42, Hue Add. p. 237 Nr. 1476;
hue pertinent: 1. Lecidea — Arn. Tirol IV p. 646 Nr. 62, XXI p. 136 lin. 2;
2. Lecidea — Arm. Tirol VI (XVII p. 564 Nr. 8), XXI pp. 137: est typica L. sub-
tumidula Nyl.
Diese unscheinbare Art unterscheidet sich durch die breiten, gegliederten
Paraphysen und die elliptischen, nicht selten fast rundlichen Sporen von den
übrigen kleinfrüchtigen Lecideen und scheint in der Höhe von 2000 m aufwärts
in den Alpen nicht gar selten zu sein; am Gatschkopf: thallus macula lapidi
concolore, pallide lutescente indicatus, apoth. parva, lecideina, epith. obscure
smaragd. viride, hym. sub microscopio incol., jodo caerul., paraph. latiores,
articulat., clavae supremae viridulae, hyp. viridinigrie., parte superiore fere
smaragdulum, ep. hyp. ac. nitr. colorat., sporae incol., ellipsoid., non raro sub-
globulosae, 0'006—7 mm Ig., 0004—-5 mm lat., 8 biseriatae in ascis oblongis;
spermog. punctif., atra, spermat. recta, 0004—45 mm lg., 0'001 mm lat. (Lecidea
subvorticosa Nyl., Arn. Tirol XXI p. 137, Hue Add. Nr. 1169, jam sporis .
maioribus differt.)
e) Catillaria athallina Hepp, Arn. Jura Nr. 325, Tirol XVI p. 391; hie
und da: thallus sat tenwis, lapidi concolor luteolus, epith. obscure viride K—,
paraph. apicem versus articulatae, hym. incol., hyp. rufofuse., K leviter colo-
ratum, spor. incol., 1septat., medio leviter constrictae, obtusae, 0009—10 mm
lg., 0005 mm lat.
104 F. Arnold.
P Bilimbia subtrachona Arn., Flora 1870 p. 122, 230; Tirol XXI p. 139,
XXIII p. 134: nur vereinzelt beobachtet: thallus tenuissimus, pallide viridulus,
apoth. parva, nigrie., habitu biatorino, epith. pallide viride, hym. incol., jodo
caerul., paraph. laxae, hyp. sordide obscure viride, ep. hyp. ac. nitr. colorat.,
sporae incol., rectae, obtusae, 3 septat., juniores 1 septat., 0'017—21 mm 1g.,
0:005—4 mm lat., 8 in ascis late oblongis.
9) Verrucaria phaeosperma Arn. Flora 1874 p. 382, Tirol XXI p. 147:
nur sparsam angetroffen: thallus tenuissimus, macula indicatus, albescens, apoth.
sat parva, immersa, sporae simplices, oblong., nigric. fuscae, 0'021—22 mm 1g.,
0'009—10 mm lat., 8 in ascis late oblongis. (Die beiden anderen verwandten
Verrucariae: interlatens Arn. Tirol XXI p. 147, Jura Nr. 502, und melasperma
Nyl. haben kleinere Sporen.)
h) Tichothecium pygmaeum: auf dem Thallus von Physcia australis und
Leeidea subumbonata; auf dem Thallus und den Apothecien des Placodium:
sporae 32 in asco, 0'056 mm Ig., 0'016 mm lato.
Der Gipfel des Gatschkopfes bildet einen gegen Nordost senkrecht ab-
fallenden, im Uebrigen schiefen, nahezu vegetationslosen Kamm und ist mit kleinen
dunkelbraunen, mergeligen Steinen (manganhaltiger Brauneisenstein, determ. von
Ammon) bedeckt. Nur hie und da, besonders längs des Absturzes ragt scharf-
kantiges Gestein hervor. Man sieht auf die dunkle, ober dem Gletscher aufragende
Wand der Parseierspitze (3034 m) hinüber, welche dem Anscheine nach gleichfalls
aus Brauneisenstein besteht. Ob und wie weit diese Gesteinsart den Lichenen zu-
gänglich ist, kann zur Zeit nicht entschieden werden; vielleicht kann sie in dieser
Beziehung dem Serpentin (Arn. Tirol XXIV p. 258, Stizenberger Flora 1887
p. 430) gleichgestellt werden. Die wenigen auf mergeligen Kalkriffen nur spär-
lich vorkommenden Flechten auf dem Gipfel des Gatschkopfes bestanden aus
folgenden Arten:
1. Callopisma aurantiacum Lehtf.: sin- 9. Verrucaria rupestris Schrad., Arn.;
gula apothecia, thallus subnullus. muralis Ach.
2. Placodium concolor f. elatum Am. | 10. Amphoridium Hochstetteri Fr., pl.
3. Rinodina castanomela Nyl., Arn. alpina, Arn. Jura Nr. 508.
Tirol XXV p. 369. 11. Thelidium pyrenophorum Ach.
4. Biatora rupestris f. inerustans DC. | 12. Phaeospora rimosicola Leghtf. auf
5. Lecidea speirea Ach. Siegertia.
6. Lecidea subumbonata Nyl. 13. Polycoccum thallicolum Arn.
7. Lecidea atronivea Arn. 14. Tichothecium pygmaeum Kb. auf
8. Siegertia Weisii Schaer. Biatora inerustans.
Auf alternder Sazxifraga oppositifolia, welche auch nur vereinzelt vor-
handen war, Apothecien von Callopisma cerinum f. stillieidiorum Horn. und Leca-
nora Hageni Ach.
a) Rinodina castanomela Nyl.: die Exemplare stimmen mit denjenigen
vom Kaiserjoche überein: planta minus evoluta, thallus crassior, diffractus,
pallide cervinus, apoth. atra, ep. fuscese., K —, sporae fuse., 1septat., obtusae,
PR 7 RRE
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|
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 105
hie inde cum 2 guttulis subrotundis, 0'021—24 mm Ig., 0'012—15 mm lat.,
octonae.
b) Lecidea atronivea Arn. Flora 1870 p. 123, Tirol V p. 539, XXI p. 136:
ziemlich sparsam: thallus crassus, albus, K—, Ü—, hyph. amyloid., apoth.
atra, non raro aggregata, intus K —, epith. latum, laete smaragdulum, ac. nitr.
colorat., hym. sub lente leviter smaragdulum, hyp. viridulofuscum, sporae tenues,
elongato-oblong., non raro cum 2 guttulis, 0'007—9 mm Ilg., 0'003 mm lat.,
octonae.
c) Verrucaria rupestris Schrad., Arn. Jura Nr. 492: sparsam: thallus
subnullus, apoth. minora, perithee. dimidiat., sporae speciei, 0'024 mm Ig.,
0'010—12 mm lat.
d) Thelidium pyrenophorum Ach., Borreri Hepp, Arn. Tirol XXI p. 147:
pl. normalis, thallo albesc.; sporae 1 septat., 0024—27 mm lg., 0009-12 mm
lat.; adest forma thallo sat tenui, fere macula lapidi concolore indicato, apo-
theciis minoribus, emersis, sporis longioribus, nonnihil gracilioribus, 1 septat.,
0:030—36 mm 1g., 0:0099—12 mm lat. (comp. Tirol XXII p. 68 Nr. 12).
e) Polycoccum thallicolum Arn. (n. spec.): parasitisch auf einem weissen
Lecidea-Thallus: apoth. atra, punctif., apice prominentia, perithee. fuse., hym.
jodo caerul., absque paraphysibus, sporae oblong., obtusae, 1 septat., hie inde
cum 2 guttulis, 0:015—18—22 mm 1g., 0'008—10 mm lat., quaternae uniseriatae
in ascis late cylindricis, 0'060—66 mm Ig., 0015 mm latis.
XXVII Galtür.
Zu den höher gelegenen Ortschaften in Tirol gehört Galtür (1537 m) im
Paznaunthale. Der Wald wurde dort schon in alter Zeit beseitigt und die von
kahlen Gehängen eingefasste Thalweitung ist den von Montavon her über den
niedrigen Bergkamm kommenden rauhen Luftströmen ausgesetzt. Ein kurzer
Aufenthalt in Galtür (5.—11. August 1893) genügte zur Feststellung, dass die
Lichenenflora der Hochalpen ungeachtet der Entwaldung nicht bis zur Thalsohle
herabgestiegen ist. Wer diese Flora kennen lernen will, möge von der 1882 er-
bauten, drei Stunden entfernten Jamthalhütte (2206 m) aus die umliegenden
Berge, denen Gletscher nicht mangeln, und das Fluchthorn (3406 m) erklimmen.
Eine Abbildung der Hütte mit der Aussicht auf den Jamthalgletscher ist in der
Zeitschrift des deutschen und österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1894,
enthalten.
Der Saumweg nach Wirl ist bis zu den letzten Häusern von Galtür zum
Schutze der Wiesen durch niedrige Mauern, Zaunstangen und Bretter abgegrenzt.
a) Auf Erde dieser Mauern gesellig mit Bryum argenteum, Polytrichum
juniperinum, piliferum :
Cladonia pleurota Fl., seyphi hie inde fructiferi.
C. pyeidata L., sterilis; f. staphylea Ach. intermixta; hie inde scyphi
margine foliosi (lophura Ach.).
106 F. Arnold.
C. fimbriata L., simplex W. (tubaeformis Hoff.) et subulata L. (cornuta
Ach.), podetiis apice obtusis.
©. cariosa Ach., pl. normalis: cribrosa Wallr., Wainio 2 p. 50: stipites
albesc., cribrose cariost.
Cetraria islandica, Platysma ceucullatum.
b) Am Holze der Pfosten und Bretter:
1. Usnea barbata L.: pulvinuli steriles, compacti (comp. exs. Arn. 1017,
Arn. Monac. 216).
2. Cladonia deformis L.; 3. Platysma pinastri; 4. Parmeliopsis ambigua ;
5. Imbricaria saxatihs; 6. I. physodes; 7. I. exasperatula.
8. Xanthoria candelaria L., Arn. Jura Nr. 109: apothecia rara et parva;
9. Lecanora subfusca L.; 10. Lecanora varia Ehr.; 11. Lecidea parasema Ach.
Dem Ufer der Trisanna entlang liegen da und dort abgerundete, im Sommer
fast täglich überfluthete Glimmersteine, welche hauptsächlich von Angiocarpen
überzogen sind:
Sphaeromphale areolata Ach., Arn. Tirol XXV p. 387, mit der Varietät
clopimoides Anzi.
Verrucaria latebrosa Kb., Arn. Tirol XXV p. 387 (thallus rimulosus, non
gelatinosus, pallesc., apoth. emerg., sporae 0022—24 mm lg., 0010—12 mm lat.).
Verrucaria elaeomelaena Mass., pl. alpina, Tirol XXV p. 387 (sporae
amplae, 0'030 mm 1lg., 0015 mm lat.).
Verrucaria chlorotica Ach., Arn. Tirol XXV p. 387 (sporae oblongae,
0018—21 mm I1g., 0.007—5 mm lat.).
Eine Strecke weiter flussabwärts reicht ein das Regenwasser aufnehmendes
Rinnsal bis an das Ufer hinab. Auf dem Sande des dortigen, die Böschung
bildenden Steingerölles sind Racomitrium canescens und die beiden Stereocaulon
alpinum Lr. und incerustatum Fl. (c. apoth.) verbreitet. Lecidea promiscens Nyl.,
von hier in Arn. exs. 1585 enthalten, fehlt keinem der zahlreichen Glimmerblöcke.
Hier beginnt auch der Fichtenwald, der sich gegen Valsur und Mathon
(1451 m) hinabzieht und noch vereinzelte Zirben beherbergt. Durch diesen Wald
führt die vor einigen Jahren an der Stelle des früheren Saumweges gebaute
Strasse von Galtür thalabwärts.
a) An der Rinde und den Aesten der dortigen Fichten bemerkte ich nur
die gewöhnlichsten, keinem Walde mangelnden Flechten. Platysma compli-
catum Lr. ist selten; Coniangium luridum Ach. (epith. K rubesc.) am Holze
dürrer Zweige nicht häufig.
b) Unter einem grösseren Felsblocke lagen abgefallene, alternde Fichten-
zapfen (vgl. Arn. München 1891 p. 68, Tirol XXV p. 395), an deren Schuppen
sich Spuren von Cladonien (silvatica L., fimbriata : tubaeformis cum singulis
apotheeiis, et f. cornuta Ach.), ferner Parmeliopsis ambigua, Lecanora pini-
perda Kb., Coniocybe furfuracea und Coniocybe gracilenta Ach. angesiedelt hatten.
c) An lichten Stellen des Waldbodens ist Cetraria islandica mit der Varietät
crispa Ach. nicht selten. Peltidea aphthosa L. kommt mit besonders grossen
Früchten vor; Platysma nivale blos steril; Oladonia: 1. silvatica L.; 2. uneialis L ;
Une
u u tee
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 107
3. deformis L.; 4. bellidiflora Ach.; 5. coccifera L. cum f. phyllocoma Floerke;
6. squamosa Hofl.; 7. erispata Ach.; 8. furcata racemosa Hoff. f. pinnata Fl.,
Wainio 1 p. 332, von hier in Rehm Clad. 430 ausgegeben: est normalis
f. racemosa Hoff. fructifera, podetiis foliolis adspersis; 9. gracilis L., dort die
häufigste Art, pallide virescens, cortice areolato; seyphi margine fructiferi;
podetia non raro subulata, hie inde varie curvula et frigore perdita (abortiva Del.)
aut foliolis adspersa (aspera Fl.); 10. degenerans Fl.; 11. aplotea Ach., sterilis,
scyphifera.
d) Links der Strasse liegt eine Gruppe grösserer, bemooster Glimmer-
blöcke, auf welchen robuste Imbricaria olivetorum Ach., Nyl. (lobi margine sore-
diosi, med. C+), Imbr. saxatilis L. (planta maior, lobis convexis patentibus
[Tirol XXIII p. 104 Nr. 5]), atque a) f. sulecata Tayl. et b) f. panniformis Ach.
gesellig mit Oladonia squamosa verbreitet sind, während Ramalina pollinaria
Westr. die senkrechte Seite der Blöcke bevorzugt.
Ferner kommen hier vor:
1. Xanthoria candelaria f. pygmaea Bory, thallus minute laciniatus, in
Lepram transiens.
2. Physeia pusilla Mass. f. obliterata Somft. suppl. p. 87, Th. Fries Scand.
p. 171; comp. Arn. exs. 1574a, b: nicht häufig: thallus aurantiacus, tenws,
effusus aut macularis, ambitu non effiguratus, lobulis sat minutis imperfectis,
disceretis, apothecia concoloria, habitu biatorino, sporae oblongae, 0 010—12 mm
!g., 0005 mm lat.
3. Rinodina confragosa Ach., R. caesiella Koerb. (thallus granulatus,
albesc., K flavesc., apoth. dispersa, minora, margine integro, albesc., K flav.,
disco fusconigrie., sporae fuscae, non raro cum 2 guttulis subrotundis, 0'015 mm
Ig., 0009—11 mm lat.).
4. Aspicilia recedens Tayl., Nyl. Flora 1879 p. 361, Lamy Cat. p. 85,
Zw. Heidelb. p. 37, Crombie Brit. 1894 p. 469, exs. Norrlin 244: sparsam
an einem Glimmerfelsen: planta cervina, thallus K —, C —, hyph. non amylord.,
apoth. numerosa, urceolata, disco fusco, epith. fuscese., K —, sporae oblong.,
0010—11 mm Ig., 0006—7 mm lat., octonae, fere uniseriatae in asco.
5. Urceolaria seruposa L.; 6. Buellia punctiformis f. aequata Ach., stig-
matea Kb.; 7. Catocarpus atroalbus Wulf.; 8. Catocarpus polycarpus Hepp;
9. Mieroglaena corrosa Kb., Arn. Tirol XXI p. 105.
Der Wald dehnt sich in östlicher Richtung über die Berghalde aus und
nimmt in einem kleinen Seitenthale eine bessere Beschaffenheit an. Die Zirben,
deren nähere Untersuchung mir jedoch nicht möglich war, werden zahlreicher.
Gyrophora vellea L. und Polyblastia pallescens Anzi, Arn. Tirol XXIII p. 102,
wurden an einer feuchten Glimmerwand beobachtet.
Das Jamthal, südlich von Galtür, war einstmals, wie ich nicht zweifle, am
linken Gehänge bewaldet. Noch heute ragt oben aus den Spalten zerstreuter
Felsgruppen da und dort eine einsame Zirbe hervor. Der Abhang ist strecken-
weise mit Rhododendron, Alnus viridis, Juniperus commumis bewachsen.
7. B. Ges. Bd. XLVI. 15
108 F. Arnold.
a) Rhododendron ferrugineum:
1. Alectoria ochroleuca. 12. L. symmictera Nyl. f. saepincola
2. Platysma pinastri. Ach.
3. Plat. saepincola Ehr., ec. ap. 13. Aspreilia einereorufescens Ach.
4. Plat. fahlunense L. 14. Pertusaria oculata Dicks., Arn.
5. Parmeliopsis ambigua W. Tirol XXI p. 130: habitus con-
6. P. hyperopta Ach. venit, K autem thallus non rubese.
7. Imbricaria saxatılis. 15. Biatora Nylanderi Anzi, Arn. Tirol
8. I. encausta Sm. XXV p. 398.
9. I. lanata L. 16. Catocarpus polycarpus Hepp.
10. Lecanora subfusca f. chlarona Ach. | 17. Rhizocarpon geographicum.
11. L. polytropa Ehr. | 18. Rhizocarpon eupetraeum Nyl.
Rhizocarpon eupetraeum Nyl. Flora 1870 p. 36, Hue Add. p. 217, Wainio
Adjum. p. 136: selten: var. hujus speciei, forsan autem species propria: thallus
verruculosus, albesc., C—, K+, lutesc., mox rubesc., hyph. non amyloid., apoth.
parva, epith. olivaceofuse., K—, hyp. fuse., sporae fusc., obtusae, 1—3 septat.,
cum paucıs, 2—7 guttulis, 0015—21mm Ilg., 0007—9 mm lat., octonae. Das
vorhandene kleine Exemplar gestattet keine genauere Untersuchung. Von Rhizo-
carpon coniopsoideum Hepp, Arn. Tirol XXIII p. 87, ist die Flechte durch die
braunen, wenig getheilten Sporen verschieden; die übrigen in Tirol beobachteten
Arten, Tirol XXI p. 142, zeigen nicht die Reaction K+ rubesc.
b) Almus viridis:
Callopisma cerinum Ehr.; Lecanora subfusca; Calicium praecedens Nyl.
c) Juniperus communis:
1. Cladonia pysidata L., seyphi steriles; 2. Platysma pinastri; 3. Imbri-
caria saxatilis; 4. Biatora Nylanderi Anzi.
Als ein dem Fortkommen von Erdflechten günstiger Standort kann das
Jamthal nicht bezeichnet werden. Das steile, kahle und keineswegs leicht zugäng-
liche rechte Gehänge verspricht dem Sammler keinen Erfolg, an der bezeichneten
linken Thalseite aber traf ich weder bei den Alpenrosen, noch weiter oben auf
begrastem oder steinigem, trockenen Boden jene Tirol XIV p. 449, XXII p. 67,
XXV p. 374, erwähnte Flechtenflora in entsprechender Vollständigkeit an:
1. Cladonia cerispata Ach. f. dilacerata Schaer., Wainio 1 p. 388, und
die übrigen, keiner solchen alpinen Halde mangelnden Cladonien.
2. Sticta linita Garov. auf Erde und besonders über Glimmerblöcken im
Schatten von Almus viridis; 3. Rinodina mniaraea Ach.; 4. Secoliga carneonivea
Anzi und 5. Microglaena sphinctrinoides Nyl. über veralteten Pflanzenresten.
An den am Gehänge etwas weiter aufwärts, ungefähr in gleicher Höhe
mit der Jamthalhütte befindlichen, schon in einiger Entfernung sichtbaren
Glimmerfelsen mit den einsamen Zirben ist die alpine Beschaffenheit der Flora
mit grösserer Bestimmtheit, als in der Umgebung von Galtür ausgeprägt. Da
die Aufzählung sämmtlicher damals beobachteter Arten im Wesentlichen lediglich
Te
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 109
die Wiederholung früherer Verzeichnisse enthalten würde, so beschränke ich mich
auf die Anführung einiger Leeideen:
1. Psora aenea Duf.; 2. Psora atrobrunnea Ram.; 3. Lecidea armeniaca
DE., Arn. Tirol XXI p. 133, XXIII p. 113.
4. Lecidea aglaea Somft., Arn. Tirol XXIII p. 84: thallus C —, K leviter
flavese., apoth. atra, nitida, epith. obscure viride, ac. nitr. coloratum, hyp. incol.,
sporae oblong., 0'015 mm Ig., 0'006 mm lat., spermog. atra, punctif., spermatia
recta, 0006—7 mm 1g., 0001—15 mm lat.
5. L. lacticolor Arn. Tirol XXI p. 134, XXIII p. 113; 6. L. distans Kplh.,
Arn. Tirol XXI p. 134, XXIII p. 112.
7. L. obscurissima Nyl.: von einem Felsen, an welchem die Flechte be-
sonders häufig war, in Arn. exs. 1586 aufgenommen.
8. L. Dicksonii Ach., neben Acarospora sinopica Wbg.; 9. L. lactea Fl.,
pl. vulgaris und f. sublaetea Lamy ohne Uebergang nebeneinander; 10. L. silacea
Ach.; 11. Sporastatia testudinea Ach.; 12. Sp. cinerea Schaer.
13. Catocarpus atratus Sm., Arn. Tirol XXI p. 141, XXIII p. 115: neben
Lecidea obscurissima, doch weit seltener: planta nigricans, epith. obsceure viride,
K—, hyp. fuse., sporae sat obscurae, nigrie. fuse., 1 septat., 0'012—16 mm I1g.,
0'008 mm lat.
ichothecium pygmaeum Kb. auf Lecanora polytropa Ehr.
Polycoccum Sporastatiae Anzi: auf beiden Sporastatia-Arten: perithee.
fuse., sporae fuse., nigrie. fuse., elongato-oblong., 1 septat., 0016—18 mm 1g.,
0:006 mm lat., uni- et biseriatae in ascis subeylindrieis.
Flechten aus den Familien der Graphideen, Calicieen, Angiocarpen und
Collemaceen habe ich damals an jenen Felsen nicht gesehen. Im Felsengeklüfte
haben sich die Moose Tetraplodon mmioides und angustatus mit vereinzelten
Räschen erhalten.
In der Umgebung der Jamthalhütte verlieren die der Lichenenflora so
nachtheiligen Einwirkungen der Cultur und des Waldabtriebes ihre Geltung.
Als ich am 8. August 1893 bei der Hütte angekommen war, konnte ich zwar
einige der dortigen zahlreichen Glimmerfelsen, deren senkrechte Seiten ganz
besonders ins Auge zu fassen sind, besichtigen:
1. Gyrophora cinerascens Ach., von hier | 4. Leeidea armeniaca DÜ.;
inArn. exs. 1579 b aufgenommen; | 5. Sporastatia testudinea Ach.;
2. Physcia elegans; 6. Catocarpus sphaericus Schaer., Arn.
3. Pleopsidium chloroph. f. oxytonum Tirol XXV p. 384;
Ach.; 7. Tichothecium ventosicolum Mudd;
ein kleines Exemplar der Gyrophora deusta L. (Tirol XVII p. 543 Nr. 15)
auf Rhododendron ferrugineum;
allein bald zog der nahe Jamthalgletscher die Aufmerksamkeit auf sich und ich
“glaubte mich schon desshalb dahin wenden zu dürfen, weil die Vegetation in
der unmittelbaren Nähe der Gletscher noch immer nicht genügend ermittelt ist,
15*
110 F. Arnold.
Die frühere, gegen Osten gewendete Gletscherzunge hat eine kahle, vom
Abflusse des Gletschers durchzogene Mulde zurückgelassen, welche dort, wo gegen-
wärtig der Gletscher endigt, vegetationslos ist; auch auf den Steinen des Baches
wachsen keine (dem blossen Auge sichtbare) Algen. Erst ungefähr 200 Schritte
vom Eise entfernt beginnen die vereinzelt und zerstreut stehenden Phanerogamen:
Ranunculus glacialis, Saxifraga muscoides,
Arabis alpina, Sazifraga bryoides,
Cardamine alpina, Sedum atratum,
Cardamine resedifolia, Gnaphalium supimum,
Sagina saxatilıs, Chrysanthemum alpinum,
Cerastium alpinum, Linaria alpına,
Geum reptans, Oxyria digyna,
Epilobium alpınum, Poa alpina,
Saxifraga stellarıs, Poa lasxa.
Die ersten Anfänge von sterilem Racomitrium canescens und Bryum
tauchen auf. Polytrichum piliferum spärlich fruchtend; Lichenen fehlen.
Eine Strecke weiter lag am Bachufer ein Glimmerblock, welchem das Datum
9. September 1891 mit rother Farbe aufgeschrieben war. In der Nähe wuchsen:
Silene acanulis, Aronicum glaciale,
Saxifraga aizoides, Myosotis alpestris,
Saxifraga oppositifolia, | Veronica alpina.
Auf kleinen Steinen im Bache erschien eine bachabwärts häufiger werdende
grünbraune Alge.
Die Zahl der Phanerogamen nahm allmälig zu. Die ersten Flechten,
welche ich bemerkte, waren Stereocaulon alpinum in niedrigen, zerstreuten
Räschen und ein Exemplar von Amphiloma hypnorum Vahl, Arn. Tirol XXI
p- 120. Bald darauf Solorina crocea und Pannaria pezizoides Web., beide selten.
In der Nähe:
Arabis bellidifolia, | Leontodon hastilis,
Lotus corniculatus, ‘ Campanula Scheuchzeri,
Alchemilla, | Polygonum viviparum,
Epiobium angustifolium, Salix helvetica,
Sempervivum montanum, Salix serpyllifolia,
Saxıifraga aizoon, ' Salıw reticulata,
Saxifraga muscoides, Alnus viridıs,
Homogyne alpina, Sesleria disticha,
Petasites niveus, Luzula spadicea,
Artemisia spicata, | Polystichum filix mas,
Achillea moschata,
Senecio carniolicus,
| Asplenium file femina.
| p
|
Diese beiden Farren steril, handhoch und sehr sparsam; Alnus viridis
noch jung und kaum fusshoch,
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 11
Ein in die Länge gedehntes, bis 4m hohes Felsmassiv ragt nunmehr am
Bache hervor, und hier hatten sich gegen Westen, also in der Richtung gegen
den eine Viertelstunde entfernten Gletscher, einige Flechten angesiedelt:
1. Imbricaria saxatilis; 2. physodes: beide selten und steril; 3. Parmelia
caesia Hoffm., steril und sehr vereinzelt; 4. Gyrophora eylindrica L., steril und
c. ap., bis 2cm breit; 5. Physeia elegans: selten und dürftig; 6. Lecanora poly-
tropa Ehr.;, 7. Aspieilia sangwinea Kplh. (ebenso dürftig wie am Waxegg-
Gletscher, Tirol XXIV p. 257); 8. Lecidea promiscens Nyl.: etwas häufiger als
die übrigen Arten; 9. Catocarpus polycarpus Hepp: nur dürftig; 10. Rhızo-
carpon geographicum: jugendliche Exemplare mit breiterem Protothallus.
An Felsen auch Weisia erispula ce. fr.
Zwischen jenem Blocke (9. September 1891) und diesem Felsrücken hatten
da und dort sterile akrokarpe Laubmoose auf dem steinigen Boden Platz gefunden,
nach Dr. Holler’s Bestimmung: Ceratodon purpureus, Racomitrium canescens,
Racom. fasciculare, Racom. protensum, Webera polymorpha, W. albicans f. gla-
cialis, Bryum ceirrhatum, Br. turbinatum, Br. Schleicheri, Polytrichum juni-
perinum. Nur ein weiteres Bryum und Polytrichum piliferum besassen Frucht-
kapseln. Nirgends an den Steinen im Bache bemerkte ich ein Hypnum.
Auf dem groben Glimmergerölle, welches sich an dieses Felsmassiv an-
schliesst, noch folgende Phanerogamen:
Silene rupestris, Bartsia alpina,
Silene inflata, Empetrum nigrum,
Epilobium Fleischeri, Salix glauca,
Adenostyles albifrons, Betula pubescens,
Senecio carniolicus, Alnus viridis,
Hieracium alpinum, Pinus larix,
Rhododendron intermedium, Juncus Hostü.
Das Gebiet der ehemaligen Gletscherzunge geht nunmehr zu Ende. Am
Rande seitwärts werden Stereocaulon alpinum in handbreiten und Racomitrium
canmescens in noch breiteren Rasen häufiger.
Es wurden sonach 56 Phanerogamen, zwei Farren, 13 akrokarpe Laub-
moose, 14 Flechten und kein Lebermoos auf einem Boden angetroffen, welcher
vor nicht allzu langer Zeit noch mit Eis bedeckt war. Wann das Zurückgehen
des Jamthalgletschers begonnen hat, ist mir nicht bekannt. Beachtenswerth aber
ist der Umstand, dass die auf begrastem Boden stehenden, 2—3 m hohen Fels-
blöcke, welche die scharf abgeschnittene, jetzt eisfreie Ostgrenze des früheren
Gletschers umsäumen, über und über mit Flechten bewachsen sind, unter denen
Physcia elegans, Haematomma ventosum, Lecidea armeniaca, Rhizocarpon
geographicum besonders in die Augen fallen. Diese letztere Flechtenvegetation
stammt keineswegs aus neuerer Zeit, sondern war, wie meines Erachtens nicht
zu bezweifeln ist, schon vorhanden, als das Gletschereis nur einige Schritte davon
entfernt war.
112 F. Arnold.
XXVIII. Wolkenstein.
Ein achttägiges Verbleiben zu Wolkenstein in Gröden (23.—27. August 1893
und 18.—20. August 1895) sollte blos dazu dienen, einen allgemeinen Ueberblick
über die dortige Gegend zu gewinnen. Die ringsum anstehenden Dolomitmassive
(Mesules 3000 m, Geisslerspitzen 3027 m, Langkofel 3178 m), von welchen das
erstere, besser von Corvara aus zu besteigende Hochplateau ganz besonders die
Theilnahme der Lichenologen verdienen wird, sowie jene weiss schimmernden, von
Wolkenstein noch sichtbaren letzten Höhen des langen Thales können allerdings
von mir nicht mehr in Betracht gezogen werden. Die nähere Umgebung von
Wolkenstein (1563 m) aber bringt den Eindruck einer gewissen Ermüdung der
Vegetation hervor, von welcher hauptsächlich die Steinflechten getroffen sind.
1. 23. August 1893. Sellajoch, 2218 m; beim Weiler Plan zweigt der
steinige Karrenweg ab und führt an einem mageren Waldstreifen vorüber zur
Jochhöhe hinauf. Krummholz, Fichten und Zirben bieten dort keinen Schatten.
An einem Dolomitblocke Thelidium dominans Arn. Tirol XXI p. 148, XXIII
p. 138, von hier inArn. exs. 1593 ausgegeben.
Dem Wege gegenüber am Fusse der Fünffingerspitze liegt ein ausge-
trocknetes, völlig kahles, grobes Felsengerölle, welches, zumal von der Jochhöhe
bis zur Rodella hinüber ausgedehnte Wiesen das Gestein überdecken, als der zu-
nächst gelegene Flechtenstandort erachtet werden kann.
Species saxicolae:
1. Parmelia caesia. 12. Siegertia Weisii Schaer.
2. P. obscura : lithotea. 13. Endocarpon mimatum L. atque
3. Physcia elegans, atque var. granu- f. complicatum Sw.
losa Schaer. — compacta Arn. | 14. Lithoicea tristis Kplh. et f. depaupe-
Flora 1881 p.306, Tirol XXIIp. 68. rata Mass.
4. Callopisma aurantiacum Lehtf. 15. Verrucaria caerulea Ram.
5. Gyalolechia aurella Hoff., Arn. 16. Amphoridium Hochstetteri Fr., pl.
6. Lecanora dispersa Pers. alpina.
7. Jonaspis melanocarpa Kplh. ı 17. Amphoridium dolomiticum Mass.
8. Biatora rupestris Se.: f. inerustans | 18. Thelidium decipiens f. serobieulare
DC. atque f. calva Dicks. | Garov.
9. Biatora fuscorubens Nyl. 19. Collema multifidum Scop.
10. Lecidea immersa Web. | 20. Lethagrium polycarpon Schaer.
11. Lecidea enteroleuca Ach., Nyl.: (sporae saepe 1 septat.).
f. atrosanguwinea Hepp, 21. Tichothecium pygmaeum Kb. auf
f. granulosa Arn. Physcia elegams.
Species terrestres:
1. Oladonia rangiferina, auf bemoosten | 4. O. pyxidata L.
Blöcken in der Nähe der Zirben. | 5. ©. fimbriata L. f. cornuta Ach.,
2. ©. silvatica, ebenso. planta macra.
3. O. ceoceifera: thallus, 6. Thamnolia vermicularis.
Eu Se
Lichenologische Ausflüge in Tirol.
113
7. Cetraria islandica. 16. Thalloidima caeruleo -nigricans
8. Platysma juniperinum L., terrestre. Lghtf.: planta alpina, thallus pal-
9. Platysma nivale. lide glaucescens, epith. fuligin.,
10. Parmelia pulverulenta f. muscigena hyp. fuscesc., sporae fusiformes,
Ach. 1 septatae, 0'015—17 mm Ig.,
11. Peltigera rufescens Neck. 0003 mm lat.
12. Pannaria pezizoides Web. 17. Psora decipiens Ehr.
13. Psoroma gypsaceum Sm. 18. Biatora Berengeriana Mass.
14. Rinodina mmniaraea Ach. 19. Placidium cartilagineum Nyl.f.dae-
15. Rin. mniaraeiza Nyl., Arn. Tirol daleum Kplh.
XXIII p. 132: thallus et margo | 20. Placidium hepaticum Ach.
apotheciorum K. flavese., sporae | 21. Catopyrenium cinereum Pers.
0.021—24 mm 1g., 0012 mm lat.
Species museicolae et herbicolae:
1. Callopisma cerinum f. stillieidiorum. | 5. Urceolaria seruposa f. bryophila Ehr.
2. Blastenia Jungermanniae Vahl. 6. Biatora atrofusca Flot.
3. Dlastenia leucoraea Ach. | 7. Lecidea Wulfeni Hepy.
4. Aspieilia verrucosa Ach. 8. Cercidospora verrucosaria Linds.
Blastenia Jungermanniae Vahl, Th. Fries Scand. p. 179, Arn. Tirol
XXI p. 123: gut ausgebildet, apotheeiis numerosis, sat confertis, auf einem Blocke
am Saumwege: sporae oblongae, 0015—21 mm lg., 0007—8 mm lat., octonae.
Cereidospora verrucosaria Linds., Arn. Jura 1890 p. 48, exs. Rehm
Ascomye. —: parasitisch auf dem Thallus von Aspieilia verrucosa hie und da:
paraph. capillares, spor. incol., subfusiformes, 1 septat. cum 2—4 guttulis,
0:015—16 mm 1g., 0'005 mm lat., 8 in ascis cylindricis (von diesem Standorte in
Rehm Ascomyc. — aufgenommen).
Auf dem vorstehenden Stengel unterhalb der Blattrosette von Draba
tomentosa, welche im Sommer noch geblüht hatte, Spuren von Parmelia pulveru-
lenta f. muscigena Ach., Callopisma pyraceum f. mierocarpon Anzi und Lecanora
Hageni Ach., apoth. pruinosa, margine albido, subintegro.
Auf abgedorrten Blattrosetten der Sawifraga squarrosa:
f. mierocarpon Anzi.
Parmelia obscura Ehr. f. virella Ach. hatte von einem niedrigen Dolomit-
felsen, der von Pinus Cembra überragt war, in ziemlicher Menge Besitz ergriffen;
die nur sterile Flechte wurde am 19. August 1895 für Arn. exs. 1649 mit-
genommen. Xanthoria candelaria L., Arn. Jura Nr. 109 und Pinaecisca simalis
Callop. pyrac.
_ Mass. gedeihen in der Nähe an diesem der Trockenheit weniger ausgesetzten
Dolomitgesteine.
2. 24. August 1893. Am Wege zu der nördlich von Wolkenstein am Fusse
der Geisslerspitzen im Tschislesthale erbauten Regensburger Hütte (2040 m)
kommt man durch einen lichten Zirbenwald. Hier bemerkte ich nur die gewöhn-
lichen Waldflechten. Auch eine Strecke weiter thalenwärts, dort, wo unterhalb
114 F. Arnold.
der Hütte die auf den Dolomitfelsen gewachsenen Zirben das Gestein mit ihren
Wurzeln umklammern, vermochte ich an Rinde und dürren Aesten lediglich
Arten, welche keinem Zirbenwalde mangeln, anzutreffen:
1. Usnea barbata L. cum f. hirta L. 7. Imbricaria physodes L. atque f. la-
2. Evernia furfuracea L.: laciniae brosa Ach.,
breviores, erassae, rigidae. 8. Ochrolechia pallescens L. f. albo-
3. Evernia vulpina. flavescens W., Arn. Tirol XXV
4. Platysma chlorophyllum Humb. p. 392.
5. Platysma pinastri. | 9. Lecanora subfusca f. chlarona Ach.
6. Imbricaria saxatilis f. furfuracea | 10. L. varia Ehr.
Schaer., unten am Stamme: apo- | 11. L. mughicola Nyl.
theeüs sat magnis. 12. Buellia parasema f.saprophila Ach.
An den Balken einer Heuhütte am Rande des Zirbenwaldes:
1. Evernia furfuracea L. 4. Lecanora varia Ehr.
2. Xanthoria candelaria L., Arn. Jura | 5. Biatora turgidula Fr.
Nr. 109. 6. Acolium tigillare Ach.: spor. 1 septat.
. Callopisma pyraceum Ach.
In diesem Walde stehen bald da, bald dort mehr oder weniger bemooste
Dolomitfelsen an. Hier auf alternden oder bereits abgedorrten Lebermoosen
(Metzgeria pubescens): Bilimbia sphaeroides Dicks., Th. Fries Scand. p. 369,
Arn. Tirol XXI p. 138, und Dactylospora Arnoldi Rehm in Rabenh. Krypt.-
Flora 1891 p. 382, Daectylospora —, Arn. Jura Nr. 623: vereinzelte Apothecien
zerstreut auf dem Lebermoose: apoth. minuta, lecideina, atra, plana, ep. hyp.
fuse., hym. incolor, paraph. conglutinatae, sporae fuscae, rectae vel levissime
curvulae, utroque apice obtusae, 3 septat., non raro cum 4 guttulis, 0018—22 mm
Ig., 0.005—6 mm lat., S biseriatae in ascis oblongis.
Ferner auf alterndem Aypnum: Bilimbia accedens Arn. Jura Nr. 333,
Tirol XXI p. 139, nicht häufig: apoth. nigricantia, convexa, epith. obscure
viride, acido nitr. coloratum, hyp. fuscesc., sporae 7—9 septat., 0036—45 mm Ig.,
0:006—7 mm lat.
An beschatteten Felsen ist jene schwefelgelbe Lepra (thallus K + sanguin,)
nicht selten, welche mit der Lepra chlorina Ach. (thallus K —) auf Kieselgestein
sicher nicht verwandt, jedoch möglicher Weise als Abkömmling einer Physcia zu
betrachten ist.
Zu einer näheren Untersuchung des Zirbenwaldes reichte die Zeit nicht
hin. Eine Strecke weiter senkt der Fussweg sich gegen den Bach hinab, bei
welchem auf einem Dolomitfelsen:
©
l. Physcia elegans. 6. Aspierlia calcarea : conereta Schaer.
2. Physeia eirrhochroa Ach., steril. 7. Biatora rupestris Sc.
3. Pyrenodesmia variabilis Pers. 8. Siegertia Weisü Schaer.
4. Psoroma erassum Huds. 9. Endocarpon miniatum et f. im-
5. kinodina Bischoffii Hepp f. im- briecatum Mass.
mersa Kb. 10. Verrucaria eaeruwlea Ram.
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 115
11. Verrucaria caleiseda DU. | 13. Lethagrium multipartitum Sm.
12. Polyblastia discrepans Lahm f.dila- | 14. Endococcus sphinctrinoides Zw.
tata Arn.
Endoecoceus sphinctrinoides Zw. in Flora 1864 p. 88, Heidelbg. p. 80,
Arn. Flora 1874 p. 140, 1877 p. 301, exs. Zw. 492 (var. immersae Arm. Tirol
XIII p. 282, XXI p. 153, Flora 1874 p. 174): der auf den Fruchtscheiben der
Physcia elegans vorkommende Parasit wurde von Herrn Prof. Zopf genauer
untersucht; die jüngeren Apothecien sind vom Parasiten bedeckt und daher schwarz:
apothecia atra, globoso emersa, non raro conglomerata, perithee. fuse., integrum,
sporae incol., elongato-oblong., obtusae, 1 septat., hie inde cum 1—3 guttulis,
0'018 mm 1g., 0'005—6 mm lat., octonae in ascis subeylindrieis (Endococeus
atryneae Arn. Flora 1882 p. 410, Tirol XXIII p. 115, exs. Zw. 674, sporis minori-
bus differt).
Die Vegetation der inner- und ausserhalb der Alpen den Kalkwänden vor-
gelagerten Schutthalden ist noch wenig bekannt (vgl. Tirol XI p. 491, XXIII
p. 134). Ein östlich unterhalb der Regensburger Hütte am jenseitigen Abhange
befindliches Geröllfeld zeichnete sich durch Flechtenarmuth aus. Ungeachtet
längeren Suchens vermochte ich blos Aspieilia flavida Hepp f. detrita Arn. Tirol
XXT, p. 128, Lecidea caerulea Kplh., Lithoicea tristis Kplh. und Amphoridium
dolomiticum Mass., sämmtlich selten und mager entwickelt, zu erblicken.
3. Am folgenden Tage, 25. August 1893, ging ich von Wolkenstein durch
den Fichtenwald hinauf bis an den Fuss des Langkofels, dessen Steilwand hier
auf 1200 m veranschlagt werden darf. Unterhalb dieser gegen Norden gerichteten
Wand dehnt sich eine aus Steinen, kleineren und grossen Dolomitblöcken be-
stehende Schuttbalde hin, deren Flechtenflora auf bescheidene Grenzen angewiesen
ist. Thelidium dominans Arn., von hier in Arn. exs. 1594 aufgenommen, über-
trifft an Häufigkeit die übrigen, dort vorkommenden Arten, von welchen zu
nennen sind:
2. Lecidea lithyrga Fr. alpina).
3. Encephalographa cerebrina Ram., | 5. Thelidium pyrenophorum Ach.
Arn. Tirol XXV p. 372, pl. nor- | 6. Thelidium decipiens Hepp f. scrobi-
malis, thallus albescens. culare Garov.
1. Lecidea caerulea Kplh. 4. Amphoridium Hochstetteri Fr. (pl.
Dem untersten Theile der Langkofelwand entlang vermögen ungeachtet
der kalten Lage noch immer etliche Flechten sich fortzubringen. Der Schnee
bleibt daselbst lange erhalten und nicht weit von der Stelle, an welcher ich die
nachstehenden Flechten sah, lag noch eine Eismasse am kahlen Gestein.
Eı. Callopisma aurantiacum Lehtf. Tirol XVI p. 395: thallus albesc.,
f. nubigenum Arn. Tirol XXI | apoth. rufofusca, fere migrre.,
p. 129; speeimina parum evoluta. epith. rufescens, K —, hyp. incol.,
2. Psoroma gypsaceum Sm. sporae 3 septat., 0015 —16 mm Iq.,
3. Lecanora dispersa Pers. - 0:0035—4 mm lat.
4. Lecania Nylanderiana Mass., Arn. | 5. Pinacisca similis Mass.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 16
116 F. Arnold.
6. Jonaspis Prevostü Fr. f. patellula | 10. Endocarpon miniatum f. compli-
Arn. Tirol XXII p. 83. catum Sw.
7. Biatora rupestris Se. 11. Microthelia cartilaginosa Arn.Tirol
8. Lecidea rhaetica Hepp. XXII p. 83.
9. Lecidea enteroleuca Ach., Nyl. | 12. Polyblastia albida Arn., pl. alpina,
f. atrosanguinea Hepp. thallo minus evoluto, spor. speeiei.
An der senkrechten Wand bis zur Höhe von etwa 30 m zeigten sich unregel-
mässige, weissliche, hie und da fast tellerbreite Scheiben, welche durch Psoroma
gypsaceum Sm. und, wie ein herabgefallener Stein lehrte, hauptsächlich dureh
Psoroma Lamarkii DC. (vgl. Tirol XXI p. 123, XXIV p. 263) veranlasst sind.
Darüber hinauf ist eine weitere Lichenenvegetation nicht mehr erkenntlich,
sondern es ist das Gestein stellenweise nur noch von der blaugrauen, feucht
schwärzlichen Alge überzogen, welche innerhalb und ausserhalb der Alpen die
Kalkwände färbt. Psoroma Lamarkii aber scheint an den senkrechten Wänden
der Grödener Dolomitberge ziemlich verbreitet zu sein und wurde im August
1895 von Herrn Prof. Zopf auch im langen Thale nördlich von Wolkenstein mit
Apothecien beobachtet.
Jedem Besucher der Kalkalpen sind die kleinen Höhlungen bekannt, welche
da und dort an einem Gehänge sich aufthun. Ich erinnere an die Höhle ober-
halb Trinser Markung (Tirol VI, XIV p. 477). Auch am Fusse des Langkofels
kam ich an zwei solche Gewölbe, deren Gestein zufolge des herabtropfenden
und sickernden Wassers mit Moospolstern und Rasen ausgekleidet ist. Von allen
dort bemerkten Arten wurden Proben mitgenommen, deren Bestimmung Herr
Dr. Holler in Memmingen vornahm. Im Briefe vom 8. November 1895 theilt
er darüber mit:
1. Gymnostomum rupestre Schw., in mehreren Formen: so als var. ramo-
sissimum Br. eur. fruchtend und steril in hellgrünen, bis 7 cm hohen Polstern;
auch niedriger in olivgrünen Rasen. Ausserdem noch als forma byssacea mit
stark verlängerten Internodien, durchzogen von dichtem Protonema-Geflecht. Die
sämmtlichen untersuchten Exemplare besitzen den runden Stengelquerschnitt,
durch den sich auch die sterilen Formen dieser Art von dem oft habituell ganz
ähnlichen Hymenostylium curvirostre unterscheiden lassen.
2. Anoectangium Hornschuchianum Fek., spärlich, steril.
3. Distichium capillaceum L., in Fructification mit abgeworfenen Deckeln.
4. Bryum pseudotriquetrum Hedw., sterile schlaffblätterige Rasen.
5. Mnium orthorrhynchum B. Sch., kümmerlich und steril, die Rasen
mit Timmia bavarica und Sauteria alpina durchsetzt.
6. Mnium hymenophylloides Hüb., in schönen, aber wie immer sterilen Rasen.
7. Philonotis fontana L., eine sterile, ziemlich kurzblätterige, schlank-
ästige Form.
8. Timmia bavarica Hess., als Normalform fruchtend und als var. salıs-
burgensis steril, letztere in Gesellschaft von Brachythecium Starkü und Brach.
reflewum.
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ee
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 117
9. Pseudoleskea atrovirens f. brachyelados Schw., steril in gelblichgrünen,
ziemlich derben Räschen.
10. Orthotheeium rufescens Dicks., in drei sterilen Formen: einer kleineren,
wenig ästigen, gedrängt blätterigen, habituell dem O. chryseum sich nähernden;
einer grösseren, lockeren, länger beblätterten, röthlich schimmernden Form;
endlich noch einer schmächtigen, hellgrünlichgelben Form, deren Blätter fast
einseitswendig sind und die sich hiedurch der folgenden Art nähert.
11. Orthothecium intricatum Hartm., steril mit eingemengtem Gymno-
stomum rupestre.
12. Eurhmehium velutinoides Br., ein steriles, Pylaisia ähnliches Moos,
ist nach Blattrand und Zellnetz hier unterzubringen.
13. Eurhymehium Vaucheri Schp. var. julaceum Sch. (E. histrio Molendo,
Bayerns Laubmoose Nr. 410), steril in Gesellschaft von Sauterva.
14. Brachythecium Starkii Brid., einzelne sterile Stämmcehen zwischen
Timmia bavarica und der folgenden Art.
15. Brachythecium refleeum W. M., steril.
16. Hypnum stellatum Schreb., steril mit H. subsuleatum Sch.
17. Hypnum eurvicaule Jur., in flachen, gelbgrünen, sterilen Rasen.
18. Hypnum filieinum L.: niedrige, ausnehmend zarte, sterile Rasen.
Paraphyllien spärlich, Blattbau und Zellnetz dagegen normal.
19. Hypnum sulcatum Sch. var. subsulcatum Sch., steril in Gesellschaft
von H. stellatum.
20. Jungermannia acuta N, spärlich und steril zwischen G@ymnostomum
rupestre.
„Bemerkenswerth ist, dass nur drei von den aufgezählten 20 Arten fruchten
und die meisten derselben, soweit sie nicht schon von vorneherein anerkannte
Varietäten darstellen, vermuthlich nach dem Grade von Belichtung und Be-
feuchtung formenreich sind.“
Der Rückweg wurde, um noch einige Zirben besichtigen zu können, in
östlicher Richtung genommen. Dieselben verdorren langsam auf dem steinigen,
trockenen Boden, ein Nachwuchs ist nicht zu erblicken. Auf dem Holze eines in
die Wurzel übergehenden Stammstückes war Buellia parasema Ach. f. saprophila
Ach. so zahlreich, dass sie für Arn. exs. 1598 gesammelt werden konnte. Als
weitere Repräsentanten der dortigen Zirbenflora können angeführt werden:
1. Usnea barbata. 5. Biatora turgidula Fr.
2. Alectoria jubata. 6. Lecidea parasema Ach.
3. Imbricaria exasperatula Nyl. 7. Buellia punctiformis Hoff.
4. Ochrolechia tartarea : androgyna | 8. Xylographa parallela Ach.
Hoff.
Lecanora subintricata Nyl., Arn. Tirol XXI p. 127, exs. Anzi 512, Zw.
1046, 1047: auf dem Holze eines Zirbenstammes: thallus subnullus, apoth. fusco-
nigricantia, juniora fuscesc., epith. fuse., sporae oblong., 0'012 mm lg., 0'004 mm
lat., spermatia recta, 0004—5 mm Ig., 0°'0005 mm lat.
162
118 F. Arnold.
Cladonia cenotea Ach., auf dem morschen Holze eines Zirbenstrunkes.
Auf einem Fichtenstrunke Clad. deformis L. mit Biatora gramulosa Ehr.
Imbricaria exasperatula Nyl. an Larix-Zweigen.
4. Bei Plan (1613 m) beginnt der Jochsteig auf das Grödener Jöchl
(2137 m), zu- welchem ich am 27. August 1893 hinaufging.
An blossgelegten Sandsteinen am Steige östlich ober Plan Lithorcea nigre-
scens Pers. und Verrucaria rupestris Schrd., Arm.
Dem Steig entlang trifft man von Plan herauf ein und das andere Mal
auf Erde in der Nähe von Dolomitblöcken Peltidea venosa L. und Solorina sac-
cata f. spongiosa Sm.; Bilimbia sphaeroides Dicks. über alternden Moosen.
Im mageren Nadelwalde liegt noch da und dort ein morscher Baumstrunk.
An solehen Larix-Stumpfen: Cladonia squamosa Hoff., sterile Psora ostreata
Hoff., Oalieium trabinellum Schl., Coniocybe furfuracea L.
An faulem Fichtenholze sterile Oladonia bacilliformis Nyl., Arn. Tirol
XXI p. 114, Wainio Clad.:2 p. 428.
Von Fichtenzweigen hängt Usnea microcarpa Arn. herab, vorwiegend steril,
selten cum apoth.
Weiter oben in der Thalmulde der Ferrara-Alpe gegen die Heuhütten
wachsen die Zirben abermals auf den grossen Dolomitblöcken des Wiesengrundes;
hier über der bemoosten Wurzelrinde einer Zirbe steriles Mallotium myochroum Ehr.
Die senkrechten Seiten jener von Zirben überwachsenen Felsen sind nicht
reich an Flechten; zu erwähnen sind:
1. Placynthium nigrum Huds.: thallus 9. Lecidea rhaetica Hepp.
sat erassus, sterilis. 10. Leecidea caerulea Kplh.
2. Physeia cirrhochroa Ach. 11. Lecidea lithyrga Fr., Arn.
3. Physcia obliterans Nyl. 12. Siegertia Weisü Schaer.
4. Psoroma Lamarkiü DC. (steril und | 13. Eincephalographa cerebrina Ram.
selten). 14. Enndoe. miniatum f. complicatum Sw.
5. Psoroma gypsaceum Sm., €. ap. 15. Lethagrium Laureri Flot.
6. Acarospora glaucocarpa Whg. 16. Lethagrium multipartitum Sm.
7. Thalloidima candidum Web. ' 17. Collema multifidum Scop.
8. Psora lurida Sw. 18. Leptogium diffractum Kplh.
Unter den Species terrestres et muscicolae dieser 3—6 m hohen Dolomit-
felsen sind zu nennen:
1. Cladomia silvatica L.
| 6. Peltigera rufescens Neck.
2. ©. pysidata L.: simplex et syntheta 7. Pannaria pezizoides Web.
Ach. 8. Physcia elegans Lk., vom Gestein
3. Platysma cucullatum. | über Grimmia anodon sich aus-
4. Parmelia pulverulenta f. muscigena | dehnend.
Ach.: usque ad 15 cm lata, thallus | 9. Callopisma cerinum f. stillieidiorum
subviolaceus et albescens. | atque f. flavum Anzi (supra Hyp-
5. Peltigera malacea Ach. | num rugosum).
nd
| Lichenologische Ausflüge in Tirol. 119
10. Blastenia leucoraea Ach. | 15. Bilimbia sabuletorum Fl.
11. Blastenia tetraspora Nyl.,, Arn. | 16. Bilimbia obscurata Smft.
Tirol XXI p. 123: sporae latae, \ 17. Polyblastia Sendtneri Kplh.
0:024—30 mm 1g., 0012—15 mm \ 18. Thelopsis melathelia Nyl.
lat., quaternae. 19. Leptogium sinuatum H. f. alpinum
12. Secoliga foveolaris Ach. Kplh., Arn. Tirol XXI p. 150.
13. Biatora sangwineoatra Wulf. 20. Leptogium atrocaeruleum f. pulvi-
14. Lecidea Wulfeni Hepp. natum Hoff.
Einzelne Apothecien von Callopisma cerinum f. stillieidiorum Horn. haben
vom Thallus der Peltigera rufescens Neck. Besitz ergriffen.
Arthopyrenia glebularum Arn. Jura Nr. 656 bildet kleine schwarze Punkte
auf den Thallusschollen von Thalloidima caeruleonigricans.
Eine kleine Pharcidia lebt parasitisch auf Thallusblättchen der Cladonia
Pyaidata.
Muellerella (Rosellinia) alpestris Zopf in lit. (n. spec.): auf dem Thallus
der Acarospora glaucocarpa.
Nieht allzuweit vom Jöchl entfernt gedeiht an einer steinigen Stelle Di-
melaena nimbosa Fr. f. phaeocarpa Fl., Arn. Tirol XXIII p. 137 (est planta
apotheciis nudis, epruinosis), und in der Nähe auf Dolomitgestein Pyrenodesmia
chalybaea Fr.
Der oberste Theil des Grödener Jöchls besteht aus Wiesen.
3 5. Die Südtiroler Eruptivgesteine treten in der Landschaft um Wolken-
- stein nur wenig zu Tage. Ein kahler Felsrücken östlich vom Langkofel versprach
_ keine Ausbeute. Am Wege zur Seisseralpe befindet sich ein Augitporphyrgerölle,
- auf welchem Aspieilia cinereorufescens Ach. f. sangwinea Kylh. verbreitet ist: von
bier in Arn. exs. 1584 ausgegeben; dort auch Pannaria microphylla Sw. und
Blastenia lamprocheila DC. An der Strasse von Wolkenstein nach Plan wächst
Placodium alphoplacum Wbg. an dem grossen Augitporphyrblocke.
Am kahlen Gehänge bei Plan gegen das Sellajoch sind zahlreiche Steine
und Blöcke dieses Gesteins zerstreut; hier insbesondere:
1. Placodium alphoplacum Wbg., c.ap. | 14. Sporastatia testudinea Ach.
2. Rinodina sophodes Ach. (pl. saxi- | 15. Be saxatilis Sch. f. insularis
cola, alpina).
3. Lecan. atra H., 4. badia, 5. cenisia
Ach., 6. sordida, 7. polytropa.
8. Aspieilia einerea L.
9. Pertusaria lactea W.
10. Lecidea confluens Fr., 11. tessellata
Fl., 12. speirea Ach., 13. intume-
scens Flot.
16.7 am gemmiferum T., auf
Aspieiha einerea.
17. Tichothecium macrosporum Hepp,
auf Rhizoe. geogr.
18. Cercidospora epipolytropa m., auf
Lecanora polytropa.
a) Rinodina sophodes Ach., saxicola, alpina, Nyl. Nov. Caled. p. 44, Arn.
Tirol XXII p. 68, XXIII p. 97, XXIV p. 263: sparsam: thallus areolato-rimu-
losus, cinerase., K —, © —, stratus corticalis K —, apoth. atra, margine integro,
120 F. Arnold,
cinerascente, epith. fuscese., K—, sporae fusc., sporoblastüs suborbieularibus,
0'021—23 mm 1g., 0:009—10 mm lat.
b) Lecidea intumescens Flot., Arn. Tirol XXI p. 137, XXIJI p. 92, XXV
p- 367: auf dem Thallus der Lecanora sordida nicht häufig: thallus proprius
fuscese., ep. fuse., sporae incol., simplices, 0012—15 mm 1lg., 0'005 mm lat., 8 in
ascis late oblongis. Von diesem Standorte bei Plan sind in Arn. exs. 1658 zwei
auf der genannten Lecanora wachsende Parasiten ausgegeben, von welchen Buellia
saxatilis f. insularis weit häufiger als Zecidea intumescens vertreten ist.
c) Buellia sasatilis Schaer. f. insularis Arn. (comp. Tirol IV p. 614 Nr. 71,
XXI p. 141 Nr. 566 var.): supra thallum Zecanorae sordidae maculas parvas
format, habitu Leeideae intumesc. Flot. similes, sed thallus nullus, apothecia
lecideina, ep. hyp. fuse., K—, hym. incolor, jodo caerul., sporae fuse., 1 septat.,
medio non constrictae, 0015—16 mm Ig., 0'006—7 mm lat., octonae.
6. Species aquatiles habe ich in den Bächen bei Wolkenstein nicht gesehen.
Der schwarze, gelatinöse Ueberzug auf den Dolomitsteinen im Mühlbache rührt
von einer Alge her. — An einer Bretterplanke am Wege unterhalb der Ruine
Wolkenstein kam mir sterile Imbricaria tiliacea Hoft., welche den Alpenwäldern
zu fehlen scheint, in Gesellschaft der Imbrie. saxatilis f. sulcata Tayl. zu Gesicht.
7. Längs der Strasse, eine halbe Stunde unterhalb St. Ulrich in Gröden
(1236 m), lagern Geröllmassen von Quarzporphyr, deren Lichenenflora deshalb
nicht zu unterschätzen ist, weil diese Stelle höher als der Porphyr bei Bozen
(Tirol VIII) und niedriger als die Porphyrlandschaft des oberen Fleims (Tirol
XX, XXIII) gelegen ist. Weiter hinab bis zum Brauhause nehmen die Felsblöcke
an Grösse zu, auch aus dem bewaldeten Berggehänge gegen St. Peter hinauf treten
solche Blockmassen heraus, ich konnte jedoch im August 1895 nur den erst-
erwähnten Standort näher besichtigen. An den Blöcken und jenseits des Baches
an den Porphyrfelsen wurden folgende Flechten bemerkt:
1. Ramalina pollinaria Wst. 17. Parmelia caesia Hoff.
2. Oladonia silvatica L. 18. Peltidea aphthosa L.
3. ©. amaurocraea Fl. 19. Peltigera canina L.
4. ©. squamosa Hoff. 20. Stietina fuliginosa Dicks.
5. ©. furcata H. f. racemosa Hoff. 21. Umbilicaria pustulata L.
6. ©. degeneransFl.f. phyllophoraEhr. | 22. Gyrophora eylindrica L.
7. C. pyeidata L. 23. Pannaria caeruleobadia Schl.
8. Imbricaria perlata L. 24. Physcia elegans Lk.
9. I. saxatilıs L. 25. Physcia pusilla Mass. f. obliterata
10. I. pertusa Schk. (Smft.) Arn.
11. I. caperata L. 26. Candelaria vitellina Ehr.
12. I. conspersa Ehr. 27. Callopisma flavovirescens Wulf.
13. I. fuliginosa Fr., ce. cap. 28. Placodium alphoplacum Wbe.
14. I. prolica Ach., ce. cap. 29. Plac. chrysoleucum Sm.
15. I. sorediata Ach. 30. Place. murale Schb. atque f. dif-
16. Parmelia speciosa Wulf. | fraetum Ach.
ven
4
Be EARKFIN,E
Zichenologische Ausflüge in Tirol.
121
31. Dimelaena Mougeotioides Nyl. 49. Biatora Kochiana Hepp.
32. Acarospora fuscata Schd. 50. Lecidea athroocarpa Ach.
33. Lecanora atra Huds. atque var.gru- | 51. L. platycarpa Ach.
mosa Pers. ı 52. L. erustulata Ach.
34. L. subfusca L. f. campestris Sch. | 53. L. latypea Ach.
35. L. badia Pers. 54. Rhaphiospora flavovirescens Dicks.,
36. L. thiodes Spr. c. ap.
37. L. sordida Pers. 55. Buellia saxatılis Sch.
38. L. subradiosa Nyl. (thallus C-+ | 56. Diplotomma porphyricum Arn.
ochrac.). (thallus K rubesc.).
39. L. dispersa Pers. 57. Rhizocarpon geographiceum.
40. L. polytropa Ehr. atque f. intricata | 58. Rhizocarpon obscuratum Ach.
Schd. 59. Opegrapha gyrocarpa Flot. (steril).
41. Aspieilia einerea L. 60. Opegrapha zonata Kb. (steril).
42. Asp. calcarea f. Hoffmanni Ach. | 61. Coniocybe furfuracea L.
45. Asp. ceracea Arn. 62. Sagedia chlorotica Ach.
44. Urceolaria seruposa L. 63. Leptogium atrocaeruleum H. f. pul-
45. Pertusaria corallına L. vinatum Hoft.
46. Pert. lactea Wulf. 64. Dactylospora maculans Arn.
47. Pert. pseudocorallina Sw. f. laevi- | 65. Tichotheeium gemmiferum T., auf
gata Ach. (Westringii Ach.). dem Thallus von Aspieilia einerea
48. Pert. Wulfenii DC., rupieola Sch. und Leeidea athroocarpa.
f. variolosa Sch.
a) Imbricaria caperata L.: steril häufig an der senkrechten Seite grösserer,
wandartiger Porphyrfelsen.
b) Physcia pusilla Mass. f. obliterata (Smft.) Arn. Jura 1890 p. 25: thallo
parum evoluto, apothecüs numerosis, aurantiaco flavis, sporae tenues, 0012 mm
Ig., 0'0045 mm lat.
c) Placodium alphoplacum Wbg. in Ach. meth. 1803 p. 41, Th. Fries
Se. p. 230, Nyl. Flora 1873 p. 181, Arn. Tirol XXI p. 123.
ie. Dietrich t. 265, Mass. rie. f. 35, Hepp 621.
exs. Schleich. II 70 (thallus K rubesc.),
Schaer. 330, Funck 595,
Hepp 621, Rabenh. 325, Schweiz. Crypt. 463, Anzi m. r. 162 (non vidi
Garov. 33).
d) Biatora Kochiana Hepp, forma: thallus cinerasc., minute areolato-
rimulosus, K—, C
—, apoth. emersa, rufofusca, margine integro lutescente,
epith. fuscese., paraphysium clava suprema maior, fuse., hyp. incol., sporae
ovales, non curvulae, 0'010—12 mm 1g., 0'006 mm lat.
e) Lecidea athroocarpa Ach., Arn. Tirol XXIII p. 85: von den Blöcken
dieses Gerölles in Arn exs. 1659 ausgegeben.
f) Buellia saxatilis Schaer., Arn. Tirol XXI p. 141: thallus effusus,
tenuiter rimosus stramineo-albese., K flavese., C—, hyph. non amyloid., apo-
thecia minora, atra, dispersa, intus K—, ep. hyp. fuse., hym. incolor, jodo
122 F. Arnold. ,
caerul., sporae fuse., obtusae, medio non constrictae, 0'012 mm 1g., 0.005—6 mm
lat., oetonae.
9) Sagedia chlorotica Ach.: an beschatteten Blöcken: thallus tenuis, viri-
dulus, perithee. fusc., K—, sporae speciei, 3septat., 0015—18 mm 1g., 0'003 mm lat.
h) Dactylospora maculans Arn. Tirol XXIII p. 126, exs. Arn. 1250: para-
sitiich auf dem Thallus der Lecanora sordida an der Strasse: apoth. atra,
plana, maculas minores supra thallum Lee. sord. formantia, ep. hyp. fuse.,
sporae incol., nondum fuscatae, 3 septat., 0'018—19 mm Ig., 0'007 mm lat.
8. Auf den Steinen im Bache bei St. Ulrich kommen sehr vereinzelt
Lichenen vor. An einer seichten Stelle fand Herr Prof. Zopf einige mit angio-
karpen Flechten bewachsene Kalksteine:
1. Lithoicea nigrescens Pers.: thallus fuscus, areolato-rimulosus, apoth.
emerg., sporae oblong., 0021—25 mm Ig., 0012 mm lat.
2. Verrucaria margacea Wbg., Arn. Tirol XXV p. 387, forma: thallus
fuscesc., laevis, gelatinosus, apoth. emersa, perithee. dimidiat., sporae amplae,
0:0350—33 mm 1g., 0015—16 mm lat.
3. Verrucaria elaeomelaena Mass.: thallus viridis, laevis, gelatinosus,
sporae amplae, 0025 mm Ig., 0'016 mm lat.
4. Verrucaria rupestris Schrad., Arn., V. muralis Ach. f. confluens Mass.,
Arn. Jura Nr. 492: thallus sordide albese., tenwiter rimulosus, sporae 0'021 mm
lg., 0012—15 mm lat.
5. Thelidium acrotellum Arn. Jura Nr. 520: thallus tenwis, sordide albese.
vel fuscidulus, apoth. minora, emersa, sporae simplices cum 2 guttulis maioribus,
atque 1 septat., 0 015—18 mm Ig., 0007—9 mm lat., octonae.
Rinodina Conradi Kb., Arn. Tirol XXIII p. 133, Jura Nr. 164, wurde
über veraltetem Moose auf der Erde einer Feldmauer bei St. Ulrich von Herrn
Prof. Zopf beobachtet: apoth. leviter prwinosa, sporae 1—3 septat., fuse.,
0'030 mm 1g., 0'015 mm lat.
Sagvolechia protuberans Ach. auf Kalksteinen im Nadelwalde gegenüber
St. Ulrich.
An Laric-Rinde in der Umgebung von St. Ulrich wurden Zvernia tham-
nodes Flot., Blastenia caesiorufa Ach. f. corticicola Anzi, Lecanora conizaea Ach.,
Abrothallus Parmeliarum Smft. auf dem Thallus von Platysma pinastri gesehen.
An Föhren im Walde an der Strasse unterhalb St. Ulrich Buellia Schaereri
De Not.
Auf dem Holze eines Fichtenstrunkes am Waldsaum gegenüber St. Ulrich:
Calicium minutum Kb., Arn. Jura Nr.437, und C. parietinum Ach. (spor. simplices).
Schliesslich ist noch hervorzuheben, dass auch an den Zweigen von Aronia
rotundifolia (Tirol XX p. 392) am Bergabhange gegenüber St. Ulrich einige
Flechten angetroffen wurden:
1. Imbricaria saxatilis L. 5. Rinodina pyrina Ach.
2. I. physodes L. 6. Lecanora subfusca L.
3. ]. aspidota Ach., c. ap. 7. Lecidea parasema Ach.
4. Parmelia stellaris L. |
ee een
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 123
XXIX. Plansee.
I. Die Flechtenflora der einzelnen Baumarten in Tirol ist noch immer
ungenügend bekannt.
1. Fagus silvatica, Tirol XX p. 392. Buchenwälder sind bis zur Gegen-
wart in Nordtirol, hauptsächlich im Brandenberger Thale (Kerner, Pflanzen-
leben der Donauländer, 1863, p. 220) erhalten. Ein grösserer Wald befindet
sich an der Ostseite des Plansees bei Reutte. Hier ist Laub- und Nadelholz
gemischt, mittelmässige Bäume, welchen einzelne alte Eiben beigesellt sind.
Im Jahre 1895 konnte ich einige Augusttage an diesem See zubringen und die
Waldflechten östlich und nördlich vom See, hier ober dem Stuibenfall und bei
Ammerwald, betrachten. An den Stämmen jüngerer und älterer Buchen wurden
folgende Arten angetroffen:
1. Evernia prunastri L. 20. L. constans Nyl.
2. Evernia furfuracea L. 21. L. pallida Schreb.
3. Imbricaria perlata L. 22. Thelotrema lepadinum Ach.
4. I. olivetorum Ach. 23. Gyalecta truneigena Ach.
5. I. revoluta Fl. 24. Pertusaria amara Ach.
6. I. saxatilis L. 25. Bilimbia accedens Arn., über Leuco-
7. I. physodes L. don sciuroides.
8. I. pertusa Schk. ı 26. Bacidia albescens Hepp.
9. I. caperata L. | 27. Buellia parasema Ach.
10. I. fuliginosa Fr. ı 28. Opegrapha varia Pers. f. diaphora
11. Parmelia speciosa Wulf. Ach.
12. Peltidea aphthosa L. 29. Graphis scripta L.
13. Peltigera camına L. 30. Normandina pulchella Borr., über
14. Peltigera scutata Dicks., limbata Frullania.
Del., Arn. Tirol XXI p. 119. 31. Pyrenula nitida Weig.
15. Stieta pulmonaria L. 32. Pyrenula laevigata Pers.
16. Pannaria caeruleobadia Schl. ı 33. Arthopyrenia punctiformis Pers.
17. Pannaria triptophylla Ach. 34. Mallotium myochroum Ehr.
18. Lecanora intumescens kebt. 35. Synechoblastus nigrescens Huds.
19. L. subfusca‘ L. | 36. Leptogium atrocaeruleum Hall.
a) Imbricaria revoluta Fl. f. latifolia Anzi, Arn. Flora 1882 p. 131;
planta cortiei adpressa, lobis nee adscendentibus nec margine sorediosis.
b) Lecanora constans Nyl., Arn. München Nr. 147: nicht häufig: apoth.
minora, dispersa, epith. fuse., sporae oblongae, 0.003—4 mm lg., 0.002—25 mm
lat., numerosae in asco.
c) Bilimbia accedens Arn.: apoth. dispersa, nigric. fusca, epithee. sordide
viride, acido nitr. roseoviolase., hyp. fuse., spor. 7—9 septat., 0045—52 mm Ig.,
0:006—7 mm lat.
d) Bacidia albescens Hepp: apoth. gregaria, humectata et sicca albese.,
intus incol., sporae rectae, 0'030—36 mm 1g., 0'0025 mm lat.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 17
124 F. Arnold.
e) Buellia parasema Ach.: sporae 1 septat., fuse., 0024—27—30 mm 1g.,
0009—12 mm lat.
Ueber die Flechtenflora der obersten dünnen Zweige der Waldbäume ist
meines Wissens weder in forstwirthschaftlichen, noch in lichenologischen Werken
Aufschluss zu finden. Dieselbe ist keineswegs bedeutungslos, da viele Arten erst
an der Rinde der älter gewordenen Bäume auftreten und in stark beschatteten
Wäldern nicht wenige Flechten sich erst weiter oben am Stamme oder gar erst
an den Aesten einfinden.
Am unteren Theile einer frisch gefällten Buche waren neben Moosen blos
Gyalecta truncigena, Bacidia albescens, Opegrapha varia, Pyrenula nitida zu
erblicken, während sich an den obersten, noch nicht fingerdicken Zweigen 15 Arten
eingestellt hatten:
1. Evernia fwrfuracea L. 9. L. subfusca L.
2. Imbricaria perlata L.: singuli lobi. | 10. ZL. pallida Schreb.
9. I. saxatilis L. 11. L. symmictera Nyl.
4. I. physodes L. 12. Seoliciosporum corticolum Anzi.
5. Blastenia caesiorufa Ach. f. cortici- 13. Buellia parasema Ach.
cola Anzi. | 14. Graphis scripta L.
6. Blastenia assigena Lahm. ' 15. Arthonia populina Mass. f. miero-
7. Ochrolechia tumidula Pers. scopica Ehr.
8. Lecanora intumescens Rebt.
a) Blastenia assigena Lahm Westf. 1885 p. 66, Arn. München Nr. 120:
ziemlich sparsam: apoth. parva, sordide fuscolutea, epith. K sangwin.
b) Ochrolechia tumidula Pers.: planta C—, thallus tenwis, albesc.
2. Ahornbäume (Acer pseudoplatanus) und jüngere Weiden beherbergen
in jenem Walde Arten, welche zur Flora des Laubwaldes gehören.
1. Evernia prunastri L. 12. Lec. angulosa Schreb. (discus C
2. Ramalina farinacea 1. eitrinus).
3. Imbricaria pertusa Schk., ce. ap. 13. Pertusaria amara Ach.
4. Parmelia speciosa W. | 14. Pertusaria globulifera Turn.
5. Sticta pulmonaria L. 15. Lecidea parasema Ach.
6. Nephromium resupinatum L. | 16. Bilimbia trisepta Naeg.
7. Pannaria caeruleobadia Schl. ı 17. Arthonia astroidea Ach.
8. Pannaria triptophylia Ach. 18. Microthelia micula Flot.
9. Lecanora intumescens Rebt. ı 19. Mallotium myochroum Ehr.
10. Lee. subfusca f. rugosa Pers. 20. Synechoblastus nigrescens Huds.
11. Lec. pallida Schreb. 21. Synechoblastus aggregatus Ach.
Miecrothelia micula Flot., Arn. Jura Nr. 544, Nyl. Pyrenoc. p. 60, Hue
Add. p. 300, Koerb. par. p. 397: selten an Sale: thallus subnullus, apotheeia
dispersa, emersa, perithec. dimidiat., paraph. distinctae capillares, sporae fuscae,
1 septat., non raro cum 2—4 guttulis, 0015 —18 mm lg, 0006—8 mm lat., 8 in
ascis subeylindricis.
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 125
Pannaria rubiginosa Thunb., affinis Dicks., Nyl. Scand. p. 122, Koerb.
syst. p. 105, wurde von Herrn Lehrer Schnabl an Ahornrinde am Waldgehänge
von der baierischen Grenze längs der Strasse gegen den Plansee mit zahlreichen
Apothecien aufgefunden.
3. Sorbus Aria ist zwar nicht in mächtigen, flechtenbewachsenen Stämmen,
_ wie im Brandenberger Thale (Kerner, Pflanzenleben, p. 221), zu sehen, sondern
nur in 8—9 cm dieken Bäumen vertreten, deren unterer Theil arm an Flechten
ist. Ich führe aber die an den obersten dünnen Zweigen eines solchen Bäumchens
bemerkten Arten an, da die Flechtenvegetation solcher Zweige noch wenig be-
kannt ist.
onsouPkom-
. Usnea barbata L. (vestigia). 9. Blastenia caesiorufa Ach. f. cortiei-
. Evernia prumastri L. cola Anzi.
. Evernia furfwracea L. 10. Blastenia assigena Lahm.
. Imbricaria saxatilis L. 11. Rinodina pyrina Ach.
. I. physodes L. 12. Lecanora subfusca L.
I. fuliginosa Fr. 13. Lecanora symmiectera Nyl.
. Parmelia speciosa Wulf. 14. Buellia parasema Ach.
. Parmelia tenella Se. f. semipinnata | 15. Arthopyrenia fallax Nyl.
Hoff.
4. Sorbus aucuparia ist auch am Plansee arm an Flechten; Pannaria
triptophylla Ach. kommt dort nicht selten und besonders an der sich schon ab-
schälenden Rinde vor.
5. Berberis ist im Walde östlich vom See als Unterholz eingestreut. Nur
hie und da sind einzelne Stämmchen mit Flechten bewachsen.
1. Imbrie. perlata L. (vestigia loborum). 8. Rinodina corticola Arn.
2. I. saxatılıs L. 9. Rinodina pyrina Ach.
3. 1. fuliginosa Fr. 10. Ochrolechia tumidula Pers.
4. Parmelia speciosa W. 11. Lecanora symmiectera Nyl.
5. Parmelia stellaris L. 12. Pertusaria leioplaca Ach. f. laevi-
6. Candelaria vitellina f. wanthostigma gata Th. Fries Scand. p. 316.
Pers. (thallus). 13. Pertusaria amara Ach.
7. Blastenia caesiorufa Ach. f. cortici-
cola Anzi.
a) Rinodina corticola Arn. Tirol XXIII p. 146: hie und da: apoth. saepe
convexa, sporae non raro cum duobus sporoblastüs subcordatis, 0018—21 mm
Ig., 0009—10 mm lat.
b) Rinodina pyrina Ach.: sporae cum sporoblastüs suborbieularibus,
0'015—18 mm Ig., 0007 —8 mm lat.
c) Pertusaria leioplaca f. laevigata Th. Fries, Lahm Westf. p. 82 lin. 1:
ziemlich selten: sporae 0'045—90 mm lg., 0030-40 mm lat., 4—6 in asco.
6. An einer jungen Staude von Salix purpurea am Seeufer hatten sich
_ einige Flechten angesiedelt, welche als Beitrag zur Flora der Gesträuche ausser-
_ halb des Waldschattens hier erwähnt werden mögen.
107
126 F. Arnold.
1. Imbricaria exasperatula Nyl. | Pers., c. ap.: sporae 24—32 in
2. Parmelia stellaris L. | asco.
3. Xanthoria parietina L. ı 5. Rinodina pyrina Ach.
4. Candelaria vitellina f. canthostigma | 6. Lecanora subfusca L.
7. Bevor die Frage, ob und welche Unterschiede zwischen der Lichenen-
flora des Laub- und Nadelholzes bestehen, beantwortet werden kann, sind die ein-
zelnen Baumarten in den verschiedenen Gegenden näher ins Auge zu fassen. Am
Plansee ist ebenfalls die Fichte der vorherrschende Baum geworden. Ich nenne
hier nur die wichtigeren Arten, welche östlich vom See, ober dem Stuibenfall und
nördlich bei Ammerwald angetroffen wurden.
1. Usnea barbata L. 12. Biatora vernalis L.
2. Ramalina thrausta L. 13. Biatora sangwineoatra W.
3. Evernia prunastri L. 14. Biatorina pulverea Borr.
4. Imbricaria saxatilis f. furfuracea | 15. Biatorina atropurpurea Schaer.
Schaer., c. ap. 16. Buellia Schaereri De Not.
5. I. pertusa Schk. 17. Lopadium pezizoideum Ach.
6. I. fuliginosa Fr. 18. Opegrapha varia Pers.
7. Nephrom. resupinatum L. 19. Platygrapha abietina Ehr.
8. Pannaria caeruleobadia Schl. 20. Comiangium luridum Ach.: epith.
9. Ochrolechia tartarea L. f. andro- | K+.
gyna Hoff., Arn., c. ap. 21. Calicium minutum Koerb.
10. Lecanora conizaea Ach. 22. Oyphelium chrysocephalum Turn.
11. Pertusaria amara Ach. 23. Nectria lecanodes Ces.
a) Biatora sangwineoatra Wulf., Arn. Jura Nr. 285: thallus tenuis, viridis,
apoth. obscura, rufofusca, epith. et hyp. fuse., sporae oblong., 0'012—15 mm 1g.,
0'005 mm lat.
b) Biatorina pulverea Borr., Arn. Tirol XXI p. 138, München Nr. 245:
ziemlich selten bei Ammerwald: thallus leprosus, albese., K pallide lutese., C—,
apoth. nigrie., suburceolata, epith. obscure sordidecaerul., ac. nitr. colorat., hyp.
incol., sporae incol., 1 septat., 0015—18 mm Ig., 0008 mm lat.
c) Biatorina atropurpurea Schaer., Arn. Jura Nr. 319: nicht häufig:
thallus minute granulosus, subnullus, apoth. rufese. vel rufa, epith. fuscese., hyp.
incol., sporae incol., 1 septat., 0'015, rarıus 0'018 mm Ig., 0'006—7 mm lat.,
octonae.
d) Nectria lecanodes Ces., Rabenh. Crypt.-Flora Pilze I 2 p. 123, exs.
Rabenh. mye. eur. edit. 2 Nr. 525, Fuckel rhen. 2050, Rehm Ascom. 58, Arn.
1672: apoth. subglobosa, apice impressa, sicca habitu verrucarioidea, carneo-
rosea, hic inde albidoprwinosa, sporae incol., 1 septat., 0'010 mm lg., 0'004 mm
lat., 8 in ascis 0060—66 mm 1g., 0'006 mm latıs.
8. Föhre. An älteren Föhren ober dem Stuibenfall bemerkte ich:
1. Arthothelium Flotovianum Koerb. par. p. 261, Arn. München Nr. 319.
2. Calicium minutum Koerb., Arn. München Nr. 332.
3. Cyphelium melanophaeum Ach.: thallus K rubesc.
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 127
9. Eine Viertelstunde nördlich vom Plansee an der Strasse gegen Ammer-
wald steht ein mageres Gehölz von Pinus pumilio (vgl. Arn. München 1892
p. 62); die dünnen Zweige sind mit etlichen Flechten bewachsen:
1. Usnea barbata L. (initia). 12. Ochrolechia tartarea L. f. andro-
2. Evernia prunastri L. gyna Hoft.
3. Platysma pinastri Se. 13. Ochrolechia tumidula Pers.
4. Parmeliopsis ambigua W. 14. Lecanora subfusca L. f. pinastri
5. Imbricaria saxatilis L. Schaer.
6. I. revoluta Fl. 15. L. constans Nyl.
7. I. aleurites Ach. 16. L. pallida Schreb.
8. I. physodes L. 17. L. conizaea Ach. f. variola Arn.
9. I. pertusa Schk. 18. L. symmictera Nyl. atque f. saepin-
10. I. fuliginosa Fr. atque f. subauri- cola Ach.
fera Nyl. 19. Buellia parasema Ach.
11. Blastenia caesiorufa Ach. f. cortiei-
cola Anzi.
a) Imbricaria revoluta Fl., planta minor, Arn. Flora 1832 p. 131; exs.
Harmand 284, Arn. Monac. 222.
b) Ochrolechia tartarea L. subsp. androgyna Hoff., Arn.: steril, habituell
der Pertusaria amara ähnlich, thallus tenwior, cinerascens, soredia discoidea,
albesc.; thallus et soredia C+ purp.
c) Ochrolechia tumidula Pers., spärlich fruchtend, thallus tenws, C —,
apothecia CO —.
d) Lecanora constans Nyl., sparsam, habitus Rinodinae, epith. fusc.,
K —, sporae oblong., 0003—4 mm 1g., 0'002 mm lat., asci polysport.
e) Lecanora conizaea Ach. f. variola Arn. Monae. exs. (1895) Nr. 393;
nicht häufig: a typo differt apotheeüs leviter concaviusculis et margine esoredioso ;
sporae ovales, nec elongato-oblongae 0'0085—9 mm 1g., 0'004 mm lat.
f) Lecanora symmictera Nyl.: pl. vulgaris; f. saepincola Ach., Arn. (apoth.
lividonigrie.) atque f. rufescens Arn. Monac. 394 (apoth. plana, biatorina, rufe-
scentia, sporae speciei).
10. Im Walde östlich vom Plansee stehen einzelne Tannen, deren glatte
Rinde mit wenigen Flechten bewachsen ist; zu nennen sind: 1. Platysma
complicatum Laur., 2. Ochrolechia tumidula Pers., 3. Buellia parasema Ach.,
4. Graphis scripta L. f. varia Pers., 5. mit parasitischer Stenocybe euspora Nyl.
11. Geringfügig ist auch die Juniperus-Flora im Walde östlich vom See:
1. Imbricaria saxatilis L. 4. Lecanora subfusca L.
5. Pertusaria amara Ach.
6. Buellia parasema Ach.
2. Pannaria triptophylla Ach.
3. Blastenia caesiorufa Ach. f. cortici-
cola Anzi. |
12. Dagegen ziehen im Walde östlich vom See einige alte Eiben, Taxus
baccata, mit einem Stammesdurchmesser von 18—20 cm die Aufmerksamkeit
auf sich. Standorte dieses selten gewordenen Baumes sind in v. Hausmann
1283 F. Arnold.
Flora von Tirol 1851 p. 804 angegeben. Die sich abtrennende Rinde der Stämme
ist stellenweise von Laubmoosen bedeckt, Flechten treten erst am Holze der
Aeste auf.
1. Usnea barbata L. f. dasopoga Ach. | 16. Ochrolechia tartarea L. subspee.
2. Alectoria jubata L. | androgyna Hoff., c. ap.
3. Oladonia fimbriata L. f. subulata L. | 17. Ochr. pallescens L.
(cornuta Ach.). 18. Ochr. tumidula Pers.
4. Platysma glaucum L. 19. Lecanora subfusca L.
5. Plat. chlorophyllum Humb. (steril). | 20. Pertusaria amara Ach.
6. Parmeliopsis ambigua Wulf. 21. Pertusaria coccodes Ach. (thall. K
7. Parmeliopsis hyperopta Ach. rubesc.).
8. Imbricaria perlata L. £. ciliata. 22. Biatora turgidula Fr.
9. L revoluta Fl. 23. Lecidea plebeja Nyl.
10. I. saxatilis L. atque f. furfuracea | 24. Bilimbia trisepta Naeg. -
Schaer. 25. Buellia insignis Naeg.
11. I. physodes L. 26. Calicium curtum T.B.
12. I. pertusa Schk. 27. Calicium pusillum Fl.
3. I. aleurites Ach. 28. Oyphelium brunneolum Ach.
14. I. fuliginosa Fr. 29. Cyphelium disseminatum Fr. f. ato-
15. Blastenia caesiorufa Ach. f. cor- marium Fr.
tieicola Anzi.
a) Ochrolechia pallescens L., comp. Arn. Flora 1882 Nr. 9, sparsam:
thallus crassus, C —, apothecü discus © rubese.
b) Ochrolechia tumidula Pers, am Holze dürrer Zweige: tota planta
C—, thallus sat temwis.
c) Lecidea plebeja Nyl. Flora 1865 p. 148, L. enalliza Nyl., Arn. Jura
Nr. 307, comp. Wainio Adjum. p. 102: selten auf dem Holze dicker Aeste:
thallus non visibilis, apoth. parva, atra, dispersa, intus K—, epith. et hyp.
fuse., sporae incol., simplices, 0008—9 mm Ilg., 0'003 mm lat., 8 in ascis 0'030 mm
!g., 0015 mm lat.
d) Bilimbia trisepta Naeg., Arn. Jura Nr. 336: an dünnen, abgedorrten
Zweigen: thallus minute granulosus, apoth. obsceure livida, epith. sordide viride,
K—, ac. nitr. paullo colorat., hyp. incolor. sporae 3 sept., 00185—19 mm Ig.,
0'0035—4 mm lat., octonae.
e) Buellia insignis Naeg., Arn. Tirol XXV p. 393; pl. lignieola Tirol
XV p. 379: selten auf dem Holze dickerer Aeste: thallus parum evolutus, epith.
tenue, fusc., hyp. fuscese., sporae latiores, fuse., 1septat., hie inde curvulae,
0030 mm Ig., 0'015 mm lat., octonae.
f) Calicium curtum T. B.: auf dem Holze dieker und dünnerer Aeste:
thallus subnullus, apoth. Dreviter stipitata, atra, margine capituli albido annu-
lata, sporae fuse., 1 sept., obtusae, 0010—12 mm Ig., 0006—7 mm lat.
g) Calicium pusillum Fl.: athallinum, apothee. sat gracilia, dispersa,
atra, sporae fuscesc., 1 sept., 0'009 mm lg., 0'003 mm lat.; spermog. atra, spermat.
oblonga, 0'003 mm lg., 0'002,mm lat.
rd
=
E
3
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 129
h) Cyphelium brunneolum Ach.: stipites apicem versus hie inde semel vel
bis divisi, nigri, massa sporalis subglobosa, fuscese., sporae simplie., sphaericae,
lutese., 0'004 mm lat.
i) Oyphelium disseminatum Fr. f. atomarium Fr., Arn. München Nr. 343:
athallinum, apoth. sat minuta, planiuscula, brevissime stipitata et subsessilia,
sporae luteolae, elongato-oblong., simplices cum 3—4 guttulis, 0012 mm 1g.,
0003 mm lat.
Für Arn. lich. exs. wurden in der Zeit vom 8. bis 10. August 1895 drei
Rindenflechten und ein parasitischer Pilz gesammelt:
Arn. exs. 765c: Lopadium pezizoideum Ach., au Fichten an der Wald-
strasse von Plansee nach Ammerwald.
Arn. exs. 1663: Coniangium luridum Ach., an einer Fichte am nämlichen
Standorte.
Arn. exs. 1668: Synechoblastus nigrescens Huds., an Ahorn, Weiden und
Buchen östlich vom See.
Arn. exs. 1672: Nectria lecanodes Ües., parasitisch auf Nephromium
resupinatum an Fichten im Walde östlich vom See.
II. Die Landschaft am Plansee ist zum Sammeln von Steinflechten nicht
geeignet. Auf den Steinen dem Seeufer entlang bemerkte ich keine Flechten.
Die Felsen des Stuibenfalles sind unzugänglich. Kurz vor dem Falle liegen im
Wasser am Bachufer kleinere, beim Anschwellen des Baches untergetauchte Kalk-
blöcke, auf welchen ich einige Arten antraf:
1. Jonaspis epulotica Ach., Arn. Jura Nr. 212, 2. Biatora rupestris Seop.
3. Verrucaria elaeomelaena Mass., Arn. Tirol XXI p. 146: forma: planta
atra, thallus humeect. gelatinosus, apoth. emersa, perith. dimidiat., sporae oblong.,
0.021—24 mm Ig., 0.009—10 lat.
4. Thelidium decipiens Hepp: sporae 1 septat., 0'030 mm Ig., 0015 mm lat.
5. Thelidium riwale Arm. Tirol XXI p. 148: forma: thallus nigricans,
effusus, tenuiter rimulosus, apoth. maiora emersa, perith. integr., sporae incol.,
3septat., latae, 0043—45 mm Ig., 0'015—18 mm lat.
An einer felsigen Stelle oberhalb der Strasse vom Plansee nach Ammer-
wald haben sich auf dem hinweggesprengten Gestein 1. Opegrapha saxicola Ach.,
sehr dürftig entwickelt, und 2. Thelidium dominans Arn. f. obtectum Arn. Tirol
IV p. 651, XXI p. 148 eingestellt: thallus macula albescente indicatus, apoth.
_ immersa, solo apice prominentia vel omnino obtecta, perith. integrum, sporae
incol., 3 septat., septis hie inde semel divisis, 0045 —48 mm 1g., 0015 —18 mm
lat. Die Pflanze ist von hier in Arn. exs. 1665 aufgenommen.
Auf kurz begrastem Boden in kleinen Waldlichtungen östlich vom See
kommt sterile Oladonia acuminata subspec. foliata Arn. Tirol XXIII p. 107 in
Begleitung von C. silvatica L., ©. fimbriata f. prolifera Hoft., C. pyxidata L.,
©. cariosa Ach. und den veraltete Moose incrustirenden Blastenia leucoraea Ach.,
Biatora atrofusca Flot. vor.
130 F. Arnold.
Nachträge.
VI. Waldrast.
In der Exsiecaten-Sammlung von A. v. Kerner, Flora Austro-Hungarica,
sind einige Flechten aus dem Gschnitzthale enthalten:
Umbilicarıa pustulata L., Kerner Austro-Hung. 749, steril an Felsen
bei Trins.
Gyrophora vellea L., pl. junior, Kerner Austro-Hung. 750, steril im
Gschnitzthale.
Leptogium sinuatum H. f. scotinum Ach., Arn. Jura Nr. 588, Kerner
Austro-Hung. 753, steril bei Trins.
IX. Roveredo und Riva.
Am 29. August 1893 machte ich bei Mori und am folgenden Tage bei
Nago den Versuch, die kleinen Angiocarpen der dortigen Kalkblöcke zu ermitteln.
Das Ergebniss entsprach aber nicht den Erwartungen, da der graue Kalk nur
zu viele völlig flechtenleere Stellen zeigte. Für Arn. Lich. exs. wurden östlich
vom Bahnhofe bei Mori Rinodina cerustulata Mass. (Arn. exs. 1581) und Verru-
caria marmorea Scop. (Arn. exs. 1592) gesammelt. Ferner wurden (vgl. Tirol
IX p. 304) bemerkt:
1. Physcia medians Nyl. 5. Placidium monstrosum Ach.
2. Psoroma crassum Huds. ı 6. Placidium compactum Mass., Arn.
3. Placodium radiosum Hoff. (thallus Jura Nr. 464.
K rubesc.). ı 7. Lithoicea fuscella Turn.
4, Rinodina ocellata Hoft., Arn. Jura
Nr. 159.
Phaeospora propria Arn. (nov. spec.): thallus non visibilis, apothecia
punctiformia, atra, dispersa, perithec. integrum, fusce., hym. absque paraphysi-
bus, sporae incol., fuscidulae, 3 septat., juniores 1 septat., lateribus non con-
strietae, 0015—16 mm 1g., 0'006 mm lat., octonae. Diese Phaeospora ist nicht
parasitisch, sondern wächst nach Art der kleinen Kalk-Angiocarpen, von welchen
sie nur durch das Mikroskop zu unterscheiden ist.
Die Felsen bei Nago besitzen im Wesentlichen die nämliche Flora wie bei
Mori. Von Erdflechten sind zu nennen: 1. Oladonia endivifolia Dicks., steril (bei
Mori und von dort in Rehm Clad. 434 aufgenommen); 2. Cladonia aleicornis
Lghtf., steril bei Nago; 3. Psoroma fulgens Sw.; 4. Urceolaria scruposa f. bryo-
phila Ehr.; 6. Psora decipiens Ehr.; 7. Thalloidima caeruleonigricans.
XIII. Brenner.
I. Am 3. September 1894 unternahm ich von Gries aus einen Spaziergang
zu den Obernberger Seen (Tirol XIII p. 268), um eine kleine, früher daselbst
FREUT EBENE RD AT FE DE
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 131
angetroffene Flechte aufzufinden, was jedoch nicht gelang. Im gelichteten Fichten-
walde beim vorderen See bemerkte ich dafür auf den bemoosten Blöcken aus
krystallinischem Kalk einige beim ersten Besuche übersehene Lichenen:
1. Parmelia obscura Ehr. f. virella Ach., an einem von Fichten überschatteten
Kalkfelsen: thall« medulla alba, lobi subtus et margine breviter albociliati.
2. Callopisma flavovirescens Wulf., 3. Acarospora glaucocarpa Whg.
f. percaenoides Nyl., 4. Diplotomma epipolium Ach., 5. Collema multifidum Scop.
Auf Erde: sterile Clad. erispata Ach. f. dilacerata Schaer., Wainio Mon.Clad.
1 p. 388, und (lad. degenerans f. aplotea Ach., comp. Rehm Clad. 264: mager
entwickelt, seyphi clausi; diese Form ist von hier in Rehm Clad. 439 aufgenommen.
Als Species muscicolae können noch weiter angeführt werden: 1. Rinodina
mmiaraea Ach., 2. Bilimbia sphaeroides Dicks., 3. Bilimbia sabuletorum. Fl.,
4. Physma polyanthes Bhd.
II. Im Lärchenwalde, welcher am Eingange in das Vennathal ober dem
Bahndamm steht, hatte ich Tags vorher Lecidea parasema Ach.: olivacea Hoff.,
Arn. Jura Nr. 303, bemerkt; sie ist von diesem Standorte in Arn. exs. 1625 ent-
halten. Mit ihr gesellig vegetirt Lecanora pallida Schreb. Auf alter Holzkohle
am Saumwege Tetraplodon angustatus (vgl. Tirol XXV p. 368).
III. Psora (Schaereria) cinereorufa Schaer. spie. 1828 p. 122, Th. Fries
Se. p. 419, Koerb. syst. p. 232 (Lee. lugubris Smft. suppl. 1826 p. 143, lege
Nyl. Sc. p. 293, Th. Fries Se. p. 420).
ic. Lindsay in Journ. of Mier. 5 tab. 11, Koerb. syst. t. 1 fig.3, Mudd
fig. 78, Hepp 737 fig. 2.
exs. Fries 351, Th. Fries 19, Stenh. 175, Mudd 183, Crombie 91,
Norrlin 191.
Diese Art wurde von Herrn Lederer vereinzelt an einem Glimmerfelsen
im Vennathale im August 1894 aufgefunden: thallus K—, C—, hyph. non
amyloid., epith. caerul., ac. mitr. roseoviolac., paraph. disceretae, hyp. fuscesc.,
sporae sphaericae, limbatae, 0008—9 mm lat.
XIV. Finsterthal.
1. Cladonia sublacunosa Wainio, Arn. Tirol XXIV p. 261: diese Art ist
nunmehr in Arn. exs. 1640 abgebildet.
2. Cladonia degenerans Fl. f. glacialis Rehm, Arn. Tirol XXI p. 115,
umfasst zwei im nämlichen Rasen gesellig wachsende Formen, die gewöhnliche,
in Becher ausgehende, meist schuppenlose aplotea Ach. und die sterile f. dilace-
rata Schaer., Wainio Mon. Clad. 2 p. 141. Diese letztere Flechte, Rehm Ülad.
exs. 67, ist inArn. exs. 1641 dext. abgebildet.
XVIH. Mittelbere.
1. Eine Abbildung der bei Mittelberg gesammelten Cladonia degenerans
f. glacialis Rehm ist in Arn. exs. 1641 sin. enthalten.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 18
132 F. Arnold.
2. Polyblastia (Coccospora) Lopadü Arn. nominetur Polybl. Tirol XVII
p. 547 Nr. 9, XXI p. 152 Nr. 844.
XX., XXIIH. Predazzo und Paneveggio.
Stereocaulon coralloides Fr., Kerner Austro-Hung. 1538 I, auf Syenit
bei Predazzo (Tirol XXIII p. 82).
Dimelaena Mougeotioides Nyl., Kerner Austro-Hung. 2347 II, auf Uralit-
porphyr bei Predazzo.
Megalospora alpina Fr., Kerner Austro-Hung. 2353, an alten Fichten
gegen Rolle.
Lecidea lactea Fl. f. sublactea Lamy, Kerner Austro-Hung. 1550, auf
Syenit bei Predazzo (Tirol XXIII p. 186).
Lecidea lithophila Ach. f. wmbrosa Flot., Kerner Austro-Hung. 1551, auf
Porphyr bei Paneveggio (Tirol XXI p. 103).
XXI.
I. Weitere Beiträge zur Lichenenflora von Tirol sind in der Zeitschrift des
Ferdinandeums 1893 enthalten: Lichenen von Brixen und Umgebung, gesammelt
von L. Graf Sarnthein, untersucht von Prof. Kernstock.
II. Kerner Austro-Hung. 1538 Il: Stereocaulon coralloides Fr., im Volder-
thale bei Innsbruck, leg. Leithe.
Kerner Austro-Hung. 1142: Cornicularia tristis Web., auf dem Glungezer
bei Innsbruck, leg. Leithe (Tirol XXIII p. 110).
Kerner Austro-Hung. 1543: Platysma fahlunense L., im Volderthale bei
Innsbruck, leg. Leithe.
III. Cladonia subcariosa Nyl. Flora 1876 p. 560, Arn. Jura Nr. 654,
Wainio Clad. 2 p. 38: steril auf steinigem, bemoostem Boden bei Ehrenburg
von Prof. Kernstock beobachtet: thallus K rubescens.
Rinodina ramulicola Kernst. in lit. ad Arn. 18. September 1895, exs. Arn.
1654: an dünnen Zweigen einer abgedorrten Populus tremula hei Ehrenburg
unweit Bruneck von Prof. Kernstock aufgefunden und für Arn. exs. 1654 ge-
sammelt: ab affinibus differt thallo et apoth. margine K—, mox rubesc. Die
Flechte hält habituell die Mitte zwischen Rinodina exigua Ach. und R. sophodes
Ach.; der glatte Rand der Apothecien ist in der Regel weiss, hie und da blassgrau,
die braunen, zweizelligen Sporen sind 0'018—21 mm 1g., 0'007—10 mm lat.,
octonae, sporoblastiis non raro subcordatis.
Rhizocarpon Ocderi Web. (comp. Arn. Tirol XXV p. 403): an Thon-
glimmerschiefer bei Ehrenburg von Prof. Kernstock gesammelt und in Arn.
exs. 1662 niedergelegt.
ni. 2,08 L Jun
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 135
XXI. Sulden.
I. In der Umgebung von Meran sammelte Eggerth (Tirol XXIV p. 266)
einige Flechten für die Exsiccata: Kerner Austro-Hung. (Arn. Jura in Flora
1885 p. 243 Nr. 47).
Callopisma rubellianum Ach., Kerner Austro-Hung. 2346.
Aspieilia einerea L., Kerner Austro-Hung. 2348.
Tomasellia arthonioides Mass., Kerner Austro-Hung. 2357.
Collema pulposum Bhd., Kerner Austro-Hung. 2361.
Collema microphyllum Ach., Kerner Austro-Hung. 2360.
II. Bei Schlanders (Tirol XXII p. 61) wurden von den Herren Eggerth
und Steiner für die nämliche Sammlung, sowie für die Kryptogamae exsiceatae
musei Vindob. 1894 gesammelt:
Dimelaena Mougeotioides Nyl., Kerner Austro-Hung. 2347 I, leg. Eggerth.
Lecania Koerberiana Lahm, Krypt. exs. 52, leg. Steiner (Arn. Tirol
XXV p. 407).
Mierothelia anthracina Anzi, Krypt. exs. 66. leg. Steiner.
III. Rinodina canella Arn. Lich. exs. 1894 p. 30 ist die Tirol XXII p. 63,
XXIV p. 266 erwähnte Kinodina, von Eggerth bei Schlanders gesammelt und
in Arn. 1161 ausgegeben.
XXV, Der Arlbere.
Aufenthalt in St. Anton am Arlberg: 15.—20. August 1893, 12.—30. August
1894 und 3.—7. September 1895.
I. Zunächst sind einige Flechten zu nennen, welche für meine Lichenes
exsiccati in der Umgebung von St. Anton gesammelt wurden:
Arn. exs. 1483 b: Stereocaulon coralloides Fr.: an Glimmerblöcken im
lichten Fichtenwalde des Verwallthales.
Arn. exs. 1575: Stereocaulon alpinum Lr. f. botryosum Laur., Arn. Tirol
- _XXV p. 380; an der hier bezeichneten Felswand des Rendelthales und weiter
_ aufwärts an den nasskalten Felsen, welche sich links thaleinwärts gegen die
Scharte zu hinaufziehen; hie und da ce. ap.: sporae 3—5 septat., uno apice cuspi-
datae, 0°027—30 mm Ig., 0'005 mm lat.
Arn. exs. 1576: Stereocaulon denudatum Fl.: häufig an der Nordseite
eines grossen Glimmerfelsens im Fichtengehölze des Verwallthales zwischen der
Kapelle und dem Wasserfalle.
Arn. exs. 1146 b: Sphaerophorus coralloides Pers.: steril an dem Tirol
XXV p. 378 bezeichneten Felsen im Verwallthale.
Arn. exs. 1610: Imbricaria prolixa Ach. f. pannarüformis Nyl., Arn.
_ Tirol XXIII p. 83, exs. Norrlin Fenn. 207 a, b. (Die Flechte, welche einer
Glimmerwand im Verwallthale entnommen wurde, kommt gesellig mit Imbricaria
sorediata Ach. vor.)
118%
134 F. Arnold.
Arn. exs. 1579b: Gyrophora cinerascens Ach.: von dem Tirol XXV p. 380
angegebenen Standorte im Rendelthale.
Arn. exs. 1583: Mosigia gibbosa Ach.: im Verwallthale am Wege bald
nach der Kapelle an der Glimmerwand, in welche die Jahreszahl 1609 einge-
meisselt ist. (Nach den in St. Anton eingezogenen Erkundigungen gilt diese Zahl
für echt.)
Arn. exs. 1588: Catolechia pulchella Schrad.: an der Felswand im Rendel-
thale (Tirol XXV p. 380, letzte Zeile) in handbreiten Exemplaren und weiter auf-
wärts an den vorhin erwähnten nasskalten Felsen, an welchen Zecidea armeniaca
f. Tutescens Anzi häufig ist.
Arn. exs. 1620: Biatora Kochiana Hepp: an der Felswand ober den
Albonseen unterhalb der Nordseite des Wirth.
Arn. exs. 1657: Lecidea distans Kplh.: an der senkrechten Seite eines
etwas über 2m hohen Glimmerfelsens am Gehänge bei der Knappenhütte ober
den Albonseen.
Arn. exs. 1624a: Lecidea incongrua Nyl., Arn. Tirol XXV p. 380: an
der Felswand ober den Albonseen.
Arn. exs. 1631: Cyphelium trichiale Ach. f. candelare (Schaer. En. p. 172),
Kplh. Lich. Bay. p. 269, Arn. Jura Nr. 445: an dürren Zweigen einer Fichte im
Felsengerölle des Verwallthales. Die Aeste sind von der Lepra gelb überzogen
und zerstreut stehende Apothecien mangeln nicht; ob jedoch beide zusammen-
gehören, bleibt vorläufig dahingestellt.
Arn. exs. 1632: Endocarpon rivulorum Arn. Tirol XIII p. 249: auf
Glimmersteinen im Quellbache seitwärts der Felswand im Rendelthale (Tirol
XXV p. 388), an jener Stelle alle Steine überdeckend.
Arn. exs. 1591: Sphaeromphale areolata Ach., Arn. Tirol XXV p. 387:
auf Blöcken und grösseren Glimmersteinen im Bache ober den Albonseen,
Arn. exs. 1624 b: Polycoccum Sporastatiae Anzi f. incongruae Arn. (1894)
fragm. 34 p. 10: parasitisch auf dem Thallus der Lecidea incongrua ober den
Albonseen: apothecia punctiformia, sat dispersa, atra, perithee. sub microscopio
fuscum, K—, hym. absque paraph., sporae fusc., nigrie. fuse., elongato-oblong.
et obtusae, hie inde cum guttula, 1 septat., 0015—17 mm Ig., 0006—7 mm lat.,
8 biseriatae in ascis oblongis, 0'045 mm Ig., 0'015 mm lat.
Die Tirol XXV p. 388 erwähnte Lecanora acceptanda Nyl. ist in sterilen
Exemplaren in Zw. exs. 1174 enthalten.
II. Die obersten Höhen der Arlberggruppe sind mir nicht mehr zugäng-
lich. Hieher gehören auch die Berge nördlich von St. Anton, von welehen die
auf der geognostischen Karte von Tirol (1849) als Valfigarer Spitze eingetragene,
vom Eingange in das Verwallthal aus gerade noch sichtbare Bergspitze besonders
deshalb einer genaueren Prüfung werth sein dürfte, weil dieser Kalkberg mit
schwarzem Brauneisenstein endigt. Es wird hiedurch der Eindruck hervorgerufen,
als ob der Schatten einer Wolke über dem Gipfel lagere.
Zur Ergänzung der Flora des Arlberges mögen einige Standortsangaben
hier Platz finden:
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 135
A. Parmelia endococeina Koerb. par. 1859 p. 36 wurde von mir am
6. August 1894 auf Steinen des Tirol XXV p. 366 erwähnten Gerölles bei Pettneu
gefunden; sie ist von dort in Arn. exs. 1612 aufgenommen und in jenem Be-
reiche des alpinen Buntsandsteines bis St. Jacob verbreitet, wo sie bald darauf
auch von Prof. Dr. Zopf beobachtet wurde.
Die verwandten Arten und Formen sind:
a) Medulla coceinea:
1. P. endococeina Koerb., Müller Flora 1874 p. 531, Nyl. Flora 1877
p. 354; Hue Add. p. 54, Lamy Lich. Caut. p. 30.
@. exs. Arn. 533, Lojka univ. 68, Lojka hung. 19.
ß. exs. Arn. 1612; sit f. subnigricans Müll. in Flora 1874 p. 531.
f. sangwinolenta Müll. in Flora 1874 p. 331.
exs. Anzi 55 dext.
f. venusta Bagl. Comm. it. 1 1863 p. 299, 2 p. 253.
f. subnigricans Müll. in Flora 1874 p. 331.
b) Medulla ochraceo-fulvese. vel ochraceo-einnabarina:
2. P. endochroidea Nyl. Flora 1875 p. 442, Hue Add. p. 54, Lamy Lich.
Caut. 1884 p. 29.
c) Medulla flava vel eitrina:
3. P. enteroxantha Nyl. Flora 1873 p. 196, 1875 p. 442, Pyren. Or. p. 50,
Hue Add. p. 55.
4. P. endochrysoides Nyl. Flora 1875 p. 442, Hue Add. p. 54.
exs. Zw. 703, Lojka hung. 20.
5. P. endochrysea Hampe, Nyl. syn. 1 p. 427, Hue lich. exot. p. 113
(Amerika).
B. Psora (Schaereria) einereorufa Schaer., Koerb. par. p. 123: an der
senkrechten Seite @ines Glimmerfelsens im Malfonthale ober Pettneu von Herrn
Lederer angetroffen.
C. In der Umgebung von St. Anton darf das Verwallthal als der haupt-
sächliche Cladonienstandort bezeichnet werden. Zwischen der Kapelle und dem
Wasserfalle liegen rechts vom Wege im lichten Fichtenwalde zahlreiche und grosse
Glimmerblöcke, welche theils von Moosen überwachsen, theils mit einer dünnen
Erdkruste bedeckt sind. Hier kommen auf Erde der Blöcke und dem steinigen
Boden nicht blos die Tirol XXV p. 377 erwähnten, sondern auch noch folgende
Arten vor:
1. ©. rangiferina L. 6. ©. coceifera f. phyllocoma Fl.
2. C. alpestris L. Seyphi apice fungo atro infes-
3. C. uncialis f. turgescens Fr.: von hier tati: von einem Blocke in Rehm
in Rehm (lad. 425 aufgenommen. | Clad. 435 niedergelegt.
4. ©. amaurocraea Fl. 7. C. deformis, m. mesothetum Wallr.
5. Ü. eyanipes Smft.: sterilauf mehreren S. p. 76, 185; das hier gefundene
Blöcken und von dort in Arn. exs. Exemplar ist in Arn. exs. 1638
1607 ausgegeben. abgebildet.
136 F. Arnold.
8. ©. bellidiflora Ach.: leptostelis pro- von hier in Rehm Clad. 436 ent-
boseidea Wallr. 8. p.175, ie. Arn. halten.
exs. 1349 inf.: von hier in Rehm f. elegans Del., Wainio 1 p. 390,
Clad. 428 ausgegeben. An diesem nicht häufig.
Standorte wächst m. phyllo- | 10. ©. degenerans f. anomaea Ach.: von
phorum Wallr. S. p. 175, ie. Arn. hier in Rehm Clad. 431 vertheilt.
1350 inf. vereinzelt eingemengt. | 11. ©. decorticata Fl.: dürftig und steril:
9. C. erispata Ach. f. dilacerata Sch.: | für Rehm (lad. 432 gesammelt.
Einem alternden, vorjährigen Pilz (Polyporus perennis) waren Spuren -
von Cladonia silvatica, O. coceifera (thalli foliola) und O©. fimbriata (scyphuli
f. tubaeformis) aufgewachsen; Apothecien der Bacidia albescens Hepp: apothecia
carneoalbida, intus incol., hym. jodo caerul., sporae subrectae, 0'024—30 mm Ig.,
0:002 mm lat., octonae, bedeckten die Oberfläche eines Exemplares dieses Polyporus.
Ist man am Wasserfalle vorüber und hat einen Wiesenplan überschritten,
so gelangt man bald an die Tirol XXV p. 378 erwähnte felsige Stelle; hier:
1. C. pleurota Fl., m. mesothetum Wallr. S. p. 76, Ach. syn. p. 270:
„rarissime e centro scyphorum prolifera*; Wainio Monogr. Clad. 1 p. 171.
Das gesammelte Exemplar ist inArn. exs. 1637 abgebildet.
2. C. deformis m. platystelis Wallr. S. p.97: an einem bemoosten feuchten
Glimmerfelsen, aus dem Moose hervorragend: die gesammelten sterilen Podetien
sind in Arn. exs. 1636 abgebildet.
3. C. carneopallida Fl., carneola Fr., comp. Wainio 2 p. 420: Frucht-
exemplare ziemlich selten.
4. C. pyeidata f. cerina Arn. Tirol XXIII p. 140, Wainio 2 p. 225, 469:
diese habituell sich gleichbleibende Varietät, deren sterile Becher gerne als f. lophura
Ach. auftreten, bemerkte ich am Waldsaum auf steinigem Boden.
5. ©. acuminata Ach. syn. p. 254, Nyl., Wainio Clad. 2p.73: steril selten
auf kurz begrastem Boden längs. der Wegböschung; thallus K distincte flavesc. ;
ein daselbst angetroffenes fructificirendes Exemplar ist in Arn. exs. 1642 abgebildet.
6. C. cariosa Ach.: ziemlich selten.
Im Walde der Rosannaschlucht bei St. Anton gegen das Moosthal hinauf
wurden an einer lichten Waldstelle bemerkt:
©. erispata Ach.: habitu accedens ad Clad. degenerantem, scyphi autem
pervii; eine in den Formenkreis der normalen Pflanze (infundibulifera Schaer.,
Wainio 1 p. 382) fallende Flechte, von hier in Rehm Clad. 438 aufgenommen.
C. cornuta L., und zwar in zwei nahe beisammen wachsenden Rasen, von
hier in Rehm Clad. 437 ausgegeben: specim. sinistr., die gewöhnlichen, sterilen
Podetien; specim. dextr., planta robustior, habitu C. gracilem tangens, nisi CO.
gracilis ipsa (comp. exs. Norrlin Fenn. 426, Rehm Clad. 325, Arn. 1092).
©. foliosa Smft., macrophylla Schaer.: sparsam, jedoch e. ap.
An abgefallenen dünnen Fichtenzweigen findet man vom Waldboden herüber-
gesiedelt hie und da C. fimbriata f. simplex Weis (tubaeformis Hoff.) mit sehr
kleinen Bechern. s
.
j
Liehenologische Ausflüge in Tirol. 137
©. digitata L.: auf morschem Holze der Fichtenstrünke.
C. chlorophaea F}., reichlich fruchtend auf moderndem Holze von Fichten-
strünken im Verwallthale.
©. ochrochlora Fl., selten im Verwallthale an alten Fichtenstumpfen:
planta vulgaris, apothecia pallidiora testacea et fusca.
D. An der bezeichneten felsigen Stelle im Verwall gedeihen noch einige
andere Flechten:
Pilophorus cereolus Ach., Arn. Tirol XXIII p. 83: steril und selten an
Glimmerblöcken.
Cornicularia aculeata Schreb. f. alpina Schaer., Arn. Tirol XXII p. 66.
Solorina erocea mit zwei Parasiten (Secoliga annexa Arn., Bertia licheni-
cola De Not.) und
Biatora granulosa Ehr. f. escharoides Ehr. bedecken die Erde auf einem
grösseren Blocke; an einem benachbarten Felsen hat sich Imbricaria saxatilis
f. furfuracea Schaer. mit Apothecien verbreitet, welche den Durchmesser von fast
lcm erreichen.
Ochrolechia geminipara Th. Fries Scand. p. 236 inerustirt Pflanzenreste
auf dem Felsen.
Ueber Lebermoosen, dort, wo die Blöcke kluftähnlich zusammenstossen,
Normandina laetevirens T. B.
Sphyridium, Baeomyces roseus, Rhaphiospora flavovirescens Dieks. ce. ap.
- kommen da und dort im Verwall auf Erde an felsigen Plätzen vor und Icmado-
phila aeruginosa überwuchert Sphagnum-Polster.
Lecidea assimilata Nyl., Arn. Tirol XXI p. 137, an einem Glimmerfelsen,
Moose überziehend, im Verwallthale; von hier in Arn. exs. 556 b veröffentlicht.
Lecidea tessellata Fl., Arn. Jura Nr. 288: die typische Flechte zerstreut
auf Glimmerblöcken des Abhanges bei der Strasse oberhalb St. Anton.
Ill. Herr Prof. Dr. Zopf aus Halle zeigte mir am Ufer der Rosanna
die scheibenförmigen Krusten von Placodium melanaspis Ach. In Folge dessen
wurden die Blöcke längs des Flusses von St. Anton bis über den Wasserfall im
Verwall hinaus an zugänglichen Stellen abgesucht. Das Placodium wächst dort
ziemlich häufig an den oft vom Wasser überspülten Glimmerblöcken in Gemein-
schaft mit anderen Arten, welche das Gestein bis zu der Stelle bedecken, welche
das ganze Jahr hindurch unter Wasser steht. Hier und insbesondere in der Tiefe
des Flussbettes hört die Flechtenvegetation auf. Dieselbe ist an der Waldschlucht
bei St. Anton vornehmlich aus folgenden Arten gebildet:
1. Imbricaria saxatilis. 8. Acarospora fuscata Schrad.
2. Imbricaria sorediata Ach. 9. Lecanora badia.
3. Parmelia caesia Hof. 10. Lecanora polytropa Ehr.: pl. vul-
4. Gyrophora deusta L. garis; f. alpigena Ach., Schaer.
5. Gyrophora ceylindrica L. atque f. intricata Schrad.
6. Candelaria vitellina. 11. Aspieilia ceinerea L.
7. Placodium melanaspis Ach., Arn. | 12. Asp. laevata Ach. f. albicans Arn.
Tirol XXI p. 123. | 13. Asp. aquatica Fr.
138 F. Arnold.
14. Asp. lacustris With, Arn. Tirol | 27. Endocarpon rivulorum Arn. (raro,
XXV p. 385. specimina minora).
15. Jonaspis suaveolens Ach. 28. Sphaeromphale fissa Tayl., Arn.
16. Lecidea lactea Fl. Tirol XXV p. 386.
17. L. speirea Ach. 29. Sphaeromphale areolata Ach., Arn.
18. L. dechinans Nyl. Tirol XXV p. 387, cum f. elopi-
19. L. platycarpa Ach. atque f. flavi- moides Anzi.
©
(=>)
cunda Ach. . Verrucaria latebrosa Koerb.
20. L. erustulata Ach. . Ver. elaeomelaena Mass., pl. alpina,
21. L. badioatra Hepp, Arn. Tirol Arn. Tirol XXV p. 385.
je)
art
XXIII p. 94; selten. 32. Ver. pachyderma Arn.
22. L. latypea Ach., Arn. 33. Arthopyrenia Verrucariarum Arn.
23. Scoliciosporum psotinum Fr. 34. Arthopyrenia rivulorum Kernst.
24. Catocarpus rivularıs Flot. 39. Tichothecium gemmiferum T.
25. Rhizocarpon geographieum. 36. Tichothecium pygmaeum Kb.
26. Rhizocarpon obscuratum Ach. et
f. oaydatum Kb.
Von diesem Standorte längs der Rosannaschlucht sind in meinen Lich.
exs. aufgenommen:
Arn. exs. 1616: Placodium melanaspis Ach.
Arn. exs. 1618: Aspieilia laevata Ach. f. albicans Arn.
Arn. exs. 1619: Jonaspis suaveolens Ach.
Arn. exs. 1673: Arthopyrenia rivulorum Kst. auf Sphaeromphale fissa T.
a) Imbricaria sorediata Ach.: soredüs albis, kommt auf den obersten
Theilen der Blöcke vor.
b) Placodium melanaspis Ach.; exs. comp. Arn. Tirol XVII p. 555, atque
Arn. exs. 1616.
c) Aspieihia laevata Ach. f. albicans Arn. Tirol XXIII p. 98; nicht selten
und durch den weissen Thallus auffallend: X —, sporae 0:022—25 mm Ig.,
0'015 mm lat., spermat. varie curvata, 0'021 mm Ig., 0'001 mm lat.
d) Aspieilia aquatica Fr., Arn. Tirol XXV p. 385: thallus pallide ceinera-
scens vel albescens, K—, sporae 0'027—50 mm Ig., 0'015 mm lat., spermatia
recta vel subrecta, 0 014—15 mm Ig., 0'001 mm lat.
e) Lecidea erustulata Ach.: forma: thallus efjusus, pallide sordide einera-
scens, rimulosus, apoth. atrofusca, epith. fuscese., hyp. fuse., sporae speciei,
0'015 mm lg., 0006—7 mm lat.
f Seolieiosporum psotinum Fr., Th. Fries Scand. p. 365, Arn. Jura
Nr. 366, Se: turgidum Koerb. par. p. 241, Arn. Tirol XXI p. 103, 139: nicht
häufig: thallus sordide viridulus, apoth. sordide lutesc. fuscesc., epith. Iuteolum,
K—, ac. nitr. non colorat., hyp. incolor, sporae varıe vermiformes, 0.021—24 mm
lg., 0'003 mm lat. j
9) Arthopyrenia Verrucariarum Arn. Tirol XXV p. 388, 402, lich. Fragm.
1895 Nr. 34 p. 7 Nr. 16 et Fig. 4: parasitisch auf dem Thallus der Aspierlia
u ee
Ser
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 139
laevata f. albicans, rundliche dunkle Flecken bildend: apoth. numerosa, emersa,
perith. fuse., sporae incol., 1 sept., elongato-obl., 0'018 mm lg., 0'005 mm lat.,
8 im ascıs eylindricis.
h) Arthopyrenia rivulorum Kernst.: parasitisch auf Sphaeromphale fissa
und von dieser Stelle in Arn. exs. 1673 enthalten, sowie auf dem Thallus der
Verrucaria pachyderma Arn.
i) Tiehothecium gemmiferum T.: auf dem Thallus von Aspieilia aquatica Fr.,
Lecidea platycarpa, Rhizocarpon obscuratum, Sphaeromphale areolata.
k) Tiehothecium pygmaeum Kb.: auf dem Thallus der Lecidea speirea Ach.
IV. Wie auf vielen Bergen in Tirol wurde auch längs der Halde ober den
Albonseen einstmals ein Bergbau betrieben, dessen Spuren noch heutzutage sicht-
bar sind. An den zum Theile von Krummholz beschatteten Eingängen zu den
Stollen, denen die Schuttmassen vorgelagert sind, bemerkte ich zwar einige Laub-
und Lebermoose (vgl. Jack in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien,
1895, p. 255), jedoch keine Flechten. Dagegen sind in der Höhe eines Meters
noch Ueberreste der von den Knappen benützten Steinhütte vorhanden, auf deren
Blöcken im Laufe der Zeit eine Flechtenvegetation entstanden ist, welche mit
derjenigen der benachbarten Felsen übereinstimmt (vgl. Arn. Jura 1890 p. 61,
Tirol XXV p. 366). Am 23. August 1894 wurden Proben von allen Arten mit-
genommen, welche ich bemerken konnte; das Ergebniss war folgendes:
1. Alectoria jubata L. | 19. Aspieilia alpina Smft.
2. Stereocaulon coralloides Fr. | 20. Lecidea armeniaca DU.
3. Oladonia silvatica L. | 21. L. lithophila Ach. f. ochracea Ach.
4. ©. pyeidata : simplex. 22. L. tenebrosa Flot.
5. Thamnolia vermicularis L. 23. L. Dieksoniüi Ach.
6. Cetraria islandica. 24. L. confluens Fr.
7. Platysma nivale. 25. L. lactea Fl.
8. Imbricaria saxatilis L. 26. L. declinans Nyl.
9. I. lanata L. 27. L. ecrustacea Nyl., Arn. Tirol XXV
10. I. minuseula Nyl. p. 383.
11. Gyrophora ceylindrica L. 28. L. platycarpa Ach. et f. flavicunda
12. G. deusta L. Ach.
13. Candelaria vitellina. 29. L. vorticosa Koerb.
14. Blastenia caesiorufa Ach. (forma). | 30. Sporastatia testudinea Ach.
15. Lecanora badia Pers. 31. Rhizocarpon geographieum.
16. L. sordida Pers. 32. Conida apotheciorum Mass. auf L.
17. L. polytropa Ehr. atque f. alpigena polytropa.
ecrustacea. 33. Arthopyrenia Gyrophorarum Arn.
18. Sarcogyne simplex Dav. 54. Phaeospora geographicola Arn.
a) Blastenia caesiorufa Ach., forma: thallus sordide albesc., K —, apoth.
obscure fuscorufa, epith. fere fuligineum, K+ sanguin., hyp. incol., sporae
polaridyblast., 0015 mm Ig., 0'006—7 mm lat.
2. B. Ges. Bd. XLVI, 19
140 F. Arnold.
b) Arthopyrenia Gyrophorarum Arn. exs. (1895) Nr. 1669, apud 1670 hie
inde adest: die punktförmigen Apothecien sind um die Hälfte kleiner als die zahl-
reichen Spermogonien der G@yrophora ceylindrica, auf deren Thallus dieser kleine
Parasit vorkommt: sporae incol., demum fuscidulae, 1 septat., medio leviter con-
strietae, uno apice magis obtusae quam altero, hie inde cum 2 guttulis maioribus,
0'015 mm 1g., 0'007—8 mm lat., 8 in ascis late oblongis.
c) Phaeospora geographicola Arn., est Phaeospora — jam Tirol XIII
p. 284 Nr. 22, XXI p. 153, Flora 1877 p. 301 Nr. 53 memorata; parasitisch auf
dem Thallus von Rhizocarpon geographicum und von diesem Standorte in Arn.
exs. 1670, apud 1669 hie inde adest, enthalten: sporae fuscae, nigrie. fuscae,
3 septat., fere dactyloideae, 0021—24 mm lg., 0'006 mm lat.
Den Ueberresten der Steinhütte gegenüber und blos etwa 50 Schritte ent-
fernt heben sich die wandartigen Felsen empor, an welchen einige Flechten den
Blick auf sich ziehen. Sphaerophorus fragilis, Alectoria jubata L., planta ater-
rima, und Imbricaria lanata L. wachsen über Imbricaria saxatilis f. panni-
formis Ach. hingebreitet, einer solchen Glimmerwand eine Strecke weit eine
schwarze Färbung gebend; von hier ist Imbr. pannif. in Arn. exs. 1647 mit-
getheilt.
Gyrophora vwellea L.: robuste, sterile Exemplare an den senkrechten
Wänden, welche weiter oben am Gehänge gegen die Gipfelhöhe des Wirth einer
genaueren Untersuchung zu empfehlen sind.
Gyrophora reticulata Schaer., Arn. Tirol XXI p. 121: thallus caesio-
einerascens, retieulato-torulosus, junior saxo adpressus, med. Ü rubese.
Biatora Kochiana, Lecidea armeniaca f. Iutescens Anzi, L. ecrustacea
Nyl., L. incongrua, Catocarpus alpicolus Whg. mit Tichothecium macro-
sporum Hepp.
Rhizocarpon geographicum f. Lecanora Fl. Deutsche Lich. 4. Lief. 1819
p. 4, lecanorina Koerb. syst. p. 263, Th. Fries Scand. p. 623, Arn. Jura Nr. 384,
vereinzelt: apoth. subocellata, pseudolecanorina.
Bemerkenswerth ist, dass Oladonia cyanipes, welche sonst der Waldregion
anzugehören pflegt, hier am Gehänge ober den Albonseen am Fusse der Felswand
gesellig mit Alectoria ochroleuca, Cetraria islandica, Solorina erocea, Ochro-
lechia geminipara zwischen Laubmoospolstern, wenngleich selten, noch fortkommt.
V, Rinden- und Holzflechten.
A. Fichte (Tirol XXV p. 392). Alectoria jubata L. wurde in Fruchtexem-
plaren im Walde an der Rosanna bei St. Anton von Herrn Prof. Dr. Zopf auf-
gefunden. Daraufhin erfolgte eine wiederholte Besichtigung dieses Waldes, welche
ergab, dass die Flechte dort an den oberen dünnen Zweigen der Fichten nicht
gar selten zur Fruchtentwieklung gelangt. Der Thallus ist mehr oder weniger
hellbraun gefärbt, während die Flechte weiter oben im Verwallthale, wo Prof. Zopf
sie gleichfalls fructificirend antraf, die normale schwarzbraune Färbung annimmt.
Die Pflanze ist in Arn. lich. exs. ausgegeben, und zwar:
Arn. exs. 1601a: steril aus dem Rosannawalde.
Se Me Due
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 141
Arn. exs. 1601 b: e. ap. vom gleichen Standorte.
Arn. exs. -1601e: steril mit dunklem Thallus aus dem Verwallthale; alle
Exemplare von den Zweigen einer Fichte.
Arn. exs. 1602: planta sorediifera, steril aus dem Rosannawalde.
Ramalina thrausta Ach. an Zweigen und Platysma complicatum Laur.
an der Rinde im Verwallthale.
Biatora turgidula Fr. an dürren Aesten jüngerer Bäume in der erwähnten
Rosannawaldschlucht und von hier in Arn. exs. 1621 niedergelegt. Vereinzelt
hier auch Agyrium rufum Pers., Arn. Tirol XXI p. 144.
In dieser Thalenge fand ich die Rinde der Fichten ganz besonders flechten-
arm. Allein auch am obersten Waldsaum gegen das Rendelthal vermochte ich
an den alten und hochstämmigen Fichten, welche daselbst als Schutzwald noch
übrig gelassen wurden, nur die gewöhnlichsten Arten zu erkennen.
B. Almus incana (Tirol XXV p. 395). Am Ufer der Rosanna bei Schnann
befindet sich ein Erlengehölze, welches die meisten der an den Erlen bei Pettneu
beobachteten Rindenflechten beherbergt; ausserdem noch: Candelaria concolor
Dicks. f. citrina Kplh. Lich. Bay. p. 164, Arn. München Nr. 104: thallus leprosus,
eitrinus, K —.
O. Rhododendron ferrugineum (Tirol XXV p. 396). In der Rosanna-
schlucht bei St. Anton wächst die Alpenrose an den Glimmerwänden längs des
Fussweges ober dem Flusse, hier: Alectoria ochroleuca Ehr. vereinzelt und nur
3 cm lang, Evernia prunastri, Ramalina pollinaria und jene vielverbreitete
gelbe Lepra chlorina Ach. prodr. p. 6, Koerb. par. p. 292, Arn. Tirol XX
p. 379, XXI p. 144, welche vom Gestein auf die Stämmchen übergegangen ist:
thallus K —.
Ober den Albonseen oberhalb St. Christoph, in der Nähe der alten Knappen-
stollen, kommen Rhododendron-Stauden in einer Vertiefung des Felsengerölles
nur noch mit Mühe fort, hier: Platysma saepincola Ehr. e. ap. (von dieser
Stelle in Zw. exs. 1173 aufgenommen), sterile Imbricaria encausta, Lecanora
subfusca, Aspicilia ceinereorufescens, Catocarpus polycarpus, Rhizoc. geogr.
Biatora vernalis L. var. subgilva Arn., an Rhododendron ferrugineum
bei den Zirben ober St. Anton, Tirol XXV p. 399 lin. 4 Nr. 12. Diese Pflanze
verdient wegen der schmäleren und längeren Sporen einen eigenen Namen; die
Apothecien sind blassgelb bis bräunlich und haben nicht die röthliche oder gelb-
röthliche Färbung der normalen Diatora vernalis.
D. Thelocarpon prasinellum Nyl. Flora 1881 p. 451, Arn. München
Nr. 411, hatte sich mit zahlreichen Apothecien (thalli et apotheciorum globulae
gregariae, pallide flavae, hym. jodo vinos., paraph. discretae, sporae globulares,
raro evolutae, 0'002 mm lat., numerosae, circa 64 in ascis oblongis, medio paullo
inflatis vel apice latis et sat obtusis, 0'090 mm lg., 0'015 mm lat.) in Gemein-
schaft mit kleinfrüchtiger Rinodina pyrina Ach. und Buellia punctiformis Hoff.
auf den Balken aus Fichtenholz eingestellt, welche das bereits 1895 wieder ent-
- fernte Brückengeländer an der Rosannawaldschlucht bei St. Anton bildeten.
192
142 F. Arnold.
VI. Die Gallertflechten sind im Glimmergebiete des Arlberges nur wenig
vertreten.
Collema pulposum Bernh. ce. ap. auf Erde am Rande der Strasse auf der
Passhöhe bei St. Christoph: sporae speciei, 1—3 septat., cum guttulis, 0'018 ad
0021 mm Ig., 0'006 mm lat., octonae.
Collema erispum Ach., Arn. Jura Nr. 579, Nyl. syn. p. 110, Th. Fries
arct. p. 276: auf bemooster Erde der Strassenmauer östlich ausserhalb St. Anton:
thallus sat evolutus, apothecia rariora, margine integro, demum crispo, sporae
latiores, 3 septat. cum guttulis maioribus, 0'024 mm Ig., 0009—12 mm lat.
VII. Kalkflechten. Hier ist lediglich Biatora boreella Nyl., Arn. Tirol
XXI p. 133, zu erwähnen, welche ich am 28. August 1894 auf dem Almajur-
joche (Tirol XXV p. 389) in wenigen Exemplaren antraf: planta terrestris, nigri-
cans, apothecia biatorina, migrie., ep. fuse., hym. jodo caerul., hyp. fuscidulum,
sporae incol., globulosae, 0005—6 mm lat., 24 in ascis elongatis, apiee rotundatıs.
VIII. Aussergewöhnliche Standorte (Tirol XXV p. 401).
Auf dem Damme gegenüber St. Anton blieb seit dem Bahnbau ein Stück
Wollenzeug, das einst Bestandtheil einer Kleidung war, liegen; darauf hatten sich
Cladonia fimbriata f. simplex Weis (tubaeformis Hoff.), seyphi sat minuti, und
Lecanora polytropa Ehr. f. illusoria Ach. spärlich eingefunden.
Im Sandsteingerölle bei Pettneu wurde ein zweites Stück Schuhleder an--
getroffen, welches mit Parmelia caesia und obseura, Candelaria vitellina, Pla-
codium murale Schreb., Lecanora symmictera Nyl. überzogen war.
Die drei Cladonien und Bacidia albescens auf Polyporus perennis im Ver-
wallthale wurden bereits vorhin erwähnt.
IX. Parasiten (Tirol XXV p. 44).
1. Secoliga annexa Arn. Tirol XXI p. 129, XXV p. 375: auf veralteter
Solorina erocea im Verwallthale: apoth. minuta, carneoalbida, leviter urceolata
vel plana, intus incol., paraph. capillares, simplices nec guttatae, sporae acicu-
lares, 7 septat., 0045 mm 1lg., 00025 mm lat., 8 in ascıis subeylindrieis, 0'065 mm
!g., 0009 mm lat.
2. Abrothallus Parmeliarum Smft. auf dem Thallus von Imbricaria saxa-
tilis auf einem Glimmerfelsen im Moosthale.
3. Conida apotheciorum Mass., 4. Bertia lichenicola De Not.
5. Arthopyrenia Gyrophorarum Arn. exs. 1669, 1670.
6. Arthopyrenia Verrucariarum Arn.
7. Arthopyrenia rivulorum Kernst.,, Arn. Tirol XXV p. 403, fragm. 34,
p. 10 fig. 5.
8. Endococcus sphinctrinoides Zw. Flora 1864 p. 88, Heidelb. 1883 p. 80,
Arn. Flora 1874 p. 140; exs. Zw. 492, Arn. 1671: parasitisch auf dem Thallus
und den Apothecien der Physcia elegans an den Sandsteinen einer Feldmauer bei
Nassrain unweit St. Anton: apothecia saepe minus evoluta, habitu Tichotheeü
microcarpi Arn., supra discum dispersa, demum maiora, punchformia, atra,
perithee. integrum, fuse., sporae incol., demum fuscidulae, 1 septat., cum 1 ad
eh Are ie ie
I Zune Da U oz
Lichenologische Ausflüge in Tirol. 145
2 guttulis maioribus, 0'015 mm lg., 0'007 mm lat., 8 in aseis elongato-oblongis,
0'075 mm Ig., 0015 mm lat. Der Parasit ist von hier in Arn. exs. 1671 auf-
genommen.
9. Polycoccum Sporastatiae f. incongruae Arn. exs. 1624 b.
10. Phaeospora geographicola Arn. exs. 1670 atque 1669; Phaeospora —
Tirol XIII p. 284, XXI p. 153.
11. Tichothecium gemmiferum T., 12. Tich. macrosporum Hepp, 13. Tich.
pygmaeum Kb.
14. Fungus imperfectus auf Cladonia coccifera im Verwall: Rehm Clad.
exs. 435.
Referäte.
Kissling, P.B. Beiträge zur Kenntniss des Einflusses der chemischen
Lichtintensität auf die Vegetation. Halle a. S., 1895 (W. Knapp).
28 S., mit drei Curventafeln.
Verfasser veranstaltete in den Monaten August bis December 1894 tägliche
Messungen der chemischen Lichtintensitäten an verschiedenen Punkten in der
“ Umgebung seines Wohnortes (Schwarzenbach a. d. Gölsen, Niederösterreich), und
zwar bestimmte er die täglichen Liehtsummen mittelst Exposition von Chromat-
papieren unter Vogel’schen Scalenphotometern, welche Werthe nach dem von
ihm angegebenen Reductionsfactor auf „Bunsen-Einheiten* umgerechnet werden
können.
Eine tabellarische Zusammenstellung gibt eine Uebersicht über die er-
mittelten Lichtsummen; die beigegebenen Curventafeln geben eine graphische
Darstellung der betreffenden Verhältnisse, für die einzelnen Pentaden des Monates
ermittelt.
Die Beobachtungen wurden zu dem Zwecke angestellt, um die Lichtver-
hältnisse, welche in verschiedenen Pflanzenformationen und Pflanzengenossen-
schaften herrschen, zu ermitteln und so die meteorologischen Daten, welche zum
Verständnisse und zur Beurtheilung der Vegetationsverhältnisse nothwendig sind,
in einem sehr wesentlichen Punkte zu ergänzen.
Demgemäss wurde der Gang der Lichtintensitäten (ausgedrückt in Licht-
summen) bestimmt: 1. in der Genossenschaft der Kryptogamen innerhalb der
Buchen-, resp. Fichtenformation; 2. für die Bodenpflanzen in der Buchen-
formation; 3. für die Oxalis-Gesellschaft innerhalb des Fichtenwaldes; 4. in
der Rubus caesius-Genossenschaft innerhalb der Erlenformation; 5. für Cornus
sangwinea als Vorholzformation; 6. für Sambueus nigra; 7. für Ruderalpflanzen-
genossenschaften; endlich 8. im frei exponirten Hausgarten (gleichzeitig als
Messungen des allgemeinen Tageslichtes).
Verfasser theilt sodann einige Beobachtungen über die einzelnen Forma-
tionen und Genossenschaften mit, wobei speciell auch angegeben wird, bei welcher
144 Referate.
Liehtschwächung einzelne Charakterpflanzen der betreffenden Formation blühend
angetroffen wurden.
Im Anhange werden noch andere meteorologische Beobachtungen aus
Schwarzenbach (nach fünfjährigem Mittel) angeführt. Wie vorliegendes Referat
erkennen lässt, war es Verfasser mehr darum zu thun, meteorologische Daten
über die Lichtverhältnisse in verschiedenen Formationen und Genossenschaften
beizubringen, als ihren Einfluss auf die Vegetation näherem Studium zu unter-
ziehen. Dr. L. Linsbauer (Wien).
Nadsoen & Ueber den Bau des Cyanophyceen-Protoplastes. (Seripta
Botan. Horti Univers. Imp. Petropol., Tom. IV, Fasc. II, 1895, p. 157—232,
Tab. V. — Russisch, mit deutschem Resum£.)
Verfasser gelangte bei seinen Untersuchungen über den Bau des Cyano-
phyceen-Protoplastes zu folgenden Resultaten:
1. Der Protoplast der untersuchten Cyanophyceen (Merismopedia elegans
A. Br., Aphanocapsa Grevillei Rbh., Chroococcus turgidus Naeg., Gloeocapsa
polydermatica Ktz., Lyngbya curvata Rbh., Oseillaria sp., Tolypothrix Aegagro-
pia Ktz. und Aphanizomenon flos aquae Allm.) zeigt einen Wabenbau im Sinne
Bütschli’s. Diese Wabenstructur ist dem Protoplast noch bei seinem Leben
eigen und nicht eine Erscheinung, welehe durch den Tod oder auf künstliche
Weise durch Reagentien hervorgerufen wird. Der Wabenbau des Protoplastes
erweist sich als Resultat der Differenzirung intra vitam seiner Masse selbst. Die
Waben und ebenso ihr Inhalt sind protoplasmatische Substanzen; der Inhalt der
Waben unterscheidet sich von letzteren eher durch physische, als durch chemische
Kennzeichen.
2. Nur der peripherische Theil des Protoplastes ist mit dem Pigment
(Phycochrom) gefärbt, dieser Theil des Protoplastes fungirt zugleich als Zellen-
protoplasma (Cytoplasma) und als Chromatophor. Beide Bestandtheile des
Phycochroms — Chlorophyll und Phycocyan — sind in den Wänden und nicht in
ihrem Inneren enthalten.
3. Der mittlere, pigmentlose Theil des Protoplastes, der „Centralkörper*,
ist kein selbstständiges, abgesondertes Organ des Protoplastes, sondern bietet nur
einen centralen Localisationspunkt einiger Stoffe im Protoplaste dar. Der Central-
körper ist der Gesammttheil der mittleren Waben; sie enthalten einen besonderen,
stark färbenden Stoff, welchen Verfasser provisorisch „Füllsubstanz“ nennt;
in ihrer Region sind ausschliesslich oder hauptsächlich die sog. „Chromatin-
körner“ concentrirt. Der Centralkörper der Cyanophyceen und der Zellkern
anderer Organismen sind Bildungen, welche nicht nur einander entsprechen und
vertreten, sondern auch den Hauptzügen nach in vielen Fällen sich nähern.
4. In der Reihe der Cyanophyceen zeigt der Protoplast verschiedene
Differenzirungsstufen in Protoplasma und Centralkörper; letzterer, welcher dem
Zellkerne anderer Organismen entspricht, unterscheidet sich von diesem haupt-
sächlich durch Unbeständigkeit seiner morphologischen Merkmale.
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Referate. 145
5. In dem Zellinhalte der Cyanophyceen befinden sich dreierlei Körnchen:
Chromatinkörner, Reservekörner (diese bei allen untersuchten Arten) und
plasmatische Mikrosomen (nur bei Merismopedia und Aphanocapsa deutlich
beobachtet). Die Chromatinkörner dürften den „rothen Körnchen“ Bütschli’s,
den „Schleimkugeln“ von Palla und Schmitz (zum Theile) und einem Theile
der „Cyanophyeinkörner* von Hieronymus entsprechen. Die Chromatinkörner
sind hauptsächlich in dem Centralkörper der Zelle concentrirt. Ausser dem regel-
mässigen Chromatingehalt der Zelle wurde vom Verfasser ein überschüssiger oder
mangelhafter Chromatingehalt gefunden. Zellen mit verändertem Chromatin-
gehalte verlieren die Fähigkeit nicht, sich durch Theilung zu vermehren. Die
plasmatischen Mikrosomen und Reservekörner finden sich nur im Protoplasma;
letztere fungiren wahrscheinlich als Reservestoffe. Die Reservekörner entsprechen
den Körnern „Cianofieina* von Borzi, den „Cyanophycinkörnern“ von Palla
und einem Theile der „Cyanophyeinkörner“ von Hieronymus.
6. Bei der Zelltheilung halbirt sich der ganze Protoplast durch Ein-
schnürung in der Mitte; dabei schnürt sich auch der Centralkörper ein und zer-
fällt in zwei neue. Verfasser hat ebenfalls Fälle der „asymmetrischen“ Theilung
des Centralkörpers beobachtet.
7. Ein Vergleich des normalen Cyanophyceen- und Bacterien-Protoplastes
mit dem Protoplaste der Zellen des menschlichen Körpers in einigen patho-
logischen Fällen führte zu der Ueberzeugung, dass für höhere Organismen als
anormal und pathologisch zu bezeichnende Zustände für die niederen Lebewesen
als normale und physiologische angesehen werden müssen.
8. In der Structur ihres Protoplastes sind, wie schon Bütschli nach-
gewiesen hat, die grösseren Bacterienformen (Chromatium, Ophidomonas) den
Cyanophyceen ähnlich. Der Protoplast der meisten kleineren Bacterien da-
gegen zeigt keine Differenzirung in Centralkörper und peripherisches Protoplasma.
Der undifferenzirte Protoplast solcher Bacterien enthält in sich potentiel nicht
nur den Kern, sondern auch das Protoplasma; er entspricht also dem ganzen
Protoplaste anderer Organismen.
9. Der Zellkern ist phylogenetisch nicht älter und nicht jünger, als das
Protoplasma. Verfasser hält die Vermuthung Wiesner’s, nach welcher Kern
und Protoplasma phylogenetisch gleich alt sind, als die richtigste.
10. Bezeichnet man als „Protoplast* jenen Zellinhalt, in welchem ein
morphologisch gesonderter Zellkern als Bestandtheil vorhanden ist, so verdient
der Protoplast der Cyanophyceen und der Bacterien einen besonderen Namen,
„Archiplast“ des Verfassers. Die Archiplasten der Bacterien und Cyanophyceen
hängen wahrscheinlich phylogenetisch zusammen; aus dem undifferenzirten Archi-
plast der kleineren Baeterien hat sich wahrscheinlich durch progressive Differen-
zivrung der Archiplast der höheren Bacterien und Cyanophyceen herausgebildet.
Schwerer lässt sieh das Verhältniss zwischen Archiplast und Protoplast feststellen;
es ist jedoch wahrscheinlich, dass wenigstens ein Theil der Zellkerne aus dem
Centralkörper des Archiplastes entstanden sei. Es wäre jedoch gewagt, die Proto-
plastenformen, welehe man bei den verschiedenen Organismen beobachtet, von
146 Referate.
dem Cyanophyceen- und Bacterienprotoplaste abzuleiten; es ist eher anzunehmen,
dass einige Lebewesen nicht von dem Archiplaste, sondern von einer anderen,
vielleicht noch älteren Urform des Lebenssubstrates ihren Anfang nehmen.
Dr. A. Zahlbruckner.
Gabelli L. Sull’ identitä della Vieia sparsiflora Ten. coll’ Orobus
ochroleucus W. et K. e sull’ affinita di tale specie colla Vicia
Orobus DC. (Malpighia, IX, 1895, p. 315—328.)
Verfasser kommt zu dem Resultate, dass die italienische Vieia sparsiflora
Ten. mit Orobus ochroleuceus W. K. — Vicia pilisiensis Aschers. et Janka iden-
tisch ist. Er betont deren nahe Verwandtschaft mit Vieia Orobus DC. und meint,
erstere könne von dieser durch Verlust der Ranken abgeleitet werden und stelle
eine Unterart derselben dar, welche sie im südöstlichen Europa vertritt. In Bezug
auf die Gattungsfrage hält Verfasser die Vereinigung von Lathyrus (inel.
Orobus) und Vieia zu einer Gattung für geboten.!) Obige Art hat den Namen
Vieia sparsiflora Ten. zu führen, da derselbe älter ist als der Name Veeia pil-
siensis Aschers. et Janka. In Bezug auf die vom Verfasser auch in Vergleich
gezogene Vicia auramtia (Stev.) Boiss. möchte Referent bemerken, dass diese Art,
welche übrigens richtig Vieia erocea (Desf.) Fritsch heisst, mit dem Formenkreis,
der sich um Vieia Orobus und Vieia Cassubica L. gruppirt, keine Verwandt-
schaft hat.!) Prof. C. Fritsch.
Handlirsech Anton. Nachträge und Schlusswort zur Monographie der
mit Nysson und Bembex verwandten Grabwespen. Mit zwei Tafeln.
(Sitzungsberichte der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, mathem.-naturw.
C1., Bd. CIV, Abth. I, October 1895.)
Erst im Jahre 1893 veröffentlichte Handlirsch den VII. Theil (Schluss-
theil) seiner vorzüglichen Monographienreihe. Seit dieser Zeit — übrigens wohl
schon seit dem Erscheinen der einzelnen Theile der genannten Monographie —
hatte sich dem Autor eine Menge Stoff zu Nachträgen angesammelt. Dieser be-
stand aus einer grossen Anzahl neuer durch Acquisitionen und Einsiehtssendungen
erworbener, noch unbeschriebener oder mittlerweile in der Literatur bekannt ge-
wordener Arten, in neuen Daten für die geographische Verbreitung und endlich
in dem Bedürfnisse, einiges früher Uebersehene nachzuholen und einzelne Arten
noch näher zu kennzeichnen. Dieser ganze Stoff ist nun unter obigem Titel in
einem Bande, 279 Seiten umfassend (8. 801—1079), niedergelegt. Die ausgiebigste
Ergänzung erfuhren die Gattungen Gorytes, Stizus und relativ wohl auch Nysson.
Neu beschrieben werden im Ganzen 50 Arten. Beträchtlich ist auch die Anzahl
von Arten anderer Autoren, welehe auf Grund der Ansicht der Typen neuerdings
und gründlich beschrieben wurden. Sehr löblich ist es, dass Handlirsch die
guten einschlägigen Arbeiten von W. J. Fox ausgiebig benützt hat, wie z. B.
1) Vgl. Fritsch, Ueber einige Orobus-Arten und ihre geographische Verbreitung (Sitzungs-
berichte der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, mathem.-naturw. C1., Bd. CIV, Abth. I, S. 479—520).
r
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a en m Zu
Referate. 147
durch Aufnahme von dessen Bestimmungstabellen der nearktischen Alyson- und
Didineis-Arten.
Das Ganze erhält einen würdigen Abschluss in einem Nachworte, in dem
neben der Besprechung der geographischen Verbreitungsverhältnisse auch ein
Gesammtbild der verwandtschaftlichen und phylogenetischen Beziehungen ent-
worfen wird. Die in tabellarischer Form gehaltene „Systematisch-geographische
Uebersicht der Gattungen und Artgruppen“ ist ungemein übersichtlich und werth-
voll. Zu diesem prächtigen Nachworte wurde der Verfasser durch seine ebenso
gründliche als umfassende Artenkenntniss befähigt und berechtigt.
Diese Abhandlung bildet sonach einen gediegenen Schlussstein für die
Monographienreihe von Nysson— Bembex. Franz Friedr. Kohl.
Dalla Torre, C. &. de. Catalogus Hymenopterorum hucusque descrip-
torum systematicus et synonymicus. Lipsiae, 1892—1895 (Sumpt.
G. Engelmann). 8°. Volum. X. Apidae (Anthophila).
Dieser dem Bienenforscher Heinr. Friese in Innsbruck gewidmete Band
bringt in einem Umfange von 643 Seiten die Citate der Blumenwespen (Bienen).
Seine Durchführung zeigt dieselbe gediegene Anlage, dieselbe Vollständigkeit und
Richtigkeit der Citate, wie die früher erschienenen Bände des Kataloges, mit
denen er ja gleichzeitig im Manuscript entstanden ist; wie diese verdient er alles
Lob. Nun einige Bemerkungen! Mit vollem Recht erscheint der alte Latreille-
sche Name Podalirius für jene ungemein artenreiche Gattung (Friese schätzt
die Zahl auf 2000 Arten), welche man bisher unberechtigt mit dem Namen
Anthophora bezeichnete, wieder zu Ehren gebracht, und wird gerade der Katalog
im Stande sein, den liebgewordenen Irrthum zu beseitigen. Wenn es die Sache
eines Kataloges wäre, das in ihm verwendete System zu verantworten und zu
begründen, so liesse sich wohl Manches gegen die Anwendung von Subfamilien-
bezeichnungen, sowie gegen die Anordnung der Genera (besonders der exotischen),
die nach den heutigen Prineipien der Systematik wohl nur von phylogenetischem
und den damit in unzertrennlichem Zusammenhange stehenden morphologischem
Standpunkte aus erfolgen kann, einwenden. Allein die nächstliegenden Aufgaben
des Katalogverfassers sind andere, als die des Systemforschers, und jene hat Dalla
Torre in so ausgezeichneter Weise gelöst, dass ihm die Wissenschaft hiefür Dank
weiss. Auf Grund dieses Katalogbandes dürften wohl, so hofft der Referent,
Manche zu monographischen Bearbeitungen, die für das Heil der Systematik
unerlässlich sind, ermuthigt werden, Franz Friedr. Kohl.
Friese Heinr. Die Bienen Europas (Apidae europaeae) nach ihren
Gattungen, Arten und Varietäten auf vergleichend morphologisch-
biologischer Grundlage bearbeitet. II. Theil: Solitäre Apiden. Berlin,
Friedländer & Sohn, 1896. 8°. 216 8.
Mit dem Erscheinen dieses Theiles ist das grosse von Schmiedeknecht
begonnene Bienenwerk seinem Abschlusse um ein gutes Stück nähergerückt und
den Hymenopterologen die Aussicht eröffnet, in absehbarer Zeit eine gediegene
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 20
148 Referate.
Monographie aller europäischen Bienen zu besitzen. Eine der artenreichsten Gat-
tungen — Eucera im weiteren Sinne — füllt diesen zweiten Theil von Friese’s
Werk fast ganz aus. Von 160 Arten dieser Gattung sind 103 in die von Friese
aufgestellten Verwandtschaftsgruppen eingereiht und der Mehrzahl nach vom Autor
selbst gewissenhaft untersucht und beschrieben worden.
Ausser der grossen Gattung Hucera enthält die Publication noch Melk-
turga, Aucyla und Tarsalia. Von hohem Werthe ist die Erweiterung des berück-
sichtigten Faunengebietes auf Turkestan — entschieden ein grosser Fortschritt
im Vergleiche zu dem ersten Theile des Werkes.
A. Handlirsch.
Meliechar, Dr. L. Cicadinen (Hemiptera-Homoptera) von Mittel-
europa. Berlin, F. Dames, 1896. 8°. 364 S. Mit 12 Tafeln.
Der Grund, warum sich die Mehrzahl der Inseetensammler immer wieder
den Ordnungen der Lepidopteren und Coleopteren zuwendet, die — wenigstens in
unseren Gegenden — nur mehr wenig Neues bieten, und warum nur Einzelne
sich dem Studium anderer Inseetenordnungen widmen, liegt wohl in erster Linie
in dem Mangel gerade für Anfänger brauchbarer Bestimmungsbücher. Wir müssen
daher Meliehar’s Werk freudig begrüssen, denn es ist dazu bestimmt, diesem
Mangel bei der Gruppe der Cicadinen abzuhelfen. Es war nicht die Absicht des
Verfassers, durch neue systematische Eintheilungen oder durch Aufstellung vieler
neuer Arten, die ja in dem behandelten Gebiete noch leicht zu finden sind, seinem
Werke den Stempel der Originalität aufzudrücken, sondern ausschliesslich durch
möglichst sorgsames Zusammentragen aller brauchbaren Publieationen und durch
Darstellung des kritisch verarbeiteten Stoffes in leicht fasslicher und praktischer
Form dem Studium der Homopteren neue Jünger zuzuführen.
Deshalb ist Dr. Melichar’s Werk aber keineswegs für den Fachmann
werthlos, denn Jeder wird gerne ein Buch benützen, welches rasch über manche
Frage Auskunft gibt und in dem er alles Wesentliche aus der Literatur zusammen-
getragen findet. Der wissenschaftliche Werth des Buches wird übrigens auch da-
durch bedingt, dass die Beschreibungen weitaus der meisten Arten nach kritisch
bestimmten (von Löw, Fieber, Puton ete.) Individuen durchaus selbstständig
verfasst wurden, und dass der Autor die zahlreichen Figuren alle mit einer
„Camera lueida“ angefertigt hat. Man vergleiche Melichar’s Zeichnungen mit
jenen von Fieber, die ohne Zeichenapparat entstanden sind! Auch in Bezug
auf geographische Verbreitung und Synonymie bietet das Werk eine Fülle für
jeden Fachmann wichtiger Daten.
Wir wünschen dieser ersten deutschen Einführung in das Studium der
Cieadinen einen recht guten Erfolg, den schönsten Lohn für die viele Mühe und
Sorgfalt, die der Verfasser seinem ersten Werke zugewendet hat, und hoffen, dass
ihn eine gerechte, das Wesen der Arbeit berücksichtigende Kritik ermuntern wird,
seine Zeit auch in Zukunft der Entomologie zu widmen.
A. Handlirsch.
Referate. 149
Sueker L. Die Fische nebst den essbaren wirbellosen Thieren der
Adria und ihre Zubereitung. Triest, 1895. 8°.
Nicht nur dem Laien, sondern auch dem Naturforscher bietet sich beim
Besuche eines unserer Fischmärkte an der Adria, insbesondere jenes von Triest,
eine Fülle von Formen dar, deren Classifieirung und Benennung mehr oder
weniger — nicht gelingen will. Der von den Verkäufern meist undeutlich aus-
gesprochene und von dem Fragesteller noch undeutlicher verstandene landes-
übliche Name trägt selten etwas zur Aufklärung bei. Bisher war es ein kleines
Büchlein, betitelt: „Der Fischplatz in Triest“ von Dr. Plucar, welches die
gewünschten Aufschlüsse am raschesten gewährte und auch in der zoologischen
Station zu Triest von den dort Studirenden als erster Rathgeber befragt zu werden
pflegte. Plucar’s Werk erschien bereits 1846 und ist nun doch schon etwas alt
geworden, so dass das Erscheinen eines neuen Buches, welches einen ähnlichen
Zweck verfolgt, mit Freuden zu begrüssen ist. Dieses wurde unter Berücksichti-
gung der einschlägigen neueren Literatur verfasst und enthält zunächst die ana-
lytischen Schlüssel zur Bestimmung der Ordnungen, Familien und Gattungen
der Fische, von denen die wichtigsten auf den Markt kommenden Arten, 187
an der Zahl, durch kurze Beschreibungen charakterisirt werden. — Ein zweiter
Abschnitt ist den Wirbellosen gewidmet und behandelt 78 Arten, vorwiegend
Krebse und Mollusken. Bei den meisten Tbieren ist nebst der Beschreibung eine
Angabe über deren Vorkommen und gastronomischen Werth zu finden. — Wer
den letzteren selbst experimentell zu prüfen wünscht, findet in dem dritten Theile
des Buches eine Anzahl von Kochrecepten, welche die Zubereitung der verschiedenen
„frutti di mar“ auf Triestiner Manier lehren und nach dem Urtheile einer im
Sieden und Braten der „Früchte des Meeres“ erfahrenen Dame als verlässlich zu
empfehlen sind. — Es wurden die Listen der aufgezählten Arten nicht strenge
auf ihre Vollständigkeit controlirt,, doch ist das Fehlen der Cynthia micro-
cosmos aufgefallen, einer Ascidie, die über Kohlen gebraten von ärmeren Leuten
häufig gegessen wird; dafür entschädigen uns aber wieder die beiden Recepte zur
Zubereitung der griechischen „Land“-Schildkröten, welche den Schluss des Koch-
buches für „Seethiere“ bilden. L. v. Lorenz.
Wettstein, R.v. Monographie der Gattung Euphrasia. Leipzig (W. Engel-
mann), 1896. 316 S., 14 Tafeln, 4 Karten, 7 Textillustrationen.
„Nicht in der Sammlung einer möglichst grossen Zahl einschlägiger
Angaben .... ., sondern in dem Versuche, durch Vertiefung in das Studium
eines Formenkreises möglichst weit in der Erkenntniss des entwicklungsgeschicht-
lichen Zusammenhanges der einzelnen, sich der Beobachtung darbietenden Formen
zu gelangen“, sieht Verfasser die Aufgabe einer modernen Monographie. Diese
Aufgabe hat Verfasser in Bezug auf die Gattung Kuphrasia in glänzender Weise
gelöst, so dass das vorliegende Werk als Muster einer dem gegenwärtigen Stand-
punkte der Systematik entsprechenden Monographie bezeichnet werden kann.
Im allgemeinen Theile werden nicht nur die morphologischen (inclusive
anatomischen), sondern auch die physiologischen und biologischen Verhältnisse
20*
1 50 Referate.
ausführlich behandelt. Besonderes Interesse bieten die Culturversuche des Ver-
fassers, aus denen sich ergab, dass die Keimung der Euphrasia-Samen von dem
Vorhandensein eventueller Nährpflanzen unabhängig ist, dass auch beblätterte
Sprosse ohne Parasitismus gebildet werden können, dass aber Blüthen und Früchte
nur an jenen Euphrasia-Pflanzen zur Entwicklung kommen, deren Wurzeln mit
den Wurzeln von Nährpflanzen (Gramineen oder Cyperaceen) in Verbindung stehen.
In Bezug auf die Blüthenbiologie ist bemerkenswerth, dass die grossblüthigen
Arten (Beispiel: E. Rostkoviana) auf Befruchtung durch Inseeten angewiesen
sind, während die kleinblüthigen (Beispiel: M%. Salisburgensis) der Autogamie
angepasst sind. Die Arten mit mittelgrossen Blüthen, wie Euphrasia stricta,
verhalten sich intermediär, d. h. sie sind insectenblüthig, ohne die Autogamie
auszuschliessen.
In dem Capitel „Artbildung“ nennt Verfasser als Ursachen der Gliederung
in der Gattung Euphrasia die Hybridisation, die Verbreitung über Gebiete von
verschiedener klimatischer Beschaffenheit und die Unterbrechung der Vegetations-
zeit durch äussere Ursachen. Diesen letzteren Fall zieht Verfasser zur Erklärung
des Vorkommens früh- und spätblühender Parallelarten heran, zu deren Ent-
stehung namentlich das regelmässige Mähen der Wiesen beigetragen haben dürfte
(Saison-Dimorphismus).
In Bezug auf die Entwicklungsgeschichte der Gattung Huphrasia und
ihrer Arten kommt Verfasser zu folgenden Resultaten: Mit Kuphrasia zunächst
verwandt sind die Gattungen Bellardia, Parentucellia (= Eufragia), Omphalo-
thrix, Orthantha (Euphrasia lutea), Odontites und Bartschia, welche alle von
einem gemeinsamen Stamm abzuleiten sind. Die Gattung Euphrasia selbst zer-
fällt in zwei scharf gesonderte Sectionen: Euphrasia Wettst. (73 Arten, auf
beiden Erdhälften) und T7rifidae Benth. (14 Arten in Südamerika). Die erste
dieser Sectionen zerfällt wieder in zwei Subsectionen: Semicalcaratae Benth.
(54 Arten auf der nördlichen Hemisphäre) und Australes Benth. (19 Arten in
Australien). Die „Semicalcaratae“, zu welchen somit alle europäischen, asiatischen
und nordamerikanischen Arten gehören, gliedern sich weiter in „Parviflorae* (ein-
heimische Typen: E. strieta, E. minima), „Grandiflorae* (E. Rostkoviana u. a.) und
„Angustifoliae“ (E. Salisburgensis u. a.). Die höchst interessanten Ausführungen
des Verfassers über den muthmasslichen phylogenetischen Zusammenhang zwischen
den einzelnen Arten dieser Gruppen können hier nicht wiedergegeben werden.
Dem speciellen Theile der Monographie geht eine Bestimmungstabelle für
sämmtliche Arten in lateinischer Sprache voraus, deren Benützung durch die bei
den meisten Arten vorhandenen Hinweise auf die Abbildungen wesentlich er-
leichtert wird.
Bezüglich des speciellen Theiles sei hervorgehoben, dass die Diagnosen in
lateinischer Sprache verfasst sind, dass in denselben die charakteristischen Merk-
male durch Sperrdruck hervorgehoben sind, dass ausführliche Synonymenver-
zeichnisse gegeben und auch die Exsiccaten und Abbildungen bei den einzelnen
Arten angeführt sind, endlich dass die Standortsverzeichnisse mit grosser Genauig-
keit zusammengestellt sind. Neu beschrieben, bezw. neu benannt sind folgende
Referate, 15 1
Arten:!) in der Gruppe der Parviflorae: E. Jaeschkei (Himalaya), E. Regelü
(Kaukasus, Persien, Himalaya ete.), E. Maximowiezii (Mandsehurei-Japan), E.
borealis (Towns. mser.) (Grossbritannien, Far-Oer), E. multifolia (Japan), E. Ameri-
cana (Nordamerika), E. occidentalis (Insel Ouessant), E. Foulaensis (Towns.
mser.) (Shetland-Inseln), E. Oakesii (Nordamerika), E. Scottica (Schottland);
in der Gruppe der Grandiflorae: E. Himalayica (Himalaya), E. Schlagintweitwi
(Himalaya, Altai ete.), E. paueifolia (Himalaya, Tibet), E. petiolarıs (Kaukasus,
Himalaya, ete.); in der Gruppe der Angustifoliae: E. Italica (Italien, Spanien),
E. Japonica (Japan), E. insignis (Japan); unter den Australes: E. Muelleri
(Australien), E. glacialis (Australien), E. Zelandica (Neuseeland), E. Berggreni
(Neuseeland), E. Dyeri (Neuseeland), E. Hookeri (Tasmanien); aus der Section
Trifidae: E. flavescens (Philippi mser.) (Chile), E. debilis (Araucania).
Bemerkenswerth ist, dass dem Verfasser nicht weniger als 22 hybride
Euphrasien bekannt geworden sind (durchwegs aus Europa). Es ist wohl zu
erwarten, dass, nachdem jetzt durch die Studien des Verfassers die europäischen
Arten der Gattung und deren Verbreitung klargelegt ist, nun die Hybriden an
zahlreicheren Orten aufzufinden sein werden.
Eine besondere Zierde der vorliegenden Monographie bilden die derselben
beigegebenen Tafeln. Die erste derselben enthält zumeist anatomische Bilder,
unter denen jene, welche sich auf die Haustorien beziehen, von besonderem In-
teresse sind. Tafel II bringt morphologische Details und Darstellung der Be-
stäubungseinrichtungen. Die Tafeln III—VI sind den zu den einzelnen Arten
gehörigen Analysen gewidmet, meist einzelne Blüthen, Laub- und Deekblätter
und Früchte darstellend. Besonders werthvoll ist es, dass die auf derselben Tafel
abgebildeten Analysen in der Regel in demselben Massstabe ausgeführt sind,
wodurch die Vergleichung wesentlich erleichtert ist. Die noch folgenden acht
Tafeln enthalten durchwegs photographische Reproductionen ganzer Herbar-
Exemplare der einzelnen Arten, wo es möglich war, von Original-Exemplaren,
zum Theil sammt den Original-Etiquetten. Diese Art der Reproduction sei für
ähnliche Arbeiten bestens empfohlen! Die vier Karten bringen die Darstellung
der geographischen Verbreitung der Gattung, ihrer Seetionen und der wichtigsten
Artengruppen und einzelnen Arten; die erste ist eine Weltkarte, die drei anderen
betreffen nur europäische Arten.
Alles in Allem ein Meisterwerk, welches mit vollem Rechte durch Ver-
leihung eines De Candolle’schen Preises ausgezeichnet wurde. Es wäre zu
wünschen, dass recht viele formenreiche Gattungen in ähnlicher Weise bearbeitet
würden. CrFritsch.
Millspaugh Ch. Fr. Contribution to the Flora of Yucatan. Field Colum-
bian Museum. Publication 4. (Botan. Ser., Vol. I, Nr. 1.) Chicago, 1895.
In der Einleitung dieser Abhandlung nennt Verfasser jene Sammler,
welche Yucatan besuchten. Im Jahre 1835 war der bekannte belgische Gärtner
ı) Die vom Verfasser schon vor Erscheinen dieser Monographie (zumeist in der Oesterr. botan.
Zeitschrift) publieirten neuen Arten sind hier weggelassen.
152 Referate.
J. Linden dort und sammelte eirca 25 Arten von Pflanzen, die ersten, welche
aus Yucatan bekannt wurden. 1848 sammelte Johnson eine etwas grössere
Zahl von Pflanzen daselbst. Die erste grössere Sammlung — aber auch diese
nur von 224 Arten — brachte der Ornithologe Gaumer im Jahre 1886 aus
Yucatan. Ausser diesen war bis zum Erscheinen der „Biologia Centrali-Americana*
nichts aus Yucatan bekannt.
Verfasser hatte im Jänner 1895 Gelegenheit, in Yucatan eirca 200 Pflanzen
zu sammeln, und publieirt nun die Bearbeitung derselben. Er führt übrigens
auch die von den früher genannten Sammlern gefundenen Arten an, so dass seine
Abhandlung eine Aufzählung sämmtlicher aus Yucatan bekannter Pflanzen ent-
hält. Uuter denselben sind 4 Jungermanniaceen (bestimmt von Underwood),
3 Laubmoose (bestimmt von Cardot), 9 Farne (bestimmt von Davenport) und
455 Blüthenpflanzen.
Die systematische Anordnung lehnt sich an Engler’s „Pflanzenfamilien“
an. An der Bestimmung einzelner Blüthenpflanzen betheiligten sich Seribner,
Britton und Coulter. Die überwiegende Mehrzahl derselben wurde vom Ver-
fasser selbst in St. Louis (Institut des Prof. Trelease) bestimmt. Neu beschrieben
sind nur zwei Euphorbien: E. Armowriü Millsp. und E. astroites var. heterappen-
dieulata Millsp. Wenn nicht der Artbegriff des Verfassers ein sehr weiter ist, so
lässt sich aus der geringen Anzahl der Novitäten auf eine an endemischen
Formen arme Flora schliessen. — Bei vielen Arten sind die Vulgärnamen der
Mayas beigefügt.
Von den Tafeln bringt die erste einen mächtigen, verzweigten Stamm von
Ficus rubiginosa, die zweite ein Habitusbild und zwei Analysen der neuen
Euphorbia Armourii, die dritte und vierte ein wildwachsendes und ein cultivirtes
Exemplar von Carica Papaya, um den Unterschied in der Ueppigkeit und in der
Grösse der Früchte zu zeigen.
Am Schlusse findet sich eine tabellarische Zusammenstellung der aus
Yucatan (mit Einschluss der Inseln Cozumel ete.) bekannten Gattungen und
Arten aus den einzelnen Familien, dann ein Index der Gattungs- und der
Localnamen. C. Fritsch.
er
General-Versammlung am 1. April 1896.
Vorsitzender: Herr Custos Dr. Emil v. Marenzeller.
Neu eingetretene Mitglieder:
Als Mitglied bezeichnet durch
PUT:
P. T. Herren
Frau Gräfin Draskovich von Trakostjän,
Wien, I, Canovagase 7. . . . . .„ Durch das Secretariat.
Herr Hugo Hinterberger, Lector an der
k.k. Universität, Wien, IX., Pelikangasse 13 J.Brunnthaler, Dr.A.Zahlbruckner.
Eingesendete Gegenstände:
100*Stück Insecten für Schulen von Herın E. Kautetzky.
50 Stück Schmetterlinge für Schulen von Herrn A. Metzger.
Flora exsiceata Austro-Hungarica, Cent. XXVII—XXVIII, vom botanischen
Museum der k. k. Universität in Wien.
Der Vorsitzende eröffnete die 46. Jahres-Versammlung mit
einem Hinweis auf den schmerzlichen Verlust, welchen die Gesell-
schaft durch den Tod ihres langjährigen vielverdienten Präsidenten,
des Fürsten Colloredo-Mannsfeld erlitten und begrüsste dieselbe
im Namen des neugewählten Präsidenten Dr. Richard Drasche
Freiherrn v. Wartimberg, der gegenwärtig fern von Wien weilt.
Er lud sodann die Anwesenden ein, die infolge der Statuten-
änderung nothwendig gewordene Neuwahl sämmtlicher Funetionäre
vorzunehmen und ersuchte die Herren Paul Löw und Alois Teyber,
das Scrutinium der abgegebenen Wahlzettel durchzuführen. _
Nach beendetem Wahlacte erstatteten die Funetionäre die
üblichen Jahresberichte.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 21
154 General-Versammlung am 1. April 1896.
Bericht des Präsidenten-Stellvertreters Herrn Custos Dr. Emil
v. Marenzeller.
Vereinigungen wie die unsere werden häufig mit einem Organismus höhe-
rer Art verglichen. Wir haben ein Haupt und Glieder, das Prineip der Arbeits-
theilung ist deutlich ausgeprägt, wir sehen die verschiedenen Functionen durch
eigene Organe besorgt und hier wie dort ein beständiges Werden und Vergehen
der Grundelemente. Solche gesund organisirte Verbindungen gedeihen auch,
wachsen, blühen und bringen Früchte. Und um den Vergleich vollständig zu
machen: mitten in den Stunden des vollsten Glückes beschleicht auch uns manch-
mal der Gedanke, dass all’ dies Schöne und Gute mit einem Male aus sein könne
und vorbei. Wir erinnern uns, dass alles höher Organisirte vergänglich ist, dass
jeder Augenblick einen Schritt weiter in der Reihe jener Veränderungen bedeutet,
welche die organische Substanz bei einigen Wesen furchtbar rasch, bei anderen
allmälig unfähig machen, den Lebensprocess fortzusetzen. Und mit dem Still-
stand wird der Zerfall eingeleitet.
August Weismann, der nach der Dauer des Lebens forschte, findet, „dass
es die äusseren Bedingungen desselben sind, welche den Organismen gewisser-
massen die Feder einsetzen, oder besser, die ihn selbst zu einer Feder von be-
stimmter Stärke machen, welche nach bestimmter Zeit die Spannkraft verliert,
kurz, dass die Lebensdauer wesentlich auf Anpassung an die äusseren Lebens-
verhältnisse beruht, dass sie normirt, das ist verlängert oder verkürzt werden
kann, je nach dem Bedürfniss der Art, dass sie genau durch denselben mecha-
nischen Regulationsprocess geregelt wird, durch den auch der Bau und die Func-
tionen des Organismus seinen Lebensbedingungen angepasst werden“.
Aehnlich würde meiner Meinung nach auch ein Verein wie der unsere
trotz dem Ersatz der Glieder, welche abfallen oder der Zeit ihren Tribut zahlten,
dem Untergang geweiht sein, wenn er den äusseren Bedingungen, unter welchen er
entstanden, fort und fort angepasst bliebe, während rings um ihn neue entstanden.
Allein diejenigen, welchen der Bestand eines solchen Organismus am
Herzen liegt, haben es glücklicherweise in der Hand, die Fessel, welche an die
Vergangenheit binden, zu brechen, sobald es die Gegenwart erheischt, und einen
Verjüngungsprocess einzuleiten, der in der organischen Welt ohne Beispiel steht;
denn die lebendige Substanz kann ihre Zusammensetzung und damit ihre Lebens-
äusserungen nicht ändern.
In diesem Sinne bitte ich die Neuerungen aufzufassen, welche die Leitung
unserer Gesellschaft als für deren ferneres Leben erforderliche und gedeihliche
im verflossenen Jahre theils bereits einführte, theils anbahnte. Es sind dies die
Ausgabe unserer Verhandlungen in monatlichen Heften und die Aufnahme von
Referaten in dieselben als ständige Beigabe, ferner die Aenderung unserer Sta-
tuten. Der Entwurf derselben ist in ihren Händen. Er bezweckt eine andere
Zusammensetzung des Ausschusses, die Einführung von Ehrenmitgliedern und
die Errichtung von Sectionen. Die Wahl zum Ausschussmitgliede wird auch
fernerhin ein Vertrauensvotum sein, der Anerkennung hoher Verdienste um die
General-Versammlung am 1. April 1896. 155
Wissenschaft oder um unsere Gesellschaft glauben wir verstärkten und besseren
Ausdruck zu geben durch die Ernennung zum Ehrenmitgliede. Der Ausschuss
beehrt sich ihnen als solche vorzuschlagen die Herren:
Bartsch Franz, k. k. Ober-Finanzrath.
Brauer, Dr. Friedrich, k. k. Universitäts-Professor.
Brunner v. Wattenwyl, Dr. Carl, k.k. Hofrath.
Claus, Dr. Carl, k. k. Hofrath.
Hauer, Dr. Franz v., k. k. Hofrath.
Kerner v. Marilaun, Dr. Anton, k.k. Hofrath.
Pelikan Freih. v. Plauenwald, Anton.
Wiesner, Dr. Julius, k. k. Hofrath.
(Unter allgemeinem Beifall fand die Wahl dieser Herren zu
Ehrenmitgliedern auf Antrag Dr. Ostermeyer’s durch Accelamation
statt.)
Durch die Bildung von Sectionen soll den Mitgliedern die weitgehendste
Gelegenheit zu einer besonderen Pflege ihrer Specialität innerhalb des grossen
Muttervereines gegeben und einer ferneren schädlichen Zersplitterung der Kräfte
durch Neubildung von Einzelvereinen entgegen gearbeitet werden.
Ich habe endlich über eine wichtige Aenderung in der Verwaltung unserer
Bibliothek zu berichten. Herr Ober-Finanzrath Franz Bartsch sah sich zu
unserem grossen Bedauern durch die stetige Ausdehnung seiner Berufspflichten
genöthigt, das verantwortungsvolle Amt eines Bibliothekars, welches er durch
21 Jahre mit seltener Liebe und Ausdauer gepflegt, niederzulegen. Herr Franz
Bartsch hat sich den tiefgefühlten Dank eines Jeden erworben, der den Stolz
und Schatz unserer Gesellschaft, unsere Bibliothek, zu schätzen weiss. Seine opfer-
volle Thätigkeit fand soeben in seiner Ernennung zum Ehrenmitgliede die ge-
rechteste Anerkennung.
Die Verwaltung der Bibliothek hat nunmehr ein Comite, bestehend aus
den Herren Dr. Zahlbruckner, Brunnthaler und Dr. Krasser, in dankens-
werther Bereitwilligkeit übernommen.
Zum Schlusse erübrigt mir noch die üblichen statistischen Daten zu geben.
Unsere Gesellschaft besteht aus 452 Mitgliedern und 61 Lehranstalten.
351 Gesellschaften tauschen mit uns ihre Schriften.
Den allerhöchsten Protectoren sind beigetreten die Herren Erzherzoge:
Franz Ferdinand von Oesterreich-Este, Eugen und Friedrich.
Der XLV. Band unserer Verhandlungen hat 446 Seiten und 6 Tafeln.
Als selbstständige Publication wurde herausgegeben, und zwar mit Unter-
stützung des Autors, wofür demselben an dieser Stelle der Dank der Gesellschaft
ausgesprochen wird: Monographie der Pseudophylliden von Carl Brunner v.
Wattenwyl. 282 Seiten in 8° mit 10 Tafeln.
Gestorben sind die Herren: Valentin Ball, Julius Finger, Johann Fri-
valdsky, Josef Heiser, Gustav Henschel, Aurel Scherffel, Carl Schieder-
mayer, Gustav Sennholz.
2
156 General-Versammlung am 1. April 1896.
Bericht des Secretärs Herrn Prof. Dr. Carl Fritsch.
Im Jahre 1895 erschienen die „Verhandlungen der k. k. zoologisch-botani-
schen Gesellschaft in Wien“ zum ersten Male in zehn Monatsheften, welche ausser
den Sitzungsberichten und Abhandlungen auch Referate enthalten. Die separate
Paginirung der Sitzungsberichte wurde aufgegeben, was im Interesse rascherer
Orientirung und abgekürzter Citirung wünschenswerth erschien. Die Autoren
der Abhandlungen, sowie die Vortragenden in unseren Versammlungen können
gegenwärtig auf viel raschere Publication ihrer Arbeiten und Vortragsberichte
rechnen, als früher, wo nur viermal jährlich ein Heft ausgegeben wurde. Ausser-
dem wurde die Anzahl der Gratis-Separata von 30 auf 50 erhöht, was gewiss den
meisten Autoren sehr willkommen ist.
Obschon die meisten im XLV. Bande der „Verhandlungen“ veröffentlichten
Abhandlungen das Mass von zwei Druckbogen nicht überschreiten, übertrifft doch
dieser Band den vorhergehenden an Umfang um mehrere Druckbogen.
Er enthält an zoologischen Abhandlungen eine Arbeit von Bergh
über Hedyliden, zwei herpetologische Abhandlungen von Werner, eine interessante
Mittheilung über eine Süsswasser- Artemia von Grochowski, eine grössere Arbeit
über Ameisen- und Termitengäste in Brasilien von Wasmann, einen Beitrag zur
Kenntniss mitteleuropäischer Myriopoden von Verhoeff, eine Reihe entomo-
logischer (zumeist Lepidopteren betreffender) Mittheilungen von Bohatsch,
Ganglbauer, Grobben, Handlirschh Hormuzaki, Hutten-Klingen-
stein und Rebel, endlich die Beschreibung eines neuen afrikanischen Hundes
von’ Lorenz.
Unter den botanischen Abhandlungen beschäftigen sich die meisten
mit der Phanerogamenflora Eurasiens: hieher gehören die Arbeiten von
Beck, Flatt, Fritsch, Hackel, Procopianu-Procopovici und Rehmann.
Maly lieferte einen werthvollen Beitrag zur Kenntniss der Diatomeenflora Böhmens,
Jack einen ebensolchen zur Lebermoosflora Tirols. Die anatomisch-physio-
logische Richtung ist durch Abhandlungen von Burgerstein, Linsbauer
und Schrötter, die Palaeophytologie durch eine Mittheilung Krasser’s
vertreten.
Die Sitzungsberichte enthalten wissenschaftliche Notizen von den Herren
Adensamer, Eichenfeld, Fritsch, Garbowski, Lorenz, Marenzeller,
Müllner, Scherffel, Teyber und Werner.
Unter den Referaten sind insbesondere diejenigen hervorzuheben, welche
in zusammenfassender Weise die neue Literatur bestimmter Fachgebiete
behandeln, wie die „Uebersicht über die wichtigste auf Oesterreich Bezug nehmende
floristische und pflanzengeographische Literatur des Jahres 1894* von Beek und
die Berichte Rebel’s über lepidopterologische Publicationen. Ueber
einzelne Werke wurde in der Regel nur dann referirt, wenn Recensions-
Exemplare für die Gesellschafts-Bibliothek einliefen oder wenn vorauszusetzen
war, dass ihr Inhalt für unsere Mitglieder besonderes Interesse habe. Es wird
General-Versammlung am 1. April 1596. 157
das Bestreben des Redactions-Comites sein, dafür Sorge zu tragen, dass auch
aus solchen Fachgebieten, die bisher unter den Referaten nur schwach vertreten
waren, wenigstens über die wichtigsten literarischen Erscheinungen den Mitgliedern
regelmässig berichtet wird.
Im Jahre 1895 erschien auch das General-Register zu den Jahrgängen
1881—1890 der „Verhandlungen“. Da die Drucklegung desselben bedeutende
Kosten verursachte, so wurde die Einrichtung getroffen, dass von nun an zu
jedem Band ein Sachregister ausgegeben wird, welches die spätere Zusammen-
stellung eines General-Registers überflüssig macht. Das Sachregister für den
Jahrgang 1895 haben in dankenswerthester Weise die Herren A. Handlirsch
und Dr. A. Zahlbruckner zusammengestellt. Für die Jahrgänge 1891—1894,
welchen kein solches Sachregister beigegeben ist, wird ein kurzgefasstes General-
Register noch ausgegeben werden.
Gleichzeitig mit der Abänderung der Erscheinungsweise der „Verhandlungen“
wurde im Herbste 1894 auch der Beschluss gefasst, grössere Abhandlungen, die
den für die Monatshefte zulässsigen Umfang überschreiten, als selbstständige
Werke herauszugeben. Im Jahre 1895 erschien ein solches umfangreiches Werk,
die „Monographie der Pseudophylliden* von C. Brunner v. Wattenwyl, unter
namhafter financieller Unterstützung von Seite des Autors.
Mit dem Danke an alle jene Herren, welche durch Einreichung wissen-
schaftlicher Abhandlungen, durch Berichte über ihre Vorträge, durch Uebernahme
von Referaten, sowie durch Einsendung von Recensions-Exemplaren neuer Werke
und Separat-Abdrücke die publicistische Thätigkeit der Gesellschaft gefördert haben,
sei dieser Jahresbericht geschlossen.
Bericht des Secretärs Herrn Anton Handlirsch.
Wie aus dem Berichte des Herrn Vorsitzenden zu entnehmen, scheint in
dem Vereinsleben endlich wieder eine aufsteigende Tendenz die Oberhand zu
gewinnen. Das Secretariat war bemüht, die Ursachen des zwar langsamen, aber
regelmässigen Rückganges, welcher seit einigen Jahren unsere Statistik kenn-
zeichnet, zu ergründen und geeignete Mittel dagegen zu finden.
Eine Umgestaltung unserer Publicationen und Statuten, verbunden mit
nicht unwesentlichen Aenderungen in der Verwaltung sind nebst einer intensiveren
Agitation als die ersten Schritte zu betrachten, um dem Vereine neue Mitglieder
und Freunde zuzuführen und eine regere Vereinsthätigkeit hervorzurufen.
Ich kann es nicht unterlassen hier dankend der Unterstützung zu er-
wähnen, die Herr Dr. Rebel durch Veranstaltung eines Cyclus lepidopterologischer
Vorlesungen dem Vereine zu Theil werden liess.
Die laufenden Agenden des Secretariates konnten trotz ihres bedeutenden
Umfanges ohne Rückstand erledigt werden.
158 General-Versammlung am 1. April 1896.
Wie alljährlich wurden auch im Jahre 1895 durch Herrn Dr. Oster-
meyer und den Referenten zahlreiche Lehrmittel (3802) an 14 Schulen vertheilt.
Für die Lieferungen des zur Vertheilung bestimmten Materiales sind wir ausser
dem botanischen Museum der k. k. Universität und dem k. k. naturhistorischen
Hofmuseum folgenden Herren verpflichtet:
Dr. Adensamer (Corallen und Muscheln), Brunnthaler (15 Pflanzen),
Dr. Gräffe (zahlreiche Seethiere), Hetschko (600 Insecten), Hungerbyehler
(30 Pflanzen), Hummler (200 Insecten), Kaufmann (600 Käfer), Kautetzky
(50 Schmetterlinge), Baron Liechtenstern (diverse zoologische Präparate),
Metzger (50 Lepidopteren), Müllner (75 Pflanzen und Gallen), Dr. Ostermeyer
(600 Pflanzen), Otto (200 Insecten), Rechinger (30 Pflanzen), Rodeck (eine
grosse Schmetterlingsammlung), Sandany (30 Pflanzen), Schollmayer (eine
Anzahl zoologischer Präparate), Dr. Stohl (300 Pflanzen), Prof. Wettstein
(165 Pflanzen).
Die Durchführung des vom hohen Unterrichtsministerium angeregten Aus-
tausches naturhistorischer Lehrmittel der Mittelschulen hat Herr Prof. P. Pfurt-
scheller übernommen.
Uebersicht der im Laufe des Jahres 1895 an Lehranstalten abgegebenen zoologischen
und botanischen Lehrmittel.
|
8 = © 3 =
5 a ee
E Bezeichnung der Schule a RE BE ls a
E = |ı.© joe Eee
en = = 2 I
1 | Wien, II., Wintergasse 12, Volksschule .. . 12 45 120 2 300 479
2 | Donaufeld, Volks- und Bürgerschule für
Mädchens LER: EEE 15 40 122 2 300 479
3 | Wien, III., Rochusgasse 16, Bürgerschule für
Mädchen? „g...0., 10 ejxen ci 1 nebraneiteh er 'erze 15 40 122 2 300 479
4 |, Gross-Tajax in Mähren, Volksschule .... . 14 1 2 2 _ 19
9.l=.Graz, Staats-Realschulee 2... . 2.2.0... | — — 178 —_ _ 178
Gun oosdorkisViolksschulee.m nr. een 20 14 —_ u —_ 34
ze) Dichten, Volksschuler. ar. .„neusls .% [9 1 35 150 2 = 198
32 Odrau, Bürgerschnler an. ee I 40 100 2 300 442
IN EBrageksl StiftAEmanse en ee — 40 100 3 300 443
10 | Nikolsburg, Bürgerschule ..... SOSE — 40 100 2 300 442
11 | Wien, XVII, k. k. Officierstöchter-Institut . Skralair® Ba _ 23
122 1Adelsberg; Volksschmlete.. me — = 100 _ — 100
134 E Massıng EVolksschulemr ae ren a u 40 120 =— 300 460
14 | Wien, III., Hoernesgasse, Volks- und Bürger-
Schule HursKnabenmst „Klee eh 20 2 = 4 _ 26
| Summe... 112 349 1220 | 21 2100 | 3302
! | |
General -Versammlung am 1. April 1896.
159
Bericht des Rechnungsführers Herrn Josef Kaufmann.
Einnahmen:
Jahresbeiträge mit Einschluss der Mehrzahlungen und Eintritts-
taxen von zusammen fl. 79.44 ie
Subventionen .
Vergütung des h. n.-ö. Band sschuseas re Kr ko
im Landhause z
Zins für den vermietheten el ;
Verkauf von Druckschriften und Druck-Ersätze
Interessen von Werthpapieren und Sparcasseeinlagen
Für die Benützung der Vereinslocalitäten vom Omnihelbeichii
Verein und von den Gärtnern
Porto-Ersätze ; :
Sonstige Ersätze und en i :
Für den Wohnungsfond angekaufte 300 A. Sahne
liche Notenrente und 300 fl. Wiener Ver-
kaksanleihel., „ent. EI DEE ET. 600,
Summa .
in Baarem und . . . . 1.060 —
in Werthpapieren; und mit Hiniltechnähe de am
Schlusse des Jahres 1894 verbliebenen Cassa-
Kestesevor ANNE
im Ganzen . . fl. 4.800. —
Ausgaben:
Besoldung des Kanzlisten .
Quartiergeld des Kanzlisten
Versicherungsprämie für den Kunstsken
Remunerationen und Neujahrsgelder
Gebühren -Aequivalent :
Miethzins vom Mai 1895 bis Mai 1806
Versicherungsprämie für Bibliothek, Herbar, Möbel Es
Beheizung, Beleuchtung und aolene der Eee
localitäten .
Kanzleierfordernisse . ©
Porto- und Seen
Erforderniss für das Museum
Büchereinkauf .
Buchbinderarbeit für de Bibliothek i
Ankauf von 300 fl. einh. Notenrente und 300 fl. Wiener Verköilre-
anleihe für den Wohnungsfond
”
2.808.
1.390.
2.500.
400.
574.
320.
100.
26.1
197,
8.140 .:
4. 258 . 94
12.399 . 30 ;
74
94
30
160 General-Versammlung am 1. April 1896.
Herrn J. Knapp für die Verfassung des Registers 1881—1890, Rest fl. 20.—
Sonstige Auslagen n 86.11
Herausgabe von Druckschriften:
Für den Band XLV der Verhand-
lungen, Druck und broschiren . fl. 1.800.48
Illustrationen 308776 120
Für die Monographie dei Pd:
lidenvon C. Brunner v. Watten-
wyl, Druck und broschiren . . fl. 739.50
Illustrationen . . OD ale LO Sr
Orts- und 18811890) Druck und
bEOSCHITEN En ee ‚beein 1.044.81 „ 4.647 .80
Summa . . fl. 9.908.43
Hiernach verblieb am Schlusse des abgelaufenen Jahres 1895 ein Cassarest
von fl. 2490.87 in Baarem und fl. 4800.— in Werthpapieren; ersterer ist
grösstentheils bei der Ersten österreichischen Sparcasse hinterlegt.
Die Werthpapiere bestehen aus:
einh. Silberrente vom 1. Juli 1868 zu 50 fl.
einh. Silberrenten vom 1. Juli 1868 a 100 fi.
einh. Silberrenten vom 1. October 1868 a 100 Al.
einh. Notenrenten vom 1. August 1868 a 100 Ai.
einh. Notenrente vom 1. November 1868 zu 1000 fl.
20 einh. Notenrenten vom 1. November 1868 a 100 fi.
1 ungarische Kronenrente vom 1. December 1892 zu 100 fl. (200 Kronen).
3 Wiener Verkehrsanleihe vom 31. März 1894 a 100 fl. (200 Kronen).
1 Rudolfslos zu 10 fl.
1 Clarylos zu 40 fi.
Hievon 1 Notenrente zu 100 fl., 1 ungarische Kronenrente zu 100 fl. und ein
Rudolfslos als Spende des Herrn k.k. General-Auditors Martin v. Damia-
nitsch zum Andenken an seinen am 19. October 1867 verstorbenen Sohn
Rudolf Damianitsch, stud. jur. (2 Rudolfslose sind bereits ohne Treffer
gezogen worden.)
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Verzeichniss
der im Jahre 1895 der Gesellschaft gewährten
Subventionen:
Von Sr. k. u. k. Apostolischen Majestät dem Kaiser Franz Josef I. fl. 200. —
„ Ihren k. und k. Hoheiten den durchlauchtigsten Herren Erz-
herzogen:
Carl LudyagT sit Ahern: Hellas 30.—
Ludwigs Vietor .... 0. 22.5.2 Berk HH ab a
General-Versammlung am 1. April 1896. 161
Franz Ferdinand von Oesterreich-Este . . . ..A. 50.—
JANIIDerCHhete. re PSRERNIRERABUN) TRRBUHHABTSAFTERARNE N u EL TE AEIRER OR IRRE 50. —
MOSER arTE BRD. BREIT IRENEN N REES AST ES PER UT RD WERTE EL NT 50.—
DELHI ri> Manege 2 a 50. —
VEN SE ae 90. —
Eintedwitehe. u 2er ad Br hr 50. —
Von Sr. Majestät dem Könige von er WIRD... PEHUHNLN , > RMDEHAUS—
Vom hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht EN AN) =
„ löbliehen Gemeinderathe der Stadt Wien. . . .". . ..'..„ 800.—
Verzeichniss
der für das Jahr 1895 geleisteten höheren Jahresbeiträge von 7 fl. aufwärts.
Von den P. T. Herren:
Liechtenstein, regierender Fürst Johann von, Durchlaucht . . . fl. 25.—
Dumba Nikolaus, Heidmann Alberich, Kinsky, Fürst Ferdinand,
Durchlaucht, Pelikan v. Plauenwald, Anton Freiherr v.,
Rothschild, Albert Freiherr v., Schwarzenberg, Adolf
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Bernhauer, Dr. Max, rrech ToscE. Mio bes Binest; vossi Lud-
wiesVogel’Franz.A,jerH nah: ner Buugrars) ab abe For 7
Bericht des Bibliothek-Comites.
In den ersten drei Quartalen des Jahres 1895 besorgte Herr Ober-Finanz-
rath F. Bartsch die Geschäfte der Bibliothek. Als im September Herr Bartsch
sein langjähriges Amt eines Bibliothekars zurücklegte und seine um den Verein
so verdienstvolle Thätigkeit abschloss, übernahm ein Comite, bestehend aus den
Herren J. Brunnthaler, Dr. Fr. Krasser und Dr. A. Zahlbruckner, die Ver-
waltung der Vereinsbibliothek.
Die Zuwächse der Bibliothek betrugen im Jahre 1895:
Periodische Schriften. - . . .:.......897 Bände.
Einzelwerke und Sonderabdrücke . . . 174 Nummern in 183 Theilen.
Von den Zeitschriften wurden 12 Bände durch Kauf (resp. Abonnement)
erworben, die übrigen liefen im Wege des Schriftentausches gegen unsere „Ver-
handlungen“ ein.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 22
162 General-Versammlung am 1. April 1896.
Diejenigen Einzelwerke und Sonderabdrücke, welche der Verein als Geschenk
erhielt, wurden in unseren „Verhandlungen“ ausgewiesen.
Von den im Laufe des Jahres 1895 erworbenen und zur Aufstellung
gelangten Handbüchern seien die folgenden genannt:
Index Kewensis, 4 Bände (Kauf).
Lister: Myzetozoa (Geschenk).
Beck: Monographie der Gattung Orobanche (Geschenk).
Dalla Torre: Catalogus Hymenopterorum (Kauf).
Ganglbauer: Käfer von Mitteleuropa. II. (Geschenk).
Lethierry et Severin: Catalogue generale des Hemipteres (Kauf).
Mit 11 Instituten wurden Tauschverbindungen neu angeknüpft.
Nachdem sich die dringende Nothwendigkeit eines Zettelkataloges unserer
Bibliothek immer mehr und mehr fühlbar machte, wurde im Laufe der Winter-
monate mit der Herstellung eines solchen begonnen. Es wurden bereits für bei-
läufig 800 Nummern die Zettel hergestellt. Dieselben wurden alphabetarisch
geordnet in Soenneken’s Briefordner eingereiht und der allgemeinen Benützung
übergeben.
Herr Prof. Dr. ©. Palacky sprach über die geologische
Evolution der Blüthe.
Nach einem kurzen Hinweis auf die neuesten teleologischen Arbeiten in
der Palaeontologie, speciell die letzte von Gaudry in der „Revue des deux mondes*
vom 15. Februar bis 1. März d. J., wurde eine kurze Skizze der Entwicklung der
Blüthe gegeben, nachdem die Lücken unserer Kenntnisse speciell vor dem Bern-
stein besprochen waren.
Besonders wurde der Uebergang von der Spaltung zur Conjugation in den
Algen und auch die interessante Remanenz bei den Balanophoreen — die
Linne ebenso wie die Podostemonaceen nicht als Phanerogamen gelten lassen
wollte — mit Hinweis auf die Flora Brasiliensis erwähnt. Als Grundtendenz
stellt sich der Schutz der Befruchtung heraus, doch ist der Weg der Evolution
kein gerader. So sind die Formen, die keine eigentlichen Blüthen haben, niedriger
organisirt als die Laub- und Lebermoose. Die Gymnospermeen sind keine Ueber-
gangsbrücke, sondern ein aussterbender Versuch. Als noch stehen gebliebene
Brücken stellen sich Podostemonaceen, Balanophoreen und Casuarinen dar. Der
Arbeiten von Warming und Treub wurde nur gedacht. Ja die sogenannten
Rhizome der saprophyten und epiphytischen Orchideen — z. B. bei Coralliorrhizau
innata — sind wohl Remanenz der Thallusbildungen, wie jene oben erwähnten
Familien aufweisen. Die älteren Blüthen sind durchwegs farblos und ohne
schützende Hüllen, die Apetalen sind noch in Dacotah z. B. dominirend, erst im
Miocän treten zahlreichere höhere Formen auf. Die Trennung der Geschlechter
ist nicht fortgeschritten, dagegen weisen die modernsten aller Pflanzen, die Compo-
siten, die grösste Blüthenmasse — gewissermassen Massenblumen gegenüber den
alten Einzelnblüthen — auf.
General-Versammlung am 1. April 1896. 165
Bedauerlicher Weise wissen wir wenig über den alten Befruchtungsmodus,
ob die anemophile oder die Befruchtung durch Thiere die jüngere sei; da z. B.
keine fossilen Orchideen noch bekannt sind, falls nicht welche im Bernstein, der
so viel geliefert, noch entdeckt werden, könnte man durch eine mikroskopisch-
chemische Analyse des Mageninhaltes der tertiären so zahlreichen Käfer etc.,
z. B. in Oeningen, zur Kenntniss gelangen, ob die Befruchtung durch Insecten
alt sei; allerdings ist der Gegenbeweis nicht zu erbringen, obwohl der Farben-
mangel eher dafür sprechen würde. Der Vortragende schloss mit der Aufforderung
zur gemeinsamen Arbeit der Zoologen und Botaniker in dieser Richtung.
Hierauf hielt Herr Custos Dr. E.v. Marenzeller einen Vortrag:
„Ueber das Verhalten der Thiere gegen hohe Kältegrade*.
Sodann verkündete der Vorsitzende das Resultat des Serutiniums.
Es wurden gewählt:
Zum Präsidenten:
Herr Dr. Richard Drasche Freiherr v. Wartimberg.
Zu Vice-Präsidenten:
Herr Custos Dr. Emil Edler v. Marenzeller.
„ Dr. jur. Franz Ostermeyer.
Zu Ausschussräthen:
Herr Adensamer, Dr. Theodor. | Herr Haläcsy, Dr. Eugen v.
»„ Beck R. v. Mannagetta, Dr. , „ Heimerl, Dr. Anton, Professor.
Günther, Professor. ' „. Hungerbyehler, Julius Edler v.,
»„ Braun Heinrich, Ingenieur. | Rechnungsrath.
„. Brunner v. Wattenwyl, Dr. „ Kornhuber, Dr. Andr., Hofrath.
Carl, Hofrath. „ Krasser, Dr. Fridolin, Privat-
„ Brunnthaler Josef. Docent.
»„ Burgerstein, Dr. Alfred, Pro- „ Lorenzv. Liburnau, Dr. Lud-
fessor. wig, Custos.
„ Csokor, Dr. Johann, Professor. „ Lütkemüller, Dr. Johann, Pri-
„ Eichenfeld, Dr. Michael R. v., marius.
Landesgerichtsrath. „ Mayr, Dr. Gustav, kaiserl. Rath.
„ Fuchs Theodor, k. k. Director. „ Mik Josef, Schulrath.
„ Ganglbauer Ludwig, Custos. „ Müllner Michael Ferdinand.
„ Grobben, Dr. Carl, Professor. Bruntschleller, »Dr.sPanlsRro-
„ Habich Otto, Fabrikant. fessor.
22*
164 Botanischer Discussionsabend am 20. März 1896.
Herr Pintner, Dr. Theod., Conservator. | Herr Sturany, Dr. Rudolf, Museal-
„ Rebel, Dr. Hans, Musealbeamter. beamter.
„ Spaeth, Dr. Franz, Magistrats- „ Wilhelm, Dr. Carl, Professor.
beamter. „ Zahlbruckner, Dr. Alexander,
„ Stohl, Dr. Lucas. Assistent.
Zu Secretären:
Herr Fritsch, Dr. Carl, Professor.
Handlirsch Anton, Assistent.
Zum Rechnungsführer:
Herr Kaufmann Josef.
Zu Rechnungsrevisoren für das Jahr 1596 wurden gewählt
die Herren Dr. F. Spaeth und Dr. L. Melichar.
Botanischer Disenussionsabend am 20. März 1896.
Herr Prof. Dr. C. Fritsch legte die eben erschienene „Mono-
graphie der Gattung Euphrasia“ von R. v. Wettstein vor und
besprach den Inhalt dieses Werkes. (Vgl. das Referat S. 149.)
Hierauf stellte Herr Prof. Dr. C. Fritsch den Antrag auf
Gründung einer Section für Botanik zum Zwecke der inten-
siveren Pflege des Gesammtgebietes der Botanik. Derselbe brachte
einen von ihm verfassten Entwurf einer Geschäftsordnung für diese
Section zur Verlesung. Die Anwesenden erklärten sich sowohl mit
der Gründung der Section überhaupt, als auch mit den Haupt-
punkten der Geschäftsordnung einverstanden. Prof. Fritsch über-
nahm es, in der nächsten Ausschusssitzung die Genehmigung der
Seetionsgründung einzuholen und in der ersten Hälfte des Monates
April die constituirende Versammlung der Section einzuberufen.
Beiträge zur Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt und Gran. 165
Beiträge zur Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt
und Gran.
Von
J. B. Förster.
(Eingelaufen am 20. März 1896.)
Im Laufe meines mehrjährigen Aufenthaltes in Budapest fand ich häufiger
Gelegenheit in die nähere und entferntere Umgebung der Hauptstadt bryologische
Ausflüge zu unternehmen, um mir durch eigene Beobachtungen ein möglichst treues
Bild der Moosflora dieser Gegenden zu verschaffen. Nun bringe ich nach genauer
Sichtung meines gesammelten Materiales die Ergebnisse meiner Thätigkeit allen
Moosfreunden zur gefälligen Kenntnissnahme.
Meine Ausflüge erstreckten sich im Süden bis Eresi, Räczkeve und Laczhäza,
im Osten bis Gyön, Monor und Aszöd, im Norden bis Nagy-Märos, Visegräd und
Dömös, im Westen bis Totis (Tata-Töväros), Alesüth und Martonväsar. Die
mächtige Donau scheidet dieses Excursionsgebiet in zwei ganz verschiedenartige
Hälften, in eine westliche, meist dem Hügel- und Berglande (G.), und in eine
östliche, fast ausschliesslich dem alluvialen und diluvialen, bis 98m ü. d. M.
gesenktem Tieflande (T.) augehörend. Im Hügel- und Berggebiete mit Erhebungen
bis über 750 m über dem Meere herrschen die rhätische und die Triasformation,
dann die neogenen und trachytischen Gesteine vor. Dieser Bodengestaltung, der
geographischen Lage und den daselbst herrschenden klimatischen Verhältnissen
vollkommen entsprechend ist auch die Verbreitung der Moose im Gebiete beschaffen,
welches im Allgemeinen der mitteleuropäischen Moosflora des Tieflandes angehört.
Endemische Arten fehlen. Es fehlen ferner die Sphagnaceen, Andreaeaceen und
Archidiaceen. Die Hepaticeen scheinen nur auf wenige in Mitteleuropa fast
allgemein vorkommende Arten des unteren und des höheren Tieflandes beschränkt
zu sein. Dagegen gewinnen unter den Bryineen gewisse Repräsentanten der
Familien Phascaceen, Pottiaceen und Hypnaceen, wie gewöhnlich in unseren
Tiefländern, eine oft massenhafte Verbreitung.
Von den in diesem Excursionsgebiete vorkommenden Arten habe ich folgende
gesammelt:
I. Hepaticeae.
Riccia glauca L. Auf Donauschlamm in der Au bei Erd, 99 m (1892).
Riccia erystallina L. In grosser Menge in flachen Gruben auf nassen Mais-
feldern der Puszta Szent-Lörinez, 113m (29. Juni 1891).
Fegatella conica Cord. Steril hie und da an den Quellbächen im Gebirge; an
einem Wassergerinne der Strok’schen Mühle nächst Izbek, 130 m, spärlich
fruchtend.
166 J. B. Förster.
Marchantia polymorpha L. Steril, meist mit Brutknospen, an feuchten, schattigen
Orten, schon am Abflusse des Stadtwäldchenteiches und auf der Marga-
rethen-Insel in Budapest, 103 m.
Metzgeria furcata Dum. Im Berg- und Hügellande, steril, z. B. im Budakeszer
Walde bei 280 m.
Aneura palmata Dum. Steril hin und wieder in den feuchteren Gebirgs-
wäldern.
Aneura pinguis Dum. Steril nicht selten, auch im Tieflande, z. B. am Mariahilf-
brunnen bei Soroksär unter Hypnum filicinum, 110 m, reich fruchtend in
einer flachen Grube nächst dem Csepeler Donaudamm, 105 m (18. April 1890).
Pellia calyeina N. Unter Gebüsch im Hohlweg auf dem Kakushegy bei Erd, 105 m.
Plagiochila asplenioides Dum. Steril in den Gebirgswäldern.
Aplozia riparia Dum. Am Rande des Visegräder Bächleins, mit Kelchen, 180 m.
Jungermannia Mwuelleri N. An Steinen des Buczinabaches oberhalb Izbek, mit
Kelchen, 240 m.
Cephalozia bicuspidata Dum. Am Nordabhange des Johannesberges bei Buda-
pest, c. fr., 300 m (18. April 1892).
Lophocolea minor N. An Waldwegen im Auwinkel, steril, bei ea. 400 m.
Chiloscyphus polyanthus Corda. Unterhalb des Soroksärer Mariahilfbrunnens,
steril, 105m. Nächst dem „Wasserfall“ bei Visegräd, ce. fr., ca. 200 m
(1. Mai 1892).
Kantia trichomanis Gray. In feuchteren Gebirgslagen hin und wieder, steril.
Lepidozia reptans Dum. Im Budakeszer Wald, c. fr., ca. 200m (12. Juni 1892).
Bazzania trilobata Gray. Steril hie und da in feuchteren Bergwäldern.
Radula complanata Dum. An Bäumen und Sträuchern des Berg- und Tief-
landes; noch bei Öcsa, c. fr., 101 m.
Madotheca platyphyll«a Dum. Mehrfach, sowohl an Waldbäumen als auch an
Weiden und Pappeln der Niederungen, bis 100 m.
1I. Bryineae.
A. Häufig vorkommende Arten.
Acaulon muticum ©. M., im Gebirge (= G.), Acaulon triquetrum C. M., in der
Tiefebene (= T.), Phascum cuspidatum Schreb., häufig in der Tiefebene,
auch im Gebirge vorkommend (= ohne weitere Bezeichnung), Phascum
piliferum Schreb. (T.), Mildeella bryoides Limpr., Astomum cerispum
Hampe, Weisia viridula Hedw. (G.), Fissidens bryoides Hedw. (G.), F.
incurvus Starke (G.), F. taxifolius Hedw., Dicranella Schreberi Schimp.,
Dicranella varia Schimp., Dieranum scoparium Hedw., Ceratodon pur-
pureus Brid., Ditrichum flexicaule Hampe (G.), Distichium capillaceum
B. E. (G.), Pierygoneurum cavifolium Jur., Pottia lanceolata C. M., Didy-
modon rubellus B. E., Didymodon rigidulus Hedw. (eine f. longifolia bei
Visegräd), Tortella tortuosa Limpr. (G.), Barbula ungwiceulata Hedw.,
Beiträge zur Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt und Gran. 167
B. fallax Hedw., B. recurvifolia Schimp. (G.), Aloina rigida Kindb. (T.),
Tortula muralis Hedw., T. subulata Hedw. (G.), T. papillosa Wils., T.
ruralis Ehrh, Schistidium apocarpum B. E., Grimmia pulvinata Sm.,
Orthotrichum anomalum Hedw., O. saxatile Schimp. (G.), ©. ceupulatum
Hoff., O. diaphanum Schrad., O. stramineum Hornsch., O. pumilum Sw.,
O. affine Schrad., O. speciosum N., O. leiocarpum B. E., O. obtusifolium
Schrad., Eucalypta vulgaris Hoff., Kucalypta contorta Lindb. (G.), Georgia
pellueida Rabenh. (G.), Funaria hygrometrica Hedw., Physcomitrium pyri-
forme Brid., Leptobryum pyriforme Schimp., Webera eruda Br. (G.),
Webera nutans Hedw., Bryum pendulum Schimp., BD. capillare L., B.
caespiticium L., B. argenteum L., B. pseudotriquetrum Schwägr., Rhodo-
bryum roseum Limpr. (G., steril), Mnium serratum Schrad. (G.), M
undulatum Weis, M. rostratum Schrad. (G.), M. cuspidatum Leyss, M.
affine Bland. (G.), M. stellare Reich. (G.), M. punetatum Hedw., Catha-
rinaea undulata Web. et M., Fontinalis antipyretica L. (noch bei Öesa,
130 m), Leucodon seiuroides Schwägr.. Neckera erispa Hedw. (G., steril),
Homalia trichomanoides B. E. (G.), Leskea nervosa Myr. (G., steril),
Leskea polycarpa Ehrh., Anomodon vitieulosus Hook. et T., A. attenwatus
Hüb. (steril), A. longifolius Bruch (G., steril), Pterygynandrum filiforme
Hedw. (G.), Thuidium tamariseinum B. E. (meist steril, reich fruchtend
1892 im Walde bei Budakeszi, bei ea. 200 m), T. abietinum B. E. (schon
von 100m an bis 700 m, steril), 7. delicatulum Mitt. (G., steril), T. re-
cognitum Lindb. (G., steril), Pylaisia polyantha B. E., Olimacium den-
droides Web. et M., Isothecium myurum Brid., Homalothecium sericeum
B. E., Camptotheeium lutescens B. E., Camptotheeium nitens Schimp.,
Brachytheeium salebrosum B. E., B. velutinum B. E., B. rivulare B. E.,
B. rutabulum B. E., B. populeum B. E. (G.), Ewrhymehium strigosum
B. E. (bei Erd noch bei 105 m), E. striatum B. E. (Csepel, 100 m), E.
praelongum B. E. (e. fr.! noch bei Erd, 99 m), Rhymchostegium ruseiforme
B. E. (G.), Rhynchostegium murale B. E. (G.), Plagiothecium dentieulatum
B. E. (G.), Amblystegium subtile B. E. (G.), A. serpens B. E., A. riparium
B. E., die var. subsecundum Schimp. bei der Csepeler Ueberfuhr, 99 m,
Hypnum Sommerfeltii Myr., H. chrysophyllum Brid., H. stellatum Schreb.,
H. aduncum Hedw., Schimp.,!) H. filieinum L., die var. trichodes Brid.
an einem hölzernen Brunnentroge bei Budakesz, H. faleatum Brid. (G.),
H. rugosum L., bei Batta an der Donau steril noch bei 99m, H. in-
curvatum Schrad. (Erd, e. fr., 100m), H. cupressiforme L., Öcsa, noch
bei 103m, e. fr, H. arcuwatum Lindb. (G., steril), bei Altofen noch bei
1) In den Süsswassersümpfen der Niederungen bei Öcsa, Nemedi ete. wahrhaft Massenvege-
tation bildend, wird es — wohl auch untermischt mit Zypnum cuspidatum, filieinum, stellatum,
Fontinalis antipyretica und dergleichen lang- und weichstengeligen Arten — oft in ganzen Wagen-
ladungen zugleich mit anderen Sumpfprodueten, wie Binsenarten, Typha (Binderrohr) u. s. w., nach
der Hauptstadt zum Verkaufe gebracht und als vorzügliches Materiale für Verpackungen und zum
Schoppen (Stopfen, Calfatern) der Donauzillen und grossen hölzernen Wasserbehälter verwendet.
168 J. B. Förster.
105 m, H. molluscum Hedw., im Gebirge fruchtend, steril bei Szent-Endre
noch bei 106 m, H. palustre Huds. (G.), stellenweise, 7. cuspidatum L.,
H. Schreberi Willd. (Früchte ziemlich selten, Leänyfalu, 118 m), H. purum
L., ebendort e. fr., Hylocomium splendens B. E., H. squarrosum B. E.,
H. triquetrum B. E. Alle drei Hylocomien meist nur steril, im Gebirge
hie und da c. fr.
B. Seltener vorkommende Arten.
Ephemerum serratum Hampe. Auf Erdblössen der Wiesen und auf Brachäckern
bei Budakesz, 240 m, Csobänka und Pilis-Szent-Kereszt, 180—200 m.
Ephemerum cohaerens Hampe und
Physcomitrella patens B. E. Beide bei Erd in der Donauan, 99 m, spärlich (1892).
Microbryum Floerkeanum Schimp. Bei Sziget-Szent-Miklös, 100 m (1890), am
Gubäeser Hotter bei Budapest (1890), 120 m, immer nur in geringer Menge.
Phascum curvicollum Ehrh. Im Leopoldfeld, 150—180 m, bei Sziget-Szent-Miklos,
100 m, Tököly, 105 m, häufiger bei Csepel, 105—110 m.
Pleuridium alternifolium Rabenh. Im Auwinkel, 450 m.
Hymenostomum micerostomum R. Br. Bei Budakesz, 230 m.
Dieranum montamım Hedw. Im Budakeszer Wald, ea. 200 m, steril.
Fissidens tamarindifolius Brid. In Waldhohlwegen des Auwinkels, ca. 430 m
(April 1892). Neu für Ungarn.
Fissidens adiantoides Hedw. Bei Leänyfalva, ce. fr., ca. 400 m.
Pterygoneurum subsessile Jur. Bei Soroksär, Räczkeve, Puszta Kisvany (100 bis
110 m), im Leopoldfelde bei 150—160 m, häufiger jedoch bei Csepel, 105
bis 110 m. N
Pterygoneurum lamellatum Jur. Spärlich bei Csepel mit Pottia cavifolia, Ptery-
goneurum subsessile, Barbula ungwiculata und ambigua im März 1892,
180 m. Neu für Ungarn.
Pottia minutula B. E. Bei Öcsa, 103 m, Sziget-Szent-Miklös, 100 m, und Puszta
Kisvany, 104 m, immer nur spärlich.
Didymodon luridus Hornsch. Steril bei Nagy-Maros, 108m, am Csepeler
Damm, 106 m. }
Didymodon tophaceus Jur. Am Wasserfall auf der Margarethen-Insel, 103 m.
Trichostomum crispulum Br. In wenigen sterilen Räschen auf Mauern des
Schlosses Visegräd.
Tortella squarrosa Limpr. Steril auf dem Calvarienberg in Totis, sparsam.
Barbula revoluta Brid. Steril @ auf Mauern und Felsen bei Totis, ca. 200 m.
Neu für Ungarn.
Barbula Hornschuchiana Schultz. Auf einem lehmig-sandigen Platze unterhalb
Csep, 102 m.
Barbula convoluta Hedw. An schlammigen Orten bei Csep.
Aloina ambigua Limpr. Bei Csep und bei Csepel, 102—108 m.
Tortula aestiva P.B. Am Salomonsthurm in Visegräd, ca. 120 m.
Beiträge zur Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt und Gran. 169
Tortula pulvinata Limpr. Steril an Pappeln bei Oesa, 106 m, und bei Szent-
Endre, 108 m.
Tortula montana Lindb. Am Spitzberg bei Csobänka, 350 m.
Schistidium brunnescens Limpr. An sonnigen Kalkfelsen bei Totis, ea. 200 m,
von mir als $. confertum gesammelt, von meinem hochverehrten Freunde
Herrn J. Breidler aber als $. brumnescens Limpr. nov. spec. erkannt.
Neu für Ungarn.
Hedwigia eiliata Ehrh. An zugeführten Steinen (Gneiss) der Csepeler Schleuse,
106 m, und auf trachytischen Steinen oberhalb Csobänka, ca. 200 m.
Orthotrichum leucomitrium B. E. Spärlich unter anderen Orthotrichen an einer
Pappel am Buczinabache bei Izbek nächst Szent-Endre, ca. 140m. Neu
für Ungarn.
Orthotrichum pallens Br. Ebendort und bei Haraszti an alten Sträuchern, 105 m.
Orthotrichum Schimperi Ham. An Crataegus und Populus bei Öcsa und Haraszti,
103—105 m.
Orthotrichum fastigiatum Br. An verdorrten alten Weinstöcken bei Erd, ca. 160 m.
Webera albicans Schimp. Fast nur an der Donau und immer steril.
Bryum inclinatum B. E. Bei Öcsa und Puszta Kisväny, ca. 105 m.
Bryum uliginosum B. E. Spärlich bei Sziget-Szent-Miklös, 102 m.
Bryum bimum Schreb. An einem Wiesengraben oberhalb Altofen, 106 m.
Bryum badium B. E. An feuchten Grabenaufwürfen am Karmelitersumpf zwischen
Toksony, Kisväny und Bugyi, ca. 103 m (29. Mai 1892). Neu für Ungarn.
Bryum atropurpureum Wahl.!) Ebendort. Neu für Ungarn.
Bryum Mildeanum Jur. In etwas kümmerlichem Zustande steril auf begrastem
Uferpflaster bei Visegräd, 106 m.
Bryum turbinatum Schwägr. Unter Weidengebüsch im Bette des Donauarmes
bei Haraszti, 99 m.
Bryum pallens Sw. An einem Bächlein bei Pilis-Szent-Kereszt, ce. fr., ca. 300 m.
Philonotis fontana Brid. Steril, häufiger im Gebirge, aber auch noch spärlich
an Wiesengräben nächst Leänyfalva, 105 m.
Oylindrothecium concinnum Schimp. Steril; hie und da im Gebirge, dann auch
zwischen Pflastersteinen des Csepeler Donaudammes, 106 m.
Homalothecium Philippeanum B.E. Auf dem Vaskapu bei Pilis-Szent-Kereszt,
e. fr., ea. 600 m.
Brachythecium Mildeanum Schimp. Bei Öcsa und bei Csepel, e. fr., ca. 105 m.
Brachythecium glareosum B. E. Am Visegräder Schlossberg, c. fr., ca. 200 m.
Brachythecium albicans B. E. Steril häufig in der Ebene, c. fr. nur am Üsepeler
Donaudamm, 105 m.
Brachytheeium campestre B. E. Auf der begrasten Pflasterung des Üsepeler
Dammes, 105 m.
Eurhynchium piiferum B.E. An einer Böschung bei Pilis-Szänto, c. fr., ca. 300 m.
1) Wurde auch 1894 nebst einer sehr schlanken Form des Bryum torquescens B. BE. f. gracilis m.
von Herrn Peterfi um Deya in Siebenbürgen entdeckt.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 23
170 J.B. Förster. Beiträge zur Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt und Gran.
Eurhynchium speciosum Schimp. An einer sumpfigen Stelle nächst der Csepeler
Ueberfuhr, steril und spärlich, 99 m.
Plagiothecium sylvaticum B. E. Auf trachytischer Unterlage oberhalb Izbek, e.
fr., ca. 300 m.
Amblystegium Juratzkanum Schimp. Bei Totis, Öcsa, Sziget-Szent-Miklös, Erd,
99—180 m, nicht gemein.
Amblystegium radicale B.E. Am Grund der Erlen bei Öesa, 103 m; unter Ge-
büsch am Totiser Teich.
Amblystegium irriguum Schimp. An schlammigen Orten unter Gebüsch an den
Donauufern bei Erd, 99 m, und Haraszti, 100 m.
Amblystegium Kochiü B.E. Ebendort und bei Totis unter Föhren auf feuchtem
Sande.
Hypnum intermedium Lindb. Auf einer nassen Wiese oberhalb Altofen, steril,
105—108 m.
Im Ganzen also fand sich Gelegenheit, 188 Moosarten wirklich zu beob-
achten und einzusammeln, wovon ich die Belegstücke sowohl im Herbar nieder-
legte, als auch mehrfach meinen geehrten Freunden mittheilte. Unter den 188 Arten
sind 19 Hepaticeen, 115 allgemein und 54 weniger verbreitet gefundene Bryineen.
Dabei ist aber sicher anzunehmen, dass noch lange nicht alle wirklich in diesem
Gebiete vorhandenen Arten hier verzeichnet, vielmehr noch manche mit grosser
Wahrscheinlichkeit vorkommende zu finden sind, die von mir deshalb leicht über-
sehen werden konnten, weil ich beiweitem noch nicht alle Fundorte, vielleicht
gerade die ergiebigsten, auszumitteln in der Lage war, um daselbst eine tüchtige
Nachschau halten zu können. Ich werde daher jederzeit meinen Glückwunsch
jenen meiner Herren Vorgänger und Nachfolger entgegenbringen, denen Beruf,
Zeit und Ausdauer es ermöglichen, den Bau einer umfassenden Moosflora voll-
enden zu helfen, und hoffe, in Vorstehendem einen nützlichen Baustein hierzu
geschaffen zu haben.
Ein neuer Bylhinus vom Neusiedler See.
Beschrieben von
L. anglbauer.
(Eingelaufen am 30. März 1896.)
Bythinus (Tychobythinus) Ottonis Ganglb. n. sp.
Bythino cavifronti Reitt. affinis, differt corpore paullo majore, elytris
abdomineque brevius et crassius albido-pubescentibus, capite prothoraceque an-
gustioribus, elytris brewioribus, antennarum artieulis 5.—8. globosis, haud trans-
Ein neuer Bythinus vom Neusiedler See. art
versis, palporum mazxillarıum articulo ultimo magis elongato, capite in g' infra
multo longius bispinoso, antennarum articulo 4. in Z' multo magis incrassato.
Long. 1'3 mm.
Hungaria, ad ripas lacus Peisonis.
Die neue Art bildet mit Bythinus cavifrons Reitt. (Verhandl. der k. k. zool.-
botan. Gesellsch. in Wien, 1880, S. 214) eine sehr eigenthümliche Untergattung
der Gattung Bythinus, für die ich den Namen T’ychobythinus in Vorschlag bringe.
Diese Untergattung ist durch die eigenthümlichen, paarigen, kegel- oder dorn-
förmigen Fortsätze auf der Unterseite des Kopfes und durch die Fühlerbildung
der g' charakterisirt. Beim Z' von Bythinus cavifrons findet sich auf der Unter-
seite des Kopfes in einiger Entfernung von der Einschnürung der Halspartie ein
starker, kegelförmiger Höcker, bei Bythinus Ottonis ein viel längerer dornförmiger
Fortsatz. Das erste Fühlerglied ist beim 5’ langgestreckt, schaftförmig, etwa
dreimal so lang als breit, das zweite kugelig, kaum schmäler als das erste, das
dritte kaum halb so gross als das zweite, kugelig, das vierte merklich (cavifrons)
oder beträchtlich (Ottonis) dicker als das dritte und die nächstfolgenden Glieder,
wodurch die Fühlerbildung an jene einiger Tychus-Arten erinnert. Beim Q von
B. Ottonis sind die zwei ersten Fühlerglieder ganz wie beim g' gebildet, das
.5.—8. Glied aber an Dicke kaum verschieden. Das @ von B. cavifrons ist leider
nicht bekannt; Reitter hat irrthümlich ein 7 dieser Art als 2 beschrieben.
B. Ottonis unterscheidet sich von cavifrons durch etwas bedeutendere
Grösse, etwas schmäleren, weniger kurzen Kopf, merklich schmäleren und weniger
kurzen Halsschild, kürzere Flügeldecken, wesentlich kürzere und gröbere, dicht
anliegende weissliche Behaarung der Flügeldecken und der Dorsalsegmente des
Abdomens, kugelige, nicht quere Form des 5.—8. Fühlergliedes, längeres End-
glied der Kiefertaster und durch etwas differente Sexualcharaktere des Z‘. Die
Sexualdifferenzen von B. Ottonis mögen hier hintereinander gestellt werden.
d&'. Kopf auf der Unterseite jederseits vor der Halseinschnürung mit einem
langen, dornförmigen Fortsatz. Erstes Fühlerglied einfach, lang schaftförmig,
etwa dreimal so lang als breit, zweites Fühlerglied kaum schmäler als das erste,
kugelig, drittes Fühlerglied klein, kaum halb so gross als das zweite, etwas dicker
als das fünfte, kugelig, viertes Fühlerglied viel breiter als das dritte und fünfte,
so breit wie das zweite, quer-rundlich.
©. Kopf auf der Unterseite ohne Fortsätze. Erstes und zweites Fühler-
glied wie beim 5 gebildet. 3.—8. Fühlerglied viel schmäler als das zweite, fast
-von gleicher Dicke, kugelig.
Ich dedieire die neue Art Herrn Anton Otto, der sie am Neusiedler See
auffand und so freundlich war, ein 2 derselben der Sammlung unseres Museums
zu widmen. B. cavifrons Reitt. wurde von Herrn Reitter bei Knin im nörd-
lichen Dalmatien entdeckt und in neuerer Zeit in einem männlichen Exemplar
von Herrn Vietor Apfelbeck bei Mostar in der Hercegowina wieder aufgefunden.
23*
172 L. Ganglbauer.
Zwei neue Euconnus aus den Ostalpen.
Beschrieben von
L. anglbauer.
(Eingelaufen am 30. März 1896.)
Euconnus scabripennis Ganglb. n. sp.
Castaneus, nitidus, elytris dilutioribus, antennis pedibusque ferrugineis,
palpis testaceis. Temporibus prothoraceque dense brumneo villosis, elytris sparsım
pubescentibus. Capite prothorace parum angustiore, oculis sat magnis, fortiter
granulosis, fronte inter antennas leviter impressa, vertice convexo. Antenmis
dimidio corpore brevioribus, artieulis 3.—7. longitudine haud latioribus, quatuor
ultimis multo majoribus, 8. vix, 9. et 10. evidenter transversis, articulo ultimo
ovato-acuminato, 9. et 10. simul sumptis longitudine aequali. Prothorace latı-
tudine haud longiore, postice truncato, antice rotundato-angustato, pone medium
leviter constricto, ante basin plicula media et utrimque plieulis duabus laterali-
bus instructo, inter pliculas laterales internas transversim impresso, impressione
vix foveolata, disco convexo. Elytris oblongo-ovalibus, fortiter sed laxe scabroso
punctatis, plica humerali brevi et lata, vix ewtrorsum vergente, foveolis basalibus
profundis. Pygidio subtiliter punctato.
Long. 2'2 mm. — Carinthia.
Die sehr ausgezeichnete Art unterscheidet sich von allen übrigen Arten der
Gattung Fuconnus durch die Sculptur der Flügeldecken; diese sind überall grob
und ziemlich weitläufig punktirt. Die Punkte erscheinen wie von hinten einge-
stochen, wodurch eine rauhe Seulptur bedingt ist. Die Humeralfalte ist kurz,
kräftig und kaum nach aussen gerichtet, so dass die Art nicht mit voller Be-
rechtigung in die Untergattung Euconnus s. str. gestellt werden kann, sondern
als Bindeglied zwischen Euconnus s. str. und Subgenus Tetramelus erscheint.
Die Augen sind wie bei Huconnus Motschulskyi und seinen Verwandten ziemlich
gross und grob facettirt. Ob die Fühler nach dem Geschlechte verschieden ge-
bildet sind, bleibt eine offene Frage, nachdem mir nur ein Exemplar mit ein-
fach gebildeten Fühlern vorliegt.
Das einzige bekannte Stück wurde von Herrn Anton Otto in den Kara-
wanken in Kärnten aufgefunden.
Euconnus carinthiacus Ganglb. n. Sp.
Euconnus similis Reitt., Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien,
1881, 8. 575, ex parte; similis var. a Reitt., Naturg. d. Ins. Deutschl., III. Bd.,
2. Abth., 1882, S. 185.
E a3)
Zwei neue Euconnus aus den Ostalpen. 1 id
Nigropiceus, nitidus, antennis, clava excepta, femorum basi tibiisque
ferrugineis, palpis tarsisque rufotestaceis. Temporibus prothoraceque dense
brunneo villosis, elytris sparsim pubescentibus. Capite prothorace parum an-
gustiore, oculis sat magnis sed parum prominentibus, sat fortiter granulosıs,
fronte inter antennas leviter impressa, verlice perparum convexo. Antennis sat
robustis, articulis intermedüs transversis. Prothorace latitudine haud longiore,
postice truncato, antice rotundato-angustato, ante basın utrimque plieulis duabus
lateralibus instructo, inter pliculas laterales internas Transversim impresso, im-
pressione medio pliculata et utrimque profunde foveolata; prothoracis disco
convexo. Eilytris ovalibus, convexis, vie punctatis, plica humerali sat fortiter
elevata et evidenter extrorsum vergente, basi extrema foveolis duabus minutis
instructa.
Antennae d' articulis 4.—6. brevibus, transversis, articulo 7. brevi, intus
dentato producto, articulis 8. et 9. magnis, 8. latitudine maxima basali vix vel
haud longiore, extus convexo, intus deplanato et concavo, basi apiceque trun-
catis, angulo interno basali dentato producto, aprcali breviter sed acute dentato,
articulo 9. 8. parum breviore, apicem versus intus dilatato, trapeziformi, extus
eonvexo, intus deplanato et concavo, basi apiceque trumcatis, angulo interno
basali fere recto, apicali intus dentato producto, articulo 10. brevi et fortissime
transverso, longitudine plus duplo latiore, articulo ultimo 9. et 10. simul sumptis
fere breviore, intus in aciem deplanato, bası oblique truncata, angulo interno
basali producto.
Antennae 9 articulis 4.—7. transversis, quatuor ultimis multo majoribus,
8.—10. transversis, ultimo ovali et acuminato.
Long. 18mm. — Carinthia, Carniolia.
Dem FPuconnus similis Weise (Deutsche entom. Zeitschr., 1875, S. 124) nahe
stehend, kleiner, dunkler gefärbt, pechschwarz, die Fühler mit Ausnahme der
braunschwarzen Keule, die Wurzel der Schenkel und die Schienen rostroth, die
Taster und Tarsen bräunlichgelb, die Keulen der Schenkel braun. Die Flügel-
decken kürzer eiförmig als bei similis, hinten stumpfer gerundet. Die Fühler
ähnlich gebildet, aber kürzer als bei sömilis, ihre sämmtlichen Glieder gedrungener,
das 4.—6. Glied quer, beim g’ das 8., 9. und letzte Glied viel kürzer, das achte
nicht oder kaum länger als in seiner grössten Basalbreite breit, das neunte wenig
kürzer als das achte, das Endglied kaum so lang als das neunte und zehnte
Glied zusammengenommen, im Uebrigen ähnlich wie bei sömilis gebildet, d. h. an
der Basis schief nach innen abgestutzt und am Innenrande scharfkantig, so
dass eine winkelige innere Basalecke gebildet wird. Beim @ sind die drei vorletzten
Fühlerglieder quer und bilden mit dem Endgliede eine schärfer abgesetzte Keule
als bei similis.
In der Waldregion der Karawanken in Gesellschaft des similis unter ab-
gefallenem Laub und Moos, von mir auch in den julischen Alpen (Wochein) auf-
gefunden. Euconnus similis fand ich auch am Hochlantsch in Obersteiermark.
174 H. Rebel.
Zwei neue Microlepidopteren aus Marocco.
Beschrieben von
Dr. H. Rebel.
(Eingelaufen am 2. März 1896.)
Scoparia Virescens m.
Aus der Verwandtschaft der Scoparia Murana Curt., durch geringere
Grösse, schmälere Flügel (2) und eigenthümlich grünlichgelbe Einmischung der
Vorderflügelfärbung sehr ausgezeichnet.
Kopf und Thorax grauweiss, die Fühler weiss mit bis zur Spitze dunkel
abgesetzten Gliederenden. Die Labialpalpen mit besonders breitem Schuppen-
busch, weisslich, auf der Aussenseite stark grau gemischt. Die Beine gelbgrau,
auf der Aussenseite verdunkelt, die Schienen und Tarsen geschwärzt mit hell-
gefleckten Gliederenden. Der graue Hinterleib wie bei Murana mit gelblichem
Analbusch.
Die Vorderflügel viel schmäler als bei Murana (2), mit fast geradem
Vorderrande und flach gerundetem Saume, zeigen eine weissgraue, durch dunkle
Bestäubung vielfach bedeckte Grundfarbe. Ein kleines Stück des Innenrandes
nahe der Basis, sowie die beiden Mittelrippen bis zur äusseren Querlinie sind
grünlichgelb beschuppt. Eine schmale gezackte Querlinie liegt nahe der Flügel-
basis, hierauf folgt ein grau bestäubter Raum bis zu der mit drei scharfen Zacken
versehenen, sogenannten ersten Querlinie vor !/;s der Flügellänge, welche nach
aussen schwärzlich angelegt erscheint. Im Mittelfelde liegt ein schwarzer Punkt
in der Falte, nahe der ersten Querlinie, darüber eine ovale, blaugrau ausgefüllte
Makel und am Querast das bekannte Mercurzeichen, dessen oberer Theil fast
geschlossen und ebenfalls blaugrau ausgefüllt erscheint. Zwischen den beiden
letztgenannten Mittelzeichen tritt die Grundfarbe fast ungetrübt weiss auf, während
sonst das Mittelfeld stark grau bestäubt erscheint. Die äussere Querlinie beginnt
am Innenrande gerade unter dem Mercurzeichen mit einem weissen Fleck, der
höher als breit ist, macht hierauf einen weiten, fein gezackten Bogen und tritt
in einem Zahn gegen das Mercurzeichen vor, um dann wieder, einen kurzen Bogen
bildend, in den Vorderrand zu münden. Sie ist beiderseits grau, nicht schwärz-
lich angelegt. Das Saumfeld ist grösstentheils ungetrübt weiss, nur am Vorder-
rande und in der Mitte des Saumes mit grauen Flecken versehen. Mehrere
kräftige Punkte bilden die Saumlinie und verlängern sich in der Saumverdunk-
lung zu kurzen Längsstrichen. Die Fransen sind weisslichgelb, ihre Basalhälfte
dunkelgrau gefleckt, ihre Aussenhälfte nur unterhalb der Spitze dreimal grau
durchschnitten. Die Hinterflügel hellgrau glänzend mit durchscheinender dunkler
Zeichnung der Unterseite; Fransen weisslich mit einzelnen dunklen Punkten in
der Basalhälfte.
Zwei neue Microlepidopteren aus Marocco. 175
Unterseite der Vorderflügel hellgrau, am Vorderrande vor der Spitze gelb-
lich, mit durchgehender, bis an den Innenrand reichender äusserer dunklen Quer-
linie, welche sich auch auf die weissen Hinterflügel fortsetzt und eine Ecke auf
Rippe drei bildet. Am Querast liegt auf den Hinterflügeln ein dunkler, nach
aussen offener Winkelhaken. Vorderflügellänge Smm, Expansion 16 mm; grösste
Breite der Vorderflügel am Innenwinkel 3 mm.
Zufolge der gelbgrün gefärbten Mittelrippen der Vorderflügel mit keiner
anderen Art der Murana-Gruppe zu verwechseln. Scoparia Wollastoni Bethune-
Baker (Trans. Ent. Soc. Lond., 1894, p. 583) von Madeira ist, wie die meisten
Arten dieses Autors, sehr unvollkommen beschrieben (ohne comparative Angabe,
ohne Grössenangabe etc.) und soll ebenfalls gelbgrüne Einmischung auf den
Vorderflügeln zeigen, kann aber zufolge der fleckenartigen Vertheilung dieser
Färbung, des schwarzen Mittelfeldes und der breiten Flügelform (? J') nicht mit
Virescens zusammenfallen.
Herr v. Hedemann erbeutete von letzter Art, anlässlich seiner Rückkehr
von den Canarischen Inseln, ein tadellos frisches @ am 19. Mai 1895 in Casa-
blanca (Maroceo).
Yothris Flabellifer m.
Durch die besondere Form der Palpen, an welchen das Endglied voll-
ständig obliterirt scheint, sowie durch die dunkle Längsstriemenzeiehnung der
Vorderflügel ist diese kleine schmalflügelige Art sehr ausgezeichnet.
Kopf und Thorax, sowie die Grundfarbe der Vorderflügel blass ockergelblich.
Die Fühler mit schwach verdiektem Endgliede reichen bis ®/; des Vorderrandes,
ihre weissliche Geissel mit auf der Unterseite schwach sägezähnig abgesetzten,
bräunlichen Gliederenden. Die Palpen von circa Augendurchmesserlänge zeigen
am Mittelgliede einen überaus langen, aussen mehr ockerbräunlichen Schuppen-
busch, der die Länge des Mittelgliedes um mehr als das Doppelte übertrifft und
das offenbar stark rückgebildete Endglied vollständig bedeckt. (Diese eigen-
thümliche, fächerartige Form der Palpen dürfte, mit den wahrscheinlich vor-
handenen Abweichungen im Flügelgeäder, bei einer Revision dieser Gelechiden-
Gruppe die Schaffung einer eigenen Gattung erfordern.) Der Saugrüssel ist gut
_ entwickelt. Die Beine ockergelblich, die Schienen der beiden vorderen Beinpaare,
sowie die Tarsen aller Beine aussen gebräunt, letztere mit hellen Gliederenden.
Der gelblichgraue Hinterleib mit wohl entwickeltem hellen Afterbusch.
Die schmalen Vorderflügel mit scharfer Spitze und ganz flach gerundetem
Innenwinkel zeigen eine hell ockergelbliche Grundfarbe und eine schwärzlich-
graue Längszeichnung. Letztere besteht aus einer von der Basis ausgehenden
und allmälig verjüngt bis an den Saum reichenden Faltenstrieme, sowie aus einer
oberhalb derselben liegenden Mittelstrieme, welche in ihrem undeutlicheren Basal-
theil schwach mit der Faltenlinie convergirt, dann aber mit ihr fast parallel
geht und in unverminderter Stärke bis in den Saum, knapp unterhalb der
Flügelspitze zieht. In ihr liegt auch ein äusserer dunkler Mittelpunkt. Endlich
176 H. Rebel. Zwei neue Microlepidopteren aus Marocco.
sind noch die drei vor der Flügelspitze in den Vorderrand mündenden Adern grau
angelegt. Die Fransen ockergelblich, kaum grau gemischt.
Die Hinterflügel von circa 1'/, Vorderflügelbreite zeigen einen flach ge-
rundeten, vor dem Innenwinkel etwas eingezogenen Saum und eine scharfe Spitze,
also annähernd die Form wie bei Declaratella Stgr. Ihre Färbung ist glänzend
hellgrau mit gelblichen Fransen, welche am Innenwinkel in ihrer Länge die
Flügelbreite etwas übertreffen.
Die Unterseite der Vorderflügel hell ockergelblich, jene der Hinterflügel
weisslich mit gelblichen Fransen. Vorderflügel 6 mm, Expansion 13 mm.
Zufolge der durchgehenden dunklen Längsstriemen der Vorderflügel und
der eigenthümlichen Palpenform mit keiner der bisher bekannt gemachten Arten
zu verwechseln. Am nächsten in Grösse und Färbung wäre Nothris Senticetella
Stgr. (Mill. Ic., 150, 9—11) zu nennen.
Vorliegende Type, ein tadellos erhaltenes g', erbeutete Herr v. Hede-
mann am 14. Mai 1895 in Mogador.
Einige neue Homoptera-Arten und Varietäten.
Von
Dr. L. Melichar.
(Eingelaufen am 4. März 1896.)
1. Agallia minuta n. Sp.
Männchen. Scheitel kaum halb so lang als das Pronotum, vorne abgerundet,
die Augen stark vortretend. Am Uebergange des Scheitels zur Stirn jederseits
ein grosser punktförmiger Fleck, unterhalb diesem auf der Stirn ein kleiner
dunkler Punkt, welcher die Öcellen einschliesst. Zuweilen verschmelzen diese
seitlichen Punkte derart, dass zwei gegenüber stehende, nach aussen convexe,
halbmondförmige schwarze Flecken entstehen. Die Stirn länger als breit, nach
unten verschmälert, auf der unteren Hälfte mit zwei parallelen Reihen von
schwarzen kurzen Querstrichen, die häufig sich so verbreitern und zusammen-
fliessen, dass die untere Stirnhälfte ganz schwarz gefärbt erscheint und die
schwarze Zeichnung der unteren Stirnhälfte in der Mitte einen kurzen Fortsatz
nach oben entsendet. Ueber dem Clypeus ein schwarzer Längsstrich; Schnabel-
scheide gelbbraun, deren Spitze schwarz; Fühlergruben schwarz, Fühler gelblich-
braun. Ocellen von einander doppelt so weit als jede vom Augenrande entfernt.
Pronotum 2?/;mal so breit als lang, vorne bogig, hinten gerade, oben fein quer
nadelrissig, mit einem schwarzen, den Hinterrand nicht erreichenden Längsfleck
über die Mitte und zwei hintereinander stehenden schwarzen Flecken auf jeder
Seite. Nicht selten erscheint das Pronotum bis auf den breit hellweiss gefärbten
Einige neue Homoptera-Arten und Varietäten. 177
Hinterrand schwarz gefärbt. Schildchen gleichschenkelig dreieckig, schwarz.
Flügeldecken bis zur Hinterleibsspitze reichend, dieselbe nicht überragend, hinten
breit abgerundet, schwarzbraun; der Aussen-, Bogen- und Innenrand breit weiss
gesäumt; die weisse Säumung am Grunde des Innenrandes bis zum inneren
Clavusnerv erweitert. Die Clavus-Coriumnaht breit weiss; in der Mitte des
Coriums, an der Theilungsstelle des ersten Lectors ein kleiner, unregelmässiger
weisser Fleck. Die Nerven der Decken mit letzteren gleichfarbig. Hinterleib
oben schwarz mit schmalen gelben Hinterrändern und breiten gelben Seiten-
rändern, unten gelbbräunlich. Beine gelbbräunlich, die Schenkel und Schienen
mit undeutlichen braunen Längsstreifen, die Klauen braun. Genitalklappe klein,
kaum so lang wie das vorhergehende Bauchsegment; die Genitalplatten dreimal
so lang als die Genitalklappe, flach aneinanderschliessend, säbelartig nach oben
gekrümmt, am Ende abgerundet und mit langen Härchen besetzt.. Letztes
Rückensegment rundlich um die Afterröhre ausgeschnitten, die Seitenlappen
nach hinten abgerundet.
Weibchen. Gelblichbraun, die schwarze Zeichnung weniger ausgedehnt.
Auf dem Scheitel zwei schwarze runde Punkte, unterhalb diesem auf jeder Seite
ein undeutlicher rostbrauner Fleck, in welchem die Ocellen liegen. Auf der
unteren Hälfte der Stirn zwei Reihen von dunklen kurzen Querstricheln, welche
selten zusammenfliessen. Die beiden Reihen vereinigen sich oben, woselbst sie
einen kurzen Fortsatz nach oben entsenden. Fühlergruben schwarz, von diesen
herab die Stirnwangennaht häufig dunkel gefärbt. Pronotum wie beim dj‘, die
dunkle Zeichnung fliesst selten zusammen. Das Schildchen gelblichbraun mit
einem schwarzen Striche jederseits am Grunde des Aussenrandes und einer un-
deutlichen Zeichnung in der Mitte. Die Decken gelblichbraun, die stark vor-
tretenden Nerven gelblich, insbesondere die Clavusnerven und die Vorderhälfte
der Hauptnerven. Am oberen Quernerv ein deutlicher weisser Fleck; die hintere
Hälfte der Nerven schwarzbraun. Die hellen Nerven auf dunklem Grunde
verleihen den Decken ein streifiges Aussehen. Hinterleib und Beine wie beim g'.
Letztes Bauchsegment kaum länger als das vorhergehende, hinten gerade, die
Legescheide die Scheidenpolster etwas überragend, am Ende dunkel. Letztes
Rückensegment rundlich ausgeschnitten, die seitlichen Lappen in eine spitzige
Ecke nach hinten verlängert.
Länge: gJ' 2—225 mm, 9 2—2'5 mm.
Bei Bilek (Herzegowina) von Dr. Hensch gesammelt.
2. Triecphora distineta n. SP.
Länglich-oval, schwarz mit schwachem bläulichgrünen Glanz, welcher ins-
besondere am Scheitel, Pronotum und Schildchen bei schiefer Beleuchtung wahr-
nehmbar ist. Oberseite fein runzelig punktirt, mit sehr kurzen braunen Härchen
besetzt. Im Nacken des Kopfes und am Vorderrande des Pronotums mehrere
flache Eindrücke. Stirn stark blasenartig nach unten gewölbt, mit einem deut-
lichen Mittelkiel und tiefen Seitenfurchen. Das Schildchen quergerunzelt, in der
Mitte rautenförmig vertieft. Die Flügeldecken bläulichschwarz mit blutrother
Zeichnung, und zwar am Grunde des Clavus ein bis zur Schildchenspitze reichender
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 24
178 L. Melichar.
Fleck, ein grosser Querfleck in der Mitte des Coriums, bis zur Clavus-Coriumnaht
reichend, und eine schmale, durchwegs gleich breite, nach hinten sanft gebogene
Binde hinter der Mitte, welche den Aussenrand der Flügeldecken nicht erreicht,
nach innen zu über den Clavus, die äusserste Clavusspitze freilassend, bis zum
Innenrande verläuft. Flügel bräunlich, an der Spitze dunkler. Bauch roth, das
Basalsegment nicht gefleckt, die übrigen Segmente mit einem schwarzen Längs-
fleck in der Mitte der Basis, das Genitalsegment schwarz. Zuweilen fliessen die
Bauchflecken derart zusammen, dass ein Längsfleck über der Mitte des Bauches
entsteht. Der Randstreif mit schwarzen Flecken. Beine schwarz.
Länge des g’ und @ 10—11 mm.
Klein-Asien, von Dr. Krüper freundlichst übermittelt.
Der Triecphora mactata Germ. nahestehend, jedoch durch die Grösse,
die deutliche Kielung der Stirne, sowie durch die schmale, gleich breite und wie
bei Triecphora arcuata Fieb. bogenförmig verlaufende Querbinde ausgezeichnet.
Bei Triecphora mactata ist die hintere Querbinde mehr oder weniger deutlich
winkelig gebrochen und der äussere Theil derselben stets erweitert.
3. Triecphora vulnerata 1llig. var. helvetica nov. var.
Von der typischen Form durch die ausgedehntere rothe Zeichnung der Flügel-
decken verschieden, die mit der schwarzen Grundfarbe der Decken in gleichem
Masse vertreten ist und dem Thiere ein eigenthümliches Aussehen verleiht.
Der rothe Basalfleck im Clavus reicht über die Schildchenspitze hinaus
(bei der typischen Form blos zur Schildchenspitze) und dessen äussere Ecke
berührt den in der Mitte des Coriums befindlichen, gleichfalls vergrösserten,
viereckigen Fleck, welcher bis zur Corium-Clavusnaht reicht und durch diese
förmlich abgeschnitten erscheint Die hufeisenförmige Binde hinter der Mitte ist
breiter, berührt aussen den Flügelrand und verläuft nach innen bis zum Innen-
rande, das Clavusende mit Ausnahme der äussersten Spitze breit roth färbend.
Wird die rothe Farbe als Grundfarbe angenommen, so erscheint auf den
rothgefärbten Decken (bei geschlossenen Decken) ein durch die Clavus-Corium-
naht begrenzter, schwarzer trapezförmiger Fleck, von dessen Ecken schwarze
Querbinden über das Corium zum schwarzen Aussenrande verlaufen. Der Bogen-
rand der Decken erscheint schmal schwarz gesäumt.
Hinterleib und Beine wie bei Triecphora vulnerata Llig. gefärbt.
Aus der Schweiz, von Dr. Krüper freundlichst mitgetheilt.
4. Selenocephalus abbreviatus n. Sp.
Körper kurz oval, breit, gedrungen, gelblichbraun. Scheitel sammt den
Augen halbmondförmig, zwischen den Augen dreimal so breit als in der Mitte
lang, hinten weit bogenförmig ausgeschnitten. Der Vorderrand des Scheitels
scharf, mit einer von einem Augenrande zum anderen ziehenden schmalen Furche
versehen, an deren Enden dicht vor den Augen die Ocellen liegen. Die Oberfläche
des Scheitels längs des Vorderrandes quer eingedrückt und mit einer feinen Längs-
linie in der Mitte. Gesicht breiter als lang, Stirn mit schwarzbraunen Quer-
streifen beiderseits, welche oben zusammenfliessen, nach unten kürzer werden und
Einige neue Homoptera-Arten und Varietäten. 179
verlöschen. An der Clypeusstirnnaht ein schwarzbrauner Fleck, welcher sich häufig
über die Mitte des Clypeus bis zu dessen Spitze verlängert. Die Fühlergruben
schwarzbraun, die Fühler braun, die Spitzen des Wurzel- und des zweiten Gliedes
gelblichweiss. Pronotum mehr als doppelt so breit als lang, quergerunzelt, auf
der vorderen Hälfte ein wellenförmiger flacher Quereindruck. Schildehen drei-
eckig mit einer feinen Querlinie vor der Spitze. Flügeldecken breit, beim j' die
Hinterleibsspitze um !/, der Deckenlänge überragend, beim 2 bis zur Hinterleibs-
spitze reichend, gelblichbraun mit einigen schwarzen Flecken und Atomen in der
Schultergegend und einigen grösseren schwarzen Flecken am Bogenrande der
Membran; die Apicalzellen kurz. Beim Q sind die Decken noch spärlicher ge-
zeichnet, zuweilen bis auf die Endflecken einfarbig gelbbraun. Nerven der Decken
gelblich, von der Grundfarbe der Decken kaum verschieden, zuweilen die Apical-
nerven etwas dunkler und daher stärker vortretend. Bauch gelblichbraun mit
schwarzen Flecken und Punkten gesprenkelt; Beine gelblichbraun, schwarz gefleckt,
die Spitzen der Schienen und Tarsalglieder, sowie die Klauen braun. Die Hinter-
schienen mit starken Dornen bewehrt, an der Innenseite mit einem schwarzen
Längsstreifen.
d. Genitalklappe dreieckig, hinten gerundet, in der Mitte so lang wie
das vorhergehende; Genitalplatten 1!/;mal so lang als die Genitalklappe, vom
Grund aus schief nach oben gerichtet, hinten zusammen abgerundet, die Innen-
ränder aneinanderschliessend, die Aussenränder convex, mit kurzen Härchen besetzt.
Q. Letztes Bauchsegment fast so lang wie das vorhergehende, hinten gerade,
die Legescheide braun, die Scheidenpolster nur wenig überragend.
Länge des J' 5 mm, 25 mm breit; Länge des @ 6 mm, 2:67 mm breit.
Griechenland, von Dr. Krüper freundlichst mitgetheilt.
Diese Art ist dem Selenocephalus obsoletus Germ. ähnlich, jedoch durch die
kurze, gedrungene Gestalt, welche an Goniognathus Fieb. erinnert, ausgezeichnet,
5. Fieberiella pallida n. Sp.
Körper länglich, wachsartig gelblichweiss gefärbt, matt, oben mit feinen
schwarzen Punkten unregelmässig besäet, welche am Scheitel, Pronotum und
Schildehen dichter stehen und daselbst mit zerstreuten difusen eitronengelben
Flecken untermischt sind. Scheitel in der Mitte halb so lang als zwischen den
Augen breit, jedoch um die Hälfte länger als an den Seiten neben den Augen;
der Vorderrand scharfkantig, dahinter flach quer eingedrückt, so dass der Vorder-
rand etwas gehoben erscheint. Die Augen anliegend, braun; die Ocellen am
Scheitelrande dicht vor den Augen. Stirn gelblichweiss mit äusserst spärlichen
schwärzlichen Punkten und Flecken, längs des Scheitelrandes eine aus dicht
nebeneinander stehenden und zusammenfliessenden Flecken gebildete schwarze
Querbinde, welche oben durch den scharfen Vorderrand des Scheitels scharf
begrenzt ist, nach unten zu jedoch unregelmässig ist. Schildehen mit einer
feinen Querlinie vor der Spitze. Die wachsgelben Flügeldecken sparsam mit
schwarzen Punkten unregelmässig bedeckt, welche gegen die Deckenspitze dichter
stehen. Am Bogenrande der Membran am Ende der Apicalnerven grössere ver-
waschene rostbraune Flecken. Nerven der Decken etwas weniger dunkler als die
24*
180 L. Melichar. Einige neue Homoptera -Arten und Varietäten.
Grundfarbe der Decken, wenig vortretend. Flügel weiss, durchsichtig, mit gelb-
lichen Nerven. Brust und Bauch gelblichweiss, nicht punktirt, blos das letzte
Bauchsegment und die Scheidenpolster schwarz punktirt. Beine gelblichweiss,
die Schenkelenden auf der Unterseite gelbbräunlich verfärbt und mit einigen
schwarzen Flecken versehen; Schienen gelblichweiss, die Hinterschienen mit
starken Dornen an der Aussenkante und mit grossen schwarzen Punkten an der
Basis der Dornen. Die Spitzen der Tarsenglieder und die Klauen braun.
©. Letztes Bauchsegment viermal so lang als das vorhergehende, hinten
gerade, in der Mitte eingekerbt. Scheidenpolster schwarz punktirt und mit gelben
Härchen sparsam besetzt; die Legescheide letztere kaum überragend, gelb.
Länge des Q@ 5 mm.
Smyrna, von Dr. Krüper freundlichst übersendet.
Der Fieberiella Flori Stäl ähnlich, jedoch kleiner und schlanker, durch
die helle Färbung und weniger dichte Punktirung der Oberseite, insbesondere
der Flügeldecken von der ersteren Art leicht zu unterscheiden.
6. Kybos smaragdulus Fall. var. rufescens nov. var.
Grösse und Gestalt der typischen Form und nur durch die Färbung ver-
schieden. Die Ober- und Unterseite gesättigt orangegelb gefärbt, über das
Pronotum, Schildehen und die Naht der geschlossenen Flügeldecken ein rost-
brauner Längsstreif, welcher auf dem Pronotum und Schildchen durch eine helle,
oft kreideweisse Mittellinie in zwei Streifen getheilt ist. Die Flügeldecken stark
goldglänzend, mit einem schwachen olivenfarbigen Anfluge. Stirn gelb mit einer
weissen Längslinie über die Mitte und undeutlichen gelbbraunen Querstreifen
an den Seiten, am Innenrande der Augen feine weisse Längslinien, welche den
Augenrand eine Strecke weit begrenzen. Beine hell orangegelb, Klauen rosthraun.
Von August Oettel bei München gesammelt.
Referate.
„Aquila“, Zeitschrift für Ornithologie.
Diese Zeitschrift, welche den Namen des stolzen Königs der Lüfte trägt,
ist das Organ der „Ungarischen ornithologischen Centrale“. Der Zweck
und die Organisation dieses seit dem Jahre 1893 bestehenden, von dem bekannten
ungarischen Naturforscher Otto Herman geleiteten Institutes sind kurz folgende:
Förderung ornithologischer Beobachtungen im Allgemeinen, Verfolgung und Er-
gründung des Vogelzuges im Besonderen. Der Bestand derselben wurde durch
eine ins Reichsbudget eingestellte Dotation gesichert und das ungarische National-
museum bietet ihm nicht nur ein Heim in seinen Räumen, sondern stellt dem-
selben Bibliothek und sonstige Behelfe zur freien Verfügung.
Zur Klärung der Erscheinungen des Vogelzuges wurden vor Allem zwei
Einrichtungen getroffen: 1. Die Anlegung einer Datensammlung in Form eines
Zettelkataloges, welche nicht nur alle auf Ungarn bezüglichen Angaben über den
Referate. 181
„Zug“ enthält, sondern sich auf weitere Gebiete erstreckt und bereits einen Um-
fang von gegen 300.000 Zetteln erreicht hat. 2. Die Errichtung von Beobachtungs-
stationen, welche wieder zweierlei Art sind, jene der Fachornithologen, die alle
vorkommenden Arten zu notiren haben, und jene der staatlichen Forstämter, die
von amtswegen vorläufig nur zwei Arten, die Rauchscehwalbe und den weissen
Storch, bezüglich ihres Kommens und Gehens verfolgen sollen.
Die Datensammlung enthält Angaben über den Vogelzug, welche aus der
Literatur excerpirt wurden, dann solche, die sich in Manuseripten fanden, und
endlich die Berichte der Beobachtungsstationen.
Diese Daten wurden nach den Autoren, beziehungsweise Einsendern geordnet
aufbewahrt, um gelegentlich für die einzelnen Vogelarten nach Ort und Zeit
gruppirt zu werden, zur Feststellung der Ankunfts- und Abgangszeiten und even-
tuellen Zugstrassen. Die aus der kritischen Bearbeitung der Daten gewonnenen
Resultate werden unter den Namen der jeweiligen Bearbeiter und unter Nennung
der Quellen, denen die Daten entstammen, veröffentlicht. Dies erfolgt in der
Zeitschrift „Aquila“, aus welcher einige speciell den „Zug“ betreffende Arbeiten
nachstehend besprochen werden; zunächst aus dem I. Jahrgange (1894):
Herman 0. Der Frühlingszug der Rauchschwalbe (Hirundo rusticaL.).
Eine Skizze der Gesammterscheinung (l. c., p. 9—28).
Aus der Zusammenstellung einer Reihe von Daten ergibt sich, dass die
Rauchschwalbe zur jährlichen Besetzung ihres ganzen europäischen Brutgebietes
92 Tage bedarf, indem der früheste Ankunftstag auf den 25. Februar (Murcia),
der späteste (Mittelzahl) auf den 27. Mai (Luleä) fällt. Es geht ferner aus dem
Vergleiche der Beobachtungspunkte, beziehungsweise Ankunftszeiten nach geo-
graphischer Länge und;Breite hervor, dass je nördlicher ein Punkt liegt, desto
später der mittlere Ankunftstag fällt, und ferner hat es den Anschein, dass die
westlichen insularen und die weit östlichen Beobachtungspunkte spätere
mittlere Ankunftstage haben, als die centraleuropäischen. Der Schluss, zu
dem der Verfasser gelangt, ist, dass wenn auch die bisher verwerthbaren Daten
einige allgemeine Anhaltspunkte für den Verlauf des Schwalbenzuges geben, so
seien dieselben doch noch viel zu lückenhaft, als dass man aus ihnen gewisse
Zugstrassen ableiten könnte. Erst wenn auf Grundlage rationell vertheilter
Beobachtungsstationen die Zugserscheinungen eines jeden einzelnen Jahres nach
der geographischen Lage, nach dem Ankunftsdatum und der speciellen physischen
Beschaffenheit des Punktes, nebst den meteorologischen Momenten werden ver-
glichen werden können, und wenn für jeden Punkt solche Datenreihen vorhanden
sein werden, aus denen eine mittlere Ankunftszeit abgeleitet werden kann, wird
es möglich sein, dem Wesen der Zugserscheinungen für ein so weites Gebiet, wie
das hier behandelte, näher zu treten. Dies zeigt sich aus der Bearbeitung der
1890 und 1891 in Ungarn speeiell angestellten Musterbeobachtungen der Stationen
der Fachornithologen und Forstämter, welche im Bande III des „Berichtes über
den II. internationalen ornithologischen Congress“ erschienen und über welche
bereits in diesen „Verhandlungen“ (Bd. XLV, S. 436) referirt wurde.
l 82 Referate.
E. v. Middendorfl’s Daten und Serien über den Zug der Vögel, mit-
getheilt von OÖ. Herman (l. c., p. 283—36).
Die Beobachtungspunkte sind Hellenorm, Reo, Rannaküll und Dorpat;
die Mehrzahl der Serien umfasst 10—20 Beobachtungsjahre, so dass dieselben
zur Bestimmung der Ankunftsperioden und des mittleren Ankunftsdatums wohl
geeignet erscheinen. Es werden 13 Vogelarten behandelt.
Blasius, Dr. R. Erste Ankunftszeiten der Zugvögel in Braunschweig,
zusammengestellt von O. Herman (l. c., p. 36—44).
Aus dieser Arbeit ist der Satz hervorzuheben, dass einzelne Beobachtungs-
jahre nur Daten von höchst problematischem Werthe liefern und nur Serien
es sind, welche für einen gegebenen Punkt den Grad der Schwankung der Ankunfts-
zeiten und ein annehmbares Mittel ergeben, mithin eine Grundlage bieten, auf
welcher weitergebaut werden kann.
Gaal, Gaston v. Eine vergleichende Bearbeitung der Frühjahrs-
Ankunftsdatenreihen des Grafen K. Forgäch von Ghymes und
E.v. Middendorff'svon Livland (l. c., p. 106—123).
Die Daten beziehen sich auf neun en die durch 22 Jahre zu
correspondirender Zeit in den genannten, 10 Breitegrade von einander gelegenen
Gebieten beobachtet wurden, somit eine directe Vergleichung nach den einzelnen
Jahrgängen, sowie in Bezug auf das aus ihnen gewonnene Mittel gestatten.
* > *
Der Jahrgang II der „Aquila“* (1895) enthält zunächst den Bericht über
„Das erste Jahr“ der Thätigkeit der Ungarischen ornithologischen Centrale
(1894), welcher die Ergebnisse der Beobachtung des Frühjahrszuges im genannten
Jahre mittheilt (p. 1—80). Derselbe zerfällt in zwei Theile. Im ersten werden
die von den einzelnen Stationen gelieferten Daten: geographische Lage der
Station, wichtigere topographische Bemerkungen, Termin der Einsendung der
Beobachtungen und endlich das Verzeichniss der auf jeder Station beobachteten
Vögel unter dem Namen des betreffenden Beobachters aufgeführt. Das bildet
das Rohmateriale für die kritische Bearbeitung, welche im zweiten Theile vor-
liegt. Hier folgt nach einer Aufzählung der Beobachtungsstationen in der Reihen-
folge von der südlichsten zur nördlichsten die Behandlung der einzelnen Vogel-
arten, die in alphabetischer Ordnung aufgeführt werden. Bei jeder Art sind die
sämmtlichen Daten für das Jahr 1894 angegeben, und zwar in der Reihenfolge der
geographischen Lage (S. bis N.). Hieran schliesst sich die kritische Betrachtung
der einzelnen Daten und die Feststellung der mittleren Ankunftszeit für das
betreffende Jahr, und zwar nur bei jenen Arten, von denen mindestens vier hiezu
verwerthbar erscheinende Daten vorhanden sind. Die kritische Prüfung der
Daten geschieht an der Hand des eingangs dieses Referates erwähnten umfang-
reichen Zettelkataloges in- und ausländischer Zugsangaben, aus denen die mittleren
Ankunftszeiten für Ungarn mit möglichster Genauigkeit ermittelt wurden. Beim
Vergleiche mit diesen zeigte sich beispielsweise im Jahre 1894 für zwei Stationen
Referate. 153
einerseits ein ungewöhnlich frühes, andererseits ein abnorm spätes Eintreffen
der Zugvögel, was nun die Frage veranlasst, ob jene Abweichungen sich in Zukunft
als constant erweisen werden, und weiters zur Erhebung der Ursachen dieser
Abweichung Anstoss geben. Eine andere Zusammenstellung ergibt, dass nach
den Arten verglichen deren 105 früher und 33 später angekommen sind, als die
aus den bisher bekannten Daten berechneten allgemeinen Landesmittel angeben.
Die Zeit, welche jede einzelne Art zur Besetzung ihres ungarischen Brutgebietes
im genannten Jahre benöthigte, ist durch eine besondere Tabelle veranschaulicht.
Schliesslich folgt noch ein Zugskalender, in dem die Vögel nach dem Datum auf-
gezählt erscheinen, an welchem sie eintrafen. Dies ergibt für gewisse Arten ein
Nacheinander, für andere ein Nebeneinander des Auftretens. Inwieweit diese
Reihenfolge für ein grösseres oder kleineres Gebiet oder eine Zone constant ist,
wird auch erst die Zukunft lehren können.
Noch eines auf den Vogelzug sich beziehenden Aufsatzes möge kurz Er-
wähnung geschehen:
Hegyfoky J. Theoretische Bestimmung des Rauchschwalbenzuges
und der gleichzeitigen Lufttemperatur (l. ce, p. 111—151).
Dass die Zeit des Eintreffens und Abziehens der Vögel im Zusammenhange
mit den jeweiligen Witterungsverhältnissen steht, ist sozusagen selbstverständlich.
Der Grad der Innigkeit dieses Zusammenhanges mit den einzelnen meteorolo-
gischen Momenten ist jedoch bisher nicht näher festgestellt worden. Die Arbeit
Hegyfoky’s ist ein erster Versuch, dies für Ungarn bezüglich der Rauchschwalbe
zu thun, eines Vogels, dessen Kommen und Gehen bisher relativ am vollständigsten
für das genannte Land ermittelt ist. Zunächst ergibt sich eine vollkommene
Analogie zwischen dem Fortschreiten der Temperatur und dem Schwalbenzuge.
Je nördlicher oder je höher die Lage eines Ortes über dem Meere, desto niedriger
seine Temperatur und desto später die Ankunft der Schwalben; je südlicher oder
je niedriger die Höhenlage, desto wärmer die Gegend und desto frühzeitiger die
Ankunft. Doch wird noch eine engere Beziehung zur Temperatur constatirt,
nämlich dass das Temperaturmittel der 15 Tage vor der Ankunft der Schwalbe im
Meeresniveau 8—9° C. betrage. Bewölkung, Niederschlag und Windrichtung scheinen
den Zug weniger zu beeinflussen. In den Jahren 1894 und 1895 kam z. B. die
Schwalbe jedes Mal am 8. April an einem Orte (Turkeve) an, die Temperatur der
vorhergegangenen 15 Tage war in beiden Jahren fast gleich. Dagegen war im
Jahre 1894 die Bewölkung gering, es regnete die 15 Tage vor den 8. April gar
nicht und es herrschten Nordostwinde vor; im Jahre 1895 war der Himmel um
dieselbe Zeit weit mehr bewölkt, es regnete an 11 Tagen von den 15 (Niederschlag
36 mm) und der Wind wehte meist aus Südwesten. Trotzdem kam die Schwalbe in
beiden Jahren an demselben Tage an. Als der mittlere Ankunftstag der Rauch-
schwalbe wird von Hegyfoky der 5. (4°9) April berechnet. Die Verspätung der
Ankunft beträgt für die Erhebung von je 100 Metern ea. 3 Tage. Die Ankunft
der Schwalbe fällt auf den Tag der Isotherme von 94° C. laut Berechnung, was
aueh den thatsächlichen Verhältnissen ziemlich gut entspricht. L. v. Lorenz.
1 34 Referate.
Chun Carl. Atlantis. Biologische Studien über pelagische Organismen. (In
6 Abtheilungen.) Bibliotheca zool., Bd. VII, Heft 19. In 4 Lieferungen. 4°.
Dieses umfangreiche Werk bildet zusammen mit einer Arbeit W. A. Nagel’s
über Sinnesorgane einen Festband, welchen Prof. ©. Chun und der Verleger
E. Nägele Rud. Leuckart zur Feier seines 50jährigen Doctorjubiläums ge-
widmet haben. Die beiden ersten Capitel: „Die Knospungsgesetze der proli-
ferirenden Medusen“ und „Auriceularia nudibranchiata“ behandeln
Formengebiete, in denen Referent dem Verfasser in's Einzelne nicht folgen
kann. Alle übrigen Theile handeln über Crustaceen. |
Durch den ungewöhnlichen Reichthum an biologischen Gedanken von
allgemeiner Wichtigkeit und an geistvollen, anregenden Schlussfolgen in der
morphologischen Exegetik verdient dieses Sammelwerk in den weitesten Kreisen
der Naturforscher studirt zu werden. Die 20 Tafeln, die den Text erläutern,
wurden sämmtlich vom Verfasser angefertigt, und wir stehen nicht an, seine
unübertroffenen Zeichnungen für das Schönste zu erklären, was wir in dieser
Art in der Literatur besitzen. Und eine klare Abbildung ist für den Werth einer
morphologischen Arbeit entscheidender, als jede noch so klare Beschreibung.
Chun €. Atlantis. III. Nauplien der Lepaden. Nebst Bemerkungen über
das Schwebvermögen der pelagisch lebenden Crustaceen. — IV. Die secun-
dären Geschlechtscharaktere der Männchen von Phronima. Stutt-
gart, 1895. 54 S. mit 4 Tafeln. (Preis 30 Mk.)
III. Verfasser hat drei verschiedene Lepadennauplien, N. eques, hastatus
und loricatus, und zwar in wenig bekannten Stadien untersucht, wobei er besonders
über Nerven, Darm, Muskulatur, Drüsen der Lippen und des Rückenschildes viele
beachtenswerthe Daten nachzutragen wusste, und gewinnt die Ueberzeugung, dass
die Vermuthungen Balfour’s und Grobben’s, eine Phyllopoden-Urform vereinige
die Cirripedien und Copepoden zu einem gemeinsamen Stamme, dem Sachverhalte
entsprechen; namentlich hat hiefür die Entwicklung der O’ypris-Puppe im Nauplius,
die an drei Exemplaren beobachtet werden konnte, wichtige Belege geliefert.
Die absonderliche Ausrüstung junger Cirripedien mit ungeheueren Anhängen
und Fiederborsten hält Chun für „Anpassungen an das Schwebvermögen, welche
die natürliche Züchtung in unerschöpflich reichen Modificationen schaffte“. Es ent-
stehen daraus Convergenzerscheinungen im Habitus junger Lepaden und junger
Decapoden, die leicht zu weitgehenden Trugschlüssen Anlass geben können, während
der einzige Grund derartiger monomorphischer Erscheinungen in der Anpassung,
nicht aber in der Blutsverwandtschaft zu suchen ist. So hat z. B. Anton Dohrn
junge Thoracica mit dem Namen Archizoea bezeichnet (1870); nichtsdestoweniger
sind es echte Nauplius-Formen, die nur in der Lebensweise den Zoden verwandt
sind und ihre äussere Gestalt lediglich dem pelagischen Flottiren verdanken.
Es hat bereits Brandt (1892) hervorgehoben, dass die unter dem Namen
Phyllosoma bekannten Decapodenlarven oder manche Copepoden — wie die
Sapphirinen — zu papierdünnen Scheiben geworden sind, um sich durch Ver-
grösserung der Körperoberfläche bei geringer Körpermasse ökologischen Verhält-
Referate. 185
nissen anzupassen. Chun weist darauf hin, dass solche Anpassungen gewöhnlich
von anderen ähnlichen Vorkehrungen begleitet werden, wodurch das speeifische
Gewicht des Thieres nach Möglichkeit herabgesetzt wird. Oeltropfen spielen
dabei die hervorragendste Rolle; man findet sie in Embryonen von Cladoceren,
bei Sapphirinen ete., und die Calycophoriden pflegen in geeigneten Behältern
alles Oel aufzuspeichern, welches sie mit erbeuteten Ostracoden oder Copepoden
eingenommen haben. Bei der Hyperinengattung Mimonectes wird der Körper
des Krebses durch übermässige Entwicklung des Gallertgewebes in eine Kugel
umgewandelt. Wohl am seltensten wird der Körper durch eingeschlossene Luft-
räume leichter gemacht, wie bei der mit Daphniden verwandten Zvadne. Hieher
gehören auch stattliche Fächerfiedern, die wie Fallschirme wirken und besonders
bei Copepoden häufig auftreten, z. B. bei dem reizenden Calocalanus pavo.
Aehnlich sollen auch spinnenartig ausgebreitete Füsse mancher Formen oder die
stabförmigen Antennen bei Seina wirken. Andere Krebse, wie Leueifer oder
Xiphocephalus, wurden monströs in die Länge gezogen, so dass sie wie Glas-
fäden horizontal im Wasser schweben.) Dornartige Anhänge wirken wie Balaneir-
stangen; oft wird der gedrungene Körper in die Mitte einer geraden Linie gesetzt,
deren Vordertheil (Stirnstachel) desto länger sein muss als der Caudalabschnitt,
je mehr der Schwerpunkt des Körpers kopfwärts vorrückt,; in aufrechter Stellung
wird das Thier durch laterale Stangen oder verticale Rückenstacheln erhalten.
Mit jeder Häutung eines wachsenden Lepaden-Nauplius verlängern sich seine
Anhänge, so dass ihm rasche Vorwärtsbewegung unmöglich und ein flottirendes
Leben aufgezwungen wird. Die zarten, reich befiederten Füsse dienen zum Festhalten
der Beute, während die riesigen Stacheln infolge ihrer Muskulatur als Steuerapparate
aufzufassen sind; die Vermuthung anderer Autoren (P. ©. Hoek, Claus), dass
diese Anhänge als Waffe wirken, ist jedenfalls unrichtig. „Der physiologische Werth
der bizarr verlängerten Fiederborsten und Stachelfortsätze des Körpers liegt vor-
wiegend in dem Reibungswiderstand, welcher in Anpassung an das Aufgeben
einer raschen Ortsbewegung das Schweben im Seewasser ermöglicht“ (S. 100).
IV. Ausser den Brutlamellen sind bei Phronimiden nur an Fühlern
und Pleopoden secundäre Geschlechtscharaktere zu erkennen. Namentlich muss
man der Zange des fünften Peraeopodenpaares diesen Werth absprechen. Ihre
Gestalt und Armatur wechselt mit dem Alter; es kann daher der Vergleich eines
unreifen g' mit einem reifen @ derselben Art leicht zu irrthümlichen Schlüssen
verleiten; man hat auch oft Z' der Phron. colletti auf 2 der Phron. sedentaria
bezogen. Es lassen sich thatsächlich nur zwei kosmopolitische Formenkreise
1) Es ist wenig wahrscheinlich, dass der seltene Xiphocephalus schwimmend beobachtet werden
konnte. Jedem, der mit diesen Thiergruppen näher vertraut ist, muss es einleuchten, dass der ganze
hintere Körperabschnitt bei Xiphocephalus (und bei analogen Macruren) sich nach unten richtet. Bei
unserem Platysceliden entwickelt sich hinter den Augenblasen ein schmaler Kopfhals, offenbar, um
den Vordertheil zu belasten und das Thier in eine horizontale Lage zu bringen. Bei Sciniden dürften
die Fühler zum Eindringen in gallertige Organismen u. dgl. dienen und erst in zweiter Linie das wag-
rechte Schweben erleichtern, zumal eine ganze Menge verwandter Amphipoden ohne Antennenstäbe
ebenso geschickt schwimmt. (Garbowski.)
2. B. Ges. Bd. XLVI. 2
D
5
186 | Referate.
unterscheiden, die allerdings etwas variabel sind: Phron. sedentaria Forsk. und
colletti Bovallius; bei der ersteren ist die Tibia jenes Fusspaares länger als breit,
das Carpalglied, dessen hintere Zähne unselbstständig sind, ist ebenso gebaut und
sein Vorderrand wird vom Metacarpus überragt; bei der zweiten ist sowohl die
Tibia als der mit selbstständigen Hinterzähnen versehene Carpus ebenso lang wie
breit und der Metacarpus ist kürzer, Phron. diogenes Chun und pacifica Streets
sind Synonyme der Phron. colletti; spinosa Bov., tenella Stebb., atlantica Guer.-
Men. und solitaria Guer.-Men. gehören zu sedentaria. Verfasser mahnt daher
mit grossem Rechte zur Vorsicht bei Aufstellung neuer Arten, wo man oft geneigt
ist, jede Larve unter besonderem Namen zu specifieiren (vide Spence Bate!).
Mit erstem Frühling suchen die stets klein bleibenden männlichen Phro-
nimen die starken, oft vielleicht mehrjährigen © auf, die in Tönnchen an die
Oberfläche steigen, um das Brutgeschäft zu besorgen. Die Jungen leben zuerst
in dem mütterlichen Gehäuse und sinken erst im Sommer in die Tiefsee hinab,
wo sie sich selbstständig weiter entwickeln.
Eingehende Beschreibungen von Muskeln, Nerven und Drüsen in den
Gliedmassen verleihen auch diesem Capitel allgemeine Tragweite.
Chun €. Atlantis. V. Ueber pelagische Tiefsee-Schizopoden. Stutt-
gart, 1896. 54 S. mit 7 Tafeln. (Preis 38 Mk.)
Eingehende Untersuchungen über Schizopoden haben den Verfasser zur
Erkenntniss der wichtigen Thatsache gebracht, dass die aus biologischen
Gründen wahrscheinliche Entwicklungsweise dieser Crustaceen ihre
Parallele in dem morphologischen Bau findet. Die hier beschriebenen
Euphausidenformen, Nematoscelis mantis n. sp., Stylocheiron mastigophorum
Chun und chelifer n. sp., sowie die neuen Mysideen, Arachnomysis leuckartü
und Brutomysis vogtii (1 5‘), liessen ihn erkennen, dass sich bei Formen, die in
oberen Wasserschichten leben, die ursprünglichsten Merkmale erhalten haben,
was zunächst für Euphausiden gilt. Die letzteren beleben alle Meeresschichten,
von der Oberfläche bis in das tiefe Abyssal hinab (Stylocheiron abbreviatum
aus 1500 m Tiefe); manche Gattungen, wie Nematoscelis und Stylocheiron, sind
typische Tiefseethiere geworden und werden nur gelegentlich, durch Meeres-
strömungen fortgerissen, an der Oberfläche angetroffen. Bei Mysideen werden
alle Verhältnisse insoweit complieirt, als sie bathymetrisch indifferent zu sein
scheinen, jedoch von der Nähe des Grundes abhängen.
Allerdings hat der Verfasser folgende phyletische Reihe dieser Familie
construirt: Siriella- Euchaetomera-Brutomysis- Öaesaromysis-Arachnomysis. Die
Gattung Arachnomysis, die nach einem einzigen g’ aufgestellt wurde, ist zweifel-
los der aberranteste Vertreter aller Schizopoden und hat das Maximum der
Anpassungstransformation aufzuweisen. Leider berichtet Chun über ihren inneren
Bau nur aphoristisch, da er das einzige Exemplar nicht schneiden wollte; hervor-
zuheben wäre das enorm entwickelte Antennenganglion und ein medianer Längs-
spalt in der thoracalen Ganglienkette.!)
!) Ob nicht ein Artefact? (worauf mir besonders der eraniale Abschnitt hinzudeuten scheint).
Referate. 157
Viel genauer wurde dagegen Stylocheiron mastigophorum beschrieben,
welches von Stylocheiron longicorne G. Sars ganz sicher specifisch verschieden
ist. (In dieser Schilderung wird das erste Fusspaar auf S. 147 mit anderen Füssen
coordinirt, im Gegensatze zu Sars, der es für Maxillarfüsse erklärte; man darf
aber nicht vergessen, dass das Basalglied des Protopoditen eine Kaulade trägt,
weshalb es unzulässig ist zu sagen, dass diese Gliedmassen in Bezug auf weitere
Paare homodynam sind!) Aus der gedrängten Topographie der inneren Weich-
theile kann hier nur das Wesentlichste Erwähnung finden. Mit der Aorta cephalica
steht in Verbindung eine kugelige Ampulle, welche aus gewöhnlichem Gefässepithel
besteht, von rundlichen Muskeln umspannt und vom Verfasser als „Stirnherz“
bezeichnet wird, da er verschiedene Stadien der Systole und Diastole festhalten
konnte; wahrscheinlich haben wir es hier mit einer Anpassung an das Tief-
seeleben zu thun, die den Zweck hat, die Augencapillaren reichlicher mit
frischem Blute zu versorgen. Thoracale Ganglienkette ist ungemein concentrirt;
die Leberschläuche sind — wie bei allen Euphausiden — ausserordentlich zahl-
reich. Am Rectum befinden sich zwei laterale Blindsäcke, an denen sich zwei
histologisch an Ganglienzellen erinnernde Zellenstränge befinden; vielleicht ist
diese Bildung mit jener „Afterdrüse“* identisch, die Wrzesniowski bei der
Crevettine Goplana polonica entdeckte.
Seeundäre Geschlechtscharaktere beziehen sich auf den Cephalothorax,
insofern er beim 9 grösser ist und ein längeres Rostrum besitzt, und auf die
Extremitäten: männliche Fühler zeigen Anpassungen an das Auffinden der 9,
gewisse Brutfüsse sind beim @ vollkommener entwickelt, um in Ermangelung der
Brutlamellen mit den Endopoditen das Eierpaket zu halten. Die schwanzlosen
Spermazellen werden auch hier in chitinigen Samenpatronen an die weibliche
Geschlechtsöffnung angekittet. Die Kerne reifer Eizellen besitzen anstatt der
Kernkörperchen räthselhafte Chromatinballen, die der Kernwand anliegen.
Bei Thysanoessa bildet die stärker granulirte Substanz einen einheitlichen
Plasmamantel.
Phyletische Entwicklungsrichtungen der Euphausiden versucht der Ver-
fasser in folgendem Schema auszudrücken (welches wir durch Beifügung der bathy-
metrischen Zonen erläutern):
Oberfläche. Stammform der Euphausiden.
Pelagial.
Bentheuphausia. Thysanopoda.
Nycetiphanes.
| | Euphausia.
Thysanoessa.
Nematoseelis.
Abyssal. Stylocheiron.
| 38 Referate.
Chun €. Atlantis. VI. Leuchtorgane und Facettenaugen. Ein Beitrag
zur Theorie des Sehens in grossen Meerestiefen. Stuttgart, 1896. 72 8. mit
5 Tafeln. (Preis 32 Mk.)
Der erste Theil dieser Abhandlung beschäftigt sich mit Leuchtorganen
der Stielaugen und des Rumpfes, wie sie bei Schizopoden seit Längerem bekannt
sind. Diese, wie kleine elektrische Lämpchen in phosphoreseirendem Lichte
erglühenden Organe haben eine annähernd kugelige Gestalt; von den Bestand-
theilen fällt ein hohler, aus Lamellen zusammengesetzter Reflector,!) dem ein
Pigmentmantel ansitzt, und ein centraler „Streifenkörper“ am meisten auf; ausser-
dem befindet sich bei thoracalen und abdominalen Organen eine stark entwickelte
Linse. Verfasser bemüht sich zu beweisen, dass es unrichtig wäre, diese Gebilde,
mit Claus, mit Augen zu homologisiren, wie es jüngst Patten in seiner be-
kannten Neapler Arbeit versuchte. Andererseits ist der Verfasser, vornehmlich
infolge der schlechten Conservirung seines Materiales, nicht im Stande, uns etwas
Positives über die Natur der Leuchtkörper zu sagen; weder über den Streifen-
körper, noch über die Nervenendigungen kann er Auskunft ertheilen. Auch
bezüglich ihrer biologischen Bedeutung begnügt er sich mit blossen Vermuthungen.
Das Thier selbst kann von dem ausgestrahlten Lichte nur wenig wahrnehmen;
die Lämpchen können jedoch den Geschlechtern behilflich sein beim gegen-
seitigen Auffinden, was selbst in einer Umgebung, wo die meisten Organismen
leuchten, möglich wäre, da das Licht einer jeden Form gewisse Eigenthümlich-
keiten aufweist. Verfasser vermuthet auch, dass das Glühen zum Anlocken der
Beutethiere dienen kann, was allerdings nach den interessanten Versuchen des
Prinzen Albert I. von Monaco, der mit elektrischem Lichte Planktonkruster
in Unmassen köderte, recht naheliegt. Hervorzuheben wäre aber der Umstand,
dass die blinde Bentheuphausia keine Leuchtorgane besitzt. Auf S. 210 wird
der Leser durch einen Passus peinlichst berührt; es wird nämlich die Meinung
Giesbreeht’s, ein Copepode könne seine Verfolger durch Lichtfunken blenden
und die Flucht ergreifen, und die Vermuthung Brandt’s, dass leuchtende Krebse
ungeniessbare, nesselnde, leuchtende Coelenteraten nachahmen, deshalb für wenig
annehmbar erklärt, weil sie „auf das dunkle Gebiet der Psychologie niederer
Organismen verweist. Diese Auffassung hat zur Voraussetzung, dass ..... kleinere
Kruster — Erfahrungen sammeln und sie zu zweckmässigen Handlungen ver-
werthen. ... Ein Copepode, der einmal mit der gefährlichen Wirkung der
Nesselorgane Bekanntschaft macht, wird ihr wohl auch stets unterliegen“.
Im zweiten Theile wird der Nachweis geführt, dass sich auch im Bau
der Augen eine abgestufte Anpassung an das Tiefenleben verfolgen lässt. Der
umformende Einfluss äusserer Existenzbedingungen findet seinen Ausdruck vor
Allem in der Vertheilung des Pigmentes. Retinopigmentäre Augen der
Sergestiden sind ganz anders eingerichtet als die iridopigmentären Augen der
Tiefsee-Schizopoden, ohne Netzhautpigment an Rhabdomen, dagegen mit starker
!) Der eher für den Lichtspender zu halten wäre (Claus).
Referate. 1 s9
Corneawölbung.t) Die Augen der Phronima bilden einen Uebergangstypus: sie
sind getheilt in Frontaugen (mit dorsal verlängerten Facettengliedern) und Seiten-
augen, entsprechen aber in der Pigmentirung dem Sergestes-Auge. Augen der
Krebse, die, an die Nähe des Grundes gebunden, auch im seichten Wasser vor-
kommen (Kuphausia, Nyctiphanes, Mysideen), können als Nacht- und als Tag-
augen fungiren, wie dies durch die trefflichen Untersuchungen des Frl. Wanda
Szezawinska gezeigt wurde. Die Länge der Facettenglieder erleichtert die
Wahrnehmung von Bewegungen durch Entstehung breiter Zerstreuungskreise.
Von Crustaceen, die am tiefen Meeresgrunde leben, besitzt kein einziger solche
verlängerte Frontaugen. In theoretischer Hinsicht bekämpft der Verfasser die
alte, neuerlich durch Patten vertretene Theorie Gottsche’s, eine jede Einzel-
facette pereipire ein umgekehrtes, von der Cornea entworfenes Theilbild der
Umgebung, und unterstützt in längerer Beweisführung die Theorie des musivi-
schen Sehens (d. i. aufrechter Superpositionsbilder), wie sie durch Grenacher
und 8. Exner in geistreicher Weise ausgebaut wurde.
Es ist nur zu bedauern, dass es Prof. Chun nicht möglich war, seine
Angaben durch Anwendung moderner Tinctions- und Imprägnationsmethoden zu
vervollständigen, und dass er auch in diesen seinen Mittheilungen die einschlägige
Literatur nicht völlig beherrschte; so wäre z. B. die grosse Nebalia-Arbeit von
Claus oder cytologische Monographien Ide’s auf den Text sicher nicht ohne
Einfluss geblieben.
Im Ganzen haben wir in der „Atlantis“ wieder einmal ein glänzendes,
speeifisch zoologisches Werk vor uns, das ohne die gewohnten histologischen
Diatriben, welche die allgemeinen Gesichtspunkte nur zu leicht unterdrücken,
durch die Darstellung der Formen als lebende Organismen den denkenden
Leser in reichem Masse anregen muss. Für diejenigen Zoologen, „welche dem
Beobachter erst dann den Befähigungsnachweis ausstellen, wenn er über karyo-
kinetische Figuren, Nervennetze und Granula sich ausgelassen hat“, sind denn
auch jene Mittheilungen gar nicht bestimmt. Auch nicht für jene „kritischen
Geister, welche in nörgelnden Bemerkungen schwelgen und das Zählen von
Crustaceenborsten zum Lebensberuf wählten“ (V, 8.143). Tad. Garbowski.
Paezoski J. O nowych i rzadszych roslinach flory Litewskiej (Neue
und seltenere Pflanzen der lithauischen Flora). Separat-Abdruck aus Spra-
wozdanie komisyi fizyografieznej (Berichte der physiographischen Commission).
Krakau, 1896. 318. 8°.
Der Verfasser bereiste in den Jahren 1892—1894 vornehmlich das südliche
Lithauen und das angrenzende Gouvernement Mohylew. Bei den nachfolgenden
Pflanzen nahm er auch auf deren sonstige Verbreitung unter Benützung der
Kiewer, St. Petersburger und Moskauer Herbarien besondere Rücksicht. * Ranun-
culus polyphyllus W.K. Bei Lojöow im Distriete Rzeezyca des Gouvernements
Minsk. Fischer’s Angabe „Ucrania“ bezieht sich nicht auf das Charkower
!) Die als neu beschriebenen corneagenen Matrixzellen waren schon seit mehreren Jahren
bekannt (Claus).
il 90 Referate.
Gouvernement, sondern auf das Poltawaer. Die im Wolgagebiete, Gouvernement
Charkow und Ostgalizien vorkommende Wasserform wäre, weil in Ungarn längst
ausgestorben und darum die Waldstein-Kitaibel’sche Abbildung für Viele
unverständlich, hervorzuheben gewesen. In Siebenbürgen wurde R. polyphyllus
seit Baumgarten nicht mehr gefunden. * Cardamine parviflora L. In den
Distrieten Rzeezyca und Mozyr. * Alyssum minimum Willd. Bei Pinsk einmal.
Drosera intermedia Hayne. In den Distrieten Rzeezyca und Mozyr. Aldro-
vanda vesiculosa L. Bei Zytkowieze im Districte Mozyr. Polygala hybrida DC.
— P. Wolfgangiana Bess. = P. comosa a) Wolfgangiana Schmalh. Von den
Gouvernements Wilna und Mohylew bis in die Krim und Mongolei, sowie Sibirien.
* Dianthus diutinus Kit., zuerst in Schult., Oesterr. Fl., I (1814), 8. 655, be-
schrieben, — D. polymorphus ß. calyeis dentibus acutis Ledeb. = D. poly-
morphus b) diutinus Schmalh. = D. Borbasii Vandas, Oesterr. botan. Zeitsch.,
XXXVI (1886), S. 193. In den Gouvernements Grodno, Minsk und Mohylew.
Degen’s Erörterungen über diese Pflanze in Dörfler’s „Herbarium normale“,
p- S—10, blieben dem Verfasser unbekannt. * Silene parviflora Pers. In den
(Gouvernements Grodno, Minsk und Mohylew. * Moehringia lateriflora Fenzl. Im
Gouvernement Mohylew bei Homel; vom Bezirke Karatschew des Gouvernements
Örel bereits Ruprecht (Bull. de l!’Acad. St. Petersb., IX, p. 531) bekannt und im
Gouvernement Üzernigow bei Jarylowieze. Stellaria Frieseana Ser. Im Distriete
Pinsk. * Linum flavum L. Bei Turöw im Distriete Mozyr. Vieia lathyroides L.
In den Gouvernements Grodno und Mohylew, hier in der f. umbrosa Paczoski.
Orobus tuberosus L. In den Distrieten Minsk und Mozyr. Einmal auch im
Gouvernement Kiew gefunden. * Potentilla collina Wib. Bei Wilno, Brzes€ Li-
tewski und Bialystok. * Rosa trachyphylla Rau. In den Gouvernements Minsk,
Czernigow, Poltawa und Kiew. R. corüfolia Fr. Im Gouvernement Minsk. *R.
caryophyllacea Bess. Bei Brzes6 Litewski. Sedum Fabaria Koch. In den Gou-
vernements Minsk und Volhynien. * Peplis alternifolia M. B. Am Przypee,
Dnjepr, Don und an der Desna. Galium trifidum L. In den Gouvernements
Minsk, Mohylew, Orel und von da bis Sibirien, Sachalin, Japan und Nordamerika.
* Galatella punctata Lindl. = Aster acer L. = A. dracunculoides Bess. Im
Distriete Rzeezyca. * Linosyris vulgaris Cass. Im Distriete Mozyr. * Anthemis
ruthenica M. B. Bei Brzes@ Litewski. Matricaria discoidea DC. In den Gou-
vernements Grodno, Wilna und Minsk. * Barkhausia rhoeadifolia M. B. In den
Gouvernements Minsk, Volhynien und Kiew. Adenophora lilüfolia Fisch. Im
Distriete Rzeezyca. Cuscuta lupuliformis Krock. Ebenda. * Veronica Dillenü
Crantz. Verfasser sah Exemplare aus England, Belgien, Schweden, dem Elsass,
Tirol, Böhmen, Mähren, Ungarn, Siebenbürgen, Serbien, Rumänien, Polen, dem
Altai, Sibirien und der Dschungarei. * Melampyrum .commutatum Tausch = M.
laciniatum Kozewnikow et Zinger in Trudi Sv.-Peterb. obszez. estest. (Arbeiten
der St. Petersb. naturf. Gesellsch.), XI (1880), p. 86—87, Bull. Mose., LVI (1881),
p. 313, mit Taf. 3. In den Distrieten Mozyr und Bobrujsk. M. eretaceum Czer-
niaöw, Consp. 47, ist offenbar dasselbe. * Orobanche Cervariae Suard. Im Distriete
Rzeezyca. *O. ramosa L. Im Distriete Mozyr. * Dracocephalum thymiflorum L.
Referate. 191
Im Gouvernement Mohylew und im Distriete Minsk. * Leonurus Cardiaca L.
ß. Lithuanicus Paczoski. In Polen und im Distriete Pinsk. L. campestris Andrz.
in Bth., Lab. 518 sub L. Cardiaca, Izw. o wtor. sjezd. ross. estestworsp., II, p. 128
— L. Cardiaca $. glaucescens Schmalh., mit Ausschluss des Synonym Bunge,
welches bereits Bentham als Art zugelassen, hätte in Betracht gezogen werden
sollen. Darin, dass ZL. Tataricus L., mit dem Andrz. seine Pflanze verglichen,
in Lithauen nicht vorkommt, stimmt Referent dem Verfasser bei. Polyenemum
arvense L. Im Distriete Rzeezyca. Das im Bialowieser Walde vorkommende
* P, majus A. Br. ist auch in Galizien zu Hause, und dürfte hieher die für den
Rzeszower Kreis angegebene Salsola Kali gehören. Corispermum Marschallii
Stev. In den Distrieten Rzeezyca und Homel. Bilimek sammelte dasselbe in
Galizien, doch ohne Namhaftmachung eines genauen Standortes. Rumex Ueranieus
Fisch. Ebenda. Huphorbia lucida W. K. In den Distrieten Mozyr, Rzeczyca,
Rohaczöw, Homel und Pinsk. Euphorbia palustris L. ist für Lithauen mehr
denn zweifelhaft. Liparis Loeselü Rehb. Im Distriete Rzeezyca. * Iris nudi-
caulis Lam. Im Distriete Rzeezyca und in Volhynien, doch ist eine Verwechslung
mit I. Hungarica W.K. nicht ausgeschlossen. * Luzula albida DC. Im Gouverne-
ment Grodno und in Volhynien. Wird auch für Podolien angegeben. L. pallescens
Bess. In den Gouvernements Grodno, Minsk, Mohylew, Czernigow, Volhynien,
im Süden der Ukraine, worunter das Gouvernement Kiew gemeint sein dürfte,
Potamogeton acutifolius Link. Im Distriete Rzeezyca. * P. mucronatus Schrad.
In den Gouvernements Minsk und Mohylew. P. decipiens Nolte. Im Distriete
Rzeezyca. * P. trichoides Chmss. et Schlechtend. In den Gouvernements Mohylew
und Cherson. Najax minor All. Im Distriete Rzeezyca. * Scirpus Michelianus L.
Ebenda und von hier beinahe bis zum Euxinus. * Carex Ligerica Gay — €.
Colchica Gay — (0. divisa Auct. fl. Ross. (richtiger ©. arenaria Auct. fl. Gubernii
Chersonensis). Im südwestlichen Lithauen, in Volhynien, Podolien, Bessarabien,
in der Ukraine (richtiger Gouvernement Kiew), in den Gouvernements Poltawa
und Czernigow, im Lande der donischen Kosaken, in den Gouvernements Woro-
nez, Ekaterinoslaw, Kaluga, Saratow, Astrachan, im Kaukasus und in der Krim.
Carex heleonastes L. (s. h. Ehrh.). Im Gouvernement Minsk. C. pelulifera L.
Im Distriete Pinsk. * ©. irrigua Sm. Im Gouvernement Wilna. ©. Oederi Ehrh.
Ebenda. CC. tenella Schk. Im Distriete Rohaezöw. C. vaginata Tausch. Im Gou-
vernement Mohylew; auch im nördlichen Galizien. Ludolph Christian Trevi-
ranus und nicht Ledebour war der Bearbeiter der Gattung Carex in der Flora
Rossica. Hierochloa australis R. et Sch. Im Norden Volhyniens. Ledebour's
Angabe für Balta in Podolien ist, weil H. borealis der galizischen Autoren sich
als hieher gehörig herausgestellt hat, nicht mehr so zweifelhaft, als der Verfasser
wähnte. Panicum sangwinale L. Im Distriete Rzeezyca, in Volhynien und im
Gouvernement Üzernigow. Bechkmannia erucaeformis Host. Im Distriete Rze-
ezyea, in den Gouvernements Mohylew und Czernigow. * Heleochloa alopecuroides
Boiss. (s. h. Host). Ebenda, mit Ausnahme von Üzernigow. * Eragrostis suaveolens
Becker — E. suaveolens var. Borysthenica Schmalh. —= E. Borysthenica Gruner
— E. pilosa ß. suaveolens Rgl. In den Gouvernements Cherson, Poltawa, dem
192 Referate.
Lande der donischen Kosaken, im Gouvernement Kasan, am Ural-Flusse und in
der Dschungarei. E. collina Trin. ist Poa Tatarica Fisch. * E. Aegyptiaca
Delile (richtiger Willd.). Im Distriete Rzeczyca, in den Gouvernements Kiew und
Poltawa, sowie am Deneec (des Distrietes Izjum Czerniaöw nach Hackel's brief-
licher Mittheilung). * @lyceria plicata Fr. In den Distrieten Rzeczyca und Mozyr,
im Gouvernement Grodno, in Volhynien, in den Gouvernements Smolensk, Orel,
Kiew, Poltawa, Petersburg, Witebsk, im Caucasus und Alatau. * Atropis distans
Griseb. Im Distriete Rzeczyca. * Bromus commutatus Schrad. In den Gouverne-
ments Mohylew und Czernigow. Poa Chaixü Vill. B. remota Fr. (unter P. Su-
detica). Im Bialowieser Walde, im Distriete Bobrujsk und im Gouvernement
Üzernigow. Lycopodium inundatum L. In den Bezirken Pinsk, Mozyr, Nowo-
grödek und im Gouvernement Ekaterinoslaw. *_L. Chamaecyparissus A. Br. In
den Gouvernements Minsk und Orel; auch in Galizien. Ophioglossum vulgatum L.
Im Distriete Borysöw, in den Gouvernements Mohylew und ÜCzernigow. Die mit
einem * bezeichneten Pflanzen fehlen in Lehmann’s Flora von Polnisch-Livland.
Dem eigentlichen Reiseberichte des Verfassers sehen wir sehnsuchtsvoll entgegen.
J. A. Knapp.
Haläesy, E. v. Flora von Niederösterreich. Zum Gebrauch auf Excur-
sionen und zum Selbstunterricht bearbeitet. Wien (Tempsky), 1896. 6318.
Obschon erst vor ganz kurzer Zeit Beck’s „Flora von Niederösterreich“
erschienen ist, wird doch das vorliegende Werk Vielen sehr erwünscht sein und
namentlich den Anfängern, sowie allen Freunden der Botanik, denen die Beck ’'sche
Flora zu umfangreich und zu theuer ist, gute Dienste leisten. In wissenschaftlicher
Hinsicht Neues über die niederösterreichische Flora zu bringen, war nicht die
Absicht des Verfassers, sondern lediglich die Herstellung eines handlichen Bestim-
mungsbuches. Diesen Zweck hat Verfasser durch das vorliegende Werk in vor-
trefflicher Weise erreicht.
Das Buch enthält nur die in Niederösterreich wildwachsenden Blüthen-
pflanzen (nicht auch die Farnpflanzen); die häufig und in grösserem Massstabe
eultivirten Arten sind meist in Noten angeführt. Die Anordnung der Familien
und Gattungen geschah nach dem De Candolle’schen System. Vorangestellt
ist eine „Uebersicht der im Lande vorkommenden Familien“, welche zugleich zur
Bestimmung der Familien verwendet werden kann. Der specielle Theil ist ganz
nach dem Muster von Garcke’s „Flora von Deutschland“ gearbeitet, unterscheidet
sich übrigens von letzterer vortheilhaft dadurch, dass bei den einzelnen Familien
auch Tabellen zur Bestimmung der Gattungen vorhanden sind. Denjenigen, welche
etwa ein Landesherbarium nach dem Buche ordnen wollen, wird die fortlaufende
Numerirung sowohl der Gattungen als auch der Arten willkommen sein.
Dass Verfasser im Allgemeinen den alten, etwas weiteren Artbegriff fest-
gehalten hat, gereicht dem Buche nur zum Vortheil; jedoch wurden neuere
Untersuchungen, wie beispielsweise jene Wettstein’s über Kuphrasia und endo-
triche Gentianen, die des Referenten über Ranumeulus aconitifolius und platani-
folius u. a., sorgfältig berücksichtigt. Die sogenannten „kritischen“ Gattungen
Referate. 193
sind etwas ungleichmässig bearbeitet, was aber nicht anders sein konnte, da auch
die vorhandenen Vorarbeiten sehr verschieden sind. Rubus wurde nach der Be-
arbeitung des Verfassers behandelt, Rosa nach Braun (in Becks Flora von Nieder-
- österreich), Mentha gleichfalls nach Braun, Hieracium nach Beck.
Die Bastarde wurden durchwegs in den Text aufgenommen, aber deutlich
als solche bezeichnet, so dass man beim Bestimmen der Arten durch dieselben
nicht beirrt wird. Bei jedem Bastard sind die Unterschiede von beiden Stamm-
eltern angegeben. Die binären Namen der Bastarde sind angeführt, aber nicht
an erster Stelle, was unbedingt zu billigen ist.
In Bezug auf die Nomenelatur hat Verfasser, namentlich in Bezug auf
Gattungsnamen, einen mehr conservativen Standpunkt eingenommen, was mit
Rücksicht auf den praktischen Zweck des Werkes von Vortheil ist. In der
Nomenclatur der Arten ist Verfasser nicht Beck gefolgt, sondern hat den ältesten
Artnamen auch aus anderen Gattungen unter Anwendung der Klammermethode
herübergenommen. Wir begegnen übrigens ab und zu auch solchen Namen, die
erst in neuester Zeit wieder Geltung bekamen, so Wilckia statt Malcolmia, Actaea
nigra Statt A. spicata, Hesperis silvestris statt H. runcinata u. a. m.
Es ist zu erwarten, dass sich Haläcsy’s Exeursionsflora bald einbürgern
wird; denn ein derartiges Buch war thatsächlich ein Bedürfniss für die in Nieder-
österreich lebenden zahlreichen Freunde der Floristik, und die ganze Anlage des
Werkes ist so zweckmässig, dass dasselbe seine Hauptaufgabe, die rasche Bestim-
mung der in Niederösterreich wildwachsenden Pflanzen zu ermöglichen, gewiss
erfüllen wird. Fritsch.
Schube Th. Schlesiens Culturpflanzen im Zeitalter der Renaissance.
Beilage zum Jahresbericht des Realgymnasiums am Zwinger in Breslau.
Ostern 1896.
Vor nunmehr nahezu 300 Jahren erschienen Schwenckfeld’s Werke
über die in Schlesien wildwachsenden und ceultivirten Gewächse. Verfasser hat schon
früher!) die von Schwenckfeld angeführten wildwachsenden Pflanzen verzeichnet,
d.h. mit ihren jetzt gebräuchlichen Namen veröffentlicht. Die vorliegende Publi-
cation behandelt in derselben Weise die in Schwenckfeld’s „Catalogus“ ange-
führten 592 Culturpflanzen, ferner die von Gesner (1561) namhaft gemachten
Pflanzen des Woyssel’schen Gartens und die im „Catalogus* von L. Scholz
(1594) verzeichneten.
Wie Verfasser seine Aufgabe gelöst hat, wird am besten aus einem Beispiele
ersichtlich sein:
„196. Cucurbita Indica maxima. — (ucurbita Pepo L. — Türkisch Kraut.
Sil. — Tropisches Amerika. — Gleich anderen aus Amerika stammenden Nutz-
pflanzen, wie Zea Mays L. und Phaseolus vulgaris L., ist hier auch der Kürbis
fälschlich als aus der Türkei herrührend aufgefasst worden.“
Fritsch.
1) 68. Jahresb. d. Schles. Gesellsch. £. vaterl. Cultur. Breslau, 1890/91.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 26
194 Referate.
Matschie Paul. Die Säugethiere Deutsch-Östafrikas. Mit 75 in den
Text gedruckten schwarzen Abbildungen, zumeist nach dem Leben gezeichnet
von Anna Held. Berlin, 1895. Gr.-8°.
Eine Uebersicht nicht nur der in dem genannten Gebiete nachgewiesenen °
Säugethiere, sondern auch solcher, die in den angrenzenden Gegenden vorkommen;
das Buch bildet mit seinen Bestimmungsschlüsseln und trotz der oft gar kurzen
Beschreibungen eine willkommene Beihilfe für den Forscher und Jäger, der sich
rasch über ostafrikanische Säugethiere orientiren will. Wer ein tieferes Studium
der Vertreter dieser Classe aus dem dunklen Welttheile beabsichtigt, findet ein
ausführliches Verzeichniss der Literatur beigegeben, aus welcher Rath zu holen
ist — oder auch nicht, denn es ist noch Vieles unerforscht in Afrika. Für das
deutsche Schutzgebiet werden angeführt: 8 Affen, 4 Halbaffen, 23 Fledermäuse,
8 Insectenfresser, 37 Nager, 30 Raubthiere, 42 Hufthiere, 1 Walthier, 2 Edentaten,
zusammen 155 Arten, wovon 50 bisher nur aus Deutsch-Ostafrika bekannt sind.
L. v. Lorenz.
Dresser H. E. „A history of the birds of Europe ineluding all the
species inhabiting the western palaearctie region.“ Supplement.
Part III—V. London, 1896. 4°.
Nachstehend theilen wir den Inhalt der Fortsetzungen dieses Werkes mit,
nachdem wir über die beiden ersten Hefte desselben bereits in diesen „Verhand-
lungen“, Bd. XLV, S. 310, berichtet haben.
Accentor fulvescens Severtz. Kaukasus, östliche Mongolei, Tibet, Sibirien, Gilgit
und Sikkim.
Accentor atrigularis Brandt. Ural, Turkestan, Altai, Pendschab. Wiederholt bei
ÖOrenburg.
Acredula macedonica Salvad. et Dresser. Griechenland, Bulgarien (?). Pl. 655,
Fig
Acredula caucasica Lorenz Th. Kaukasus. Pl. 655, Fig. 2.
Parus cinereus Vieill. Transkaspien, West-China, Himalaya, Ceylon, Moluccen,
Malayische Inseln. Pl. 656, Fig. 1.
Parus bokharensis Licht. Transkaspien, Afghanistan, Turkestan. Pl. 656, Fig. 2.
Parus phaeonotus Blanford. Kaukasus, Transkaspien, Persien. Pl. 657.
Parus cypriotes Dresser. Cypern. Pl. 658.
Parus pleskei Cab. Nord-Russland, westlich vom Ural; regelmässig bei St. Peters-
burg und Moskau. Ein Exemplar bei Liege in Belgien. Pl. 659.
Parus tenerifjae Less. Gran Canaria, Teneriffa, Gomera. Pl. 660, Fig. 2.
Parus palmensis Meade-Waldo. Insel Palma. Pl. 660, Fig. 1.
Parus ombriosus Meade-Waldo. Insel Hierro (Canaren). Pl. 661.
Sitta whiteheadi Sharpe. Insel Corsica. Pl. 662.
Sitta syriaca Ehr. (verschieden von S. neumayeri Michah.). Transkaspien, Persien,
Afghanistan, Turkestan. — Im Anschlusse an diese Art eine Uebersicht
der seit den letzten 12 Jahren gewonnenen Ergebnisse über die übrigen
11 paläarktischen Sitta-Arten.
Referate. 195
Troglodytes pallidus Hume. Transkaspien, Ost-Turkestan.
Motacilla personata Gould. Transkaspien bis Caleutta, Sibirien bis Indien. Pl. 663.
Motacilla xanthophrys Sharpe. Vom Schwarzen Meere bis Persien. Pl. 664. —
Uebersicht der anderen sechs paläarktischen gelben Bachstelzen (Budytes).
Anthus similis Jerdon. Persien, Afghanistan, Beludschistan, Indien. Pl. 665.
Lanius grimmi Bogdanoff. Von Kaspien bis Alaschan, Beludschistan (?). Pl. 666.
Lanius funereus Menzbier (nahe dem L. mollis Eversm.). Turkestan. Pl. 667,
668, Fig. 1.
Lanius leucopterus Severtz. Transcaspien, Ost-Turkestan; nördlich bis Krasno-
jarsk. Pl. 668, Fig. 2.
Lanius fallae Finsch. Canarische Inseln, Nordost-Afrika, Palästina, Meso-
potamien, Beludschistan; Dekkan (?).
Lanius elegans Swains. Algier bis Central-Asien.
Lanius raddei Dresser. Transkaspien, Turkestan (?). Pl. 669.
Muscicapa semitorguata Homeyer E. F. Süd-Russland, Kaukasus, Persien;
Türkei.
Carduelis caniceps Vigors. Ural, Transkaspien, Afghanistan, Himalaya, Central-
Asien, Sibirien. Pl. 670.
Coccothraustes carneipes Hodgson. Transkaspien, Himalaya, Mongolei. Pl. 671.
Passer ammodendri Severtz. Transkaspien, Turkestan, Alaschan, Ordos. Pl. 672.
Montifringilla alpicola Pall. (getrennt von M. nivalis). Kaukasus, Persien,
Afghanistan, Turkestan bis zum Beischan-Gebirge. Pl. 673, Fig. 2.
Fringillla palmae Tristram. Insel Palma. Pl. 674.
Bucanetes obsoletus Licht. Syrien, Transkaspien, Persien, Afghanistan, Turkestan,
Mongolei bis an das Nordufer des Hoangho. Pl. 675.
Bucanetes mongolicus Swinhoe. Transkaspien, Afghanistan, Turkestan, Himalaya,
Nordwest-China. Pl. 676.
Pyrrhula cassini Baird. Ural, Sibirien, Alaska, Turkestan, Altai. Pl. 677.
Uragus sibiricus Pallas. Ural bis Ost-Sibirien, Turkestan, Mandschurei, Nord-
China. Pl. 678.
Loxia rubrifasciata Bp. et Schleg. West-Russland, Deutschland; ein Exemplar
bei Stockholm. Pl. 679.
Emberiza luteola Sparrm. Transkaspien, Turkestan, Afghanistan, Sibirien, Persien,
Indien; zwei Exemplare auf Helgoland. Pl. 680.
Emberiza huttoni Blyth. Kaukasus bis Kaschmir. Pl. 681.
Emberiza saharae Levaill. Tunis, Algier, Marocco. Pl. 682.
Emberiza cioides Brandt. West-Sibirien, Turkestan, Öst-Sibirien, Korea, Mandschurei,
Mongolei, China; ein Exemplar in England. Pl. 683.
Alauda gulgula Frankl. Transkaspien, Indien, Ceylon, Birma, Süd-China, Phi-
lippinen. Pl. 684.
Podoces panderi Fischer. Transkaspien, Turkestan. — Vorher eine Betrachtung
über die systematische Stellung der Gattung Podoces, welcher nach des
Autors Ansicht ein Platz in der Nähe von Pyrrhocorax und Nueifraga
gebührt.
26*
196 Referate.
Die Arten der Gattung Sturnus werden einer Kritik unterzogen, St.
unicolor den anderen Formen gegenübergestellt. Diese wieder in zwei Gruppen
gesondert. In die eine mit grünen oder stahlblauen Flügeldecken gehören St.
vulgaris und St. menzbieri, welche letztere Form aber als von St. vulgaris
nicht unterscheidbar befunden wird. Zur zweiten Gruppe sind die als St.
purpurascens, St. porphyronotus, St. poltaratskii und St. caucasicus be-
schriebenen Formen zu zählen, von denen St. purpurascens und porphyronotus
für untrennbar erklärt werden, während St. poltaratskiüi und St. caucasicus dem
St. purpurascens sehr nahe stehen und sich von diesem durch weitere Ausbreitung
des grünen Glanzes unterscheiden. St. poltaratskiüi hat den Rücken stahlgrün
und den Rumpf purpurglänzend, bei St. caucasicus breitet sich der grüne Glanz
auch über den Rumpf aus. L. v. Lorenz.
197
New York Academy of Sciences
‘ July 1896
Versammlung am 6. Mai 1896.
eiränder: Herr-Dr. Franz Ostermeyer.
Neu eingetretene Mitglieder:
s Als Mitglied bezeichnet durch die
P. T. Herr P. T. Herren
Heeke Ludwig, Assistent an der Hochschule
für Bodencultur, Wien, VIII., Skodagasse 17_ A. Handlirsch, Dr. A. Zahlbruckner.
Luze G., Bürgerschul-Lehrer, Mate XVL,
Veronicagasse 23 . . 2 L. Ganglbauer, J. Kaufmann.
Mandl Carl, Privatbeamter, wi ien, W. er
Neugasse 4. . . . L. Ganglbauer, J. Kaufmann.
Meeraus, Dr. Emil, k.k. Minjelerial- Ce
Wien, XIX., Carl Ludwigstrasse 41 . . A. Handlirsch, Dr. L. Melichar.
Michl, Dr. Oswald, Hof- und Gerichtsadvocat,
Wien, I., Hoher Markt3 . . . A. Handlirsch, Dr. L. Melichar.
Paul Josef, Apotheker, Mährisch- Sa er Dr. ©. Fritsch, A. Handlirsch.
Fräulein Pehersdorfer Anna, Fachlehrerin,
Steyr, Oberösterreich . . . Dr. ©. Fritsch, A. Handlirsch.
Strauss Leopold, Bürgerschul- Eher wi ien,
V., Tiehtelgasse 15. -. . . » . 2... 2. Ganglbauer, J. Kaufmann.
Herr Dr. Carl R. v. Keissler sprach „Ueber eine neue
Daphne-Art“. (Vel. S. 214.)
Herr Custos Dr. L. v. Lorenz hielt hierauf einen Vortrag
„Ueber die Nestor-Papageien“.
Der Vortragende wies auf zwei Suiten des unter dem Namen Nestor
meridionalis bekannten braunen Nestor hin, welche durch A. Reischek einer-
seits auf der Nordinsel Neuseelands (Hauturu, Kawhia, Waitakeri, Priongia),
andererseits an der Südwestküste der Südinsel (Dusky Sound und Chalky Sound)
gesammelt worden waren. Die Vögel der beiden Inseln zeigen unter sich wesent-
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 27
198 Versammlung am 6. Mai 1896.
liche Verschiedenheiten und führen zu der Ueberzeugung, dass man es da mit
zwei verschiedenen Formen von braunen Nestoren zu thun habe. Von Haast
(Journ. f. Orn., 1868) und Finsch (Papag., II, 1868) wurden auch bereits die
Nestoren der Südinsel als eine besondere Art unter dem Namen N. montanus
unterschieden und es wurden als charakteristische Merkmale derselben eine andere
Stimme, ein anderer Flug, bedeutendere Grösse und lebhaftere Färbung hervor-
gehoben. Diese beiden letzteren Eigenschaften kommen auch bei den von
Reischek erbeuteten Bälgen des Südens durchaus zum Ausdrucke. Der ganz
auffallende Grössenunterschied zwischen den Vögeln der Süd- und Nordinsel
wurde von dem Vortragenden an zwei zu dem Zwecke mit ausgespannten
Schwingen präparirten Vögeln, sowie auch an Skeleten demonstrirt.
Dr. v. Lorenz legte sodann auch jenen aus dem Museum Leverianum
stammenden, seit 1808 im Hofmuseum befindlichen Papagei vor, welcher von
Latham als „Southern brown parrot“ (General Synopsis, 1781) und Psittacus
nestor (Index orn., 1790) beschrieben wurde und welchen Gmelin (1788) Psitta-
cus meridionalis benannt hat. Es ist das auch dasselbe Exemplar, das Shaw
(Mus. Lever., 1892) unter dem Namen Psittacus australis anführt und abbildet.
Ein Vergleich dieses typischen Exemplares, auf das sich alle eben erwähnten
Bezeichnungen beziehen, ergibt nun dessen vollkommene Uebereinstimmung mit
den von Reischek auf der Südinsel gesammelten Vögeln, woraus weiter folgt,
dass der Name Nestor montanus ein Synonym zu dem N. meridionalis Gm.
darstellt. Der von Forster (Ms., 1773) beschriebene N. hypopolius (Lichten-
stein, Descriptio animalium, 1844) ist gleichfalls mit den vorliegenden Nestoren
der Südinsel identisch.
Die Nestoren der Nordinsel, die nach den bisherigen Kenntnissen von den
Autoren auch unter die Bezeichnung N. meridionalis gestellt wurden, sind nun
durch eine neue Bezeichnung als verschieden zu kennzeichnen und beantragte
Lorenz hiefür den folgenden Namen unter Beifügung der Diagnose:
Nestor septentrionalis, Nestori meridionali Gmelini similis, sed
minor; vwertice fusco (nec camo); remigibus, secundarüs et tectricıbus alae
fuseis vie florescentibus (nec cyaneo viridibus); cauda fusca, ad basin colore
flavo lavata (non viridescens).
Auf diese Form passt auch Salvadori’s Beschreibung zu N. meridionalis
(Cat. Birds Brit. Mus., XX, p. 7). Die Beschreibungen, die Buller und andere
Autoren unter demselben Namen geben, enthalten dagegen, ebenso wie jene
Latham’s und Forster’s, die Merkmale der Vögel von der Südinsel. Diese
haben eine helle grauweisse Färbung des Oberkopfes, nur gegen den Nacken
sind die Federn dunkel gerändert; über und hinter den Augen bis gegen den
Nacken zu ein blasser blaugrüner Anflug; der gelbe Ohrenfleck ist lebhafter;
der Rücken blaugrün überwaschen. Flügel, insbesondere die Seeundarien noch
intensiver blaugrün; die rothe Färbung der Ober- und Unterseite (Bürzel und
Bauch) ist lebhafter und zieht sich weiter nach vorne gegen Rücken und Brust;
ausserdem sind sie, wie erwähnt, grösser als die Vögel von der Nordinsel.
de
7 ci ee
;
Versammlung am 6. Mai 1896. 199
Der N. oceidentalis Buller's („Ibis“, 1869) von der Westküste der Süd-
insel (George Sound bis Milford Sound) würde der Beschreibung nach mit
dem eben als N. septentrionalis bezeichneten Vogel grösstentheils übereinstimmen.
Ob nun der erstere, welcher nicht gar weit nördlicher erbeutet wurde als der
N. montanus (recte meridionalıs), einem Jugendstadium von diesem entspricht,
oder eine Zwischenform zwischen diesem und dem N. septentrionalis darstellt,
oder endlich mit dem N. septentrionalis identisch ist, in welch’ letzterem Falle
dieser mit dem N. occidentalis synonym wäre, könnte nur durch Vergleich von
authentischen Exemplaren des N. occidentalis entschieden werden.
Dr. v. Lorenz demonstrirte dann noch den bereits ausgestorbenen Nestor
produetus Gould von Philipp Island, von welcher Art sich zwei Exemplare im
k. k. naturhistorischen Hofmuseum befinden, und zeigte eine Abbildung des von
Pelzeln (Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch., XLI, 1860) als N. norfol-
censis bezeichneten Papagei vor, welche von dem Maler Zimmermann nach
der 1805 auf der Norfolk-Insel angefertigten Zeichnung und den Farbentabellen
des Malers Bauer, der seinerzeit Flinders auf dessen Reise begleitete, ausge-
führt wurde. Nach diesem Aquarelle zeigt der N. norfolcensis in der Färbung
eine sehr weitgehende Uebereinstimmung mit dem N. produetus, und wird die
Vermuthung erweckt, dass der so ausserordentlich entwickelte Schnabel des
ersteren eine abnorme Bildung darstelle und der nur auf Bauer’s Zeichnung
und Farbenangaben begründete N. norfolcensis mit dem N. produetus identisch
sein könnte.
Gonstituirende Versammlung der Section für Botanik
am 10. April 1896.
Nachdem der Ausschuss der Gesellschaft in seiner Sitzung am
30. März 1896 der Gründung einer „Seetion für Botanik* zugestimmt
hatte, berief Herr Prof. Dr. ©. Fritsch für den 10. April 1896 die
constituirende Versammlung dieser Section ein.
In dieser Versammlung meldeten folgende Mitglieder der Gesell-
schaft ihren Beitritt zur „Section für Botanik“ an:
Ban2HerrAnger"P. | P. T. Herr Ginzberger A.
Bar Bauimgartnermgs SR La ET EERICH AB. Vz
er uwniuBeck,.G.w. SR RDMEETn TIchrtC:
sl Braunc.H: » » » Haungerbyehler, J. v.
Ko: Brunnthaler.g. DIR ROiSsslennChw.
meer, uBurgerstein A. ea Re llieröTr
Be ZEichienneld, My. al. NL -SRTASSEL EB.
u uErieSchHE: n. Ei TrusbauersTe
ZiIKe
200 Constituirende Versammlung der Section für Botanik am 10. April 1896.
P. T. Herr Lütkemüller J. |
„ Müllner M. |
„ Ostermeyer F. |
„ Ronniger F. |
„ Steiner J. |
P. T..Herr Teyber A.
RAN HH EeUSIchrE
PR „. Wilhelm C.
es ZaihlbruckneräR!
/unächst wurde der von Herrn Prof. C. Fritsch vorgelegte
Entwurf einer Geschäftsordnung der Section durchberathen und mit
einigen unwesentlichen Aenderungen angenommen.
Hierauf wurden zu Functionären der Seetion per acclamationem
gewählt:
Herr Prof. Dr. G. Ritter Beck v. Mannagetta zum Obmann,
Herr Dr. E. v. Haläcsy zum Obmann-Stellvertreter,
Herr Dr. L. Linsbauer zum Sehriftführer.
Schliesslich wurde auf Antrag des Herrn J. Brunnthaler dem
Herrn Prof. Dr. C. Fritsch der Dank für seine Bemühungen um
das Zustandekommen der Section ausgesprochen.
Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und
Onustlus.
Von
Dr. Rudolph Bersh
in Kopenhagen.
(Mit Tafel II und III.)
(Eingelaufen am 30. April 1896.)
Narica Reeluz.
In ihrem Reisewerke Voyage de l’„Astrolabe* (II, 1832, p. 239, Pl. 66 bis,
Fig. 20—21) beschrieben Quoy und Gaimard als eine „Velutina cancellata“
das Thier von Nerita cancellata von Chemnitz. Sie geben ausdrücklich an, dass
sie ursprünglich an die Aufstellung einer eigenen Gattung Vanikoro (von der Insel
Vanikoro) gedacht hatten, welche sie aber wieder fallen liessen. Das Thier ist
sehr kenntlich beschrieben und abgebildet. Mit der gewöhnlichen Leichtfertigkeit
und Lust zum Namengeben der Conchyliologen stellte Swainson (A treatise on
malacology, 1840, p. 346) dann auf dem Sigaretus cancellatus Lamarck's (der
Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und Onustus. 201
Nerita cancellat« von Chemnitz) eine neue Gattung, Leuwcotis, auf. Ebenso
scheint Gray (vgl. Fig. of moll. anim., IV, 1850, p. 156) für dieselbe Form die
Gattungen Merria (1839) und Nioma (1840) gebildet zu haben. Mit dem Namen
Narica erschien endlich die Monographie von Recluz (Monographie du genre
Narica; Magaz. de zool., 1845, p. 1—64, Pl. 117—133) mit einer guten Darstel-
lung der Formverhältnisse des Thieres (von N. Souleyetiana, Pl. 117, Fig. 1—3;
Pl. 118, Fig. 1—5) und einer mit gewohnter Tüchtigkeit von Souleyet (p. 14—17)
gelieferten anatomischen Untersuchung.
Der barbarische Name Vanikoro ist von Quoy und Gaimard selbst, wie
oben erwähnt, nie als generische Bezeichnung angewendet worden. Irgend eine
wissenschaftliche Begründung hatten weder die Gattungsnamen Merria, noch
Nioma oder Leueotis. Nach der Arbeit von Quoy und Gaimard wurde diese
Thierform erst durch die Abhandlung von R&cluz, und zwar besonders durch
Souleyet genauer bekannt. Der Name Narica von Reeluz wird sicherlich
für diese Gattung zu bewahren sein, so wie ihn auch, wenngleich etwas wider-
strebend, P. Fischer (Man. de conchyl., 1887, p. 761) beibehielt.!) Später haben
H. und A. Adams (The genera of recent mollusca, I, 1858, p. 374, Pl. 41, Fig. 5)
wieder eine Abbildung des Thieres (von N. cancellata) gegeben und zum ersten
Male eine deutliche Abbildung (Fig. 5b, 5) des Deckels desselben. Das Narica-
Thier, das in den Museen Europas selten vertreten scheint, hatte aber sowohl in
Bezug auf äussere Formverhältnisse, sowie auf inneren Bau eine genauere Nach-
untersuchung sehr nöthig.
Die Schale dieser Thierform ist von den Conchyliologen hinlänglich oft
beschrieben.
Die Schnauze des Thieres (Taf. II, Fig. 1—3) ist ziemlich stark und lang.
Am Grunde derselben entspringen die etwas abgeplatteten Tentakel (Fig. 2b b),
die länger als der Kopf (die Schnauze) und am Ende gerundet sind; unweit vom
Grunde tragen sie an einem kleinen Höcker das kleine schwarze Auge (Fig. 4a).
Dicht am Grunde des rechten Tentakels findet sich (beim Männchen) der ziem-
lich starke, etwas abgeplattete, gebogene Penis (Fig. 2a, 6b). Der Fuss (Fig. 1)
ist ganz eigenthümlich, aus einem Propodium, Metapodium und Epipodien be-
stehend; den Haupttheil desselben bildet das runde, saugnapfähnliche Metapodium;
das fast blattartige Propodium vom Grunde des Metapodiums ausgehend, hinten
schmaler, vorne breiter und gerundet; die ziemlich langen, flügelartigen Epi-
podien auch vom Grunde des Metapodiums entspringend. An seiner hinteren Seite
trägt das Metapodium den dünnen, hornigen, ovalen, mit endständigem Nucleus
versehenen Deckel. — Die Kiemenspalte (Fig. 1) ist breit und die Kiemen-
höhle weit; die Kieme gross, einen grossen querstehenden Bogen bildend; die
Kiemenblätter (Fig. 7) zahlreich, langgestreckt-lanzettartig. Analpapille und
Nierenpore wie gewöhnlich (Fig. 1).
1) Gray (Fig. IV, 1850, p. 156) macht darauf aufmerksam, dass die Verfasser mit Unrecht
die Prioritätsansprüche für Recluz von 1841 (d’Orbigny, Cuba) datiren; d’Orbigny soll nur er-
wähnt haben, dass R&eluz eine neue Gattung zu bilden beabsichtigte.
202 Rudolph Bergh.
Das Centralnervensystem schien sich etwa wie bei verwandten Formen
(Onustus) zu verhalten. Die Otocysten mit einem kugelförmigen Otolith (Taf. II,
Fig. 9). — Am hinteren Ende der kurzen, in der Schnauze (Fig. 2) liegenden
Mundröhre der starke Schlundkopf, welcher im Vorderende jederseits eine kleine,
starke Mandibelplatte?) (Fig. 10 b b) trägt, die aus dicht gedrängten Stäbchen
gebildet ist. Die Zunge gross; in der Raspel und ihrer Fortsetzung in die Raspel-
scheide zahlreiche Zahnplattenreihen, in jeder Reihe eine tiefer liegende mediane
Platte und an jeder Seite derselben eine Zwischen- und zwei Seitenplatten;
die Formel der Raspelbewaffnung ist also: 2.1.1.1.2.?) Die Speieheldrüsen
kurz und diek. Der Magen weit, mit mehreren Loculamenten; der Darm lang.
— Die hinterste Windung der Eingeweidemasse von der Geschlechtsdrüse (Testis
oder Ovarium) aufgenommen. Der Penis (Fig. 2a, 6b) unbewaffnet, vom Samen-
leiter durchbrochen.
Diese der Südsee angehörende Thierform scheint litoral zu sein, in geringer
Tiefe an Steinen sitzend vorzukommen (Cuming) und wenig beweglich zu sein
(vgl. H. und A. Adams, 1. c., p. 374).
Von den älteren Conchyliologen wurde diese Form, der Schale nach, zu den
Neriten (Chemnitz), den Sigareten (Lamarck), den Velutinen (Quoy und
Gaimard) oder den Naticiden (Swainson) gestellt. Die Narica wird aber wahr-
scheinlich den Typus einer eigenen Familie abgeben, deren systematische Stellung
noch etwas unsicher scheint; P. Fischer hat (l. e.) sie in die Nähe des Onustus
(zwischen den Xenophoriden und den Marseniaden) gestellt.
Narica cancellata (Ch.).
Taf. II, Fig. 1—11; Taf. III, Fig. 12—19.
Narica cancellata (Ch.), Reeluz, 1. e., p. 14—17, Pl. 119.
Von dieser Art lagen zwei Individuen vor, von Semper 1860 bei Palaos
gefischt und mir von Prof. Felenka (Erlangen) zur Untersuchung überlassen.
Die Individuen waren von ziemlich ungleicher Grösse. Die schön bewahrten,
noch von der hellgelblichen, dünnen, ganz ebenen Cuticula überzogenen Schalen
massen: bei dem grösseren, weiblichen Individuum an (querer) Breite bis 19 mm
bei einer Höhe bis 14mm, bei dem anderen, männlichen Individuum betrugen
die entsprechenden Masse bis 14 und 95 mm. Das „dünne, hornige, ovale Oper-
culum®) mit endständigem Nucleus“ fehlte bei beiden Individuen.
Das Thier liess sich mit der grössten Leichtigkeit aus unbeschädigter
Schale und selbst unbeschädigt herausziehen. Der Unterkörper war von hell
gelblichweisser Farbe.
ı) Dieselbe scheint schon Souleyet (l. e., p. 14) gesehen zu haben.
2) Souleyet gibt (l. c., p. 14, Pl. 118, Fig. 5) zwei Reihen von Zahnplatten an der Zunge an.
3) Das Operkel ist, wie erwähnt, von H. und A. Adams (The genera of recent mollusca, III,
1858, Pl. XLI, Fig. 5, 5c) abgebildet worden.
\
N N in
Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und Onustus. 203
Der ganz eigenthümliche Fuss aus den drei T'heilen, dem Propodium,
dem Metapodium und den Epipodien bestehend. Den Haupttheil bildet das
saugnapfähnliche, somit runde (3°5 mm), vortretende Metapodium, dessen Durch-
messer bei dem grössten Individuum 5 mm betrug; eine ganz schwache Andeutung
einer Randfurche; keine Spur einer Deckelfacette konnte nachgewiesen werden.
Das blattartige Propodium von etwa der Mitte der Höhe des Metapodiums ent-
springend, somit am Grunde nicht im Niveau mit demselben liegend, mitunter
ein wenig kürzer als das Metapodium, vorne von der Breite desselben, nach hinten
verschmälert; der Vorderrand gerundet, mit schwacher Randfurche; die untere
Seite ganz eben, die obere mit oberflächlicher breiter medianer Furche (für die
Schnauze). Die Epipodien in derselben Höhe wie das Propodium unterhalb des
Grundes des Metapodiums entspringend, hinten ziemlich niedrig und ineinander
übergehend, sonst flügelartig vortretend, nach vorne das Metapodium überragend
und sich bis über die Hälfte der Länge des Propodiums erstreckend, mit grob
gekräuselter Randpartie (Fig. 1). — Die Schnauze stark, ziemlich dick, 3 mm
lang, mit napfartigem, perforirtem Ende (Fig. 3) und graulich durchschimmerndem
Schlundkopfe (Fig. 2). Vom Grunde derselben entspringt jederseits der Tentakel;
diese sind ziemlich abgeplattet, nur wenig länger als der Kopf, am Grunde etwas
eingeschnürt, mit gerundetem Ende; unweit vom Grunde tragen sie an der
oberen Seite gegen den Rand hin an einem kleinen Höcker das kleine schwarze
Auge (Fig. 2, 4a). Dicht am Grunde des rechten Tentakels (Fig. 2a, 6b) ragt
(beim Männchen) der ziemlich starke, etwas abgeplattete, gekrümmte Penis hervor.
Durch die obere Wand der unteren Eingeweidehöhle schimmerten die Ein-
geweide nicht.
Die Kiemenhöhle weit, besonders breit, so auch die Kiemenspalte. Durch
die obere Wand der Höhle schimmerte undeutlich die breite Kieme und rechts
hinter dem Rande der Kiemenspalte die dicke Analpapille, die letztere, sowie
das Vorderende der Kiemenblätter waren schon in der Kiemenspalte sichtbar
(Taf. II, Fig. 1). Die Kieme deckte den grössten Theil der Decke der Kiemen-
höhle, sich von der Gegend der Nierenpore in grossem Bogen an die rechte Ecke
der Kiemenspalte erstreckend (Fig. 1).- Die dicht stehenden Blätter (Fig. 7) in
Anzahl beiläufig 100 betragend; von etwa der Mitte der Kieme ab seitwärts an
Dicke, sowie auch etwas an Höhe abnehmend, in beiden Beziehungen besonders
links. Ihre Anheftungslinie, ein wenig hinter dem Mantelrande, kurz, 1'2—0'8 mm
lang, nur wenig von links nach rechts schräge. Sie waren dünn, langgestreckt-
lanzettartig, mit etwas dickerem Unter- und ganz dünnem Oberrand; sie erstreckten
sich, senkrecht stehend und frei flottirend, nach hinten und etwas rechts längs der
ganzen oberen Wand der Kiemenhöhle, mit ihrem oberen ganz freien Rande die-
selbe fast berührend. Der nach unten sehende dickere Rand (Fig. 7) von einer
schwarzen Linie durchzogen; seine Breite etwa am Grunde 0'08 mm, gegen die
Spitze beiläufig 0:02 mm betragend; die Länge der Blätter bis 6 mm, ihre Höhe
bis 2mm; die Länge der hintersten links betrug 0°3 mm, der nächsthintersten
055 mm. An den Seitenflächen trugen die Blätter eine Anzahl von queren und
schrägen, ziemlich starken Falten, deren Zahl zumeist wenigstens bis etwa 50
204 Rudolph Bergh.
betrug. Die Blätter waren von einem grossen Plattenepithel überzogen, deren Zellen
einen Durchmesser bis 0'06—0'08 mm hatten, die letzteren waren besonders gegen
den dünnen oberen Rand hin gross und gelblich. Zwischen dem Mantelrand und
dem Vorderrande des Kiemengrundes schwache, mit der Richtung der Kiemen-
blätter parallele Fältchen; ähnliche, etwas stärkere hinter dem Kiemengrund.
Hinter dem Mantelrande fand sich noch in einer langen Strecke, mit demselben
parallel laufend, eine gelbliche Falte von beiläufig 0°0255 mm Durchmesser (etwa
halb so breit wie der Mantelrand), aber ohne Spur von Seitenblättern (Geruchs-
organ?). — Links am Grunde der Kiemenhöhle eine feine ovale Nierenpore.
Das Metapodium ist nicht so dick, wie es scheint, weil für die untere
Eingeweidemasse tief ausgehöhlt.
Das Centralnervensystem liegt eine kleine Strecke hinter dem Schlund-
kopfe; sein Verhältniss genauer zu eruiren, war bei dem beschränkten Materiale
unmöglich. Die aneinanderstossenden cerebralen Ganglien waren rundlich, durch
ein ganz kurzes Connectiv mit den pleuralen verbunden. Die auch aneinander-
stossenden ovalen pedalen Ganglien ein wenig grösser als die cerebralen; die
cerebro- und pleuropedalen Connective ziemlich lang; die zwei starken, das
Propodium von hinten nach vorne durchstreichenden Nerven stammten wohl von
den pedalen Ganglien; ebenso die 5—6, die sich in jedem Epipodium verästelten.
Die subintestinalen Connective lang, das subintestinale Ganglion rundlich, etwa
so gross wie das pleurale; das supraintestinale Ganglion wurde nicht gesehen;
dagegen (zufällig unter dem Mikroskope) ein kleines viscerales, unter dem Rectum
liegend und hinter demselben Nerven nach oben schickend.
Die Augen von etwa 016 mm Durchmesser, mit gelber Linse, schwarzem
Pigmente. Die vor den pedalen Ganglien in einer schrägen Linie liegenden
Otocysten (Taf. II, Fig. 9) von etwa 0'06 mm Durchmesser; der schwach gelb-
liche Otolith kugelrund, von beiläufig 0'025 mm Durchmesser. — Die Seiten-
ränder des Propodiums bei den beiden Individuen eigenthümlich zackig (Fig. 5),
ebenso bei dem einen der Vorderrand des Tentakels (Taf. III, Fig. 12).
Das etwas abgeplattete, napfartig vertiefte Ende der Schnauze (Taf. II,
Fig. 3) an der Mitte etwas eingeschnürt, mit centraler runder Oeffnung. Dieselbe
leitet in die kurze, von einer dünnen, schwach gelblichen Cuticula überzogene
Mundröhre; am Hinterende derselben der starke Schlundkopf (Fig. 2). Der
letztere ist von ovalem Umrisse, nur wenig niedergedrückt, vorne etwas niedriger, von
3 mm Länge. An der oberen Seite schimmerte die Raspel sehr deutlich dunkel roth-
grau durch; hinten an der Unterseite die weisse Endplatte der Raspelscheide. An
jede Seite des Schlundkopfes heftet sich ein sehr starker Retractor. Dicht inner-
halb des Mundes des Schlundkopfes zeigt sich jederseits eine fast citronengelbe,
unregelmässig dreieckige, ziemlich starke Mandibelplatte (Fig. 1056 b) von
einer Länge von beiläufig 0°6 mm bei einer Breite bis etwa 0'350 mm; sie ist aus
dicht gedrängten Stäbchen (Fig. 11) zusammengesetzt, die bis etwa 0'06 mm hoch
sind bei einem Durchmesser von 0'007 mm. Die Zunge gross, etwa ein Drittel der
Länge des Schlundkopfes einnehmend; vorne hoch, nach hinten schräge und fast von
der Hälfte der ganzen Länge der Raspel überzogen. An der Raspel kamen bei dem
u Da ee
Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und Onustıs. 205
grossen (9) Individuum 115 Zahnplattenreihen vor, bei dem kleineren (') 68;
das Raspeldach kurz zungenförmig; in der Raspelscheide zeigten sich 35 und 28
entwickelte Reihen, 4 und 3 halbentwickelte und 9 und 8 ganz farblose; die
Gesammtzahl der Reihen somit 161 und 105. Die lange Reihe der medianen
Platten zwischen den ziemlich starken convexen Pleurae der Raspel gleichsam etwas
eingesenkt (Taf. III, Fig. 13). Die diekeren Partien der Platten schwach röthlich-
braun, sonst farblos. Die Breite der medianen Platten!) durch die ganze Länge
der Rhachis 0'16 mm; die Länge der Zwischenplatten und der Seitenplatten, der
äusseren wie der inneren, 0'537 mm. Die Zahnplatten des vorderen Viertels etwa
der Raspel mehr oder weniger beschädigt. Die medianen Zahnplatten
breit und schmal (Fig. 13a, 14); der umgebogene Schneiderand mit ziemlich
starken, spitzen Haken und seitwärts am Rande jederseits beiläufig 25—30 spitze
Dentikel. Die Zwischenplatten ziemlich stark gebogen, mit starkem Rücken-
kamm (Fig. 15—17); das Ende dünner, abgeplattet, breiter, am Endrande eine
Reihe von (meistens etwa 20) feinen Dentikeln tragend; ausserdem trägt das letzte
Drittel des Hinterrandes dieser Platten eine Reihe von (etwa 30) feinen, ziemlich
(bis etwa 0'035 mm) langen Dentikeln. Die inneren lateralen Platten
(Fig. 18a) von einfacherer Form, leicht gebogen, etwa am letzten Drittel des
Hinterrandes eine Reihe von (40—50) feinen Dentikeln tragend. Die äusseren
lateralen Platten (Fig. 18 b, 19 b) den vorigen sehr ähnlich, nur ein wenig plumper,
und die Zähnelung meistens ein wenig gröber. — Die Knorpelplatten im Inneren
der Zunge schienen sich wie gewöhnlich zu verhalten.
Die Speicheldrüsen schienen kurz und dick zu sein; die Ausführungs-
gänge lang und dünn, wie gewöhnlich am Pharynx einmündend.
Die ziemlich dünne Speiseröhre erstreckt sich, von den Speicheldrüsen-
gängen begleitet, nach hinten und etwas nach links durch die untere Eingeweide-
höhle. Sie war leer, enthielt aber bei dem einen Individuum eine mediane Zahn-
platte. Sie öffnet sich dann in den linken vorderen Theil der Unterseite des
Magens. Dieser letztere war sehr gross und mit Speisebrei vollgestopft, welcher
mit dunklen und kalkweissen kleinen Klumpen durch die obere Wand schimmerte.
Die Länge des Magens betrug bei dem grossen Individuum 10 mm bei einer Breite
von 65 mm und einer Höhe von meistens 5 mm, ganz hinten ist die Höhe viel
geringer. An der linken Seite und am linken Theile der Unterseite, sowie am
Hinterende war er an die Leber angeheftet; die übrige Strecke frei, an die Schale
stossend. Der Magen erinnerte an den der Strombiden und war wie dieser in
mehrere Räume getheilt. Von der unteren Magenwand, oberhalb der Gegend, wo
sie an den unteren Rand der Leber befestigt ist, erhebt sich eine ziemlich hohe,
dünne Falte, die sich fast durch die ganze Länge des Magens erstreckt; hiedurch
wird die Magenhöhle in einen kleineren linken und einen grösseren rechten Raum
unvollständig getheilt; in dem ersteren findet sich hinten eine weite Gallen-
öffnung. Etwa an der Grenze zwischen dem vorderen und mittleren Drittel des
1) Die folgenden, sowie überhaupt die meisten Masse sind an dem grösseren Individuum
genommen.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 25
206 Rudolph Bergh.
Magens geht von dieser Falte eine hohe, dünne Querfalte ab, welche den oben-
genannten rechten Raum in einen hinteren viel weiteren und einen kleineren
vorderen theilt. Dieser letztere ist wieder durch eine von der vorderen Wand
stark vorspringende, ein wenig dickere Falte unvollständig in zwei Loculamente
geschieden; in dem rechten scheint die Cardia, in dem linken der Pylonus sich
zu finden. Uebrigens war die Magenwand fast glatt.!) — Vorne und links geht
also der Darm vom Magen ab, wendet sich rechts und begleitet den vorderen
Rand des Magens, an denselben geheftet, löst sich dann und bildet einen kleinen
Knäuel von geschlängelten Windungen, durchbohrt dann die hintere Wand der
Kiemenhöhle und verläuft als Rectum an die starke Analpapille (Taf. II, Fig. 1).
Im Ganzen hatte der braungraue Darm eine Länge von vollen 7cm bei einem
Durchmesser von 0'5—0'75 mm. — Der Inhalt des Magens war haupt-
sächlich unbestimmbar und bestand theilweise aus einer knolligen thierischen
Masse, in der kleine Foraminiferen und Radiolarien zu unterscheiden waren;
damit waren Pflanzentheile vermischt, Diatomeen (theilweise Planktonformen
[Rhizosolenia], theilweise Bodenformen [Stücke von Hxuviella (Peridiniacee)],
noch dazu Bruchstücke einer Floridee (Polysiphonia).”) Ein ähnlicher Inhalt kam
im Darme vor.
Die braungelbe Leber an der linken Seite des Magens seiner ganzen Länge
nach liegend (Taf. II, Fig. 1b), vorne und besonders hinten dicker, in der Mitte
dünner. An der Mitte der Innenseite (durch den Magen) stark ausgeschweitt,
daselbst nach unten mit zwei weiten Gallenöffnungen. Die convexe Aussenseite
von anastomosirenden, netzbildenden, dunkel violettgrauen Gefässen durchzogen,
die durch dieselben begrenzten Inseln von kleinen Läppchen gebildet; an der
Innenseite zeigte sich derselbe Bau, nur etwas weniger ausgeprägt. Eine kurze,
kegelförmige Verlängerung der Leber stieg noch in die Axe der Geschlechtsdrüse
hinauf.
Das Vorderende der oberen Eingeweidemasse war oben von der dünnen,
graulichweissen Niere überzogen, welche rechts eine Länge (von vorne nach
hinten) von 4 mm hatte, nach links verschmächtigt war; die hintere Wand zeigte
starke, der Länge nach gehende Falten.
Das Pericardium wie gewöhnlich; die dunkel rothbraune Herzkammer
1:5 mm lang.
Die obere (hintere) Eingeweidemasse im Ganzen 1!/; Windungen bildend,
nach oben allmälig und schnell an Grösse abnehmend; die ganze letzte Windung
von der Geschlechtsdrüse gebildet. — Der Eierstock (Taf. II, Fig. 1 c) schmutzig
dottergelb, gleichsam feinkörnig; in den kleinen runden und ovalen Follikeln
keine reifen Geschlechtselemente. Der Eileiter konnte nicht verfolgt werden. —
Der Hoden ist hell gelbliehweiss, noch mehr feinkörnig als der Eierstock; in
1) Vielleicht sind die erwähnten Falten wie bei den Strombiden von starker Cutieulabildung
überzogen. Im Mageninhalte fanden sich zwei stark chitinisirte Körper, die demselben vielleicht an-
gehört hatten.
?) Die Bestimmungen rühren theilweise von dem Botaniker Dr. Kolderup-Rosenvinge her,
Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und Onustus. 207
den Läppchen keine reifen Geschlechtselemente. Von seiner inneren Seite ging
der weissliche dünne Samenleiter ab, welcher erst etwas gewunden an der
rechten Seite der Leber, dann fast gestreckt längs des Unterrandes derselben bis
an ihr Vorderende verlief, weiter längs des Unterrandes der ersten Strecke des
Darmes und in die Decke der unteren Körperhöhle eintretend sich bis an den
Penis fortsetzte. Dieser letztere (Fig. 2a, 6b) gekrümmt, etwas abgeplattet, etwa
so lang, aber schmaler als der Tentakel, unbewaffnet, axial von der Fortsetzung
des Samenleiters bis an eine runde Oeffnung an der Spitze durchzogen.
Onustus Humphrey.
Onustus Humphrey, Mus. Colonnianum, 1797.
Xenophora Fischer de Waldheim, Mus. Demidoff., I, 1807, p. 213.
Phorus Mtf., Conchol. system., II, 1810, p. 158.
Die dieser Gattung gehörende Schale wurde schon 1797 von Humphrey
in seinem bekannten Kataloge des Museum Colonnianum als Typus des neuen
Genus Onustus aufgestellt; die Gattung wurde eigentlich nicht charakterisirt,
ist aber doch durch die zwei angegebenen Arten hinlänglich kenntlich und kann
- wohl den Namen bewahren. Ohne den von Humphrey gegebenen Namen zu
kennen, stellte Fischer v. Waldheim dieselbe generische Form 1807 unter dem
Namen Xenophora auf, welche mit dem einige Jahre später (1810) von Mont-
fort gebildeten Phorus identisch ist.
Die ziemlich eigenthümlich geformte trochiforme Schale ist von den
Conchyliologen hinlänglich beschrieben worden. Das Thier wurde erst durch
Adams und Reeve!) bekannt, die eine Abbildung der äusseren Formverhältnisse
von zwei beobachteten Arten lieferten. Die Kenntniss des Thieres (des Onustus
trochiformis) wurde dann (1857) durch Moerch?) etwas erweitert, welcher den
Deckel genauer beschrieb, sowie die Knötchen des Mantelrandes, auch die Kieme
und das Geruchsorgan erwähnte, ferner den Penis abbildete; er hat auch die
„sieben Zahnreihen der Zunge“ gesehen und vergleicht dieselben mit denen von
Atlanta Lesueuri. Später (1858) hat Troschel?) die Zungenbewaffnung der-
selben Art einer genauen Untersuchung unterworfen. Nachher scheint über dieses
Thier weiter nichts bekannt geworden zu sein.
Trotz der so abweichenden Form der Schale zeigt das Onustus-Thier
schon im Aeusseren bedeutende Aehnlichkeit mit den Strombiden.
Vom Grunde (Taf. III, Fig. 20) der ziemlich starken Schnauze erheben sich
die eylindrischen, gegen das Ende etwas zugespitzten Tentackel, die aber unter-
!) Voyage of H.M. Sh. „Samarang“, Moll., 1848, p. 50, Pl. XVII, Fig. 6 (Phorus solarioides),
Fig. 7 (Ph. ezutus).
2) 0. Moerch, Note sur l’animal de l’Onustus trochiformis Born. ; Journal de conchyliologie,
2. Ser., II, 1857, p. 305—309, Pl. XIII, Fig. 1—3.
/ 3) Troschel, Das Gebiss der Schnecken, I, 1856—1863, S. 190, Taf. XVI, Fig. 7, 7a.
28*
208 Rudolph Bergh.
halb ihrer Mitte den Augenhöcker tragen. Der Hals des Fusses ist auch hoch
und kräftig, das abgeplattete Vorderstück des Fusses (Fig. 20 c) frei unter der
Schnauze hervorspringend, und das Hinterstück (Fig. 20 d) trägt am Ende die
Deckelfacette mit dem dieselbe, besonders nach unten, überragenden Deckel
(Fig. 22, 23). Dieser letztere!) kurz oval, hornartig, mit links randständigem
Nucleus. Der Penis (Fig. 20e) auch lang, am Ende gabelig mit tiefer Furche,
die sich durch den löffelartigen Ast der Gabel fortsetzt. Beim Weibchen kommt
(wieder wie bei den Strombiden) eine der (männlichen) Samenrille ähnliche, an
das rechte Ende der vorderen Fussfurche absteigende Rille vor. Das Mantel-
gebräme ist mit eigenthümlichen Knötchen besetzt (Fig. 20a). Die Kiemen-
blätter lang und schmal. Das Riechorgan (Spengel) langgestreckt und schmal.
— Der Schlundkopf dem der Strombiden ähnlich und mit ganz ähnlichen Man-
dibelplatten. Die Zungenbewaffnung im Ganzen derjenigen der Strombiden ähn-
lich; die Anzahl der Zahnplattenreihen nicht gross.
Die Onusten scheinen auf unebenem Boden zu leben (Adams), wo sie sich
hüpfend wie die Strombiden bewegen. Sie gehören den wärmeren und tropicalen
Meeresgegenden an.
Sie sind wegen der (doch keine Perlmutter tragenden) Schale früher meistens
in die Nähe der Trochiden gestellt worden, später (Moerch) in die Nachbarschaft
der Heteropoden. Erst Gray?) wies ihnen mit richtigem Tact ihre Stellung
neben den Strombiden an (mit diesen letzteren zusammen seine Leptopoda
bildend); P. Fischer?) schiebt die Phoriden zwischen den Capuliden und den
Nariciden ein.
Onustus trochiformis Born.
Taf. II, Fig. 20—%.
Von dieser Form des Antillenmeeres habe ich den Unterkörper von drei
sehr roh und rücksichtslos exviscerirten, fast gleich grossen Individuen (zwei
männlichen und einem weiblichen) des Kopenhagener Museums untersuchen können.
Nebstdem hatte ich ein kleines weibliches Individuum vor mir, das mir vom
Hamburger Museum durch Dr. Pfeffer freundlich überlassen wurde; die Schale
des letzteren betrug, nach Abbrechen der bis 15 mm langen, angehefteten Schalen-
stücke, im Durchmesser 14 mm bei einer Höhe von 10 mm, die Länge des Deckels
war 9'259 man.
Die Formverhältnisse dieser Thiere erinnerten sehr an die der Strom-
biden. Der Kopf (Fig. 20 b) besteht auch aus einer starken, etwas zu-
sammenziehbaren Schnauze mit senkrechter Mundspalte; oben vom Grunde des
ı) Wie von Moerch (l. e., p. 307) erwähnt, war der Deckel schon (1781) Chemnitz be-
kannt [On. solaris (L.)].
2) Gray, Guide, I, 1857, p. 150.
») P. Fischer, Man. de conchyliologie, 1887, p. 759—761.
Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und Onustus. 209
Kopfes erheben sich die langen, eylindrischen, etwas zugespitzten Tentakel, die
aber (nicht an ihrer Spitze, sondern) an einem grossen Höcker unterhalb der
Mitte ihrer Länge die Augen tragen. Der Unterkörper ist wesentlich vom starken
Fusse (Fig. 20) gebildet, der auch einen hohen und kräftigen Hals zeigt; das
abgeplattete Vorderstück des Fusses ragt frei unter der Schnauze hervor, ist
vorne gerundet, mit Drüsengebräme und Randfurche versehen (Fig. 20 c); das
Hinterstück ist am Ende schief abgestutzt und trägt eine ziemlich grosse (8°5 mm
lange, 3°5 mm breite), nierenförmige Deckelfacette, deren vorderer (linker) Rand
concav und der hintere (rechte) convex ist, mit dem unteren Ende stark vor-
tretend, und deren Ränder gelöst waren (Fig. 21). Der auch nach unten gerichtete,
nur mit seiner linken Hälfte etwa an die Deckelfacette angeheftete, horngelbe
Deckel bei zwei der oben erwähnten grösseren Individuen 10 mm lang bei einer
Breite von Smm und einer Dicke von 0'25 mm. Derselbe war von kurz ovaler,
etwas variabler Form, hornartig, ein wenig gebogen und gedreht, die freie Fläche
etwas concav, der Rand schwach gerunzelt; die freie Fläche eben, lässt die Zeich-
nung der angehefteten sehr deutlich durchschimmern; diese letztere lässt die rechte
Hälfte, sowie das obere und untere Ende des Deckels frei hervorragen; die linke
Hälfte dieser Fläche zeigt sich (wie also die ganze linke Hälfte des Deckels) ein
wenig dicker, durch eine gebogene, in der Mitte convex vortretende Linie be-
grenzt, die mit den Anwuchslinien des an der Mitte des linken Randes liegenden
Nucleus des Deckels parallel ist; von diesem Nucleus geht ein dichtes Bündel
von ausstrahlenden Linien aus, das die erwähnte Linie überragt und mit einer
convexen Linie etwa an der Mitte der rechten Hälfte endigt (Fig. 22, 23). Das
Begattungsorgan (Fig. 20 e) ist sehr stark, (bis 2 cm) lang, zusammengedrückt
(2 mm breit), am Ende kurz gabelig, der Länge nach von einer tiefen Furche
durchzogen, die sich längs des einen, etwas löffelartigen Astes der Gabel fort-
setzt; die Furche ist in seiner grössten Länge an beiden Seiten mit starken
Querfalten versehen, nur nicht unten und am Löffel. Die Furche setzt sich am
Grunde des Organs in eine am Boden der Kiemenhöhle schräge nach hinten
verlaufende Samenrille fort (Fig. 20). Beim Weibchen kommt, wieder wie bei
den Strombiden, eine ähnlich verlaufende, doch mehr oberflächliche Furche vor,
die aber in einem Bogen an das rechte Ende der vorderen Fussfurche hinab-
steigt. Das Mantelgebräme ist nicht schmal, trägt an seiner Innenseite, den
Rand des Mantelgebrämes überragend, eine Reihe von Knötchen (Fig. 20 a), die
eine Höhe von 02—0'53 mm erreichten .und einen etwas gelblichen, aus kleinen
Zellen gebildeten Kopf zeigten; eine Athemröhre (Sipho) ist kaum angedeutet.
Die Kiemenhöhle ist schmal, nach links verlängert; längs der oberen Seite
verläuft hinten der Darm, der etwa in der Mittellinie mit einer vortretenden
Analpapille endigt; mehr links findet sich die männliche oder die weibliche
Geschlechtsöffnung, bei welcher die erwähnte genitale Furche anfängt. Die Kieme
aus dicht gedrängten, langen und schmalen Blättern gebildet, die an der Mitte
des Organs ihre grösste Länge (bei den grossen Individuen bis 5 mm) erreichten,
nach beiden Enden an Länge abnahmen und schliesslich niedrig waren. Das mit
der Kieme ihrer ganzen Länge nach parallel laufende Riechorgan (Spengel)
210 Rudolph Bergh.
schmal (bei den grossen Individuen an Breite etwa 0'2 mm betragend). Das
Schleimorgan durch wenige, nicht starke Falten vertreten.
Das Nervensystem konnte bei dem vorliegenden Material nicht untersucht
werden. Neben dem Vorderende der rundlichen pedalen Ganglien fielen unter der
Lupe die Otocysten als kalkweisse Punkte in die Augen; der Durchmesser der-
selben betrug 0'29 mm, der des grossen, kugelrunden, dunkel horngelben Oto-
liths 014 mm.
Die Form des Schlundkopfes wie bei den Strombiden; die kurze, dicke
Raspelscheide nur wenig vortretend. Die oben und unten fast aneinander stossenden,
braungelben Mandibelplatten (Fig. 25) denen der Strombiden ähnlich, 028 mm
lang bei einer Breite von 0'12 mm, aus dicht stehenden, in Quineunx gestellten
Elementen zusammengesetzt, die eine Länge von etwa 0'016 mm bei einer Breite
von 0'0055 mm hatten (Fig. 26). Die Zunge nicht schmal; die gelbe Raspel
03 mm breit, mit einer Einfassung von kleinen (bei einer Breite von 0'016 mm
etwa 0'05 mm langen), den Zahnplattenreihen entsprechenden Platten (Fig. 24 dd).
In der Raspel kamen 12 Zahnplattenreihen vor, weiter nach hinten 23 entwickelte
und zwei jüngere, die Gesammtzahl der Reihen somit 37. Die Zahnplatten von
hell horngelber Farbe; die Breite der medianen Platten 0'09 mm, der Zwischen-
platten 014 mm; die Länge der Aussenplatten (in gerader Linie gemessen) etwa
022mm. Die medianen Platten (Fig. 24a) vorne breiter, von gerundet-drei-
eckigem Umrisse, hinten gerundet; der nicht breite, umgeschlagene Vorderrand
mit medianer kurzer und breiter Spitze und jederseits mit zwei kurzen spitzen
Dentikeln. Die Zwischenplatten (Fig. 245) sind breit mit convexem vorderen
und geradem hinteren Rande; der schmale umgeschlagene Vorderrand meistens
schwach wellenartig verlaufend. Die Aussenzahnplatten (Fig. 24 ce c) einander ganz
ähnlich, die äussere ein wenig länger als die innere; von dem etwas breiteren und
dickeren Grundstück erhebt sich allmälig der sanft gebogene, ziemlich spitz zu-
laufende Haken, dessen oberer Rand ein wenig hervortritt.!)
Die weisslichen Speicheldrüsen von unregelmässiger kurz ovaler, etwas
abgeplatteter Form, von etwa 12mm grösstem Durchmesser; die Ausführungs-
gänge länger als die Drüse.
Die dünne Speiseröhre, wie es schien, ohne Grenze in den nicht weiten
Magen übergehend; derselbe schien eine harte höckerige chitinisirte Platte an
ihrer Wand darzubieten. Der Darm erst emporsteigend, dann nach vorne hinab-
biegend und mit der Analpapille an der hinteren Wand der Kiemenhöhle endigend;
er war in seiner grössten Länge mit einer Masse von runden und ovalen braunen
und schwarzen Kothballen überfüllt, die aus unbestimmbarer thierischer, mit
Sandkörnehen vermischter animalischer Substanz bestanden.?) — Die schön oliven-
ı) Das von Troschel (l. c., 8. 190) untersuchte Individuum war viel grösser; die Raspel
und ihre Fortsetzung in die Raspelscheide enthielt 50 Zahnplattenreihen und die Breite der medianen
Platten betrug 0'1S mm.
2) Moereh (l. c., p. 308) sah das Rectum mit Kalkkörnern, Rhizopoden und Diatomeen gefüllt.
ch
Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und Onustus. zahl
grüne Leber etwa zwei Windungen bildend, mit zackigem Rande eine nicht kurze
Strecke den Darm begleitend.
Das Pericardium mit dem Herzen wie gewöhnlich. Die Niere weisslich,
ziemlich klein.
Die Geschlechtsorgane schienen wenig entwickelt, ihre Verhältnisse konnten
nicht bestimmt werden.
SUSESIEESDZRS
a
iD OD 00
Erklärung der Abbildungen.
(Die meisten Figuren mit Camera gezeichnet.)
Tafel II.
Narica cancellata (Ch.).
Das aus der Schale hervorgezogene Thier, Weibchen; von der Unter-
seite. Vorne das Mantelgebräme, innerhalb desselben in der Tiefe
die Kieme und links die Analpapille, ferner Schnauze, Tentakel, Pro-
podium, Metapodium und Epipodien; a Gegend der Columellar-
Facette, b Leber, e Ovarium.
Schnauze, bb Tentakel und a Penis.
Vorderende der Schnauze.
Tentakel mit durchschimmernder Nervenverbreitung und a Auge (55:1).
Seitenrand des Propodiums (200 :1).
a Augenhöcker, b Penis, e Samenrille (55:1).
Kiemenblatt (55:1).
Stück der Kieme vom oberen Rande (55:1).
Die zwei Otocysten (55:1).
Gespaltene Mundöffnung mit den bb Mandibeln (55:1).
Stück der Mandibel (350 ::1).
Tafel III.
Narica cancellata (Ch.).
Vorderende des Tentakels (100 ::1).
Stück der Raspel, « Rhachis mit medianen Zahnplatten, b b Pleurae
(100: :1) mit Zwischen- und Aussenplatten.
Mediane Zahnplatten.
Zwischenzahnplatte, von oben.
Endstück einer solchen.
Dasselbe, in anderer Stellung.
Aussenplatten, « innere, b äussere.
Fig. 14—18 mit Camera lucida gezeichnet (Vergr. 350).
Aussenplatten, auseinandergeschlagen; «a innere, b äussere (200: 1).
312 Rudolph Bergh. Beitrag zur Kenntniss der Gattung Narica und Onustus.
Onustus trochiformis Born.
Fig. 20. Der Unterkörper des Thieres mit a Mantelgebräme, b Kopf, e Vorder-
stück des Fusses, d Hinterstück mit Deckel und e Begattungsorgan.
„ 21. Deckelfacette, a linker, b rechter Rand.
„ 22. Deckel, von der Innenseite. Mit Camera lucida gezeichnet (2:1).
»„ 23. Deckel des kleineren Individuums (2:1).
„ 24. Stück der Raspel, von oben (350:1); dd von der Einfassung der
Raspel, ee Aussenplatten, b Zwischenplatten, «a Mittelplatten.
„ 25. Die linke Mandibelplatte (200: 1).
„ 26. Stück derselben (350:1).
Ueber eine neue europäische Gracilaria-Art.
Von
Dr. St. Klemensiewiez.
(Eingelaufen am 23. April 1896.)
Unter den im vorigen Jahre vorwiegend in Ostgalizien von mir gesammelten
und von Herrn Dr. Rebel freundlichst revidirten Microlepidopteren haben sich
viele für Galizien neue und selbst zwei noch unbeschriebene Arten vorgefunden.
Indem ich die genauere Besprechung derselben auf eine spätere Zeit verlege,
beschränke ich mich vorläufig auf die Beschreibung einer ausgesprochen neuen
Gracilaria-Art, die gemäss der gefälligen Mittheilung des Herrn Dr. Rebel
demselben vor einiger Zeit in einem schadhaften Stücke aus dem kleinrussischen
Gouvernement Poltawa bereits zur Ansicht zugestellt wurde.
Gracilaria Rebeli n. sp. Alis anterioribus fumatis, in parte costali
dorsoque areae basalis nigro maculatis, vitta dorsali prope basim nigro inter-
rupta alba, fasciis duabus maculisque costalibus amteapicalibus duabus albis.
Alis posterioribus fuscescenti cinereis. — 65 mm.
Die Vorderflügel in der Zeichnungsanlage der Gracilaria Syringella F.
nicht unähnlich, doch sind sie schmäler und gleichmässiger breit, indem die mehr
geraden Gegenränder sich erst unmittelbar vor der Spitze umbiegen. Die Hinter-
flügel lang zugespitzt.
Die Vorderflügel dunkel bräunlichgrau, gegen die Spitze lichter, mehr
gelblich. Der Innenrand, die in denselben mündenden Querbinden, sowie der
untere Theil des ersten, grösseren Vorderrandfleckes rein weiss und scharf begrenzt.
Die beiden Vorderrandflecke (Vorderrandhäkchen) vor der Spitze sind dreieckig,
gross, doch weniger bestimmt und mehr gelblich. Die erste, vor !/; des Vorderrandes
nahe unter demselben beginnende Querbinde ist gleichmässig breit, gerade und
se. nun ren ee
Ueber eine neue europäische Gracilaria -Art. 213
zieht schräg nach auswärts zum Innenrande; die zweite, schmälere, innen etwas
fleckige, beginnt ziemlich in der Mitte des Vorderrandes und zieht, schwach nach
aussen ausgebogen, fast lothrecht vom Vorderrande zum Innenrande. Die fast
bis zur Falte reichende weisse Innenrandstrieme beginnt spitz nahe der Wurzel
und erstreckt sich nach baldiger schwärzlicher Unterbreehung bis zum Innen-
winkel, wo sie sich mit dem gegenüberliegenden grösseren Vorderrandflecke durch
eine aufwärts strebende Linie verbindet, wodurch eine dritte, feine geschwungene
Querbinde entsteht. Das zweite unmittelbar vor der Spitze befindliche Vorder-
randhäkchen hat ebenfalls die Tendenz, sich mit einem gegenüber am Saume
liegenden weissen Punkte zu verbinden. Die weisse Innenrandstrieme ist oben
scharf, jedoch namentlich in der Aussenrandhälfte infolge rundlicher Ausbuchtungen
unregelmässig begrenzt; sie wird unmittelbar vor der ersten Querbinde von der
Grundfarbe in dieser Weise unterbrochen, dass von ihr nahe der Wurzel ein
dreieckiger, weisser Innenrandfleck abgeschnitten wird, dessen obere etwas ver-
längerte Spitze, zusammen mit der ersten Querbinde, eine dunkle, gleichmässig
breite Querbinde der Grundfarbe einschliessen, die etwa doppelt so breit ist,
wie die weisse Querbinde. Schwarzbraun sind: am Innenrande das Wurzelfeld,
sowie die die weisse Innenrandstrieme unterbrechende dunkle Schrägbinde bis zur
Falte; in der Vorderrandhälfte: die äussere Begrenzung der ersten weissen Quer-
binde in Form eines breiten, unbestimmten Schattens, hinter welchem der Grund
bis zur mittleren Querbinde bedeutend aufgehellt ist; ferner zwei grosse, oft zu-
sammenfliessende Flecke, die den Raum zwischen der zweiten Querbinde und
dem ersten Vorderrandflecke ausfüllen, sowie die innere Begrenzung des zweiten
Vorderrandfleckes. Ausserdem findet sich ein schwarzes Fleckchen in der Mitte
der Innenrandstrieme, sowie 2—3 unbestimmte an deren oberen Ausbuchtungen.
Die Fransen im Spitzentheile licht gelblichgrau, mit drei dunkelbraunen, wie bei
Gracilaria Syringella F. verlaufenden Theilungslinien, am Innenrande reiner
grau. Die Hinterflügel ziemlich dunkelgrau mit helleren Fransen. Die Fransen
aller Flügel gelblich schimmernd.
Kopf licht gelblichgrau, im Gesichte weiss. Schulterdecken und Thorax
reiner weiss, vorn gebräunt, letzterer hinten mit aufstehender, ockerbräunlicher
Behaarung. Palpen lang und dick, weiss, deren Mittelglied am Ende, das End-
glied aussen doppelt breit braun gefleckt. Die Fühler geringelt. Die Schenkel
und Schienen der Vorderbeine weiss, breit braun gefleckt, Hinterschienen gelb-
lichweiss; alle Füsse weiss, braun geringelt. Der Hinterleib oben dunkelgrau,
unten weiss.
Gefunden in einem vollkommen reinen, charakteristischen Stücke Mitte
April in Brody, einem ebenen, sumpfig-sandigen Orte an der äussersten russischen
Grenze Ostgaliziens.
Benannt zu Ehren des ausgezeichneten Lepidopterologen Herrn Dr. H.
Reb el am k.k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien.
2. B. Ges. Bd. XLVI. 29
214 Carl v. Keissler.
Ueber eine neue Daphne-Art und die geographische
Verbreitung derselben,
sowie die ihrer nächsten Verwandten.
Von
Dr. Carl v. Keissler.
(Mit einer Karte.)
(Eingelaufen am 4. Mai 1896.)
Mit einer systematischen Bearbeitung der Gattung Daphne beschäftigt,
traf ich im Herbarium eine sehr auffallende, bisher noch nicht beachtete Art,
welche ich im Folgenden beschreibe:
Daphne Vahli n. Sp.
Frutex trunco ereceto, plerumque corymboso-, rarius dichotomo-
ramoso, ramis longis crassis rectis puberulis, eicatrieıbus foliorum
sparsis notatis, per totum fere longitudinem folüs sparsis tectis, cortice
brunneo-griseo wel griseo. Folia obovata vel oblonge-obovata, obtusa
sessilia evenia rigida, supra glabra subtus adpresse-sericea. (apitula
terminalia, S—15 flora, bracteis squamiformibus obtusis tubo perigona triplo
brevioribus sericeis. Perigonium roseum sericeo-canum. Lobi ovati obtus:,
tubo cylindrico triplo vel dimidio fere breviores. Ovarium pilosiusculum,
Bacca brunneo-rubra oviformis.
Frutee 50—70 cm altus, folia 25—4cm longa, 09—12 cm lata, tubus
perigomü 1—1'2 cm longus, lobi 0'3—0'5 cm longi, bacca 0'3—0'4 cm longa,
0:3 cm lata.
Die im Vorstehenden diagnostieirte Art gehört in die Section Daphnanthes
C. A. Meyer, welche durch die endständigen Blüthenköpfchen den anderen Sectionen
der Gattung Daphne gegenübersteht. In den Herbarien trifft man Daphne Vahli
gewöhnlich unter dem Namen sericea Vahl. Neben ihr erscheint noch eine andere,
schon im ganzen Habitus verschiedene Pflanze, welche ebenfalls als sericea Vahl
bezeichnet wird und die namentlich in letzter Zeit auf Kreta häufig gesammelt
wurde. Nachdem also auf diese Art und Weise zwei von einander abweichende
Formen unter dem gleichen Namen gehen, ist es vor Allem nothwendig zu eruiren,
welche von beiden die eigentliche „sericea Vahl“ sei. Wenn man die Original-
beschreibung in Vahl’s Symbolae botanicae, I, p. 28, durchliest, so stellt sich
heraus, dass, wenngleich einige wenige Angaben auch auf die als „Vahli“ von mir
benannte Art passen, doch die überwiegende Menge der Merkmale vollkommen
mit jener zweiten Art stimmt, welche neben der Daphne Vahli als sericea Vahl
in den Herbarien vorliegt. Ich verweise hierbei auf Angaben, wie „frutex ramo-
Ueber eine neue Daphne-Art und die geographische Verbreitung derselben. 215
sissimus“, was bei Daphne Vahli nicht der Fall ist, wie die Diagnose zeigt,
„folia ad apicem ramulorum conferta, lanceolato-elliptica, acuta“, was auch
nicht zutrifft. Dazu kommt noch der Umstand, dass als Fundort für sericea
Kreta aufgeführt wird. Nun kommen allerdings beide Arten hier vor. Während
aber Daphne Vahli auf Kreta bisher, wie eine spätere Zusammenstellung lehren
wird, nur in wenigen Exemplaren gefunden wurde, ist die zweite Pflanze besonders
in letzter Zeit, wie erwähnt, auf dieser Insel sehr häufig an zahlreichen Stand-
orten gesammelt worden und wahrscheinlich dort häufiger als Daphne Vahli. Mit
Rücksicht auf alles dieses ist es wohl berechtigt anzunehmen, dass Vahl nicht
etwa beide Arten unter einem Namen vermischte, sondern gerade jene zweite,
neben Daphne Vahli stehende Pflanze unter seiner „sericea“ verstanden hat.
Erst spätere Autoren haben unter „sericea“ bald die echte „sericea“, bald Daphne
Vahli verstanden. Selbst Meissner in seiner Bearbeitung der Tihymelaeaceen
in De Candolle’s Prodromus confundirte beide Pflanzen miteinander, was aus
den angeführten Belegexemplaren hervorgeht, von denen allerdings wieder die
grössere Menge mit der typischen „sericea* zusammenfällt, weshalb auch, da die
echte „sericea* nämlich kleinere Blätter hat, die Bemerkung „folia plerumque
pollice breviora* beigefügt ist (kürzer nämlich als bei collina Sm., deren Blätter
derjenigen der Vahli an Grösse gleichkommen). Ich lasse nunmehr, da ich es
mit Bezug auf die vorliegenden Verwechslungen für wünschenswerth erachte, eine
Diagnose der wahren „sericea Vahl“ folgen.
Daphne sericea Vahl.
Frutex glaber (exclusis ramulis junioribus puberulis), trunco
erecto vel adscendenti, dichotomo-ramosissimo, ramis brevibus gra-
eilibus, plus minus tortwosis, cieatricibus foliorum erebris emi-
nentibus notatis, cortice brunneo-griseo vel griseo. Folia ad apicem ramu-
lorum dense conferta, rosulata, rigida, lineari-lanceolata acuminata
vel subacuminata basi attenuata sessilia evenia, supra glabra subtus ad-
presse-pilosa, demum interdum fere glabra. Capitula terminalia, 5—8 flora,
bracteis squamiformibus obtusis tubo perigonü triplo brevioribus sericeis. Peri-
gonium roseum sericeo-canum. Lobi subrotundi tubo eylindrieo triplo bre-
viores. Ovarium pilosiusculum. Bacca brunneo-rubra oviformis.
Frutex usque ad 40 cm altus, folia 13—2 cm longa, 0'3—0'4 cm lata,
tubus perigoniüi 1—1'2 cm longus, lobi 02—0'3 cm longi, bacca 04—0'5 cm longa,
03 cm lata.
Beim Vergleiche der zwei Diagnosen stellt sich heraus, dass Daphne Vahli
durch eine Anzahl von Charakteren von sericea Vahl abweicht, und zwar bildet
zunächst gegenüber dieser letzteren Daphne Vahli einen Strauch von 50—70 cm
Höhe, dessen Stamm stets aufrecht ist und eine nur spärliche Verzweigung auf-
weist, welche entweder gar nicht oder nur undeutlich dichotomisch ist. Die Aeste
ferner, welche nicht verkahlen, sondern immer flaumig behaart bleiben, sind lang
und dick, gerade, nur hie und da mit kleinen, wenig hervortretenden Blattnarben
bedeckt und den grössten Theil ihrer Länge mit Blättern besetzt. Diese letzteren
sind ausserdem von verkehrt-eiförmiger bis länglich-verkehrt-eiförmiger Gestalt
29*
216 Carl v. Keissler.
mit abgerundeter Spitze, erreichen die doppelte Grösse, wie bei Daphne sericea
Vahl und tragen an der Unterseite eine dichtere, nämlich seidige Behaarung.')
Endlich setzen sich die Köpfchen aus einer grösseren Anzahl von Blüthen (S—15)
zusammen und die Perigonlappen sind eiförmig, stumpf. Die spärliche, doldige,
seltener undeutlich dichotomische Verzweigung und die langen, geraden, dicken
und ihrer ganzen Länge nach mit Blättern besetzten Aeste der Daphne Vahli
auf der einen Seite, die reichliche, streng dichotomische Verzweigung der kurzen,
hin und her gebogenen, mit Blattrosetten versehenen Aeste der sericea Vahl auf
der anderen Seite bedingen in Verbindung mit der verschiedenen Grösse der
Blätter den deutlichen habituellen Unterschied beider Arten.
Nunmehr wende ich meine Aufmerksamkeit noch der Daphne collina Sm.
zu, einer Art, welche in Europa besonders in Italien auftritt und eine gewisse
Aehnlichkeit mit Daphne Vahli besitzt, weshalb auch manchmal diese als collina
bestimmt wurde. Der Gesammthabitus (als Ausdruck der früher angegebenen
Merkmale) ist ganz genau derselbe, wie bei Daphne Vahli. Hierdurch unterscheidet
sie sich, ähnlich wie Daphne Vahli, schon habituell von der D. sericea Vahl. Um
nun D. Vahli und collina auseinanderhalten zu können, gebe ich im Folgenden
eine Uebersicht jener Merkmale, durch welche sie von einander abweichen:
Daphne Vahli.
Aeste flaumig behaart.
verkehrt-eiförmig bis läng-
lich-verkehrt-eiförmig,
gegen die Basis nicht keilig
verschmälert,
sitzend,
am Rande nicht verdickt,
unterseits seidig behaart,
Mittelrippe unterseits nur in
der Gegend der Blattbasis
hervortretend,
an den Aesten nach aufwärts
gerichtet.
Bracteen 3—4 mm lang.
Perigon seidig behaart.
Perigonröhre schlank, 9—10 mm lang,
an der Basis etwas bauchig erweitert.
Perigonzipfel eiförmig, stumpf, /s,
höchstens !/, der Röhre.
Blätter
Daphne collina.
Aeste zottig-wollig behaart.
länglich-verkehrt-eiförmig,
deutlich gegen die Basis keilig
verschmälert,
kurz gestielt,
am Rande verdickt,
unterseits dicht zottig behaart,
Mittelrippe unterseits bis zur
Blattspitze gleichmässig
deutlich hervortretend,
von den Aesten nahezu recht-
winkelig abstehend.?)
Bracteen 4—5 mm lang.
Perigon zottig behaart.
Perigonröhre dick, 6—7 mm lang, an
der Basis nicht bauchig erweitert.
Perigonzipfel breit eiförmig, an der
Spitze abgerundet, fast so lang als
die Röhre.
Blätter
ı) Gelegentlich kommt eine Form der Daphne Vahli mit im Nter verkahlten Blättern vor,
während bei der typischen die Blätter immer behaart bleiben.
2) Infolge dieser verschiedenen Stellung der Blätter ist D. collina scheinbar lockerer beblättert‘
als D. Vahli,
Ueber eine neue Daphne-Art und die geographische Verbreitung derselben. Dur
Abgesehen von den eben festgestellten morphologischen Differenzen bewohnen
überdies die zwei genannten Arten, ebenso wie die sericea Vahl, keineswegs ganz
dasselbe Gebiet, worauf ich noch späterhin zurückkommen werde. Es ist daher
wohl nicht gerechtfertigt, wenn Boissier in seiner „Flora orientalis“ zu Daphne
sericea, unter welcher Bezeichnung er natürlich, was die angeführten Herbar-
eitate darthun, sowohl die eigentliche sericea Vahl, als auch die mit ihr eonfun-
dirte D. Vahli meint, ausserdem noch D. collina einfach als Synonym zieht.
Anschliessend an das Bisherige erübrigt es sich noch, darauf hinzuweisen,
dass nicht blos bei Daphne Vahli eine Form mit im Alter unterseits kahlen
Blättern vorkommt, sondern auch bei D. collina. Bei dieser letzteren wurde die
Form mit im herangewachsenen Zustand unterseits kahlen Blättern ursprünglich
als selbstständige Art beschrieben (D. neapolitana Lodd., Bot. cab., T. 719), später
als Varietät (Lindl., Bot. reg., T. 822) zu collina gezogen, was sich auch in De
Candolle’s Prodromus wiederholt. Hat nun die kahlblätterige Form der collina
einen Namen, so dürfte es sich wohl empfehlen, auch der kahlblätterigen Form
der Vahli einen solchen zu geben; man könnte sie etwa var. glabrifolia nennen.
Nach diesen Erörterungen systematischer Natur wende ich mich nun der
geographischen Verbreitung der drei besprochenen Arten zu, welche ich mit Hilfe
einer Anzahl mir zur Verfügung stehender Herbarien zu ermitteln suchte, und
die in der That als ganz interessant angesehen werden muss. Ich lasse jetzt die
Uebersicht des geographischen Vorkommens folgen.
Daphne sericea \Vahl.
Specimina visa:!)
Europa. Insel Marettimo?) (Ross, Flora Sicula, 1888), hb. Rechinger
(Wien).®) Kreta. In dumetis infra Omalo et Lakkus (Baldaecei, Iter ereticum,
1892, Nr. 95), hb. U.; Mont Volokia (Reverchon, Pl. de Crete, 1884), hb. U.;
Berge östlich von Askyphos (Spreitzenhofer, Iter cereticum), hb. Z.; ad urbem
Gnossus in monte Martio (Frivaldsky), hb. M.; Montagnes de Lakkus (Re-
verchon, Pl. de Crete, 1883, Nr. 153), hb. P.; in montibus elatis Ita, Luniti,
Sphakia, 2000—5000’ (Heldreich, 1845), hb. B.; Bois d’Askyphos (Rauhin [?],
Pl. de Crete, Nr. 149), hb. B.; Montagnes d’Amalos, rochers (Reverchon, Pl.
de Crete, 1884, Nr. 153), hb. B.
Kleinasien. Plaine de Mersina (Cilieie) (Balansa, Pl. d’Orient, Nr. 716),
hb. M.; Lyeia, leg. Billard (hb. Jacquin), hb. M.; Bithynischer Olymp, leg. No&,
hb. M.; inter Sabaudja et Guciv&®) (Aucher-Eloy, hb. d’Orient, Nr. 5291), hb. B.
1) Abkürzungen: hb. B. = Herbar Boissier, beziehungsweise Barbey-Boissier (Genf);
hb. K. = Herbar Kerner (Wien); hb. M. = Herbar des k. k. naturhistorischen Hofmuseums (Wien);
hb. P. = Herbar des botanischen Institutes der deutschen k. k. Universität (Prag); hb. U. = Herbar
des botanischen Museums der k.k. Universität (Wien); hb. Z. — Herbar der k. k. zoologisch-botani-
schen Gesellschaft (Wien).
2) Eine der Westküste von Sieilien vorgelagerte kleine Insel.
») Es liegen hier drei Pflanzen auf, zwei davon sind collina, eine ist sericea Vahl. Dasselbe
ist auch bei einem zweiten Exemplar desselben Exsiceatenwerkes, welches ich im Herbar Haläcsy
(Wien) sah, der Fall.
*) Am Isnik-See in Bithynien.
218 Carl v. Keissler.
Daphne sericea Vahl ist eine Mediterranpflanze, die an felsigen Stellen
wächst und oft zu bedeutender Höhe (5000) ansteigt, wie schon der kleine, viel-
zweigige Habitus andeutet. Rücksichtlich des Areals stellt sich auf Grund der
früheren Zusammenstellung heraus, dass die genannte Art in Bithynien, also an
der Nordwestküste von Kleinasien, ebenso an der Südküste vorkommt und in
Europa, ohne am Festland aufzutreten, über Kreta und Sieilien bis zur Insel
Marettimo hereinreicht. Von Sieilien selbst (wenngleich es wahrscheinlich ist,
dass die Pflanze dort auch vorhanden ist) sah ich kein Exemplar, ebensowenig
von der Westküste von Kleinasien, die allerdings botanisch noch wenig durch-
forscht ist, so dass auch hier ein Vorkommen nicht ausgeschlossen ist. Mit
Bezug darauf habe ich auch in der beigefügten Karte, welche die Verbreitung
der Daphne sericea Vahl und der ihr zunächst stehenden Arten veranschaulicht,
das Areal jener über die Westküste von Kleinasien gezogen und Bithynien nicht
als getrennten Verbreitungsbezirk hingestellt, wenn auch diese Theile des Areals
durch Punktirung der Contouren als zweifelhaft in der Karte (ähnlich wie bei der
Abgrenzung gegen Osten an der Südküste) notirt sind.
Daphne Vahli.
Specimina visa:
Europa. Kreta. In saxosis prope Damasta (Sieber), in mehreren
Exemplaren, hb. U., hb. M., hb. P.*)
Kleinasien. In monte Tcharyklar prope Adalia (Bourgeau, Pl. Lyciae,
1860), hb. M.; in monte Nur ad Pyramum (Kotschy, Iter eilie.-kurd., 1859,
Pl. ad Pyramum in monte Nur lectae, Suppl., Nr. 3), hb. M.; in planitie, Adalia
(Heldreich, 1845), hb. M.; in Tauri alpes Bulgar-Dagh (Kotschy, Iter eilie.,
Nr. 176), hb. M.; Mersina ad ruinas Soli, Cilieia (Sintenis, Iter orientale,
1888), hb. Keck (Wien); ex montibus Kassan Oghlu (Kotschy, Iter cilie.-kurd.,
1859, Suppl., Nr. 76), hb. M., ibid., Nr. 113, hb. B.; Cilieia (Aucher-Eloy, hb.
d’Orient, Nr. 2916), hb. B.; Akma-Dagh, hb. M.?)
Syrien. Prope Beilan (Kotschy, Pl. Syriae bor., 1862, Nr. 335), hb. M.;
prope Alexandretta (Kotschy, Iter eilie.-kurd., 1859, Pl. Syriae, Nr. 272), hb. M.;
Alexandretta, 1832, hb. B.
So ergibt sich also, dass Daphne Vahli, welche ebenfalls, sowie D. sericea
Vahl, einen mediterranen Typus repräsentirt, an der Südküste von Kleinasien
bis hinein in das Taurusgebirge, im nördlichsten Theile von Syrien und auf
Kreta verbreitet ist,?) jedoch an der Nordwestküste (wahrscheinlich auch an der
Westküste) von Kleinasien fehlt und in Europa nicht bis zur Insel Marettimo
hereinreicht.
!) Sieber sammelte auf Kreta unter der Bezeichnung sericea alle drei Arten, also die Daphne
Vahli, sericea Vahl und eollina.
2) Noch andere derart lückenhaft bezeichnete Exemplare habe ich hier, wie anderwärts,
ausgelassen.
>) Vergleiche die beigefügte Verbreitungskarte.
Ueber eine neue Daphne-Art und die geographische Verbreitung derselben. 219
Daphne collina Sm.
Specimina visa:
Europa. Italien. In monte Argentario, Etruriae (L. Toldeni), hb. K.;
in monte Argentario (hb. Marcucei), hb. M.; Ostia pr. Romam (Brachl), hb. M.;
Apennini de Popoli en Abruzze (Magnagier), hb. M.; prope di lago di Licola
(Herbich), hb. P.; lago di Licola (Tenore, hb. Jacqu.), hb. M.; in collibus
prope Neapolim (leg. Mayer, hb. Zahlbruckner), hb. P.; Volturno bei Caserta
unweit Neapel (Sammler?, 1812), hb. P., hb. Z.; Neapel (Sibthorp), hb. M.
Insel Marettimo (Ross, Flora Sieula), bb. Rechinger (Wien).!)
Kreta. In saxosis pr. Damasta (Sieber), hb. Keck (Wien), hb. P.?)
Kleinasien. Carca (Pinard, 1843), hb. M.; Brussa (Frivaldsky), hb. M.;
Bithynien (Grisebach, 1822), hb. B.; Bithynien (Pestalazzi, 1846), hb. B.
Einige Bemerkungen zu Angaben in Florenwerken. Sicilien,
In den Floren von Sieilien (wie Gussone, Flora sicula, Synopsis florae siculae,
Tornabene, Flora sieula®) wiederholt sich immer wieder bei Daphne collina die
Angabe: Insel Marettimo, während aus Sicilien die Pflanze nicht bekannt ge-
worden zu sein scheint. Wahrscheinlich kommt sie hier auch vor und wurde nur
bisher übersehen.*) Balkanhalbinsel. In Sibthorp et Smith, Prodromus
florae graecae ist Daphne collina folgendermassen eitirt: in collibus Italiae
australis et ni fallor in Graecia, legit Sibthorp. Dies beruht jedenfalls auf
einer Verwechslung, ebenso wie die Mittheilung eines Vorkommens derselben
Pflanze am Athos in Dumont-d’UrviMe’s „Enumeratio plantarum in oriente
lectarum“ (in diesem letzteren Falle wohl verwechselt mit Daphne oleoides Schreb.,
die Frivaldsky gerade auch am Athos sammelte); denn man trifft D. collina,
wie auch sericea weder in den Herbarsammlungen aus dem Gebiete der Balkan-
halbinsel und der zugehörigen Inselgruppen (ausser Kreta), noch finden sich über
dieselben in den Abhandlungen über die neueren floristischen Forschungen auf der
Balkanhalbinsel irgend welche weitere Angaben ausser den erwähnten, gar nicht
verlässlichen.
Das Ganze zusammenfassend, erstreckt sich demnach das Areal der Daphne
-collina über Mittel- und Unteritalien, die Insel Marettimo, Sieilien und Kreta
nach Kleinasien, und zwar daselbst über Karien an der Westküste hinauf nach
Bithynien.
Rücksichtlich der geographischen Verbreitung der var. glabrifolia der
Daphne Vahli und der var. neapolitana der D. collina liess sich eine völlige
Deckung des Areals derselben mit dem Areal der zugehörigen typischen Form
1) Es liegen, wie schon bemerkt, zwei Exemplare der collina, eines der sericea auf.
2) Sieber sammelte, wie schon früher bemerkt, auf Kreta alle drei Arten und bestimmte
sie als sericea Vahl.
®) Pojero, Flora sicula, enthält noch nicht die Thymelaeaceen.
%) Im Herbarium des Wiener Hofmuseums liegt allerdings ein Exemplar der Daphne collina,
wenn auch mit der nicht einmal eine Bestimmung führenden Etiquette: „in fruticetis Sieilia*; eine
Angabe des Sammlers fehlt auch. Auf dieses fragliche Exemplar will ich mich auch nicht stützen,
ich habe es daher in das obige Verzeichniss nicht aufgenommen.
220 Carlv. Keissler.
eonstatiren. Deshalb habe ich auch in die Karte keine der beiden Varietäten
speciell aufgenommen.
Bevor ich mich auf eine Vergleichung der geographischen Verbreitung der
besprochenen Arten einlasse, möchte ich noch der Vollständigkeit halber eine gleich-
falls derselben Gruppe angehörende Pflanze in den Kreis der Betrachtung ziehen,
das ist die Daphne Blagayana Freyer. Dieselbe hat, wie bekannt, auch unter der
Laienwelt als „Königsblume* eine gewisse Berühmtheit erlangt; sie wurde im Jahre
1837 vom Grafen Blagay auf der Nordseite des Lorenziberges bei Billichgrätz in
Krain entdeckt und von Freyer im darauffolgenden Jahre in der „Flora“ be-
schrieben und dem Entdecker zu Ehren benannt. Das ausserordentliche Interesse,
das diese Pflanze erregte, so dass selbst König Friedrich August von Sachsen sich
veranlasst fühlte, dieselbe an Ort und Stelle aufzusuchen — daher der Name
Königsblume —, hat seinen Grund zum Theil in dem eigenthümlichen Habitus
und den grossen, wohlriechenden Blüthen, besonders aber in dem Umstand, dass
die längste Zeit nur dieser eine Standort am Lorenziberg bekannt war; denn erst
in jüngster Zeit wurde die „Königsblume“, wie wohl bekannt ist, auch an einer
Reihe anderer Localitäten aufgefunden.
Was ihre Merkmale betrifft, so mag hervorgehoben werden, dass sie von
den früher behandelten Arten sich besonders durch die Kahlheit der Aeste und
Laubblätter, durch Bracteen, von denen die äusseren verkehrt-eiförmig, zugespitzt,
die inneren schmal-lanzettlich sind, die einen, wie die anderen die Länge der
Perigonröhre beinahe erreichend, und durch die in bedeutender Anzahl beisammen-
stehenden, grossen, nur spärlich behaaffen Blüthen unterscheidet.
Uebersicht der geographischen Verbreitung der Daphne Bla-
gayana Fr.!)
Krain. Lorenziberg bei Billichgrätz, Razorhügel bei Alt-Oberlaibach
(Voss, 1889, nach Beck), Katharinenberg bei St. Margarethen (hb. U.).?)
Siebenbürgen. Auf dem Berge Köhavas nächst Hitfalu (leg. Simon-
kai, 1886, hb. M.), Peatre mare bei Kronstadt (leg. Römer, hb. Haläcsy), auf
dem Schuler bei Kronstadt (nach Römer), bei Vidra im Bihargebirge (Simon-
kai, 1886, nach Beck), auf der Alpe Bucsees und Keresztenhavas (Baum-
garten, 1816, nach Beck).?)
1) Theils auf Grund von Herbarmaterial, theils mit Hilfe zweier Arbeiten, nämlich:
Beck, Die Königsblume (Daphne Blagayana Freyer). Wiener illustrirte Garten-
zeitung, 1893, Heft 10.
Römer, Ueber das Vorkommen der Königsblume in Siebenbürgen. Wiener illustrirte
Gartenzeitung, 1894.
2) Ein Exemplar im Herhar der zoologisch-botanischen Gesellschaft, gesammelt von Dolliner
bei Idria, scheint mir zweifelhaft.
®) Baumgarten führt in seiner „Enumeratio florae transsilvanicae“ (1815) Daphne alpina L.
an, die in Siebenbürgen thatsächlich völlig fehlt; es handelt sich um eine Verwechslung mit Daphne
Blagayana, wie Simonkai in seiner „Enum. plant. Transsilv.“ (1886) bemerkt. Demnach hat Baum-
garten die Königsblume, dieselbe für alpina haltend, schon vor Blagay gesammelt.
Ein weiteres Synonym neben alpina Baumg. ist Daphne Lerchenfeldiana Schur,
Enum. plant. Transsilv. (1566), wie Simonkai (vgl. das früher eitirte Werk) an der Hand der aller-
Ueber eine neue Daphne-Art und die geographische Verbreitung derselben. |
Bosnien. Auf dem Ormanj nächst Hadzde (bei Sarajewo) (Fiala, 1890,
hb. P... Nach Beck: Auf dem Ozren bei Maglaj (A. Sprung, 1889), am Smo-
lin und Matina bei Zepce (Gschwind, 1889), am Konju (Brandis. 1890), auf
dem Cicelj bei Cajnica (Dölie, 1890).
Hercegowina. Nach Beck: Am Glogovo bei Jablanica (Vandas, 1890),
im Ladjanicathale bei Konjica (Fiala, 1893).
Montenegro. Nach Pan&i@ (Elenchus plantarum vasc. in Örna Gora
1875): Am Dormitor nicht weit vom See Riblje jezero.
Albanien. Soll hier, wie Beek eitirt, im Jahre 1889 von Schilling
gefunden worden sein.
Macedonien. Bei Allchar nächst Uesküb (Dörfler, It. ture. sec., 1898,
Nr. 331, hb. U.).
Serbien. Berg Diocibare in Centralserbien (Paneic, 1875, hb. K.), Berg
Stol (Pan£ic, 1874, hb. M.).
Bulgarien. Trojanpass (Urumoff, Flora bulgarica; hb. Haläcsy, Wien).
Bisher war Daphne Blagayana aus Bulgarien nicht bekannt und handelt
es sich also um eine ganz neue Angabe.
Wirft man einen prüfenden Blick auf die Verbreitungskarte, so gewahrt
man, dass Daphne Blagayana gegenüber den anderen drei Arten, welche wenig-
stens gewisse Theile des Areales gemeinsam mit einander haben, vollkommen
isolirt steht und ein grosses Gebiet im nördlichen Theile der Balkanhalbinsel,
das durch die weitere floristische Forschung vielleicht erst in richtigem Umfange
erkannt werden wird, allein für sich behauptet.
Es liegt uns hier, wenn es erlaubt sein soll, eine Muthmassung auszu-
sprechen, eine Art vor, die sich vielleicht aus der Stammart der collina-Gruppe
bei der Wanderung dieser aus Kleinasien her im Balkan hervorgebildet hat. Sie
gehört der pontischen Flora an und war zu einer Zeit, wo nach Ablauf der letzten
Eiszeit und vor Eintritt der gegenwärtigen, der baltischen Flora entsprechenden
klimatischen Verhältnisse Mitteleuropas unter dem Einflusse eines Steppenklimas
die pontische Flora über den grössten Theil von Mitteleuropa ausgedehnt war,
viel weiter nach Norden als heute verbreitet.
Als später an Stelle des Steppenklimas ein der baltischen Flora zusagendes
kühleres Klima trat, zogen sich die pontischen Elemente von Mitteleuropa zurück
und haben sich nur hie und da an einzelnen, klimatisch besonders begünstigten
Stellen von geringer Ausdehnung erhalten, wie dies namentlich in den östlichen
Alpen der Fall ist.) So hat auch Daphne Blagayana, in die Balkanhalbinsel
zurückweichend, in Krain und Siebenbürgen zwei inselartig von dem eigentlichen
Verbreitungsgebiete abgetrennte Standorte, wie Fingerzeige einer ehemals weiteren
Verbreitung, zurückgelassen.
dings mangelhaften Diagnose von Schur und des Standortes, den dieser namhaft macht (Bucsees bei,
Kronstadt, von Lerchenfeld als alpina gesammelt, wo ja Daphne Blagayana wächst), constatirte.
ı) Vgl. Kerner, Studien über die Flora der Diluvialzeit in den östlichen Alpen. Sitzungs-
berichte der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, XVIII, 1 (1888), S. 7.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 30
222 Carl v. Keissler.
Was die drei anderen, der mediterranen Flora angehörigen Arten anbe-
langt, so möchte ich zuvor darauf hinweisen, dass nach Engler’s Untersuchungen
für mediterrane Pflanzenarten zur Tertiärzeit zwei Hauptwanderstrassen bestanden.
Die eine hiervon ging über Kleinasien und Syrien nach Nordafrika, von hier aus
Abzweigungen einerseits nach Sicilien und Italien, welche damals durch eine
von Tunesien herüberreichende Landbrücke mit Afrika verbunden waren, anderer-
seits nach Spanien entsendend; die andere ging über ein an Stelle des heutigen
ägäischen Meeres vorhandenes Festland nach der Balkanhalbinsel, nach Istrien,
dem nördlichsten Italien, südlichen Frankreich und Spanien. Die Einwanderung
von Pflanzen nach Italien erfolgte zum überwiegenden Theile von Tunesien, also
von Süden her, während sie infolge der weiten Ausdehnung des lombardischen
Meeres und des allein die Verbindung herstellenden ligurischen Apennins von
Norden her nur sehr spärlich erfolgte. Diesen Umständen ist es zuzuschreiben,
dass es eine Reihe von Mediterranpflanzen gibt, welche im ganzen oder in dem
grössten Theil des Mittelmeergebietes auftreten, dagegen auf Sieilien und in
Italien fehlen, oder wenigstens nur auf Sicilien, höchstens noch in Unteritalien
anzutreffen sind.!)
Im Gegensatz zu dieser Art der Verbreitung repräsentirt Daphne collin«
einen dadurch ausgezeichneten Typus, dass nämlich eine Art, die einem grossen
Theil der Mittelmeerländer abgeht, (nebst Kleinasien und Kreta) gerade auf
Sieilien, beziehungsweise der Insel Marettimo auftritt und von da
durch ganz Unter- und Mittelitalien bis hinauf nach Etrurien ver-
breitet ist. D. sericea Vahl erstreckt sich mit ihrem Areal ausser Kleinasien
und Kreta noch auf die Insel Marettimo und vielleicht auch auf Sieilien, das.
Festland von Italien aber betritt sie nicht mehr. D. Vahli endlich tritt auf der:
Apenninen-Halbinsel und den ihr zugehörigen Inseln nicht mehr auf, sondern be-
schränkt sich auf Kleinasien und Kreta. Die beiden erstgenannten Arten müssen,
nachdem eine Verbreitung derselben durch Vögel nicht wahrscheinlich ist, auf dem
Wege aus Kleinasien über Syrien und Nordafrika in der schon vorher erwähnten
Weise nach Sicilien und die eine von da auch nach Italien gelangt sein, während sie
späterhin in dem zwischen Kleinasien und Sieilien liegenden Gebiet der Wande-
rungsstrasse ausgestorben sind; denn, soweit mir bekannt, wurde in dieser Gegend
bisher noch keine Daphne-Art aus der besprochenen Gruppe gefunden. Es wäre,
wie ich zum Schlusse hervorheben möchte, eine vielleicht nicht undankbare Auf-
gabe, dem nachzugehen, ob es nicht noch eine Anzahl von Arten gibt, die in
analoger Weise, wie hier besprochen, in Kleinasien und Kreta und hernach in
Sieillien und Italien oder in Sieilien allein auftreten, dem übrigen Mediterran-
gebiete jedoch fehlen, und wenn sich dies bestätigt, basirend auf eine solche in-
folge ihrer Wiederholung bei verschiedenen Arten auffällige Thatsache den Ursachen
nachzuforschen, welche eine derartige geographische Verbreitung bewirkt haben.
!) Engler bringt im I. Bande seiner „Entwicklungsgeschichte der Pflanzenwelt“ (Capitel:
„Die Floren der einzelnen Theile des Mittelmeergebietes in ihren gegenseitigen Beziehungen“) eine
ganze Liste solcher Arten.
Ueber eine neue Daphne-Art und die geographische Verbreitung derselben.
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30*
[89)
DD
RB
Referate;
Referate.
Die zoologischen und botanischen Abhandlungen in den im Jahre
1895 erschienenen Jahresberichten österreichischer Mittelschulen
mit deutscher Unterrichtssprache.
Von
Dr. Alfred Burgerstein.
Dewoletzky Rud. Neuere Forschungen über das Gebiss der Säuger.,
(Staats-Obergymnasium in Czernowitz.)
Diese Abhandlung ist als Theil einer grösseren Arbeit gedacht, welche den
in den letzten Lustren entstandenen Umschwung unserer Anschauungen bezüglieh
der Säugethiere zur Darstellung bringen würde, behandelt aber nur ein kleines
Gebiet aus der Anatomie und Entwicklungsgeschichte dieser Thiere, nämlich
das Gebiss. Als Einleitung wird die Bedeutung desselben für die Systematik,
besonders auch in paläontologischer Hinsicht hervorgehoben und die mannig-
faltigen Schwierigkeiten einer richtigen Diagnose solcher Fossilfunde besprochen.
Hierauf folgt eine kurze Darlegung der älteren Lehren über das Säugergebiss,
wie sie in R. Baume’s „Versuch einer Entwicklungsgeschichte des Gebisses*
niedergelegt erscheinen, und. anschliessend daran eine zusammenfassende An-
einanderreihung der Resultate neuerer Forschungen, und zwar erstens in ent-
wicklungsgeschichtlicher und zweitens in paläontologischer Richtung. Nachdem
die Entwicklung der Zahnleiste, der Milchzähne, des Ersatzgebisses und besonders
der rudimentären Dentitionen dargestellt worden, wird noch eine grössere Anzahl
der wichtigeren Entdeckungen bezüglich der einzelnen Abtheilungen der Säuger
aufgeführt: die Auffindung von Zähnen des Schnabelthieres, der Nachweis des
Milchgebisscharakters für das Gebiss der Beutler und Wale, die eigenthümlichen
Verhältnisse der Zahnarmen, besonders aber die complicirten und schwierig zu
deutenden Reductionserscheinungen beim Zahnwechsel des Igels.
Hieran schliesst sich eine Darlegung der Resultate der paläontologisehen
Forschung. Mit Rücksicht auf die nothwendig gewordene Beschränkung der
illustrativen Erläuterungen musste dieselbe allgemeiner gehalten werden. Mit
Beziehung auf die vorausgeschickte Darstellung der älteren (Baume'’schen) An-
schauungen ist die Fassung nach wenigen, wichtigeren Gesichtspunkten gruppirt,
die den Unterschied der moderneren Auffassungen besonders auffällig hervor-
treten lassen. Diese Gesichtspunkte sind als Capitelüberschriften hervorge-
hoben: „Zahnzahl* (ursprüngliche Maximalzahl; Reduction und Vermehrung
derselben), „AJahnform“* (Wurzel und Krone und ihr wechselseitiges Verhältniss
im Laufe der paläontologischen Entwicklung nach den einzelnen Zahnarten be-
de ee
Du
Referate. 22
trachtet), das ,„Verhältniss von erster und zweiter Dentition“ zu einander
und die moderne Vorstellung von der „Ursprünglichkeit der Heterodontie“
bei den Säugern. Zum Schlusse ist ein Capitel über die „Conerescenz“-Theorie
Röse-Kükenthal's angefügt, die im Vorhergehenden mehrfach gestreift wurde.
Die paläontologischen Aenderungen im Gebisse finden — bei der Un-
zugänglichkeit der nöthigen Zahl geeigneter Abbildungen — ihre Erläuterung
„per analogiam“ an vergrösserten photographischen Bildern vom Gebisse eines
Insectenfressers vom ältesten, „ereodonten“ (Maulwurf) und eines solchen von
modernerem Typus (Igel), sowie durch schematische Grundrisse der Zahnhöcker
von Gebissen aus verschiedenen Schichten der obersten Kreide und des Tertiärs.
Schwaighofer Ant. Die mitteleuropäischen Libellen. (Staats-Gymnasium
in Marburg.)
Die Abhandlung beschäftigt sich im ersten Theile mit einer genauen
Beschreibung besonders der äusseren Körpertheile der Odonaten, namentlich inso-
ferne diese Theile für die Bestimmung und Beschreibung der Arten von Wichtigkeit
sind. Der zweite Theil enthält zunächst eine analytische Tabelle zur Bestim-
mung der Gruppen und (27) Gattungen der mitteleuropäischen Libellen, ferner
— im Zusammenhange mit einer systematischen Uebersicht — eine Tabelle für
die Bestimmung der Arten. In der Anordnung ist der Verfasser grösstentheils
dem Catalogue raisonng des orthopteres et des Nevropteres de Belgique von E.
de Selys-Longchamps (Ann. de la Soe. entomol. de Belgique, 1888) gefolgt.
Eine ausführliche Beschreibung der Arten konnte wegen Raummangels nicht bei-
gegeben werden. Eine Tabelle enthält in 33 Figuren morphologische Details (Mund-
theile, Flügelgeäder, Abdominalenden ete.).
Schletterer Aug. Zur Bienenfauna des südlichen Istrien. (Staats-
Gymnasium in Pola.)
Diese Arbeit, welche eine Fortsetzung der Studien des Verfassers über die
Hymenopteren-Fauna Istriens bildet (vgl. diese „Verhandlungen“, Bd. XLV, S. 267),
wurde bereits besprochen (vgl. diese „Verhandlungen“, Bd. XLV, 8. 395).
Hoffer Eduard. Verzeiehniss der in Steiermark (vom Autor) bis
jetzt gesammelten Osmia- und Andrena-Arten. (Landes-Oberreal-
schule in Graz.)
Der Verfasser führt 30 Arten der Gattung Osmia und 58 Arten der Gattung
Andrena an, deren Vorkommen er in Steiermark (besonders in der Umgebung
von Graz) constatirte. Neben Flugort (Fundort) und Flugzeit werden auch ein-
zelne biologische Daten angeführt. Der Bestimmung und Anordnung der Arten
lag hauptsächlich Schmiedeknecht’s vorzügliche Monographie der europäischen
Apiden zu Grunde. Zu den seltenen Formen der Grazer Umgebung gehören:
Osmia fueiformis Latr., O. corticalis Gerst., O. vulpecula Gerst., O. fulveiventris
Pz., O. Panzeri Mor., Andrena florea Tab., A. chrysopyga Schenck, A. con-
vexiuseula K.
226 Referate.
Schaufler Bernh. Der Regenwurm und seine Bedeutung im Haushalte
der Natur. (Staats-Gymnasium in Ober-Hollabrunn.)
Der erste Theil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Körperbau und der
Histologie, der zweite Theil mit der Biologie von Lumbricus agricola Hoffm.,
mit besonderer Berücksichtigung der Untersuchungen von Claparöde, Gegen-
baur und Darwin. Der Verfasser führt ferner folgende Beobachtung an: Er
sah aus dem Clitellum mehrerer Würmer, die er in Wasser legte, Larven aus-
kriechen, aus denen sich (anfangs April) als Imago Sarcophaga haemorrhoidalis
entwickelte. Endlich führt der Verfasser die interessanten Beobachtungen von
Pasteur an, der die Regenwürmer auch als Verbreiter des Milzbrandes erkannt
hat. Die Keime dieser Krankheit werden von den Regenwürmern mit der Erde
aufgenommen, in welche die an Milzbrand zu Grunde gegangenen Thiere ver-
scharrt werden, und durch die Exeremente der Würmer wieder an die Erdober-
fläche befördert. Eine beigegebene Tafel enthält in 11 Figuren anatomische Details.
Plitzka Alfred. Ueber vergrünte und umgebildete Blüthen der
Herbstzeitlose in der Umgebung von Neutitschein. (Landes-Ober-
realschule in Neutitschein.)
Der Verfasser beobachtete im Frühjahre 1895 bei Neutitschein, Zauchtl,
Reimlich, Stramberg, RoZnau ete. massenhaft Herbstzeitlosen mit vergrünten
Blüthen. Die Perigonzipfel hatten das Aussehen 12—17 cm langer, linearer Laub-
blätter und blieben wochenlang frisch. Die Staubblätter waren zumeist in schmale,
grüne Laubblätter umgewandelt; die Antheren geschrumpft und leer. Am Gynä-
ceum war der Fruchtknoten langgestreckt, bisweilen sogar den Perigonsaum über-
ragend und in der Regel ohne Samenknospen. Die Morphologie normaler und
vergrünter Blüthen ist durch fünf Figuren auf einer Doppeltafel veranschaulicht.
Zermann, P. Chrysost. Alex. Beitrag zur Flora von Melk. III. Theil.?)
(Benedietiner-Gymnasium in Melk.)
Dieser Theil enthält die Dialypetalen und bildet zugleich den Schluss der
Aufzählung der in Melk und Umgebung wildwachsenden, häufig gebauten und
verwildert vorkommenden Gefässpflanzen, im Ganzen 1236 Arten. Von für die
Melker Flora selteneren Arten werden genannt: Archangelica offieinalis Hoffm.,
Laserpitium prutenicum L., Conium maculatum L., Sedum micranthum Bast.
(Serpentinfelsen im Gurhofgraben), Myosurus minimus L., Ranunculus Lingua L.,
R. Sardous Crantz, R. sceleratus L., Aconitum Vulparia Reichenb., Papaver
Argemone L., Corydalis fabacea Pers., Arabis brassicaeformis Wallr., Carda-
mine silvatieca Link, ©. impatiens L., Dentaria enneaphyllos L., Alyssum mon-
tanum L., Lunaria rediviva L. (bei Gansbach), Sagina ciliata Fries (zwischen
Kollapriel und Rosenfeld), Alsine fasciculata M. et K., A. viscosa Schreb., Ce-
rastwum tauricum Spreng., Dianthus prolifer L., D. superbus L., Euphorbia
polychroma A. Kern., Geranium lucidum L. (auf dem Hiesberge), Linum flavum L.,
Vicia silvatica L., V. cassubica L., V. lathyroides 1..
!) Ueber den II. Theil siehe das Referat in diesen „Verhandlungen“, Bd. XLV, S. 268.
4 ul he Äe
Referate. 27
Zimmermann. Verzeichniss derin Vorarlberg wildwachsenden Gefäss-
pflanzen. (Communal-Realschule in Dornbirn.)
Diese Abhandlung stand dem Referenten nicht zur Einsicht.
Wurm Franz. Die Flechten der Umgebung von Böhmisch-Leipa.
(Staats-Realschule in Böhmisch-Leipa.)
Die Arbeit enthält eine Aufzählung und Beschreibung von 87 Gallert-,
Strauch- und Laubflechten der Umgebung von Böhmisch-Leipa. Das vom Ver-
fasser (durch 20 Jahre) durchforschte Gebiet wird vom Kummer, Daubaer, Sonnen-
berger und Schwoykaer Gebirge begrenzt. Ausser zahlreichen speciellen Fund-
orten werden auch hin und wieder Angaben über Flechtenvorkommnisse ausserhalb
des Leipaer Gebietes eingestreut; auch wurden der Vollständigkeit wegen die bei
Rabenhorst angeführten Fundorte in Nordböhmen aufgenommen. Als seltene
Flechten der Leipaer Flora werden angeführt: Evernia divaricata L, Cladonia
deformis L., Cl. Botrytes Hag., Ül. cariosa Ach., Cl. vertieillata Hoffm., Cl.
caespititia Flke., Cl. delicata Ehrh., Cetraria odontella Ach., C. saepincola Ehrh.,
Stieta fuliginosa Ach, Parmelia perlata L., P. revoluta Flke., Nephromium
laevigatum Ach., Peltigera aphthosa L., Gyrophora polyphylla L.
Noska M. unter Mitwirkung von V. v. Tschusi zu Schmidhoffen. „Das
kaukasische Königshuhn.“ ÖOrnith. Jahrb., VII (1896), Heft 1 und separat.
Diese monographische Studie bildet ein Seitenstück zu der von denselben
Autoren herrührenden Arbeit über das kaukasische Birkhuhn (Ornith. Jahrb.,
VI [1895] und separat mit einer Tafel) und behandelt in eingehender Weise
jenen, die hochalpinen Zonen des Kaukasus bewohnenden Vogel bezüglich seiner
zoologischen Merkmale und Eigenschaften, sowie bezüglich dessen schwer zu
beobachtender Lebensweise. L. v. Lorenz.
Jaworowski A. Neue Arten der Brunnenfauna von Krakau und Lem-
berg. Troschel’s Archiv für Naturgeschichte. Jahrg. 61 (1895/96), Bd. I,
S. 818—345, Taf. XV—XX.
Die sehr fleissige Schrift behandelt sieben Formen, die in polnischen
Arbeiten des Verfassers bereits systemisirt wurden. Während die Protozoen (Qua-
drula acolis, Diplophrys elongata, graberi, Cothurnia eyathus, putanea) und das
Turbellar Mesostoma vejdovskyi kürzer beschrieben sind, macht die Schilderung
eines Amphipoden, Niphargus leopoliensis, den grössten Theil der Publication
aus und die betreffenden Umrissfiguren füllen vier Tafeln; dagegen erfährt man
nichts Genaueres über den Fundort und die Lebensweise. Eine Tabelle auf
S. 334, wo für jeden Krebs die Grösse der Fussglieder in Zehntausendsteln
Millimetern angegeben wird, dürfte ihre Wirkung wohl nie verfehlen.
Tad. Garbowski.
Bütschli 0. Weitere Ausführungen über den Bau der Cyanophyceen
und Bacterien. Leipzig, 1896.
228 Referate.
Der Verfasser constatirt zuerst, dass die Zellen der Cyanophyceen und
Schwefelbacterien aus zwei Haupttheilen bestehen, nämlich aus einer gefärbten
Rindenschichte und einem ungefärbten inneren Theile, dem Centralkörper.
Beide Zellpartien besitzen nach Bütschli einen ausgesprochenen Waben-
bau. Letzterer ist nicht etwa ein infolge der Einwirkung der Reagentien ent-
standenes Kunstproduct, sondern das Resultat von Differenzirungen der bezüg-
lichen Protoplasten inter vitam. Dies beweise das Studium passender Objecte,
welche schon im Leben den wabigen Bau auf das Deutlichste zeigen. Bei den
grossen Oscillarien, insbesondere bei O. princeps, besteht die Rindenschichte aus
4—5 Wabenlagen in der Dicke. Die Anordnung dieser Waben ist eine ausgesprochen
längsfaserige, wodurch bei ungenügender Auflösung die ganze Schichte ein längs-
fibrilläres, gestreiftes Aussehen erhält. Die Waben der Rindenschichte erscheinen
gefärbt; der Farbstoff haftet aber immer nur an den Wabenwänden und niemals
an dem Wabeninhalt. Ob der Farbstoff aber die Wände der Waben in diffuser
Form durchtränkt oder in den Wänden als Tröpfchen oder Körnchen eingelagert
ist, will Bütschli nicht entscheiden, doch neigt er sich zu der ersteren Annahme.
Auch der mittlere, ungefärbte Theil der Zellen, „der Centralkörper“, besitzt einen
wabigen Bau. Von diesem Umstande überzeugte sich der Verfasser theils durch
die Untersuchung kleinerer, lebender Formen, theils durch das Herauspressen des
Inhaltes aus den Zellen grösserer Arten, oder auch dadurch, dass er den optischen
Längsschnitt studirte, nachdem durch Druck die Rindenschichte structurlos ge-
worden war.
In den Knotenpunkten des Wabennetzes des Centralkörpers, besonders
häufig in den äusseren Knotenpunkten des letzteren, liegen eigenthümliche
Körnchen, welche sich mit Delafield’scher Hämatoxylinlösung rothviolett färben
und darum vom Verfasser als „rothe Körnchen“* angesprochen werden. Zuweilen,
wenn auch selten, liegen vereinzelte rothe Körner auch in der Rindenschichte.
Früher, nämlich 1890, hat Bütschli diese rothen Körner für Chromatin gehalten,
gegenwärtig glaubt er, dass sie den Plasmakörnern (Mikrosomen) der Diatomeen etc.
verwandt sind.
Ausser den rothen Körnern kommen aber bei den meisten Cyanophyceen,
und zwar fast ausschliesslich im Rindentheile, auch noch andere Körner vor,
nämlich die Reservekörner oder Cyanophyceenkörner. Letztere sind keine Kohlen-
hydrate, wie gewöhnlich angenommen wird, doch verhalten sie sich manchmal
gegenüber dem Jod ähnlich, wie das Glycogen. In Bezug auf das Verhältniss
zwischen den rothen Körnern und den Reservekörnern drückt sich Bütschli sehr
vorsichtig aus, indem er sagt: „dass diese Körner im Plasma (nämlich die rothen
Körner) den Reservekörnern verwandt sind, worauf Manches hindeutet, scheint
mir möglich“.
Sehr eingehend behandelt Bütschli auch die Frage, ob der Centralkörper
der Cyanophyceen und Schwefelbacterien als ein Zellkern anzusprechen sei oder
nicht. Nach einer erschöpfenden Discussion aller hier in Frage kommenden
Details gelangt er zu dem Schlusse, dass sich der Centralkörper der Cyanophyceen
höchstens durch den Mangel einer Kernmembran von den Kernen der höheren
Referate. 2 29
Gewächse unterscheide, sonst aber in allen Punkten mit denselben überein-
stimme und daher als ein dem Zellkern der Phanerogamen vollkommen homologes
Organ aufgefasst werden muss.
Was die kleinen Bacterien anbelangt, so konnte Bütschli nur bei wenigen
derselben eine Differenzirung in Centralkörper und Rindenschichte beobachten
und auch bei diesen niemals eine vollständige Umhüllung des Centralkörpers
durch die Rindenschiehte, sondern nur eine Entwicklung der letzteren an beiden
Körperenden. Da aber eine Körperhaut immer vorhanden ist und letztere für
ein Product des Plasmas gilt, so muss angenommen werden, dass auch der Öentral-
körper dieser Bacterien von einer äusserst dünnen Plasmaschiehte umgeben wird.
Im Uebrigen hält Bütschli an seiner schon 1890 ausgesprochenen Ansicht fest,
dass die einfachsten Organismen aller Wahrscheinlichkeit nach fast nur aus
Kernsubstanz und aus einem Minimum von Plasma bestanden, und dass das
letztere sich erst bei den höheren Lebewesen reichlicher entwickelte. Bütschli
hält es auch für das Wahrscheinlichste, dass Kern und Protoplasma gleichzeitig
auf der Erde entstanden sind und erblickt gerade in dem Zusammentreffen dieser
beiden Substanzen den Ausgangspunkt des Lebens. H. Zukal (Wien).
Petunnikow A. Die Potentillen Centralrusslands in Acta horti Petro-
politani, XIV (1895), p. 3—52, mit 10 Tafeln.
Centralrussland ist ein so vager Begriff wie der der Ukraine, Südrusslands,
Bessarabiens, des südwestlichen Russlands und Polens. Während Zinger darunter
15 Gouvernements versteht, erwähnt Verfasser davon nur sechs, abgesehen von
Ingrien. Potentilla pimpinelloides L. und P. Tanaitica Zing. sind verschieden,
während P. pimpinelloides des Reichenbach’schen Herbars andere Pflanzen
darstellt. Dass Janka P. pimpinelloides L. bereits im Jahre 1875 im Banate
gefunden, vermochte keiner der ungarischen Botaniker zu bestätigen. Panic
sammelte auf steilen Abhängen des Stol bei Vilovo im Cacaker Kreise Serbiens
eine Pflanze, welehe er ursprünglich P. poteriifolia genannt und später angesichts
des Homonyms von Boissier für P. pimpinelloides L. gehalten hat, doch dürfte
dieselbe neu sein. Schleicher’s Exemplare der P. cinerea sind lange nicht so
authentisch als Verfasser wähnt, weil dieser als prononeirter Pflanzenhändler einem
und demselben Stocke mehrere Individuen entnommen, um dieselben als ebenso
viele Arten zu vertheilen. Solange Niemand das „Rheinische Magazin zur Er-
weiterung der Naturkunde“ (Giessen, 1793—1794, 1 Bd., 8°), dessen Redacteur
unter Anderen auch Moriz Balthasar Borkhausen gewesen, in die Hände ge-'
nommen hat, geht es nicht an, seine P. arenaria für ein nomen solum zu er-
klären. P. Thuringiaca Bernh. und P. Goldbachü Rupr. (= P. elongata Goldb.,
non Bess. — P. patens Herbich) müssen auseinander gehalten werden. P. opaca
deutet Verfasser im Sinne Jaequin’s und Koch’s und zieht dazu als Synonym
P. rubens Crantz. Verfasser führt aus Centralrussland P. Schurü Fuss (= P.
Pratensis Schur, non Herbich — P. patula W.K., nana Tratt.) an und bestreitet
das Vorkommen der typischen P. patula daselbst, doch hat Referent letztere aus
Chorol (Rogowiez exs.) und Poltawa (Koenitzer exs.) des gleichnamigen Gou-
7.B. Ges. Bd. XLVI. 31
230 Referate.
vernements gesehen, wogegen Lindemann's P. inclinata vom Gouvernement
Cherson zu P. Schurii gehört. Dr. v. Degen, welcher die Kietaibel’sche
Pflanze am Originalstandorte zu sammeln Gelegenheit hatte, verwarf die Trat-
tinick’sche Varietät und folgerichtig auch P. Schurü, womit Referent einver-
standen ist. Zu P. verna Linne@’s und einiger Autoren’ hat bereits Franz Wilhelm
Sieber (Fl. Austr., Nr. 160) P. Salisburgensis Haenke als Synonym gezogen,
doch besteht P. maculata Pourr. nach @. H. Reichenbach’s Aufzeichnung aus
P. alpestris Hall. f. und P. Pyrenaica Ram. Verfasser bekämpft die bisherige
Schreibweise „P. Wiemanniana“ und will dieselbe durch „P. Wimanniana“
Guenth. et Schumm., Herb. Siles., Cent. V (1813), Nr. 52, ersetzt wissen, ohne zu
bedenken, dass hier ein Druckfehler unterlaufen sein mag und Guenther (Ex.
stirp. phan. in Silesia sp. nase. 88) ausdrücklich schreibt: „Primus hane stirpen
detexit et ab affini P. argentea distinxit b. Wiemann, M. Dr., in eujus memo-
riam appellavimus“. P. digetato-flabellata A. Br. et Bouch& (non Heidenr.) zieht
Verfasser auf Grund der Befunde in ©. A. Meyer’s Herbar zu P. intermedia L.
B. canescens Rupr. Koch’s Synopsis, ed. III, zu eitiren, geht nicht an, weil
dieselbe eine von Unberufenen besorgte Ausgabe ist. In 23 Absätzen gibt der
Verfasser ein Resume des Vorgebrachten und auf den Tafeln die Abbildungen
der im fraglichen Gebiete vorkommenden Potentillen. f
Die ganze Arbeit ist, weil auf russischem Boden und unter Schwierigkeiten,
deren Erörterung nicht die Sache des Referenten sein kann, abgefasst, immerhin
interessant und hoffen wir, den Verfasser noch öfters begrüssen zu können.
J. A. Knapp.
Verhandl. der k.h. zool. bot. Ges. Taf. IT. R.Bergh
Band XLVI. 1896. Narica — Onustus.
R.Bergh. Dövendal.
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Berkandl. der k.k. zoob Bot. Ges. Taf. UT.
{ Band XLVI. 1896.
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231
Versammlung am 3. Juni 1896.
Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer.
Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit der
Mittheilung, dass die Gesellschaft den Tod eines ihrer
hervorragendsten Gönner, Sr. kais. Hoheit des Herrn
Erzherzogs Carl Ludwig
zu betrauern habe. Der Vorsitzende gedachte insbeson-
dere des grossen Interesses, welches der Verblichene der
Wissenschaft überhaupt und speciell den Bestrebungen
der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft entgegen-
gebracht hatte, und schloss, nachdem die anwesenden
Mitglieder seine Mittheilung stehend angehört hatten,
die Versammlung.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 32
232
Versammlung der Section für Botanik am 12. Mai 1896.
In der Ausschuss-Sitzung am 4. Mai 1896 war beschlossen
worden, eine Sammlung einzuleiten, von deren Ertrag das von der
zoologisch-botanischen Gesellschaft seinerzeit errichtete Grabdenkmal
des Botanikers Theodor Kotschy renovirt werden soll.
Zu diesem
Zwecke haben folgende Mitglieder beigesteuert:
P. T. Herr Th. Adensamer 2A. P. T. Hers L. Linsbauer th
nn „». BiAtfger 50&r. De Re oren Mails
eG eveBeckelsh: 4 05. b.v berenzalsn:
nn HE Burgerstein IA: nr, Ikütkemüllerpen
en mt AB. Czapek’l-D: „2. 5 - Ev Marenzeler 28
F „ R.Freih. v. Drasche 10. „nn %». C.Mayerhofer It.
De EEeyzakntechhienizel'dalerle ne MENlIn esraslehe
en W.Figdor 2A. » „=. BOstermeyaro
ee ritsch+2-f: eeaPpsPfuntschellersiens
Br. 7, eA.Gınzberger-äo0skr, Enge PBimtnersienk
A. O0. Habich 50 kr. er Hr Bebel’50km
en, E:wHaläcsy 1%. „on. ». C.Rechingersen
BE. nr A Handlirsch. Lfl: » nn». M. Sostarie 50 kr.
DE. 5 M.Heeg 1A. anne BeSpaeth Sokr
Fun mi Hecke Lil. out) a: r.lreuschilane
MM. „ J«v.Hungerbyehler If. en). Wiesner.
2. Rkanutmannal: » HET FRE Wilbelmiet:
Be ers Kerner ol: nn 5. KA Zahlbrucknenslene
. Bericht der Section für Botanik.
Versammlung am 12. Mai 1596.
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. G. Beck v. Mannagetta.
Der Vorsitzende eröffnete den ersten Vortragsabend der neu
constituirten Section für Botanik, indem er den Anwesenden für den
zahlreichen Besuch dankte und dem Wunsche und der Hoffnung
Ausdruck gab, die Mitglieder mögen durch rege Betheiligung an den
Versammlungen, durch Vorträge und Demonstrationen zum Gedeihen
der Section beitragen.
Hierauf folgten die nachstehenden Vorträge, respective Demon-
strationen:
Versammlung der Seetion für Botanik am 12. Mai 1896. 233
Anecylistes Pfeifferi n. sp.
Prof. v. Beck erläuterte in längerer Ausführung die interessanten Lebens-
verhältnisse der Mycochytridinae, insbesondere der Gattungen Myzocytium,
Lagenidium, Ancylistes, und kam auf eine interessante Aneylistes-Art zu
sprechen, welche durch Löfgren bei Pirassununga in Brasilien in Closterien
schmarotzend aufgefunden wurde. Bisher waren nur die vegetativen Zustände
dieses Pilzes bekannt geworden, die an den von Herrn H. Ritter Pfeiffer v.
Wellheim nach dessen bewährter Methode hergestellten Präparaten in klarster
Weise zum Ausdrucke gelangten. Nunmehr aber gelang es Letzterem, auch eine
einzige Closteriumzelle zu entdecken, in welcher auch drei Sporen vorhanden
sind, die höchst eigenthümlich gebaut sind und die Aufstellung einer neuen
Ancylistes-Art rechtfertigen, welche zu Ehren des Entdeckers als A. Pfeifferi
benannt werden möge.
Die sterilen, wohl zu Ancylistes Pfeifferi gehörigen Exemplare zeigen fast
den Thallus der Gattung Myzocytium, d.h. die vegetativen Zellen wachsen in die
Länge und schnüren sich stellenweise ein, wodurch nach Bildung von Scheide-
wänden rosenkranzförmige Zellfäden entstehen. Jede ellipsoidische, längliche,
eiföormige oder kugelige, manchmal auch birnförmige Zelle (eirca 12—40 « lang,
10—13 « breit) wird zu einem Sporangium und treibt nach aussen einen dünnen,
oft sehr verlängerten Infeetionsschlauch, welcher vor seinem Austritte öfters an-
geschwollen erscheint. Bei den Sexualorgane bildenden Individuen, welche mit
den sterilen Exemplaren vorkommen, erscheint der Thallus deutlicher durch
Zellwände gegliedert, die Zellen mehr fadenförmig, weniger eingeschnürt. In
diesen Fäden eingeschaltet, und zwar beiderseits (?) von leeren Zellen begrenzt,
finden sich die grossen, diekwandigen, braunen Sporen, welche durch mehrere
(eirea sechs) grosse, unregelmässig gestellte, abgerundete Höcker des Exosporiums
ein morgensternförmiges Aussehen und 32—40 « im Durchmesser erlangen.
Das Endosporium ist kugelförmig und umschliesst eine grössere Anzahl von
kugeligen Plasmamassen.
Die Deutung der sterilen Exemplare als zu einer Ancylistes-Art gehörig,
unterliegt wohl keinem Anstande. Schwieriger ist dies bei dem sporenbildenden
Exemplar, das leider bisher nur in einer einzigen Closteriumzelle aufgefunden wurde
und daselbst nicht alle Details mit wünschenswerther Genauigkeit darbietet, da
z. B. nicht mit Sicherheit die Befruchtung der Oogonien constatirt werden konnte.
Jedenfalls hat man aber eine Ancylistacee vor sich, die durch die Sporen-
gestalt sehr ausgeprägte Verschiedenheiten von den bisher bekannten darbietet.
Einige interessante illyrische Veilchen.
Prof. v. Beck demonstrirte weiters die von F. Fiala entdeckte und be-
schriebene interessante Viola Beckiana, welche am Smolingebirge bei Zepte
in Bosnien auf sonnigen Waldwiesen in einer Höhe von 1100 m auf Serpentin-
unterlage in gelber und purpurblauer Blüthenfarbe aufgefunden wurde.
32*
234 Versammlung der Section für Botanik am 12. Mai 1896.
Ebenso wie diese, die Anzahl der in der Balkanhalbinsel isolirt vor-
kommenden Veilchenarten um einen neuen Repräsentanten vermehrende Art,
variiren auch alle anderen in Illyrien vorkommenden Veilchen aus der Gruppe
Melanium in der Blumenfarbe. Solche Farbenspielarten, die auf manchen
Gebirgen nur allein, auf anderen gemischt vorkommen, sind z. B.:
Viola declinata W.K. (+ V. bosniaca Form).
«. typica. Blumen dunkel rothviolett, Spornblatt in der Mitte gelbfleckig.
ß. bicolor G. Beck, Fl. Südbosn., III, S. 82 (100). Untere Blumenblätter
gelb, obere lila.
y. lutea Pant., Adnot., p. 99. Blumen gelb.
Viola Zoysii Wulf.
a. typica. Blumen gelb.
B. semicoerulea @. Beck, Fl. Südbosn., VII, S. 180 (117). Blumenblätter gelb,
die zwei oberen namentlich gegen die Spitze hellbläulich überlaufen.
y. lilacina G. Beck, 1. c. (= V. Olementiana — Paneieii Bald., Exsiec.,
non alior).
Dieselben wurden von mehreren Standorten vorgezeigt.
Von Herrn Prof. v. Beck wurde ferner vorgezeigt:
Ein neuer Bürger der österreichischen Flora, Ranun-
culus Sartorianus Boiss. et Heldr.
Diese Pflanze, welche sich dem R. carinthiacus Hoppe am meisten nähert,
war bisher wohl schon aus den Occupationsländern bekannt geworden, wo sie
Murbeck in Schluchten und an Schneefeldern der Velez-Planina bei Mostar in
einer Meereshöhe von 1600—1800 m sammelte (vergl. dessen Beiträge zur Flora
von Südbosnien, S. 174). Auch der Vortragende hatte die Pflanze daselbst in
Menge angetroffen, und zwar in einer f. angustissima, bei welcher die fast vier-
mal dreitheiligen Blätter sehr schmale lineale Endzipfel aufwiesen. Diese Form
wurde nun nicht nur auf der Klekovaca-Planina bei Petrovac in Bosnien,
sondern auch in Dalmatien aufgefunden, wo sie in Alpenwiesen und an Schnee-
feldern der Dinara bei ca. 1600—1700 m im Juni 1895 von dem Vortragenden
angetroffen wurde.
Herr SoSstarid demonstrirte sodann ein Exemplar einer andro-
gynen Salix babylonica, worauf Herr Dr. A. Zahlbruckner die
neue Literatur zur Vorlage und Besprechung brachte.
Anmerkung. In dem Verzeichnisse der Mitglieder der Section für Botanik
(S. 200) wurde Herr Dr. C. Rechinger irrthümlicher Weise nicht genannt.
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Beitrag zur Biologie der Myxomyceten, 235
Beitrag zur Biologie der Myxomyceten.
Von
Chr. Lippert.
(Mit Tafel IV und 1 Figur im Texte.)
(Eingelaufen am 23. April 1896.)
Der Entwicklungsprocess der Fruchtkörper aus dem Plasmodium bis zur
Sporenreife nimmt bei fast allen Myxomyceten einen ungemein raschen Verlauf,
wenn die günstigen Bedingungen und der entsprechende Alterszustand des Plas-
modiums zusammentreffen.
De Bary führt in seinem Werke „Die Myetozoen“ p. 74 ff. eine Reihe von
Untersuchungen von Physarum, Didymium, Aethalium und Stemonitis an, in
welchen er die Zeitdauer des Entwicklungsganges bis zur Reife mit 1!/, bis
21/,; Tagen constatirte. Aehnliche Resultate hatten die von mir gemachten Unter-
suchungen bei verschiedenen Physareen und Didymien, während Cribraria volle
vier Tage und darüber zur vollständigen Reife gebraucht hat.
In vortrefflicher Weise hat De Bary den Entwicklungsgang der Sporan- '
gien aus dem Plasmodium bis zur äusserlichen Formvollendung beschrieben und
durch vorzügliche Zeichnungen in seinem Werke, Taf. I, Fig. 4 und 5, zur An-
schauung gebracht.
Rücksichtlich der weiteren Entwicklung der Sporangien spricht er sich
auf p. 59 wie folgt aus: „Ueber die Entwicklung des Capillitiums kann ich nur
sehr unvollständige Angaben machen. Gleichzeitig mit den ersten Kernen oder
in manchen Fällen schon vorher findet man seine Bestandtheile in dem ganzen
Raume des Sporangiums so angeordnet, wie zur Zeit der Reife, nur dass alle
Theile noch sehr zart und meist farblos sind, und von früheren Entwicklungs-
stadien beobachtet man meist nur solche, bei welchen noch gar kein Capillitium
vorhanden ist. Letzteres muss somit in allen Theilen des Sporangiums gleich-
zeitig und fast momentan angelegt werden und erreicht jedenfalls sehr schnell
seine volle Ausbildung. *
In ähnlicher Weise schreibt Zopf in seinem Werke „Die Pilzthiere oder
Schleimpilze* S. 63: „Wie es scheint, geht die Capillitiumbildung der Sporen-
entwicklung stets zeitlich voran und erfolgt in allen Theilen des Plasmakörpers
gleichzeitig.“
Die Verfolgung der Entwicklung der Sporangien mit Rücksicht auf die
Sporen- und Capillitiumanlage stösst insoferne auf gewisse Schwierigkeiten, als
die‘im Verlaufe des Entwicklungsprocesses erscheinenden morphosischen Ver-
änderungen sich in ungemein kurzen Zeiträumen abspielen und meist schon /in
236 Chr. Lippert.
sehr kurzer Zeit nach vollendeter Formirung des Sporangiums aus dem Plasmodium
die ersten wesentlichen Veränderungen sich zeigen, welche bei ihrem weiteren Fort-
schreiten gleich kurze Zeiträume einhalten.
Meine Untersuchungen haben sich in dieser Beziehung auf Physarum
cinereum Pers., Didymium mierocarpum Rost. und Ohondrioderma difforme Rost.
erstreckt, und es war hierbei der Vorgang derart, dass ich vom Zeitpunkte der
Formirung der Sporangien aus dem Plasmodium bis zu deren völliger Reife in
Intervallen von eirca zwei Stunden aus der Sporangiumanlage je ein oder zwei
Exemplare entnommen und der Untersuchung unterzogen habe.
Die Resultate dieser Untersuchungen waren die folgenden:
Physarum cinereum Pers. (Ph. plumbeum Fr.) var. ovoideum Sace.
(Auf Hasenkoth gezüchtet, welcher im December 1895 bei Esslingen an der Donau
gesammelt worden war.)
Das am 22. Februar um 6 Uhr Früh beobachtete baumförmige weissliche
Plasmodium hat sich am Substrat verdichtet und die fortschreitende Bewegung
sistirt, die noch vorhandenen baumförmigen Ausläufer ziehen sich in die Haupt-
masse ein, am Rande und sonstigen Stellen des Plasmodiums entstehen dicke
Anschwellungen, welche sich nach und nach zu Sporangien formiren,; gegen
10 Uhr erscheint die Formirung abgeschlossen, es haben sich 17 milchweisse,
rundliche, gegen die Basis verjüngte, meist eiförmige Sporangiumansätze ge-
bildet, welche genau die Grösse der reifen Sporangien haben und noch ganz
weich, mit glatter glänzender Oberfläche und kaum etwas fester als das Plas-
modium sind.
Das um 10 Uhr der Anlage entnommene Sporangium zeigt in Wasser unter
das Deckglas gebracht eine gleichmässige mattweisse Körnchenmasse, welche noch
ganz den Charakter des Plasmodiums besitzt. Durch den Druck des Deckglases
wurden zahlreiche kreisrunde Partien aus der Plasmamasse herausgepresst, welche
hyalin und mit äusserst feinen Körnchen angefüllt erscheinen, ähnlich den Pseudo-
podien des Plasmodiums. Am Rande der Körnchenmasse haben sich die Körnchen
dichter gruppirt, den Beginn der Peridienbildung andeutend (Taf. IV, Fig. 1).
12 Uhr. Die Sporangien sind gelblichweiss, noch ganz weich; die
Oberfläche derselben erscheint durch aufgelagerte Kalkkörnchen etwas rauh.
In Wasser unter das Deckglas gebracht, zeigt sich bereits die Peridie
als feine hyaline Membran, auf deren Aussenseite eine Schichte rundlicher
Kalkkörner sichtbar ist, welche sich zum Theile im Wasser von der hyalinen
Peridie loslösen und zerstreuen.
Die Ausscheidung des Kalkes hat stattgefunden, derselbe hat sich in
viele vom Sporenplasma scharf abgegrenzte milchweisse Gruppen formirt,
an welchen keine bestimmte Wandung zu erkennen ist, sondern nur eine
dichtere randweise Aneinanderreihung der runden Kalkkörnchen. Die
Gruppirung des Kalkes hat eine den künftigen Capillitiumdrusen ähnliche
Form, einige derselben zeigen kurze Ausstülpungen, welche aus dicht an-
einander gereihten Kalkkörnchen bestehen.
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i
Beitrag zur Biologie der Myxomyceten. 2a
Im Sporenplasma werden einzelne glänzend helle runde Körperchen
constatirt, in deren Mitte ein dunkler Kern sichtbar ‘ist (Taf. IV, Fig. 2).
4 Uhr. Die Sporangien sind gelblichweiss, etwas fester; die Ober-
fläche durch aufgelagerten Kalk ziemlich rauh. Die hyaline Peridie schärfer
contourirt; die milchweissen Kalkknoten haben genau die Form der Kalk-
drusen des Capillitiumnetzes, die einzelnen Knoten sind vielfältig durch
weisse, kalkführende Stränge verbunden; die Aussenseite der Kalkknoten
zeigt eine hyaline Membran. Im Sporenplasma haben sich die runden
glänzenden Körperchen bedeutend vermehrt (Taf. IV, Fig. 3).
6 Uhr. Sporangien gelblichweiss, Oberfläche rauh. Die milchweissen
Kalkknoten sind von einem bräunlichen Sporenplasma umgeben.
10 Uhr Nachts. Sporangien gelblichweiss, etwas härter, Ober-
fläche durch ziemlich viel aufgelagerte Kalkkörnchen rauh.
Das Capillitium nähert sich der vollständigen Ausbildung, das Röhren-
netz ist erkennbar. Im Sporenplasma hat die Sporenbildung begonnen.
23. Februar, 10 Uhr Morgens. Sporangien röthlich, ziemlich
fest; die Oberfläche hat sich mit zahlreichen Gruppen von Kalkkörnern
bedeckt, welche aus einem Conglomerat äusserst kleiner Körnchen bestehen.
Das Sporenplasma hat sich in seiner ganzen Ausdehnung zu Sporen
formirt; farblose runde, 15—21 « grosse Körper, mit dunklen Plasma-
partien und dunklen polygonalen Körpern gefüllt, welche scharf umrandet
sind. Die Sporen infolge der dichten Lagerung und des gegenseitigen
Druckes polygonal.
Capillitium bereits schön entwickelt (Taf. IV, Fig. 4).
12 Uhr. Sporangien ins Rothbraune spielend, über und über mit
Kalkkörnern bedeckt, so dass die Oberfläche bläulichgrau erscheint.
Sporen schwach röthlich, mit feinkörnigem Plasma angefüllt, meist
mit einigen dunklen, theils runden, theils polyedrischen Körpern. Die Grösse
der Sporen variirt von 14—18 «, meist polygonaler Form.
Die die Kalkdrusen verbindenden Fäden als hyaline Röhren deut-
lich sichtbar, ohne Kalkinhalt; das Capillitiumnetz ist vollständig ausge-
bildet. Die Drusen sind theils mit runden, theils mit eckigen Kalkkörnern
angefüllt (Taf. IV, Fig. 5).
24. Februar, 10 Uhr Morgens. Sporangien schwarzbraun, Ober-
fläche dicht mit Gruppen von Kalkkörnchen übersäet, so dass die Sporangien
aschgrau erscheinen.
| Sporen braunviolett, 10—12 « gross. Das Sporangium ist reif,
(Taf. IV, Fig. 6 und 6a.)
Die vollständige Reife des Sporangiums ist somit in einem Zeitraume von
48 Stunden erfolgt.
Die einzelnen Entwicklungsphasen verfolgend, finden wir hier die Bildung
des Capillitiums jener der Sporen zeitlich ziemlich vorangehend, dagegen die Bil-
“dung der glänzenden Kernkörperchen zeitlich mit dem Beginne der Capillitium-
|
|
238 Chr. Lippert.
bildung zusammenfallend. Zu seiner vollständigen Entwicklung hat das Capil-
litium fast den doppelten Zeitraum als die Sporen benöthigt, welche erst nach
fast 20 Stunden in ihrer eigentlichen Form auftreten, während die ersten Anfänge
des Capillitiums schon sehr kurze Zeit nach der erfolgten Formvollendung des
Sporangiums aus dem Plasmodium sich gezeigt haben.
Fast unmittelbar nach der Formung des Sporangiums aus dem Plasmodium
hat die Ausscheidung des Kalkes aus dem Sporenplasma stattgefunden, der grösste
Theil desselben wird in den Drusen des Capillitiums abgelagert, während der
andere Theil sich an der Aussenfläche der Peridie absetzt.
Unmittelbar nach der Formung des Sporangiums ist die Aussenfläche des-
selben glatt und glänzend, mit einer dicken Schichte aufgelösten Kalkes über-
zogen; nach ganz kurzer Zeit scheidet sich der Kalk in Körnchenform aus und
die Aussenfläche wird rauh und erscheint mit glänzenden, eckigen Körnchen-
partien netzförmig überlagert; je weiter die Entwicklung des Sporangiums vor-
schreitet, desto dichter und massiger werden diese Ablagerungen, welche schliess-
lich als weisse Punkte oder krustenförmiger Ueberzug meist schon dem blossen
Auge sichtbar sind.
Der im Innern des Sporangiums zurückgebliebene Kalk füllt die Blasen des
Capillitiums aus. Im ersten Entwicklungsstadium werden diese Blasen oder Knoten
von einer Aneinanderlagerung von Kalkkörnchen gebildet, welcher jegliche Spur
einer Wandung mangelt, an den Rändern zeigt sich nur eine dichtere Aneinander-
reihung dieser Körnchen, und erst in einem zwei Stunden älteren Stadium um-
schliesst sie eine zarte, hyaline Membran, welche sich auch auf die feinen Fort-
sätze ausdehnt ; im weiteren Verlaufe werden diese Fortsätze kalkfrei, wahrscheinlich
zieht sich der Kalk in die Knoten zurück und es entstehen schlauch- oder röhren-
förmige Gebilde, welche die einzelnen Knoten zum charakteristischen Capillitium-
netz verbinden.
Gleichzeitig mit der Ausscheidung des Kalkes aus dem Sporenplasma, die
auch der Beginn der Capillitiumbildung ist, findet die Bildung der Kernkörperchen
statt, es zeigen sich dunkle, von einem hellen Plasmahofe umgebene Kerne, dies
sind die ersten Anfänge der Sporenbildung; im jüngsten Entwicklungsstadium
des Sporangiums treten diese Kernkörperchen nur vereinzelt auf, später werden
dieselben zahlreicher und schliesslich wird das ganze Sporenplasma von ihnen
angefüllt. Im weiteren Verlaufe wird der helle Plasmahof getrübt, er vergrössert
sich durch Hinzutreten der freien Plasmapartien, bis sich schliesslich um jeden
Kern eine der Grösse der Sporen entsprechende Plasmamasse angesammelt hat;
in diesem Stadium ist eine diese Sporengebilde umschliessende Membran noch
nicht zu erkennen, diese entwickelt sich jedoch rasch darnach und mit ihrer Ent-
stehung nehmen die Sporen eine mehr regelmässigere polygonale Gestalt an.
Im weiteren Verlaufe verdichtet: sich die durch die Membran eingeschlossene
Plasmamasse, die polygonalen Körper werden kleiner, bis sie schliesslich im Zeit-
punkte der Reife sich zur Kugelgestalt umbilden. In diesem letzten Entwicklungs-
stadium tritt die Färbung der Sporen ein, welche im Beginne sehr blass und
kaum bemerkbar ist, aber rasch alle Nuancen durchmacht, um schliesslich bei ?
ei alunn ng
.
Beitrag zur Biologie der Myxomyceten. 239
der charakteristischen dunklen Farbe anzulangen. Unaufgeklärt ist, in welcher Form
dieser Farbstoff sich im Sporangium befunden hat.
Ein ähnlicher Entwicklungsgang wurde bei Didymium microcarpum
Rost. constatirt. (Wintereultur 1895/96 auf faulenden Blättern und Moos.)
Kurz nach der Formirung des Sporangiums aus dem schmutzig grau-
braunen Plasmodium ist auch die Ausscheidung des Kalkes aus dem Sporen-
plasma erfolgt, welcher sich in scharfkantigen Krystallen auf der weissen Ober-
fläche des Sporangiums abgelagert hat.
Das Sporenplasma ist eine gleichmässige feinkörnige Masse mit einigen
Kernkörperehen. Die Bildung des Capillitiums hat bereits begonnen, rings um
die Columella sind kurze feine hyaline Fäden zu erkennen (Taf. IV, Fig. 7).
Drei Stunden später hat sich das Sporangium gelblichweiss gefärbt und
das Sporenplasma sich in seiner ganzen Ausdehnung zu Sporen von 85—10 «
Grösse umgewandelt, welche der dichten Lagerung wegen meist polygonal er-
scheinen; den Inhalt dieser bildet eine feinkörnige Masse mit helleren und
dunkleren Punkten. Das Capillitium hat sich noch weiter entwickelt, die Fäden
sind bedeutend länger geworden, aber noch durchaus glatt und farblos (Taf. IV,
Fig. 8). Eine Stunde später hat sich das Sporangium roth gefärbt und nach
weiteren zwei Stunden ist es schwärzlich mit weisslichgrauen Kalkablagerungen.
Die Sporen sind röthlich, in Masse braunroth und 8—9'5 « gross; den
Inhalt bildet eine äusserst feinkörnige Masse, in welcher sich vereinzelt hellere
polygonale Partien zeigen. Die Capillitiumfäden sind ausgebildet mit den
charakteristischen Knoten; das Capillitium ist schwach bräunlich gefärbt.
26 Stunden nach der Formirung des Sporangiums aus dem Plasmodium
ist dasselbe reif, die Sporen sind braunviolett und 7—9 « gross.
Ebenfalls wie bei Physarum cinereum ist somit auch bei Didymium
microcarpum die Capillitiumbildung der eigentlichen Sporenbildung zeitlich voran-
gegangen.
Dasselbe Resultat haben die mit Chondrioderma difforme Rost. durch-
geführten Untersuchungen ergeben.
Unmittelbar nach der Formirung des Sporangiums aus dem auffallender
Weise gelben Plasmodium zeigte sich das Sporenplasma als feinkörnige Masse,
in der sich um einzelne dunklere Kerne hellere Plasmapartien gebildet haben,
welche die Anfänge der Sporenbildung sind, während das Capillitium bereits in
feinen hyalinen, ziemlich langen Fäden vorhanden ist. Nach zwei Stunden hat
sich das Sporenplasma zu farblosen Sporen formirt, welche einen Durchmesser
von 12—14 « haben und infolge des gegenseitigen Druckes polygonal erscheinen ;
das Capillitum ist fast vollständig entwickelt, aber noch farblos.
Zur völligen Reife hat das Sporangium 20 Stunden gebraucht, die violett-
braunen Sporen haben einen Durchmesser von 10°5—12 «.
Auch hier geht die Bildung des Capillitiums jener der Sporen zeitlich
voran, während die Entstehung der Kernkörperchen mit jener zusammenfällt.
Bei allen Untersuchungen wurde das Capillitium fast vollständig entwickelt
gefunden, bevor die Sporen in ihrer eigentlichen Grösse auftraten. Der Ent-
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 33
240 Chr. Lippert.
wieklungsgang desselben ist ein allmäliger; bei Didymium und Chondrioderma
zeigen sich im jüngsten Stadium äusserst feine und zarte hyaline Fäden, welche
kürzer sind als im ausgebildeten Zustande. Die ausserordentliche Zartheit dieser
Organe lässt es allerdings nicht unmöglich erscheinen, dass bei der Anfertigung
der Präparate die feinsten Gebilde zerstört und unsichtbar gemacht worden sind,
aber meine durch mehrfache Controluntersuchungen bestärkte Anschauung geht
dahin, dass dies nicht der Fall ist, sondern dass das Capillitium nicht momentan
in allen Theilen des Sporangiums ängelegt wird, vielmehr dass bei der Bildung
desselben ein gewisses Wachsthum stattfindet. Hiezu führt mich die Beobachtung,
dass nicht allein bezüglich der Länge der einzelnen Fäden, sondern auch in der
Form derselben mit dem fortschreitenden Alter des in der Entwicklung be-
griffenen Sporangiums Veränderungen eintreten und, wie bei Physarum con-
statirt, erst ziemlich spät die die einzelnen Kalkblasen verbindenden Röhren
sich bilden.
In derselben Weise wie sich die Sporen nach und nach aus den Kern-
körperchen durch Hinzutreten von Plasmapartien zu Sporen entwickeln, entsteht
das Capillitium durch Wachsthum in Länge und Form.
Ganz verschieden von dem Entwicklungsprocess der eben behandelten
Gattungen gestaltet sich jener von Cribraria.
Die sehr vereinzelt auf dem Substrat stehenden Sporangien einer der
Oribraria microcarpa Pers. sehr ähnlichen, aber stets mit Calyculus versehenen
Art entwickeln sich aus einer glänzend schwarzen Protoplasmamasse, welche in
Gestalt eines Tropfens plötzlich auf dem Substrat (faulendes Tannenholz) erscheint.
a b € d e f
2a at S1/a® 8" 11» Nachts, 7» Morgens.
5, Aufl masen 3 10. April.
9. April.
Fig. 9. Cribraria nov. spec.
Entwicklungsgang eines Sporangiums nach den Buchstaben a—f.
Au 02 Zr a du U ii aa
Beitrag zur Biologie der Myxomyceten. 241
Ohne vorherige Spur eines Plasmodiums, welches im Innern des Holzes zu leben
scheint, zeigt sich auf der Oberfläche des Substrates, sowohl auf der Stirn- als
Längsfaser derselben ein glänzend schwarzes Tröpfchen, welches mit breiter,
flacher Basis demselben aufsitzt (Fig. 9a). Dasselbe erhebt sich nach und nach
und gestaltet sich zur Kugel, welche nach kurzer Zeit durch einen sich bildenden
breiten kurzen schmutziggelben Stiel gehoben wird (Fig. 9b,c), der Stiel ver-
längert sich, wird dünner und nimmt die schwarze Sporangiumkugel mit in die
Höhe (Fig. 9d,e). Nach 18—20 Stunden hat der Stiel mit dem Sporangium die
normale Höhe erreicht, letzteres ist glashell glänzend geworden mit röthlichem
Schimmer und einigen schwarzen Netzknoten; das Netzwerk selbst, d. i. die
Leisten desselben sind noch nicht erkennbar. Der Stiel ist gelbbraun, in der
oberen Partie dunkel, seine Spitze dagegen hell, fast. farblos. Der Rand des
Calyeulus ist schwarz (Fig. 9 f). Nach mehreren Stunden färbt sich das Sporan-
gium braun und hat auch noch einigen Glanz, dann wird es im Verlaufe von
24 Stunden dunkelbraun und verliert den Glanz gänzlich, um schliesslich nach
einem gleich langen Zeitraume in die normale mattröthliche Farbe überzugehen,
welche den Reifezustand anzeigt.
Der ganze Entwicklungsprocess bis zur vollständigen Reife hat sonach
vier Tage benöthigt, denn nur im ersten Entwicklungsstadium ist das Wachs-
thum ein ziemlich rasches, während, wenn das Sporangium die normale Höhe
erreicht hat, der Reifeprocess langsamer von statten geht. Bei diesem Ent-
wicklungsprocess ist der Farbenwechsel auffallend, welcher vom tiefsten Schwarz
bis zur gänzlichen Farblosigkeit und dann von hellbraun bis in das Dunkelbraune
varürt, um schliesslich definitiv in eine mattrothe Farbe überzugehen.
Erklärung der Abbildungen.
(Die neben den Figuren stehenden Zahlen bedeuten die Zeitabstände der Untersuchung, die gebrochenen
Ziffern die Vergrösserung.)
Tafel IV.
Physarum einereum Pers. var. ovoideum Nace.
Fig. 1. Fragment eines Längsschnittes durch ein Sporangium unmittelbar nach
vollendeter Formung aus dem Plasmodium.
» 2. Aehnlicher Schnitt durch ein zwei Stunden älteres Sporangium. Die
Ausscheidung des Kalkes aus dem Sporenplasma hat sich bereits voll-
zogen und die Bildung des Capillitiums begonnen.
»„ 93. Schnitt durch ein sechs Stunden älteres Sporangium, die Bildung des
Capillitiums ist im Fortschreiten, im Sporenplasma ist eine grosse Menge
runder glänzender Körper sichtbar, den Beginn der Sporenbildung an-
deutend.
„ 4. Fragment eines Schnittes durch ein 24 Stunden älteres Sporangium,
die Bildung der Sporen ist bedeutend vorgeschritten, ebenso die Bildung
des Capillitiums.
332
242 Chr. Lippert. Beitrag zur Biologie der Myxomyceten.
Fig. 5. Schnittfragment eines um 26 Stunden älteren Sporangiums. Die Sporen
fangen an sich zu färben, das Capillitium ist vollständig entwickelt.
»„ 6. Fragment des Capillitiums mit einigen Sporen eines 48 Stunden alten,
vollkommen ausgereiften Sporangiums.
»„ 6a. Dasselbe bedeutend vergrössert. (Die obersten zwei Knoten und zwei
Sporen sind in der Zeichnung vollständig ausgeführt.)
Didymium microcarpum Rost.
Fig. 7. Fragment eines Schnittes durch ein Sporangium unmittelbar nach voll-
endeter Formung aus dem Plasmodium.
» 8. Aehnlicher Schnitt durch ein drei Stunden älteres Sporangium.
Bemerkungen über die männlichen Geschlechtsorgane
von ÜUyelops viridis und anderen Copepoden,
Von
Adolf Steuer.
(Mit Tafel V.)
(Eingelaufen am 2. Mai 1896.)
Die im Vorjahre an Sapphirina ausgeführten Untersuchungen veranlassten
mich, nun auch unsere Süsswassercopepoden auf ihre Sexualorgane zu unter-
suchen, und ich hatte ursprünglich die Absicht, den Vorgang der Begattung
selbst genauer zu studiren. Dabei zeigte es sich, dass unser Wissen über die
männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane in manchen Punkten lückenhaft
ist. Leider nöthigten mich anderweitige Arbeiten, meine diesbezüglichen Studien
zu unterbrechen und ich sehe mich veranlasst, das Folgende unvollendet und
lückenhaft der Oeffentlichkeit zu übergeben. An passender Stelle sollen auch
halbparasitische Copepoden, die ich bei meinem letzten Aufenthalte in Triest
(1895) zu gleichem Zwecke untersuchte, berücksichtigt werden.
Herr Prof. Grobben hatte die grosse Liebenswürdigkeit, mir trotz des
Raummangels in seinem Institute einen Arbeitsplatz zu überlassen und ich sehe
mich veranlasst, ihm aus diesem Grunde und auch wegen der mir beim Zu-
sammenstellen der Literatur geleisteten Hilfe bestens zu danken. Aus letzterem
Grunde bin ich auch seinem Assistenten Herrn Dr. Werner, ferner Herrn Con-
servator Dr. Pintner und Herrn'Dr. Rebel vom k. k. Hofmuseum sehr ver-
pflichtet.
Die Geschlechtsorgane der Copepoden sind in letzter Zeit von O. Schmeil
(14) als Bestimmungsmerkmal verwendet worden. Schon Darwin hat auf die
Bemerk. üb. d. männl. Geschlechtsorgane von Oyelops viridis u. anderen Copepoden. 243
Bedeutung der Sexualorgane bei der Veränderung der Art hingewiesen und
Romanes (13) führt ausführlich die verschiedenen Momente an, welche die
Bastardirung verhindern sollen; er bringt auch die oft merklichen Unterschiede
in den Geschlechtsorganen bei den einzelnen Species nicht ohne gewisse Be-
rechtigung mit der dadurch bedingten Verhinderung steter Kreuzung in Zu-
sammenhang. Wenngleich diese Erklärung anfänglich sehr plausibel scheint,
dürfte sie doch nicht in den einzelnen Fällen genügen, und wir werden wohl als
wichtigsten Factor eine Abneigung der verschiedenen Species (unbekannt aus
welchem Grunde) als am sichersten wirkende Ursache der Verhinderung einer
beständigen Vermischung einzelner Arten anzunehmen haben.!) Dem wider-
spricht nicht die T'hatsache, dass wir unter den Copepoden bei jenen Arten, die
eine aussergewöhnliche Begattungslust bekunden (vielleicht bei denen am meisten
entwickelt, die viele Spermatophoren abzugeben haben und damit im Zusammen-
hange ein langes vas deferens besitzen [@ruber (7)]), die Männchen sich gegen-
seitig oder bereits befruchteten und mit Eiertrauben versehenen Weibchen, wie
neuerdings wieder Voigt (17) berichtet, ihre Spermatophoren anhängen sehen.
Ausserdem mag noch darauf hingewiesen werden, dass wie bei vielen anderen Thier-
gruppen auch bei unseren Krebsen nieht nur die Leitungswege der Männchen und
der Bau der Spermatophore, sondern die Samenkörper selbst sogar bei sehr nahe
verwandten Gruppen merklich differiren.
Schmeil zieht in seiner Arbeit nur die Receptacula der Weibchen als
systematisches Merkmal zur Unterscheidung der Oyelops-Arten herbei. Auch die
männlichen Genitalien und speciell die Spermatophore dürften in gleicher
Weise verwerthbar sein, selbstverständlich bei Bestimmung von vollständig ent-
wickelten Thieren, während zur Bestimmung der Jugendformen gerade die
übrigen Merkmale der Species allein heranzuziehen sein werden.
Durch die trefflichen Arbeiten von Ishikawa (10) und anderen Forschern
sind wir über die Kerntheilungsvorgänge an den Geschlechtsdrüsen einiger Cope-
poden recht gut informirt; dagegen basiren unsere Kenntnisse über die Bildung
der Spermatophore, den Vorgang bei der Begattung und die Ablage der Eier
immer noch auf der viel eitirten Arbeit Gruber’s (7) und älterer Untersucher,
und es wird darum unsere weitere Aufgabe sein, auch diese Frage der Lösung
näher zu führen. Scheint es doch, dass die Verhältnisse weit einfacher liegen,
als man bisher vermuthete.
Eine ausführliche Beschreibung der Lagerung der Geschlechtsorgane, wie
sie schon so oft gegeben wurde, darf hier füglich unterbleiben; die beigegebene
Abbildung (Taf. V, Fig. 1) wird den Leser diesbezüglich genügend informiren.
Ishikawa u. A. unterscheiden an den Geschlechtsdrüsen der von ihnen
untersuchten Copepoden drei Abschnitte: Die Keimzone (the formative zone), die
Wachsthumszone (the growing zone) und schliesslich die Reifezone (the zone of
ripening). Ich möchte dazu noch bemerken, dass diese Abschnitte schon äusser-
!) Vergleiche Th. Garbowski, „Phyletische Deutung der Zithobius-Formen“. Zoolog. Jahrb.,
Abth. f. Syst., Geogr. u. Biol. d. Thiere, Bd. IX, 1896, S. 249, Z. 12 v. o.
244 Adolf Steuer.
lich am Hoden von Cyelops gut zu erkennen sind. Die Keimzone, durch ihren
fein granulirt erscheinenden Inhalt vom zweiten Abschnitt deutlich abgegrenzt,
ist vom letzten auch durch eine Einschnürung gesondert. Im zweiten Theile
fallen die grossen Samenmutterzellen auf. Klarer noch als an diesem treten
deutliche Auftreibungen am folgenden, dritten Abschnitte zu Tage, der mit frisch
gebildetem Samen dicht gefüllt, zwei weit dorsalwärts vorspringende Wülste bildet,
von denen sich die vasa deferentia abzweigen.
Die Dreitheilung des Hodens dürfte übrigens eine bei Copepoden all-
gemein vorkommende Erscheinung sein, wie ja zu erwarten ist; auch bei dem
marinen, an Aplysia vorkommenden Lichomolgus doridicola konnte ich sie
beobachten. Hier war namentlich die Abgrenzung des zweiten mit den grossen,
kugeligen Samenmutterzellen erfüllten Abschnittes vom dritten, der die fertigen,
fadenförmigen Samen enthielt, sehr scharf ausgeprägt. Selbstverständlich sind
diese Grenzen nur während der Fortpflanzungszeit der Thiere zu beobachten;
bei den im Winter untersuchten Süsswassercopepoden stellte der Hoden einen
einfachen Zapfen dar.
Es stehen nämlich die Entwicklung der Generationsorgane und die Be-
gattung mit der Witterung in innigem Zusammenhange: während sich beim
Beginne meiner Untersuchungen im October die Cyelopiden noch zuweilen
paarten, bewirkten die ersten kalten Tage des Spätherbstes eine sofortige
Sistirung aller Fortpflanzungsgeschäfte; selbst die schon fertigen Spermatophoren
wurden nicht mehr abgegeben und dürften wohl den ganzen Winter über bei
Aquarienthieren im männlichen Genitale verbleiben oder wieder rückgebildet
werden, was indessen wenig wahrscheinlich ist. Es schien mir nämlich bei den
im Winter untersuchten Exemplaren der Inhalt der Spermatophoren in manchen
Fällen etwas gequollen.
Wie schon früher erwähnt, führen bei Cyclops von den beiden aufge-
triebenen Enden des Hodens die beiden vasa deferentia nach abwärts. Oft ver-
laufen sie dann an der ventralen Seite desselben, zumal wenn der Hoden in der
Brunst mächtig aufgetrieben ist. Dieser Umstand mag Wierzejski (19) ver-
anlasst haben, bei dem von ihm untersuchten Lichomolgus sepieola Cls. den
Abgang des Ausführungsganges an das caudale Ende des Hodens zu verlegen.
Obgleich mein Material von Lichomolgus wenig gut erhalten war, ist doch an
der Unrichtigkeit der von Wierzejski gegebenen Abbildung kaum zu zweifeln,
denn die Reihenfolge der Zonen im Hoden steht in voller Uebereinstimmung
mit COyclops, indem die grossen Samenmutterzellen caudal, das reife Sperma
dagegen cranial liegen. Ich konnte mich aber auch direct davon überzeugen, dass
die vasa deferentia wie bei C’yclops vom cranialen Ende des Hodens abgehen und
im Bogen lateral nach abwärts zur Geschlechtsöffnung führen. Die Undurch-
sichtigkeit des Panzers erschwert die Untersuchung ungemein und lässt einen
Fehler bei der Untersuchung leicht einsehen. Auch in einem anderen Theile ist
Wierzejski’s Zeichnung unvollständig, wenngleich sich im Text eine An-
deutung des wahren Sachverhaltes vorfindet. Bei Lichomolgus erweitert sich
nämlich das vas deferens ungefähr in der Mitte und enthält daselbst eine mehr
ae
Bemerk. üb. d. männl. Geschlechtsorgane von Cyelops viridis u. anderen Copepoden. 245
oder weniger unreife Spermatophore; dieser Theil des vas deferens ist dem in
meiner letzten Arbeit (15) als Spermatophorenanlage bezeichneten identisch, doch
macht derselbe bei Zichomolgus den Eindruck grösserer Abgeschlossenheit und
Vollkommenheit. Die Untersuchungen an COyelops veranlassten mich, die wenigen
und nicht sehr gut in Formalin erhaltenen Exemplare einer in Triest an Sepia
gefundenen und offenbar mit der oben erwähnten identischen Lichomolgus-Form
mit Hämatoxylin zu färben und zu untersuchen. Bei erwachsenen Männchen
war der erste Theil des vas deferens fast nicht zu sehen, während bei Jugend-
formen in Folge des schon bei Sapphirina erwähnten reicheren Zellenbelages
sein Verlauf deutlich zu verfolgen war. An Thieren des fünften Stadiums war
auch schon die Stelle der späteren „Spermatophorenanlage* durch eine merkliche
Abknickung und kugelförmige, dunkel gefärbte Auftreibung gut zu erkennen
(Taf. V, Fig. 1 Sa). Leider machte mir es die schlechte Erhaltung meines
Materiales unmöglich, festzustellen, ob der Hoden von Lichomolgus sepieola vom
Verfasser richtig gezeichnet und beschrieben wurde. Ich zeichnete ihn auf der
beigegebenen Tafel (Taf. V, Fig. 1) V-förmig, wie bei Sapphirina, also als un-
paares Organ.
Claus gibt in seinen „Beiträgen zur Kenntniss der Schmarotzerkrebse*
(1864) den Hoden von Caligus pectoralis als paarig an, desgleichen Rob. Hart-
mann (8) bei dem von ihm untersuchten Bomolochus Belones. Auch in der
alten Leydig’schen Arbeit (12) wird für Doridicola agilis ein paariger Hoden
angenommen, desgleichen von Della Valle (16) in seiner 1880 erschienenen
Arbeit in Bezug auf Lichomolgus Sarsiit Clep. und Anthesius Solecurti D.V.
Voigt (17) endlich hält in seiner 1892 erschienenen Abhandlung den
Hoden von Synapticola teres wohl für paarig, fügt aber sofort folgenden Satz
hinzu: „.... und zeigen (die Hoden) insoferne ein eigenthümliches Verhalten,
als sie nur am äussersten Ende hinten durch einen kurzen Canal miteinander
verwachsen sind“. Dieser Zusatz widerspricht offenbar der Behauptung, dass der
Hoden paarig sei; denn unter dem „kurzen Canal“ haben wir uns sicher nicht etwa
eine bindegewebige Brücke vorzustellen, sondern einfach die quer ausgezogene un-
paare Keimzone. Es ist also kein Grund vorhanden, hier einen paarigen Hoden
anzunehmen, wir lernen nur daraus, dass alle Uebergänge möglich sind und der
Hoden sich vielleicht durch einen bei der Präparation eingetretenen Riss mit-
unter leicht in zwei Theile theilt. Aus dem Umstande, dass die eitirten früheren
Untersucher fast ausnahmslos von einer Duplieität des Hodens der Schmarotzer-
krebse sprechen, wäre auf ein gleiches Verhalten bei dem von mir in Triest auf
Sepia gefundenen Lichomolgiden zu schliessen. Auch konnte ich bei den er-
wachsenen Männchen mehr oder weniger deutlich die beiden getrennten Keim-
schläuche erkennen. Indessen möchte ich doch noch diese Frage mit Rücksicht
auf die Bilder, die mir die Cyclopidstadien (V. Stadium) darboten (Taf. V, Fig. 1),
offen lassen. Eine Variabilität des Organes bei den einzelnen Individuen oder als
zweite Möglichkeit eine Theilung des Hodens bei der letzten Häutung anzu-
nehmen, wäre gewiss sehr gewagt. Sicherlich dürfte es bei reichem Materiale
nicht schwer sein, den wahren Sachverhalt aufzufinden, wenn auch, wie schon
246 Adolf Steuer.
Della Valle bekennt, die Präparationsmethoden nicht immer den gewünschten
Erfolg haben.
Claus (2) beschreibt in seinen „Freilebenden Copepoden“ einen Drüsen-
schlauch am vas deferens von COyelops, dem die Bedeutung zufallen sollte, die
peripherischen Partien der Spermatophore zu bilden und als „Austreibemasse“
zu dienen.
Gruber (7) wies später nach, dass dieser Drüsenschlauch eine Schlinge
ist, die das vas deferens kurz nach seinem Austritte aus dem Hoden beschreibt.
Da das fragliche Organ bei flüchtiger Betrachtung thatsächlich das Aussehen
eines Schlauches hat und sich die alte, unrichtige Auffassung noch in einer
neueren systematischen Arbeit (Vosseller, 18) findet, schien es mir nicht ganz
zwecklos, nochmals diese Partie des männlichen Geschlechtsapparates mit Hilfe der
neuen Methoden (Färbung und Schnittserien) zu untersuchen. Ich kann nun die
Richtigkeit der Gruber’schen Angaben vollkommen bestätigen (Taf. V, Fig. 2).
Der nach abwärts führende Schlauch ist bedeutend dieker als der nach aufwärts
führende. Die Grösse seiner Zellen und ihrer Kerne lassen auf eine secretorische
Thätigkeit schliessen. Das Lumen der Schläuche ist so eng, dass nur wenigen
Samenkörnern, meist nur einem oder zweien gleichzeitig der Durchgang gestattet
wird, die Verwachsung der beiden Schläuche eine vollkommene und eine Trennung
derselben unmöglich (Taf. V, Fig. 3).
Die Entstehung der Schlinge lässt sich an den im V. Cyelopid-Stadium
befindlichen Thieren leicht verfolgen. Das vas deferens ist in diesem Stadium
mit Ausnahme des untersten Theiles, der später die Spermatophore birgt und
ausgeweitet ist, ziemlich gleichmässig diek und in der Wandung sind gleich
grosse Kerne in regelmässiger Vertheilung zu erkennen. Nur an der Ursprung-
stelle der späteren Schlinge ist das vas deferens merklich verdickt und etwas
nach innen gebogen (Taf. V, Fig. 4). Die Bildung der Schlinge haben wir uns
durch ungleichmässiges Wachsthum der in der Figur mit x bezeichneten Partie
zu erklären. Bei den verschiedenen Arten von Cyclops finden sich solche Zwischen-
stufen zeitlebens erhalten und das eben beschriebene Jugendstadium von Oyelops
viridis würde uns die ursprünglichsten Verhältnisse zeigen. Die von Gruber (7)
gezeichnete Form Cyclops brevicaudatus aus dem Bodensee zeigt die beiden
Schenkel noch winkelförmig von einander abstehend, während bei Cyelops brevi-
cornis nach Hartog!) die beiden Schläuche schon ziemlich genähert erscheinen,
1) Wie schon aus seinen Abbildungen zu ersehen ist, nimmt Hartog sieben Thoraxsegmente
und vier Abdominalsegmente an und in dem Capitel „Segmentation of Body and Appendages, and
Voluntary Muscular System“ (p. 4) sucht er die Richtigkeit seiner Ansicht diesbezüglich mit folgender
Bemerkung zu beweisen: „But the first has in both sexes a pair of appendages, reduced it is true,
to the condition of genital valves, and should, therefore be ascribed to the thorax, if we wish to
be consistent in our nomenclature of the Crustacea; and I shall accordingly regard this as the last
or sixth thoracie segment.* Schon in (15) kam ich auf die Segmentfrage zu sprechen (s. S. 14!).
Die von Hartog angeführten Argumente dürften kaum stichhältig sein, da ja die Thatsache fort-
schreitender Reduction der Gliedmassen allgemein bekannt ist. Bleiben wir also lieber, wenn man
sehon auf eine Abgrenzung in Thorax und Abdomen ein so grosses Gewicht legt, bei der alten
Claus’schen Eintheilung!
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Bemerk. üb. d. männl. Geschlechtsorgane von Oyelops viridis u. anderen Copepoden. 247
bei dem reifen O'yelops viridis endlich eine vollständige Verwachsung derselben
stattgefunden hat. Hartog nennt diesen Theil des vas deferens Epididymis;
für die Einführung dieser neuen Bezeichnung ist kaum genügend Grund vor-
handen, da die Gruber’sche Benennung „Schlinge“ vollkommend passend ist.
Wie schon früher erwähnt, ist der Zellenbelag des vas deferens noch im
V. Stadium fast vollkommen gleichartig. Während der Reife aber dehnt sich der
untere Theil desselben aus, die Wand wird dünner, die Kerne erscheinen spärlicher
und im Querschnitt plattgedrückt. Im Lumen hat sich eine homogene, glänzende
Masse ausgeschieden, die spätere Umhüllung der Spermatophore, und innerhalb
derselben sehen wir Samenkörper in grosser Zahl, daneben aber auch grössere,
mit Hämatoxylin heller als das Sperma gefärbte Kügelehen. Als Menstrum
des Samens endlich ist eine helle Flüssigkeit anzusehen, von der wir annehmen
müssen, dass sie schon im Hoden abgeschieden wird (Taf. V, Fig. 5, $).
Gehen wir nun zur Besprechung des letzten Theiles des vas deferens über,
dem Hartog die Bezeichnung vesicula seminalis beigelegt hat. Die Höhle des-
selben ist, wie er angibt, mit Chitin ausgekleidet. Wie man sich leicht an
Kalilaugepräparaten oder an Querschnitten überzeugen kann, ist das nicht
richtig, wenngleich sich in der Medianlinie des Genitalsegmentes eine Ein-
kerbung des Hautpanzers vorfindet, die bei Lichomolgiden, von denen Voigt
(17) angibt, dass sie eine unpaare Geschlechtsöffnung besitzen, weit weniger aus-
geprägt ist. Es dürfte auch noch fraglich sein, ob thatsächlich bei Lichomolgiden
die Spermatophoren „mit ihren Stielen zusammenhängen“, wie Voigt angibt;
sicherlich ist das nicht immer in der exaeten Weise der Fall, wie bei Sabelli-
philus Sarsii Clap., wo mir freilich die Bildung und Entlehnung dieses Spermato-
phorenzwillings aus dem vas deferens vorläufig unerklärlich ist.
Was endlich die Spermatophoren selbst und ihre Entstehungsweise anbe-
langt, so stellte ich mir die Aufgabe, die Herkunft der einzelnen Seerete, aus
denen sie gebildet werden, festzustellen und die Bildung der Spermatophore am
lebenden Thiere zu beobachten. Leider hatte ich infolge der Ungunst der
Witterung im heurigen Frühjahre nicht die gewünschten Erfolge, obwohl ich
ausgewachsene Thiere und solche im V. Stadium isolirte, erstere zum Zwecke der
Paarung mit Weibchen vereinigt, in Uhrschälchen hielt und durch viele Wochen
hindurch täglich mehrere Male unter das Mikroskop nahm.
Schon in Triest versuchte ich mit Schmarotzerkrebsen die gleiche Aufgabe
zu lösen, hatte aber auch hier mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die wohl Keinem
erspart bleiben, der sich nicht damit begnügen will, aus kunstvoll gefärbten
Schnittserien allein biologische Fragen zu lösen. So waren erstens die Männchen
durchwegs seltener als die Weibchen, und von dem sehr interessanten Sabelli-
philus Sarsii, von dem schon Della Valle sagt: „Sventuramente i maschi del
Copepodo in questione sono abastanza scarsi“, fand ich nur ein Männchen, und
obwohl ich in den folgenden Tagen wohl Hunderte von Spirographis durch-
musterte, konnte ich auch nicht mehr ein zweites erlangen. Andere Copepoden-
arten wieder strebten am Glase über den Wasserspiegel empor zu klettern und
vertrockneten dort; endlich musste ich die Wahrnehmung machen, dass die Fort-
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 34
248 Adolf Steuer.
pflanzungsgeschäfte zumeist in der Nacht, wahrscheinlich nach Mitternacht,
besorgt werden und sehr rasch vor sich gehen. Dass die Begattung wegen der
Geschwindigkeit, mit der sie ausgeführt wird, noch immer nicht genauer studirt
wurde und darum nothwendiger Weise beständig die alten Beobachtungen eitirt
werden, ist bekannt. Aber auch die Bildung der Spermatophore dürfte inner-
halb weniger Stunden stattfinden und ebenso die Bildung der Eiertrauben in
kurzer Zeit erfolgen; und zwar konnte ich feststellen, dass ein späteres Nach-
füllen der letzteren, sowie eine erneuerte Bildung, falls eine losgerissen wird,
niemals (bei Zichomolgus doridicola) stattfindet, selbst wenn noch im Oviduct
genügend Eier vorhanden sein sollten.
Betrachten wir nun die einzelnen Elemente, aus denen die Spermatophore
von Oyelops viridis aufgebaut ist. Das vas deferens (Taf. V, Fig. 6, vd) hat auch
im Genitalsegment die bekannte Zusammensetzung aus Zellen, die sich beim
Füllen des Schlauches mit der umfangreichen Spermatophorenkapsel dehnen
und daher dünn und langestreckt werden, während die Kerne plattgedrückt
erscheinen. Es fiel mir bei ZLichomolgus auf, dass, während bei den Thieren
im V. Cyelopidstadium das vas deferens sich auch im zweiten Abschnitte sehr
gut färbte, im reifen Thiere diese Partien vollkommen ungefärbt blieben, ein
glänzend chitiniges Aussehen besassen und in ihrem Verlaufe daher schwer zu
verfolgen waren. Diese Erscheinung haben wir auf eine Degeneration des Zellen-
belages zurückzuführen und schliessen aus dieser Degeneration, dass einerseits
die Zellen selbst bei dem Aufbau der Spermatophorenhülle thätig waren, anderer-
seits können wir als wahrscheinlich annehmen, dass eine grosse Anzahl von
Spermatophoren kaum erzeugt werden dürfte, da nur an der oberen Grenze der
Spermatophorenanlage eine Verjüngung und Neubildung der Hüllsubstanz und-
damit der Spermatophoren selbst stattfinden kann.
Dieser die Spermatophore einschliessende Sack, also der letzte Abschnitt
des vas deferens, ist auch, wie die Abbildung zeigt, bei Oyelops deutlich zu sehen,
und es fallen uns dabei auf der der Medianlinie und der Ventralseite zugekehrten
Seite die sehr grossen Zellkerne auf (Kd). Ihre Zellen secerniren offenbar
jene mit Hämatoxylin sich schön dunkelblau färbende, auf Schnitten homogen
erscheinende Masse, die in ihrer Ausbreitung sich immer eng dem Ausbreitungs-
bezirk dieser grosskernigen Zellen anschliesst und die Zusammengehörigkeit
beider Gebilde erweist. Wir haben es hier mit jener Wucherung des vas deferens
zu thun, welche frühere Autoren allgemein als „Kittdrüse* bezeichneten und von
der sie wohl mit Recht annahmen, dass sie die Bedeutung habe, das Secret zur
Anheftung der Spermatophore an die weibliche Genitalöffnung zu liefern. Wie
jedoch bereits aus der Abbildung ersichtlich ist, dürfen wir bei Oyelops wenigstens
durchaus nicht von einer Kittdrüse sprechen, da wir nur eine Summe gross-
kerniger, nebeneinander liegender, secernirender Zellen vor uns haben, welche
sich nicht als gesonderte Gebilde abgrenzen. Bei anderen Formen freilich, so
z. B. bei Lichomolgus doridicola, ist jener Theil des vas deferens gewaltig auf-
getrieben und namentlich bei Exemplaren mit kleinen Spermatophoren deutlich
zu sehen. Hier mag der Name „Kittdrüse“ eher seine Berechtigung haben.
Bemerk. üb. d. männl. Geschlechtsorgane von Cyelops viridis u. anderen Copepoden. 249
Die eigentliche Hüllmasse (km) der Samenkörper ist eine fast gar nicht
färbbare, glänzende Substanz, die wir schon als dünneren Wandbeleg im zweiten
Abschnitte des vas deferens fanden und die auch den dünnen Stiel der Spermato-
phore bildet. Wieso es kommt, dass bei dem Ausstossen der Spermatophore der
Stiel immer in einer bestimmten Entfernung von der Spermatophore abreisst, in
welcher Weise der Austritt des Spermatophorenzwillings bei Sabelliphilus Sarsiv
möglich ist und vieles Andere ist uns vorläufig unverständlich.
Was die weiteren Elemente der Spermatophore anlangt, so sagt hierüber
Hartog:
The contents of the spermatophore are of three kinds:
1. A substance in which the spermatozoa are apparently unbedded, which
swells up in water, becoming at the same time richly vacuolated. Ich habe dem
‚beizufügen, dass diese Substanz sich mit Hämatoxylin schwach blau färbt und
infolge der Präparation sich contrahirte und dadurch, wie die Abbildung zeigt,
ein zartes Netzwerk bildet, in dessen Lücken die Samen einzeln lagern, über die
unser Autor unter
2. berichtet: The ordinary spermatozoa, rod-like bodies, sliehtly wavy,
not readily stained, but in water swelling up into disks, which show a refractile
streak, staining in watery logwood dye. Bei COyelops viridis färbte sich der
Samen tief dunkelviolett und war dadurch von den unter 3. angeführten Ele-
menten gut zu unterscheiden. Die Spermatozoen zeigten eine concentrische
Lagerung und waren im Innern im Allgemeinen spärlicher als an der Peripherie,
was beides in der Art der Füllung der Spermatophore seine Erklärung findet.
Sehr interessant sind die Samen von Lichomolgus doridieola (Taf. V,
Fig. 7, 5), die ich in ihrer Entwicklung in Triest zu beobachten Gelegenheit
hatte. Aus den ursprünglich kugeligen unreifen Samenzellen wachsen an zwei
gegenüber liegenden Polen zarte Fäden aus, der eine meist stärker und dicker
als der andere, die mit einander später einen Winkel einschliessen, was dem
Ganzen das Aussehen eines Zirkels gibt. Schon Leydig (12) beschreibt als
Inhalt der „accessorischen Geschlechtsdrüse* fettähnlich glänzende, rundliche
oder spitz ausgezogene Kügelchen, und neuerdings entdeckte sie Della Valle
bei Sabelliphilus Sarsit und sagt darüber: „In quanto allo sperma, noterö come
la forma degli elimenti spermatiei sia quella di due filamenti o flagelli di diversa
lunghezza, uniti insieme per mezzo in un corpiceiulo sferico. Questi filamenti,
caceiati fuori dagli spermatophori per mezzo della pressioni si muovono assai
lentamente“, und scheint sie für reifen Samen anzusehen. Es dürften aber auch
hier wie bei Lichomolgus doridicola diese Gebilde zu langen Fäden auswachsen,
die erst die reifen Samenelemente repräsentiren.
Ganz ähnliche Gebilde fand schon Kölliker (11) bei Chthamalus und
berichtet hierüber: „.... man wird sehen, wie die Samenfäden mit einer
Anschwellung in der Mitte nach zwei Seiten auswachsender Zellen entstehen.“
‘Und in den sehr interessanten Untersuchungen der beiden Ballowitz (1) finden
wir in der letzten Arbeit „Zur Kenntniss der Samenkörper der Arthropoden*
folgende Beschreibung der Samenfäden von Balanus: „In einiger Entfernung
34*
250 Adolf Steuer.
von der vorderen Spitze sitzt dem Faden ein halbmondförmig gebogener, fein-
körniger Körper von eigenthümlich mattem Glanze an. Der Samenfaden zieht
an diesem Körper, mit demselben verbunden, an dessen concavem Rande vor-
über, wie sich sehr genau feststellen lässt. Das Vorkommen dieses Körpers ist
nicht ganz constant, er kann auch fehlen, z. B. bei Lepas anatıfera. . .. .
Wenn man nun aber nach dem Kopfe des Spermatosoms sucht, so ergibt sich
das höchst merkwürdige Resultat, dass ein Kopf als distinetes Gebilde sich weder
an den Spermatozoen von Balanus, noch an denen von Lepas nachweisen lässt.“
Bei der nahen Verwandtschaft der Copepoden und Cirripedien schien mir dieser
kurze Hinweis auf die Aehnliehkeit der Form der Samenfäden in diesen beiden
Thiergruppen nicht überflüssig.
Noch will ich erwähnen, dass ich bei Lichomolgus doridicola constant
kleine, sehr bewegliche Körperchen in den Geschlechtsgängen fand, und zwar
sowohl beim Männchen, als auch in grosser Zahl in der Vulva und in dem un-
paaren Blindsack des Receptaculums beim Weibchen — offenbar Bacterien (b); als
solche sind wohl auch die „sehr feinen Körnchen* anzusprechen, die Wierzejski
(19) im Samenbehälter von Penella varians auffielen; auch die von diesem
Forscher beschriebenen „stäbchenförmigen oder vielmehr spindelförmigen und
rhombischen Elemente“ glaube ich im Genitale von Lichomolgus doridicola
wiedergefunden zu haben (Taf. V, Fig. 7, spe). Beide Elemente sind im Blindsack
des Weibchens zu finden und bilden dort jene dunkle Masse, die in dünneren
Schichten gelb, bei ganz plattgedrückten Präparaten sogar weiss und glänzend
erscheint. An Quetschpräparaten sieht man dann eine fettglänzende, vielfach
zerklüftete Masse, gebildet aus den gequollenen, zusammengebackenen, spindel-
förmigen Körpern, die in ihrem Inneren zahlreiche Vacuolen enthalten. Ich habe
mich vergeblich bemüht, die Entstehung dieser sonderbaren Gebilde aus irgend
einem Theile der Samengänge nachzuweisen und glaube daher, sie ihrem Ur-
sprunge nach auf den Hoden zurückzuführen. Auch Herr Hofrath Claus, dem
ich seinerzeit ein Quetschpräparat demonstrirte, äusserte sich in diesem Sinne.
Zur Beschreibung der Spermatophorenelemente von COyclops viridıs zu-
rückkehrend erübrigt uns noch, den dritten Punkt in der Hartog’schen Arbeit
kurz anzuführen:
3. Rounded bodies, which in water swell up, showing a clear space round
a nucleus, distinetly reticulated (after staining with logwood). In the mature
spermatophore these balls, at first mixed with the spermatozoa, become con-
centrated (by migration?) into a layer lining the wall, and by their swelling
contribute to, if they do not effect, the expulsion of the spermatozoa into the
spermatheca.
Ich konnte diese Körperchen als blassblau gefärbte Kügelchen in der
Spermatophorenanlage und in geringer Zahl auch in der Spermatophore nach-
weisen (Taf. V, Fig. 5, 6, X). Die Deutung dieser Gebilde macht grosse Schwierig-
keiten. Anfangs glaubte ich sie mit den sogenannten Ersatzzellen der Hoden
in Verbindung bringen zu können. (Auch die früher erwähnten rhombischen,
vacuolenhältigen Körperchen von Lichomolgus würden dann vielleicht hieher zu
a a Dt ri
Bemerk. üb. d. männl. Geschlechtsorgane von Oyelops viridis u. anderen Copepoden. 251
zählen sein.) Ferner dachte ich auch an ihren muthmasslichen Zusammenhang
mit den Zellkernen der „Schlinge“ (Hartog); allein diese und auch die Hoden-
elemente färben sich intensiver und es scheint mir auch das Lumen der Schlinge
bei Oyelops viridis viel zu klein, als dass es diesen Gebilden freien Durchlass
gestatten würde. Da schliesslich die Wandung des unteren Theiles des vas
deferens schon von der Spermatophorenhülle belegt ist, so bliebe nur das kurze,
darüber gelegene Stück als Ursprungsstätte dieser Kügelchen übrig.
Ein sehr beachtenswerthes Gebilde in der Spermatophore ist endlich eine,
mit Hämatoxylin sich tief dunkelblau färbende, grosse Kugel an der cranialen
Mündungsstelle derselben (Taf. V, Fig. 6, spp). Das infolge gleicher Färbbarkeit
ähnliche Aussehen und die Nähe verleiteten mich, diese Secretkugel mit dem
früher besprochenen Secret der „Kittdrüse“ in Verbindung zu bringen; indessen
war es mir nicht möglich, eine Verbindung zwischen ihnen aufzufinden. Die
Verschiedenheit in der Färbung macht eine Identification mit der unter 1. an-
gegebenen Masse unmöglich, denn wenn wir auch die intensive Färbung auf den
vermehrten Druck dieses zuletzt eintretenden Secretes zurückführen wollten, so
bliebe doch die Thatsache zu bedenken, dass beide Massen ziemlich unvermittelt
in einander übergehen und namentlich am lebenden Thier schon durch den
Glanz des „Spermatophorenpfropfens“ deutlich von einander geschieden sind.
Sollte nieht vielleicht ein Zusammenhang mit den schon früher beschriebenen
(Taf. V, Fig. 5, 6, K) blassen Kügelchen bestehen? In diesem Falle würde nur
noch klarzulegen sein, warum nach Füllung der Spermatophore mit Samen
gerade dann diese Kügelchen in so dichten Massen nachrücken und unter
einander verbackend (durch Druck?) diese Kugel bilden.
Ueberdies ist ein solcher Verschluss durch diesen Spermatophorenpfropf,
wie wir ihn nennen wollen, durchaus keine seltene Erscheinung, wenngleich die
Beschreibungen der Autoren nicht immer mit den von ihnen gegebenen Zeich-
nungen in Einklang stehen, was indessen darin seinen Grund haben kann, weil
die meisten Untersucher auf die feinere Untersuchung der Spermatophore zumeist
wenig Sorgfalt verwendeten und nicht immer lebendes Material untersuchten.
Hartog deutet auf seiner diesbezüglichen Abbildung den Spermatophorenpfropf
nur flüchtig an und Della Valle nennt diese oberste Partie der Spermatophore
Sperma, die caudalwärts liegenden Theile: materia glutinosa und materia di
espulsione. Ich hatte, wie schon erwähnt, leider nur ein Männchen von Sabelli-
philus (es dürfte wohl die Species Sarsii gewesen sein) zu untersuchen Gelegen-
heit, doch schien mir die Spermatophore in Vielem von der von Della Valle
gegebenen Abbildung verschieden zu sein. In dem von Della Valle mit sp
(Sperma) bezeichneten Theil sah ich mehrere grosse Kugeln, während das
Sperma, wie mir scheint, eine excentrische Lage hatte. Die Existenz einer
„materia di espulsione“, der sogenannte Austreibestoff älterer Autoren, ist wohl
noch bei vielen Formen wenigstens in seiner Function ein sehr fragliches Ding.
Wenn meine Deutung, die ich allerdings nur mit grösster Vorsicht aufzunehmen
bitte, richtig sein sollte, dann würde der Spermapfropf bei Sabelliphilus Sarsii
ein ursprünglicheres Stadium vorstellen, in dem die einzelnen Elemente des
252 Adolf Steuer.
Pfropfes noch in Form einiger Kugeln gesondert sind, die erst bei anderen Copepoden
(Cyelops 2. B.) zu einer homogenen Masse verschmelzen. Della Valle’s Zeiehnung
macht den Eindruck, als wäre sie nicht nach einem lebenden Thiere angefertigt.
Auch die Zeichnung von Voigt (17) zeigt einen ähnlichen Pfropf und im
Text heisst es: „Von den drei Bestandtheilen des Inhalts der Spermatophoren
waren Samenmasse und Kittstoff infolge der mangelhaften Conservirung nicht
mehr zu unterscheiden, sondern bildeten zusammen eine 006mm lange und
0:03 mm breite, scharf contourirte, birnförmige Masse. Der hintere Theil der
Spermatophore ist mit dem Austreibestoff erfüllt, welcher den birnförmigen
Körper bis zur Hälfte umhüllt.“ Sollte hier nicht auch der Austreibestoff that-
sächlich der Samen sein?
Volle Klärung dürften erst sorgfältige Beobachtungen der Thiere im letzten
Häutungsstadium bringen. Wegen der ungünstigen Witterungsverhältnisse konnte
ich nur zweimal, am Anfang dieser Untersuchungen (Herbst 1895) und in den
ersten warmen Tagen des heurigen Frühjahres an zwei Thieren die Anfangs-
stadien der Spermatophorenbildung verfolgen. Es ergoss sich in den schon früher
ausführlich beschriebenen letzten Abschnitt des vas deferens (Taf. V, Fig. 8, vd),
der an der medianen, ventralen Seite noch kaum eine Andeutung der „Kittdrüse*
erkennen liess, ein gelblicher, intensiv glänzender Tropfen, der den Schlauch zur
Hälfte ausfüllte und durch seinen Glanz die Contouren des Schlauches so in
Schatten stellte, dass ich anfangs eine Schrumpfung des ganzen Theiles annahm
und bei dem ersten, im Herbst untersuchten Thiere das Gebilde für eine un-
vollkommene, verkümmerte Spermatophore hielt.
Dieser dicke, glänzende Tropfen ist ohne Zweifel das Material zur Um-
hüllungsmasse der Spermatophore, die offenbar bald in ihren äusseren Schichten
zu erhärten beginnt. Leider verendete das Thier, bevor die Entwicklung der
Spermatophore weiter vorgeschritten war, und ich konnte nur bemerken, wie in
einen der zwei Tropfen ein noch mehr glänzendes Secret sich in Form von
Wolken eindrängte, und darin befanden sich vermuthlich auch Samenmassen.
Es wird also anscheinend der erste, anfangs compacte, dicke Tropfen der Um-
hüllungsmasse durch die nachrückenden Samenmassen aufgebläht, bis der Er-
weiterung desselben an der Wand des Schlauches ein wirksamer Widerstand ent-
gegengestellt wird. Dadurch verwandelt sich der anfangs solide Tropfen in die
dickwandige Schale der Spermatophore, die nun den Samen und die Zwischen-
substanz enthält.
Literatur.
1. Ballowitz K. J. Zur Kenntniss der Samenkörper der Arthropoden. Intern.
Monatsschr. für Anat., 11. Bd.
2. Claus, Dr. ©. Die freilebenden Copepoden, 1863.
3. — Beiträge zur Kenntniss der Schmarotzerkrebse, 1864.
4. — Ueber Sabelliphilus sarsii und das Männchen desselben. Zeitschr. für
wiss. Zoologie, 26. Bd., 1876.
Bemerk. üb. d. männl. Geschlechtsorgane von Oyelops viridis u. anderen Copepoden. 253
‚ Claus, Dr. ©. Halbparasitische Copepoden. Arbeiten aus dem zool. Inst.
der Univ. Wien, 8. Bd. "
. Gruber Aug. Ueber zwei Süsswasser-Calaniden. Leipzig, 1878.
— Beiträge zur Kenntniss der Generationsorgane der freilebenden Cope-
poden. Zeitschr. für wiss. Zoologie, 32. Bd.
. Hartmann Rob. Beiträge zur anatomischen Kenntniss der Schmarotzer-
krebse. Arch. f. Anatomie und Physiologie, Jahrg. 1870.
. Hartog M.M. The Morphology of Cyelops and the Relations of the Cope-
poda. Trans. of the Linn. Soc., Part. 1, July 1888.
. Ishikawa C. Spermatogenesis, Oogenesis and Fertilization in Diaptomus.
Journ. R. Mier. Soc. London, 1892.
. Kölliker A. Beiträge zur Kenntniss der Geschlechtsverhältnisse und der
Samenflüssigkeit wirbelloser Thiere. Berlin, 1841.
. Leydig Fr. Zoologische Notizen. 1. Neuer Schmarotzerkrebs. Zeitschr. für
wiss. Zoologie, 4. Bd., 1853.
. Romanes G. J. Physiological Selection. Journ. of the Linn. Soe., Vol. XIX,
p. 337.
. Schmeil ©. Deutschlands freilebende Süsswasser-Copepoden. I. Th. Biblioth.
zoologica, 1892.
. Steuer Ad. Sapphirinen des Mittelmeeres und der Adria. Denkschr. der
kais. Akad. der Wissensch. in Wien, Bd. LXII.
. Valle, A. Della. Sui Coriceidi parassiti, e sull’ anat. del gen. Lichomolgus.
Mitth. Neapel, II. Bd., 1880.
. Voigt W. Synapticola teres. Zeitschr. für wiss. Zoologie, 53. Bd.. Suppl. 1892.
. Vosseler J. Freilebende Copepoden. Württembergische Jahreshefte des
Vereins für vaterl. Naturkunde, Jahrg. 42, 1886.
. WierzejskiA. Ueber Schmarotzerkrebse von Cephalopoden. Zeitschr. für
wiss. Zoologie, 29. Bd.
Erklärung der Abbildungen.
BatelnV:
Fig. 1. Lichomolgus sepicola Cls., &', V. Jugendstadium. sa jene Stelle des
vas deferens, die sich später zur „Spermatophorenanlage* erweitert.
t Hoden. Vergr. Oe. 4, Obj. 4b Reichert.
2. Cwyelops viridis. Theil des Hodens (t) mit der „Schlinge“. Vergr. Oe. 4,
Obj. 7 a Reich.
3. Cyelops viridis. Querschnitt durch die „Schlinge“; in jedem der zwei
Lumina je zwei dunkelgefärbte Samen. Vergr. Oc. 4 Reich., Obj. 8
Hartn.
4. Cyelops viridis, V. Jugendstadium. Hoden mit vas deferens; bei x
Bildungsstelle der „Schlinge“. Vergr. Oc. 4, Obj. 7a Reich.
254 Adolf Steuer. Bemerk. üb. d. männl. Geschlechtsorgane von Oyelops viridis etc.
Fig. 5. Cyelops viridis. Schnitt durch den unteren Theil des vas deferens über
der reifen Spermatophore. vd vas deferens. hm Umhüllungsmasse der
Spermatophore. 5 Grundsubstanz, in der der Samen (sp) eingebettet
ist. K blasse Kügelchen. Vergr. Oc. 4 Reich., Obj. 8 Hartn.
„ 6. Cyelops viridis. Längsschnitt durch die Spermatophore. vd, hm, s, sp,
K wie bei Fig. 5. Spp „Spermatophorenpfropf“. Kd die sogenannte
„Kittdrüse“ mit dem ihr anliegenden, dunkelgefärbten Seeret. Vergr.
Oc. 4 Reich., Obj. 8 Hartn.
Lichomolgus doridicola. Zupfer im Süsswasser, daher etwas gequollen.
Elemente aus den Geschlechtsgängen. b Bacterien, spe spindelförmige,
vacuolenhältige Körperchen, $ Samen. Vergr. Oc. 4 Reich., Obj. 8
Hartn.
„ 8. Cyelops viridis, S', V. Jugendstadium. Genitalsegment. vd vas deferens.
Vergr. Oe. 4, Obj. 7a Reich.
m
Pr l.
Sämmtliche Figuren wurden mit dem Abbe’schen Zeichenapparat ent-
worfen. Die Cyelopiden wurden in Pierinsäure-Sublimat gehärtet und mit Gre-
nacher’s Hämatoxylin gefärbt.
Polydesmus spelaeorum n. sp. aus dem Banate.
Von
Dr. phil. Carl Verhoeff
in Bonn am Rhein.
(Mit 3 Figuren im Texte.)
(Eingelaufen am 1. Juni 1896.)
Wenige Minuten von Herkulesbad (im Banate) entfernt befindet sich
eine geräumige Höhle mit grossem, theilweise hellem Vorraume und einem eirca
50 m langen, grösstentheils finsteren Nebengang von theilweise bedeutender Höhe.
Sie ist am Orte allgemein als „Räuberhöhle“ bekannt. Ihr Boden ist grössten-
theils mit feinem Humuslehm bedeckt, auf welchem sich hie und da Steintrümmer
und spärlich auch vegetabilische Reste finden. Ich besuchte sie Anfangs September
1895 mehrmals und fand den Grund nur an wenigen Stellen feucht. Ueberaus
reichlich vertreten ist hier der für das Banat charakteristische, grosse Isopode
Porcellio trilobatus Stein, von welchem ich ausserhalb der Höhlen nur zweimal
ein vereinzeltes Stück unweit des Cerna-Flüsschens auffand, Reste auch in der
kleinen, aber trockenen „Schwitzhöhle*.
Erst beim zweiten und dritten Besuche gelang es mir, in der „Räuber-
höhle* Diplopoden aufzufinden, wobei die ausgelegten Rindenplatten keinen
nennenswerthen Erfolg hatten. Ich entdeckte zwei Exemplare eines Julus aus der
— u a un
Polydesmus spelaeorum n. sp. aus dem Banate. 255
Untergattung Typhloiulus Latz., über welche ich später berichten zu können hoffe,
und fünf Exemplare eines Polydesmus der Entwicklungsstufe Pullus VII, 2 Z
und 3 @. Diese überstanden glücklich die Erschütterungen einer langen Reise,
Ich hielt sie daheim in einer Blechschachtel in einem kühlen Zimmer und
gab ihnen auf feuchtem Sande Moos und morsches Holz. Bis zum April 1896
blieben alle diese Thierchen im obigen Stadium. Mitte Mai muss sich das erste
Q entwickelt haben. Am 20. Mai 1896 fand ich abermals 1 ZJ und 1Q ent-
wickelt, aber sie waren noch weich und lagen spiralig eingerollt in einem Käm-
merchen unter einem Holzstück. (Bekanntlich verfertigen diese Thiere kein
Häutungsgespinnst.) Von den zugehörigen Exuvien war nichts zu finden.
Am 29. Mai copulirte das g' bereits mit einem der @ und dauerte die
Copula über einen Tag lang. Noch jetzt (Ende Mai) befinden sich 1 J und1Q
im Stadium Pullus VII. Da ich nun mehrere Individuen neun Monate während
dieses Stadiums beobachtet habe, so ist es wahrscheinlich, dass diese Thiere
durchschnittlich ein ganzes Jahr im Entwicklungsstadium Pullus VII
mit 19 Rumpfsegmenten verharren. Das gibt schon einen gewissen Ein-
blick in die Lebensdauer. Das reife 5 lehrte, dass diese Art neu ist.
Polydesmus spelaeorum wmihi.
Länge des @ 1733 mm, des ' 18°5 mm, Breite 2'5 mm.
Körper graubraun, ziemlich matt, gegen das Vorder- und Hinterende etwas
ins Röthlichbraune übergehend. Sieht habituell dem Polydesmus illyrieus Verh.
sehr ähnlich, ist aber schlanker.
P. spelaeorum. | P. illyrieus.
Collum mit drei Reihen deutlicher | Collum mitdrei Reihen sehr schwacher
Börstchen. Börstchen.
Die Höcker der Rückenplatte des | Diese Höcker sind entschieden flach.
2.—6. Rumpfsegmentes treten be-
sonders in der dritten Felderreihe
deutlich nach oben vor. |
Alles Uebrige in der Segmentgestaltung wie bei ellyrieus, ausgenommen
dass die Aufbiegung der Seitenflügel der vorderen Rumpfsegmente fehlt.
Die Copulationsorgane (Fig. 1 und 2) entbehren eines Innenastes.
Der Aussenast ist recht gedrungen, fast keulenförmig. An seinem Ende tritt
nach innen ein zugespitzter Lappen (a) vor, der vor seiner Spitze noch ein Neben-
spitzchen aufweist. Ein kräftiger Stachel (5) sitzt proximalwärts von jenem Lappen
und ist gerade nach der Basis gerichtet. Zwischen beiden ragt eine kleine Zacke
(ec) vor. Neben ce befindet sich noch ein zweiter kleiner Zahn, der in Fig. 1 durch-
schimmert. Der Zahn b verdeckt in der Ansicht von hinten die Basis des kräftigen
Polsters (po). Proximalwärts von demselben ragt noch ein blasser Höcker (d) vor.
Z.B. Ges. Bd. XLVI. 35
256 Carl Verhoeff.
Fig. 3.
Fig. 1.
Gegen den stark beborsteten Femoralabschnitt ist der Tibialabsehnitt durch eine
tiefe Bucht abgesetzt. Auffallend scharf ist der Femoraltheil gegen den Coxal-
theil (co) abgesetzt. Letzterer trägt nur aussen einige kräftige Tastborsten. Der
Samengang (sr) ist sehr deutlich ausgebildet und erweitert sich basalwärts zu
einer trichterartigen Grube («, $). Die Ränder derselben sind wimperartig mit
feinen Tastborsten besetzt. Das stark gebogene Hüfthörnchen (R) (in Fig. 2 dar-
gestellt wie es mit seinem Ende den Samengang zustopft) muss sehr elastisch
sein, da es sonst zur Einführung in die Samenrinne ungeeignet wäre. Man er-
kennt, dass bei y die zweite, stärkere Krümmung liegt. (Das der Zeichnung zu
Grunde gelegene 5' wurde kurz nach der Copula getödtet.)
Ich bemerkte drei besonders kräftige Tracheen (tr) innerhalb des Copu-
lationsfusses, welche denselben fast der ganzen Länge nach durchziehen, wobei
nirgends eine Dichotomirung stattfindet,
ia sr 2 2
Polydesmus spelaeorum n. sp. aus dem Banate. 257
Die Laufbeine des Z' sind im Vergleich zu denen des 9 vergrössert
und verdickt, letzteres nicht besonders stark. Das dritte Tarsalglied, welches fast
!/,mal länger ist als das erste und zweite zusammen, ist leicht bogenförmig ge-
krümmt. An der Concavseite aller drei Tarsenglieder (cf. Fig. 3) befinden sich
drei Reihen warzenartiger, vorstehender Knötchen, welche auch je eine Tastborste
tragen. Da letztere das Anklammern der Tarsen an die Seiten des @ bei der
Copula hindern würden, wenn sie gerade abständen, so sind sie distalwärts auf
die Seite der Knötchen gerückt und stehen nun ungefähr parallel zur Tarsen-
seitenfläche. Auch in den Beinen sah ich die Tracheen unverzweigt durch
alle Glieder ziehen bis fast zu der langen und spitzen Endkralle.
Aufenthaltsort. In der genannten „Räuberhöhle“ fand ich die besagten
fünf Entwicklungsformen theils in völliger Finsterniss, theils in der Dämmerzone
unter Steinen und vegetabilischen Resten auf feinem Lehmuntergrund.
%* *
*
Anmerkung 1. Die beschriebenen Höcker an den männlichen Tarsen
möge man mit den Sohlenhaaren der Tarsen bei Coleopteren und anderen Insecten
vergleichen. Sie lassen sich als einfache Vorstufe zu vielen dort vorkommenden
Bildungen auffassen.
Anmerkung 2. Der vorliegenden Art kommt Polydesmus bamaticus Dad.
(aus Orsova bekannt) am nächsten. Derselbe wurde aber nicht in einer Höhle
gefunden. Die Copulationsfüsse (Taf. II, Fig. 8 und 9 der „Myriapoda regni
hungariei* Daday’s) weichen ab durch den Besitz eines kleinen Innenastes, um-
gebogenen Endzahn und andere sonstige Bezahnung.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Linker Copulationsfuss, von hinten gesehen. Die Tastborsten des Femoral-
abschnittes sind grösstentheils fortgelassen. & Einschnürungsstelle
zwischen Coxal- und Femoralabschnitt.
„ 2. Stück des rechten Copulationsfusses, von vorne gesehen. Das Hüft-
hörnchen (Rh) hat sein elastisches, umgebogenes Ende in den trichter-
artig erweiterten Grund des Samenganges (sr) eingeführt; « und ß
die beborsteten Ränder der basalen, trichterartigen Oeffnung.
»„. 3. Theil der concaven Fläche des mittleren Tarsengliedes eines der Beine
vom Hintersegmente des siebenten Rumpfdoppelringes des g', mit
Haftwärzchen.
3b*
258 Referate.
Referate.
Marchand L. Enumeration möthodique et raisonnde des familles et
des genres de la classe des Mycophytes (Champignons et Lichens).
Paris, Soeiete d’editions scientifiques, 1896. 8°. XVI+334 8. 166 Fig.
Vorliegendes Werk bringt eine systematische Uebersicht der Familien und
Gattungen der Pilze und Flechten und bildet eine weitere Ausgestaltung der
früheren Arbeiten des Verfassers, welcher im Bull. Soc. Mye. France, Tome X,
1894, eine „Synopsis des familles qui composent la classe des Mycophytes“, sowie
ein „Tableau synoptique“ publieirt hat.
Verfasser theilt die Classe der Mycophyten in zwei Subelassen: Myco-
mycophyten (Pilze) und Mycophycophyten (Lichenen).
Die weitere Eintheilung zeigt folgendes Schema:
[ A N | Asporomyees aconidies.
sporomyces « 2
Asporomyees conidies . j a
\ Clinidomyestales.
Endomyxes.
Myxornyeetes’ er... H Eetomyxes.
ee J Endoconidiferes.
Mycomycophytes a \ Eetoconidiferes.
Sporomyees Haplotheees.
Thecamyettes ..... Endotheees.
Ectotheees.
Haplobasides.
Basidiomyeetes. ...... Endobasides.
| Ectobasides.
Die Asporomyceten Marchand's entsprechen den Fungi imperfecti der
meisten Autoren, während die Sporomyceten die anderen Gruppen umfassen.
Die weitere Eintheilung derselben geschieht in vier Gesellschaften (alliances),
Ordnungen, Familien und, wo es nöthig ist, in Tribus und Subtribus.
Die Gesellschaften werden je nach der Art der Reproductionsorgane unter-
getheilt und hiebei die Vorsilben endo .. ., ecto.... und haplo ... ., letztere
für solche Ordnungen gebraucht, welche zwischen den beiden anderen stehen.
Die Systematik der Lichenen ist folgende:
Basidiolichens.
f Endothalamies.
\ Eetothalamies.
homoeomeres.
Mycophycophytes heteromeres
| Theealichens |
Die Charaktere werden bis zu den Subtriben angeführt, während die
Genera nur nominell angeführt sind.
Morphologische, anatomische und biologische Daten sind am Beginne der
Capitel der beiden grossen Gruppen gegeben, wie auch eine Aufzählung der
Referate. 259
fossilen Myeophytengenera anhangsweise folgt. Das Werk ist mit 166 Holz-
schnitten, grösstentheils Copien, ausgestattet.
Fünf Indices sind dem Werke, welches für jeden Mycologen, der sich mit
der allgemeinen Systematik dieser grossen Pflanzengruppe eingehender beschäftigt,
von Interesse ist, beigegeben. J. Brunnthaler.
Campbell Douglas Houghton. The structure and development of the
mosses and ferns (Archegoniatae). London, Macmillan & Co., 1895.
8°. VIII+544 8.
Das vorliegende Werk behandelt die Morphologie und Entwicklungsgeschichte
der unter dem Namen Archegoniaten zusammengefassten Kryptogamen und muss
als Zusammenfassung der so sehr zerstreuten Literatur über diesen Gegenstand
freudig begrüsst werden.
; Verfasser bringt nach einer allgemeinen Einleitung die Entwicklungs-
geschichte und Morphologie der Lebermoose auf ungefähr 150 Seiten zur Dar-
stellung. Den eigentlichen Moosen sind eirca 70 Seiten gewidmet, während die
grosse Gruppe der Pteridophyten fast 300 Seiten umfasst.
Auf eine genauere Inhaltsangabe muss in Hinsicht auf die Schwierigkeit und
den Umfang des Stoffes hier verzichtet werden; nur die Schlüsse, welche Verfasser
über die Genesis der Archegoniaten zieht, seien kurz in Folgendem angeführt:
Die Abstammung von anderen Kryptogamengruppen ist unsicher. Am
wahrscheinlichsten ist die Abstammung von einer, mit der Algengattung Coleo-
chaete verwandten Gattung.
Als Stammpflanzen der Archegoniaten sieht Campbell die niedersten
Lebermoose an und unterscheidet drei Stämme derselben; Jungermanniaceae,
Marchantiaceae und Anthoceroteae. Die beiden ersteren bleiben ohne weitere Fort-
bildung, während von den Anthoceroteae einerseits ein Seitenast, die Sphagnaceae,
abgeht, welcher als Fortbildung die Bryineae trägt.
Andererseits spaltet sich die direete Entwicklung der Anthoceroteae in drei
Gruppen:
1. Die Equisetinae, ohne weitere Entwicklung.
2. Die Lycopodiaceae-Selaginelleae mit dem Seitenast der Psilotaceae;
diese Reihe führt in ihrer weiteren Entwicklung zu den Gymnospermen.
3. Die Filicineae (Husporangiatae) mit zwei Seitenästen: den „Lepto-
sporangiatae mit den Marsiliaceae und Salviniaceae und den Isoetaceae, welche
zur zweiten grossen Phanerogamengruppe, zu den Angiospermen, führt.
Das Werk ist mit 266 Figuren, theils Copien, theils Original, illustrirt
und bringt am Schlusse eine Bibliographie der Archegoniaten. Allen, die sich
mit dem Studium der Archegoniaten beschäftigen, sei das Werk aufs Beste
empfohlen. J. Brunnthaler.
Woloszezak, Dr. Eustach. Flora polonica exsiccata. Centuria V. Leo-
poli, 1895.
Gründe, deren Erörterung nicht hieher gehört, bringen es mit sich, dass
von nun ab Prof. Woloszezak der alleinige Herausgeber dieses Exsiecatenwerkes
260 Referate.
ist. Dasselbe enthält nachfolgende, vom localen und allgemeinen Standpunkte
interessante Pflanzen: Pulsatilla Wolfgangiana Bess., Ranunculus arvensis L.
var. echinatus (Crantz), Cimicifuga foetida L., Roripa armoracioides Celak.,
Draba alba Gilib., Gypsophila fastigiata L., Trifolium spadiceum L., Spiraea
saleifolia L., Onagra muricata — Oenothera muricata Murr. in Comment.
Gotting., VI, p. 24, Tab. 1 (17457), Sedum Carpaticum Reuss. — Sedum Fabaria
Auct. Gal. (et Hung.), non Koch, nec Vilm., Senecio hypoleucus = S. paludosus
y. hypoleucus Led. — 5. tomentosus Host, nec alior (Clairv., ©. B. Clarke, Mehx.,
Rohde, Salisb.), Solidago serotina Ait., Erigeron acer L. var. Podolicus (Bess.)
f. arcuatus Ullep., Crepis tectorum var. segetalis Roth, Scorzonera rosea W. K.,
Campanula patula L. B. westocaulon G. Beck, Gentiana Tatrae Borb., Melam-
pyrum sawosum Baumg., Tozzia Carpatica W oloszez., Ajuga Chamaepitys Schreb.,
ß. grandiflora Vis. = A. Uhia Auct. Ross. austro-oceid., non Schreb., Huphorbia
Peplus L., Iris pumila L., Luzula pallescens Bess., Melica altissima L. und
Glyceria plicata Fr. J. A. Knapp.
Erzepiki, Dr. Boleslaw. Dra. Wojciecha Adamskiego Materyaly do
flory W. Ks. Poznanskiego (Dr. Adalbert Adamski’s Materialien zur
Flora des Grossfürstenthums Posen). Poznan (Posen), F. Chocieszynski, 1896.
8°. 58 S., mit Porträt.
Prof. Ascherson hat wiederholt Anlass genommen, Georg Ritschl, weil
Albert Pampuch’s „Flora Tremesensis“ ein blosses Pflanzenonomastikon ist, als
Vater der Floristik in Posen zu feiern, doch kommen immerhin noch zwei
Autoren, wovon der eine durch ein Missverständniss hieher verschlagen worden,
während der andere schon wegen der Tragik seines Daseins Würdigung verdient,
in Betracht. Seit Peter des Grossen Zeiten, beziehungsweise seit der Be-
gründung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, wurde
eine solche Fülle von Details über Russland zu Tage gefördert, dass Johann
Gottlieb Georgi gegen die Wende des XVIII. Jahrhunderts es für geboten hielt,
dieselben zu sammeln und in seiner „Geographisch-physikalischen Beschreibung
des russischen Reiches, zur Uebersicht bisheriger Kenntnisse von demselben“ (Königs-
berg, 1797—1801) vorzuführen. Dem Abschnitte „Pflanzenarten des russischen
Reiches nach der Folge der 24 Classen des Pflanzensystems des Ritters v. Linne*
werden die benützten Quellen vorangeschickt, und figurirt unter diesen Stephan
Lumnitzer’s „Flora Posoniensis exhibens plantas circa Posonium erescentes
secundum systema Linnaeanum digestas“, Lipsiae, Crusius, 1791, VIII, 557 p.,
1 Tab., von welcher er irrthümlich voraussetzte, dass dieselbe die Flora von Posen
(Posnania) behandle, wo doch Pressburg (Posonium) in Ungarn gemeint war, und
weil nach ihm Posen unter demselben Breitegrade liegt wie Lithauen, so glaubte -
er die im genannten Werke erwähnten Pflanzen dieser Provinz einverleiben zu
dürfen, was Stanislaus Batys Görski, dem Bearbeiter der auf die Flora von
Lithauen bezüglichen Angaben in Eichwald’s „Naturhistorischer Skizze von
Lithauen, Volhynien und Podolien in geognostisch-mineralogischer, botanischer
und zoologischer Hinsicht“, Ruprecht, Ledebour, Trautvetter und Herder
Referate. 2 61
entgangen. Selbst Schmalhausen hatte keine Ahnung von dem doppelten Ver-
stosse Georgi ’s und rieth darum, dessen Angaben zu streichen (vgl. Dr. Ed. Leh-
mann's „Flora von Polnisch-Livland*). Maximilian Joseph Adalbert Andreas
Anton Adamski, dies der zweite, richtiger der erste in Betracht kommende
posnische Florist, wurde am 21. November 1796 in Posen geboren, besuchte die
Universitäten in Wien und Breslau, wurde in letzterer Stadt am 9. December
1825 zum Doctor der Mediein promovirt und veröffentlichte aus diesem Anlasse
seine „Dissertatio in auguralis sistens prodromum historiae rei herbariae in Po-
lonia a suis initiis usque ad nostra tempora“, welche trotz der ihr innewohnenden
Mängel unerreicht dasteht, was in der Aversion der polnischen Botaniker gegen
derartige Studien einen Grund hat, und so kommt es, dass die botanische Lite-
ratur der Polen eine förmliche terra incognita ist. Adamski versprach, der da-
maligen Gepflogenheit gemäss, auf dieses Thema später ausführlicher zurückzu-
kommen, doch wissen wir nicht, weil dessen handschriftlicher Nachlass verloren
gegangen, inwieferne dies erfolgt ist. Als praktischer Arzt in der Bezirksstadt
Koscian thätig, durchwanderte er Posen und lieferte in der „Gazeta W. Ks. Poz-
nanskiego“ (Zeitung des Grossfürstenthums Posen) ein Kalendarium der dortigen
Flora, welches sich über das Vorkommen der Pflanzen, deren Vulgärnamen,
worunter mehrere in allen polnischen Wörterbüchern fehlen, Verwendung in der
Pharmaeie, Industrie, im Haushalte, deren Rolle im Volksaberglauben und in der
Sage mitunter ausführlich verbreitet. Dr. Ludwig Gasiorowski, der berühmte
medicinisch-naturwissenschaftliche Biograph und Literaturhistoriker, fand ihn noch
Ende der Dreissigerjahre, wiewohl bereits leidend, mit der Abfassung einer Flora
von Posen beschäftigt. Diese vielseitige Thätigkeit untergrub seine ohnehin vom
Hause aus schwache Gesundheit, wofür das frühe Ableben seines Vaters und seine
spät erfolgte Promotion sprechen, zerrüttete seinen Geist, er verfiel in Wahnsinn
und starb in einer Anstalt nächst Posen am 8. Februar 1841. Diese in der ge-
nannten Zeitung erschienene und geradezu unbekannt gebliebene Artikelserie hat
nun der Herausgeber liebevoll gesammelt, eine Biographie Adamski's voran-
geschickt, den Text mit kritischen Bemerkungen versehen und im Anhange je ein
Register der darin erwähnten lateinischen, deutschen und polnischen Vulgärnamen
— unter Ersichtliehmachung der unbekannt gebliebenen durch ein vorangesetztes
Sternehen —, sowie der Oertlichkeiten, welche von Pflanzenverzeichnissen begleitet
sind, gegeben. Das Porträt, nach einer Daguerrotypie angefertigt, stellt Adamski’s
einnehmende Züge dar. „Ex fragmentis recognosces!* muss man beim Anblicke
dieses Torsos ausrufen. Bei einer längeren Lebensdauer hätte Adamski noch
recht Erspriessliches leisten können, doch muss zugegeben werden, dass er nicht
ganz auf der Höhe der seinerzeitigen Floristik stand.
Wir sind dem Herausgeber für diesen hochherzigen Act der Pietät sehr
dankbar und können ihm dieses, namentlich in Polen so brach liegende Feld
der Bethätigung nicht genug warm ans Herz legen.
Das Büchlein verräth, dem Anlasse entsprechend, ein geradezu feierliches
Gepräge, J. A. Knapp.
262 Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek.
Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek.
Albert, Prinee de Monaco. Sur la deuxieme campagne scientifique de la
„Princesse Alice“. Sep.-Abdr., Institut de France, Comptes rendus,
Tom. CXXI. 4°. 48. Vom Verfasser.
Fischer E. Zur experimentellen Erzeugung abnormer Falterformen. Sep.-Abdr.
aus Entom. Zeitschr., 1896. gr.-4°. 28. Vom Verfasser.
Wiesbaur J. Nowack’s Wetterpflanze: Abrus precatorius L. nobilis. Sep.-
Abdr. aus „Natur und Offenbarung“, 1895. 8°. 188. Vom Verfasser.
Ortmann Arnold. Grundzüge der marinen Thiergeographie. Jena, Gustav
Fischer, 1896. gr.-8°. Vom Verfasser.
Buchenau Franz. Flora von Bremen. Bremen, M. Heinsius, 1885. 8°. V+3218.
Vom Verfasser.
Weidmann A. Prodromus &eskych mechü listnatych. Prag, A. Wiesner, 1895.
8°. I XII-+178 S., 17 Taf.; II. S. 179—349, 21 Taf. Vom Verfasser.
Melichar L. Cicadinen (Hemiptera-Homoptera) von Mitteleuropa. Berlin,
Felix L. Dames, 1896. 8°. XXVII-+ 364 S., 12 Taf. Vom Verfasser.
Wotoszezak E. Z granicy flory zachodnio- i wschodnio-Karpackiej. Sep.-Abdr.,
Sprawozd. Komis. fizyoj. Akad. Kraköwie, Tom. XXXI, 1895. 8°. 418.
Vom Verfasser.
Campbell D. H. The structure and development of the Mosses and Ferns.
London, 1895. 8°. VIII+ 544 8. Vom Verfasser.
Standfuss M. Handbuch der paläarktischen Gross-Schmetterlinge für Forscher
und Sammler. Zweite, gänzlich umgearbeitete und durch Studien zur
Descendenztheorie erweiterte Auflage des „Handbuches für Sammler der
europäischen Gross-Schmetterlinge“. Jena, G. Fischer, 1896. 8°. XI+
392 S., 8 eol. Taf. Vom Verfasser.
Daday, E.v. Oypridicola parasitica nov. gen. 'nov. sp. Ein neues Räderthier.
Sep.-Abdr. aus „Termeszetrajzi Füzetek“. Budapest, 1893. 8°. 32 8., 1 Taf.
Madaräsz, J.v. Erläuterungen zu der aus Anlass des II. internationalen Orni-
thologen-Congresses zu Budapest veranstalteten Ausstellung der ungarischen
Vogelfauna. Budapest, 1891. 8°. 122 8.
Hegyfoki J. Ueber die Windrichtung in den Ländern der ungarischen Krone,
nebst einem Anhang über Barometerstand und Regen. Budapest, 1894.
4°. 1738. 5 Karten.
Filarszky F. A Charafelek (Oharaceae L., Cl. Richard) Különös tekintettel a
magyarorszägi fajokra. Budapest, 1893. 4°. 129 S., 5 Taf.
Sämmtlich von der m. k. termeszettud. tärsulat in Budapest.
Ellis J.B. and Everhart B. M. New Fungi, mostly Uredineae and Ustilagineae
from various Localities and a new Form from Alaska. Sep.-Abdr. 1895. 8°.
— — New Species of Fungi. Sep.-Abdr. 1895. 8°.
— — New Species of Fungi from various localities. Sep.-Abdr. 1895. 8°.
Von Herrn J. B. Ellis.
Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek. 263
Fischer E. Neue experimentelle Untersuchungen und Betrachtungen über das
Wesen und die Ursachen der Aberrationen in der Faltergruppe Vanessa.
Berlin, R. Friedländer & Sohn, 1896. 8°. 67 S., 2 Taf. Vom Verfasser.
Sucker Ludw. Die Fische nebst den essbaren wirbellosen Thieren der Adria und
ihre Zubereitung. Triest, F. H. Schimpff, 1895. 8°. XVI+179S.
Vom Verleger.
Albow N. Prodromus florae Colehicae. Tiflis und Genf, 1895. 8°. XXVI+
237 S., 4 Taf. Vom Verfasser.
Trusz S. Lekarskie wlasnösei roslin przewaznie dziko rosnaezych i techniezne
zastosowanie tychie. Zioezöw, 1891. 8°.
— Przyezynek do flory Galieyi. Ciag dalszy. Ztoczow, 1894. 8°.
Von der löbl. Gymnasial-Direetion in Zloczow.
Mueller, F. v. Select extra-tropical Plants readily eligible for industrial Cul-
ture or Naturalisation. Ninth Edition. Melbourne, 1895. 8%. XI+654 8,
Mac Alpine D. Systematic Arrangement of Australian Fungi, together with
Host-Index and List of Works on the Subject. Melbourne, R. S. Brain,
1895. 4°. VI+236 8.
Beide von der löbl. Publie Library, Museums and National Gallery of
Vietoria in Melbourne.
Coiney, A. de. Ecloga plantarum Hispanicarum seu Icones specierum novarum
vel minus cognitarum per Hispanias nuperrime detectarum. Figures de
plantes trouvees en Espagne. Paris, G. Masson, 1893. Fol. 25 S., 10 Taf.
— Eeloga altera plantarum Hispanicarum seu Icones stirpium superioribus
annis per Hispanias detectarum. Nouvelles Figures de plantes trouvees en
Espagne. Paris, G. Masson, 1895. Fol. 28 S., 12 Taf. Vom Verfasser.
Uzel H. Monographie der Ordnung Thysanoptera. Königgrätz, B. E. Tolman,
1895. 4°. 471 S., 10 Taf. Vom Verfasser.
Lehmann Ed. Flora von Polnisch-Livland, mit besonderer Berücksichtigung
der Florengebiete Nordwestrusslands, des Ostbalticums, der Gouvernements
Pskow und St. Petersburg, sowie der Verbreitung der Pflanzen durch
Eisenbahnen. Jurjew, C. Mattiesen, 1895. 8°. XIIT+431 S., 1 Karte.
Von der löbl. Naturforschenden Gesellschaft bei der Universität Dorpat.
Drude O. Deutschlands Pflanzengeographie. Ein geographisches Charakterbild
der Flora von Deutschland und den angrenzenden Alpen-, sowie Karpathen-
ländern. I. Theil. Stuttgart, J. Engelhorn, 1896. 8°. XIV +502 S., mit
4 Karten. Vom Verfasser.
Wehmer C. Beiträge zur Kenntniss einheimischer Pilze. Experimentelle Unter-
suchungen auf dem Gebiete der Physiologie, Biologie und Morphologie
pilzlicher Organismen. II. Vom Verfasser.
Blochmann Fr. Die mikroskopische Thierwelt des Süsswassers. Abtheilung I:
Protozoa. 2. Aufl. Hamburg, L. Gräfe & Sillem, 1895. 4°. IX+134 S.,
8 Taf. Von den Verlegern.
Macoun J. M. Contributions from the Herbarium of the Geological Survey of
Canada. I—IV. Sep.-Abdr. aus Canad. Record of Science. Vom Verfasser.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 36
264 Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek.
Trusz S. Przyezynek do flory Galieyi. Zioczöw, 1888. 8°. Vom Verfasser.
Battandier et Trabut. Flore de l’Algerie contenant la description de toutes
les plantes signalees jusqu’a ce jour comme en Algerie et Catalogue des
plantes du Maroe. Monocotyledones. Alger et Paris, 1895. 8°. 256 8.
Vom Verfasser.
Schaeffer T. W. The Poisonous sting of the „Electric light bug“ or Belostoma,
at it is called by entomologists. Sep.-Abdr. 8°. Vom Verfasser.
Zacharias, Dr. Otto. ÖOrientirungsblätter für Teichwirthe und Fischzüchter.
Nr.1. /P16n,,,1896: 78%; 1238:
— Die Aufgaben der Biologischen Station zu Plön. 8°. 38.
— Ueber das Gewicht und die Anzahl mikroskopischer Lebewesen in Binnen-
seen. Plön. 8°. 8S.
— Ueber den Unterschied in den Aufgaben wandernder und stabiler Süss-
wasserstationen. Sep.-Abdr. 1895. 8°. Vom Verfasser.
Garbowski, Dr. Tad. Descendenztheoretisches über Lepidopteren. Sep.-Abdr.
1895. 8°.
— Kausal-analytische Theorie der epigenetischen Evolution mit dreifacher
Rhythmusharmonie in der Ontogenese. Sep.-Abdr. 1895. 8°.
— Zur Beurtheilung vertebraler Regionen bei Be Sep.-Abdr. 1895. 8°.
Vom Verfasser.
Molisch H. Das Erfrieren von Pflanzen bei a über dem Eispunkt.
Sep.-Abdr. aus den Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch. in Wien,
mathem.-naturw. Cl., Bd. CV, 1896. 8°. 15 8.
— 1. Eine neue mikrochemische Reaction auf Chlorophyll. — II. Die Krystalli-
sation und der Nachweis des Xanthophylls (Carotins) im Blatte. Sep.-Abdr.
aus den Bericht. d. Deutsch. botan. Ges. in Berlin, 1896. 8°. 29 S., 1 Taf.
Vom Verfasser.
Jolis, Aug. Le. Remarques sur la nomenclature bryologique. Sep.-Abdr. aus
Memoir. Soc. se. nat. Cherbourg, Tom. XXIX. 8°. 1048. Vom Verfasser.
Hormuzaki, C. v. Neuere Beobachtungen über die Käferfauna der Bukowina. Sep.-
Abdr. aus Societas Entomol., XI, 1896. 4°. S. 11—13. Vom Verfasser.
Beck, G. v. Flora von Südbosnien und der angrenzenden Herzegowina. VII.
Sep.-Abdr. aus den Annal. des k. k. naturhist. Hofmus. in Wien, XI, 1896.
8°. 8. 142— 183. Vom Verfasser.
Magnus P. G. Sennholz. Sep.-Abdr. aus den Berichten der deutsch. botan. Ges.,
XIH, 1895. 8°. S. (55)—(58). Vom Verfasser.
Clark J. M. The Functions of a great University. Inaugural Address delivered
on November 16tk 1894. Toronto, Bryant Press, 1895. 8°. 18 8.
Vom Verfasser.
Weinzierl, Th. v. Das Getreide. Kurze Charakteristik und Beurtheilung der
„Körnerfrüchte* des Handels. Ein Beitrag zu den Entwürfen eines Codex
alimentarius Austriacus. Nr. 145 der Publicationen der k. k. Samen-
Controlstation in Wien. Wien, W. Frick, 1896. gr.-8°. 88. Vom Verfasser.
Verhandl. der k.k.zool.bot.Ges. Chr: Lippert :
Band XLVI.1896. Tat.V:
MMiwomyceter.
23
1
Lifh.Anst. v. Th. Bammwarfh Wien.
4Id.Steuer:
Copepoden
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Band XLV1.1896.
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Lifh.Anst.v.Th.Barmmwarfh Wien.
Autor del.
N. Y. Acapemy
OF SCIENCES
Il. Bericht der Section für Botanik.
Versammlung am 16. Juni 1896.
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. @. Beck v. Mannagetta.
A Im Laufe der Versammlung berichtet Herr August Ginz-
:rger, stud. phil., über seine Arbeit: „Ueber einige Lathyrus-
3 rten aus der Section Eulathyrus und ihre geographische
Merbreitung“.‘)
3 Die Arbeit behandelt 12 Arten aus der Verwandtschaft des Zathyrus sil-
@2stris L. In der Einleitung wird eine allgemeine Charakteristik der Gruppe
>
}
)
]
;
) een sowie einiger teratologischer Bildungen gedacht. Es folgen nun die Be-
\ hreibungen der einzelnen Arten mit Angabe der Synonymie und des Verbrei-
Güingsgebietes, ferner mit Standortsverzeichniss und Bemerkungen über Varietäten
| "ind geographische Rassen. In den Beschreibungen ist u. A. auch auf einige
erkmale grösseres Gewicht gelegt, die früher zu sehr vernachlässigt wurden;
- bau diesen gehört die Nervatur der Blättchen, die Beschaffenheit des Kelches und
TDes Griffels, endlich die Bedeckung mit Haaren und Drüsen.?) Alle diese morpho-
ogischen Details sind durch eine beigegebene Tafel veranschaulicht. Von Namens-
anderungen dürfte die Wahl des Namens Lathyrus megalanthus Steudel anstatt
O@er zwar allgemein gebräuchlichen, aber vieldeutigen Bezeichnung Lathyrus lati-
olius L. von Interesse sein. Die geographische Verbreitung der behandelten
rten wird durch drei Kartenskizzen veranschaulicht, aus denen hervorgeht, dass
” es ausser Arten mit grossen, auch solche mit ausserordentlich beschränkten Ver-
reitungsgebieten gibt, ferner dass der Brennpunkt des Wohngebietes der be-
‚a>prochenen Artengruppe im südwestlichen Europa und nordwestlichen Afrika
elegen ist.
F Sodann legt Herr Dr. A. Zahlbruckner das erste Heft von
Ascherson’s „Synopsis der mitteleuropäischen Flora“ vor, wozu
1) Siehe Sitzungsberichte der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, mathem.-naturw. Classe,
_ Bd.CV, Abth. I, April 1896.
2) Vergl. C. Fritsch, „Ueber einige Orobus-Arten ete.“. Ebenda, Bd. CIV, Abth.I, Mai
1895, S. 493.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 37
266 Versammlung der Section für Botanik am 16. Juni 1896.
Herr Prof. Beck bemerkt, dass dieses gross angelegte Werk ein
Bedürfniss sei und bei der bekannten Gründlichkeit des Verfassers
von fundamentaler Bedeutung zu werden verspreche. (Vgl. das Referat
S. 327.)
Herr Prof. Dr. G. v. Beck spricht hierauf unter Vorlage der
betreffenden Pflanzen über:
Einige auffällige Geranium-Formen.
Der Vortragende erläutert zuerst den Formenkreis des Geranium sylvati-
cum L. und weist nach, dass die Ansicht Simonkai’s (Enum. fl. Transsylv., p. 160),
als hätten wir in Niederösterreich an Stelle dieser Art nur Geranium alpestre
Schur (in Verhandl. des Siebenb. Ver., X [1859], S. 131 und Enum. pl. Transsylv.
[1866], p. 135 —= @. sylwaticum var. eglandulosum Celak., Prodr. d. Fl. Böhm,,
S.550; Beck, Flora von Niederösterr., S. 560), den Thatsachen durchaus nicht
entspreche, indem bei uns letztere, drüsenlose Pflanze bisher nur an sehr wenigen
Standorten (so z. B. aus dem Semmeringgebiete: Schneeberg, Raxalpe, Handles-
berg und von der Voralpe) von dem Vortragenden aufgesammelt wurde, hingegen
das mit der nordischen Pflanze völlig identische, drüsige @. sylvaticum L. allent-
halben in schmal- und breitblätterigen Formen in unserer Alpenzone anzutreffen
sei. Auch Murbeck (Beitrag zur Flora Südbosniens, S. 150) befinde sich im
gleichen Irrthume nicht nur bezüglich der niederösterreichischen, sondern auch
in Betreff der bosnischen Pflanze, wie es durch zahlreiche vorgezeigte Exemplare
aus den Occupationsländern ersichtlich wurde. Geranium alpestre Schur ist in
den österreichischen Alpenländern und im Oceupationsgebiete, ebenso wie das vor-
gezeigte G. sylwaticum var. parviflorum Knaf (in Celak., Prodr. d. Fl. Böhm.,
S. 530) nur eine seltene Erscheinung unter dem normalen @. sylvaticum L. (vergl.
Beck, Fl. v. Südbosn., VII., in Ann. des naturhist. Hofmus., X [1895], S. 185— 187,
auch E. Preissmann in Abh. d. naturwiss. Ver. f. Steierm., 1895, S. 104—106).
= % *
Sodann zeigt Prof. v. Beck einen neuen Storchschnabel:
Geranium macrorrhizum L. var. G. dalmaticum G. Beck nov. var.
Rhizoma caespitosum, ramosum, ramis cylindraceis, lignosis, flexwosis.
Folia basalia mumerosa, petiolis gracilibus, 4—8 cm longis praedita; lamina
parvula, plurimum 15 mm et summum 25 mm lata, aeqwilonga, palmato-qwinque-
loba, lobis omnibus trilobis vel basalibus lobo quarto auctis. Caules floriferi
plurimum aphylli, folia duplum superantes, cymam depauperatam saepius 2- ad
6-floram ferentes; pedunculi calycesque hirsuti, rarius glanduloso-puberuli et
pilis sparsis obsiti.
A en u 1 Tl
ne
Versammlung der Section für Botanik am 16. Juni 1896. 267
Dalmatia: In monte Vipera penninsulae Sabioncello in fissuris et glareis
rupium calcearum altid. 700—850 m s. m., copiose. Florens legit mens. Junio
1894 @. de Beck.
Als Prof. v. Beck am 12. Juni des Jahres 1894 die seines Wissens damals
noch von keinem Botaniker betretene höchste Spitze der Halbinsel Sabioncello,
nämlich den Monte Vipera (961 m), von Orebic aus bestieg, traf er in der Region
der Pinus nigra Arn. das Geranium macrorrhizum var. dalmaticum gerade in
bester Entwicklung an. Da es unter den Felsblöcken weit ausgedehnte, polster-
fürmige oder lockere Rasen bildete, die in vollstem Blüthenschmucke prangten,
erinnerte ihn die Pflanze nach Wuchs und Blumen lebhaft an den in’ unseren
Kalkalpen ganz ähnlich wachsenden Rhodothamnus chamaecistus Rb. und machte
demselben den Eindruck einer neuen Art. Spätere Untersuchungen liessen ihn
die Pflanze nur als eine auffällige Varietät des Geranium macrorrhizum L. er-
scheinen, welche er aber bisher auf keinem anderen Gebirge Dalmatiens und der
dinarischen Alpen angetroffen hat.
Die auffällige Kleinheit aller Theile, insbesondere die geringen Dimen-
sionen der Blätter sind dem typischen, auch in Dalmatien (am Prologh, Mossor,
Biokovo ete.) vorkommenden @. macrorrhizum völlig fremd. Die besten Unter-
schiede gegenüber letzterem liegen aber in der Gestalt der auch weniger behaarten
Blattflächen, welche handförmig fünftheilig sind und Abschnitte aufweisen, die
fast durchwegs nur drei Lappen zeigen. @. macrorrhizum hat hingegen grosse,
fussnervig siebenschnittige Blätter, mit Abschnitten, welche tief, oft doppelt ein-
geschnitten gezähnt sind.
Die Blüthenstiele des @. dalmaticum sind sammt den Kelchen zumeist
drüsig-zottig, doch finden sich auch Formen, bei welchen die langen Haare spär-
licher entwickelt sind und die kurze Drüsenbekleidung mehr hervortritt, wie es
bei @. macrorrhizum meistens der Fall ist.
* *
Zuletzt legt der Vortragende das von ihm für das Oceupationsgebiet nach-
gewiesene Geranium bohemicum L. vor, welches in Gesellschaft von Geranium
lucidum L. auf moosigen Felsblöcken wachsend in lichten Buchenwäldern auf der
Spitze der Gomila velica bei Krupa a. d. Una in einer Meereshöhe von ca. 700 m
im Juni 1892 entdeckt wurde. Die Pflanze wurde auf der Balkanhalbinsel bisher
nur in Serbien an mehreren Stellen beobachtet.
Endlich macht der Herr Vorsitzende Mittheilung von dem Tode
des Mitgliedes Herrn Ingenieurs Carl Heinrich, dessen Andenken
die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen ehren und schliesst
die Versammlung mit dem Bemerken, dass der nächste Sections-
abend erst im Herbste stattfinden werde.
268 Ausflug nach Risgrub.
Am 20. Juni d. J. fand ein von Herrn Prof. Dr. @. Beck
v. Mannagetta veranstalteter Ausflug nach Eisgrub statt, wo
unter der liebenswürdigen Führung des fürstl. Liechtenstein’schen
Gartendirectors, Herrn Lauche, die reichen Schätze der Gewächs-
häuser, sowie die schönen Parkanlagen besichtigt wurden. Zum
Schlusse besuchten die Theilnehmer auch die daselbst von Herrn
Prof. v. Beck ins Leben gerufene höhere Gartenbauschule, die
durch ihre Organisation und die reichen Lehrmittel, die ihr nament-
lich in Form von lebendem Pflanzenmateriale zu Gebote stehen, zu
grossen Hoffnungen berechtigt.
Beitrag zur Fauna der tunisischen Insel Djerba.
Von
Dr. C. Escherich.
(Eingelaufen am 22. Juni 1896.)
Gelegentlich eines Aufenthaltes in Tunis unternahm ich, besonders auf
den Rath des Herrn Prof. Dr. O0. Boettger hin, eine Excursion nach der
im Golf von Gabes gelegenen Insel Djerba oder Dschebado. Zu diesem Zweck
engagirte ich mir zunächst zwei Araber als Dolmetsche und Führer: einen
jüngeren, Hädji Mansor,*) der am Sammeln von Insecten grosse Freude hatte
und nicht wenig Geschick darin bewies, und einen älteren, Amor, der vorgab,
genaue Localkenntniss von der Insel zu besitzen. Letzteres war aber vollständig
erlogen und stand mir Amor, der täglich neben der Verköstigung noch 6 Fr.
erhielt und welcher, schreckliche Frömmigkeit heuchelnd, jeden Augenblick sich
niederkniete und gegen Mecca zugewendet Gebete verrichtete, nur hindernd
im Wege.
Am 11. April 1894 fuhr ich mit meinem Anhang zuerst nach Goletta und
bestieg dort ein italienisches Schiff („Persia“) der Florio-Rubattino-Gesellschaft,
das die Ostküste von Tunis entlang nach Tripolis und von da nach Malta—Mes-
sina—Genua fährt. Obwohl ich für meine Diener Billets III. Classe genommen
hatte, schaffte man sie in das Zwischendeck; natürlich erhob ich dagegen Protest,
ı) Interessant ist die Haartracht des Hädji (d. i. heiligen) Mansor: der ganze Kopf ist kahl
rasirt, nur ein langer Schopf in der Mitte ist stehen geblieben. Prof. Dr. Grimm theilte mir darüber
brieflich Folgendes mit: „Die Haartracht Ihres Dieners ist im Orient nicht so ungewöhnlich; so z. B.
findet man sie auch in Egypten. So viel ich weiss, steht es Jedem frei, sie sich zuzulegen. In
Egypten lassen sich die Träger eines solchen Haarschopfes, wenn sie einmal zu einem angesehenen
Scheik kommen, ihn von diesem abschneiden, worin beide anscheinend eine Ehrung erblicken.“
Beitrag zur Fauna der tunisischen Insel Djerba. 269
worauf ich den sonderbaren Bescheid erhielt, dass die Neger und Araber nicht
in die III. Classe dürften, da sie zu schmutzig seien. Zahlen mussten aber
alle für die III. Classe, da man in Goletta Billets für das Zwischendeck über-
haupt nicht ausgab. Empört über diese schmutzige Handlungsweise wandte ich
mich an den Capitän, der dann bei meinen zwei Dienern eine Ausnahme machte
und ihnen gnädigst das bewilligte, was ihnen zu Recht gebührte!
Die Fahrt dauerte drei Tage, da in Sousa, Mahedia, Monastir, Sfax und
Gabes längerer Aufenthalt genommen wurde. In Sousa und Sfax stieg ich ans
Land und sammelte ein wenig; meistens waren es Tenebrioniden, die mir hier
in Massen begegneten; auf dem hinter Sfax gelegenen arabischen Begräbnissplatz
wimmelte es geradezu von Blaps Reqwieni, Morica, Akis ete. Von Reptilien
war der Chaleides ocellatus Forsk. recht häufig; auch einen Geko, Tarentola
mauritanica, erbeuteten wir mehrfach.
Am 14. April gegen zwei Uhr Mittags landeten wir vor der Insel Djerba,
die so flach ist, dass man vom Schiff aus vom Lande gar nichts sehen konnte
und die hohen Dattelpalmen direet aus den Fluthen emporzusteigen schienen.
Die Insel Djerba oder Dschebado liegt unter dem 34° nördl. Breite, in
der kleinen Syrte und ist vom Festland im Süden nur durch schmale, äusserst
seichte Canäle geschieden. Besonders bei El Adjim, El Kantara und Castille bel
Oudiana nähert sie sich durch drei schmale, lange, nach Süden gerichtete Land-
zungen dem Festlande ganz bedenklich, und bedarf es bei der grossen Seichtigkeit
der trennenden Canäle nur ganz geringer Niveauveränderungen, um die Insel
mit dem Festland zu vereinigen und die Entstehung neuer Schotts zu veranlassen.
Dies dürfte auch thatsächlich in nicht allzu langer Zeit eintreten, da die tunesische
Küste gegenwärtig im Aufsteigen begriffen ist, was schon daraus hervorgeht,
dass die historischen Häfen von Utika und Karthago jetzt vom Meer durch breite
Streifen Landes getrennt und zu Binnenteichen umgewandelt sind.
Was die Grösse der Insel betrifft, so dürfte sie der Insel Malta am
nächsten kommen; die Bevölkerung, die etwa 50.000 Köpfe, auf mehrere Ort-
schaften vertheilt, zählt, reerutirt sich hauptsächlich aus Djerabis, reinblütigen
Berbern, und Negern. Die Djerabis wandern meist in ihrer Jugend nach Tunis,
wo der Handel ausserhalb des Bazars grösstentheils in ihren Händen liegt.
Wenn sie sich genügend Geld verdient, kehren sie wieder in ihre Heimat
zurück.!) Die Djerabis stehen übrigens nicht in dem besten Rufe: Sie legen
in der Moschee gleich ihren Verwandten, den Mozabiten, bei der Verrichtung
ihrer Gebete die Hosen ab, um ja nichts Unreines an ihrem Körper zu haben.
„Der Araber sieht aber in diesem Beweis der höchsten Frömmigkeit nur die
schändliche Absicht, seine Moschee im ersten unbewachten Augenblick schnöde zu
verunreinigen.* Ausserdem wirft man den Djerabas vor, „dass sie Hunde essen
und dass sie bei ihren Festen sich im Dunkeln den grössten Ausschweifungen
ergeben etc.“.?)
1) W. Kobelt, Reiseerinnerungen aus Algerien und Tunis. Frankfurt, 1885.
2) W. Kobelt, 1. «.
270 C. Escherich.
Europäer sind ausser den wenigen französischen Beamten wenige auf der
Insel zu finden; nur ab und zu kommen Kaufleute um Schwämme einzukaufen
dorthin. Mit der Unterkunft ist es daher nicht besonders gut bestellt und
mussten wir lange in der Hauptstadt Houmt Souk herumlaufen, um eine solche
zu finden, und zwar in Gestalt eines kellerartigen Raumes, den uns eine Fran-
zösin, die sich mit Schnapshandel befasste, vermiethete.
Wie schon oben bemerkt, ist die Oberflächengestaltung vollkommen flach;
der Boden besteht grösstentheils aus ungeschichteten, äolischen Gebilden (Sand),
nur spärlich trifft man humusartige Beschaffenheit an. Infolge dessen ist die
Vegetation recht arm; die Dattelpalme und der Oelbaum sind die haupt-
sächlichsten Bodenerzeugnisse, Getreide wird zwar gebaut, gedeiht aber nur
schlecht auf dem sterilen Boden.
Die arme Vegetation bedingt ihrerseits wiederum eine dürftige Fauna.
Natürlich fehlen alle Thiere, die an Flussläufe, hohe Lage, Hochwald ete. ge-
bunden sind, und hat man es lediglich mit Arten zu thun, die im Sande und auf
niederen Pflanzen und Sträuchern leben. Besonders die Sandthiere sind in
weit überwiegender Mehrzahl zu constatiren und sind es auch diese, die den
Charakter der Fauna bestimmen. Unter den Coleopteren sind es besonders
die Tenebrioniden, deren Leben im trockenen Sande sich abspielt und welche die
Coleopterenfauna von Djerba charakterisiren. Die Tenebrioniden sind es,
die man überall in erstaunlichen Massen antrifft, die gegenüber anderen
Familien stark in den Vordergrund treten und daher das Coleo-
pteren-Faunenbild beherrschen. Was die Artenzahl betrifft, so erbeutete
ich an Tenebrioniden 23 Species, während ich von der Familie der Carabieiden 10,
von der artenreichen Familie der Staphyliniden nur 4 und von den Scarabaeiden
nur 11 Arten ete. erbeutete. Aber nicht allein in der Artenzahl, sondern auch
in Bezug auf die Individuenzahl stellen die Tenebrioniden weitaus
das grösste Contingent. In der That wimmelte es überall von der grossen
Pimelia simplex und pilifera, so dass man in einem Tage tausende zusammen-
sammeln konnte. Kam es mir doch einmal vor, dass Hädji Mansor einen ganzen
Schurz schwer voll Pimelien brachte! Ausser den Pimelien huschten überall
fischartig die blaubestäubten Zrodius durch den Sand, während die schön
sculptirten Adesmien auf ihren langen, spinnenartigen Beinen stets vor unseren
Füssen sich tummelten.
Die Arten aus anderen Familien waren grösstentheils in geringer Individuen-
zahl zu sehen, nur die Cieindelen, einige Scarabaeiden (Phylloperta Quedenfeldi,
Aphodien ete.) und Timarcha laevigata Fb. traten häufiger auf, besonders letztere
Art lief sehr zahlreich auf den schwach bewachsenen Plätzen herum und sammelte
sich auch unter Steinen in Masse an, so dass wir manchmal 20—30 Stück unter
einer Platte fanden.
An anderen Inseeten scheint die Insel recht arm zu sein, allerdings habe ich
ausser Coleopteren und Orthopteren die übrigen Insecten wenig berücksichtigt.
An letzteren erbeutete ich acht Arten, darunter eine neue Forficula (Escherichi
Krauss).
Beitrag zur Fauna der tunisischen Insel Djerba. ar
Die Scorpione sind in drei Arten vertreten, wovon zwei sehr häufig unter
Steinen anzutreffen waren, besonders Androctonus funestus, in oft sehr respectablen
Exemplaren. Während der Reise erzählte man mir öfter von gewaltigen, ganz
schwarzen Scorpionen, die sehr häufig auf der Insel vorkommen sollten und von
den Eingebornen ob der grossen Giftigkeit sehr gefürchtet seien. Doch kam mir
kein einziger dieser Sorte zu Gesicht! An Isopoden stellte ich auch nur drei
Species fest, 2 Porcellio und 1 Hemilepister.
Auch die Reptilienfauna ist ziemlich dürftig, und fehlen vor allem
die Schlangen ganz; häufig fand ich nur Acanthodactylus boskianus und den
Chaleides ocellatus. Ersterer ist ungeheuer flink und hält sich ausserdem an
mit Binsen und Sträuchern bewachsenen Plätzen auf, so dass die Jagd nach ihm
nicht ganz leicht fällt. Zu Dreien stellten wir dem flinken Reptil einige Stunden
nach, meine Diener bluteten an Händen und Füssen und nicht mehr als drei
Stück kamen in unsere Hände. Der Chaleides hält sich in der Nähe der Häuser
unter Steinen auf und hat meist eine kleine oder mittlere Gestalt, ungefähr von
der Grösse der Exemplare, die ich auf der Insel Linosa erbeutete, doch nicht so
dunkel gefärbt wie diese.
Eine specifische Inselfauna besitzt Djerba infolge seiner geringen
Entfernung vom Festlande nicht und dürften alle auf der Insel vorkommenden
Thiere auch auf dem gegenüberliegenden Festlande anzutreffen sein!
Mein Aufenthalt auf der Insel währte fünf Tage. Während dieser Zeit
sammelte ich grösstentheils an der Nordküste des Eilands in der Nähe von Houmt
Souk und El Hahara Kehira, nur einmal unternahm ich auf einem zweiräderigen
Karren eine Tagestour an die Südküste nach El Adjim, das ist der Ort, wo sich
die Insel dem Festlande am meisten nähert.
Der Weg führte uns drei Stunden durch eine immer öder werdende Sand-
wüste, in der die Vegetation immer mehr zurücktrat, erst gegen die Küste zu
traten der Oelbaum und die Palme wieder zahlreicher auf. Die Tour war sehr
wenig lohnend und wurde ausser der COteindela barbara und einem Pärchen der
Inlodis setifensis nichts Neues erbeutet.
Am Donnerstag den 19. April, Morgens zwei Uhr, verliessen wir unsere
Wohnung und wanderten der Küste zu, um wieder nach Tunis zurück zu segeln.
Es war eine sternenhelle Nacht, der Mond schien auf die schneeweissen Häuser
und die Kuppeln der Moscheen; dunkel ragte über sie die schlanke Dattelpalme
und warf gespensterhafte Schatten über die eigenartige Landschaft; dazu die
grosse gewaltige Stille, die nur durch das ferne eintönige Rauschen des Meeres
unterbrochen wurde! Gewaltig gefesselt durch alle diese Eindrücke, schritt ich
hinter zwei schlanken, weissen Gestalten, meinen Dienern, einher, nur wünschend,
länger diesen schönen Traum träumen zu können. Eine arabische Landschaft
im Mondschein hat wirklich etwas überaus Märchenhaftes, und verstehe ich sehr
wohl, wie dadurch die Phantasie bis zu den Märchen von „Tausend und eine
Nacht“ emporgehoben werden kann.
272 €. Escherich.
Die Rückfahrt nach Tunis nahm denselben Verlauf wie die Herfahrt; nur
ein Ereigniss, das ich in Sfax erlebte und das allgemeines Interesse besitzen
dürfte, glaube ich hier erzählen zu sollen.
Mein jüngerer Diener gab vor, mir etwas sehr Interessantes zeigen zu
wollen und forderte mich auf, mit ihm zu gehen. Er führte mich an eine
kleine Hütte und öffnete eine Thüre, die hinab in einen dunklen Keller führte.
Wir stiegen hinab und kamen bald in einen Raum, der ziemlich dunkel war
und in dem ich zuerst gar nichts sah; erst nachdem mein Auge sich etwas an
die Dunkelheit gewöhnt hatte, gewahrte ich zu meinem grossen Schrecken, dass
ich mich zwischen zwei lebenden Löwen befand, die ganz frei in dem Raum
herumliefen. Sie fletschten hie und da die Zähne, im Uebrigen aber verhielten
sie sich recht artig und zahm, so dass auch bei mir schnell wieder die Ruhe
kam, zumal ich auch einige Araber erblickte, die sehr gleichmüthig in einer
Ecke sassen und sich um die Thiere gar nicht zu kümmern schienen. Beim
Verlassen des Raumes bat mich der Thürwächter um ein Trinkgeld. Was sollen
die Löwen? Mein Begleiter gab mir sehr schlechten Aufschluss und sagte mir
nur, es seien „heilige Löwen der Moschee“. Herr Prof. Dr. Grimm, der Ver-
fasser des bekannten Werkes „Mohammed“, theilte mir brieflich Folgendes über die
„heiligen Löwen“ mit: „Es gibt in Algier und Tunis Genossenschaften, die Löwen
dressiren und zähmen; die abgerichteten Thiere werden von zwei Bettelbrüdern
im Lande herumgeführt, und die Gaben, die man dem Löwen, resp. seinen
Führern spendet, dienen zum Unterhalt irgend eines Klosters oder einer Moschee.“
Ein solcher Löwe war es auch, der den tapferen „Tartarin von Tarascon* in
gewaltige Aufregung versetzte und den unser Held mit sicherem Schuss nieder-
streckte. Daudet bringt in dem obgenannten, überaus humorvoll geschriebenen
Roman viel, „was gar nicht romanhaft, sondern richtig nach dem Leben geschildert
ist“ (Grimm).
Ausser diesem Löwenabenteuer brachte die Heimreise nach Tunis nichts
Besonderes. Leider konnte ich aus Zeitmangel das heilige Kairuan, der einzige
Ort in Tunis, in dem der Zutritt in die Moscheen erlaubt ist und das von
Sousa aus per Trambahn zu erreichen ist, nicht besuchen. Auch in zoologischer
Hinsicht ist Kairuan interessant, insoferne dort die giftige Naja haje, die von den
Gauklern überall auf den Strassen und Plätzen von Tunis vorgeführt wird, vor-
kommen soll!
Am 22. April langte ich wieder in Tunis an.
*
Im Folgenden gebe ich ein Verzeichniss aller von mir auf der Insel Djerba
gesammelten Thiere, das heisst Mollusken, Arthropoden und Reptilien.
Die Determination der Ausbeute übernahmen in der liebenswürdigsten
Weise die Herren Prof. Dr. Boettger in Frankfurt (Mollusken, Reptilien und
Batrachier), Prof. Dr. Kraepelin in Hamburg (Scorpione), Dr. Scharff in
Dublin (Isopoden), Dr. H. Krauss in Tübingen (Orthopteren), Major Dr. L.
re ee ee ee
Beitrag zur Fauna der tunisischen Insel Djerba. 273
v. Heyden in Frankfurt, Dr. Eppelsheim in Germersheim, L. Ganglbauer
in Wien, Dr. G. Kraatz in Berlin, E. Reitter in Paskau, J. Schmid in
Garlitz und J. Weise in Berlin (Coleopteren).
Mollusken.
Ich hatte eine grosse Anzahl Schnecken gesammelt, die aber leider zum
grössten Theil verloren gingen, so dass ich im Folgenden nur zwei Arten
nennen kann:
1. Helix (Euparypha) pisana Müll.
2. Helix (Herophila) psammathaea Let., Bgt.
Arthropoden.
Isopoden.
1. Hemilepistus Reaumuri Am., Sav.
. Porcellio laevis Latr.
3. Porcellio longicaudata B., L., 9.
DD
Scorpionideen.
l. Androctonus funestus (Hempr., Ehlg.). Sehr häufig, unter Steinen.
2. buthus occitanus (Amor). Häufig.
3. Heterometrus palmatus (Hempr., Ehlg.). Nur 1 Exemplar.
Orthopteren.
Ed. Bonnet und Ad. Finot führen in ihrem „Catalogue raisonne des
Örthopteres de la regence de Tunis“?!) 14 Arten auf, die von der „französischen
wissenschaftlichen Mission zur Erforschung von Tunesien“ vom 10. bis 15. Juni
1884 auf der Insel Djerba gesammelt wurden. Ich erbeutete nur neun Speeies,
darunter aber vier, die im Bonnet-Finot’schen Verzeichniss nicht aufgeführt
sind, so dass also jetzt im Ganzen 18 Orthopterenarten von Djerba bekannt sind.
Meine Ausbeute enthielt folgende Arten:
1. Forficula aurieularis L., 9.
2. Forficula Escherichi Krauss (Entom. Nachr., 1895, S. 97 ff.).
9. Anisolabis mauritanica Luc. 2 d'.
4. Pyrgomorpha grylloides Latr. 32, 1d".
5. Acrotylus longipes Charp., 2.
6. Eremobia Claveli Luc. var. tunensis Sauss., @, weibliche Larve.
7. Heterogamia algerica Brunner.
8. Gryllus hispanicus Ramb., d'.
9. Brachydripes megalocephala Lefebr.
t) Revue Sc. Nat. Montpellier, 3. ser., Tom. IV, 1885.
Z.B. Ges. Bd. XLVI. 35
274 C. Escherich.
Die letztere, grosse, interessante Grille fing ich unter ganz Ähnlichen
Verhältnissen wie auf der Insel Linosa, nämlich in Erdlöchern in lockerem
Boden. Bei Anbruch der Dunkelheit kommen sie aus ihren Wohnungen
heraus und. beginnen mächtig zu zirpen.‘) Man fängt sie am besten da-
durch, dass man sie aus ihren nicht allzu tiefen Löchern ausgräbt, oder
indem man, während sie zirpen, hinter ihnen mit einem Messer eingeht
und ihnen dadurch den Rückweg versperrt. Was mir an den Djerba-
Exemplaren auffiel, war, dass sie sehr hell gefärbt waren, jedenfalls viel
heller als die von der vulcanischen Insel Linosa, die wie die sieilianischen
braun gefärbt sind.
Bonnet und Finot führen die Grille nicht von Djerba auf, dagegen
von „Sfax, seuil de Kriz, commun dans les sables de l’oued Bateha, oasis
d’Oudref, Gabes et dans tout l’Arad“.
Wie mir Hädji Mansor erzählte, verkauft man in Tunis auf dem
Markte die Grillen in kleinen Häuschen. Man stellt sie in das Zimmer
und erfreut sich an dem nächtlichen „Gesang“!
Coleopteren.
Die Coleopteren nahmen in meiner Djerba-Ausbeute weitaus den ersten
Rang ein, schon deshalb, weil ich diese Inseetenordnung hauptsächlich eultivirte;
doch dürften in der That die Coleopteren von den Inseeten am reichsten ver-
treten sein. Ich erbeutete im Ganzen 89 Species, die im Folgenden namentlich
aufgeführt sind:
Cieindela littoralis Fabr. Häufig, am Gestade bei Houmt Souk.
Cicindela lunulata var. barbara. Seltener ebendort; häufig an der Südküste
bei El Adjim.
Ueber das Vorkommen der beiden Cieindelen-Arten machte ich eine
Beobachtung, die mir der Mittheilung werth erscheint. Das flache Gestade
bei Houmt Souk ist grösstentheils hell gefärbt (Farbe des Sandes), nur hie
und da finden sich dunklere Stellen, die vertrockneten Algen oder dunkleren
Gesteinsarten etc. ihre Entstehung verdanken. Die heller gefärbte Cieindela
littoralis hielt sich nur ausschliesslich an die helleren Partien, und die fast
schwarz gefärbte Oicindela lunulata war streng loealisirt auf die kleineren
dunklen Plätze. Die locale Trennung der beiden Species war sehr scharf
und kam es selten vor, dass eine dunkle Zunulata auf den hellen Grund sich
verflog. Diese Erscheinung lässt sich am einfachsten durch Anpassung
erklären, und zwar spielt hierbei der durch Anpassung entstandene
und dann vererbte Instinct eine Hauptrolle. Denn nur dadurch ist
unsere Cieindela geschützt, dass sie sich auf dem dunklen Grund aufhält;
!) Vgl. H. Krauss, Die Dermapteren und Orthopteren Sieiliens. Verhandlungen der k. k.
zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1857, S. 20 ff.
Beitrag zur Fauna der tunisischen Insel Djerba. 275
diejenigen Exemplare, die sich aus diesem Rayon hinauswagen, bei denen
der Instinet, sich nur auf dunklem Grunde zu bewegen, nicht stark genug
ausgeprägt ist, setzen sich den Angriffen der Vögel ete. viel mehr aus, da
sie auf dem hellen Grunde sehr auffallend und leicht zu sehen sind.
Infolge dessen werden hauptsächlich solche Individuen zur Fortpflanzung
kommen, bei denen der Instinct, auf dunklem Grunde sich aufzuhalten, ge-
nügend entwickelt ist. Ueberhaupt spielt die Züchtung eines auf eine
für die Art nützliche Lebensweise gerichteten Instinctes im
Kampfe ums Dasein eine sehr grosse Rolle, die meines Erachtens noch
gar nicht in vollem Umfange gewürdigt wurde. Wie ich an einem anderen
Ort nächstens ausführen werde, gibt es eine Anzahl von Thieren, die sehr
lebhaft gefärbt sind und gar keine Uebereinstimmung mit ihrer Umgebung
aufweisen, und dennoch wissen sich diese oft ausgezeichnet den Blicken
ihrer Feinde zu entziehen, z. B. dadurch, dass schwarz gefärbte Thiere sich
F mit Vorliebe im Schatten von Blättern oder Gräsern aufhalten u. s. w.
In El Adjim, wo das ganze Gestade dunkel gefärbt ist, trafen wir
ausschliesslich die dunkle Cieindela barbara an. 2
Scarites striatus Dej. Diese prächtige grosse Art fing ich zweimal in meinem
| Zimmer und noch mehrmals in der Nähe meines Hauses im Sande laufend
oder unter Steinen.
Searites laevigatus Fab. Selten.
Broscus politus Dej. Häufig.
Laemosthenes pieicornis Dej. 5 Stücke.
Pterostichus barbarus Dej. Gemein.
Amara simple Dej. 2 Exemplare.
Aristus opacus Er. Mehrere Stücke. — Auch auf der Insel Lampedusa von
E. Ragusa gesammelt.
Harpalus fuwlvus Dej. Nur 1 Exemplar.
Metabletus fuscomaculatus Motsch. (patruelis Chd.).
Oymindis asillaris var.
Cercyon quisqwilius L.
Philontus fenestratus Fauv., longicornis.
Eulissus fulgidus Fabr.
Leptacinus parumpunctatus Gyl.
Hister Tuthmosis Mars. 2 Exemplare.
Saprinus furvus Er., speculifer, Tunisius Mars., chaleites 1l.
Attagenus bifasciatus Rossi, distinctus Muls.
Telapes posticalis Fairm., hirtulus Rosenh. und var. (?).
Carpophilus hemipterus L. 1 Exemplar.
Dubas bison L.
Onthophagus Bedeli Rttr. Häufig.
Oniticellus pallipes var. pallens Ol. 1 Stück.
Aphodius hieroglyphicus Klug, leucopterus Klug, hydrochaeris Fb., nitidulus Fb.,
luridus var. limicola Pnz.
38*
276 C. Escherich.
Thorectes spec. ?
Phyllognathus silenus Fb. var. (?). Flog meistens Abends ins Zimmer an das Licht.
Leucocelis amina Fairm. Sehr häufig.
Phyllopertha Q@uedenfeldi Reitter. Häufig, Vormittag zwischen 8—10 Uhr
fliegend (ganz nieder) oder auf Compositen sitzend.
Iulodis setifensis Luc. 1 Paar in Copula, auf der Erde sitzend.
Sphenoptera geminata Fb. (?), stark seulpirt. 1 Exemplar.
Corynetinus fimetarius Waltl. Im Pferdedünger.
Necrobinus frater Reitt. Häufig, wie der vorige.
Trichodes umbellatarum Oliv. 2 Exemplare.
Dasytes nov. spec. (? ?).
Psilothrix cyaneus Oliv.
Zophosis!) minuta Fb. (suborbicularis Sol.). Häufig, sehr rasch im Sande huschend.
Meistens sind die Thiere bläulich reifartig bestäubt.
Erodius zophosoides Alland., barbarus Sol.
Adesmia metallica Klug und affınis Sol. Die Adesmien sind sehr flink und er-
innern beim Laufen an Carabus.
Pachychile Steveni Sol.
Tentyria Sardea Sol.
Stenosis affınis Sol.
Morica 8-costata Sol.
‚Akis spinosa L. und Goryi Guer.
Scaurus angustus Reiche, ovipennis Fairm. und barbarus Sol.
Blaps gages L.
Blaps polychresta Forsk. 2 9 (?), seu nov. spec. (Länge 45 mm).
Blaps Reqwieni Sol. Häufig.
Opatroides punctulatus Brulle.
Pimelia pilifera Sen. Die häufigste Art; überall massenhaft im Sande herum-
laufend.
rugosipennis m. nov. var. Differt a forma typica elytris opacıs, forte
rug0so-granosis, costis magıs elevatıs.
Eine sehr auffallende Form, die durch ihre matte Oberseite, stark
gerunzelten Flügeldecken, die deutlichen scharfen Rippen und durch rinnen-
artig ausgehöhlte Nahtgegend am Flügeldeckenabsturz leicht kenntlich ist.
Ob neue Art?
Pimelia interstitialis Sol. Selten.
Pimelia simplex Sol. Ziemlich häufig.
Pimelia Duponti Sol. (2) Selten.
Oenera hispida. Sehr häufig.
Omophlus distinetus Sap. Auf Compositen, häufig.
!) Vergl. das Verzeichniss’der von Rohlfs in Tripolis gesammelten Tenebrioniden (Berliner
entomol. Zeitung, 1881, S. 43). Es werden dort 23 Species angeführt, von denen ich sechs auch auf
Djerba fing.
Beitrag zur Fauna der tunisischen Insel Djerba, 2717
Lytta djerbensis Escher. (vergl. diese „Verhandlungen“, 1894, S. 285) = rufula
Fairm. (Ann. France, 1864, p. 6).
Fairmaire beschrieb genannte Art als Lydus rufulus, weshalb
mir das Thier bei der Revision der Gattung Zytta entging. Wegen der
glatten Klauen darf aber unsere Art auf keinen Fall in das Genus Lydus
gestellt werden. Habituell passt sie freilich auch nicht in die Gattung
Lytta und dürfte hier die Errichtung einer neuen Gattung vielleicht an-
gezeigt sein.
Ich fing 9 Exemplare auf gelben Compositen. Lytta rufula Fairm.
scheint über Nordafrika verbreitet zu sein: Kraatz besitzt ein Exemplar
von dem Djerba benachbarten Gabes (von Quedenfeld gesammelt);
Heyden und Daniel besitzen Exemplare aus Tunis; Fairmaire be-
schrieb sie aus Biskra.
Anthicus formicarius L. var.
Anaspis spec.? — Mylabris (Bruchus) spec. (?).
Hypera philantus Oliv. 2 Exemplare.
Baridius sellatus Boh. 2 Exemplare; sonst Spanien.
Brachycerus spec. (?)
Apion violaceum Kirby.
Agapantia asphodeli Latr. und cardui L.
Phytoecia molybdaena Dalm.
Uryptocephalus 6-notatus Fabr.
Colaphus pulchellus Luc.
Entomoscelis rumiecis Fabr. Häufig.
Timarcha laevigata Fabr., stärker als gewöhnlich sculptirt. Sehr gemein, sowohl
auf Grasboden laufend, als unter Steinen; manchmal 20—30 Stück unter
einem Stein.
Chrysomela bicolor var. dolorosa Fairm.
COhrysomela gypsophilae var. lucidicollis Küst.
Chrysomela Banksi Fabr.
Galleruca eircumdata Dft. 1 Exemplar.
Psylliodes inflata Reiche und hyosciami L.
Chilocorus bipunctatus L. .
Reptilien und Batrachier.
1. Tarentola mauritanica L. Selten; tagsüber unter Steinen.
2. Eremias guttulata Licht. Schon durch F. Lataste von der Insel Djerba
erwähnt.
3. Acanthodactylus boskianus Daud. Desgleichen. Sehr häufig (siehe oben).
4. Chalcides ocellatus Forsk., Type. Wie gewöhnlich mit 30 Schuppenreihen um
die Rumpfmitte.
5. Bufo viridis Laur. 1 Stück.
278 €. Escherich.
Anhang.
Verzeichniss der von mir in der Umgebung von Tunis gesammelten
Mollusken, Reptilien und Batrachier,
(Zusammengestellt von Prof. Dr. O. Boettger.)
Mollusken.
I. In den Schluchten des Djebel Bou Kornein, einem südöstlich von
Tunis an der Meeresküste gelegenen Gebirgskamm, fand ich folgende Arten:
Helix (Gonostoma) lenticula Fer.
Helix (Jacosta) idia Bgt.
Helix (Herophila) noctuella Bgt.
Helix (Herophila) pyramidata Drap.
Helix (Colchicella) barbara L.
Helix (Macularia) vermiculata Müll.
Buliminus (Pseudomastus) pupa Brug. var. tunetana Rve.
Rumina decollata L.
Ferussacia folliculus (Gron.).
Ferussacia (Pseudazeca) montana Bgt.
Pomatias perseianus Kob.
II. Djebel Zaghouan (südlich von Tunis):
Leucochroa candidissima (L.) var. maxima Bst.
Helix (Xenophila) Khangetica Let., Bgt.
Helix (Xenophila) pyramidata Drap.
Helix (Macularia) vermiculata Müll. typ. und var. uticensis Kob.
Buliminus (Nepaeus) thayacus Kob. var. zengitana Kob.
Ferussazia montama Bst.
Clausilia (Mauritanica) perinnei Bst., 1876 (= polygyra Bttgr., 1879).
Pomatias perseianus Kob. var. zignensis Kob.
III. Djebel Rsass (Bleiberg, südlich von Tunis):
Buliminus pupa Brug. var. tunetana Rve.
Ferussacia montana Bgt.
Pomatias perseianus Kob. var. latasteana Let., Bgt.
Reptilien und Batrachier.
Testudo ibera Pall. Häufig, Djebel Rsass.
Olemmys leprosa Schweigg. 1 Exemplar, in einem Wassergraben.
Tarentola mauritanica L. Häufig, unter Steinen und Opuntienblättern.
Chamaeleon vulgaris Laur. Häufig, Djebel Rsass.
Eremias guttulata Licht.
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Beitrag zur Fauna der tunisischen Insel Djerba. 279
Acanthodactylus vulgaris D. B. var. lineomaculata D. B., 2. Bei Hammam en
Lif am Fusse des Djebel Bou Kornein.
Lacerta ocellata var. pater. Sehr häufig, überall auf Wegen.
Ophiops occidentalis Blgr.
Chaleides tridaetylus Laur. In Tunis bisher nur einmal gefunden.
Chaleides ocellatus Forsk. Häufig.
Zamenis hippocrepis L. Squ. 27, G.°/s, V. 247, A. !/,, Se. ®/g +1.
Maecroprotodon cucullatus Geoffr. Squ. 19, G. */, V.183, A.!/, Se. +1.
Coelopeltis lacertina Wagl. Squ. 19, 6. %/, V.171, A.!/,, Sc. Ya +1.
Rana esculenta L. var. ridibunda Pall.
Bufo viridis Laur.
Bufo mawritanicus Schlg. Häufig; ein Paar in Copula am Djebel Rsass; meist
sehr grosse Exemplare.
Discoglossus pietus Otth.
Lichenologische Beiträge.
Von
Prof. E. Kernstock.
(Eingelaufen am 25. Juni 1896.)
VII. Ehrenburg im Pusterthale.
Für einen viermonatlichen Aufenthalt — während der Sommermonate in
den Jahren 1894 und 1895 — ist das nachfolgende Verzeichniss der lichenologischen
Ausbeute mager genug. Indessen kommt der Sommer 1895, welchen ich infolge
eines geringfügigen, aber hartnäckigen Fussleidens mit theoretischen Arbeiten
ausfüllen musste, für lichenologische Exeursionen fast gar nicht in Betracht,
während andererseits die Untersuchung sich lediglich auf die Thalsohle, in ge-
vingem Umkreise und bis auf höchstens 300—400 m relative Höhe erstreckt. Ein
für mehrere Tage geplanter Aufenthalt im Gebiete des Kreuzkofels der Enne-
berger Dolomite musste an dem Umstande scheitern, dass die Sennhütten von
Klein-Fannes, wo einmal genächtigt wurde, mangels des ärmlichsten Heulagers
eine ganz unzulängliche Unterkunft gewähren und sonst weit und breit keine
gastliche Herberge sich befindet. Eine Recognoseirungstour auf die nördlich von
Ehrenburg gelegene Kette zwischen der hohen Eidechse und dem Samboek brachte
mir die Ueberzeugung, dass auf diesen südlich exponirten trockenen und kurz-
grasigen Abhängen wahrscheinlich nicht viel zu holen sei; die gegen die Ziller-
thaler Berge abfallenden Schroffen sind aber fast ungangbar. Die Begehung des
unmittelbar südlich von Ehrenburg steil ansteigenden, höchst abwechselnden
Schieferrückens, welcher über 2000 m erreicht, wurde aber so lange aufgeschoben,
bis sie mir unmöglich wurde. Die mit „S.“ bezeichneten Funde rühren von Herrn
280 E. Kernstock.
H. Simmer her, welcher damals als Verkehrsbeamter der Südbahn in Ehrenburg
weilte und seine vielseitige Begabung auch in den Dienst der Floristik stellte.
Der Thonschiefer, in welchem das durchforschte Gebiet liegt, weist eine
individuenreiche, zu Massenvegetationen geneigte, an Arten aber ziemlich magere
Flora auf, in welcher gleichwohl die Haupttypen der Niederung vertreten sind.
Einige minder häufige Flechten, von denen gewisse entschieden von den benach-
barten, besonders den südwärts gelegenen Höhen sich herabgefunden haben, können
hier genannt werden: Leprocaulon nanum, Imbricarıa eiliata exerescens, Imbri-
caria omphalodes panniformis, Stieta scrobieulata, Acarospora sinopica, Leca-
nora subcarnea, epanora und Bockit, Aspieilia conglomerans, Lecidea convexa (?),
diasemoides, Scoliciosporum umbrinum leptomereum, Sarcogyne eucarpa, Buellia
aethalea, Catocarpus simillimus, Rhizocarpon grande, Oederi, petraeizum, Leca-
nactis plocina und einige Syntrophen, darunter zwei Nesolechia-Arten und die
Cereidospora caudata. Als neu dürften zu bezeichnen sein die von der Aspieilia
cinereo-rufescens lediglich durch die fehlende Jodreaction unterscheidbare Aspr-
eilia simulans und die eigenthümlich, man möchte sagen „überreagirende* Form
der Rinodina exigua, nämlich f. ramulicola.
Unter den auf fast allen Hölzern sich wiederholenden Rindenflechten sind
durch beinahe constantes Zusammenvorkommen auf gewissen Rinden Buellia
parasema var. microspora Wain. f. erubescens Arn. und Rinodina exigua f. ramuli-
cola m. bemerkenswerth; beider Thallus wird durch KHO roth gefärbt. Auch
Rinodina sophodes var. albana Mass. ist sehr verbreitet.
Die Schieferwände an schattigen Lagen sind bedeckt mit weithin leuchtendem
Calicium paroicum, zu dem sich an gleichen Orten eine Massenvegetation von
meist frutificirender Pertusaria corallina gesellt. Besonderes Interesse bietet die
lange, aus Schieferblöcken jeden Kalibers zusammengetragene Mauer längs des
Weges zum Marbacher Sattel, auf welcher üppig fruchtendes Stereocaulon coral-
loides, zahlreiche oxidirte Lecideen, darunter das für Tirol neue Rhizocarpon
Oederi, endlich Lecanora epanora (in nur einem Exemplare gesehen) und zahl-
reiche Cladonien gedeihen. Diese Mauer gewährt ganz den Anblick einer alpinen
Trümmerhalde.
Die Erde- und Moosbewohner dürften auf dem Getzenberge ein zusagenderes
Heim gefunden haben. Der Cladonienflor der etlichen mit Heide und Laub-
hölzern bestandenen Rodungen ist zwar sehr üppig, bietet aber mit alleiniger
Ausnahme von Oladonia amaurocraea f. fascieulata, subcariosa, eyanipes und
etwa der mannigfach und zierlichst entwickelten verticillata nichts von Belang.
Eine Eigenthümlichkeit in phanerogamistischer Beziehung bietet die Gegend
um Ehrenburg darin, dass ein grosser Procentsatz aller hier vorkommenden
Campanula-Arten des blauen Farbstoffes entbehrt.
Einige wenige Angaben beziehen sich auf das Antholzthal und das vom
Stallersattel südlich herabziehende, im Glimmerschiefer liegende Ackstall, wohin
ich einen zweitägigen Abstecher machte. Gesammelt wurde im Gebiete für Kerner,
Flora exsiecata Austro-Hung. und die vom Wiener Hofmuseum herausgegebenen
„Cryptogamae exsiccatae“.
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IT.
18.
19.
20.
21.
22.
Lichenologische Beiträge 281
I. Species saxicolae.
a) Thonschiefer.
. Alectoria nigricans Ach. Grünsee ober der Grünwalder Alpe.
. Ramalina pollinaria Ach. Verbreitet; auf einem Hügel gegen Kiens mit
Apotheeien.
f. rupestris Flk. Seltener.
. Evernia prunastri L. und
. Evermia thamnodes Fw. Auf der Steinmauer am Marbacher Sattel, offenbar
von beschattenden Coniferen übergesiedelt.
. Stereocaulon coralloides Fr. An mehreren Orten, immer fruchtend; von der
erwähnten Steinmauer gesammelt für Crypt. exs.
. Stereocaulon alpinum Laur. Steril und spärlich.
. Leprocaulon nanum Ach. Subfrequens.
. Imbricaria perlata L. An mehreren Orten grosse Flächen überziehend, steril;
von hier in Kern., A.-H.
. Imbricaria ceiliata f. exerescens Arn. Ein paar Wände am ee über-
ziehend, gern gesellig mit Stieta scerobiculata.
. Imbricaria revoluta Flk.: soredüs marginalibus superficialibusque, sterilis ;
im Marbachthale.
. Imbricaria saxatilis f. furfwracea Sch. Vereinzelt.
. Imbricaria omphalodes f. panniformis Wulf. An mehreren Orten; auf dem
Getzenberge mit Früchten.
. Imbricaria physodes f. labrosa Ach. Auf einem Hügel zwischen Ehrenburg
und Kiens.
. Imbricaria caperata Dill., tota soredüfera. Auf den Hügeln um Ehrenburg;
auch sonst häufig. Auf der Steinmauer wächst sie über der folgenden.
. Imbricaria conspersa Ehrh. Häufig, doch nicht immer mit Apothecien; am
Marbacher Sattel mit beginnender Isidienbildung.
f. ısidiata Anzi. Am letztgenannten Orte.
Imbricaria sorediata Ach. Auf der Steinmauer.
Imbricaria proliza Ach. Frequens.
f. pannarüformis Nyl. An mehreren Orten.
f. corrugata m.: thalli laciniae dense pustulato-corrugatae; ap. mazxima,
varie flexuosa; sperm. anguste fusiformia vel rarius subbifusiformia,
5xX1;!) auf einem Hügel.
Imbricaria fuliginosa Fr. An mehreren Orten.
f. setiformis m.: isidio e filis longis subramosis constante; vereinzelt.
Parmelia tribacia Ach. Im Thälchen gegen Ilstern.
Parmelia stellaris f. hispida Fr. Vereinzelt, übergesiedelt.
Parmelia tenella Scop. Auf der Steinmauer, übergesiedelt.
Parmelia caesia Hoffm. Vereinzelt.
1) 5x1 = 0.005 mm longa et 0'001 mm crassa.
7. B. Ges. Bd. XLVI. 39
282 E. Kerustock.
m m © 02 0
ja GT Eu So Zr
[or)
. Parmelia albinea Ach.: thallus K +, laciniae angustae, digitato-multifidae,
ad oras sorediosae; auf den Hügeln um Ehrenburg.
. Parmelia obscura Ehrh. Vereinzelt.
. Stieta scrobieulata Scop. Steril auf dem Getzenberge nicht selten; eine Wand
völlig bedeckend; von hier in Kerner A.-H.
. Stietina fuliginosa Dieks. Ebenso, spärlicher.
. Guepinia polyspora Hepp. Auf einem Hügel.
. Pannaria mierophylla Scop. An mehreren Orten.
. Pannaria lanuginosa Ach. An schattigen Wänden häufig.
. Placynthium nigrum Ach. Auf dem Kienberge.
. Umbilicaria pustulata L. Ebenda, steril.
. Gyrophora spadochroa Ehrh. (S.)
. Gyrophora erustulosa Ach. Hügel gegen Kiens.
. Xanthoria candelaria L. Auf der Steinmauer, übergesiedelt.
5. Xanthoria Iychnea Ach. Vereinzelt.
. Xanthoria ulophylla Wallr. (fallax Hepp): lobi breves lati, digitato-incisi,
centro thalli subpulvinati, adscendentes et marginibus trumcato-sorediosi;
auf einem Hügel.
. Physcia murorum Hoffm. Auf der Steinmauer.
f. Zobulata Flk. An mehreren Orten.
. Physeia eirrhochroa Ach. Auf den Hügeln und in Rodenegg beim Mühlbach (S.).
9. Candelaria vitellina Ehr. Frequens.
. Callopisma flavovirescens Wulf. Auf der Steinmauer und gegen Kiens.
. Callopisma aurantiacum Leghtf.: thallus solito melius evolutus; auf einem
Hügel.
. Callopisma rubellianum Ach. Bruneck. (S.)
. Callopisma cerinum f. cyanolepra Fr. Auf der Steinmauer.
f. chlorinum Fw. Eine Schieferwand auf der Strasse nach Kiens bedeckend.
4. Blastenia ferruginea f. saxicola Mass. Auf der Steinmauer.
45.
). Blastenia caesiorufa Ach.: thallus verrucoso-areolatus, cinereus vel albidus,
Blastenia lamprocheila DC. Auf Geröllhaufen verbreitet.
ap. sat aurantiaca, conferta, subminuta, excip. thallode; auf einem Hügel.
. Placodium mwrale Schreb. An mehreren Orten.
f. diffractum Ach. Gegen Kiens.
. Placodium demissum Fw. Cum ap.; sporae oblongo-ellips., 9I-11%X4; auf
einem Hügel.
). Acarospora fuscata Schrad. Frequens.
. Acarospora rufescens Borr. Zerstreut.
51. Acarospora sinopica Wbg. Auf Schieferwänden gegen Kiens und auf der
Steinmauer.
. Dimelaena Mougeotioides Nyl. Auf der hohen Eidechse. (S.)
3. Rinodina trachytica Mass.: thallus albus, verrucoso-areolatus. K +, ap.
plana, atra, verrucis impressa, marg. crasso, albo, sp. 18% 5—7, sporo-
blastis supra paullo cavatis; an mehreren Orten.
nn ei
au
-]
[0,0}
Lichenologische Beiträge. 283
4. Rinodina discolor f. candida Schaer. Auf den Hügeln um Ehrenburg.
. Lecanora subfusca f. campestris Schaer. An mehreren Orten.
. Lecanora atrynea Ach.: ap. valde convexa, atrorubentia, muda; thallus
passim vel totus (ap. inclus.) thallo Pyrenopsidis sangwineae obtectus;
auf einem Hügel gegen Kiens.
. Lecanora sordida Pers. Ziemlich häufig.
. Lecanora subcarnea Sw.: thallus K flav., discus ap. Cl—=; auf der Stein-
mauer.
. Lecanora crenulata Dicks. Vereinzelt.
. Lecanora epanora Ach.: thallus fere tantum e soredüs dispersis eitrinis for-
matus, ap. dispersa, variae magnitudinis, lutescentia, marg. eitrino; auf
der Steinmauer.
. Lecanora polytropa f. illusoria Ehrh. Verbreitet.
var. alpigena f. ecrustacea Schaer. Auf der hohen Eidechse. ($.)
. Lecanora intricata Schrad. Im Thale gegen Ilstern.
. Lecanora badia Pers. Nicht häufig.
54. Lecanora Bockii Rod. Steril im Marbachthale.
. Haematomma ventosum L. Auf der hohen Eidechse. (S.)
5. Aspieilia calearea f. Hoffmanni Ach. Vereinzelt.
. Aspieilia gibbosa Ach. Verbreitet.
. Aspieilia conglomerans Nyl. Flora 1872 8. 292: thallus K—, med. J —,
caesio-cinereus, bullato-verrucosus, verrucae bullatae vel varie tuberculoso-
conglomeratae; sp. 28° —32 X 14—19, sperm. recta, 8X 1; auf einem Hügel
bei Ehrenburg.
. Aspieilia cinerea L. Seltener.
70.
Aspieilia simulans m.: thallus crassus, diffracto-areolatus, einereo-albidus,
superficie farinosus, ambitu fere squamosus, K—, Cl—, J—; ap. con-
ferta, adpressa, obscure rufa; sp. ellipsoideae vel globoso-ellips., 11—14 X
7—9, J hym. vinose fulvescens; sperm. recta, 5%X1. A cinereo-rufescente
habitu simillima et praecipue a subeinerea Nyl. in Flora 1869 p. 82 (spori-
bus conveniente) differt thallo J =; auf einem Hügel gegen Kiens.
. Aspieilia ceracea Arn. Vereinzelt.
. Urceolaria seruposa L. Zerstreut.
f. violaria Nyl. Verbreitet, doch häufiger auf Moos und Erde.
. Pertusaria lactea L. Zerstreut.
4. Pertusaria corallina L. Stellenweise massenhaft und häufig fruchtend; hie
und da mit gut entwickeltem Sclerococcum sphaerale Fr., von hier in
Crypt. exs.
. Catolechia pulchella Schrad.: thallus totus pulverosus; vereinzelt.
. Biatora lueida Ach. Hie und da an versteckten Wänden.
. Biatora coarctata Ach. Zerstreut.
. Biatora rivulosa Ach. Selten.
. Lecidea tessellata Flk. Wenig entwickelt auf der Steinmauer.
. Lecidea lactea Flik. Nicht selten.
254 E. Kernstock.
93.
94.
f. ochromela Schaer.: thallus oxydatus, reactio microscopio conspieua, ap.
pruinosa ; vereinzelt.
. Lecidea declinans Nyl. Auf der Steinmauer.
%
f. subterluens ochromelaena Nyl. Ebenda. bus
2. Lecidea lithophila Ach.: apoth. margine flexuoso, disco varie scisso et fissuris
marginatis; auf dem Getzenberge.
f. ochracea Ach. Auf der Steinmauer.
f. geographica Arn. Mühlen. (S.)
. Lecidea platycarpa Ach. Stellenweise.
f. mierocarpa Hepp. Auf der Steinmauer.
. Lecidea convexa Fr.: thallus albus, sublaevigatus, rimulosus, K —, med. J —;
ap. minora conferta primum adpressa, plana vel convexiuscula, margi-
nata, demum convexa, nuda, sp. 13—16 X 8—9 ete.; auf der Steinmauer.
5. Lecidea albocoerulescens Wulf. Stellenweise.
f. alpina Schaer. Auf der Steinmauer.
f. flavocoerulescens Horn. Ebenda häufig.
. Lecidea meiospora Nyl. Mit verschieden entwickeltem Thallus an mehreren
Orten. Die Species scheint mir ein Nothbehelf.
. Lecidea crustulata Ach. Spärlich.
. Lecidea fumosa Hoffm. Vereinzelt.
). Lecidea grisella Flk. In verschiedenen Formen an mehreren Orten; häufig
auf der Steinmauer.
. Lecidea tenebrosa Fw. Sambock. (S.)
. Lecidea latypea Ach. Verbreitet.
. Lecidea enteroleuca Ach. Auf der Steinmauer. “
f. granulosa Arn.: thallus granulosus, sordide albescens, ep. sordide viride,
hyp. incolor; auf dem Kienberge.
f. pungens Kbr. Vereinzelt.
Lecidea viridans Fw. Vereinzelt.
Lecidea diasemoides Nyl.: thallus sterilis, verrucoso-areolatus, K_ flav.,
spermog. mumerosa atra, sperm. saepissime arcuata, 11—14X1, inter-
mizxtis rectis. Stimmt mit Arn. exs. 1183 thallodischerseits insoferne
nicht ganz, als der Thallus bei Arn. mehr verebnet ist; von der habituell
besser passenden Lecidea subcongrua durch die Spermatien verschieden;
auf Hügeln gegen Kiens.
. Scolieiosporum umbrinum Ach. Sehr üppig entwickelt auf dem Kienberge;
auch sonst.
f. Teptomereum Sommerf. Suppl. p. 161 sec. Th. Fr. Se. 365: thallus ochra-
ceus, ap. gregaria, viridiatra; auf der Steinmauer.
. Sarcogyne pruwinosa Sm. Selten.
. Sarcogyne simple Dav. An mehreren Orten.
. Buellia italica Mass. Stellenweise mit obsoleter Reaction, sonst nicht selten.
f. Recobariana Mass. Gegen Kiens.
. Buellia aethalew« Ach. Gut entwickelt auf der Steinmauer.
100.
101.
102.
103.
104.
105.
106.
107.
108.
116.
117.
Lichenologische Beiträge. 285
Buellia verrueulosa Borr. Sehr verbreitet.
f. cinerea Fr. Mit voriger, etwas seltener.
Buellia stigmatea Ach. An mehreren Orten.
Buellia badia Fr.: thallus bene evolutus, zwischen Ehrenburg und Kiens;
thallus bene squamosus, super thallum Imbricariae conspersae auf Hügeln
gegen Kiens.
Catocarpus rivularıs Fw. Pernthal (S.).
Catocarpus polycarpus Hepp. Auf den Blöcken der Geröllhaufen sehr ver-
breitet; von hier in Crypt. exs.
Catocarpus simillimus Anzi: thallus orbiculos parvos formans, cinereus,
minute areolatus; med. J—, ap. innata minuta, wrceolata, sp. 16 X 8,
protothallus niger distinctus; auf der Steinmauer.
Rhizocarpon geographicum L. Frequens; auf der Steinmauer mit stark
rostigen Apotheecien.
Rhizocarpon Montagnei Fw. In Bruneck und Ehrenburg (S.).
Rhizocarpon distinctum Th. Fr. Verbreitet (von hier in Crypt. exs.). Auf den
mehrerwähnten Geröllhaufen, welche zwischen den Hügeln um Ehrenburg,
auf dem Kienberge, Getzenberge ete. aus den Grundstücken zusammen-
geworfen wurden, finden sich constant obige Art mit Rhizocarpon grande
und Catocarpus polycarpus zusammen vor und sind, zumal bei feuchtem
Wetter, habituell von einander schwer zu unterscheiden; doch vermochte
ich von dieser Localität folgende trennende Merkmale (makroskopisch) zu
fixiren:
Rhizocarpon grande: thallo bullato-verrucoso, trium maximo, ap. inmatis
aequantibus immarginatis, planis vel convexis.
Rhizocarpon distinctum, extus simili priori sed thallo minore, planiore;
ap. innatis, subaequantibus, obtuse marginatis, planis vel convewiuseulis.
Catocarpus polycarpus: thallo tenwissimo, arido, ap. sessilibus, concavis,
marginibus acutıs flecuosis.
. Rhizocarpon Oederi Web. Auf den glatten Flächen der Blöcke auf der
Steinmauer; von hier in Arn. exs. 1662.
. Rhizocarpon grande Flk. Verbreitet (von hier in Kerner A.-H.).
. Rhizocarpon petraeizum Nyl. (endamyleum Th. Fr.): thallus plicato-verru-
cosus, fuscocinereus, K —, O1 —, med. J+, sp. nigrescentes, Snae; parum
adest; auf Hügeln gegen Kiens.
. Rhizocarpon obscuratum Ach. Vereinzelt.
. Rhizocarpon excentricum Nyl. Vereinzelt.
. Rhizocarpon concentrieum Dav. Auf der Steinmauer.
. Lecanactis plocina Ach. Der durch den hervorstehenden dunklen Proto-
thallus fast violett erscheinende, innen gelbe, dicht sorediöse Thallus
macht äusserlich fast den Eindruck irgend eines Rhizocarpon. Auf einer
versteckten Wand im Thale gegen Ilstern vereinzelt.
Calieium paroicum Ach. Steril, sehr gemein.
Dermatocarpon pusillum Lönnr. Vereinzelt.
256 E. Kernstock.
. Stigmatomma clopimum Whg. Bruneck (S.).
. Lithoicea nigrescens Pers. Auf der Steinmauer.
. Lithoicea glaueina Ach. Zwischen Ehrenburg und Kiens.
. Leptogium eyanescens Ach. Im Buchenwalde gegen Kiens.
. Collema furvum Ach. Gegen Kiens.
. Lethagrium flaceidum Ach. Steril hie und da; cum ap. an Steinmauern
an der Rienz (8.).
. Pyrenopsis sangwinea Anzi. Den Thallus von Scolieiosporum umbrinum
derart überwuchernd, dass die Apothecien der letzteren als solche der
ersteren erscheinen; sperm. 3X 15; auf der Steinmauer.
5. Spilonema paradoxum Born. In vielen Pölsterchen auf einem Hügel gegen
Kiens.
b) Saxa alia.
Folgende Vorkommnisse beziehen sich auf eine Wiesensteinmauer bei Kiens,
bestehend aus Granit-, Gneis- und Quarzitblöcken, auf Quarzfels verschiedener
Orte und Glimmerschiefer im Ackstall; es bedeuten: Gl. — Glimmerschiefer,
Gn.
16.
— Gneis Gr. — Granit 0. —. Quarz2.01: —#Quarzis
. Ramalina pollinaria Ach. Gr., Kiens.
. Imbricaria tiliacea Hffm. Gr., Kiens, übergesiedelt.
. Imbricaria encausta Sm. Gl., Ackstall.
. Imbricaria caperata Dill. Gr., Kiens.
. Imbricaria conspersa Ehrh. Ebenda.
. Imbricaria prolixa Ach. Gn., Kiens.
. Physcia elegans Lk. Gr., Kiens.
f. gramulosa Sch. Gn., Bruneck. (S.)
. Candelaria vitellina Ehrh. Q., Gr., Gn., Kiens ete.
. blastenia ferruginea saxicola Mass. Gn., Kiens.
. Pannaria micerophylla Sw. Q. (S.)
. Acarospora fuscata Schrd. Gn., Kiens.
. Rinodina lecanorina Mass. Ebenda.
. Lecanora polytropa Ehrh. Ebenda und Gl., Ackstall.
f. alpigena ecrustacea Sch. Gl., Ackstall.
. Aspieilia calcarea concreta Sch. Gn., Kiens.
. Urceolaria scruposa L. Ebenda.
Pertusaria corallina L. ®t., auf dem Getzenberge.
. Lecidea silacea Ach. Gl., Ackstall.
. Lecidea tessellata Flk. Qt., auf dem Getzenberge.
. Lecidea declinans Nyl. Gl., Ackstall.
f. ecrustacea Nyl. (Arn. exs. 716). Gn., Kiens.
. Lecidea sarcogynoides Kbr.: thallus nullus visibilis, ap. numerosa conferta
parvula plana, marg. tenui erecto, tota tenwiter prwinosa, intus normalia ;
von den Südtiroler Formen abweichend durch die bereiften Apothecien.
Gn., Kiens.
21.
22.
23.
24.
25.
26.
27.
28.
29.
30.
3.
32.
39.
Q
oO
Lichenologische Beiträge. 287
Lecidea promiscens Nyl. Gl., Ackstall.
Lecidea grisella Flk. Gn., Kiens, @t., auf dem Getzenberge.
Lecidea latypea Ach. Gn., Kiens.
Lecidea enteroleuca Ach. Ebenda.
Lecidea wiridans Fw. Gr., Kiens.
Sarcogyne simplex Dav. Gr., Gn., Kiens.
Sarcogyne eucarpa Nyl. Gr., Kiens.
Buellia fusca Anzi Cat. 87. Gr., Kiens, wenig.
Buellia italica Mass., Q., auf der Steinmauer.
Buellia aethalea Ach. Qt., auf dem Getzenberge.
Buellia stellulata f. minutula Hepp: thallus minute areolatus, albus wel
einerascens, K flav., med. J—, ap. minuta innata plana aequantia,
tenuiter marginata, ep. hyp. fuscescens, sp. 8-12 X4; Gr., Kiens.
Buellia stigmatea Ach. Gn., Kiens.
Catocarpus rivularis Fw. Gl., Ackstall.
ui
. Rhizocarpon geographicum L. Gn., Kiens.
32.
30.
37.
Rhizocarpon obscuratum Ach. Q., auf dem Getzenberge.
Rhizocarpon concentricum Dav. Q., Qt., auf dem Getzenberge.
Sporostatia morio Ram. Gl., Ackstall.
Auf dem Mörtel einer Mauer in Bruneck sammelte H. Simmer: Callo-
pisma eitrinum Ach. und Collema fwrvum Ach.
u De ee
II. Species muscicolae.
. Alectoria bicolor Ehrh. Ueber einem Blocke auf dem Getzenberge.
. Ramalina pollinaria Ach. Ebenda.
. Imbricaria perlata L. Ebenda.
. Imbricaria pertusa Schrk. Ebenda.
. Imbricaria conspersa Ehrh. Ebenda.
. Parmelia pulverulenta f. museigena Wbg. Auf einem Hügel gegen Kiens.
. Nephromium laevigatum Ach. An mehreren Orten.
f. parile Ach. Auf dem Getzenberge.
. Pannaria coeruleo-badia Sch. Terenten (S.) und sonst noch.
. Pannaria lepidiota Sommerf. Ad saxa, auf dem Kienberge.
. Callopisma cerinum £. stillieidiorum Horn. Stellenweise.
. Ochrolechia tartarea f. androgyna Hoffm. Auf dem Getzenberge.
. Urceolaria bryophila Ehrh. f. violaria Nyl. Auf der Steinmauer zusammen
mit der Erde bewohnenden Form. Erstere mit glatterem, dünnerem und
letztere mit dickerem gelblichgrauen Thallus werden beide durch Hydrochl.
eale. zuerst normal roth, dann aber höchst deutlich und schön violett
gefärbt. Diese von Nylander (als einziges Unterscheidungsmerkmal von
seruposa, ein anderes stichhältiges ist mir nicht bekannt) für seine wolaria
verlangte Reaction habe ich schon zu wiederholten Malen an der ganzen
12.
S E. Kernstock.
Formenreihe von sceruposa gefunden, an verschiedenen Orten und bei
Benützung von frischen und von älteren Chlorkalklösungen; ich halte
daher die „Art“ Urceolaria violaria Nyl. nicht für stichhältig. Die
Urceolaria seruposa in Runkelstein bei Bozen — über Porphyr und über
Moosen — gehört ebenfalls hieher.
3. Biatora sangwineo-atra Wulf. Vereinzelt.
. Biatora granulosa Ehrh. Auf dem Getzenberge.
. Lecidea limosa Ach. Ackstall.
. Bilimbia sphaeroides Dicks. Vereinzelt.
. Bilimbia trisepta Naeg. Auf dem Kienberge.
. Coniocybe furfuracea Ach. Zerstreut.
. Dermatocarpon pusillum Lönnr.: sp. 38—46 X 12—15, gonidia hymenialia
subrotunda minutissima; auf einem Hügel.
). Leptogium atrocoeruleum Hall. Zerstreut.
. Lethagrium flaccidum Ach. Vereinzelt.
III. Species terrigenae.
. Cladonia rangiferina L. Frequens; gut fructifieirend an mehreren Orten.
f. inerassata Schaer. Spice. 38: podetüs erassis, sursum usque 6 mm latis
minus divaricatis verrucosis; auf der Steinmauer.
f. fuscescens Flk. Clad. p. 105 (?): forma gracilis, podetüis latere ad solum speec-
tante albis superiore fumoso-cinereis, apieibus fuscescentibus; mit voriger.
. Cladonia silvatica L. Frequens.
. Oladonia Papillaria f. molariformis Hoffm. Ueppig entwickelt auf dem Kien-
berge; von hier in Crypt. exs.
. Cladonia Floerkeana Fr. Auf dem Kienberge häufig.
. Oladonia bacillaris Nyl. Ebenda.
f. clavata Ach. Ebenda.
. Cladonia macilenta Hoffm. Ebenda; von hier in Kerner A.-H.
. Oladonia digitata Schaer. Ebenda.
. Cladonia coccifera L. In üppigster Ausbildung ebenda.
. Oladomia plewrota Flik. Auf der Steinmauer, im Ackstall.
. Oladonia deformis f. crenulata Flk. Terenten (S.), auf dem Kienberge.
f. gonecha Ach. Auf dem Kienberge.
. Cladonia amauwrocraea Flk. In mannigfachen, meist schlanken Formen,
theils bechertragend, theils cornut mit fibrillenartigen Auswüchsen, überall;
gesammelt für Kerner A.-H.
f. faseieulata m. Auf den Hügeln vor Ehrenburg und an anderen Orten; vom
ersten Standorte in Arn. exs. 1605 und Crypt. exs.; Uebergänge von der
Stammform in diese häufig und in Crypt. exs. niedergelegt.
Oladonia umeialis L. In Massenvegetation und verschiedenen Erhaltungs-
stadien an mehreren Orten.
f. turgescens Del. Auf dem Kienberge.
13.
14.
15.
16.
67.
18.
19.
20.
21.
22.
23.
24.
Lichenologische Beiträge. 289
Oladonia fuwreata f. subulata Flk. In einem Föhrenwäldchen bei St. Sig-
mund.
. corymbosa Ach. Stellenweise; von hier in Kerner A.-H.
. racemosa Hoffm. Frequens.
. racemosa foliolifera Nyl. (truncata Flk.). Auf dem Kienberge.
f. palamaea Ach. Ebenda.
Cladonia crispata Ach. (S.) Auf dem Kienberge seltener.
Cladonia squamosa Hoffm. In zahlreichen unwesentlichen Formen den
Boden von Waldblössen stellenweise ganz bedeckend; darunter heraus-
gefunden die Formen:
f. denticollis Hoffm. Frequentissime; von hier in Kerner A.-H.
f. simplieiuscula Schaer. Frequens.
f. sgquamosissima Flk. Frequens.
Cladonia cenotew Ach. Cum ap. auf dem Kienberge.
Cladonia subcariosa Nyl. Auf dem Kienberge und auf einer Steinmauer
im Thale gegen Ilstern.
Cladonia foliosa Sommerf., cum Arn. exs. 579 a—d omnino congruens, minus
cum Icon. Arn. 1292 et 1486; auf dem Kienberge.
Oladonia acuminata Ach.: pod. eylindrica decorticata, gramuloso-sorediata
et paullo squamulosa, K flav., apice vage ramosa; vereinzelt.
Oladonia graeilis L. In vielen zum Theil ineinander übergehenden Formen
verbreitet, von welchen die vier erstgenannten zur Massenvegetation neigen.
var. chordalis Flk. Auf dem Kienberge häufig; von hier in Kerner A.-H.
f. leueochlora Flk. An mehreren Orten.
var. macroceras Flk. Nicht so häufig.
var. aspera Flk. Auf dem Getzenberge.
var. valida Flk. In verschiedener Stärke an mehreren Orten, mit chordalis
in der Regel durcheinander wachsend; von hier in Kerner A.-H.
var. hybrida Hoffm. Auf dem Kienberge.
var. anthocephala Flk. Comm. 37. Ebenda.
var. dilacerata Flk.: bene evoluta; auf der Steinmauer.
Oladonia degenerans Flik. Im Gerölle, nicht besonders häufig.
f. aplotea Ach. Auf der Steinmauer; an anderen Orten in die folgende Form
übergehend.
f. anomaea Ach. Stellenweise.
Oladonia vertieillata Hoffm.: optime evoluta et fructifera, podetia usque
10 cm alta; auf dem Kienberge; von hier in Crypt. exs.
f. simplee Wllr. Ebenda, fructifieirend.
var. cervicornis Ach., f. phyllophora Sommerf. Auf der Steinmauer.
Oladomia pysidata L. Frequens.
f. syntheta Ach. An mehreren Orten.
f. lophyra Ach. Ebenso.
Cladonia fimbriata L. Frequens.
f. tubaeformis Ach. Auf der Steinmauer und anderwärts.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 40
hrh erh
290 E. Kernstock.
25.
29.
. Stereocaulon inerustatum Flk. Auf der hohen Eidechse (S.).
. Cetraria islandica L. Die breit- und schmalblätterige Form auf dem
50.
51.
f. fibula Ach. Mit Apothecien besonders schön im Walde bei St. Sigmund;
von hier in Kerner A.-H.
f. prolifera Weiss. Auf der Steinmauer und in St. Sigmund.
f. radiata Schreb. Vereinzelt unter voriger.
Cladonia pityrea Flk.: podetia scyphifera, gracilia, cortice gramulato, ap.
margine scyphorum vel apice prolificationum botryosa. (8.) Ist mir
zweifelhaft.
. Cladonia Botrytes Hag. Auf Humusboden auf dem Kienberge.
. Cladonia carneola Fr. Cum ap. ebenda.
. Cladonia cyanipes Sommerf., f. Despreauxii Bory. Zwischen Moos auf Wald-
boden an mehreren Orten, aber immer ziemlich spärlich; auch unter Calluna.
Stereocaulon coralloides Fr. Cum ap. auf dem Kienberge.
Getzenberge.
f. erispa Ach. Ebenda.
. Cetraria aculeata f. alpina Schaer. Ebenda und auf dem Wege nach Kiens.
3. Platysma ceucullatum Bell. Forma silvestris ereeta; zwischen den Cladonien
und Heidekräutern auf dem Kienberge.
. Stietina fuliginosa Dieks. Hofern. (S.)
35. Nephromium laevigatum f. parile Ach. An mehreren Orten.
36. Peltidea aphthosa L. Auf der Steinmauer und anderwärts, häufig.
. Peltigera canina L. Frequens.
f. ulorhiza Flik. Vereinzelt.
. Peltigera horizontalis L. Cum ap. häufig im Thale gegen Ilstern.
. Peltigera polydactyla Hoffm. An mehreren Orten, in grosser Menge im
Klostergraben; von hier in Crypt. exs.
. Peltigera rufescens Hoffm. An mehreren Orten.
f. praetextata Flk.: thallus margine integro sed squamulis superficialibus
numerosis; im Antholzthale.
. Peltigera spuria Ach. Terenten (S.) und auf dem Getzenberge.
. Peltigera malacea Ach. An mehreren Orten gut entwickelt.
. Solorina cerocea L. Gl., im Ackstall.
. Pannaria pezizoides Fr. An mehreren Orten.
. Pannaria nebulosa f. coronata Hofim. Vereinzelt.
. Pannaria lepidiota Sommerf. Auf dem Getzenberge.
. Pannaria lanuginosa Ach. Vom Fels übergesiedelt.
. Urceolaria scruposa L. f. violaria Nyl. Auf der Steinmauer.
. Pertusaria oculata Dicks., (?) parum adest: thallus obsolete papillosus, cete-
rum laevigatus vel verruculosus, K e flavo sat sangwineus; auf der Stein-
mauer.
Baeomyces roseus Pers. Frequens; auch im Ackstall (Glimmer).
Sphyridium byssoides L. Frequens (auch auf Schiefer).
f. sessile Nyl. Vereinzelt.
98.
aaonıou por
Lichenologische Beiträge. 291
. Biatora granulosa Ehrh. Auf Humuserde, besonders des Kienberges häufig;
von hier in Crypt. exs.
. Diatora gelatinosa Flk. Auf dem Kienberge.
. Biatora uliginosa Schrad. Auf dem Getzenberge.
. Biatora humosa Ehrh.: thallus leprosus, sp. 16—19%X5—8; auf dem Kien-
berge.
. Bilimbia miliaria Fr. Auf dem Getzenberge (S.) und im Thale gegen Ilstern.
. Bacidia muscorum Sw.: thallus verrucosus, albus, K—, Cl—, ap. parva,
primum plana, dein convexa, atra vel sangwineoatra, ep. subincol., hyp.
fuscum, exe. rubrieosum, K paullo violaceum, sp. acieul. rectae apieibus
attenuatae, 27—32%X2, 3sept.; auf dem Kienberge.
Placidium daedaleum Kplh. Auf der hohen Eidechse ($.).
IV. Species lignicolae.
(Ligna fabrefacta et trunei [tr.] putridi.)
. Usnea barbata L. f. hirta L. Subfrequens.
. Alectoria jubata L. Stellenweise.
. Alectoria cana Ach. tr. Laricis.
. Cladonia digitata Hoffm. tr. Conif.
. Cladonia deformis gonecha Ach. tr. Conif.
. Cladonia macilenta Ehrh. tr. Conif.
. Cladonia squamosa Hoffm. tr. Conif.
. Cladonia cenotea Ach. tr.
. Cladonia Botrytes Hag. tr. et fabrefacta.
. Platysma Oakesianum Tuck. Bruneck (8.).
. Platysma complicatum Laur. tr. Larieis.
. Imbricaria saxatilis L. Frequens.
. Imbricaria dubia Wulf., forma ochroleuca. Issingen.
. Imbricaria physodes L. An mehreren Orten.
f. Zabrosa Ach. Vereinzelt.
. Imbricaria fuliginosa Fr. Frequens.
. Imbricaria caperata Dill. Frequens.
. Parmeliopsis ambigua Wulf. tr. Conif.
. Parmelia hyperopta Ach. tr. Conif.
. Parmelia stellaris L. (S.)
. Parmelia obscura Ehrh. (S.)
. Physcia eirrhochroa Ach.: thallo leproso, passim lobulato, fere toto soredioso-
granulato, sat aurantiaco,; am Bahnhofe.
. Candelaria vitellina Ehrh. Subfrequens.
. Callopisma cerinum Ehrh. Vereinzelt.
. Callopisma pyraceum f. holocarpon Ehrh. Subfrequens.
. Gyalolechia aurella Hoffm. (S.)
. Blastenia ferruginea Huds. Vereinzelt.
40*
292 E. Kernstock.
27. Rinodina exigua Ach. (8.)
28. Rinodina pyrina Ach. Subfrequens.
29. Rinodina maculiformis Hepp. Vereinzelt.
30. Lecanora subfusca f. chlarona Ach. An mehreren Orten.
31. Lecanora Hageni Ach. (8.)
f. umbrina Ehrh. (8.)
32. Lecanora varia Ehrh. pallescens Schrk. Subfrequens.
33. Lecamora symmictera« Nyl. Frequens.
f. saepincola Ach. Vereinzelt.
34. Lecanora efjusa Pers. Vereinzelt.
35. Lecanora Pumilionis Rehm. Vereinzelt.
36. Icmadophila aeruginosa Fr. tr.
37. Secoliga diluta Pers. tr., auf dem Kienberge.
38. Psora ostreata Hoffm. tr. Larieis cum ap. auf dem Kienberge und steril
auf einem Bretterzaune beim Bahnhof.
39. Biatora atrofusca Fw. tr., vereinzelt.
40. Biatora viridescens Schrad. tr., hie und da.
41. Biatora asserculorum Ach. Vereinzelt.
42. Lecidea parasema Ach.
43. Bilimbia melaena Nyl. tr. Larieis.
44. Buellia punctiformis Ach. Wiesenplanken überziehend.
45. Coniangium escile f. rugulosum Kplh. (8.)
46. Xylographa parallela Fr. tr. Conif.
47. Calicium parietinum Ach.
48. Calicium virescens Schaer. tr. Larieis, auf dem Kienberge.
49. Calicium lenticulare Hoffm. tr. Larieis, ebenda.
50. Calicium trabinellum Ach. tr.
51. Cyphelium melanophaeum Ach. tr. Larieis, auf dem Kienberge.
52. Cyphelium trichiale Ach. Auf dem Getzenberge (8.).
f. filiforme Schaer.: thallus rarissime erenato-squamosus, plerumque granu-
loso-leproso-dissolutus, stipites filiformes; tr. Larieis, auf dem Kienberge.
Auf dem Bretterdache eines Häuschens in Issingen, welcher Ort auf dem
Pfalzener Plateau zu Füssen der nördlichen Schieferkette gelegen ist, fand ich
folgende nicht uninteressante Florula; leider war das Dach nicht besser zugänglich.
. Imbricaria saxatilis f. furfwracea Schaer.
. Imbricaria dubia Wulf.
. Imbricaria prolixa Ach. *
. Imbricaria conspersa Ehrh. Cum ap. *
f. isidiata Anzi. *
5. Xanthoria vitellina f. canthostigma Pers.
6. Lecanora badia f. einerascens Nyl. Cum ap. *
-o.m m
Lichenologische Beiträge. 293
7. Umbilicaria pustulata L. Cum ap. *
8. Pertusaria globulifera Turn.
Die mit * bezeichneten Flechten sind offenbar vom benachbarten Fels
übergesiedelt.
V. Species corticicolae.
Mit Rücksicht auf die zahlreichen Wiederholungen wird von der syste-
matischen Aufzählung der einzelnen Rindenfloren abgesehen. Nachfolgendes Ver-
zeichniss weist die Vorkommnisse auf 27 Rindenarten nach, von welchen jene auf
Pinus Abies und silvestris und auf Quercus nur der Form halber hier mitge-
nommen werden; alle übrigen dürften, was das eingangs umschriebene Gebiet
betrifft, einigermassen vollständig beobachtet sein. Die untersuchten Rinden ge-
hören an:
1. Pinus Larix. 15. Quercus pedumeulata.
2. Pinus Abies. 16. Fagus silvatica.
3. Pinus silvestris. 17. Acer Pseudoplatanus.
4. Juniperus communis. ı 18. Tilia parvifolia.
5. Betula alba. 19. Prumus Avium.
6. Almus incana. 20. Prunus Padus.
7. Alnus viridis. 21. Sorbus Aucuparia.
8. Populus tremula. 22. Fraxinus excelsior.
9. Salix purpwrea. 23. Derberis vulgaris.
10. Salix spec. 24. Rhamnus Frangula.
11. Corylus Avellana. 25. Rosa canina.
12. Sambucus nigra. 26. Vaccinium Vitis Idaea.
13. Sambucus racemosa. 27. Calluna vulgaris.
14. Lonicera Xylosteum. |
Die Pflanzen stehen zum grössten Theile im Marbachthale (8, 9, 11—15,
18—24), auch auf den buschigen Hügeln gegen Kiens (4, 5, 8, 11, 16, 17, 21) oder
auf dem Kienberge (1—3, 5, 7, 8, 11, 21, 23, 25, 27) oder Getzenberge (5, 26);
die Auen der Rienz bei Ehrenburg (6, 10) und St. Sigmund (6) lieferten die
Erlenflora.
1. Usnea barbata L., Larix, BDetula, Alnus incana, viridis, Populus, Corylus,
Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus, Sorbus, Berberis, Rhamnus, Calluna.
f. hirta L. Larix, Acer.
. Usnea scabrata Nyl. Abies im Antholz.
. Usnea microcarpa Arn. Ebenda..
. Alectoria jubata L. Larix, Betula.
. Alectoria cana Ach. Larix. ($8.)
. Evernia prunastri L. Larix, Betula, Alnus incana, Populus, Salix pur-
purea, Corylus, Sambucus nigra, Fagus, Acer, Tilia, Prunus Avium,
Padus, Sorbus, Fraxinus, Berberis, Rhamnus.
f. soredüfera Ach. Lari.x.
UM 0m
294 E. Kernstock.
15.
18.
19.
20.
21.
23.
Evernia thamnodes Fw. Larix, Betula, Tilia.
Evernia furfuracea L. Larix, Betula, Prunus Avium.
f. scobieina Ach. Larix.
Evernia vulpina L. Larix, Antholzer See.
. Ramalina pollinaria Ach. Vaccinium.
. Platysma complicatum Laur. Larix (von hier in Kerner A.-H.), Betula.
. Platysma pinastri Scop. Vaccinium, Calluna.
Imbricaria tiliacea Hoffm. Alnus incana, Acer, Prunus Avium, Fraxinus,
Berberis.
. Imbricaria dubia Wulf. Immer steril, mit grauem oder grünlichgelbem
Thallus, und im letzteren Falle von einer sorediösen Imbricaria caperata
oft nur bei genauer Besichtigung unterscheidbar: Larix, Pinus silvestris,
Betula, Alnus incana (von hier in Kerner A.-H. et Crypt. exs.), Populus,
Salix, Fagus, Acer, Tilia, Prunus Avium, Berberis, Rhammus.
Imbricaria saxatilis L. Larix, Juniperus, Betula, Alnus incana, Populus,
Salix, Corylus, Fagus, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus, Sorbus,
Fraxinus, Berberis, Rhamnus, Rosa.
. Imbricaria physodes L. Laris, Betula (cum ap.), Alnus viridis, incana,
Populus, Corylus, Fagus, Tilia, Prunus Padus, Rhamnus, Calluna.
f. labrosa Ach. Larix, Corylus, Prunus Avium.
. Imbricaria caperata Dill. Larix, Pinus silvestris, Jumiperus, Betula, Almus
viridis, incana, Populus, Salix purpurea, Corylus, Fagus, Tilia, Prumus
Avium (cum ap.), Sorbus, Fraxinus, Berberis, Rosa.
Imbricaria aspera Mass. Almus incana, Populus, Corylus, Acer, Tila,
Prunus Avium, Sorbus, Rhamnus.
Imbricaria exasperatula Nyl. Larix, Juniperus, Alnus viridis, Populus,
Salix purpurea, Corylus (cum ap.), Sambucus nigra, racemosa, Loni-
cera, Fagus, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus, Sorbus (cum ap.),
Berberis, Rhamnus, Rosa.
Imbricaria fuliginosa Fr. Larix, Juniperus, Betula, Alnus viridis, incana,
Populus, Corylus, Sambucus nigra, Lonicera, Fagus, Acer, Tilia, Prunus
Avium, Padus, Sorbus, Berberis, Rhamnus, Rosa.
f. subaurifera Nyl. Betula, Alnus incana, Salix purpurea, Corylus, Acer,
Tilia, Prunus Padus, Berberis, Rhamnus.
Imbricaria verruculifera Nyl. Larix, Almus incana, Populus, Acer, Tilia,
Prunus Avium, Fraxinus, Salix.
Parmelia pulverulenta Schreb. Alnus incana, Populus, Salix pwrpurea,
Salix, Corylus, Sambucus nigra, Lonicera, Acer, Tilia, Prunus Avium,
Sorbus, Fraxinus, Berberis, Rhamnus, Rosa.
f. detersa Nyl. Sorbus.
f. venusta Ach. Alnus incana, Sambucus nigra, Acer, Fraximus.
Parmelia stellaris L. Larix, Alnus viridis, incana, Populus, Sal pur-
purea, Salix, Corylus, Sambucus nigra, racemosa, Lonicera, Acer, Tila,
Prumus Avium, Sorbus, Fraxinus, Berberis, Rhamnus, Rosa.
24.
25.
Lichenologische Beiträge. 295
f. tuberculata m.: thallus tuberculis carneo-albicantibus conglomeratis hu-
mectis concoloribus obsitus (nec sunt cephalodia, nam continent gonidia
thalli). Almus incana, Corylus, Rhamnus, Rosa.
f. hispida Fr. Corylus.
Parmelia aipolia Ach. Alnus incana, Salix purpurea, Salix, Acer, Sorbus,
Frasinus.
Parmelia tenella Scop. Alnus incana, Populus, Salix purpurea, Corylus,
Sambucus nigra, racemosa, Lonicera, Tilia, Sorbus, Fraxinus, Rhamnus,
Rosa, Berberis.
f. subbreviata Nyl. Flora 1882 p. 456: thallus late effusus, imbricatus,
albido glaucus, laciniae latae breves digitato-crenatae, ad oras sorediosae,
rarissime fornicatae, superficie nudae, K +; stimmt weder mit dimidiata
Arn., noch tribacia Ach., mit welcher letzteren sie jedoch grosse Aehnlich-
keit hat. Alnus incana in der Au bei Ehrenburg.
. Parmelia dimidiata Arn. Alnus incana, Sambueus nigra, Acer, Prunus Padus.
. Parmelia obscura Ehrh. Alnus incana, Populus, Salix purpurea, Salıx,
Corylus, Sambucus nigra, Lonicera, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus,
Sorbus, Fraxinus, Berberis, Rhamnus, Rosa.
f. virella Ach. Alnus incana, Acer.
. Xanthoria parietina L. Alnus incana, Populus, Salix purpuwrea, Salix,
Corylus, Sambucus nigra, Lonicera, Acer, Sorbus, Frasinus, Rhamnus.
. Xanthoria candelaria L. Almus incana; Pinus silvestris, Hofern (S.).
. Xanthoria Iychnea Ach. Larix, Alnus incana, Populus, Salıw purpurea,
Salix, Corylus, Sambucus nigra, Acer, Tilia, Prunus Avium, Sorbus,
Fraxinus, Berberis, Rhamnus.
Candelaria concolor Dicks. Alnus incana, Populus, Salix, Corylus, Sam-
bucus nigra, Acer, Tilia, Rhamnus.
. Candelaria vitellina Ehrh. Larix, Betula, Alnus incana, Populus, Salix
purpurea, Corylus, Sambucus nigra, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus,
Sorbus, Fraxinus, Berberis, Rhamnus, Rosa.
f. zanthostigma Pers. Sambueus nigra, Prunus Avium, Padus, Berberis.
Callopisma cerinum Ehrh. Alnus incana, Populus, Salix purpurea, Salız,
Corylus, Sambucus nigra, Lonicera, Acer, Prunus Padus, Sorbus, Fra-
aimus, Berberis, Rhamnus, Rosa.
Callopisma pyraceum Ach. Larix, Alnus viridis, incana, Populus, Salıx
purpurea, Corylus, Sambucus nigra, racemosa, Lonicera, Fagus, Tilia,
Sorbus, Fraxinus, Berberis, Rhamnus, Rosa.
. Callopisma cerinellum Nyl. Acer, auf morschen Aesten.
. Blastenia ferruginea Huds. Prunus Avium.
. Blastenia caesiorufa f. cortieicola Anzi. Larix, Juniperus, Populus, Sam-
bucus racemosa, Prunus Padus, Rhamnus.
. Rinodina sophodes Ach. Alnus viridis, incana.
f. albana Mass. Betula, Almus viridis, Populus, Corylus, Sambucus race-
mosa, Tilia, Prumus Avium, Padus, Sorbus, Berberis, Rhamnus, Rosa.
296 E. Kernstock.
2
49.
40.
41.
42.
58.
Rinodina pyrına Ach. Larix, Juniperus, Alnus incana, Salix purpurea,
Corylus, Prunus Avium, Rhamnus.
Rinodina exigua Ach. Larix, Acer.
f. ramulicola m. Alnus incana, Populus (von hier in Arn. 1654), Corylus,
Sambucus nigra, Tilia, Prunus Avium, Padus, Sorbus, Berberis, Rhamnus,
Rosa.
Rinodina polyspora Th. Fr. Alnus incana, Populus, Acer, Sorbus, Frasxinus.
Lecanora subfusca L. Frequens.
f. chlarona Ach. Larix, Betula, Populus, Salix purpurea, Corylus, Sam-
bucus nigra, Fagus, Tiha, Prunus Avium, Padus, Sorbus, Fraxinus,
Rhamnus, Rosa.
f. glabrata Ach. Betula, Alnus incana, Populus, Corylus, Acer, Tilia,
Prunus Avium, Padus, Fraxinus, Rhamnus.
f. allophana Ach. Almus incana, Acer, Prumus Avium, Fraxinus.
f. variolosa Fw. Alnus incana, Fraxinus.
f. pinastri Scop. Larix, Jumiperus.
. Lecanora albella Pers. Prumus Padus.
. Lecanora angulosa Ach. Alnus incana, Acer, Tilia, Prunus Padus, Sorbus,
Frasxinus.
. Lecanora intermedia Kplh. Alnus incana, Acer.
. Lecanora Hageni f. umbrina Ach. Lonicera.
. Lecanora piniperda Kbr. Larix, Acer (in der Nachbarschaft von Coni-
feren).
Lecanora symmictera Nyl. Larix, Juniperus, Betula, Alnus incana, Sam-
bucus nigra, racemosa, Fagus, Acer, Tilia, Prumus Padus, Sorbus,
Rhamnus, Rosa, Calluna.
. Lecamia cyrtella Ach. Populus, Salix purpurea.
Biatora vernalis f. minor Nyl. Betula.
. Psora ostreata Hoffm. Larix, Kienberg; von hier in Kerner A.-H. Auf
dem Pfalzener Plateau häufig.
. Lecidea parasema Ach. Almus incana, Corylus, Fagus, Acer, Prunus
Avium, Padus, Sorbus, Fraxinus, Rhammus, Populus.
f. atrorubens Fr. Alnus incana.
Lecidea elaeochroma Ach. (olivacea H.). Acer, Tilia, Prunus Padus,
Sorbus, Berberis.
Biatorina nigroclavata Nyl. Populus, Corylus, Prunus Avium, Fraximus,
Berberis, Rhamnus.
. Arthrosporum accline Fw. Populus, Salix purpurea, Tilia, Sorbus, Berberis.
Bilimbia Naegelii Hepp. Almus incana, Populus, Berberis, Rhammus.
Scoliciosporum corticolum Anzi. Larix, Jumiperus, Almus viridis, incana,
Populus, Corylus, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus, Sorbus, Berberis,
Rhammus, Rosa.
Buellia parasema f. disciformis Fr. Larix, Betula, Sambucus nigra, Acer,
Prunus Padus.
Lichenologische Beiträge. 297
var. vulgata Th. Fr. Almus incana, Tilia, Prunus Padus, Rhamnus.
var. mierospora Wain. Betula, Fagus.
var. microspora f. erubescens Arn. Almus incana, Populus, Tilia, Prunus
Avium, Padus, Sorbus, Fraxinus, Rhammus, Rosa.
9. Buellia punctiformis Hoffm. Larix, Almus viridis, Corylus, Sambucus
racemosa, Tilia, Prunus Avium, Padus, Rhammus, Rosa.
. Buellia Schaereri De Not. Larie am Kienberge; von hier in Kerner A.-H.
. Arthonia astroidea Ach. Corylus, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus,
Frasinus.
. Arthonia punctiformis Ach. Populus.
. Arthonia populina Mass. Betula, Almus virıdis, Populus, Corylus, Sam-
bucus racemosa, Acer, Tilia.
. Melaspilea proximella Nyl. Jumiperus.
. Ooniangium exe f. rugulosum Kplh. Sambueus nigra, Sorbus.
. Graphis seripta f. elongata Ehrh. Alnus incana.
f. varia Ach. Fagus.
. Opegrapha herpetica Ach. Fagus: sperm. curvata (falcata), 5—-6%X 15;
sp. curvulae 3sept., 19—20 X 4, thallus rufescens.
f. stellaris Müll. Fl. 1871 S. 406: priori extus intusque similis excepta ap.,
quae sunt stellatim conferta; ebenda.
. Acolium viridulum Fr. Larix, Kienberg.
. Stenocybe byssacea Fr.: stipites saepius ramosae, sp. viridulae fusiformieilips.,
18—24 X 3—5, guttulis oleosis vel demum 3sept. Alnus incana.
. Calicium paroicum Ach. Pinus silvestris am Getzenberge, Vaceinium, beide-
male übergesiedelt.
. Caliecium praecedens Nyl. Alnus- viridis.
. Cyphelium chrysocephalum Turn. Larie am Kienberge; von hier in
Kerner A.-H.
. Coniocybe furfuracea Ach. Larix.
. Mierothelia micula Fw. Alnus incana, Prunus Avium.
. Pyrenula Coryli Mass. Corylus, Sambucus racemosa.
. Arthopyrenia analepta Ach. Almus incana. Die Art ist mir zweifelhaft;
Spermatien suchte ich überall vergebens.
. Arthopyrenia fallae Nyl. Populus.
. Arthopyrenia punctiformis Ach. Betula, Alnus incana, Populus, Corylus,
Sambucus racemosa, Tilia, Prunus Avium.
. Arthopyrenia rhyponta Ach. Almus incana, von hier in Kerner A.-H.; Populus.
. Arthopyrenia paracapnodes Stizb. Helv. p. 255: thallus tenwis nigricans,
ülo rhypontae similis, ceterum ab illo Coccodinii late obtectus, ap. pro-
minentia minuta, par. indistinctae, asci feracissimi oblongi, sp. inaequa-
liter fusiformes, 3—7 sept., 16—27 X 3—4. Die in der Mitte wenig dickeren
Sporen, welche von jenen der Arthopyrenia pluriseptata Nyl. gänzlich
verschieden sind, erinnern an die schmalspindeligen gewisser Opegrapha-
Arten; auf Quercus.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 41
298 E. Kernstock.
81. Leptorhaphis oxyspora Nyl. Betula.
82. Leptorhaphis tremulae Flik. Populus.
83. Mycoporum ptelaeodes Ach. Betula.
S4. Mallotium tomentosum Hoffm. Fraxinus.
85. Coccodinium Bartschiüi Mass. Corylus, Acer, Tilia.
Buellia parasema var. microspora Wain. f. erubescens Arn. (Nr. 58).
Rinodina exigua Ach. f. ramulicola m. (Nr. 40).
Eine Uebersicht der Rindenflora zeigt, dass die durch ihre Kalireaetion
(thallus K e flavo sangwineus) ausgezeichneten Parallelformen, nämlich Buellia
parasema var. microspora Wain., K rubens (— erubescens Arn. Lich. Ausfl. XIV
S. 493), und Rinodina exigua Ach. f. ramulicola m. (Arn. exs. 1654 et Zw.
62a,b), K rubens, nicht nur im Gebiete allgemein verbreitet, sondern überdies
fast immer an denselben Rindenarten miteinander anzutreffen sind, und zwar auf:
Almus incana, | Prumus Padus,
Populus tremula, Sorbus Aucuparia,
Corylus Avellana (nur Rinodina), Fraxinus esxcelsior (nur Buellia),
Sambueus nigra (nur Rinodina), Berberis vulgaris (nur Rinodina),
Tilia parvifolia, Rhammıs Frangula,
Prunus Avium, Rosa canina,
beide miteinander also auf 8 von 12 untersuchten Rindenarten. Zu bemerken
ist, dass auf Prunus Avium selbst der Thallus der Zecanora subfusca, wenn
auch erst nach längerer Zeit, eine deutliche Orangefärbung durch KHO zeigte.)
Dieses merkwürdige Zusammenvorkommen der beiden abnormen Reactions-
formen wird schärfer beleuchtet durch die Thatsache, dass hie und da auch die-
selben Formen ohne die eigenthümliche X-Reaction vorkommen, und zwar wieder
miteinander an denselben Rinden; die Buellia parasema var. microspora erscheint
dann ersetzt durch eine andere Form, etwa disciformis. Folgende Uebersicht
möge dies erläutern:
Larix: Rinodina exigua et Buellia parasema f. diseiformis.
Betula: — Buellia parasema var. microspora.
Fagus: — Buellia parasema var. micerospora.
Acer: Rinodina exigua et Buellia parasema f. disciformis.
Auffallend erscheint, dass Sambucus nigra neben der Rinodina ramulicola
die normal reagirende Duellia parasema f. diseiformis beherbergt; indessen ist be-
züglich letzterer ein Irrthum (mit Vernachlässigung der Reaction) nicht aus-
geschlossen.
Theils nun dieses beharrliche Zusammenvorkommen auf denselben Rinden,
theils die gelegentliche Beobachtung, dass gewisse Rindenperiderme durch XHO
'!) Auf den übrigen oben genannten Rinden wurde das Verhalten der Zecanora subfusca
nicht untersucht.
ta as
Lichenologische Beiträge. 299
tief blutroth gefärbt werden, legten mir den Gedanken nahe, dass zwischen dieser
K-Reaction des Periderms und der jedenfalls abnormen gleichartigen gewisser
Rindenflechten ein Causalnexus bestehen dürfte, und zwar einfach in der Weise,
dass die X-Färbung des Thallus der in Rede stehenden Flechten nicht die
Reactionserscheinung eines der Flechte angehörigen Stoffes, sondern des darunter
liegenden Substrates sei, welche durch den Flechtenthallus hindurehschlägt. Für
diese Ansicht scheinen mir einige Gründe zu sprechen, die ich im Folgenden
darlegen will.
Zuvor muss noch bemerkt werden, dass — wie eine viel spätere gelegent-
liche Besichtigung lehrte — in einem Falle der trockene Thallus von Buellia
erubescens Aın. genau jenen Stich in’s Röthliche aufwies, wie er alten oder ab-
geriebenen Lagern von Aspieilia cinerea, Placodium alphoplacum ete. eigen-
thümlich ist.
Eine Untersuchung von Rhamnus Frangula, wo ich zuerst die K-Reaction
des Periderms beobachtete, ergab folgendes Resultat. Ein Schnitt durch den
zusammenhängenden Thallus von Buellia erubescens sammt den darunter liegen-
den Rindenschichten zeigt folgende Maasse: Dicke des Thallus an den dicksten
Stellen 0081— 0'108 mm, an den Rissen 0'027 —0'041 mm, Korkschichte
0:041—0'095 mm; alle Zellen der letzteren sind mit einem rothen Farbstoff ge-
füllt; unter der Korkschichte befinden sich die ebenfalls tangental gestreckten
und reichlich Clorophyll führenden Zellenzüge des Korkecambiums; unter diesen
ebenso gestreckte Rindenzellen und in gewissen Abständen radiale und tangentale
einschichtige oder zweischichtige Zellenzüge mit goldgelbem Inhalt: Frangulin.
Auf Zusatz von KHO dringt ein rother Farbstoff der Korkzellen in einer dichten
Wolke durch die dünne Thallusschicht und lagert auf derselben, wird aber durch
die geringste Wasserbewegung fortgeschwemmt; dieses Letztere kann auf der
Flechte im natürlichen Zustande nicht eintreten. Zugleich färben sich die mit
gelbem Inhalt gefüllten Zellenzüge erst orange, dann purpurn, und die Zellenzüge
des Korkes, welche am Rande des Schnittes liegen, werden ganz entfärbt. Auf
Zusatz von H, 50, zeigt sich nicht die smaragdgrüne Reaction des Frangulin
(vide Strassburger, Botan. Practicum, Reag. IV S. 635), sondern der Inhalt
in den goldgelben Zellen scheint sich zu concentriren; auf Zusatz von Wasser
schiessen Büschel von langen Nadeln an, welche sich in XHO mit rother Farbe
lösen. Dagegen werden die zahlreichen Gonidien des Flechtenthallus durch
H; SO, intensiv smaragdgrün gefärbt. Die Reactionserscheinungen dieses für
Frangulin angesehenen Stoffes berühren aber offenbar die Flechte nicht. Bewei-
send ist folgender Umstand: Wird auf dem Gesammtquerschnitt der Flechten-
thallus behutsam vom Periderm gelöst und separat der Einwirkung von KHO0
ausgesetzt, so tritt die Rothfärbung nicht ein; der Flechtenthallus hat also den
Farbstoff aus der Rinde nicht in sich aufgenommen.
Ganz dasselbe Resultat ergab sich bei der Untersuchung derselben Pflanze
auf Populus tremula, nur dass hier die Frangulinzellen fehlen. Nur die mit
rothem Farbstoff gefüllten Peridermzellen strahlen auf Zusatz von KHO Wolken
jenes Farbstoffes aus, welcher in ähnlichen sternförmigen röthlichen Krystall-
41*
300 E. Kernstock.
bündeln anschiesst, wie der in Aspieilia cinerea, Lecidea lactea, Phlyetis ete.
enthaltene Stoff. Sollte sich der in vielen Peridermen gefundene mit diesem
letzteren specifischen Flechtenstoffe!) als identisch erweisen, so wäre das der
stärkste, kaum zu widerlegende Einwand gegen die Stichhältigkeit meiner An-
sicht, welchem gegenüber ich aber die Richtigkeit des Hauptresultates meiner
Untersuchungen, nämlich des Hindurchschlagens der Rindenreaction durch den
Thallus der ganz normal reagirenden Flechte, trotzdem aufrecht halten möchte.
Weniger evident waren mir die Aufschlüsse, welche ich bei der Unter-
suchung derselben Flechte auf Prunus Padus gewann. Zweifellos zeigen dünne
Querschnitte, dass auch hier der Thallus an der Rothfärbung durch KHO ganz
unbetheiligt ist; aber die von der rothen Peridermschichte ausstrahlende Wolke
drang durch den Thallus nicht hindurch. Möglicherweise dies aber deshalb
nicht, weil durch den Schnitt eine ziemlich gleichmässig dicke Lage des Thallus
getroffen war; thatsächlich sieht man die rothe Färbung umso rascher und deut-
licher auf den Lagern von Buellia erubescens auftreten, je granulöser, d.h. je
ungleichmässiger dick sie sind, und dantı erscheint die Rothfärbung nicht gleich-
mässig vertheilt, sondern fleckenförmig intensiver.
Deutlicher ergab sich der Ursprung der Rothfärbung an dünnen Flächen-
schnitten durch die Flechte. Tangirte der Schnitt keine röthliche Periderm-
zellschicht, so ergab sich lediglich die normale Gelbfärbung des Thallus; sobald
aber die geringste Peridermpartie vom Schnitte getroffen war, so drang von hier
aus, wie von einer Insel, die rothe Wolke hervor. Der isolirte Thallus ergab
auch hier keinerlei abnorme Reaction.
Dieselbe Pflanze auf Prunus Avium verhielt sich ebenso.
Ganz ähnliche Resultate gewann ich von Rinodina ramulicola, welche
ich auf Tilia parvifolia untersuchte. Der isolirte Thallus ergab auch hier keine
abnorme Reaction. Die Peridermzellen sind ebenfalls mit rothem Farbstoff
gefüllt.
Bei Prunus Avium ist die äusserste mehrschichtige Peridermlage farblos
und erst die darunter liegende Zellschicht roth gefärbt. Dünne Querschnitte
zeigten, sowohl bei Rinodina ramulicola als bei Buellia erubescens, dass empor-
gehobene dünne Schichten des farblosen Periderms linsenförmige Nester des stark
chlorophyllhältigen Thallus einschliessen; diese Nester mit den dazwischen
liegenden Peridermschichten behutsam abgehoben, zeigten nicht die mindeste
Reaction.
Dass die Rothfärbung des Thallus von Lecanora subfusca var. glabrata
nicht so intensiv und erst nach längerer Zeit auftritt, kann seine verschiedenen
Gründe haben, welche aber alle darin gipfeln, dass der Thallus dieser Flechte
— und vielleicht auch von Buellia parasema f. disciformis — für den Durch-
tritt des Farbstoffes minder günstig constituirt ist.
ı) Zopf, Zur Kenntniss der Flechtenstoffe, und Schwarz, Flechtensäuren, gaben mir dar-
über keinen Aufschluss.
Zu 4 A du in un DZ GA Zu U dl EU] Oo 4 220004 ce en Zi ur ie Me ee Me
Lichenologische Beiträge. 501
Da ich die abnorme Färbung unserer Rinodina- und Buellia-Formen der
Reaction der Rindensubstrate zuschrieb — ohne freilich über die Natur dieses
Stoffes trotz fleissigen Nachsuchens in der Literatur irgend einen Aufschluss zu
erhalten —, so musste mir das Vorkommen der Rinodina ramulicola auf Lärchen-
planken in Jenesien (von hier in Kerner A.-H. 2749) einen sehr unangenehmen
Strich durch meine Rechnung bedeuten; denn hier konnte ich eine Reaction des
Substrates nicht erwarten: die alten Bretter sind völlig rindenlos.
Der Thallus der Flechte verschwindet hier fast völlig unter den gedrängten
Apotheeien. Der weisse breite Rand derselben wird nach einiger Zeit, nachdem
eine sichere Gelbfärbung vorausgegangen, durch XHO intensiv blutroth gefärbt;
der isolirte Rand zeigt mikroskopisch keine abnorme Reaction; man bemerkt
überhaupt gar keine.
Wohl aber zeigte es sich, dass rothe Wolken — wieder charakterisirt durch
die Krystallsternehen — unmittelbar unter den Apotheeien entstanden, und zwar
von zahlreichen kleinen zerstreuten granulosen gelben Klümpehen ausgingen;
ich konnte mich nicht überzeugen, ob diese Körperchen in den unteren Thallus-
schichten oder im Bereiche der Unterlage sich befanden. Nun aber machte ich,
um die Unterlage zu prüfen, einen Tangentalschnitt durch das Holz, und zwar
auf der anderen Seite des etwa 2 mm dicken Brettchens und siehe da: in ein-
zelnen Zellenzügen, und zwar sehr verbreitet, ebenso in allen hier meist ein-
schiehtigen Markstrahlen befanden sich gelbbraun gefärbte, offenbar amorphe,
stark lichtbreehende Körper von unregelmässig eckigen Umrissen, welche durch
KHO unter den Augen des Beobachters mit rother Farbe sich lösten.
Auch hier gingen rothe Wolken von dem Schnitte aus, doch konnte ich
die charakteristischen Nadelbüschel darin nicht entdecken.
Einen directen Beweis dafür, dass der in der Flechte bemerkte Farbstoff
mit dem in der Unterlage befindlichen identisch sei, kann ich also nicht bei-
bringen. Soviel steht aber doch fest, dass der Apothecienrand, welcher im
Zusammenhange mit der Flechte und Unterlage makroskopisch die deutlichste
Reaction aufweist, isolirt nicht reagirt, und dass die Unterlage sehr reichlich
einen durch XHO mit rother Farbe löslichen Stoff besitzt. Wenigstens glaube
ich, dass diese letzten Beobachtungen keinen Gegenbeweis gegen meine oben
ausgesprochene Ansicht enthalten.
Aus allen diesen Untersuchungen, welche übrigens in mancherlei Hinsicht
zu ergänzen wären, glaube ich folgern zu dürfen, dass die Rothfärbung des
Thallus durch XHO, und zwar bei Buellia erubescens Arn. und Rinodina ra-
mulicola m., keine diesen Flechten eigenthümliche, sondern vom Substrate her-
rührende ist.
Da überdies die Sporen, sowie der Habitus (wie endlich der Standort) der
Buellia erubescens Arn. mit jenen der Buellia parasema var. microspora
Wainio völlig übereinstimmen, so glaube ich, dass die beiden Formen der
Buellia parasema und Rinodina exigua höchstens als Standortsformen, hervor-
gebracht durch eigenthümliche chemische Beschaffenheit des Substrates, zu be-
trachten sind.
302 E. Kernstock.
[89]
VI. Syntrophen.
. Abrothallus Parmeliarum Sommerf. Auf dem Thallus der Imbricaria prolixa.
. Nesolechia oxyspora Nyl. Auf derselben Flechte vom Bretterdache in Issingen
und auf dem Thallus von Imbricaria saxatilis auf einem Kirschbaum im
Marbachthale.
. Nesolechia pumetum Mass. Auf den Thallusschüppchen der Cladonia digitata
an mehreren Orten.
. Cereidospora caudata m. (vide Beitr. VI S. 212), auf der Apothecienscheibe
von blastenia ferruginea f. saxiola Mass. Gn., Kiens: sp. 1sept., incol.
fusiformes medio constrictae, saepius ceurvulae, 24—35 X 5—7, asci 8 sp.,
oblongo-eylindriei, par. filiformes parcae, perith. sordide glaucum.
Nachdem Cereidospora Ulothü Kbr. Par. p. 486, Stein Schles.
S. 347, mit Cereidospora epipolytropa Mudd. offenbar identisch ist, wäre
diese vorliegende Flechte möglicherweise nur eine Form; dagegen sprechen
aber die constant grösseren Sporen, welche entweder beiderseits oder an
einem Ende fast immer in eine feine schwanzartige Spitze ausgezogen
sind, und endlich der Standort.
. Pharcidia congesta Kbr. Auf den Apothecien von Lecanora subfusca
f. chlarona an Fraxinus.
. Arthopyrenia conspurcans Th. Fr. Supra ap. Scolie. corticoi in Rhamno:
sp. obtusae 1sept., cum 2 guttulis, 9—-10%X 4, par. nullae ; nicht ganz sicher.
. Tichothecium gemmiferum Tayl. Supra thallum Leecideae enteroleucae f. pun-
gentis et Rinodinae discoloris f. candidae.
. Tichothecium pygmaeum Kbr. Supra thallum Leeideae grisellae (8.).
f. grandiusculum Arn. Supra thallum Rhizocarpi exentriei et Lecideae
grisellae.
Zu: II. Bozen.
Einige Nachträge, welche im Frühling 1894 gesammelt wurden, mögen
hier Erwähnung finden:
a) Populus nigra in der Kaiserau.
Ramalina spec. quaedam, juvenilis. — Imbricaria aspera Mass. — Parmela
aipolia Ach. — P. dimidiata Arn. exs. 1367. — P. tenella Scop. — P.
obscura f. eycloselis Ach. — Candelaria concolor Dieks. — (. vitellina
Ehrh. — Callopisma cerinum Ehrh. — C. cerinellum Nyl. — 0. pyra-
ceum Ach. — Lecanora sambuei Pers. — Rinodina polyspora Th. Fr. —
Lecidea parasema Ach. — Biatorina nigroclavata Nyl. — Bilimbia
Naegelii Hepp. — Coniangium exile f. rugulosum Kplh. — Arthonia popu-
lina Mass. — Calicium populneum De Broud.
Lichenologische Beiträge. 303
b) Fraxinus Ornus in der Kaiserau.
Blastenia ferrugines Huds. — Lecanora symmictera Nyl. — Biatorina nigro-
clavata Nyl.; von hier in Kerner A.-H. — Bilimbia Naegelü Hepp.
e) Pyrus Malus in Gries.
Xanthoria parietina L. — Arthopyrenia rhyponta Ach. — Coccodinium Bartsch
Mass.
d) Persica vulgaris in Gries.
Xanthoria parietina L. — Imbricaria aspera Mass. — Parmelia stellaris L. —
P. obscura Ehrh. — Rinodina sophodes f. albana Mass. — Callopisma
cerinum Ehrh. — C. pyraceum Ach. — Candelaria concolor Dicks. —
Arthrosporum accline Fw.
e) Oydonia vulgaris in Gries.
Xanthoria parietina L. — X. Iychnea Ach. — Parmelia aipolia Ach. — P.
tenella Scop. — P. obscura Ehrh. et f. virella Ach. — P. adglutinata
Flik. — Imbricaria verruculifera Nyl. — Candelaria concolor Dicks. —
Callopisma cerinum Ehrh. — Lecidea parasema Ach. — Biatorina nigro-
elavata Nyl.
f) Mauern in Gries.
Callopisma flavovirescens. — KRinodina erustulata Mass. — Leptogium atro-
caeruleum. — Collema pulposum.
g) Castanea vesca im Garten des Sandwirthes.
Arthopyrenia analeptella Nyl. Fl. 1872 p. 363: thallus non visibilis, ap. minora
et confertiora quam apud fallacem, par. distinetae, sp. oblongo-ovales,
non constrietae, 18—20 x 4—5; Anzi m. r. 395 in coll. Eggerth (Mus.
Univ. Vienn.) sunt mixta e A. pluriseptata Nyl. et punetiformis Ach.
h) Bewässerungsgräben zwischen Bozen und Sigmundskron.
Bei der Novemberabkehr des Wassers sammelte ich Arthopyremia rivu-
lorum m. für Kerner A.-H.
i) Castell Feder.
Cladonia rangiformis Hoffm.; von hier in Kerner A.-H. — C. endiviaefolia
Dicks.; von hier in Kerner A.-H. — Imbricaria perlata et eiliata DC.,
porph. — Parmelia speceiosa Wulf., porph. — Normandina pulchella Borr.,
porph.
304 E. Kernstock.
Zu: V. Judicarien.
Zu Pfingsten des Jahres 1894 war es mir vergönnt, nach jahrelanger
Pause wieder einmal mein geliebtes Judicarien aufzusuchen. Hauptsächlich galt
der Besuch den grandiosen, von einem Bergsturze herrührenden „Marocche*,
einem hügeligen jurassischen Kalktrümmermeere im Sarcathale, von der Stadt
Arco in 1!/, Stunden erreichbar. Leider konnte ich diesem Platze, welcher — den
Proben nach zu schliessen — eine sehr interessante Ausbeute liefern müsste, nur
wenige Stunden widmen; denn vor einem ausgiebigen Pfingstregen flüchtend,
‚musste ich froh sein, noch denselben Abend den Postwagen nach Arco besteigen
zu können. Um diese Marocche mit Erfolg durchsuchen zu können, gehört sehr
viel Zeit, ein eisenbewehrtes Schuhwerk und ein leidlich kühler Tag dazu. Auch
müssten mit Bedacht günstige Plätze aufgesucht werden, da die Flechtenvegetation
über einen grossen Raum zerstreut ist. Nach Ausheiterung des Himmels bestieg
ich Abends den Schlossberg in Arco. Die Oliven zeigten dieselbe artenarme Flora,
wie ich sie schon Vormittags unterwegs nach Dro auf dem Kirchenhügel von
St. Martin zu beobachten Gelegenheit gehabt hatte; fast nur Frullania und kleine
Laubmoose besiedelten die abgekratzten Stämme. Auf diesen krochen überdies
eine Menge riesiger Julus terrestris herum, ein schlechtes Wetterprognostikon für
den nächsten Tag. Auf den Mauerstaffeln der Oelbaumterrassen fällt die üppige
Vegetation von Collema pulposum auf; eine verfallene Mauer unter dem Thore
des Castells trug reichliches Psoroma fulgens. Gerne hätte ich den weithin
schauenden alten Cypressen einen Besuch gemacht; sie waren mir aber nicht
zugänglich.
Am nächsten Morgen fuhr ich nach Nago, und konnte nicht umhin, gleich
ausserhalb des Festungsthores die „Laste* des Monte Baldo zu bearbeiten, unter
den Augen und sehr zum Erstaunen der Besatzung. Ausser dem ewigen bunten
Einerlei von Verrucaria purpurascens, Kanthocarpia ochracea und Biatora in-
crustans war aber wenig zu holen. Der Staub der nahen Landstrasse war wohl
kaum vegetationsgünstig. Vom trümmerreichen Abhange des Monte Baldo ober-
halb Torbole hatte ich viel mehr erwartet. Nachmittags zog ich bei drückender
Gewitterschwüle den alten Saumweg von Torbole unter dem Castell Penedal gegen
Nago hinauf. Dieser Weg zieht sich anfangs eben, dann aber stark ansteigend
durch einen grösseren, in den bekannten Staffeln gebauten Oelbaumwald hinan;
auf einem einzigen Baume sah ich ein Mallotium Hildenbrandü in zwerghafter
Entfaltung und schön fructifieirendes Lethagrium conglomeratum. Irgend eine
interessante pyrenocarpe Flechte zu entdecken, was bei der hellfärbigen glatten
Rinde wirklich nicht schwierig gewesen wäre, war mir selbst bei der grössten
Aufmerksamkeit nicht möglich. Auf der Höhe angekommen, untersuchte ich wieder
die Gesteinsblöcke am Abhange des Monte Baldo; hier war die Leciographa para-
sitica häufig, gerade unter den Ruinen des Castells Penedal.
In Nago deponirte ich meine bisherige Ausbeute in einem gefüllten Flechten-
sacke in der Station. Dann begab ich mich auf den alten Saumweg nach Arco,
welcher unterhalb der neuen Strasse auf einem gegen Süden exponirten Vor-
Zu 32 [0 2 2 Zu
Lichenologische Beiträge. 305
sprunge zwischen zahlreichen Kalksteinklippen in Windungen hinabzieht und mir
schon auf früheren Reisen aufgefallen war. Diese sowohl von der Ora des Garda-
sees als von dem aus dem Sarcathale kommenden Luftzuge bestrichenen Fels-
bänke zeigen zahlreiche ausgenagte Höhlungen. Die Hexenringe von Collema
multifidum, die immer wiederkehrenden und auf dem weissen Gesteine nicht
übersehbaren südlichen schwarzen Gloeolichenen, sowie eine schmächtige Cladonia
endiviaefolia im trockenen Rasengrunde fallen sofort in’s Auge.
Zeigt sich auch die Lichenenflora aller besuchten Plätze beinahe identisch,
so dürfte doch der Charakter der hiesigen Kalkflora in der gegebenen Ausbeute
ziemlich ausgeprägt sein; sie unterscheidet sich von der durch Arnold beim
Ponale gewonnenen sehr wenig.
Von den Abkürzungen bedeuten: A. — Castell Arco, M. — Marocche,
N. = Nago, P. = Penedal, T. — Abhang ober Torbole, V. = Via vecchia nach Arco.
I. Species calcicolae.
. Parmelia albinea Ach. (Arn. exs. 429). V.
. Placynthium nigrum Huds. M., N., P.
. Wilmsia radiosa Anzi. A., P.
. Physcia Heppiana Müll. M., A., T. (muri), V., Dro (muri).
. Physcia pusilla Mass. V.
. Physcia granulosa Müll.: thallus gramulosus, ambitu indistinete radioso-
laciniatus, aurantiacoflavus, sterilis, K +; vestigia; stimmt zu keiner
anderen. T., V.
7. Gyalolechia lactea Mass. A., N. V.
8. Callopisma vitellinulum Nyl.: thallus eitrinus, gramuloso-verrucosus, disper-
sus, ap. plana vitellina, marg. integro, cum thallo K purp., sp. Snae,
ellipsoid., sporobl. approximatıs; N.
9. Callopisma flavovirescens Wulf. T. (muri), P.
10. Callopisma aurantiacum f. Velanum Mass. M.,V.
11. Xanthocarpia ochracea Schaer. N., P., V.
f. saxwicola Mass. Fl. 1881 p. 513. V.
f. Tactea Mass.: thallus albus, passim leviter flavescens; M., V.
12. Pyrenodesmia chalybaea Duf. V.
13. Pyrenodesmia variabilis Pers. M., N., P.
14. Pyrenodesmia Agardhiana Ach. M.,A. N, P,V.
15. Ricasolia candicans Dicks. M.
16. Placodium murale f. versicolor Pers. M., V.
17. Psoroma gypsaceum Sm. T.
18. Psoroma fulgens Sw. A.
19. Rinodina Bischoffii Hepp. N.
f. immersa Kbr. N.
20. Rinodina Dubyanoides Hepp. P., V.
21. Lecanora dispersa Pers. M., Dro (muri).
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 42
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306 E. Kernstock.
22.
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48.
Lecanora erenulata Dicks. N., Dro (muri).
Lecania Rabenhorstii Hepp. M., A., V.
Aspietlia calcarea L. N., V.
f. contorta Hoffm. P.
f. einereovirens Mass. V.
f. farinosa Flk. P., eum Leeciographa.
5. Jonaspis Prevostü Fr. M., P.,V.
. Petractis exanthematica Sm. M., N.
. Thalloidima candidum Web. V.
. Thalloidima coeruleo-nigricans Lghtf. A., N.
9. Thalloidima tabacinum Ram. T., V.
. Toninia aromatica Sm. T.
. Biatora rupestris f. rufescens Hoffm. M., A., N., T., P.,V.
tr ealia Dicke. MEENS Al,
. Biatora incrustans DC. M.. N., P.
. Biatora eyelisca Mass. M., P., V.
. Biatora Metzleri Kbr. A., P.
. Lecidea immersa Web. M., P.
. Biatorina lenticularis Ach. M., N., T., P.: forma illa, quam Arn. Lich.
Ausfl. IX S. 33 descripsit; V.
f. nigricans Arm. M.
f. pulicaris Mass. A.
. Catillaria tristis Müll. M.,\V.
. Bilimbia subtrachona Arn. Supra cementum muri, A.: thallus erassiusculus,
verrucoso-conglomeratus, albidus, humectus virescens, ap. atra plana
marginata vel immarginata, ep. oliwvaceo-fuligineum, hyp. obscure rufum,
subtus praecipue addito KHO purpurascens, sp. 3sept., elongato-oblongae,
19—22%X 4, septis paullo constrietae (omnino ut in Arn. Lich. Fragm.
VII Fig. 4—6).
. Sarcogyne pruinosa Sm. A.,.N.
. Diplotomma epipolium Ach. P., V.
. Lecanactis Stenhammari Fr. Thallus sterilis cum Arn. exs. 560 extus intusque
omnino congruens. T.
. Eindocarpon miniatum Ach. M.
. Catopyrenium lecideoides f. minutum Mass. A. (cement.).
. Dermatocarpon pusillum Lönnr. A., N.
5. Stigmatomma clopimum Wbg. A.
6. Lithoicea murorum Mass. M.: thallus atrofuscus, sp. 22—27 X 18—20; mit
Rücksicht auf Arn. Flora 1860 8.75 für diese Art entschieden; A., T.
. Lithoicea macrostoma Duf.: thallus fusco-nigricans, minute rimulosus, ap.
ampla, prominentia, ostiolo papillato, sp. late ellipsoideae, 27—30%X
14—16. A.
Lithoicea viridula Schrad. (?): thallus verruculosus, fuscescens, ap. mediocria
prominentia, sp. late ovales, 23>—31%X14—16. Thallus nicht eigentlich
-
64.
65.
66.
67.
68.
69.
Lichenologische Beiträge. 307
höckerig, sondern den warzigen Erhabenheiten des oolithischen Kalksteines
folgend; übrigens nur ein einziges Apotheeium vorhanden; T.
. Lithoicea cataleptoides Nyl.: thallus fuscus, diffracto-areolatus, ap. minuta,
apice prominentia, sp. 19X8. \.
. Lithoicea nigrescens Pers. M.,A., N., T., P.,V.
. Lithoicea glaucina Ach. P.
. Verrucaria purpurascens Hoffm. M., N., P.
. Verrucaria Dufourei DC. M., T.
. Verrucaria lilacina Mass. N.: thallus lilacinus vel pallide violascens, K
intensius coloratus, ap. non vidi, spermog. numerosissima, sperm. ellipsoid.,
atomanria.
. Verrucaria muralis Ach. A.
. Verrucaria calciseda DC. M., A., N., T., P,V.,
. Verrucaria myriocarpa Hepp. N., T., V.
. Verrucaria maculiformis Kplh. V.: thallus umbrinus vel sordide inqwinatus,
continwus vel tenwissime rimulosus; ap. minuta emersa, sp. 11—15 X 7—8.
. Verrucaria phaeosperma Arn.: thallus caesius conferruminatus, ap. numerosa
minuta, immersa solo apice wisibili non prominente, perith. dimidiatum,
sp. 233—27 x 9—14, aetate fuscae; T., V.
. Amphoridium veronense Mass. M., N., P., V.
. Amphoridium dolomitieum Mass. M.
62.
. Thelidium qwinqueseptatum Hepp. N.: thallus albus conferruminatus, ap.
Thelidium decipiens Hepp f. scrobiculare Gar. P.
dispersa mediocria immersa solo apice prominula, wel rarıus semiemersa,
sp. 3 sept., umo vel altero loculo semel divisis, 33 —41 X 15—16.
f. caesium m.: thallus caesius, ap. parvula, immersa, perith. integrum, sp.
43—46 x 12—16; durch den gut entwickelten, auffallend bläulichweissen
Thallus, der nirgend angezeigt wurde, charakterisirt; N.
Staurothele caesia Arn. M., N.
Staurothele nigella Kplh.: gonidia hymenialia solito majora, diam.7, numerosa,
sp. 2nae, 41—62 X 14—20, primum incoloratae, demum roseolae; M., A.,\V.
Mierothelia minor m.: thallus conferruminatus vel crassiusculus, albus
vel cinerascens, ap. minutissima, emersa, globosa, nitida, intus bene evo-
luta; sp. im aseis late saccatis Snae, obtusissime ellipsoideae, medio vix
constrictae, fuscae, 1sept. 12—18xX5—8, par. mulla, J hym. vinose
rubens; M., P.
A marmorata et cartilaginosa differt sporis minoribus, aliis, ap.
minoribus, reactione alia; parum adest.
Mit Phaeospora propria Arn. Lich. Ausfl. IX Nachtr. 1893 S. 130
wohl kaum identisch, da sie wahre Microthelia-Sporen und stellenweise
einen deutlichen Thallus besitzt.
Miecrothelia marmorata Schl. A.
Arthopyrenia saswicola Mass. M., N., P.
Arthopyrenia tichothecioides Arn. M., N., T., V.
42*
308 E. Kernstock.
70. Leptogium atrocoeruleum f. pulvinatum Hoffm. Inter muscos supra cemen-
tum: A.
71. Collema multifidum Scop. M., V.
72. Collema cheileum f. Metzleri Hepp. Dro (muri).
73. Collema pulposum Ach. A., N., T., P.
74. Collema molybdinum Kbr. An zwei Orten, mir nicht zweifellos; P.: thallus
lacımiatus, siccus prwinosus, lacinüs imbricatis erectis undulato-plicatis,
oris integerrimis passim papillis exasperatis; sterilis. Statu humectato
pulposo non dissimilis. V.: sp. 22—30%X 6—8, 3 sept., altero apice sae-
pissime acutatae.
75. Thyrea pulvinata Schaer. M., P.: optime evoluta sed sterilis.
76. Thyrea decipiens Mass. V.
77. Thyrea Notarisüi Mass. M., T., P., V.
78. Synalissa ramulosa Schrad. M. N.
79. Thelochroa Montinii Mass. M., N., P., V.
80. Spilonema paradoxum Born. (Nyl. Syn. Taf. II Fig. 3). Cum ap. M.: thallus
filamentosus, ap. lecideina atra convexula illis Placynthü nigri simil-
lima, ep. sordide glaucum, par. validae pulchre articulatae, sp. oblongo-
ellipsiae vel oblongae, cum guttulis oleosis minutis, -11xX3-—4, J hym.
coerulescens.
Ein paar Psorotichia-Species, die ich nicht unterzubringen weiss, mögen
hier noch erwähnt werden.
II. Syntrophen.
Leciographa parasitica Mass. In Gruppen am Rande des Thallus von Verru-
caria calcıseda (P.) und auf dem Thallus von Aspieilia calcarea f. fari-
nosa (P., V.).
f. conglobata m.: ap. saepissime confertissima, quasi glomerulis conglobata,
minuta, ellipsoid. vel subrotundata, obtusa subrecta simplicia, disco
ommino coarctato, margine rotundato; auf dem Thallus von Dermato-
carpon pusillum Lönnr. Auf Mauern bei T.
Tichothecium gemmiferum Tayl. Supra thallum Lithoic. nigrescentis (M., P.).
Tichothecium pygmaeum Kbr. Supra thallum Rinodinae Bischoffii, Biatorae
rup. ruf. et Aspieiliae calcareae (N.), Aspiciliae calcareae f. contortae (P.)
et Gyalolechiae lacteae, Pyrenodesmiae Agardhianae, Amphorid. Vero-
nensis (V.).
III. Species muscicolae et terrigenae.
1. Cladonia endiviaefolia Dicks. V., museci.
2. Cladonia pyxidata Pocillum Ach. M., V., terra.
3. Peltigera rufescens H. N., musci.
4. Solorina saccata L. M., terra.
Lichenologische Beiträge. 309
5. Wilmsia radiosa Anzi. M., musci.
6. Psoroma decipiens Ehrh. M., T., V., terra.
7. Psoroma crassum f. caespitosum Vill. M., terra.
f. dealbatum Mass. T., terra.
8. Psoroma gypsaceum Sm. T., terra.
9. Psoroma fulgens Sw. V., musci.
10. Urceolaria seruposa L. T., terra.
11. Thalloidima coeruleonigricans Lghtf. M., T., terra.
12. Psora lurida Ach. N., T., V., terra.
13. Dermatocarpon pusilum Lönnr. M., T., V., terra.
14. Leptogium atrocoeruleum Hall. N., musci.
15. Collema ceristatum L. Sterilis inter muscos, M.: thallus laciniatus imbri-
catus, undulatocerispus, marginibus granulato-eristatis.
16. Collema subplicatile Nyl. N., musci. Meine Erfahrung reicht nicht so weit,
um diese üppig entwickelte, aber sterile Flechte, welche vermöge ihres
zerschlitzten Thallus in die Gruppe der multifidum gehört, sicher zu be-
stimmen; am ehesten dürfte sie zur angeführten Art gehören.
17. Synalissa ramulosa Schrad. M., inter muscos optime fructifera; sporae
eirca 30, globosoellipsoid., S-11X7—9; ep. hyp. fuscoluteum, J hym.
fulvescens, gomidiorum glomeruli purpurei K violase.
IV. Lichenes supra Oleam europaeam.
Mit Rücksicht auf die flechtenreichen Oelbäume in Italien und den Um-
stand, dass über die diesbezügliche Flora Tirols bisher meines Wissens nichts
veröffentlicht wurde, habe ich die Gelegenheit benützt, die zahlreichen Oelbaum-
haine in der Umgebung des Gardasees zu untersuchen. Ich muss aber gestehen,
dass selbst alte, wildzerrissene Bäume, an denen namentlich unterhalb Torbole
kein Mangel ist, eine ebenso gleichförmige als ärmliche Florula ernähren. Ja
die Rinden vieler Bäume machten mir den Eindruck, als ob sie zeitweise mit
‘Absicht von anhaftenden Gewächsen befreit würden, denn sie sehen wie geschunden
aus und beherbergen auch keines der sonst häufigen kleinen Laubmoose. Die beste
Ausbeute boten noch die Oelbäume auf dem alten Saumwege von Torbole nach
Nago. (Zu den Abkürzungen kommt hinzu: M. — St. Martino bei Arco.)
. Parmelia stellaris f. hispida Fr. P.
. Parmelia tenella Scop. T., M., P.
. Parmelia obscura Ehrh. T., A., M., P.
. Xanthoria parietina L. M., P.
. Candelaria concolor Dicks. T., M., P.
. Candelaria vitellina Ehrh. T.
. Callopisma cerinum Ehrh. M.; ob nicht vielleicht haematites Chaub., liess
sich aus dem mangelhaften Exemplar nicht erkennen.
8. Blastenia ferruginea Huds. M.
SOoOUTPproDH
310 E. Kernstock. Lichenologische Beiträge.
9. Rinodina Oleae Bgl. (Erb. eritt. it. 1.35). A.: thallus granulosus, sordidus,
ap. margine subsordido pallescente, sp. fusiformi-oblongae, medio vix con-
strietae, 19—23 X 5—6—5, sporobl. rotundis.
10. Lecanora albella Pers. M., P.
11. Lecidea parasema Ach. T., M., P.
12. Arthonia astroidea f. radiata Pers. M.
3. Mallotium Hildenbrandü Gar. P.
14. Collema molybdinum f. Oleae m. M.: thallus rufescens, varie plicatus et
papillosus, nec pruinosus; ap. obscure rufa ampla; sp. (simillimae illis
©. pulposi et molybdini) 3sept., altero apice acutatae, 24%X5—7.
15. Lethagrium flaceidum Ach. Sterilis, A., M.
16. Lethagrium conglomeratum Hofim. P.: sp. fusiformes, 19—24 x 4—5; thallus
crassus, olivaceus, opacus, varie lobulatus, lobuli adscendentes intestini-
formi-conglobati, saepissime ap. feracissime obtecti. Erb. Critt. it. Ip. 429
et II p. 622 non sunt L. conglomeratum, sed verruculosum Hepp: sporis
latis obtusis; auch in Anzi M.r. 5 fand ich nur a als conglomeratum,
dagegen b, c als verruculosum.
17. Synechoblastus nigrescens Huds. Cum ap. A.: sp. anguste fusiformes, modo
5sept., 33-51 X 4—5.
f. quinqueseptatus m. M.: thallus orbicularis radioso-rugosoplicatus, rugis
optime fructiferis, sp. longissimis, 68—78 x 5, semper 5sept., anguste fusi-
formibus; vom Typus abweichend durch die constant fünftheiligen und
längeren Sporen; von aggregatus Ach. habituell verschieden.
Beiträge zur Kryptogamenflora des Riesengebirges
und seiner Vorlagen.
Von
V. v. Cypers.
(Eingelaufen am 30. Juni 1896.)
Pılze.
II.
Erster Nachtrag zu L!)
* Oeratium mmwcidum (Pers.). An morschen Fichtenstöcken im Mangelwalde bei
Harta (440 m) und im Rudolfsthal (Niederhof) (650 m).
!) Die mit * bezeichneten Arten wurden in I (siehe diese „Verhandlungen“, Jahrg. 1893,
S. 43 ff.) nicht angeführt.
Beiträge zur Kryptogamenflora des Riesengebirges und seiner Vorlagen. 311
* Oyibraria rufa (Roth). Diese seltene Art fand Celakovsky fil. mehrfach in
Nordböhmen, im Gebiete des Riesengebirges an folgenden Localitäten:
Mummelthal bei Neuwelt, Elbthal bei Spindelmühle und Johannisbad
(Gel. fil.).‘)
= (Or. vulgaris Schrad. «. genuina. Spindelmühle (Cel. fil.), an faulen Fichten-
stöcken im Silbergrund bei Schwarzenthal (680 m); y. inconspieua Ce. fil.
Mummelthal bei Neuwelt (Cel. fil.).
# Or. splendens Pers. c) polybrachia (el. fl. Mummelthal bei Neuwelt (Cel. fil.).
* Dietydium cernuum (Pers.). Auf allen möglichen Baumstümpfen in Nadel- und
Laubwäldern häufig vorkommend. Im Iser- und Riesengebirge (Cel. fil.),
in der Wustlich bei Harta, Elbgrund, Schüsselberg (1140 m), Silbergrund
bei Schwarzenthal.
* Arcyria punicea Pers. Auf faulem Tannenholz im Böhmischen Walde bei Harta.
* Ar. cinerea (Bull.). Auf Plagiochila asplenioides var. major in der Wustlich
bei Harta.
* Ar. pomiformis (Roth). An Bretterzäunen in Harta.
* Hymenobolus parasiticus Zukal (Oesterr. botan. Zeitschr., 1893, 8. 73). Auf
Physcia stellaris an Eschen am Damme in Harta, auf Xanthoria parie-
tina an Pyramidenpappeln in Harta.
Lycogala epidendron (L.). In Menge mit bis 1’5 cm breiten Fruchtkörpern auf
einem Dache der Spinnerei in Harta.
* Trichia fallax Pers. Mummelthal bei Neuwelt, Elbgrund und Weisswassergrund
bei Spindelmühle (Cel. fil.).
* Tr. varia Pers.: «. nigripes Rostaf., ß. sessilis Rostaf., y. genwina Rostaf.
Mummelthal («, $), Weisswasserthal (3, y), Elbthal bei Spindelmühle (ß),
Johannisbad (£, y) (Gel. fil.); auf Kiefern in der oberen Wustlich bei
Harta.
* Tr. affınis De By. Mummelthal bei Neuwelt (Cel. fil.).
= Tr. Jackii Rostaf. Mummelthal (Cel. fil.).
* Tr. inconspieua Rostaf. «. genwina und ß. lutea Üel. fil. im Weisswasserthale
(Cel. Ail.).
* Tr. intermedia Cel. fil. «. genwina Cel. fil. im Weisswassergrunde (Cel. fil.).
* Hemiarcyria rubiformis (Pers.). An faulen Stöcken in Lahr’s Walde bei Harta.
* H. Wigandi Rostaf. Diese seltene Art fand Celakovsky fil. 1889 im Weiss-
wassergrund bei Spindelmühle. Sonst ist sie nur aus Thüringen und dem
Breisgau bekannt.
* Comatricha typhina (Roth) b) pumila Rostaf. Mummelthal bei Neuwelt (Cel. fil.).
* Spumaria alba (Bull.). Ueber Gras und Moos in der Weissbach bei Harta.
* Didymium farinaceum Schrad. a) genwinum. Auf Hylocomium splendens am
Gehänge an der Elbe in Pelsdorf (420 m).
* Micrococcus cyaneus (Schröter). In einer Bleiche in Nieder-Hohenelbe auf
gestärkter, feuchter Leinenwaare 1895 in Menge aufgetreten.
ı) Die Myxomyceten Böhmens von Dr. Ladislav Öelakovsky Sohn. Prag, 1893.
312 V. v. Cypers.
* Leptothrix ochracea Kütz. In einer eisenhaltigen Quelle an der neuen Strasse
in der Igelsgasse bei Ober-Hohenelbe (560 m).
* Olphidium trifoliüi (Passerini). An Trifolium repens bei Wengler’s Wehre in Harta.
Synchitrium amemones (DC.). An Anemone nemorosa in der Weissbach bei Harta,
Raubbach bei Hohenelbe, Elbgrund (780 m); an Anemone ranuneuloides
in der Weissbach.
= S. globosum Schröter. Auf Viola silvatica im Mangelwalde bei Harta; auf
Veronica Beccabunga nächst dem Pelsdorfer Bahnhofe.
* 5. aureum Schröter. Auf Dentaria bulbifera im Silbergrund bei Schwarzen-
thal (680 m); auf Urtica wrens in Nieder-Hohenelbe.
* Physoderma vagans Schröter. Auf Ranunculus repens nächst der Wengler-
schen Wehre in Harta.
*® Mucor mucedo L. Auf Pferdemist in Harta.
= M. fusiger Link. Auf Collybia collina in Harta.
Oystopus candidus Pers. Auf Raphanus rhaphanistrum in Hörtal
* Phytophtora cactorum (Lebert et Cohn). Auf Buchenkeimlingen am Fuchsberge
bei Harta.
*= Plasmopora densa (Rabenh.). Auf Alectorolophus pulcher am Abhange des
Ziegenrückens (1200 m).
= Bremia lactucae Regel. Auf Sonchus oleraceus in Harta.
* Peronospora chrysospleni Fuckel. Auf Chrysosplenium altermifolium in der
Weissbach bei Harta.
= Protomyces macrosporus Unger. Auf Aegopodium podagraria in Nieder-Hohen-
elbe.
* Ustilago caricis Pers. Auf Carex pallescens in der Wustlich bei Harta.
* Eintyloma serotinum Schröter. Auf Symphytum officinale in der oberen
Schottergrube in Harta.
= E. verruculosus Passerini. Auf Ranuneulus lanuginosus am Pelsdorfer Gehänge
(417 m).
* Uromyces fabae (Pers.). Auf Orobus vernus am Pelsdorfer Gehänge.
=D. trifoki (Hedw.). Auf Trifolium repens in Nieder-Hohenelbe.
U. geranii (DC.). Auf Geranium pratense in Ober-Hohenelbe und auf @. pusül-
lum in Pelsdorf.
*= U. dactylidis Orth. (1) Auf Ranunculus acer am Damme in Harta.
* Puccinia galii (Pers.). Auf Galium silvatieum am Pelsdorfer Gehänge.
P. violae (Schum.). Massenhaft auf Viola silvatica im Mangelwalde bei Harta.
P. menthae Pers. Auf Mentha silvestris bei der Dix’schen Fabrik in Hennersdorf.
P. poarum Nilsen. (1.) Auf Petasites albus bei Pelsdorf; auf P. offieinalis in
der Elbe bei Fuchsberg.
P. hieracii (Schum.). Auf Leontodon autumnalis im Mangelwalde bei Harta.
= P. acetosa (Schum.). Auf Rumex acetosa in der Weissbach bei Harta.
P. fusca Relhan. (III) Auf Anemone nemorosa im Mangelwalde bei Harta.
Phragmitium potentillae (Pers.). Auf Potentilla argentea auf der schönen, Aus-
sicht in Harta.
2 We 1 Ra
Beiträge zur Kryptogamenflora des Riesengebirges und seiner Vorlagen. 313
Phr. fuseiforme Schröter. Auf Rosa alpina am Fuchshübel bei Harta und am
Pelsdorfer Gehänge.
* Phr. rubi idaei (Pers.). Auf Rubus idaeus am Fuchsberge, in der Wustlich
und im Mangelwalde bei Harta.
* Phr. carbonarium (Schlechtd.). Auf Sanguwisorba officinalis bei der Brettsäge
und in der Wustlich bei Harta.
* Melampsora helioscopiae (Pers.). Auf Euphorbia helioscopia am Bahndamme
in Harta.
* M. euphorbiae duleis Otth. (1.) Auf Euphorbia dulcis in der Weissbach bei
Harta.
M. betulina (Pers.). (III.) Auf Betula pubescens in der oberen Weissbach bei Harta.
M. pustulata (Pers.). Auf Epilobium roseum an der Elbe in Pelsdorf.
* Melampsorella.cerastü (Pers.). Auf Stellaria graminea am Pinner bei Langenau
(600 m).
Coleosporium senecionis (Pers.). Auf Senecio silvaticus bei Huttendorf.
CO. sonchi (Pers.). Auf Adenostyles albifrons im Weisswasser- und Elbgrund.
C. euphrasiae (Schum.). Auf Euphrasia curta am Fuchsberge bei Harta und
bei Hennersdorf.
* Uredo agrimoniae (DC.). Auf Agrimonia eupatoria am Pinner bei Langenau.
*= U. polypodii Pers. Auf Uystopteris fragilis im Silbergrund bei Schwarzenthal.
* Caeoma mercurialis (Martius). Auf Mercurialis perenmis am Fuchshübel bei
Harta.
Aeeidium aqwilegiae Pers. Auf Agwlegia vulgaris bei Mönchsdorf.
* Daeryomyces abietinus (Pers.). An Fichtenholz im Mangelwalde bei Harta.
* Tomentella ferruginea Pers. Auf abgefallenen Aesten am Fuchsberge bei Harta.
* (ortiecium sarcoides (Fr.). An abgefallenen Zweigen von Betula bei Wengler’s
Zaun in Harta.
*=(. lacteum Fr. An Aesten von Prunus spinosa in Harta.
Clavaria flava Schäff. Stohnsdorf bei Warmbrunn.!)
*(1l. Botrytis (Pers.). Auf Waldboden bei Hennersdorf.
* Olavariella abietina (Pers.). Auf Waldboden im Böhmischen Walde und in der
Wustlich bei Harta, bei Hennersdorf, in Menge namentlich in der Nähe
der Wildfutterplätze.
= 01. flaccida (Fr.). Auf Waldboden bei Krausebauden (720 m).
Phaedon suawveolens (Scop.). Auf Waldboden im Böhmischen Walde bei Harta.
* Polyporus zonatus (Nees). An Eichenstöcken am Damme in Harta.
Ochroporus perenmis (L.). An Wegböschungen in der Wustlich bei Harta (445 m).
Boletus scaber Bull. Auf dem Wurzelgeflechte einer geworfenen Birke im „Sumpfe*
bei Harta.
* B. chrysamtheron Bull. In Gebüschen am Fuchsberge bei Harta.
1) Eine grössere Zahl von Hymenomyceten führt ©. Schwalb in seinen Mycologischen Bei-
trägen aus Böhmen („Lotos“, Bd. XV, 1893) aus dem Gebiete des Riesengebirges an, namentlich aus
der Umgebung von Trautenau und Johannisbad, da jedoch specielle Standorte meist fehlen, nehme
ich in der folgenden Aufzählung keine Rücksicht auf diese Arbeit.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 45
314 V. v. Cypers.
B. granulatus L. Im Böhmischen Walde bei Harta.
* Paxilus atro-tomentosus (Batsch). An Stümpfen von Pinus silvestris in der
Wustlich bei Harta.
P. involutus (Batsch). Im Walde unterhalb der Spindlerbaude (1150 m).
* (oprinus ephemerus (Bull.). Obstgarten in Harta in der Nähe einer Düngerstätte.
= (0 domesticus (Pers.). In einem Canale der Hartaer Spinnerei (11./II.).
=, stercorarius (Bull). An einer Düngerstätte in Harta, ebenso nächst der
Elbfallbaude (1280 m).
*=(, atramentarius (Bull.). In Auen an der Elbe in Nieder-Hohenelbe.
* Bolbitus fragilis (L.). Obstgarten in Harta.
Gomphidius viscidus (L.). Auf Waldboden an der Festung bei Spindelmühle
(1000 m) und unterhalb der Spindlerbaude (1140 m).
* yar. elegans G. Beck. Jungwald in der Weissbach bei Harta.
* Nyctalis parasitica (Bull.). Auf einer Russula im Mangelwalde bei Harta.
* Hygrophorus (Hygrocybe) pumiceus (Fr.). Haide bei Hennersdorf.
= M. (Camarophyllus) miveus (Scop.). Auf Triften im „frischen Wasser“ bei
Langenau.
H. ericeus (Bull). Am Fuchsberge bei Harta.
= FT. caprinus (Scop.). Auf Waldboden bei Füllenbauden (770 m).
Limacium eburneum (Bull) Auf Waldboden im Böhmischen Walde bei Harta
und im Raubbach bei Hohenelbe.
= L. agathosmum (Fr.). Auf Nadelwaldboden im Raubbach bei Hohenelbe.
* L. tephroleucum (Pers.). Im Walde unterhalb der Spindlerbaude (1170 m).
* Lactaria camphorata (Bull.). Auf Waldboden im Weisswassergrund (880 m).
*® L. helva (Fr.). Auf Waldboden bei Brana.
L. rufa (Scop.). Im Walde unterhalb der Spindlerbaude, im Mangelwalde und in
der Wustlich bei Harta.
* L. umbrina (Pers.). In der Wustlich bei Harta.
* L. pudibunda (Scop.). Auf Baumwollabfällen unter Bäumen am Untergraben
der Hartaer Spinnerei, in grossen Exemplaren mit bis 12cm breiten
Hüten.
Russula emetica (Schäff.). Im Mangelwalde und in der Wustlich bei Harta,
im Raubbach bei Hohenelbe, im Walde unterhalb der Spindlerbaude.
R. foetens (Pers.). In der Weissbach bei Harta, bei Hennersdorf, im Walde
unterhalb der Spindlerbaude.
= R. rubra (DC.). Auf Waldboden in der Wustlich bei Harta.
* R. rosacea (Bull.). Auf Nadelwaldboden im Mangelwalde bei Harta.
Russulina integra (L.). In der Weissbach und in der Wustlich bei Harta.
* R. xerampelina (Schäff.). Auf Waldboden bei Hennersdorf und im Walde
unterhalb der Spindlerbaude.
Lentinus (Panus) styptieus (Bull.). An Stümpfen von Alnus in der Wustlich bei
Harta, an solchen von Quercus am Damme in Harta.
* L. carneo-tomentosus (Batsch). An Stümpfen von Betula im Böhmischen Walde
bei Harta.
Beiträge zur Kryptogamenflora des Riesengebirges und seiner Vorlagen. 315
* Marasmius squamula (Batsch). An Blattstielen am Elbedamme in Nieder-
Hohenelbe.
M. perforans (Hoffm.). Bei Hennersdorf, auf der Festung bei Spindelmühle.
*= M. alliacens (Jacq.). Im Mangelwalde bei und unter einem Fichtenzaun in
Harta.
M. alliatus (Schäff.). Lahr’s Wald bei Harta.
* M. caryophylleus (Schäff.). An Rainen, Wegrändern und am Damme in Harta.
* Ooprinarius (Psathyrella) consimilis Bres. et Henn. (Verh. des botan. Vereins
der Prov. Brandenburg, 1890, S. 178). Auf faulen Stöcken am Untergraben
der Hartaer Spinnerei. Durch Grösse und Färbung leicht von dem sonst
sehr ähnlichen C©. disseminatus zu unterscheiden.
Hypholoma appendieulatum (Bull.). An Buchenstümpfen im Silbergrund bei
Schwarzenthal.
H. fasciculare (Huds.). Am Damme in Harta.
H. lateritium (Schäff.). Im Mangelwalde bei Harta.
* FT. lacrymabundum Fr. An Stöcken im Mangelwalde bei Harta.
Psalliota campestris (L.) * var. rufescens G. Beck. In der Wustlich bei Harta.
Derminus (Galera) hypni (Batsch). Auf der Elbwiese (1300 m).
D. tener (Schäff.).. Am Fuchsberge und am Damme in Harta.
D. (Hebeloma) erustuliniformis (Bull). Am Damme in Harta.
* Inocybe rimosa (Bull.). Unter Gebüsch in der Wustlich bei Harta.
# J. dulcamara (Alb. et Schw.). Auf Waldboden in der Weissbach und Wustlich
bei Harta, am Pinner bei Langenau.
Cortinarius (Hydrocybe) acutus (Pers.). In Wäldern bei Hennersdorf.
*(. saniosus (Fr.). Wustlichwiesen bei Harta, lichte Waldstellen im Weisswasser-
grund (860 m).
C. dilutus (Pers.). Im „Sumpfe“ bei Harta.
* 0. rigens (Pers.). Auf feuchten Waldwiesen in der Wustlich bei Harta.
#0, (Telamonia) hemitrichus (Pers.). Im Gebüsche am Fuchsberge bei Harta.
#0, helvolus (Bull). Am Damme in Harta.
* Naucoria inquilina (Fr.). Auf faulen Stöcken im Mangelwalde bei Harta.
* N. tenax (Fr.). Wie vorige.
Pholiota candicans (Schäff.). Am Fuchsberge bei Harta, Nieder-Hohenelbe.
Ph. mutabilis (Schäff.). Auf Buchenstümpfen im Weisswassergrund (870 m); in
der Igelsgasse bei Ober-Hohenelbe an einem Buchenklotze im Jänner im
Freien.
* Ph. aurivella (Batsch). An Salix fragilis in Nieder-Hohenelbe.
Hyporrhodius (Entoloma) hydrogrammus (Bull.). Nächst dem Schulzaun und
am Damme in Harta.
Rhodosporus prunulus (Scop.). Am Fuchsberge ‚bei Harta, auf Waldwiesen bei
Brana.
Agaricus (Omphalia) fibula (Bull.). An Waldrändern bei Hennersdorf.
* Ag. fragilis Schäff. Auf Waldboden in der Weissbach bei Harta.
A. umbelliferus L. Am Pinner bei Langenau.
43*
316 V. v. Cypers.
* Ag. tricolor Alb. et Schw. Am Damme in Harta.
= Ag. pyeidatus Bull. Wie voriger.
Ag. (Mycena) capillaris Schum. Im Böhmischen Walde bei Harta.
Ag. ceorticola Pers. An Stämmen von Salie fragilis in Fuchsberg und auf
Quercus in Harta.
* Ag. stylobates Pers. Auf Waldboden im Mangelwalde bei Harta.
* Ag. vulgaris Pers. Auf abgefallenen Nadeln am Fuchshübel bei Harta.
Ag. epipterygius Scop. * var. flava m. Hut und Stiel ganz gelb, ersterer nur in
der Mitte etwas bräunlich. Auf Waldwiesen bei Brana.
* Ag. lacteus Schrad. In Wäldern bei Hennersdorf.
* Ag. acicula Schäff. Auf Waldboden in der Weissbach bei Harta.
Ag. roseus Bull. In Wäldern bei Hennersdorf.
* Ag. avenaceus Fr. In Grasgärten am Fuchsberge bei Harta.
*_4g. galericulatus Scop. An @uercus in der Weissbach bei Harta, an Pirus
communis in Nieder-Hohenelbe.
Ag. (Collybia) dryophyllus Bull. Auf Grasplätzen in Nieder-Hohenelbe.
Ag. collinus Scop. Auf Triften in Harta.
* Ag. esculentus Wulf. In Auen in Nieder-Hohenelbe.
* Ag. butryaceus Bull. Auf Waldboden im Mangelwalde bei Harta.
* Ag. (Clitocybe) ostreatus Jacg. An Stümpfen von Tilia am Fuchsberge bei
Harta.
* Ag. cyathiformis Bull. Am Damme in Harta.
* Ag. sinopieus Fr. Auf Grasplätzen am Schüsselberge (1160 m).
* Ag. dealbatus Sow. Auf Haidestellen im „Sumpfe“ bei Harta.
*_Ag. odorus Bull. In der Wustlich bei Harta.
* Ag. (Tricholoma) melaleucus Pers. Bebuschte Triften in Nieder-Hohenelbe.
* Ag. sulfwreus Bull. Auf Waldboden in der Weissbach bei Harta.
Ag. terreus Schäff. In der Wustlich bei Harta, am Pinner bei Langenau.
Ag. rutilans Schäff. Im Böhmischen und Mangelwalde bei Harta, Raubbach-
wäldchen bei Hohenelbe.
Armillaria mellea (Vahl.). Massenhaft an und unter Salix fragilis an der Elbe
in Nieder-Hohenelbe, ebenso auf freien Grasflächen in Fuchsberg.
* Ar. ramentacea Bull. Auf lichten Waldstellen im Böhmischen Walde bei
Harta.
Leprota ceristata (Bolt.) * var. major P. Hennings (Verhandl. des botan. Vereins
der Prov. Brandenburg, 1889, S. 149). Mit der typischen Form in Auen
und auf Triften in Nieder-Hohenelbe.
Amanita aspera (Fr.). Auf lichten Waldstellen in der Wustlich bei Harta.
Am. bulbosa Bull * var. citrina (Pers.). Im Walde bei Hennersdorf.
* Scleroderma vulgaris Hornem. Am Damme in Harta.
Crueibulum vulgare Tul. Auf faulem Holze im Mangelwalde bei Harta.
* Oyathus olla (Batsch). Am Elbedamm in Nieder-Hohenelbe.
Beiträge zur Kryptogamenflora des Riesengebirges und seiner Vorlagen. 317
Erste Fortsetzung von I.
Exoascus pruni Fuckel. Auf Früchten von Prunus domestica in Harta, Hohen-
elbe und Langenau, auf jenen von Prunus spinosa am Rande des Mangel-
waldes bei Harta.
E. Wiesneri Rathay. Auf Prunus avium an der Strassenallee in Harta und
Nieder-Hohenelbe.
E. ulmi Fuckel. Auf Blättern von Ulmus campestris am Fuchsberge bei Harta.
E. Torgwinetii (Westend.). Auf Blättern von Alnus glutinosa am Untergraben
in Harta und im Raubbach bei Hohenelbe.
Mitrula phalloides (Bull.). Auf feuchten Waldstellen in der Wustlich bei Harta.
Geoglossum hirsutum Pers. Im „Sumpfe“ bei Harta.
Spathularia celavata (Schäff.). Auf Waldboden im Gänshals und im Böhmischen
Walde bei Harta, Silbergrund bei Schwarzenthal (850 m).
Morchella esculenta (L.). Im Grasgarten bei der Hartaer Schule und auf den
oberen Wustlichwiesen.
M. conica Pers. In Gebüschen in der Wustlich bei Pelsdorf.
Gyromitra esculenta (Pers.). Auf lichten Waldstellen in der Wustlich bei Harta.
Helvella lacumosa Afzelius. Auf lichten Waldstellen in der Weissbach bei Harta.
H. crispa (Scop.). Auf Waldboden in der oberen Weissbach bei Harta.
Pyronema omphalodes Bull. Auf einer alten Meilerstelle im Walde unterhalb
Füllenbauden (760 m).
Humaria leucoloma (Hedw.). Auf Haiden bei Hennersdorf.
H. rutilans (Fr.). Zwischen Moos am Bahndamme bei Märzdorf.
H. leporum (Fuckel). Auf Hasenmist in der Weissbach bei Harta.
Humariella wmbrata (Fr.). Auf Moorboden im „Sumpfe“ bei Harta.
H. scutellata (L.). Auf feuchter Erde am Damme in Harta.
Sphaerospora brumnea (Alb. et Schw.). Auf Brandstellen am Zigeunerplatz bei Harta.
Peziza applanata (Hedw.). Auf Erde in Blumentöpfen in Harta.
P. vesiculosa Bull. Nächst einer Düngerstätte in Harta.
P. cerea Sow. Auf vermoderten, aus dem Wasser gezogenen Laub und Geäste
vor der Turbine der Fuchsberger Spinnerei in grosser Menge.
P. badia Pers. An Wegböschungen bei Füllenbauden (770 m).
P. aurantia Müll. Auf feuchten Dyassandsteinfelsen am rechten Elbeufer in
Pelsdorf.
P. macropus Pers. An faulen Baumstümpfen in der Weissbach bei Harta.
Lachnea hemisphaerica Wiggers. Auf einer bebuschten Lehne am Fuchsberge bei
Harta.
Otidea leporina (Batsch). Auf einer feuchten bewaldeten Lehne im Silbergrund
bei Schwarzenthal (860 m).
Lasiobolus eqwinus (Müll.). Auf Pferdemist bei der Spindlerbaude (1200 m).
Ascololus stercorarius (Bull... Auf Kuhmist im Gänshals bei Harta.
Sclerotinia tuberosa (Hedw.). Auf Wiesen im Hutgarten und in der Weissbach
bei Harta, bei Hennersdorf und im Raubbach bei Hohenelbe.
318 V. v. Cypers.
5. baccarum Schröter. Auf Früchten von Vaccinium Myrtillus im Böhmischen
Walde bei Harta und am Haidelberge (1000 m).
5. vaceini Woronin. Auf Früchten von Vaceinium Vitis idaea bei Hennersdorf.
5. padi Woronin. Auf Früchten von Prunus Padus im Zerkenwinkel bei Harta.
Hymenoseypha (Pezizella) virens (Alb. et Schw.). In hohlen Fichtenstümpfen im
Mangelwalde bei Harta.
Hy. punetiformis Greville.. Auf abgefallenen Birkenblättern am Fuchsberge bei
Harta.
Hy. (Phialea) strobulina (Fr.). Auf abgefallenen Zapfen von Picea excelsa im
Böhmischen Walde bei Harta.
Hy. eyathoidea (Bull.). Auf abgestorbenen Stengeln von Aconitum variegatum im
Mangelwalde bei Harta und auf Adenostyles albifrons im Weisswassergrund
(980 m).
Helotium lenticulare (Bull.). Auf Buchenstümpfen im Sattler bei Langenau.
H. salicellum (Fr.). Auf abgefallenen Zweigen von Salıx fragilis am Elbeufer in
Pelsdorf.
H. pallescens (Pers.). Auf Stümpfen von Coryllus am Fuchsberge bei Harta.
H. sceutula (Pers.). An abgestorbenen Stengeln von Heracleum spondylium in
Nieder-Hohenelbe.
H. herbarum (Pers.). An abgestorbenen Stengeln von Urtica dioica in Nieder-
Hohenelbe.
Dasyseypha Wilkommiti (Hartig). In Menge an Zweigen von Larix decidua in
der Wustlich bei Harta.
Lachnum bicolor (Bull... Auf Rubus idaeus am Fuchsberge bei Harta.
Lachnella chrysophthalma (Pers.). Auf faulem Kiefernholze im Mangelwalde bei
Harta.
Coryne sarcoides (Jacq.). Auf faulen Stöcken von Quercus in der Weissbach bei
Harta.
©. versiformis (Pers.). Auf Tannenstöcken im Mangelwalde bei Harta.
Tapesia fusca (Pers.). Auf abgefallenen Aesten von Coryllus am Pelsdorfer
Gehänge.
Mollisia cinerea (Batsch). Auf faulenden Stöcken von Betula in der Weissbach
bei Harta, auf Fagus im Silbergrund bei Schwarzenthal (800 m).
M. uda (Pers.). Auf faulem Erlenholze in der Weissbach bei Harta.
M. mercurialis (Fuckel). An alten Stengeln von Mercurialis perennis im Sattler
bei Langenau.
Pirottaea veneta Sacc. et Spegaz. Auf faulenden Stengeln von Mulgedium alpinum
im Weisswassergrund.
Phragmopora Kunzei (Flotow) (Lahmia K. Körber). An Salix fragilis in Fuchs-
berg bei Harta.
Abrothallus parmeliarum (Sommerf.). Auf dem Thallus von Parmelia saxwatilis
auf der Festung bei Spindelmühle (1000 m).
Arthonia dispersa (Schrad.). Auf Espenrinde in der Wustlich bei Harta.
Arthothelium spectabile (Flotow). Auf Coryllus am Pelsdorfer Gehänge.
|
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Beiträge zur Kryptogamenflora des Riesengebirges und seiner Vorlagen. 319
Encoelia populnea (Pers.). An abgefallenen Zweigen von Populus tremula in
der Wustlich bei. Harta.
Dermatea cerasi (Pers.). Auf Aesten von Prunus Avium am Fuchsberge bei Harta.
Pezizula versiformis (Alb. et Schw.). An dürren Zweigen von Frangula almus
im Zerkenwinkel bei Harta.
Bulgaria polymorpha (Oeder). An Buchenholz im Sattler bei Langenau.
Xylographa parallela (Ach.). An morschem Holze im Riesengrund (1040 m).
Seleroderris ribesia (Pers.). An Zweigen von Fibes rubrum im Fabriksgarten
in Harta.
Tryblidiopsis pinastri (Pers.). An Zweigen von Abies alba im Mangelwalde bei
Harta.
Coccomyces coronatus (Schum.). Auf faulenden Blättern von Quercus in der
oberen Weissbach bei Harta.
Rhytisma acerinum (Pers.). Auf Blättern von Acer pseudoplatanus in Harta,
Fuchsberg, Hohenelbe, Langenau, im Silber-, Weisswasser- und Elbgrund;
auf A. platanoides an der Hartaer Gemeindestrasse.
R. salicinum (Pers.). An Blättern von Salix lapponum am Pauschfall (1300 m);
auf S. silesiaca im Elbgrund (1000 m); auf $. einerea im Hartaer und
im Mangelwalde bei Harta.
R. autumnale Schröter. Auf Blättern von Sale purpurea am Elbeufer in
Fuchsberg bei Harta und in Nieder-Hohenelbe.
R. andromedae (Pers.). Auf Andromeda polifolia auf der Weissen Wiese (1400 m).
Lophodermium arundinaceum (Schrad.). Auf abgestorbenen Blättern von Ca-
lamagrostis epigea in der Wustlich bei Harta.
L. pinastri (Schrad.). Auf den Nadeln von Pinus silvestris im Mangelwalde und
in der Wustlich bei Harta; auf P. pumilio an einzelnen Stellen am Kamme
des Riesengebirges 1894 und 1895 in solchen Massen auftretend, dass die
Knieholzbestände stellenweise beinahe vollständig kahl erschienen, so
namentlich an den Teichrändern und am Lahnberge; vereinzelter auch auf
der Veigelkoppe und dem Krkonosch.
Hysterium alneum (Ach.). Auf Rinden von Alnus glutinosa am Pelsdorfer
Gehänge.
Sphaerotheca pannosa (Wallr.). Auf Rosa canina in der Weissbach bei Harta,
bei Pelsdorf und am Pinner bei Langenau; auf R. tomentosa in der
unteren Weissbach bei Harta; auf R. centifolia und R. alba im Hartaer
Fabriksgarten.
9. Humuli (DC.). Auf Geranium pratense im Hutgarten und in der Weissbach
bei Harta; auf @. silvaticum im Elbgrund (860 m); auf Impatiens noli
tangere im Mangelwalde bei Harta, in solchen Mengen auftretend, dass die
befallenen Pflanzen verkümmern und nicht zur Blüthe gelangen, in der
Igelsgasse bei Ober-Hohenelbe; auf Alchemilla vulgaris in Harta, Nieder-
Hohenelbe, im Sattler bei Langenau und im Silbergrund bei Schwarzen-
thal; auf Poterium sanguisorba in der Wustlich und Weissbach bei Harta;
auf Bidens tripartitus auf den Kranichwiesen bei Langenau; auf Melam-
320 V.v.Cypers. Beiträge zur Kryptogamenflora des Riesengebirges u. seiner Vorlagen.
pyrum silvaticum im Mangelwalde bei Harta; auf Humulus lupulus am
Elbedamm in Nieder-Hohenelbe.
S. gigantasca (Sorokin et Thümen). Auf Euphorbia duleis in der Weissbach bei
Harta.
Podosphaera tridactyla (Wallr.). Auf Prunus spinosa am Rande des Mangel-
waldes bei Pelsdorf; auf P. Padus in Nieder-Hohenelbe.
Erysibe polygoni (DC.). Auf Hypericum perforatum in Nieder-Hohenelbe.
E. pisi (DC.). Auf Robinia pseudacacia im Garten der Hartaer Bleiche; auf
Spirea ulmaria in der Weissbach bei Harta.
E. galeopsidis (DC.). Auf Galeopsis tetrahit im Mangelwalde bei Harta.
E. eichoraceum (DC.). Auf Cirsium oleraceum am Damme in Harta; auf Zappa
in Nieder-Hohenelbe.
E. heraclei (DC.). Auf Heracleum spondylium im Mangelwalde und bei der
oberen Schottergrube in Harta, in Nieder-Hohenelbe.
E. tortilis (Wallr.). Auf Cornus sangwinea am Fuchsberge bei Harta.
E. astragali (DC.). Auf Astragalus glycyphyllus am Fuchshübel und am Fuchs-
berge bei Harta.
Mierosphaera lonicerae (DC.). Auf Lonicera hispida im Spinnereigarten in Harta.
M. berberidis (DC.). Auf Berberis vulgaris in Harta und Nieder-Hohenelbe.
M. grossulariae (Lev.). Auf Ribes grossularia in Harta.
M. Ehrenbergii (Lev.). Auf Lonicera caprifolium im Garten der Hartaer
Spinnerei.
Uneinula salieis (DC.). Auf Salix purpwrea am Elbeufer in Fuchsberg bei
Harta.
U. prunastri (DC.). Auf Prumus spinosa am Rande des Mangelwaldes bei
Harta.
U, aceris (DC.). Auf Acer pseudoplatanus in der Weissbach bei Harta.
Phyllactinia suffulta (Rebent.). Auf Orataegus oxyacantha am Fuchsberge bei
Harta; auf Fagus silvatica im Elbthal unterhalb Hackelsdorf (560 m).
Lasiobotrys lonicera Kunze. Auf Lonicera nigra im Weisswassergrund (860 m).
Nectria peziza (Tode). Auf faulenden Stümpfen von Salix fragilis in der Weiss-
bach bei Harta.
Gibberella pulicaris (Fr.). Auf Sambucus nigra am Elbedamme in Nieder-
Hohenelbe.
Polystigma rubrum (Pers.). Auf Blättern von Prunus spinosa am Rande des
Mangelwaldes bei Harta; auf P. domestica in Harta und Hohenelbe.
P. ochraceum (Whlb.). Auf Blättern von Prunus Padus im „Sumpfe“* bei Harta.
Claviceps purpurea (Fr.). Auf Triticum repens in Harta; auf Secale cereale in
Harta, Pelsdorf, Hohenelbe, Langenau, Schwarzenthal; auf Lolium perenne
in Harta.
©. mierocephala (Wallr.). Auf Calamagrostis epigeios in der Wustlich bei Harta.
Referate. 32 1
Referäte.
Heymons Richard. Zur Morphologie der Abdominalanhänge bei den
Inseeten. Morphologisches Jahrbuch von @egenbaur, Bd. XXIV, Heft 1,
S. 178—204, mit 1 Tafel. Leipzig, 1896.
Der Verfasser, einer von den wenigen Zoologen, die auf entomologischem
Gebiete arbeiten, lieferte in seiner neuesten, kurzen, aber sowohl in Bezug auf
Resultate als rücksichtlich der logisch durchdachten Darstellung vortrefflichen
Abhandlung einen Beitrag, in welchem die Entomologenwelt, soweit sie sich
für allgemeine Fragen interessirt, die längst ersehnte, genetische Deutung dreier
Gebilde findet: der Cerei, der Styli und der Gonapophysen. Gleichzeitig
tritt der Verfasser durch seine exacten Untersuchungen in vortheilhaften Gegen-
satz zu gewissen Autoren, deren ebenso hastige wie seichte Schriftenfluth die
herrschende Unklarheit morphologischer Begriffe, anstatt aufzuheben, eher ver-
grössert und bereits von mehreren Seiten lebhafte Missbilligung erfahren hat.
Die sogenannten Cerci (fühlerähnliche Raife oder Zangen) anlangend, so
handelt es sich hier um transformirte Gliedmassen des 11. Abdominal-
segmentes, was sich auf embryologischem Wege an Dermapteren oder Ortho-
pteren nachweisen lässt. In Fällen, wo das 11. Segment in späteren Stadien
obliterirt, wie bei jungem Gryllus campestris, scheinen die Cerei dem zehnten
Ringe aufzusitzen. (Das letzte, 12. Abdominalsegment besteht lediglich aus
Analklappen.)
Die griffelartigen Styli, wie sie z. B. am neunten Hinterleibsringe gewisser
Örthopteren beobachtet werden, entstehen hingegen nur aus dem distalen
Abschnitte der ursprünglichen Extremitätenanlage, während der
proximale Theil der letzteren mit der Sternitplatte spurlos zusammenschmilzt.
Diese Anhänge sind demnach Erbstücke polypoder Insecten und — da der Unter-
schied nur graduell — Homologa der Cerei. Bei Embryonen von Mantis religiosa
sehen denn auch beiderlei Gebilde zum Verwechseln ähnlich aus, und die Be-
hauptung, dass die Cerci primär gegliedert waren, entspricht nicht den thatsäch-
lichen Verhältnissen; nichtsdestoweniger ist es aus taxionomischen Gründen
gerathen, beide Bezeichnungen auch fernerhin aufrecht zu erhalten. Da bei
Machilis sp. die Styli auch aus den Coxalstücken der Brustbeine entspringen, so
haben frühere Autoren in ihnen blosse Integumentausstülpungen vermuthet (wie
scheinbar bei Scolopendrellen) oder behauptet, dass die Styli mit Extremitäten
nichts zu schaffen haben. P. Schmidt hat sie rudimentäre Gliedmassen genannt,
was zum Theile zutrifft; demnächst gedenkt Heymons den Nachweis zu führen,
dass gewisse Mundgliedmassen sich ebenfalls nur aus bestimmten Theilen der
ursprünglichen Gliedmassenanlage differeneiren.
Dem gegenüber wurden die Gonapophysen sowohl beim ® als beim J'
als phyletisch jüngere, hypodermale Wucherungen erkannt. An dem
anfangs glatten Abdomen des Gryllus sprossen nämlich die Gonapophysen erst,
nachdem sich das Junge gebäutet hat, als paarige Zapfen am achten und neunten
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 44
a2 a Referate.
Sternite hervor. Nach neuerlicher Häutung kommt am neunten Ringe ein drittes
Zapfenpaar hinzu. Alles das geschieht also zu einer Zeit, wo die Gliedmassen-
rudimente schon längst verschwunden sind. Aehnliches wiederholt sich auch bei
dem interessanten Decticus verrucivorus. Wenn sich die laterale Apophyse aus
dem Stylus entwickelt, so betheiligt sich daran, vielleicht als die eigentliche
Bildungsstätte, auch die Hypodermis. Die Okjection, es könnten hier latente
Gliedmassenanlagen ins Spiel treten, wird durch den Hinweis auf die Ent-
wicklung der Wasserrhynehoten hinfällig (Nepa cinerea, Naucoris cimicoides,
Notonecta glauca, wahrscheinlich auch Ranatra linearis). So besitzen z, B. die
Embryone der Fangwanze einen völlig fusslosen Hinterleib, und die Gonapophysen,
deren drittes Paar fälschlich als griffelartige Pleuren (Pseudostyli) des neunten
Abdominalsegmentes beansprucht war, gelangen hier erst im reiferen Alter zur
Entwicklung.
Die schöne Publication Heymons' hätte nur gewonnen, wäre in ihr ein
breiterer bibliographischer Stoff verarbeitet; abgesehen von jedenfalls bedeutenden
Autoren, wie B. White oder Gosse, war es doch angezeigt, die alten, grund-
legenden Untersuchungen eines Lacaze-Duthiers wenigstens dem Titel nach
zu erwähnen. An der glänzend ausgeführten Tafel wäre bei Fig. 4 die Be-
zeichnung der Lamina supraanalis nachträglich zu corrigiren.
Dr. Tad. Garbowski.
Saceardo P.A. La Botanica in Italia. Materiali per la storia di questa
seienza. Venezia, Carlo Ferrani, 1895. 236 8. 4°.
Bedenkliche Dimensionen muss das in die polyglotte naturwissenschaftliche
Literatur, folgerichtig auch in die botanische, eingerissene Chaos angenommen
haben, wenn es nothwendig geworden, für den 14. Juli l. J. einen internationalen
Congress nach London einzuberufen, welcher unter den Auspicien der Royal
Society tagen und darüber zu berathen haben wird, wie dieser Calamität gründlich
vorgebeugt werden könne. Ohne den Beschlüssen desselben vorgreifen zu wollen,
glauben wir schon heute auf Grund mehr denn dreissigjähriger Erfahrungen
constatiren zu müssen, dass sich ohne das munificente Eingreifen der hohen
Regierungen, der Akademien, gelehrten Gesellschaften und reichen Privaten nichts
Erspriessliches nach dieser Richtung leisten lässt, schon deshalb, weil die even-
tuellen Mitarbeiter, welche sich schliesslich doch nur aus den angeblichen dii
minorum et infimorum gentium reerutiren werden, für ihre Mitwirkung honorirt
sein wollen und müssen.
Am Vorabende dieses Ereignisses, welches, geschickt aufgegriffen und durch-
geführt, eine neue Aera in der Erkenntniss der Geschichte und Bibliographie der
Naturwissenschaften zu inauguriren berufen ist, trifft uns die vorliegende Arbeit.
Die Geschichte und Bibliographie der Botanik in Italien war bis in die neueste
Zeit eine förmliche terra incognita, und wer sich wenigstens über die selbst-
ständigen Werke und Broschüren informiren wollte, musste nach Pritzel’s
„Thesaurus literaturae botanicae omnium gentium“ greifen, und über die in der
periodischen Literatur erschienenen Aufsätze gab der „Catalogue of seientifie papers“
Referate. >25
nicht immer den erwarteten Aufschluss. Wir erfahren, dass sich 1434 Italiener,
darunter 560 Floristen, 72 Deutsche, 66 Franzosen, 62 Oesterreicher und Ungarn,
30 Schweizer, 29 Engländer, 17 Scandinavier, 7 Polen, Russen, Griechen, Türken
und Südamerikaner, sowie 4 Belgier und Holländer an dem Aufbau der italieni-
schen Botanik bethätigten, doch sind alle diese Zahlen viel zu nieder gegriffen.
Unter den benützten Quellen vermissen wir Jeremias David Reuss’ „Repertorium
commentatiorium a variis societatibus litterariis editarum“, worin ein Ver-
zeichniss der bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts in periodischen Schriften
erschienenen Abhandlungen gegeben wird, eine Reihe von Encyklopädien und
geradezu alle Conversationslexika, während die von ihm benützten, weil notorische
Plagiate, jeder Originalität entbehren. Den Autoren folgen kurze biographische
Daten, Hinweise auf deren ausführlichere Biographien, deren Arbeiten, leider ohne
Seitenzahl- und Formatangabe, was die Grundbedingung für Bibliographie ist,
und die denselben gewidmeten Gattungen, doch sind alle diese Zugaben, wohin
noch die Berücksichtigung der Recensionen, Manuscripte und der Seltenheit ge-
wisser Schriften gehört hätte, trotz des besten Willens des Verfassers, weil die
periodische Literatur Italiens und umso mehr die des Auslandes mangelhaft, die
Kalender, Chorographien, Itinerarien, Sammelwerke und Monographien gar nicht
benützt worden, selbst für abgelaufene Jahrhunderte und umso mehr für dieses
Säculum unvollständig. Dasselbe gilt von der Vertheilung der Floristen nach
Provinzen, den botanischen und Privatgärten, von denen der des Cardinals Bembi,
um die Mitte des XVI. Jahrhunderts berühmt, Erwähnung verdient hätte. Dass
die im Laufe unseres Jahrhunderts so mächtig angewachsene horticole Literatur
keine Beachtung gefunden, befremdet gleichfalls. Dass der Verfasser gleich Berto-
loni, Parlatore und Arcangeli auf österreichisches Gebiet hinübergreift, sei
nebenbei bemerkt. Gegen die Uebersicht der Hauptmomente in der italienischen
Botanik und die anhangsweise gelieferten biographischen Notizen einzelner Bo-
taniker haben wir füglich nichts einzuwenden. Ein übersichtlich gehaltenes Sach-
register bildet den Schluss dieses Werkes, welches, trotz der aus räumlichen Rück-
sichten flüchtig angedeuteten Mängel, immerhin eine Fülle von Belehrung und
Anregung enthält.
Ausstattung und Format sind geradezu tadellos. J. A. Knapp.
Massee, &. A Revision of the Genus Coprinus (Annals of Botany, Vol. X,
Nr. XXXVIII, 1896, p. 123—184, Tab. X—XI]).
Auf dem Gebiete der Kryptogamenkunde ist jede monographische Zusammen-
fassung einer Gruppe mit Freude zu begrüssen, und wir müssen es Massee Dank
wissen, dass er durch vorliegende Bearbeitung der Gattung Coprinus derartige
Erscheinungen um eine neue vermehrte.
Dem ausführlichen allgemeinen Theile mögen hier nur folgende Resultate
entnommen werden. Coprinus, von Persoon als Section der Gattung Agaricus
abgegliedert, wurde von E. Fries in den Rang einer Gattung erhoben. Nur das
biologische Merkmal des endlichen Zerfliessens der Lamellen allein ist constant;
das Fehlen einer Trama ist eine irrthümliche Angabe Fries’, ein solches ist stets
44
324 Referate.
vorhanden. Eine Zerspaltung der Gattung Coprinus nach der Farbenschattirung
der Sporen in mehrere Genera (nach dem Vorgange Karsten’s), ist unzulässig.
Das Vorhandensein von Sclerotien wurde bisher für drei Arten nachgewiesen, doch
dürfte sich die Zahl der sclerotienbildenden Species bei genauerer Beobachtung
noch vergrössern. Das Fleisch des Hutes ist bei allen Arten sehr dünn, bei einigen
ungemein reducirt (Veliformes), doch stets vorhanden. Die Stellung der Gat-
tung Coprinus bei Saccardo in der Mitte der „Melanosporae“ ist nicht ganz
zutreffend. Massee betrachtet (oprinus infolge seiner primitiven Sporenentleerung,
seiner weitgehenden geographischen Verbreitung, des Fehlens eines milchsaft-
führenden Systems, scharfer oder giftiger Stoffe — Ü. comatus und C©. atra-
mentarius sind geniessbar und wohlschmeckend — und lebhafter Farben, alles
Eigenthümlichkeiten der höheren Agarieineen, als das Ueberbleibsel einer
Gruppe ursprünglicher Pilze, von welcher die Agaricineen (im modernen Sinne)
ihre Abstammung ableiten. Zunächst verwandt mit Coprinus ist die Section der
Melanosporae und innerhalb dieser durch das Gesammtbild ihrer Merkmale die
Gattung Psathyrella. In der Gruppe der „Ochrosporae“ nähert sich Bolbitius,
und unter den Leucosporae Hiatula am meisten der Gattung Coprinus.
Coprinus ist ein Cosmopolit. Die bisher bekannten 169 Arten vertheilen
sich ihrer geographischen Verbreitung nach in folgender Weise:
Gesammtanzahl Endemische
der Arten. Arten.
Europa tät Ned il 99
ASIEnANREIE oe el 7
Atnikasısheseltineellsiiktiife Bl6 )
Australiens sfr 5
Amenikale oil Din 31
Die Arten gruppirt Massee folgendermassen:
Sectio I. Volva vorhanden; Ring vorhanden oder fehlend.
*® Hut mehr als 2cm hoch und breit.
+ Stiel weiss (1. Coprinus sterquilinus Fr., 2. CO. solstitialis Sace., 3. ©.
oblectus Fr., 4. C. jasmundianus Kalchbr.).
+7 Stiel farbig (5. ©. stenocoleus Lindbl., 6. ©. umbrinus Mass.).
*=# Hut unter 2cm hoch und breit.
+ Volva ganz (7. ©. cyclodes Fr., 8. ©. egwinus Chelch., 9. ©. Trappenü
Oudem., 10. ©. volvaceo-minimus Crossl.).
+7 Volva zerfetzt (11. ©. dilectus Fr., 12. C. panormitanus Inzeng.).
Seetio II. Volva fehlend; Ring vorhanden.
* Hut S—15 cm hoch (13. C. comatus Fr., 14. ©. atramentarius Fr.,
15. ©. soboliferus Fr., 16. CO. pyrenaeus Quel., 17. C. praegnans Fr.).
** Hut eine Höhe von 3cm niemals überschreitend (18. (©. variegatus
Peck, 19. ©. armillaris Fr., 20. ©. Hendersomiü Fr., 21. ©. bulbil-
losus Pat., 22. ©. ephemeroides Fr., 25. O. torquatus Mont., 24. 0.
scauroides Godey, 25. ©. Bresadolae Schulz).
a a 2 Ja
Referate. B: 25
Seetio III. Volva und Ring fehlend, Velum fehlend, Hut kahl oder namentlich
am Scheitel mit kleinen Schüppchen versehen.
* Lamellen dem Stiele angewachsen (26. ©. fuscescens Fr., 27. ©. in-
signis Peck, 28. ©. imbricatus Rabenh., 29. ©. Barbeyi Kalchbr.,
30. C. tergiversans Fr., 31. ©. Lerchenfeldii Schulz., 32. C. pauei-
lamellatus Pat., 33. C. muscicola Berk., 34. C. fibrillosus B. et Br.).
*= Lamellen frei (35. ©. eylindricus Fr., 36. C. Mayrü Allesch., 37. €.
saatiensis Henn., 38. C. punctatus Kalchbr. et Cooke, 39. €. floceu-
losus Fr., 40. ©. stenophyllus Mont., 41. ©. microsporus B. et Br.,
42. ©. macrosporus Peck).
Seetio IV. Volva und Ring fehlt; Velum vorhanden, später zerreissend.
* Velum ziemlich diek und filzartig, in unregelmässige, mehr oder minder
persistirende Lappen zerreissend.
+ Lamellen an den Stiel befestigt (43. €. aphthosus Fr., 44. ©. phaeo-
sporus Karst.).
7r Lamellen frei (45. CO. picaceus Fr., 45*. C. ebulbosus Peck, 46. CO.
tomentosus Fr., 47. C. velatus Quel., 48. C. Forquignoni Massee,
49. C. varicus Fr.).
** Velum in auf den Hut verbleibende flockige oder faserige Schuppen
sich auflösend.
} Lamellen an den Stiel befestigt.
$ Hut weisslich oder grau (50. ©. niveus Fr., 51. ©. Colensoi Berk.,
52. C. albus Quel., 53. C. pilosus Beck, 54. (©. ewstincetorius Fr.,
55. C. fimbriatus B. et Br., 56. ©. roris Quel., 57. ©. Brassicae
Peck, 58. ©. similis B. et Br., 59. C. murinus Kalehbr., 60. ©.
Brunandiü Quel.).
$$ Hut lohfarben oder bräunlich (61. C. domesticus Fr., 61*. C. laniger
Peck, 62. C. alopecia Fr., 63. ©. Boudieri Quel., 64. ©. Seymouri
Peck, 65. ©. diseipes Pat., 66. ©. subcoeruleo-griseus Schulz., 67. €.
macropus B. et Br., 68. C. virgineus Peck et Bann., 68*. ©. giga-
sporus Massee spec. nov., Pl. X, Fig. 3—5).
77 . Lamellen frei.
$ Stiel kahl (69. C. nyethemerus Fr., 70. ©. gonophyllus Quel., 71. ©.
subglobatus Berk. et Curt, 72. C. rubecula B. et Br., 73. C.
arcuatus Peck, 74. C. Spraguei Berk. et Curt., 75. C. Spegazzimi
Karst., 76. C. eubensis B. et C., 77. CO. platypus Berk., 78. C.
rotundosporus Peck).
Stiel zuerst flockig oder pulverig (79. ©. narcoticus Fr., 80. ©. muralis
Allesch., 81. ©. Tagopus Fr., 82. ©. lagopides Karst., 83. ©. macro-
cephalus Berk., 84. ©. tigrinellus Boud., 85. €. Friesii Quel., 86. O..
cupulatus E. Jac., 87. C. fimetarius Fr., 88. C. Queletii Schulz.
89. C. laxus Bresad. et Schulz., 90. ©. Albertinü Karst., 91. ©.
plumbeus Peck, 92. ©. Strossmayerü Schulz.).
un
326
Sectio V.
Referate.
Velum weissmehlig oder blasig (93. ©. tuberosus Quel., 94. ©. eineratus
Quel., 95. C. filiformis B. et Br., 96. ©. Iuxoviensis Mont., 97. ©.
caducus Harz, 98. ©. Britzelmayri Sace. et Cub., 99. ©. albulus
Quel., 100. ©. semilanatus Peck, 101. C. divergens Britz.).
Volva und Ring fehlt. Hut mit glänzenden, glimmerartigen Par-
tikelchen bedeckt.
Lamellen an den Stiel befestigt (102. C. micaceus Fr., 103. ©. marce-
scens Karst., 104. ©. aratus B. et Br., 105. CO. stercorarius Fr.,
106. ©. radians Fr.).
Lamellen frei (107. ©. truncorum Fr., 108. CO. inamoenus Karst.,
109. ©. intermedius Penz., 110. ©. frustulorum Sace.).
Sectio VI. Volva, Ring und Velum fehlt; Hut nach den Lamellen sich zerspaltend.
*
T
S
Ss
TH
5
Hut mehr oder weniger kleiig oder schorfig.
Lamellen an den Stiel befestigt.
Hut weiss (111. ©. conditus God., 112. C. nebulosus Zoll., 113. €.
stellaris Quel.).
Hut farbig (114. C. coopertus Fr., 115. C©. pseudo-plicatilis Vogl.,
116. ©. aquatilis Peck, 117. ©. velox God., 118. ©. ephemerus Fr.,
119. ©. mycenopsis Karst., 120. ©. Berkeleyi Mont.).
Lamellen frei.
Stiel faserig oder faumig (121. ©. cothurnatus God., 122. C. evanidus
God.).
Stiel kahl (123. €. sociatus Fr., 124. ©. sulcato-crenatus Steinh.,
125. ©. Patowillardii Quel., 126. C. papillatus Fr., 127. C. Wrightü
Berk. et Curt., 128. C. affinis Karst., 129. C. curtus Kalchbr.,
130. C. radiatus Fr., 131. ©. lanatus Bong.).
Hut kahl.
Lamellen an den Stiel befestigt.
Stiel flaumig oder pulverig (132. C. tardus Karst., 133. ©. mutatinus
Mont., 134. ©. selerotigenus Ev. et Ell.).
Stiel kahl (135. C. auricomus Pat., 136. C. pachyterus B. et Br.,
137. O. congregatus Fr., 138. ©. silvaticus Peck, 139. C. alter-
natus Fr., 140. C. angulatus Peck, 141. ©. digitalis Fr., 142. C.
hortensis Mont., 143. ©. diaphanus Quel., 144. C. sceptrum Fr.,
145. (©. erythrocephalus Fr.).
Lamellen frei.
Stiel flaumig oder pulverig (146. ©. Godeyi Gill., 147. ©. semistriatus
Pat., 148. ©. consobrinus Mont.).
Stiel kahl (149. ©. plicatilis Fr., 150. ©. mirabilis Mont., 151. ©.
deliquescens Fr., 152. ©. flosculus Berk., 153. C. miser Karst.,
154. ©. eburneus Quel., 155. ©. hemerobius Fr., 156. ©. rapidus Fr.,
157. ©. modestus Berk. et Curt. 158. ©. sororius Karst., 159. ©.
plutonius Mont., 160. ©. spiralis Mont., 161. ©. pilulifer Mont.,
Referate. 32 7
162. O. psyllophilus Karst., 163. C. velaris Fr., 164. ©. pellueidus
Karst., 165. ©. Schroteri Karst.).
Die Diagnosen sind in englischer Sprache verfasst.
Dr. A. Zahlbruckner.
Ascherson P. Synopsis der mitteleuropäischen Flora. I. Band, 1. Lief.
Leipzig (W. Engelmann), 1896.
Jeder, der sich in den letzten Jahren mit dem Studium der mittel-
europäischen Flora beschäftigt hat, oder auch nur in Mitteleuropa Pflanzen ge-
sammelt und bestimmt hat, wird den Mangel eines zusammenfassenden Werkes für
dieses Gebiet schmerzlich empfunden haben. Es wurde zwar eine Neubearbeitung
der classischen, aber längst veralteten Synopsis von Koch versucht; aber einer-
seits ist das von dieser Synopsis berücksichtigte Gebiet weit kleiner als „Mittel-
europa“, und andererseits entspricht diese Neubearbeitung nur zum Theile den
Anforderungen, die man heute an ein derartiges Werk stellen muss.
Ascherson’s Werk ist deshalb freudigst zu begrüssen. Bürgt doch schon
der Name des Verfassers dafür, dass dasselbe gründlichst durchgearbeitet sein wird.
Es wird fortan das wichtigste Hauptwerk für die Flora von Mitteleuropa sein.
Unter „Mitteleuropa“ versteht der Verfasser das Gesammtgebiet des deutschen
Reiches, Holland, Belgien und Luxemburg, das Königreich Polen, die Schweiz,
die französischen und italienischen Alpen, ganz Oesterreich-Ungarn mit Einschluss
des Oceupationsgebietes und Montenegro.
In Bezug auf die Gruppirung der Familien hat sich der Verfasser an
Engler’s und Prantl’s „Pflanzenfamilien“* angeschlossen. Er beginnt daher
mit den Pteridophyten, von welchen die Hymenophyllaceae und ein grosser Theil
der Polypodiaceae in der vorliegenden ersten Lieferung behandelt sind. Zum
Bestimmen der Classen, Unterelassen, Reihen, Familien und Gattungen sind
Tabellen vorhanden; leider nicht auch für die Arten, deren Bestimmung allerdings
durch dichotomische Abtheilungen erleichtert wird. Die Beschreibungen der Arten
sind ausführlich, ohne zu viel unwesentliche Details zu bringen; die wichtigeren
“Merkmale sind durch den Druck hervorgehoben.
Dass die Synonymie mit den entsprechenden Citaten in gewissenhaftester
Weise angeführt wird (ohne jedoch hiebei Raum zu verschwenden), ist bei
Ascherson selbstverständlich; ebenso, dass auf richtige Nomenelatur grosses
Gewicht gelegt wird. Die Standortsangaben sind von seltener Vollständigkeit und
‘zeigen, wie vollkommen der Verfasser die ausserordentlich umfangreiche ein-
schlägige Literatur beherrscht. Dass einzelne Standorte nur bei selteneren
Arten angeführt werden, ist selbstverständlich.
Dem bei den verschiedenen Autoren sehr wechselnden Artbegriff wurde
durch die Bezeichnungen: Gesammtart, Art und Unterart Rechnung getragen.
So haben wir z. B. bei Cystopteris die Art ©. fragilis mit den zwei Unterarten
eu-fragilis und regia, dann die Gesammtart ©. montana, welche die beiden Arten
C. montana und C. sudetica umfasst. Ausserdem sind dann unter ©. fragilis
zahlreiche Formen, die verschiedenen systematischen Werth haben, beschrieben.
3 28 Referate.
Die Bastarde sind ebenso ausführlich behandelt wie die Arten, auch unter
Berücksichtigung ihrer verschiedenen Formen.
Von neuen oder ungewohnten systematischen Gruppirungen, beziehungs-
weise Gattungsabgrenzungen seien die Einbeziehung von Phegopteris zu Aspidium,
sowie die von Ceterach zu Asplenium (Verfasser schreibt „Asplenum“) erwähnt.
Scolopendrium hybridum zieht Verfasser als Unterart zu S. hemionitis.
Möge es dem Verfasser vergönnt sein, dieses gross angelegte Werk zu Ende
zu führen! Wir werden dann endlich wieder einmal eine gute, verlässliche Grund-
lage für das Studium der mitteleuropäischen Flora besitzen. Fritsch.
Scholz Eduard. Schlüssel zur Bestimmung der mitteleuropäischen
Farnpflanzen, Pteridophyta. Mit einer Tafel. XLVI. Jahresbericht des
k. k. Staatsgymnasiums in Görz (1896).
Man wird selten Bestimmungstabellen finden, die so gründlich und selbst-
ständig durchgearbeitet sind, und die so sehr auf die Bedürfnisse des Laien
oder Anfängers Rücksicht nehmen, wie der vorliegende Schlüssel zur Bestim-
mung der mitteleuropäischen Farnpflanzen. Der Fachmann ersieht aus demselben,
dass der Verfasser die Mehrzahl der in Frage kommenden Arten aus eigener
Anschauung kennt, sowie dass derselbe bereits pädagogische Erfahrungen gemacht
hat. Beides erhellt aus der klaren Disposition, sowie daraus, dass stets die auf-
fälligsten und am leichtesten zu beobachtenden Merkmale in den Vordergrund
gestellt sind. Gleich die erste Tabelle zur Bestimmung der Hauptabtheilungen ist
für den Anfänger vortrefflich: Bezeichnungen wie „Pflanze binsenartig“ (Isoetaceae),
„Pflanze moosartig* (Lycopodiaceae und Selaginellaceae) etc. helfen dem Nicht-
fachmanne weit mehr als ausführliche Beschreibungen des Baues der Sporangien.
Bei jeder Art ist die geographische Verbreitung in Mitteleuropa wenigstens
in den Hauptzügen angegeben. Ausserdem sind die Standorte aus den Umgebungen
von Görz speciell verzeichnet, so dass die Arbeit zugleich eine Pteridophyten-
Flora von Görz darstellt. Vom Verfasser beobachtete, neue Standorte finden sich
übrigens nicht nur aus der Görzer Gegend, sondern auch aus Tirol verzeichnet, so
z. B. Asplenium fontanum Bernh. var. Halleri Mett. aus dem Oetzthale.
Bei Asplenium germanicum Weis und Asplenium lepidum Presl sind
längere Erörterungen eingeflochten. Bezüglich des ersteren Farns neigt Verfasser
der Ansicht zu, dass derselbe A. Ruta muraria X septentrionale sei. Asplenwum
lepidum Presl hat Verfasser am Monte Gabriele bei Görz gefunden und sorg-
fältigst untersucht. Die Pflanze weicht vom typischen A. lepidum in einigen Merk-
malen ab und wird deshalb ausführlich, auch mit Berücksichtigung anatomischer
Merkmale, beschrieben.
Die beigegebene Tafel bringt in 20 vom Verfasser selbst nach der Natur
gezeichneten Figuren fertile Blattabschnitte der wichtigsten Farntypen; dieselben
‘werden beim Bestimmen gute Dienste leisten. Für den Fachmann ist besonders
die Abbildung des Görzer Asplenium lepidum von Interesse.
Die vorliegende Programmarbeit kann Fachmännern und Laien zur Beach-
tung, beziehungsweise Benützung, bestens empfohlen werden. Fritsch.
329
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Neue Hieracien des östlichen Europa.
Von
Dr. A. Rehmann.
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1 (Eingelaufen am 12. Juli 1896.)
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Die Pflanzen, welche an dieser Stelle als neu beschrieben werden, stammen
aus denselben Gegenden, welche das Material für die erste Serie geliefert haben.
Sie gehören ohne Ausnahme der Gruppe Pilosellina N. P. an, welche unter den
Hieracien die an Formen reichhaltigste, aber auch für die systematische Behand-
lung schwierigste ist. Dies bezieht sich vor Allem auf Flieracium Pilosella L.,
eine Species, welche im östlichen Galizien und den Nachbarländern durch fast
unzählige Sippen vertreten ist. Die systematische Behandlung dieser Species
wird aber nicht nur durch den wirklichen Reiehthum von Formen, sondern
auch durch diesen Umstand erschwert, dass in der Regel mehrere Sippen neben
einander vorkommen und dass sie alle mit einander durch Uebergänge verbunden
werden, infolge dessen die das Hieracium Pilosella zusammensetzenden Sippen
nicht eine einfache Reihe, sondern ein unregelmässig verwickeltes Netz dar-
stellen. Um in dieses Chaos von Formen Einsicht zu gewinnen, ist es vor Allem
- nöthig, die typischen, selbstständigen Formen zu fixiren. Dieser Aufgabe versuchte
ich für das Hieracium Pilosella in der vorliegenden Schrift nachzukommen ; sie
enthält die Beschreibungen der gut markirten, häufiger vorkommenden und
leichter erkennbaren Formen.
Ich fühle mich verpflichtet, meinen botanischen Freunden, welche mir in
diesen Studien behilflich waren, meinen besten Dank auszusprechen. Ich nenne vor
Allem Herrn Oborny in Znaim, welcher die Güte hatte, sehr viele (über 200)
meiner Hieracien mit den Exemplaren seines Herbars zu vergleichen, und Herrn
Callier, jetzt in Südrussland, welcher mir das ganze Hieracium Pilosella seines
Herbars für unbeschränkte Zeit zur Benützung überliess. Exsiccaten erhielt ich
| von Prof. Oborny aus der Umgebung von Znaim, von Callier aus Schlesien und
_ aus der Krim, von Ullepitsch aus der Hohen Tatra, von Dr. Zalewski aus
Russisch-Polen.
Da ich in der nächsten Zukunft einen Schlüssel zur Bestimmung aller
’ bis jetzt beschriebenen Formen des Hieracium Pilosella L. herauszugeben beab-
E Z. B. Ges. Bd. XLVI. 45
330 A. Rehmann.
sichtige, so wende ich mich an alle Liebhaber dieser Pflanzen mit der Bitte um
Zusendung von Material. Es wären mir vor Allem verlässlich nach Nägeli und
Peter bestimmte Exsiecaten dieser Species erwünscht.
Hieracium Hoppeanum Schultes (grex: maeranthum) subsp.
vulpinum. Rhizom dünn. Schäfte 1—3, 20—30 cm hoch, dünn, steiflich,
leieht gestreift, mit einer hellen, etwas abstehenden Bractee. Blätter in der
Rosette 10—12, länglich-lanzettlich, stumpf bis spitzlich, dunkelgrün, etwas
glauceseirend. Hülle 11mm lang, anfangs kugelig, später etwas gestutzt.
Schuppen schmal, etwas hellrandig. Haare roth, auf der Hülle reichlich,
lmm lang, am Schafte vereinzelt, auf den Blättern reichlich, borstig,
bis 8mm lang. Drüsen der Hülle 0 oder nur vereinzelt, am Schafte bis zum
Grunde mässig. Flocken röthlich, auf der Hülle reichlich, Schuppenrand
filzig, am Schafte oben reichlich, unten mässig; Blätter unterseits rothfilzig.
Blüthen dunkelgelb, die randständigen aussen stark filzig, kaum gestreift. Sto-
lonen sehr kurz, dünn, grossblättrig.
Auf sonnigen Hügeln am linken Ufer des Dniester bei Dobrowlany in
Galizisch-Podolien in Menge.
Hieracium Hoppeamum Schultes (grex: maeranthum) subsp.
Przybyslawskii. Rhizom dünn. Schäfte 1—3, 14—16 em hoch, dünn, steif,
leicht gestreift. Blätter in der Rosette 6—7, + schmal-obovat, gerundet,
+ spitzlich, bläulichgrün, derb. Hülle schwarz, 12—14mm lang, kugelig.
Schuppen aus breiter Basis zugespitzt, hellrandig. Haare der Hülle
mässig, schwarz, 15—2 mm lang, am Schafte 0, auf den Blättern reich-
lich, weiss, borstig, 3-6 mm lang. Drüsen der Hülle mässig, am Schafte
bis zum Grunde reichlich. Flocken der Hülle mässig, Schuppenrand nackt,
der Schaft oben und die Blätter unterseits weissfilzig. Blüthen gelb, die rand-
ständigen aussen etwas flockig, nur an den Spitzen geröthet. Stolonen kurz,
dicklich, mit conformen Blättern. Mit Zieracium Hoppeanum subsp.
glaucophyllum N. P. (aus Triest) nahe verwandt, aber durch grössere Köpfchen
und lanzettliche Schuppen mit nacktem Rande verschieden.
Auf grasigen Hügeln um die Schlucht Woiciechöw bei Czortowiee (Horo-
denka-Bezirk im östlichen Galizien), wo ich diese interessante Pflanze in der
Gesellschaft des um die archäologische Erforschung jenes Landes hochver-
dienten Eigenthümers von Czortowiec, Herrn Przybystawski, sammelte.
Die dem Hieracium Pilosella L. angehörenden Sippen werden unten in
einer der Monographie von Nägeli und Peter analogen Ordnung mit Angabe
der durch sie vertretenen Gruppen angeführt.
a) Triehoseopum N. P.
Hieracium Pilosella L. subsp. holostenoides. Rhizom dicklich, viel-
köpfig. Schaft in jedem Köpfchen nur 1, 20—38 cm hoch, dick, leicht gestreift,
zusammendrückbar. Blätter in der Rosette 4—5 (bei zusammengesetztem Rhizom
bis 15!), äussere obovat, innere breit-lanzettlich, faltspitzig, dunkel bläulich-
De a De cd
I Zu
Neue Hieracien des östlichen Europa. 331
grün, derb. Hülle 12 mm lang, kugelig mit gerundeter Basis, schwärz-
lich. Schuppen breitlich, hellrandig. Haare der Hülle 0, am Schafte nur
unten vereinzelt, I—2 mm lang, auf den Blättern mässig, 2—3 mm lang, auf
den Stolonen reichlich, weiss und weich, 2—4 mm lang. Drüsen der Hülle und
am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. Flocken auf der Hülle mässig,
Schuppenrand armflockig, am Schafte reichlich, Blätter unterseits bis weisslich-
grau. Blüthen gelb, die randständigen aussen armflockig, nur an den Spitzen
rothstreifig. Stolonen lang, dick. Dem Hieracium Pilosella subsp. holostenum
N.P. nahe verwandt, aber durch dicken Schaft und Stolonen, breite Blätter und
armflockigen Schuppenrand verschieden. Eine der stärksten Formen in Galizien.
1. normale. Auf dem Eisenbahndamme bei Kulparköw und Wölka
(Lemberg).
2. pilosiuseulum. Haare der Hülle nur am Grunde vereinzelt, am
Stengel zerstreut, dunkel, borstig, 2—3 mm lang. Dem Hieracium Pilosella L.
subsp. pubiflorum Rehm. nicht unähnlich, aber dureh grössere Köpfehen und
den Mangel der weissen Haare an den Schuppen verschieden.
Auf dem Eisenbahndamme bei Kulparköw und Zawadöw.
Hieracium Pilosella L. subsp. holosteniforme. Rhizom dünn.
Schaft 1 (3), 23>—26cm hoch, dünn, schwächlich, leicht gestreift. Blätter
in der Rosette 5—6, äussere kurz, bald absterbend, innere obovat, lanzettlich,
langgestielt, spitzlich, bläulichgrün mit hellem durchscheinenden Nerv.
Hülle 10 mm lang, oval, grünlichgrau, hell. Schuppen schmal, hellrandig.
Haare der Hülle und am Schafte 0, auf den Blättern mässig, 2—3 mm
lang. Drüsen der Hülle mässig, am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt.
Flocken auf der Hülle mässig, Schuppenrand nackt, am Schafte mässig,
"Blätter unterseits grünlichgrau. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen kaum
flockig, sehr schwach rothstreifig. Stolonen dünn, länglich. Dem Hieracium
Pilosella L. subsp. holostenum N. P. nahe verwandt, aber durch hellgrüne, ovale
Hüllen und nackten Schuppenrand verschieden.
Auf torfigen Wiesen bei Rudno und Kulparköw (Lemberg).
Zur Gruppe Triehoscapum N. P. gehören auch die in der I. Serie (in
diesen „Verhandlungen“, 1895, Heft 8) beschriebenen subsp. Zagarophyllum Rehm.
und piliperdum Rehm.
b) Triehophorum N. P.
Hieracium Pilosella L. subsp. lavovirens. Rhizom dick. Schäfte
3—4, 20—26 cm hoch (zuweilen gabelig), dicklich, leicht gestreift, oben dunkel-,
unten hellgrün. Blätter in der Rosette bis 12, äussere gerundet, stumpf, innere
obovat, länglich-lanzettlich, spitz, langgestielt, gelblichgrün, glauceseirend.
Hülle schwärzlichgrün, 11°5 mm lang, kugelig, nach Verblühen gestutzt. Schuppen
breit, hell grünrandig. Haare röthlich, an Schaft und Hülle reichlich, dort
15—25 mm, hier 25—3°5 mm lang, auf den Blättern zerstreut bis mässig,
borstig, 3—4 mm lang. Drüsen an Hülle und Schaft oben mässig, unten ver-
45*
332 A. Rehmann.
einzelt. Flocken auf der Hülle mässig, Schuppenrand hyalin, armflockig oder
nackt, am Schaft oben mässig, unten zerstreut, Blätter unterseits grünlichgrau.
Blüthen gelb, die randständigen aussen flockig, schwach rothstreifig. Stolonen
lang, dicklich.
Auf Hügeln oberhalb Wölka bei Lemberg.
Hieracium Pilosella L. subsp. pubiflorum. Rhizom schief oder
kriechend, dünn. Schäfte 1-4, 15—30 em hoch, dünn bis dicklich, leicht gestreift.
Blätter in der Rosette 5—6, äussere obovat, innere lanzettlich, spitzlich,
bläulichgrün, derb. Hülle grau bis dunkel, 95—10 mm lang, kugelig, abgeblüht
gestutzt. Schuppen breitlich, hellrandig. Haare an der Hülle hell, -+ reichlich,
1—1'5 mm lang, am Schafte mässig bis zerstreut, 1'5—25 mm lang, auf den
Blättern mässig, 2—4 mm lang. Drüsen der Hülle vereinzelt bis mässig, am
Schafte oben mässig, abwärts vereinzelt. Flocken auf der Hülle reichlich,
Schuppenrand flockig, am Schafte reichlich, Blätter unterseits grau. Blüthen
hellgelb, die randständigen aussen stark flockig, nur an der Spitze schwach
rothstreifig. Stolonen + lang, dünn. Dem Hieracium Pilosella L. subsp.
trichophorum, c«. genwinum 2. brevipilum N. P. nahe verwandt, aber durch
ovale, blaugrüne Blätter und kleinere, graue Hüllen verschieden.
Auf dem Eisenbahndamme und auf Hügeln bei Wölka und Kulparköw
(Lemberg).
Hieracium Pilosella L. subsp. rudnense. Rhizom dünn. Schäfte
1—2, 20—30 em hoch, dünn, steif, leicht gestreift. Blätter in der Rosette 4—7,
obovat, schmal- bis länglich-lanzettlich, spitzlich, in den langen Blattstiel ver-
laufend, hell, dünn. Hülle 95—105 mm lang, grau (hell oder + dunkel),
kugelig mit gerundeter Basis. Schuppen etwas breitlich, äussere hellrandig.
Haare weiss, an der Hülle und am Schafte vereinzelt, 1—2 mm lang, auf
den Blättern mässig, 2—3 mm lang. Drüsen der Hülle mässig bis reich-
lich, am Schafte oben reichlich, abwärts vereinzelt. Flocken auf der Hülle
reichlich, Schuppenrand filzig, Schaft bis zum Grunde flockig, Blätter unterseits
weisslichgrau. Blüthen sehr hellgelb, die randständigen aussen flockig, + roth-
streifig. Stolonen kurz oder länglich, kaum dick. Dem Hhreracium Pilosella
subsp. pubiflorum Rehm. habituell ähnlich, aber durch nie gestutzte Köpfchen,
längliche Blätter, den flockigen Schuppenrand und reichliche Drüsen an den
Schuppen verschieden. Vom Hieracium Pilosella L. subsp. lagarophyllum Rehm.
durch helle Farbe, breite Köpfehen und filzigen Schuppenrand leicht zu unter-
scheiden.
«@. genuinum. In Wäldern um Rudno, Brzuchowice, Bilohorszeze, Brody
und auf dem Eisenbahndamm bei Kulparköw.
ß. Zongipilum. Hüllen dunkel, Haare am Schafte zerstreut bis mässig,
auf den Blättern reichlich, borstig, bis 7 mm lang.
Hieracium Pilosella L. subsp. tenianthaım. Rhizom dünn. Schäfte
1—2, 11—14 cm hoch, schlank, leicht gestreift, zuweilen gabelig. Blätter in der
Rosette 5—6, obovat bis lanzettlich, stumpf bis spitzlich, kurz. Hülle grüngrau,
en Te
Neue Hieracien des östlichen Europa. 333
dunkel, I mm lang, kugelig. Schuppen breitlich, hellrandig. Haare hell, an
der Hülle und am Schafte mässig bis reichlich, 1—2 mm lang, auf den
Blättern, besonders unten reichlich, 15—3 mm lang. Drüsen der Hülle mässig
oder 0, am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. Flocken auf der Hülle +
reichlich, Schuppenspitze fast filzig, Schuppenrand + flockig, am Schafte
oben reichlich, unten wenig, Blätter unterseits grau. Blüthen gelb, die rand-
ständigen aussen schwach flockig, stark rothstreifig. Stolonen kurz, dünn.
Dem Hieracium Pilosella L. subsp. dasyanthum var. erepidotum N. P., wie es
in der Flora polonica exsiccata Nr. 51 (nach der Bestimmung Prof. Oborny’s)
herausgegeben wurde, nahe verwandt. aber durch kleinere, dunkle Hüllen, Drüsen
an den Schuppen und die Tracht eines Hieracium Pilosella vulgare verschieden.
a. genuinum. Drüsen der Hülle zerstreut bis mässig.
1. ovale. Blätter obovat, meist stumpf.
2. lanceolatum. Blätter lanzettlich, spitz.
?. subglandulosum. Blätter wie bei dem vorigen, aber Drüsen der Hülle 0.
An grasigen Orten in Nianköw (Lithauen, Kreis Nowogrödek), gesammelt
von Dr. W. Dybowski.
Zur Gruppe Trichophorum N. P. gehört auch die in der I. Serie (in
diesen „Verhandlungen“, 1895, Heft 8) beschriebene subsp. holoskense Rehm.
c) Trieholepium N. P.
Hieracium Pilosella L. tricholepium N. P. var. Rypoleucum.
Rhizom dünn. Schäfte 2—4, 20—25 em hoch, dünn, schwächlich, leicht gestreift,
zusammendrückbar. Blätter in der Rosette 6—8, lanzettlich bis länglich-
lanzettlich, spitz, bläulichgrün, etwas glauceseirend, dünn. Hülle dunkelgrau,
ll mm lang, oval (bis kugelig). Schuppen breitlich, breit hellrandig. Haare der
Hülle braun, mässig, 05—1 mm lang, am Schafte oben + reichlich, unten zer-
streut, bis 25 mm lang; auf den Blättern mässig, 3—5 mm lang, weiss. Drüsen
der Hülle mässig, am Schafte sehr kurz, oben zerstreut, unten 0.
Flocken auf der Hülle reichlich, Schuppenrand filzig, Schaft filzig,
Blätter unterseits graulich. Blüthen gelb, die randständigen aussen flockig,
schwach rothstreifig. Stolonen lang, dünn, grossblättrig. Vom Hieracium
Pilosella subsp. tricholepium N. P. «. genwinum durch breite, breit hellrandige
Schuppen, Drüsen auf der Hülle und Mangel derselben auf der unteren Hälfte
des Schaftes verschieden.
Auf der Göra Wronowskich, im Kilinski’schen Parke (Lemberg) und in
Wäldern von Brzuchowice und Brody, hier mit Uebergängen zu Pilosella vulgare
und Pilosella trichoscapum. Dieselbe Pflanze bei Bojanowo im Grossherzogthum
Posen, leg. C. Scholz (Herbar Callier, bestimmt als Hieracium Pilosella steno-
phyllum N.P., von welchem es sich schon durch den stark filzigen Schuppenrand
unterscheidet).
Hieracium Pilosella L. subsp. tricholepium N. P. var. hypo-
leueoides. Dem vorhergehenden in allen Theilen fast gleich, aber die Drüsen
334 A. Rehmann.
sehr lang, auf der Hülle reichlich, am Schafte bis zum Grunde zahl-
reich, Schuppenrand hyalin, nur reichflockig (nieht filzig), Randblüthen
stark rothstreifig.
Auf grasigen Hügeln im Kilinski’schen Park (Lemberg) und in Wäldern
um Brody.
d) Latiuseulum N. P.
Hieracium Pilosella L. subsp. chlorolepium. Rhizom dünn.
Schäfte 2—4, 14—24 cm hoch, dünn, schwächlich, leicht gestreift. Blätter in der
Rosette 6, obovat bis länglich, stumpf bis spitzlich, grün, dünn. Hülle
grün, Imm lang, breit-kugelig. Schuppen breit, hellrandig. Haare hell, an der
Hülle vereinzelt bis mässig, 05—1 mm lang, am Schafte oben vereinzelt oder 0,
unten mässig, 1—2 mm lang; auf den Blättern mässig, 1—2 mm lang. Drüsen
lang, an der Hülle mässig, am Schafte oben mässig, unten vereinzelt. Flocken:
Hülle sammt Schuppenrand armflockig, am Schafte oben reichlich, unten zer-
streut, Blätter unterseits graulichgrün. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen
armflockig, nur an den Spitzen rothstreifig. Stolonen lang, dünn. Vom Hiera-
cium Pilosella hadrosoma Rehm. durch grüne Farbe der breiten Schuppen ver-
schieden; bildet einen Uebergang zur Gruppe des subvirescens N. P.
Auf dem Eisenbahndamme in Kulparköw und Percenkowka und auf Hügeln
in Holosko (Lemberg).
e) Melanops N. P.
Hieracium Pilosella L. subsp. chlorocraspedum. Rhizom dünn.
Schäfte 1—3, 20—530 cm hoch, dünn, schwächlich. Blätter in der Rosette 4—5,
äussere obovat, innere lanzettlich, stumpf bis spitzlich, bläulichgrün, derb. Hülle
dunkelgrün, 85 mm lang, kugelig, nach Verblühen gestutzt. Schuppen
breitlich, schwach hellrandig. Haare etwas borstig, dunkel, an der Hülle
reichlich, 1—2 mm lang; am Schafte zerstreut, 1'5—2’5 mm lang; auf den
Blättern mässig, 25—3'5 mm lang. Drüsen der Hülle vereinzelt, am Schafte
oben mässig, am Grunde vereinzelt. Flocken auf der Hülle mässig,
Schuppenrand nackt, am Schafte mässig, Blätter unterseits grau. Blüthen
gelb, die randständigen aussen flockig, ungestreift. Stolonen länglich, dünn.
Trotz der kleinen Köpfchen ist die Verwandtschaft mit Hieraeium Pilosella subsp.
trichosoma N. P. unverkennbar.
In Wölka bei Lemberg, auf der Wiese bei Boisko.
Hieracium Pilosella L. subsp. halarophyton. Rhizom dünn.
Schäfte 1—2, 15—24 em hoch, schlank, schwächlich, leicht gestreift, zusammen-
drückbar. Blätter in der Rosette 6—10, + obovat (bis lanzettlich), stumpf
bis spitzlich, bläuliehgrün (+ glaucescirend), dünn. Hülle dunkel bis schwärz-
lich, 11mm lang, kugelig oder + zusammengedrückt. Schuppen breitlich,
äussere schmal, innere breit hellrandig. Haare der Hülle schwarz, + reichlich,
2—2:5 mm lang; am Schafte reichlich bis mässig, oben schwarz, unten hell,
Neue Hieracien des östlichen Europa. 335
2—3 mm lang; auf den Blättern hell, zerstreut bis mässig, 54 mm
lang. Drüsen der Hülle kaum vereinzelt, am Schafte oben mässig, unten
vereinzelt. Flocken auf der Hülle und am Schafte mässig, Schuppenrand hyalin,
nackt, Blätter unterseits grünlichgrau. Blüthen gelb, die randständigen aussen
flockig, rothstreifig. Stolonen länglich, dünn. Von Hieracium Pilosella L. subsp.
trichosoma N. P. durch eiförmige stumpfliche Blätter, kleinere, nicht bauchige
Hüllen und geringe, kurze Haare an den Blättern verschieden.
Auf der Göra Wronowskich und auf Hügeln bei Kulparköw und Wölka
(Lemberg).
Hieracium FPilosella L. subsp. mmnooloma. Rhizom dicklich.
Schäfte 3—4, 7—18 cm hoch, dicklich, steiflich, kaum gestreift. Blätter in der
Rosette 12—14, lanzettlich, spitz, bläulichgrün, dunkel, steif. Hülle (grau bis)
schwärzlich, 11—14 mm lang, kugelig, nach dem Verblühen gestutzt. Schuppen
breitlich, weissrandig. Haare der Hülle und des Schaftes 0 (oder nur
vereinzelt), auf den Blättern + reichlich, borstig, weiss, 3—5 mm lang.
Drüsen der Hülle reichlich, sehr lang, am Schafte kürzer, oben reichlich,
unten mässig. Flocken: Hülle, Schuppenrand, Schaft und die Blätter
unterseits weissfilzig. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen kaum
flockig, rothstreifig. Stolonen kurz, diek. Erinnert habituell etwas an ein
schmalblättriges Hieracium Hoppeanum. Junge Köpfchen desselben Stockes grau,
auf der einen Seite zuweilen heller, auf der anderen dunkler, ältere schwärzlich.
Auf Sandboden im Walde am Bahnhofe von Brody.
Hieraceium Pilosella L. subsp. rosulatiforme. Rhizom dicklich,
Schäfte 2—3, 5—10 em hoch, aufsteigend, dicklich, schwächlich, kaum gestreift,
trocken gefurcht. Blätter in der Rosette 8—14, obovat (oder lanzettlich), stumpf
(oder spitz), bläulichgrün, dunkel, derb. Hülle dunkelgrau bis schwärzlich, 11°5
bis 125 mm lang, kugelig, nach dem Verblühen etwas gestutzt. Schuppen
breitlich, weiss, randlos, durch die schwarzen Haarpostamente in der Mitte +
schwarz. Haare der Hülle und am Schafte oben reichlich, schwarz, 15—2'5 mm
lang, unten, sowie auf den Blättern zerstreut, weiss, 15—2°5 mm lang. Drüsen
der Hülle mässig oder fast 0, am Schafte oben mässig, unten fast 0. Flocken
auf der Hülle reichlich, Schuppenrand reichflockig, der Stengel und die Blätter
unterseits grau. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen flockig, rothstreifig.
Stolonen länglich, dieklich. Vom Hieracium Pilosella hadrosoma Rehm. subsp.
angustifolium, dem es in dem Köpfehenbau nahesteht, durch den kurzen Schaft,
grössere Hüllen, breite Blätter und rosulatum-artigen Habitus verschieden. Wurde
in zwei Formen unterschieden:
a. genuinum. Blätter in der Rosette 10—14, obovat, etwas breiter,
Drüsen der Hülle mässig.
ß. lanceolatum. Blätter in der Rosette 8, lanzettlich, etwas schmäler,
Drüsen der Hülle nur vereinzelt.
Auf dem Eisenbahndamme bei Percenköwka (Lemberg).
Hieraecium Pilosella L. subsp. pseudorosulatum. Rhizom dünn.
Sehäfte 1—3, 7—17cm hoch, dick, schwächlich, leicht gestreift, zusammendrückbar.
336 A. Rehmann.
Blätter in der Rosette 10—12, obovat, stumpf bis spitz, hellgrün, derb. Hülle
dunkel, 11—13 mm lang, oval. Schuppen breit, hellrandig. Haare an
Hülle und Schaft O0 oder nur vereinzelt, 2—3 mm lang; auf den Blättern
mässig bis reichlich, 3—6 mm lang. Drüsen der Hülle und am Schafte oben
reichlich, unten vereinzelt. Flocken: Hülle filzig, Schuppenrand reichflockig, am
Schafte oben reichlich, unten wenig, Blätter unterseits + weiss. Blüthen hell-
gelb, die randständigen aussen kaum flockig, stark rothstreifig. Stolonen fast
kurz, dick. Dem Hieraciwm Pilosella subsp. rosulatum N. P. nahe verwandt,
aber durch grössere, ovale, dunkle Hüllen, breite Schuppen und kaum filzigen
Schuppenrand verschieden.
a. genwinum. Auf sandigem Boden um Lemberg (Kortumowa göra,
Holosko, Pohulanka) häufig, bei Dobromil selten.
ß. leucolomea. Blätter lanzettlich, spitz, Schuppenrand + filzig, Haare
auf den Blättern in der oberen Hälfte zerstreut, unten mässig, 2—3 mm lang.
In Wäldern von Bilohorszeze (Lemberg).
Hieracium Pilosella L. subsp. pseudomelanops N. P., Hieracien
Mitteleuropas, I, S. 145, var. themnanthum. Von der typischen Pflanze
durch kugelige, nach dem Verblühen gestutzte Köpfchen und kürzere Haare (am
Schafte 15—3 mm, auf den Blättern 2—3 mm lang) verschieden.
Auf Hügeln bei Kulparköw, Wölka, im Kilinski’schen Park, in Wäldern
um Brody. Diese Varietät wird hier angeführt, weil sie für das Verständniss
der nächstfolgenden Formen wichtig ist.
Hieracium Pilosella L. subsp. Radrosoma. Rhizom dicklich.
Schäfte 1—3, 14—24 cm hoch, dicklich, schwächlich, leicht gestreift, zusammen-
drückbar. Blätter in der Rosette 7—8, obovat (bis lanzettlich), + gerundet,
spitzlich, dunkelgrün, derb. Hülle dunkel, 105mm lang, kugelig mit
gerundeter Basis. Schuppen grün, ‚breitlich + hellrandig. Haare der Hülle
schwarz, mässig, 2—3 mm lang; am Schafte hell, vereinzelt (oder 0), 2—4 mm
lang; auf den Blättern weiss und weich, mässig, 2—3’5 mm lang. Drüsen der
Hülle + mässig, am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. Flocken auf der
Hülle mässig, Schuppenrand hyalin, armflockig, Kopfstiele am Schafte
reichlich, Blätter unterseits + weiss. Blüthen hellgelb, die randständigen
aussen etwas flockig, schwach rothstreifig. Stolonen kurz, dieklich. Vom
Hieracium Pilosella subsp. pseudomelanops N. P. durch kugelige Köpfchen und
Drüsen an der Hülle verschieden. Die Farbe der Schuppen ist nicht constant,
ich finde Pflanzen, bei welchen die Hülle auf einer Seite dunkelgrün, auf der
anderen schwärzlich ist.
1. normale. Auf dem Eisenbahndamme bei Kulparköw und Percenköwka
und im Kilinski'schen Park bei Lemberg.
2. pilosius. Haare auf den Blättern reichlich, steif, 3—4 mm lang. An
Dniester-Ufern bei Uniz im Czortköwer Kreise.
Hieracium Pilosella L. subsp. Horodenkae. Schäfte 2—3, 12 bis
21cm hoch, dünn. Blätter in der Rosette 6, obovat bis lanzettlich, gerundet,
a
Nene Hieracien des östlichen Europa. 337
kaum spitzlich, bläulichgrün, dünn. Hülle schwärzlich, 11—12 mm lang,
kugelig. Schuppen schmal (in der Mitte und an der Spitze violett), weissrandig.
Haare der Hülle und am Schafte 0, auf den Blättern nur vereinzelt, 2 mm
lang. Drüsen der Hülle und am Schafte oben reichlich, unten ver-
einzelt. Flocken auf der Hülle reichlich, Schuppenrand reichflockig, am Schafte
reichlich, Blätter unterseits weisslich. Blüthen goldgelb, die randständigen
aussen flockig, rothstreifig. Stolonen länglich, dünn, oder kurz, dick. Habituell
dem Hieracium Pilosella L. subsp. hadrosoma Rehm. fast vollkommen gleich,
aber durch die hervorgehobenen Merkmale verschieden. Vom Hieracium Pilo-
sella melanocephalum N. P. durch mehrere (1—3) Schäfte und grössere Hüllen
zu unterscheiden.
ae. genuinum.
1. epilosum. Haare am Schafte 0. An Ufern des Dniester bei Uniz und
Horodenka in Galizisch-Podolien.
2. subpilosum. Mit vereinzelten Haaren am Schafte. Auf der Kortu-
mowa göra und in Hofosko bei Lemberg, auf Hügeln um Dobromil und in
Wäldern um Brody.
ß. strietipilum. Haare auf den Blättern reichlich, steif, 3—4 mm lang.
In Wäldern um Brody; wahrscheinlich ein Bastard zwischen der typischen Pflanze
und Hieracium Pilosella subsp. mnooloma Rehm., unter welchen es gefunden wurde.
y. chlorocephalum. Hüllen grün, Stolonen kurz, dick, Haare der Hülle 0
oder vereinzelt. In Wäldern von Holosko bei Lemberg. Möglicherweise ein Bastard
zwischen der typischen Pflanze und Hieracium Pilosella chlorolepium Rehm., welche
hier nebeneinander wachsen.
f) Subeaulescens N. P.
Hieracium Pilosella L. subsp. akidolepium. Rhizom dünn.
Schaft 1, 16—18cm hoch, dünn, steiflich, kaum gestreift, + schwärzlich, zu-
weilen gabelig, mit 1—2 fadenförmigen, länglichen Bracteen. Blätter in der
Rosette 4—5, lanzettlich, spitzlich, dunkelgrün, derb, klein. Hülle schwarz,
9:5 mm lang, oval bis kugelig, nach dem Verblühen gestutzt. Schuppen aus
breitem Grunde schmal zugespitzt, schmal hellrandig. Haare der Hülle
+ reichlich, schwarz, 1—2 mm lang; am Schafte 0 oder nur vereinzelt,
dunkel, 1-15 mm lang, auf den Blättern nur mässig, hell, 1—3 mm lang.
Drüsen der Hülle mässig oder nur vereinzelt, am Schafte oben reich-
lieh, unten mässig. Flocken auf der Hülle mässig bis zerstreut, Schuppen-
rand nackt, am Schafte mässig, Blätter unterseits grüngrau. Blüthen ?
Stolonen kurz, dünn.
1. genuinum. Auf der Gubalöwka bei Zakopane (Vorgebirge der
Hohen Tatra).
2. canescens. Hülle reichflockig mit zerstreuten Drüsen. Auf der Mala
Laka (Hohe Tatra).
2. B. Ges. Bd. XLVI. 46
338 A. Rehmann.
Hieracium Pilosella L. subsp. akidophyllum. Rhizom dicklich.
Schäfte 1—3, 11—20 cm hoch, + aufsteigend, schlank, oben dünner, steiflich,
leicht gestreift, grün. Blätter in der Rosette 4—6, lanzettlich, kurz, äussere
stumpf, innere - mucronat, bläulichgrün, derb. Hülle schwärzlich, 95 bis
10 mm lang, oval mit gerundeter Basis. Schuppen schmal, schmal hellrandig,
Haare an Hülle und Schaft (0 bis) vereinzelt, hell, dort 1—2, hier 15—3°5 mm
lang; auf den Blättern reichlich, weich, 2—4 mm lang. Drüsen der Hülle
mässig, lang; am Schafte oben mässig, unten vereinzelt. Flocken auf der
Hülle und am Schafte mässig bis zerstreut, Schuppenrand arm-
flockig oder kahl, Blätter unterseits schmutzig grau. Blüthen dunkelgelb, die
randständigen aussen etwas flockig, rothstreifig. Stolonen kurz, dünn.
1. normale. Auf sandigem Boden in Wäldern von Brody (mit scharf-
spitzigen) und am Janöwer Friedhofe in Lemberg (mit weniger spitzen Blättern).
3. grandifolium. Blätter länglich-lanzettlich, gerundet, gross, dünn.
Im Kilinski’schen Park in Lemberg.
9) Vulgare N. P.
Hieracium Pilosella L. subsp. nanorosulatum. Rhizom dünn.
Schäfte 1—2, 3—5 cm hoch, schlank, schwächlich, nicht gestreift, zusammen-
drückbar. Blätter in der Rosette 9—13, lanzettlich, stumpf bis spitzlich, etwas
bläulichgrün, weich. Hülle grau, 95 mm lang, gerundet. Schuppen breitlich,
hellrandig. Haare der Hülle schwarz, mässig, am Schafte zerstreut bis ver-
einzelt, 05—1'5 mm lang; auf den Blättern weiss, weich, oben mässig,
unten am Blattstiele sehr reichlich, schopfbildend, 1—7 mm lang.
Drüsen der Hülle sehr lang, mässig, am Schafte kurz, vereinzelt. Flocken:
Hülle sammt dem Schuppenrand, der Schaft und die Blätter unterseits weissfilzig.
Blüthen dunkelgelb, die randständigen aussen kaum flockig, stark rothstreifig.
Stolonen ziemlich lang, dünn. Vom Hieracium Pilosella subsp. rosulatum N. P.
durch lanzettliche Blätter, kugelige Köpfchen, kurze, spärliche Drüsen und schwarze
Haare an den Schuppen verschieden.
Auf sandigem Boden in Hofosko, an der Quelle.
Hieracium Pilosella L. subsp. chioneolepium. Rhizom dicklich.
Schäfte 1—2, 12—20 cm hoch, schlank, schwächlich, zusammendrückbar, kaum
gestreift. Blätter in der Rosette 7—9, obovat, stumpf bis spitzlich (oder lanzett-
lich, spitz), hell bläulichgrün, derb. Hülle grau, 10—11mm lang, kugelig,
nach dem Verblühen gestutzt. Schuppen breit, weissrandig. Haare weiss
und weich, an der Hülle und am Schafte oben reichlich, unten zerstreut bis
mässig, 2—3 mm lang; auf den Blättern mässig, 15—3°5 mm lang. Drüsen der
Hülle 0, am Schafte oben mässig, unten 0. Flocken: Hülle und Schaft grau,
Schuppenrand filzig bis reichflockig, Blätter unterseits weisslichgrau. Blüthen
hellgelb, die randständigen aussen etwas flockig, 4 rothstreifig. Stolonen läng-
lich, schlank. Dem Hieracium Pilosella subsp. trichocephalum N. P. nahe ver-
wandt, aber durch die hervorgehobenen Merkmale verschieden.
Neue Hieracien des östlichen Europa. 339
@. genwinum. Auf sandigem Boden in Holosko (Lemberg).
?. angustifolium. Holosko.
Hieraecium Pilosella L. subsp. vulgariforme. Rhizom dünn.
Schaft 1, 15—18 cm hoch, dünn, schwächlich, leicht gestreift, zusammendrückbar.
Blätter in der Rosette 5—7, lanzettlich, stumpf bis spitzlich, hell, dünn. Hülle
weissgrau, 10 mm lang, kugelig. Schuppen schmal, hellrandig. Haare hell,
an der Hülle und am Schafte oben ziemlich reichlich, 1—1’5 mm lang, unten
und auf den Blättern zerstreut, 2—5 mm lang. Drüsen der Hülle 0, am
Schafte oben mässig, unten 0. Flocken auf der Hülle reichlich, Schuppen-
rand filzig, am Schafte oben reichlich, unten mässig, Blätter unterseits weiss-
liehgrau. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen kaum flockig, nicht roth-
streifig. Stolonen kurz, dünn. Dem Hieracium Pilosella subsp. vulgare Tausch
sehr ähnlich, aber durch das Intument dem chioneolepium Rehm. näher stehend.
Auf Gartenrasen in Nianköow (Gouvernement Mirisk, Kreis Nowogrödek in
Lithauen), gesammelt von Dr. W. Dybowski.
Hieraeceium Pilosella L. subsp. aphthonomnoum. Rhizom etwas
dick. Schäfte 1—4, 20—30 cm hoch, schlank, steif, leicht gestreift. Blätter in
der Rosette 5—6, lanzettlich, spitz (oder die äusseren obovat, stumpf), bläulich-
grün, derb. Hülle grau, 1Omm lang, kugelig, + zusammengedrückt.
Schuppen schmal, etwas hellrandig. Haare der Hülle hell oder dunkel, mässig,
05—1’5 mm lang, am Schafte hell, zerstreut oder vereinzelt, bis 2 mm lang,
auf den Blättern mässig, bis 2mm lang. Drüsen lang, an der Hülle mässig
bis vereinzelt, am Schafte oben reichlich, unten zahlreich. Flocken auf der Hülle
reichlich, Schuppenrand filzig, Schaft und die Blätter unterseits graufilzig.
Blüthen flockig, gelb, die randständigen aussen rothstreifig. Stolonen lang, dünn.
Dem Hieracium latisguamum Dhlst. nahe verwandt, aber durch filzigen Schuppen-
rand und + zusammengedrückte Hüllen verschieden.
@. genwinum. Auf dem Eisenbahndamme und auf Hügeln bei Kulparköw
und Holosko bei Lemberg und auf Dniester-Ufern bei Uniz, Kreis Horodenka.
3. brevifolium. Blätter kurz, äussere obovat, stumpf, Hüllen breit,
zusammengedrückt. Neigt stark gegen Hieracium Pilosella subsp. rosulatum.
Kulparköw, Holosko, Kortumowa göra, Eyczakower Park, Dobromil.
y. furcatum. Blätter wie bei dem Vorigen, aber die Hüllen oval,
Schäfte meistens gabelig. Kulparköw, Stielerowka.
Hieracium Pilosella L. subsp. aphthonotrichum. Rhizom dick-
lich. Schäfte 2—4, 16-24 cm hoch, dünn, steif, leicht gestreift. Blätter in der
Rosette 6—10, schmal, lanzettlich, lang, zugespitzt, hell, steif. Hülle
dunkelgrau, 10°5 mm lang, kugelig, nach dem Verblühen zusammengezogen,
eylindrisch, gestutzt. Schuppen schmal, hellrandig. Haare hell, an Hülle und
Schaft reichlich, dort 1—2 mm lang, hier 2—3'5 mm lang, auf den Blättern
+ reichlich, bis 45 mm lang. Drüsen der Hülle 0, oder nur vereinzelt,
am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. Flocken auf der Hülle reichlich,
Schuppenrand filzig, am Schafte oben reichlich, unten mässig, Blätter unter-
46*
340 A. Rehmann.
seits grau. Blüthen gelb, die randständigen aussen stark rothstreifig. Stolonen
etwas verlängert, dünn.
Auf sandigen Hügeln in Holosko bei Lemberg.
Hieracium Pilosella L. subsp. seitophyllum. KRhizom dünn.
Schäfte 1—3, 9—25 cm hoch, dünn, steif, leicht gestreift. Blätter in der
Rosette 6—8, obovat bis lanzettlich, stumpf bis spitzlich, bläulichgrün, dunkel,
derb. Hülle (dunkelgrau bis) schwärzlich, 11 (—9) mm lang, kugelig bis
zusammengedrückt. Schuppen schmal, fast randlos. Haare der Hülle 0 oder
mässig, 15mm lang, am Schäfte 0, auf den Blättern vereinzelt, weiss,
weich, 15—2'5 mm lang. Drüsen der Hülle mässig, am Schafte bis zum
Grunde zerstreut. Flocken auf der Hülle und am Schafte mässig, Schuppen-
rand armflockig (oder nackt), Blätter unterseits graulich. Blüthen dunkelgelb, die
randständigen aussen flockig, stark rothstreifig. Stolonen länglich, dünn,
steif, zuweilen verästelt. Mit Hieracium Pilosella subsp. parviflorum N. P.
durch Mittelformen verbunden, in typischer Form unterscheidet es sich von
demselben durch dunkle, grosse Köpfchen, + nackten Schuppenrand, breite
Blätter und die Zahl der Schäfte. Wurde in zwei habituell fast gleichen Formen
beobachtet.
a. genuinum. Hülle zusammengedrückt, schwärzlich, 9 mm lang, Haare
der Hülle 0, Drüsen reichlich, Schuppenrand armflockig. Kuhberg und Pöppitzer
Schlucht bei Znaim (comm. Oborny, für Zeracium rosulatum und Hieracium
angustius).
B. eanescens. Hülle kugelig, bis I1lmm lang, dunkelgrau, Haare der
Hülle mässig, Drüsen zerstreut. In Wäldern um Pogryzöw, Gouvernement Kowno
in Lithauen, und Sosnowo bei Rypin, Gouvernement Ptock in Russisch-Polen,
hier gesammelt von Dr. Zalewski.
Hieracium Pilosella L. subsp. nannoides. Rhizom dünn. Schaft 1,
4—10 cm hoch, schlank, schwächlich, nicht gestreift. Blätter in der Rosette 4,
länglich-lanzettlich, spitzlich, graugrün. Hülle grau, + dunkel, 8 mm lang,
kugelig. Schuppen breit, hellrandig. Haare an Hülle und Schaft 0 bis ver-
einzelt, hell, 05—1 mm lang; auf den Blättern zerstreut, 1—1'5 mm lang. Drüsen
an der Hülle und am Schafte oben mässig, unten 0. Flocken: Hülle, Schuppen-
rand und der Schaft filzig, Blätter unterseits hellgrau. Blüthen hellgelb, die
randständigen aussen kaum flockig, + rothstreifig. Stolonen kurz oder länglich
schlank. Kleinen Formen des Hieracium leucopsarum Dhlst. ähnlich, aber durch
das Intument verschieden.
In Wäldern von Brzuchowice bei Lemberg.
flieracium Pilosella L. subsp. äöschnanthum. Rhizom dünn.
Schaft 1, 6—10 cm hoch, dünn, schwächlich, nicht gestreift, zusammendrückbar.
Blätter in der Rosette 4—5, länglich-lanzettlich, spitzlich, hellgrün, dünn. Hülle
grün, + dunkel, Samm lang, oval. Schuppen schmal, hellrandig. Haare hell,
an der Hülle und am Schafte vereinzelt bis mässig, 1—1’5 mm lang; auf den
Blättern mässig bis reichlich, 1—2 mm lang. Drüsen der Hülle und des Schaftes
Neue Hieracien des östlichen Europa. 341
(bis zum Grunde) vereinzelt bis mässig. Flocken auf der Hülle mässig, Schuppen-
rand hyalin, -+ nackt, am Schafte reichlich, Blätter unterseits hellgrau. Blüthen
hellgelb, die randständigen aussen etwas flockig, nicht rothstreifig. Stolonen
kurz, dünn. Dem Hieracium Tapeinum Dhlst. täuschend ähnlich und mit Hrera-
cium Pilosella L. subsp. nannoides Rehm. nahe verwandt, aber von beiden durch
oben hervorgehobene Merkmale verschieden.
1. normale. In Wäldern von Holosko bei Lemberg.
2. multiflocceum. Hülle grau, Schuppenrand reichflockig, randständige
Blüthen + rothstreifig. Auf dem Eisenbahndamme bei Kulparköw (Lemberg).
Hieracium Pilosella L. subsp. brachycalathium. RBhizom dünn.
Schaft 1, 10—14 cm hoch, dünn, schwächlich, nicht gestreift. Blätter in
der Rosette 4—9, lanzettlich, stumpf bis spitzlich, grasgrün, etwas glaucescirend.
Hülle schwärzlich, 8-9 mm lang, kugelig. Schuppen etwas breitlich, hell-
randig. Haare der Hülle sehr dunkel, reichlich, 1—2 mm lang; am
Schafte 0, auf den Blättern reichlich, borstig, hell, 2—4 mm lang. Drüsen der
Hülle 0, am Schafte bis zum Grunde vereinzelt. Flocken: Hülle (sammt
Schuppenrand) und Schaft filzig, Blätter unterseits grau. Blüthen hellgelb, die
randständigen aussen etwas flockig, nicht rothstreifig. Stolonen lang, dünn.
Vom Hieracium Pilosella L. subsp. ischnanthum Rehm. durch kugelige Hüllen
und breitere, stark behaarte, drüsenlose Schuppen verschieden.
In Wäldern von Holosko bei Lemberg.
Hieracium Pilosella L. subsp. stenophyllum N.P. var. steno-
phylloides. Rhizom dicklich. Schäfte 1—3, 12—26 cm hoch, schlank, steiflich,
leicht gestreift, unten gelblich. Blätter in der Rosette 6—8, lanzettlich, schmal,
spitzlich bis spitz, gelblichgrün, derb. Hülle grau, dunkel oder hell, 9 mm lang,
kugelig. Schuppen schmal, hellrandig. Haare der Hülle vereinzelt, hell, 0 5—1 mm
lang; am Schafte 0 oder vereinzelt, auf den Blättern mässig, 1—2 mm
lang. Drüsen der Hülle mässig, am Schafte oben mässig, unten vereinzelt.
Flocken: Schuppen sammt Schuppenrand reichflockig, am Schafte oben
reichlich, unten wenig, Blätter unterseits weisslichgrau. Blüthen gelb, die rand-
ständigen aussen etwas flockig, rothstreifig. Stolonen kurz, dünn. Vom typischen
Hieracium Pilosella subsp. stenophyllum N. P. durch graue Hüllen, flockigen
Schuppenrand und kürzere Haare verschieden.
Auf trockenen Hügeln um Lemberg (Holosko, Kortumowa göra, Janower
Friedhof).
Hieracium Pilosella L. subsp. indivisiforme. Rhizom dünn.
Schaft 1, 20—32 cm hoch, dünn, steiflich, kaum gestreift. Blätter in der Rosette
3—4, lanzettlich, in den langen Blattstiel verlaufend, spitzlich, gelblichgrün,
dünn. Hülle dunkelgrün, 10'5 mm lang, kugelig. Schuppen etwas breitlich,
hellrandig. Haare der Hülle 0, am Schafte vereinzelt, 1-2 mm lang; auf
den Blättern mässig, weich, I—3 mm lang. Drüsen der Hülle reichlich, lang,
am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. Flocken auf der Hülle mässig,
Schuppenrand hyalin, armflockig, am Schafte oben reichlich, unten zerstrent;
342 A. Rehmann,
Blätter unterseits + weisslichgrau. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen
etwas flockig, nur an den Spitzen schwach rothstreifig. Stolonen kurz, dünn.
Vom Hieracium Pilosella L. subsp. indivisum N. P. durch kleinere Hüllen,
breitere, hellrandige Schuppen, durch das Indument und kaum gestreifte Rand-
blüthen verschieden.
In Wäldern von Holosko bei Lemberg.
Hieraecium Pilosella L. subsp. orphnodes. Rhizom dünn. Schäfte
1—3, 18—36 cm hoch, dicklich bis dick, schwächlich, leicht gestreift, zusammen-
drückbar. Blätter in der Rosette 5, breit lanzettlich, + gerundet, stumpf
bis spitzlich, bläulichgrün, dünn. Hülle dunkelgrau bis sehwarz, 10 bis
ll mm, bei üppigen Exemplaren bis 13 mm lang, + breit kugelig, nach dem
Verblühen gestutzt. Schuppen breit, grünrandig. Haare der Hülle 0 bis reich-
lich, dunkel, 2—3 mm lang; am Schafte vereinzelt bis mässig, dunkel, bis 4 mm
lang; auf den Blättern + reichlich, hell und weich, 1—2°5 mm lang. Drüsen
kurz und sehr lang, untermischt, an der Hülle und am Schafte oben reich-
lich, unten zerstreut. Flocken auf der Hülle reichlich, Schuppenrand + nackt,
am Schafte oben reichlich, unten mässig, Blätter unterseits graulich. Blüthen
sattgelb, die randständigen aussen etwas flockig, + rothstreifig. Stolonen lang,
dicklich. Mit Hieracium Pilosella subsp. scalptum N. P. nahe verwandt, von
welchem es sich durch breite Blätter und nackten Schuppenrand unterscheidet.
Andererseits erinnern schmalblättrige Formen an Hieracium Pilosella subsp. an-
gustius N. P., mit dem es den nackten Schuppenrand gemeinschaftlich hat.
a. genwinum. Schuppen dunkelgrau, Haare an Hülle und Schaft ver-
einzelt. In Gebüschen und auf Holzschlägen der Hohen Tatra. Schmecks (leg.
Scherffel), Zakopane, Jaszezuröwka, Mala Kaka.
B. atriceps. Schuppen schwärzlich, sonst wie «. Schmecks (leg. Scherffe]),
Mengsdorfer Thal, Olezyska und Rostoka.
y. polytrichum. Schuppen schwarz, Drüsen der Hülle mässig, Haare an
Hülle und Schaft reichlich, 2—4 mm lang. Jaszezuröwka, Olezyska.
d. umbrosum. Blätter schmal, spitz, Schaft und Stolonen dünn, Haare
der Hülle 0. Am Waldrande unter dem Nosal bei Zakopane.
Zur Gruppe Vulgatum N. P. gehört auch das in der Flora polonica
exsiccata Nr. 50 ausgegebene und beschriebene FHeracium Twardowskianum
Rehm. et Wol.
h) Subvirescens N. P.
Hieracium Pilosella L. subsp. dieranum. Rhizom dünn. Schäfte
1—3, 25—45 cm hoch, meist in der unteren Hälfte gabelig, dünn, steif,
leicht gestreift, gelblichgrün. Blätter in der Rosette 4—10, lanzettlich, ziemlich
breit, spitz, abwärts lang verschmälert, gelblichgrün, dünn. Hülle dunkel-
grün, 9—10°5 mm lang, kugelig. Schuppen schmal, hellrandig. Haare hell,
an der Hülle mässig, 15—2 mm lang; am Schafte mässig bis reichlich, 2—5 mm,
auf den Flagellen bis 5 mm lang; auf den Blättern reichlich, oben kurz, unten
Pa 7 Zu
Neue Hieraecien des östlichen Europa. 343
bis 7mm lang. Drüsen der Hülle mässig, lang, am Schafte oben reichlich,
unten vereinzelt. Flocken auf der Hülle mässig, Schuppenrand armflockig,
am Schafte oben reichlich, unten zerstreut, Blätter unterseits blassgrün, reich-
flockig. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen etwas flockig, schwach roth-
streifig. Stolonen lang, dünn, oft stengelartig entwickelt, blühend. Vom Hieracium
Pilosella subsp. chaetocaulon N. P. durch kleinere Hüllen, dunkelgrüne, deutlich
gerandete Schuppen, flockigen Schuppenrand und helle Haare verschieden.
Auf sandigem Boden im Walde von Bilohorszeze bei Lemberg, am Ein-
gange zwischen dem Wege und der Eisenbahn.
i) Trichadenium N. P.
Hieracium Pilosella L. subsp. pseudodilatatum. Rhizom dick-
lich. Schäfte 1—5, 15—25 cm hoch, dicklich, steiflich, leicht gestreift, zusammen-
drückbar, grün. Blätter in der Rosette 8—12, lanzettlich, spitzlich, gelblichgrün,
glauceseirend, derb. Hülle dunkelgrau, 10 mm lang, kugelig. Schuppen
breit, hellrandig. Haare hell, an der Hülle und am Schafte oben mässig bis
reichlich, 1—1'5 mm, unten und auf den Blättern zerstreut, 1—2 mm lang.
Drüsen der Hülle mässig, lang, am Schafte oben ziemlich reichlich, unten 0.
Flocken auf der Hülle mässig, Schuppenrand hyalin, armflockig, am Schafte
oben reichlich, zerstreut, Blätter unterseits grau. Blüthen hellgelb, die rand-
ständigen aussen stark flockig, nicht rothstreifig. Stolonen + lang, dicklich,
häufig verästelt. Vom Hieracium Prlosella subsp. dilatatum N. P. durch ge-
rundete, nicht gestutzte Köpfchen, breitere Schuppen mit floekigem Rande, un-
gestreifte äussere Blumen und kürzere Haare verschieden.
a. brevifolium. Auf dem Eisenbahndamme bei Kulparköw, habituell
dem von Nägeli und Peter unter Nr. 237 herausgegebenen subsp. dilatatum
zum Verwechseln ähnlich.
P. longifolium. Blätter länglich-lanzettlich, in den Blattstiel schmal
verlaufend. Auf Hügeln bei der Lewinski’schen Ziegelei in Lemberg.
Hieracium hypeuryum N.P. subsp. podolicum. Rhizom dick.
Schäfte 1—3, 16—25 cm hoch, schlank, unten dicklich, steiflich, leicht gestreift.
Blätter in der Rosette 7—8, äussere obovat, stumpf, innere lanzettlich, spitz,
bläulichgrün, derb. Hülle dunkel, 10-105 mm lang, zusammengedrückt.
Schuppen breit, hellrandig. Haare der Hülle reichlich, borstig,
1—2 mm lang, am Schafte oben vereinzelt, unten mässig, bis 35 mm lang, auf
den Blättern, namentlich unten am Blattstiele, reichlich, bis 7 mm lang.
Drüsen der Hülle nur vereinzelt, am Schafte oben mässig, unten + 0.
Flocken auf der Hülle reichlich, Schuppenrand hyalin, armflockig, am
Schafte oben mässig, unten vereinzelt, Blätter unterseits rothfilzig.
Blüthen ? Stolonen verlängert, schlank. Eine stattliche, grossköpfige
Pflanze, ohne Zweifel ein Bastard zwischen Hieracium Hoppeanum subsp. vul-
pinum Rehm. und einem Hieracium Pilosella, dem ersten näher stehend, aber
durch schmale, spitze Blätter und lange, schlanke Stolonen verschieden.
344 A. Rehmann. Neue Hieraeien des östlichen Europa.
Auf grasigen Hügeln bei Dobrowlany in Galizisch-Podolien, am nördlichen
Dniester-Ufer, Dieser Standort muss der Aufmerksamkeit künftiger Botaniker
sehr empfohlen werden, weil daselbst mehrere andere Formen von Hieracium
Pilosella vorkommen, welche gegenwärtig, nach einem Vierteljahrhundert, nicht
mehr hinreichend charakterisirt werden können.
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier
von Centralamerika und Chile,
sowie einiger seltenerer Schlangenarten.
Von
Dr. Franz Werner.
(Mit Tafel VI.)
(Eingelaufen am 30. September 1896.)
A. Honduras.
Herr Naturalienhändler W. Schlüter in Halle a. d. S. sandte mir eine
Collection von Reptilien und Batrachier zur Determination, welche nieht wenige
sehr interessante Arten enthält, von denen einige, darunter eine hübsche Coluber-
Art, für die Wissenschaft neu, andere aber, wie Eublepharis dovii Blngr., äusserst
selten sind. Die Sammlung ist in den Besitz des Petersburger Museums über-
gegangen.
I. Chelonia.
a) Chelydridae.
1. Chelydra rossignoni Bocourt. (Blngr., Cat. Chelon., p. 23.)
Ein junges Exemplar, von der Schnauzen- zur Schwanzspitze 140 mm lang,
Kopflänge 23, Kopfbreite 19, Schwanzlänge 55, Carapax 57, Plastron 43 mm lang,
Brücke 6 mm breit, also ein Siebentel der Plastronlänge. Kinn mit drei Bartfäden
(linker hinterer fehlend), die beiden vorderen mit weisser Spitze. Carapax schwarz-
braun, Kopf, Schwanz und Extremitäten oben braun. Kopf mit schwarzer Zügel-
und Schläfengegend, scharf von der braunen Oberseite abgesitzt. Auf den heller
braunen oberen Augenlidern ein schwarzer Querstrich. Umgebung des Auges mit
schwarzen Radiärstrichen. Unterseite braun, gelblich marmorirt, Plastron dunkel-
braun mit gelblichen Flecken. Unterrand des Carapax gelblich mit einem braunen
Flecken auf jedem Schild.
Die Schnauze ist kürzer, der Carapax mehr rauh, borkig, die Zähne seines
Hinterrandes länger als bei Chelydra serpentina. Uebrigens besitze ich auch ein
3 1 ee en u a Ze
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. 345
Exemplar von Chelydra serpentina mit drei Bartfäden (rechter hinterer fehlend,
bezw. ein linker hinterer vorhanden), welche jedenfalls aus den Warzen der
Hautunterseite sich entwickelt haben, wie dies ganz ähnliche Gebilde weiter
hinten am Kinn darthun.
b) COinosternidae.
2. Cinosternum leucostomum A. Dum. (Blngr., Cat. Chelon., p. 42.)
Erwachsenes Exemplar, schwierig von Cinosternum ceruentatum A. Dum.
zu unterscheiden, da von den Rückenkielen keine Spur zu sehen. Oben braun,
unten gelb, Suturen schwarz; Schnabel horngelb (2). Pectoralia bilden eine
sehr schmale Sutur.
II. Sauria.
a) Geckonidae.
1. Thecadactylus rapicaudus Houtt. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 111.)
Schnauze 1?/; Augendurchmesser. Oberlippenschilder 11—12, Unterlippen-
schilder 8—9. Ein erwachsenes Exemplar mit regenerirtem Schwanze.
2. Sphaerodactylus argus &osse n. var. continentalis.
In jeder Hinsicht mit dem Typus von Jamaica (Blngr., Cat. Liz., I,
p. 223, Pl. XVII, Fig. 5) übereinstimmend, nur in der Färbung verschieden.
Oben röthlichgrau, graphitartig glänzend, mit schwarzem Längsstrich
hinter jedem Auge und zahlreichen, in Längsreihen angeordneten schwarzen
Punkten. Unterseite weisslich, grau bestäubt. Totallänge 62 mm, Schwanz 32 mm.
b) Eublepharidae.
3. Eublepharis dovü Blngr. (Taf. VI, Fig. 1). (Blngr., Cat. Liz., I, p. 233.)
Ein @ dieser seltenen Art, welches mit Ausnahme der Zeichnung genau
mit dem von Boulenger beschriebenen j' übereinstimmt. Oberseite weisslich,
Kopf oben mit dunklen Flecken wie bei Eublepharis variegatis, dahinter ein
hufeisenförmiger dunkler Fleck, dessen Schenkel dem Hinterrand des Auges ent-
springen. Hinter diesem ein grosser viereckiger Fleck mit zwei vorderen Fort-
sätzen zu den Mundwinkeln und darauffolgend noch drei breite, vorn und hinten
dunkler geränderte Querbänder. Schwanz mit fünf breiten dunklen Quer-
bändern, die 3—4 mal so breit sind als die hellen Zwischenräume. Seiten mit
kleinen dunklen Flecken, Unterseite einfarbig weisslich. Die vergrösserten
Schwanztuberkeln nur an der Basis des Schwanzes (welcher intact; ist!).
Totallänge 137 mm, Kopflänge bis zur ÖOhröffnung 18 mm, Schwanz-
länge 62 mm.
c) Iguanidae.
4. Anolis sallaei Gthr. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 79.)
Ein Z von gelblichbrauner Färbung; schwarzbraun ist Schnauze und
Stirn, purpurviolett der Fleck auf dem trotz der Kleinheit des Exemplares wohl-
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 47
346 Franz Werner.
entwickelten Kehlsack. Die Kehlschuppen finde ich glatt, kann aber sonst keinen
Unterschied von obgenannter Art finden.
5. Anolis tropidonotus Ptrs. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 83.)
Zwei @ und ein g'‘. Letzteres einfarbig grau, unten weiss, Kehlsack
dottergelb; Schwanz reproducirt. Das eine 9 ist grau mit zwei schwarzen,
unterbrochenen Längslinien auf dem Rücken, das zweite hellbraun mit hell-
gelbem, breitem Rückenstreif, der von dunkelbraunen dreieckigen Flecken derart
eingefasst wird, dass eine helle Rautenbinde entsteht. Goldglanz bei diesem
Exemplar sehr stark, die beiden anderen dürften geschunden sein. Im Uebrigen
gleichen sich die drei Exemplare sehr.
6. Anolis biporcatus Wiegm. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 88.)
Ein 9, auch wieder mit glatten Kehlschuppen, sonst typisch. Goldglanz
sehr deutlich.
7. Anolis capito Ptrs. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 94.)
Ein © dieser grossen Art. Hellgelb mit zwei schwarzen Längsstreifen,
die am ÖOceiput sich zusammenneigen. Jeder dieser beiden Längsstreifen ist
dreimal unterbrochen, jedes Stück in der Mitte etwas erweitert. Ende der
Rückenstreifen in der Sacralgegend. Schwanzschuppen schwach gekielt, Körper-
schuppen glatt, polygonal, flach.
8. Corythophanes cristatus Merr. (Taf. VI, Fig. 2). (Blngr., Cat. Liz.,
II; p. 101.)
Ein j' dieser stattlichen Eidechse, 266 mm lang, davon der augenschein-
lich grösstentheils fehlende Schwanz 161 mm. Höhe des Thieres von der Spitze
des Kammes zu der des Kehlsackes 55 mm.
9. Basiliscus vittatus Wiegm. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 109.)
Ein junges Exemplar.
10. Iguana tuberculata Laur. var. rhinolopha. (Blngr., Cat. Liz.,
Ip: 189.)
Ein schönes junges Exemplar mit bereits recht deutlicher Höckerbildung
auf der Schnauze. Femoralporen 16—17. Der Iguana delicatissima ähnelt das
Thier durch die ziemlich deutlich konische Ausbildung der Oceipitalschuppen.
Länge 495 mm (Schwanz 365 mm).
11. Sceleporus serrifer Cope. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 221.)
Ein grosses Exemplar, oben olivengrün, unten ganz blau. Femoral-
poren 13—15.
12. Sceleporus aeneus Wiegm. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 233.)
Ein schlecht erhaltenes junges Exemplar.
d) Xantustidae.
13. Lepidophyma flavomaculatum A. Dum. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 326.)
Ein typisches 2 von 185 mm Totallänge (Schwanz 108 mm).
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. 347
e) Texidae.
14. Onemidophorus sexlineatus L. typ. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 364.)
Ein ziemlich junges Exemplar. Das vierte Supraoculare durch Granulae
vom dritten getrennt, länglich. Drei Parietalia. 18 Femoralporen jederseits.
f) Seineidae.
15. Mabwia agilis Raddi. (Blngr., Cat. Liz., III, p. 190.)
Ein schönes Exemplar der typischen Form. Supranasalia in Contact,
ebenso Frontonasale und Frontale. Schuppen in 30 Längsreihen, ganz glatt.
Oberseite einfarbig braun, das helle (weissliche) Lateralband unten noch durch
ein dunkles begrenzt, welches gegen den Bauch zu undeutlich wird, oben aber
ebenso wie das obere dunkle Lateralband dunkel gerändert ist.
III. Ophidia.
Oolubridae aglyphae.
1. Drymobius boddaerti Sentz. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 11.)
Ein Exemplar der Forın A (p. 12), oben und unten einfarbig bis auf die
(auch nur angedeuteten) Postocularstreifen.
2. Drymobius margaritiferus Schleg. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 17.)
Ein junges Exemplar. ‘
3. Coluber corais Boie var. B. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 31, 32.)
Ein jüngeres Exemplar. Kein Suboculare vorhanden; das untere Tempo-
rale erste Reihe vertical getheilt. Schuppen glatt.
Schuppenformel: Sq. 17, V. 200, A.1, Se. ?/a-+1.
4. Coluber polylepis n. sp. (Taf. VI, Fig. 3 a—e).
Diese hübsche Schlange, welche mir in einem jungen Exemplare vorliegt,
zeichnet sich durch die grosse Zahl von 33 Schuppenreihen aus, welche sonst
nur in der ehemaligen Rhinechis-Pityophis-Gruppe vorkommt. Habitus der von
Coluber leopardinus, ebenso die Form des Kopfes, doch ist die neue Art ge-
drungener und hierin mehr Elaphrs-ähnlich. Das Rostrale ist siebeneckig, ebenso
breit als hoch, sein von oben sichtbarer Theil kaum ein Drittel seines Abstandes
vom Frontale (bei Boulenger steht auf p. 28, Zeile 5 von unten, irrthümlich
wieder „rostral“). Die Internasalia sind halb so lang als die Praefrontalia, das
Frontale 1!/,mal so lang als breit, etwas kürzer als sein Abstand von der Schnauzen-
spitze und bedeutend kürzer als die Parietalen. Frenale trapezförmig, etwa so
hoch als breit. Ein Praeoculare, zwei Postocularia, 3-+4 Temporalia, von denen
aber nur die zwei oberen der ersten Reihe die Postocularen berühren. Supra-
labialia S—9, das 4. und 5., bezw. 5. und 6. das Auge berührend. Fünf Unter-
lippenschilder berühren die vorderen Rinnenschilder, welche bedeutend grösser
‘sind als die hinteren, welche durch zwei kleine und zwei grössere Schildchen
getrennt sind.
47%
348 Franz Werner.
Schuppenformel: Sq. 33, V. 245, A. !, Se. Plga+1.
Die Schuppen sind klein und vollkommen glatt, die Ventralen sehr schmal.
Die Zeichnung gleicht sehr der von Coluber leopardinus, die Flecken sind aber
nicht rothbraun, sondern graubraun, im Uebrigen verweise ich auf die Abbildung.
Totallänge 450 mm, Schwanz 91 mm, also !/;.
5. Streptophorus atratus Hall. var. D. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 292, 293.)
Zwei Exemplare, eines mit, eines ohne schwarze Querbinden. Supralabialia 7,
das 3, und 4. das Auge berührend; Postocularia 1, 2.
Schuppenformel: V. 130, 135, Se. 50, 60.
Colubridae opisthoglyphae.
6. Himantodes elegans Jan. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 85.)
Ein mittelgrosses und ein junges Exemplar, ersteres graubraun, letzteres
röthlichgelb mit dunkelbraunen, licht geränderten Flecken.
7. Oxybelis acuminatus Wied. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 192.)
Ein Exemplar.
Colubridae proteroglyphae.
8. Elaps fulvius L. var. apiatus Jan (= aglaeope Cope). (Blngr., Cat.
Snakes, III, p. 426 [var. J].)
Ein grösseres und ein junges Exemplar dieser dem Typus sehr unähnlichen
Varietät, welche wahrscheinlich von Urotheca elapoides nachgeahmt wird (var.
aequalis).
9. Elaps fulvius L. var. nigrocinetus Gir. (= diastema DB.). (Blngr.,
Cat. Snakes, III, p. 424.)
Ein schönes Exemplar dieser dem Hlaps corallinus ähnlichen Varietät.
Viperidae (Crotalinae).
10. Lachesis atro@ L. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 537.)
Zwei junge Exemplare. Schwanzspitze weiss, wie ich es bei atrox im
Gegensatze zu lanceolatus (lanceolatus + jararaca) stets gefunden habe. Schuppen-
kiele kürzer (aber nicht um viel) als die Schuppen. Flecken mit weisslichem,
dunkel getüpfeltem Rand. Schnauze etwas aufgeworfen, ebenso Supraocularia
gewölbt, Schuppen weniger lanzettlich als bei lanceolatus, an der Spitze mehr
abgerundet, Auge rund, bei den verglichenen lanceolatus schief elliptisch.
11. Lachesis bicolor Bocourt (Taf. VI, Fig. 4). (Blngr., Cat. Snakes,
III, p. 566.)
Ob diese Art auf die Dauer haltbar sein wird, will ich dahin gestellt sein
lassen, vielleicht ist sie nur eine Varietät von Lachesis lateralis Ptrs., und auch
Lachesis nigroviridis Ptrs. dürften diese beiden Schlangen sehr nahe stehen.
Vorliegendes Exemplar, von 756 mm Total- und 125 mm Schwanzlänge, stimmt in
ee a
a a Si Zi a u
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. 349
der Hauptsache mit Zachesis bicolor überein, doch besitzt es, soweit sich an dem
etwas zerschlagenen Kopfe erkennen lässt, bestimmt nur sieben ziemlich grosse,
gekielte Schuppen in einer Querreihe zwischen den durchaus nicht sehr schmalen
Supraocularen. Auch bildet von den 10 Supralabialen, wenigstens auf der rechten,
intacten Seite, das zweite Supralabiale die Begrenzung der Zügelgrube!), und das
vierte ist von ansehnlicherer Grösse als die übrigen. Färbung typisch.
Schuppenformel: Sq. 21, V. 165, A. 1, Se. 'ı +61.
IV. Batrachia Salieutia.
a) Ranidae.
1. Rana virescens Kalm var. austrieola Cope.
Rana maculata Brocchi, Bull. Soc. Philom. (7), I, p. 178.
4 3% “ Miss. Scientif. Mexique, Batr., p. 13, Pl. III, Fig. 2.
AN d Bingr., Cat. Batr. Sal., p. 42.
? „ virescens var. austricola Cope, Batr. North America (Bull. United
States Nat. Mus., Nr. 34, Washington, 1889).
„ virescens var. austricola Werner, Bemerk. über nordamerik. Rana-
Arten (Jahrb. des Magdeb. naturwiss. Ver., 1894, S. 130).
Ein mittelgrosses Exemplar, vollständig mit den von mir untersuchten
Exemplaren aus Costarica übereinstimmend. Das Tympanum ist halb so breit
als das Auge, die Hinterbeine lang; die Gaumenzahngruppen sind klein, rundlich,
einander genähert und die Verbindungslinie der hinteren Choanenränder über-
ragend. Die Flecken sind allerdings kleiner, auf dem vorderen Theil des Rückens
in drei, hinten in zwei Reihen angeordnet.
b) Cystignathidae.
2. Hylodes laevissimus n. Sp.
Nahe verwandt dem Hylodes podiciferus, aber durch die starken, unter
einem spitzen Winkel nach hinten convergirenden Gaumenzahngruppen, die auch
ganz hinter den Choanen liegen, die längere, abgerundete Schnauze (gegen
1!/amal so lang als der Augendurchmesser), den schmäleren Interocularraum, der
kaum merklich breiter ist als ein oberes Augenlid, und das kleinere Tympanum
(halb so gross als das Auge) leicht unterscheidbar.
Oben graubraun mit weissem, schmalem Spinalstreifen von der Schnauzen-
spitze zum After. Schnauze bis zwischen die Augen hellgrau, durch eine dunkle,
quer über Augenbrauen und Stirn verlaufende Linie von der dunklen Färbung
des Hinterkopfes getrennt. Vier dunkle Verticalflecken auf jeder Seite der Ober-
!) Hier ist Boulenger ein kleiner Lapsus passirt, indem auf p. 533 das Anstossen des zweiten
Supralabiale an die Grube für Zachesis bicolor, auf p. 566 für Lachesis lateralis in Anspruch ge-
nommen wird!
350 Franz Werner.
lippe, ebenso ein dunkler Streifen über dem Tympanum. Kehle, Brust und Unter-
seite der Extremitäten braun, Bauch weisslich, Hinterbacken schwarzbraun, weiss
getüpfelt. Hinterbeine oben sehr undeutlich gebändert. Totallänge 35 mm.
3. Hylodes rostralis n. Sp.
Dieser grosse Hylodes ist verwandt dem Aylodes laticeps A. Dum. (Cat.
Batr. Sal., p. 210). Die Zunge ist aber hinten etwas eingekerbt, die Gaumen-
zähne in mehr queren, nicht schiefen Reihen; Lateralfalten fehlen. Die Schnauze
zeichnet sich durch die sehr deutliche und fast gerade Schnauzenkante und eine
vordere Kante zwischen den wie bei voriger Art weit nach vorn liegenden Nasen-
löchern aus. Der Interpalpebralraum ist etwas breiter als ein Augenlid, das
Trommelfell sehr deutlich, höher als breit, sein längerer Durchmesser von ?/s,
sein kürzerer von ?/;s Augendurchmesser. Hinterbeine erreichen mit dem Tibio-
tarsalgelenk die Schnauzenspitze. Oberseite röthlichgrau, Schnauzenspitze weiss,
Zügel- und Schläfengegend schwarzbraun, deutlich von der Oberseite des Kopfes
abgegrenzt. Hinter dem Tympanum, auf dem Unterarm und nahe dem Knie je
ein schwarzer Flecken. Aftergegend, Aussenrand von Oberarın und Tibia, Unter-
seite des Tarsus schwarz. Unterseite weiss. Hinterbeine undeutlich gebändert.
c) Bufonidae.
4. Bufo valliceps Wiegm. n. var. microtis. (Blngr., Cat. Batr.
Sal., p. 319)
Ein schönes @, welches sich nur durch das kleinere Tympanum (?/s Augen-
durchmesser) und durch das Fehlen einer besonders ausgesprochenen Warzenreihe
hinter den Paratoiden vom Typus unterscheidet. Oben braun mit einem gelb-
lichen grossen Flecken zwischen den Augenbrauen, einer unregelmässigen gelben
Spinallinie, einem undeutlich begrenzten gelbbraunen breiten Längsband an jeder
Körperseite, am Paratoidenhinterrand beginnend, und mehreren schwarzbraunen
Flecken auf den braunen Theilen der Oberseite. Tarsus und Zehen hell und dunkel-
braun gebändert.
d) Hylidae.
5. Hyla baudimi DB. (Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 371.)
Zwei ©, 55—56 mm lang, ganz typisch. Tibiotarsalgelenk reicht bei dem
einen Exemplar bis zum Nasenloch, beim anderen bis zum Vorderrand des Auges.
Tympanum sehr deutlich, ?/; Augendurchmesser. Vorder- und Hinterbeine sehr
deutlich gebändert, Oberlippe mit drei dunklen Verticalflecken jederseits.
5. Hyla ? salvinis Blngr. (Blugr., Cat. Batr. Sal., p. 372.)
Ein halbwüchsiges /', welches sich von Boulenger’s Beschreibung zweier
9 aus Costarica in folgenden Stücken unterscheidet: Zunge etwas eingekerbt.
Schnauzenkante undeutlich. Interorbitalraum deutlich breiter als ein oberes
Augenlid. Tympanum etwas kleiner als der halbe Augendurchmesser, daher die
Saugscheiben ebenso gross als ersteres. Ich halte aber diese Unterschiede für
nicht wesentlich genug, um diesen Frosch specifisch abzutrennen. Bemerkens-
werth ist die abgerundete Schnauze und eine starke Hautfalte vom Ellbogen
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. 351
zur Seite des Körpers. Oberseite des Körpers gelbbraun, Hinterbeine undeutlich
quergebändert. Ein 2 (erwachsen) aus Costarica in meiner Sammlung besitzt
schwach eingekerbte Zunge, schwache Hautfalte an der Achsel, sonst alle Merk-
male der typischen Form.
6. Agalychnis moreletii A. Dum. (Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 422.)
Das vorliegende 9 besitzt eher die Gaumenzahnform des Agalychnis calli-
dryas Cope, ist aber sonst typisch. Tympanum ®/; Augendurchmesser. Schwimm-
häute nur am dritten Finger die Saugscheiben nicht erreichend, dasselbe bei
der vierten Zehe der Fall. Scheiben der Finger so gross, die der Zehen kleiner
als das Tympanum. Merkwürdig ist bei dieser Form die vollständige Pigment-
losigkeit aller Theile der Oberseite, die im hockenden Zustand des Thieres ver-
borgen sind; so der ganze Oberarm und der grösste Theil des Oberschenkels bis
auf einen schmalen grünen Streifen auf der Oberseite und alle Finger und Zehen
bis auf die äussersten jeder Seite (vierter Finger und fünfte Zehe). Legt man
den Frosch so zusammen, wie er in natürlicher Stellung sitzt, so sind die pigment-
losen Theile völlig bedeckt, und diese Verborgenheit mag die Rückbildung des
Pigments an den betreffenden Stellen verursacht haben.
V. Batrachia Gradientia.
Spelerpes variegatus Gray, var. ©. (Blngr., Cat. Batr. Grad., p. 73.)
Ein Exemplar.
VI. Batrachia Apoda.
Dermophis mesxicanus DB. (Blungr., Cat. Batr. Grad., p. 98.)
Ein erwachsenes Exemplar.
B. Guatemala.
Die herpetologische Sammlung des Staates in München, deren Neubestim-
mung und Neuaufstellung nach Boulenger’s System ich im August dieses
Jahres infolge Auftrages des Herrn Prof. R. Hertwig durchführte, enthält eine
ziemlich grosse Anzahl bereits determinirter Arten aus dem Inneren von Guate-
mala, welche von Herrn Saper gesammelt worden sind. Ausser diesen Arten,
unter welchen sich manche prächtige Formen, wie der mir auch aus Honduras
vorliegende Corythophanes eristatus Merr., Laemanctus deborrü Blugr. u. a., be-
finden, waren noch eine Anzahl undeterminirter Arten vorhanden, deren Ver-
zeichniss ich nachstehend gebe.
I. Sauria.
a) Iguanidae.
1. Anolis petersii Boc. n. var. bivittata.
Ein g, typisch bis auf den Umstand, dass die Mittelreihe der oberen
Schwanzschuppen nicht vergrössert ist und auf die Färbung (vergl. Blngr., Cat.
352 Franz Werner.
Liz., II, p. 66). Rücken mit zwei breiten, einander ziemlich genäherten, am
Aussenrande gezackten, dunkelbraunen Längsstreifen, die, oft unterbrochen, bis
zur Schwanzmitte verlaufen; zwischen beiden zwei dunkle, auf dem Schwanze
weit deutlicher als am Rücken sichtbare Längslinien. Oberseite mit goldrothem
und kupferigem Metallglanz. Ober- und Unterkieferrand dunkel; ein dunkles
Schläfenband, ein undeutliches helles Band unter den dunklen Rückenstreifen;
225 mm lang, Schwanz 180 mm.
2. Anolis sallaei Gthr. @. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 79.)
3. Sceleporus serrifer Cope. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 221.)
Ein schönes g', oben hellbraun, mit einem um den ganzen Hals herum-
laufenden, nur im Nacken offenen Halsband; Kehle und Bauchseiten prachtvoll
blaugrün, Bauchmitte gelblich, beide Färbungen deutlich geschieden.
b) Xanthusiidae.
4. Lepidophyma flavomaculatum A. Dum. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 326.)
Ein typisches Exemplar.
II. Ophidia.
a) Colubrinae.
1. Streptophorus diadematus B. et G. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 291.)
Zwei Exemplare.
2. Streptophorus atratus Hall., var. D. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 292, 293.)
Zwei Exemplare, beide mit schwarzen Querbinden, ganz wie das eine aus
Honduras.
3. Polyodontophis annulatus DB. — Dum., Bibr. Erp. Gen., VII, p. 335,
Pl. LXXX, Fig. 1 (Enicognathus); Jan, Icon. Gen., 16, Pl. IV, Fig. 3 (Emi-
cognathus); Blngr., Cat. Snakes, I, p. 189.
Ein schönes Exemplar dieser merkwürdigen Art. Der Beschreibung Bou-
lenger’s habe ich nichts von Belang hinzuzufügen; zwar die Internasalia sind
nur etwas kürzer als die Praefrontalia und die Anzahl der Subcaudalenpaare ist
noch grösser als die grösste angegebene, nämlich 145, während die Ventralen in
der Zahl 143 vorhanden sind. Totallänge 612 mm, Schwanz 289mm (J)).
4. Urotheca elapoides Cope var. aequalis Salvin. (Blngr., Cat. Snakes,
II, p. 182, 183.)
Ein Exemplar; zwischen den schwarzen Ringen befinden sich schwarze
Flecken. Sehr ähnlich der var. apiatus Jan von Elaps fulvius L.
5. Coronella micropholis Cope, var. B. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 203, 204.)
Zwei grosse Exemplare; Grundfarbe der Oberseite sehr dunkelroth.
6. Atractus quadrivirgatus Jan. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 313.)
Ein Exemplar.
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Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. 353
b) Dipsadomorphinae.
7. Himantodes cenchoa L. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 84.)
/wei Exemplare.
8. Oxybelis acuminatus Wied. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 192.)
Ein Exemplar.
9. Erythrolamprus imperialis B. et G. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 206.)
Ein Exemplar, welches leider so arg beschädigt ist, dass sich nur die Zahl
der Ventralen mit 124+..., im Ganzen vielleicht 130, nicht aber die der Sub-
caudalen bestimmen lässt.
10. Erythrolamprus fissidens Gthr. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 207.)
Ein Exemplar mit 127 Ventralen und 65 Subcaudalenpaaren; oben ein-
farbig braun, nur mit zwei gelben Linien an den Kopfseiten, eine auf dem Ober-
rande der Labialen, eine darüber parallel laufende am Halse.
11. Stenorhina degenhardti Berth. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 229, 230.)
Ein junges Exemplar der var. A; oben hellgrau mit ziemlich regulären
schmalen schwarzen Querbinden, die einen feinen weissen Rand jederseits besitzen.
c) Elapinae.
12. Elaps elegans Jan. (Jan, Icon. Gen., 42, Pl. V, Fig. 2. — Bingr,,
Cat. Snakes, III, p. 418.)
Von dieser schönen Art waren drei Exemplare vorhanden, die einander sehr
ähnlich sind:
T S.: V.205, Se. 44. 11. 27V. 220, Se SD, DIT. c: V.:224, Se, 30.
Die Färbung der Oberseite ist dunkel rothbraun mit einer sehr compli-
eirten Zeichnung, die aus Triaden breiter schwarzer Ringe besteht; zwischen den
drei Ringen einer Triade, welche Vollringe, d. h. auf dem Bauche geschlossen sind,
befinden sich schmale schwarze Ringe, die nicht auf den Bauch hinabreichen,
und zwischen je zwei verschiedenen Triaden befindet sich wieder ein schwarzer
Ring, der bald auf dem Bauche geschlossen ist, bald jedoch gar nicht auf den
Bauch hinabreicht oder wieder auf den Ventralen nur durch einen oder zwei
schwarze Flecken markirt ist. Die Vertheilung der Ringe auf der Dorsalseite
wäre also, die Ringe der Triaden mit A, die innerhalb der Triade gelegenen
mit , die zwischen ihnen liegenden mit y bezeichnet, folgende:
Pe LA GAR AG HI Ba Ar
Die Ringe der Triade sind vier, die anderen kaum eine Schuppenlänge
breit, auf der Ventralseite entspricht ein jeder Ring der Triade zwei (oder seltener
einer oder drei, da sie nicht sehr regelmässig sind) Ventralen. Es sind 15 Triaden
vorhanden, vor der ersten noch ein schmaler und ein breiter Ring, hinter der
letzten ein schmaler, ein breiter und wieder ein schmaler Ring. Schwanz mit
sieben einfachen Vollringen.
Z.B. Ges. Bd. XLVI. 48
354 Franz Werner.
Kopf schwarz mit einem gelben Fleck hinter jedem Auge, das vorderste
Drittel eines Parietale, das erste und die vordere Hälfte des zweiten Temporale
und das sechste und siebente Supralabiale einnehmend. Kehle schwarz mit drei _
gelben Flecken.
Man kann die Zeichnung aller Corallenschlangen, welche, wie ich in meinen
„Untersuchungen über die Zeichnung der Schlangen“ (Wien, 1890) erwähnte,
auf ganz andere Weise entsteht, als die der sie nachahmenden Coronella-Arten,
in beliebiger Genauigkeit durch eine Formel ausdrücken, wenn man mit A die
primären Ringe, mit 2 die secundären, mit 7’ die tertiären und mit d die quater-
nären Ringe bezeichnet, und überdies durch ein , ” vor und hinter dem Zeichen
eines Ringes die schmalen gelben, durch einen Bindestrich — die breiten
rothen Ringe andeutet und schliesslich die Breite jedes Ringes durch die Zahl
der Schuppenreihen, die er einnimmt, darunter setzt.
Wir hätten also auf diese Weise z. B.:
1. Für Elaps corallinus A—A— A—A— (A=3; — = 8—I0).
DE n » var. circinalis „A—, A— A—, A4— (4=3; , =];
——=6).
Din » fulvius var. nigrocinctus A— A—A—.
a 3 > „. tener „A — A’— A— (4=1;, —2) zu
Dane " = „ apiatus „AB A— A=2, ,=1; ——2;
BE):
6, „ decoratus ne ee (AA ll
— =).
MER, „. Surinamensis „AB—-B,AB—8,4A (A=S5; ,=1;ß=3; —=B)
Bu „ corallinus var. |
bocourti . (4=4;, = u, Ba
IE Ale „ filiformis
100 „ smarcgratli \. - ». 0.00... (2,0 rer
=)
AN »„ lemniscatus , A-P=ß—-A—B=B—-—A (A=4 — —=1; B=B;
==.)
128, ” MNempricw |. win. en ag er
— 2 2
192%, „ elegans!) A—B—IT—-B— A=d—=A—B—T—-Bp— A=—I (A — 5;
se Be eng Beide)
a, „ hertwigi n. p.?) A—A—A—A—4 (41=4-5; — —2).
15. 0; „ mipartitus A—A—A—A—-A (A=3; — —)).
16. :;, „. eorallinus var. ornatissimus A—B— A—B—A (A=3; ——];
P=3—B8).
!) Genauer als vorhin angegeben, da die drei Ringe einer Triade, obwohl gleich breit, doch
nicht gleichwerthig sind.
?) In der zoologischen Sammlung des Staates in München; verwandt Zlaps gravenhorsti;
wird später publieirt werden.
un De ee
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. DD
17. Für Elaps tschudü re ae).
Sr, » Psyches a (A=3—4; ——=|]).
1941, »„ narduccei [
2040, » langsdorffi )
Pl, 5 „ ancoralis A—-B—B— A—B—B—A.
13. Lachesis aurifer Salvin (Taf. VI, Fig. 5). — Salvin, Proc. Zool. Soe.
London, 1860, p. 459, Pl. 32, Fig. 1 (T’hamnocenchris). — Cope, Proe. Acad.
Philadelphia, 1871, p. 207 (Bothriechis). — F. Müller, Verh. d. Nat. Ges. Basel,
1878, VI, p. 401 (Bothrops). — Blngr., Cat. Snakes, III, p. 568.
Von dieser prachtvollen Giftschlange enthielt die Collection Saper ein
Exemplar, von dessen Kopfoberseite ich eine Abbildung gebe. Man ersieht daraus,
dass sich Internasalia, Praefrontalia, Supraoeularia, Parietalia und Frontale, so-
wie zwei weitere grössere Schilderpaare gut unterscheiden lassen und dass eigent-
lich nur Frontale und Supraocularia durch (eine Reihe von) Schuppen getrennt
sind. Es wird also durch diese Art eine Annäherung zum Aneistrodon-Typus
vermittelt, wie andererseits Aneistrodon hypnale durch die Auflösung der Inter-
nasalia und Praefrontalia in kleine Schildehen an die Lachesis-Arten erinnert.
Ventralia 162, Subeauda 61 (J'), Nasale halbgetheilt; 9—10 Oberlippenschilder.
Oben wundervoll gelbgrün, mit einer Dorsalreihe gelber, blauviolett ge-
ränderter Flecken von ungefähr rhombischer oder elliptischer Gestalt. Zwei
dunkle Flecken im Nacken. Schwanz hellgrün, dunkelgrün gefleekt. Ein schwarzer
Schläfenstreif vorhanden. Unterseite gelbgrün.
Totallänge 550 mm, Schwanz 99 mm.
11I. Batrachia.
1. Hylodes muricinus Cope. — Cope, Journ. Acad. Philad. (New Series),
VIII, 1876, p. 108 (Lithodytes). — Broechi, Miss. Scient. Mex. Batr., p. 56. —
Blngr., Cat. Batr. Sal, p. 203.
Ein leider sehr schlecht erhaltenes Exemplar. Oben röthlichbraun, unten
weiss, ein breites dunkles Band von der Schnauzenspitze zum Mundwinkel durch
das Auge und über das Tympanum. Schnauzenkante sehr deutlich, Schnauze
länger als der Augendurchmesser.
2. Hyla gabbii Cope (l. c., p. 103; Bingr., 1. e., p. 372).
Ein junges Exemplar. Färbung oben bläulich aschgrau mit irregulären
grösseren und kleineren gelblichen Flecken und dunklen Punkten. Aussenrand
des Unterarmes weiss, ebenso ein weisses Band auf Oberlippe und Rumpfseite, mit
dunklen Punkten. Oberschenkel bis auf einen schmalen Streifen, sowie innere
Finger und Zehen pigmentlos.
C. Chile.
Von Herrn Dr. Müller (Naturhistorisches Institut „Linnaea“) in Berlin
erhielt ich eine sehr schöne Collection von Reptilien und Batrachiern aus Fru-
48*
356 Franz Werner.
tillar in Chile zur Bestimmung, welche auch zwei neue Batrachierarten enthält.
Da die Erhaltung der Exemplare vorzüglich ist und die meisten Arten in grösserer
Anzahl vorliegen, so glaube ich durch die ausführliche Beschreibung dieser Arten
einen nicht uninteressanten kleinen Beitrag zur Herpetologie von Chile liefern
zu können. Die Reptilien sind allerdings schwach, und zwar die Schlangen und
Eidechsen nur durch je eine Art vertreten, umso besser dagegen die Batrachier.
I. Sauria.
Liolaemus pietus DB. (IV, p. 276). (Blngr., Cat. Liz., II, p. 151.)
Diese in Chile so reich vertretene Gattung wird in der vorliegenden Samm-
lung durch obenstehende Art in 10 Exemplaren verschiedenen Alters, darunter
zwei erwachsene ', repräsentirt; diese besitzen zwei Praeanalporen. Die g’ be-
sitzen auf gelblicher, die @ auf mehr blau- oder graugrüner Grundfarbe drei
breite dunkle Längsstreifen, von welchen der dorsale häufig in ein Ziekzackband
oder (auf der Hinterhälfte des Rückens) in Querstreifen umgewandelt ist. Die
ganze Oberseite des g’ ist dicht gelb punktirt.
II. Ophidia.
Tachymenis perwviana Wiegm. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 118.)
Von dieser gemeinen, ja zweifellos häufigsten aller Schlangen Chiles, das
ja recht arm an Arten ist, liegen mir zehn meist schöne Exemplare in ver-
schiedener Färbung vor, von hellbraun mit undeutlicher (meist 5), bis dunkel-
braun mit sehr scharfer dunkler Längsstreifung (meist 9); die helle Rücken-
linie aber immer deutlich erkennbar.
d. V.158, Se. 39, Supral. 7—7, Praeoc. 3—3, Temp. 2+2, 1+2, SublL’&
d. 151, 46, Ui 22, 1+3,2+3, 4.
ad Asazdkııag, GE, 3-3 2+3,2+3, 4.
(nur das 3. u. d. Auge)
ei 154, 45, UM, 2— 8, 2+3, 2+2, 4.
er 149, 45, II, 3—8, 1+3, 243, 4—5.
d. 158, 49, 1, d—8, 2+3, 243, 4d—5
O4 5144, 38, De 2-9, 1.0 4
(1 Postoculare)
D. 145, 98, el a 2+3, 272, 4.
Q. TAT ler LU, 2», IF 4
Sans jr! 40, Be 29, 2+3,2+3, 4
Also die Ventralenzahlen sind für die Z' 149—158, für die @ 141—147,
die Subcaudalenzahlen für die g' 39—49, für die @ 38—40, im Durchschnitt
demnach für die Z' V.154, Se. 44, für die @ V. 144, Se. 39.
Auffallend ist das überaus häufige Vorkommen von drei Praeocularen
beim ', viermal beiderseits, einmal auf einer Seite, während bei den @ immer
ie 0 5 ud an Ba a a 1 Zu
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Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. 357
nur zwei Praeocularen vorhanden sind. Die Längsverbindung der Ventralflecken
zu drei Längsstreifen oder Längsfleckenreihen tritt nur beim Q auf, das Z' be-
sitzt einfach dunkel geränderte Ventralia.
III. Batrachia.
a) Engystomatidae.
1. Rhinoderma darwiniü DB. (Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 148.)
Drei Exemplare, eines oben hell bläulichgrau, das zweite hellbräunlich,
undeutlich röthlichgrau marmorirt, das dritte dunkelgrau mit einem dunklen
Querband zwischen den Augen und zwei A-förmigen dunklen Flecken hinter-
einander auf dem Rücken. Bei Exemplar 1 ist die Kehle und die Vorderhälfte
des Bauches schwarz, bei 2 aber gelblich, bei 3 schwarz und weiss marmorirt.
Hinterhälfte der Unterseite in normaler Weise mit grossen weissen Flecken auf
schwarzgrauem Grunde geziert.
b) Cystignathidae (Leptodactylidae).
2. Calyptocephalus Gayi DB. (Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 189.)
Zwei erwachsene Exemplare, Z' und 9, sowie fünf jüngere Exemplare,
deren eines einen Borborocoetes taeniatus verschlungen hatte, dessen eines, aus
dem Rachen herausstehendes Hinterbein die Determination ermöglichte.
3. Hylodes leptopus Bell. (Blagr., Cat. Batr. Sal., p. 219.)
Die Collection enthält sechs Exemplare dieses hübschen Frosches, deren
grösstes eine Länge von 32mm besitzt (9). Der Beschreibung Boulenger’s
habe ich nichts hinzuzusetzen, als dass die Oberseite reichlich mit längsgerichteten
Warzen besetzt ist. Färbung sehr variabel, doch lassen sich vier Varietäten unter-
scheiden.
4A. Oberseite röthlich grau mit grauen, symmetrischen Zeichnungen (Inter-,
Prae-, Post- und Suboeularband, ein X-förmiger Rücken- und jederseits ein dunkler
Lumbarfleck; zwischen den grossen Flecken zahlreiche dunkle Punkte. Querbänder
auf den Hinterbeinen zahlreich (über 12, abwechselnd deutlich und undeutlich).
B. Oberseite röthlichgrau; der ganze Raum zwischen den Schenkeln des
X-förmigen Fleckens und dem Interocularband dunkel, vor diesem ein T-förmiger
Flecken; auch der Raum zwischen den hinteren Schenkeln des X mehr weniger
verdunkelt; ein weisser Fleck unter dem Auge hinter dem Subocularflecken. Quer-
bänder der Hinterbeine alle deutlich, nur 9—10 an der Zahl.
C. Zeichnung ungefähr wie bei A, aber ohne dunkle Punkte; Querbänder
der Hinterbeine acht, alle deutlich.
D. Interocularband in der Mitte unterbrochen. Oberseite mit ziemlich
symmetrischen, weiss geränderten Flecken, dazwischen dunkle Punkte; Hinter-
beine mit 9—10 Querbändern, alle deutlich. Bauchseite weiss bis grauröthlich,
einfarbig oder Bauch dunkel gefleckt.
358 Franz Werner.
4. Paludicola bibroniü Tschudi. (Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 231.)
Sieben Z' und 16 ® liegen mir vor, von denen die 5‘ bedeutend kleiner
sind (40 mm, die 2 50 mm). Auch sind die 5 oberseits nahezu glatt oder nur
mit kleinen flachen Warzen besetzt, während von den ® die Mehrzahl sehr stark
warzig erscheinen. Auffallend ist, dass bei allen ohne Ausnahme der erste Finger
ganz deutlich länger ist als der zweite, dieses Merkmal also zur Unterscheidung
von Paludieola brachyops nicht benützt werden kann. Einen hellen Rückenstreifen
bemerkt man bald deutlich, bald undeutlich, selten gar nicht.
5. Paludicola muelleri n. Sp.
Ohne Lendendrüse, ohne Tarsaltuberkel, ohne Warzen auf dem Rücken;
Zunge eiförmig. Gaumenzähne vorhanden in zwei geraden Gruppen zwischen
den Hinterrändern der Choanen. Körper sehr gedrungen, wie bei Paludicola
bibronii. Schnauze abgerundet, 1!/; mal so lang als der Augendurchmesser. Nasen-
loch dem Auge etwas näher als der Schnauzenspitze. Tympanum deutlich, sein
verticaler Durchmesser ?/;, sein horizontaler ?/; Augendurchmesser. Finger und
Zehen dick, der erste Finger so lang als der zweite. Gelenkshöcker nicht sehr
deutlich, ein grosser rundlicher innerer Metacarpal-, ein länglicher grosser innerer
und ein kleiner flacher scharfer äusserer Metatarsaltuberkel. Das Tibiotarsal-
gelenk erreicht nicht das Tympanum, die Fersenhöcker erreichen den Vorderrand
des Auges. Haut glatt. Oberseite dunkel röthlichbraun, mit helleren undeutlichen
Flecken und Marmorirung, Vorderbeine dagegen auf hellerem Grunde dunkel
gefleckt. Eine deutliche gelbe Spinallinie. Unterseite gelblichweiss. Ein Exemplar
(7?) 56 mm lang.
6. Hylorhina sylvatica Bell. (Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 251.)
Zwei Exemplare. Das Tympanum finde ich nicht „very small“, da sein
Längsdurchmesser (vertical) der Hälfte, sein Querdurchmesser (horizontal) etwa
?/; des Augendurchmessers gleichkommt; auch ist die Haut ohne Warzen, sondern
gleichmässig fein granulirt. Im Uebrigen stimmten beide Exemplare mit der
Beschreibung dieser durch ihre enorm verlängerten Finger leicht erkennbaren
Art gut überein. Beide Exemplare sind 9, das eine oben hell graubraun mit
undeutlichen dunklen Punkten, das andere dunkel olivenbraun mit einem bläu-
lichen Querband zwischen den Augen, an welches sich hinten ein A-förmiger
bläulicher Flecken anschliesst; ein grünlichweisses Längsband dahinter bis zum
Sacrum, ein ebensolches Längsband vom Hinterrand des Auges bis über die Basis
des Vorderbeines. Unterseite weiss. Totallänge 52—57 mm; Länge des dritten
Fingers 15 mm, der vierten Zehe 19 mm.
7. Borborocoetes roseus DB. (Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 253.)
Ich rechne mit einigem Bedenken fünf Frösche zu dieser Art, da sie sich
durch das deutliche Tympanum von !/; Augendurchmesser, die etwas längere
Schnauze, das dem Auge mehr als der Schnauzenspitze genäherte Nasenloch,
die bei drei Exemplaren deutlich eingekerbte Zunge, die in wenig oder gar
nicht schiefen Reihen stehenden Gaumenzähne von der Beschreibung Bou-
lenger’s unterscheiden. Ich halte aber diese Unterschiede für nicht wesentlich
genug, um darauf eine besondere Species zu gründen und will nur noch bemerken,
»
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. 359
dass drei Exemplare oben grauröthlich oder braun sind mit gelber Spinallinie, das
zweite röthlich graubraun mit dunklem (grauen) Inter-, Prae- und Postocular-
band und ebensoleher W-förmiger Zeichnung auf dem Nacken, sowie dunklen
Fleeken auf Hinterbeinen und Rücken, das dritte aber hellgelblich mit dunkler
Sehnauzenspitze, dunklem dreieckigem Interocularfleck, einem etwa X-förmigen
Fleck auf dem Nacken und einer gelben Spinallinie, die alle dunklen Zeichnungen
der Oberseite durchschneidet und am Rücken beiderseits dunkel eingefasst ist.
Hinterbeine dunkel marmorirt, Tympanum und Suboeularfleck dunkel. Bei zwei
Exemplaren Spuren zweier Längsfalten in der Scapulargegend.
8. Borborocoetes taeniatus Girard. (Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 254.)
Diese Art liegt in einer grossen Zahl von Exemplaren vor und die Z
sind durch eine dunkelbraune Rugosität am Daumenballen, sowie auf der Ober-
und Innenseite des ersten und, etwas schwächer, auch des zweiten Fingers aus-
gezeichnet, wie dies auch Hylodes leptopus ähnlich, nur schwächer aufweist.
Zunge herzförmig, hinten deutlich eingekerbt, Schnauze durchschnittlich etwas
länger (1!/s Augendurchmesser) bei g' als bei @ (1'/; Augendurchmesser). Tym-
panum meist sehr undeutlich, manchmal unterscheidbar, !/; Augendurchmesser.
Nasenloch von Auge und Schnauzenspitze gleichweit entfernt. Interorbitalraum
ebenso breit als ein oberes Augenlid. Die Schwimmhäute der Zehen sind oft
recht deutlich. Einen Unterschied in der Länge der Hinterbeine bei den beiden
Geschlechtern konnte ich nicht bemerken. Sie reichten bei manchen Z' mit dem
Tibiotarsalgelenk nur zum Augenhinterrand, aber auch bei @ bis zwischen Auge
und Schnauzenspitze, was die grössten Extreme sein dürften. Die 2 sind grösser
(38 mm) als die g' (32mm) und weniger zahlreich, ihre Zahl beträgt in der Col-
lection nur 11 gegen 22 Z. Längsfalten mehr weniger deutlich, manchmal ganz
fehlend; am seltensten fehlen die dorsolateralen und die ausserhalb derselben ge-
legenen kurzen Falten.
Man kann folgende Zeichnungsvarietäten wohl unterscheiden:
A. Var. bilineata (A d, 1%). Oben hell röthlichgrau, Schnauzenkante,
Postocularstreifen bis zur Basis des Vorderbeines, sowie der Aussenrand der
beiden Dorsolateralfalten schwärzlicehgrau. Hinterbeine mehr weniger undeutlich
quergebändert, der von der Tibia bedeckte Theil des Oberschenkels mit 2—3
mehr weniger grossen und zusammenhängenden dunklen Flecken, die Fortsetzung
der Querbänder des Oberschenkels. Ein bis drei schwärzliche Lumbarflecken,
ausnahmsweise fehlend.
B. Var. rufodorsata (3 d, 1 2). Aehnlich der vorigen Varietät, aber
Rücken zwischen den Dorsolateralfalten rothbraun, Rumpfseiten von diesen Falten
nach abwärts dunkelgrau.
C. Var. albovittata (2 , 1 2). Hellgrau, mehr weniger dicht fein
dunkel punktirt; Prae- und Postocularstreifen wie bei vorigen. Zwei weisse
Längslinien auf den Dorsolateralfalten, nach vorn auf den Rand des Augenlides
_ und die Schnauzenkante als feine Linien sich fortsetzend. Bei zwei Exemplaren
sind die beiden hellen Rückenstreifen nach innen, aber nur bis zum Saerum
deutlich dunkel gerändert.
360 Franz Werner.
D. Var. modesta (9 ', 5 2). Einfarbig hellgrau, nur ein Exemplar
dunkel grauröthlich, ohne deutliche Rückenzeichnung, ohne continuirliche Dorso-
lateralzeichnung. Mehr weniger spärlich fein dunkel punktirt. Sonst wie A.
E. Var. intermedia (2 2). Oben grauröthlich oder rothbraun, Seiten und
Bauch hellgrau, dunkel gepudert. Oberschenkel mehr weniger deutlich gebändert.
F. Var. ornata (4 Q, 19). Grau, mit deutlichem dreieckigen Inter-
ocularband, mit grossen grauen, unregelmässigen Rückenflecken, dazwischen fein
dunkel punktirt; die Punkte mitunter die Fleckenzeichnung einsäumend. Hinter-
beine deutlich quergebändert. Prae- und Postocular-, Lumbar- und Hinterbacken-
zeichnung wie bei A. Diese Varietät gleicht oft überraschend der Var. A. von
Hylodes leptopus. >
Unterseite mehr weniger dunkel punktirt oder gefleckt.
9, Borborocoetes plieiferus n. Sp.
Sehr ähnlich dem Borborocoetes maculatus Gthr., aber die Gaumenzähne
hinter den Choanen und das Tympanum ziemlich deutlich. Von dem gleichfalls
nahestehenden Borborocoetes bibroni Bell. unterscheidet sich die Art durch die
kürzeren Hinterbeine, die mit dem Tibiotarsalgelenk das Nasenloch kaum er-
reichen, den Besitz eines deutlichen äusseren Metatarsalhöckers und durch die
auch dem maculatus zukommende, am Hinterrand des Auges entspringende scharfe
Längsfalte über dem Tympanum, die an der Seite des Körpers sich allmälig ver-
liert. Die Färbung gleicht der von maculatus, namentlich ist der grosse runde,
nach hinten scharf abgegrenzte Fleck hinter jedem Vorderbein deutlich vorhanden.
Zunge etwa kreisförmig, ganzrandig. Schnauze etwas länger als der Augen-
durchmesser. Nasenloch gleichweit von Auge und Schnauzenspitze entfernt. Inter-
orbitalraum breiter als ein oberes Augenlid. Tympanum halb so breit als das
Auge. Erster Finger etwas kürzer als der zweite; Haut auf der Kopfoberseite,
an den Rumpfseiten und auf der Oberseite der Hinterbeine mit kleinen spitzen
Höckerchen, sonst oben und unten ganz glatt. Oben dunkelbraun, mit schmaler
gelblicher Spinallinie, einem noch dunkleren Fleck auf dem Tympanum; Hinter-
backen rothbraun, weisslich punktirt, ähnlich auch die ganze Unterseite.
Länge 31 mm.
Die Batrachierfauna Chiles besteht demnach aus nachfolgenden 21 Arten:
1. Rhinoderma darwiniü DB. (Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 148).
2. Calyptocephalus gayi DB. (p. 189).
. Telmatobius marmoratus DB. (p. 192).
. Hylodes leptopus Bell. (p. 219).
. Ceratophrys leyboldi Espada (p. 227).
. Paludicola bibronii Tschudi (p. 231).
frenata Cope (Proc. U. S. Nat. Mus., Bd. 12, p. 142).
2 muelleri Werner.
9. Hylorhina silvatica Bell. (p. 251).
n
En
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. 361
10. Borborocoetes nodosus DB. (p. 253).
IE : roseus DB. (p. 253).
12. E hidalgi Espada (p. 253).
18: 3 taeniatus Girard (p. 254).
14. n grayi Bell. (p. 254).
15% x bibronii Bell. (p. 255).
16. a pliciferus Werner.
17. ee maculatus Gthr. (p. 256).
18. a calcaratus Gthr. (p. 256) (Chloe).
19. ? fasciatus Ptrs. (p. 257) (Oyeclorhamphus).
20. Bufo variegatus Gthr. (p. 295).
2l. „ spinulosus Wiegm. (p. 302).
Davon sind:
Engystomatiden: 1 Gattung mit 1 Art (charakteristisch).
Cystignathiden: 7 Gattungen mit 18 Arten (1 Gattung charakteristisch).
Bufoniden: 1 Gattung mit 2 Arten.
Aus den übrigen sieben Gattungen sind 15 Arten Chile (inel. C’hiloe)
eigenthümlich, eine mit Peru, eine mit Patagonien gemeinsam.
Anhang.
Ueber einige seltenere Schlangen.
1. Alluaudina bellyi Mocq. — Mocquard, Comptes rendus Soc.
Philomat., 1894, Nr. 17, p. 9. — Blngr., Cat. Snakes, III, p. 38.
Ich erhielt von dieser äusserst seltenen Schlange ein kleines, nicht beson-
ders gut erhaltenes Exemplar von 345 mm Totallänge (Schwanz 75 mm, also !/;,
Kopf 12 mm). Im ganzen Habitus gleicht das Thier sehr dem Cerberus rhyn-
chops, und halte ich dasselbe trotz der lateral, nicht auf der Oberseite der Schnauze
gelegenen Nasenlöcher (welche allerdings dadurch, dass die Kopfseiten sehr schief
nach aussen abfallen, auch auf der Oberseite der Schnauze zu liegen scheinen)
für eine Wasserschlange.
Schuppenformel: Sq. 27, V. 155, A. 1, Se. 60.
Die Schuppen sind alle stark gekielt, besonders natürlich die des Rückens.
Gaumenzähne jederseits etwa 27, Oberkieferzähne etwa 10— 11, Unterkieferzähne 15,
gleich gross, nur die vordersten Gaumenzähne kleiner. Färbung und Kopfschilder
wie beim Original-Exemplar.
2. Tarbophis guentheri And. in Syrien.
Von dieser Art erhielt ich ein erwachsenes Exemplar durch Herrn
W. Schlüter in Halle a. d. S., welches vollständig mit der Beschreibung Bou-
lenger’s (Cat. Snakes, III, p. 52) übereinstimmt. Es stammt aus Jerusalem, ist
745 mm lang (Schwanz 96 mm) und hat eine mittelgrosse Agama stellio im
2. B. Ges. Bd. XLVI. 49
362 Franz Werner.
Magen. Supralabialia 10—11, das 4.—6. das Auge berührend. Oben hellgrau
mit schmalen weissen Querbinden, Kopf gelblichgrau, Unterseite und Oberlippen-
schilder gelblichweiss. Schuppen in 21 Reihen. V. 237, Se. 58.
Ein Fall von Melanismus bei Dryophis myeterizans L.
Ich erhielt von Herrn Redemann in Antwerpen ein erwachsenes Exem-
plar dieser Art, leider ohne Fundortsangabe, aber wahrscheinlich von Ceylon,
welches tief schwarz gefärbt ist; die Haut zwischen den Schuppen und die beiden
Längslinien des Bauches sind weiss. Ich kann auf diesen gewiss seltenen Fall
keine besondere Varietät gründen, da ich melanotische Exemplare, wenn sie ver-
einzelt auftreten, nur für Abnormitäten halte.
3. Dipsadomorphus barnesii Gthr. — Günther, Proe. Zool. Soc.
London, 1869, p. 506, Pl. 40, Fig. 2. — Blngr., Fauna Brit. Ind. Rept., 1890,
p. 359; Cat. Snakes, III, p. 73.
Von dieser hübschen ceylonesischen Baumschlange liegen mir zwei gleich
grosse Exemplare vor, welche ich durch Herın Redemann in Antwerpen erhielt.
I. g. Sq.19, V.210, A.1, Sc. 105, Länge 596 mm (Schwanz 135 mm).
ISIS MSg. 13 IV 22204 Ar lHiSc.9; a ie R 122,
Praeocularia 3, bei einem Exemplar das oberste das Frontale mit einer
Spitze berührend. Postocularia 2, Temporalia 3+4, 3+4, bezw. 2+4, 3+3.
Der Kopf ist kurz und rundlich, die Augen treten halbkugelförmig vor und sind
von unten sehr deutlich sichtbar. Färbung typisch. Oberlippenschilder 8.
4. Philodryas burmeisteri Jan. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 135.)
Von dieser Art, von welcher das naturhistorische Hofmuseum in Wien
mehrere, die Sammlung des zoologischen vergleichend-anatomischen Universitäts-
Institutes in Wien ein erwachsenes Exemplar besitzt, liegt mir ein junges Exem-
plar aus Argentinien vor.. Hervorzuheben wäre, dass das Zügelschild nicht mit
dem Praeoculare verschmolzen und nur 1'/;mal so lang als hoch ist; das Prae-
oculare berührt das Frontale in einem Punkte. Temporalia 2+4, 2+2; fünf
Unterlippenschilder in Berührung mit den vorderen Rinnenschildern, die ebenso
lang sind als die hinteren.
Schuppenformel: Sq. 23, V. 212, A. 1. Schwanz abgebrochen.
Oberseite hellgelb mit drei braunen Längsstreifen, Unterseite gelbbraun,
die gelben Linien sind nicht geradlinig, sondern am Rande gezackt, weil sie ganze
Schuppen einnehmen. Kopf oben hellbraun, Rostrale und Oberlippe hellgelb,
Kehle weisslich. Alte Exemplare mit unregelmässig verstreuten dunkelbraunen
kleinen Flecken auf der Oberseite, Streifen rückgebildet.
5. Dryophis xzanthozona Boie. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 180.)
Zwei Exemplare aus Java, V. 186 (2), 198 (Z); Se. 120 (2), 148 ();
Anale bei beiden getheilt. Frenalia 2—3, Temporalia 8+3, 2+3; 1+3, 2+3.
Supralabialia 9, das 4.—6. das Auge berührend.
Ausgezeichnet ist diese schöne Art durch die mehr olivengrüne als rein
grüne Färbung der Oberseite, sowie durch die wundervolle Färbung der Unter-
seite. Kehle weisslich mit einem gelben, undeutlich begrenzten Fleck jederseits
er 2
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. 363
auf den Gularschuppen; die gelben Längsstreifen des Bauches beginnen bald
hinter der Kehle, anfangs sehr blass; die drei dunklen Längsstreifen sind vorn
sehr schmal und blass, werden aber nach hinten immer breiter, purpurviolett
und verdrängen die weissliche Grundfarbe bis auf zwei schmale Längsstreifen;
Schwanzunterseite zwischen den hellen-Streifen grünlichblau.
6. Aparallactus boulengeri n. sp. (Taf. VI, Fig. 6).
Nächstverwandt dem Aparallactus lunulatus Ptrs., aber dadurch von dieser
Art verschieden, dass nicht das fünfte, sondern das sechste Supralabiale das
Parietale berührt. Augendurchmesser so gross als sein Abstand vom Mundrand.
Der von oben sichtbare Theil des Rostrale ist halb so lang als sein Abstand vom
Frontale. Internasalia kaum kürzer als Praefrontalia. Frontale 1!/; mal so lang
als breit, um fast die Hälfte länger als sein Abstand von der Schnauzenspitze,
etwas kürzer als die Parietalen. Nasale getheilt, in Contact mit dem Praeoculare;
ein Postoculare, ein Temporale, durch das sechste Supralabiale vom letzteren
getrennt; drittes und viertes der sieben Supralabialia das Auge berührend.
Mentale vom ersten Paar Rinnenschilder durch das erste Paar Unterlippen-
schilder getrennt; erstes Paar Rinnenschilder mit vier Unterlippenschildern in
Contact, breiter und etwas länger als das hintere. Sq. 15, V. 140, 145, 150, 157,
158; A. 1, Se. 42, 51, 74, 16, 37. — Obere Schwanzschuppen ziemlich vergrössert.
Oberseite schwarzgrün, Unterseite braun, nach hinten in dunkelgrau übergehend.
Länge meines Exemplares 325 mm, Schwanz 53 mm. Die übrigen vier in München
(zoologische Sammlung des Staates). — Kamerun.
7. Aipysurus eydouzii Gray. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 304.)
Ein Exemplar (J'), welches mir von Herrn Schlüter in Halle ohne
Fundortsangabe zukam, zeigt folgende Charaktere: Frontale 1'/;, mal so lang als
breit. Nasale in Contact mit dem Praeoculare, Ventralen 136, die der vorderen
Körperhälfte mit starken Tuberkeln in der Mittellinie. Auch die Schuppenreihe
jederseits von den Ventralen besitzt solche, aber kleine Tuberkeln, die aber nicht
soweit nach hinten reichen als die mittleren, von denen auf der 100. Ventrale
noch einer bemerkbar ist.
Kehle dunkelbraun. Totallänge 481 mm, Schwanz 68 mm.
8. Leptognathus albifrons Sauv. (Taf. VI, Fig. 7).
Von dieser Art, welche im British Museum nur durch ein Exemplar ver-
treten ist (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 451), und zwar von Blumenau (Prov.
Sta. Catharina), Brasilien, besitze ich drei Exemplare vom selben Fundorte (Lehl
coll.) und habe noch einige weitere Exemplare gesehen, die einander alle sehr
ähnlich sind, so dass man diese Art wohl auf den ersten Blick erkennen kann.
Die Schuppenformel der in meinem Besitz befindlichen Exemplare ist folgende:
ID V.#1G8, Sc. 81.
I N3169; Se. 78.
BIT Sy E71 SER 85:
Bei dem verwandten Leptognathus variegatus dagegen V. 180—192,
E Se. 88—91.
49#
364 Franz Werner.
Das längste der drei Exemplare, welches wohl erwachsen sein dürfte, ist
720 mm lang (Schwanz 183 mm).
Die Merkmale, die Boulenger für diese Art angibt, sind nicht alle für
Leptognathus albifrons charakteristisch; so z. B. finde ich 7 Supralabialia nur
bei einem einzigen Exemplar auf einer Seite, auf der anderen dagegen 8; einmal
beiderseits 8, einmal 8—9; dabei ist im ersten Falle das 4. und 5., bezw. 3.—5.,
im zweiten beidemale das 4. und 5. und im dritten das 4. und 5., bezw. 5. und
6. Supralabiale in Berührung mit dem Auge; die vorderen Supralabialen sind
äusserst schmal, bei dem Exemplar mit sieben Supraocularen dieses siebente
enorm entwickelt und die Hälfte der Rachenspalte einnehmend. Temporalia sind
zweimal 1+2, einmal 2+2 (mit einem accessorischen dritten Temporale erste
Reihe) vorhanden; Postocularia stets zwei vorhanden, Praeoculare vor-
handen,!) trotzdem ist in einem Falle das Praefrontale mit dem Auge (unter
dem Praeoculare) beiderseits in Berührung. In zwei Fällen sind zwei, in einem
drei Paare von Sublabialen hinter dem Mentale in Berührung, Kehlschilder
(Chin-shields) drei, einmal sogar vier Paare vorhanden. Das Frontale ist
ebenso lang als breit, in zwei Fällen so lang als sein Abstand vom Rostrale, in
einem dagegen länger als sein Abstand vom Schnauzenende. Das Nasale ist nur
bei einem Exemplare beiderseits, bei zweien dagegen nur auf einer Seite voll-
ständig getheilt, das Zügelschild ebenso hoch als lang oder höher.
Die Anzahl der Ventralen und Subcaudalen ist stets geringer als bei
variegatus, wie aus vorstehender Schuppenformel ersichtlich ist; es dürfte dies
mit dem Vorhandensein eines Praeoculare, der grösseren Zahl von Kehlschilder-
paaren die sicherste Unterscheidung von Leptognathus variegatus ermöglichen.
9. Leptognathus alternans Fisch. — Fischer, Jahrb. Hambg. Wiss.
Anst., II, 1885, S. 105, Taf. 4, Fig. 8. — Blngr., Cat. Snakes, III, p. 456.
Der von oben sichtbare Theil des Rostrale !/; so lang als sein Abstand
vom Frontale, Temporalia 2+3; Supralabialia 9—10, 4.—6. das Auge berührend.
Rinnenschilder kann ich bei meinem Exemplar nur zwei Paare finden; hinter
dem zweiten beginnen die Ventralen.
Schuppenformel: V.190, A.1, Se. 103.
10. Atractaspis corpulenta Hall. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 514.)
Der von oben sichtbare Theil des Rostrale ist doppelt so lang, als sein
Abstand vom Frontale. Sutur zwischen den Internasalen sehr schmal, aber doch
länger als die der Praefrontalen.
Schuppenformel: Sq. 27, V. 186, A. 1, Se. 26.
Oberseite dunkel graugrün, Unterseite trüb dunkelgrün.
Ein grosses Exemplar (580 mm, Schwanz 58 mm).
!) Zwei kürzlich untersuchten Exemplaren fehlte es allerdings auf beiden Seiten: Supra-
labialia S—8; 3.—5., dreimal 4. und 5. das Auge berührend; Temporalia 1+2, 2+2 (letzteres
dreimal). Postocularia 2; bei einem Exemplar ein Suboculare, das 6. Supralabiale vom Auge trennend.
3 Paar Kehlschilder, 2—3 Paar Sublabialen vor ihnen in Contact; V. 168, 130, Se. 87, 87: Nasale
bei einem Exemplar ganz, beim anderen halb getheilt. (Anmerkung bei der Correetur.)
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile. 365
Erklärung der Abbildungen.
Tafel VI.
Fig. 1. Eublepharis dovii Blngr.
»„ 2. Corythophanes ceristatus Merr. d'.
„9. Coluber polylepis n. sp.
a) Kopf von oben.
b) Kopf von unten.
c) Kopf von der Seite.
»„ 4. Lachesis bicolor. Kopf von der Seite.
= 18: ; aurifer. Kopf von oben.
„ 6. Aparallactus boulengeri n. sp.
a) Kopf von der Seite.
b) Kopf von oben.
» 7. Leptognathus albifrons Sauv. Von oben.
Referate.
Hinterberger Hugo. „Röntgenogramme“* von Pflanzentheilen. Sep.-
_ Abdr. aus der „Photographischen Correspondenz*, 1896. 4 S. mit 2 Abb.
Verfasser hat gemeinschaftlich mit Dr. Alex. Zahlbruckner, Assistent
am naturhistorischen Hofmuseum in Wien, Blüthen, Knospen und Früchte auf
ihre Durchlässigkeit für Röntgenstrablen untersucht,
Es zeigte sich hierbei das Innere des Fruchtknotens mit den Scheidewänden
und anliegenden Samenknospen sehr deutlich abgebildet, doch ist der Grad der
Deutlichkeit sehr verschieden. Am besten gelingen Früchte, welche wenig saftig
sind und grosse Hohlräume besitzen; so z. B. Bohnen- und Erbsenschoten, die
Balgfrucht von Aquilegia, Johannisbrot ete. Schwer durchlässig sind sehr dicke
Knospen und fleischige Früchte (z. B. Birnen, Gurken ete.).
Dem Aufsatze sind zwei Abbildungen beigegeben, welche das Obengesagte
illustriren. Besonders hübsch ist T’hlaspi arvense und Johannisbrot. Es ist zu
hoffen, dass die Untersuchung des inneren Baues der Pflanzen auf diesem Wege,
besonders bei seltenen Herbar-Exemplaren, bald Ausbreitung finden wird.
J. Brunnthaler.
Wildeman, E. de. Flore des Algues de Belgique. Brüssel, Alfred Cas-
taigne, 1896, gr.-8°. XXXVIII+485 p.
Vorliegendes Werk enthält 1179 Species Algen, sowohl Süsswasser- als
mariner Herkunft. Dieselben vertheilen sich wie folgt:
Chlorophyceen (inel. Characeen) . . . . . .. 887,
Diatomaces HERRN a EEE,
366 Referate.
Bhaeophyesen PM sr Zw as RT Se Fre
DiSideensn ee N ne DORT
Cyanophyceen. u. 2er gap A A tt
Geographisch am reichsten an Süsswasseralgen ist die Provinz Liege, an
marinen Algen Westflandern.
Nach einer Einleitung über die geographische Verbreitung, über die Ele-
mente des Baues und Lebens der Algen, über Sammeln, Präpariren und Conser-
viren folgt eine Aufzählung der wichtigsten Werke über belgische Algen und eine
Erklärung der wichtigsten Fachausdrücke. Den übrigen Theil nimmt die specielle
Beschreibung der Algen ein. Dieselbe beginnt mit den Chlorophyceen, anfangend
mit den Characeen und endend mit den Diatomaceen, welche an die Desmidiaceen
angereiht sind.
Es folgen die Phaeophyceen, Rhodophyceen und zum Schlusse die Cyano-
phyceen. An der Spitze jeder Familie (resp. Subfamilie, Tribus) steht ein
Gattungsschlüssel.
Es ist zu bedauern, dass der Verfasser keinen Schlüssel zum Auffinden der
Familie verfertigt hat, da gerade für den Anfänger dies oft von grosser Schwierig-
keit ist.
Den Diagnosen sind die Masse in «, sowie der Fundort beigefügt.
Das Werk ist mit 109 sehr gefällig ausgeführten Abbildungen versehen.
Es wäre zu wünschen, wenn das Werk recht viele Freunde der Natur zum
Studium der Algen aneifern würde. Dem Verfasser jedoch ist Glück zu wünschen,
dass Belgien jetzt eines der wenigen Gebiete ist, welches algologisch gut er-
forscht ist. J. Brunnthaler.
Nömee Bohumil. Studie o Isopodech. Se 4 tabulkami. V£stnik k. £esk.
Spol. Näuk, Tr. mat.-pfir., v Praze, XLV (pro 1895).
Nach zweijährigen umfassenden Untersuchungen an Isopoden, die in Vej-
dovsky’s Laboratorium zu Prag ausgeführt wurden, veröffentlichte der Verfasser
den ersten Theil seiner Resultate. Die tiefgehende Abhandlung bespricht Organe
ektodermalen Ursprunges, das Hautepithel, das Nervensystem und theilweise die
Sinneswerkzeuge. Als Untersuchungsmaterial diente hauptsächlich der interessante
blinde Typhloniscus Steini,‘) aber auch andere Formen, bei denen die Verhält-
nisse ähnlich liegen; nur Asellus aquaticus wurde nicht näher berücksichtigt.
Der Text, durch sehr zahlreiche Figuren erläutert, enthält — neben bereits
Bekanntem — eine Reihe neuer, wichtiger Daten, die auch für andere Crusta-
ceengruppen gelten werden. Freilich ist zur endgiltigen und erschöpfenden Dar-
stellung histologischer Feinheiten eine ungeheuere Literaturkenntniss nöthig, die
in dem vorliegenden Theile der Publication den Verfasser noch hie und da im
Stiche lässt; es kann uns z. B. die unter Immersion gezeichnete Verbindung des
Muskels mit einer Endoskelettspange, Taf. IV, Fig. 60, nach Janet’s Noten über
Hymenopteren (in der Pariser Akademie) nicht mehr zufriedenstellen. So wird
!) Typhlonisceus Steini Schöbl = Platvarthrus Hoffmannseggiü Brandt.
Referate. 367
denn über das Empfindungssystem der Asseln noch Manches zu erforschen übrig
bleiben, obwohl zum histotechnischen Apparate des Verfassers auch das Methylen-
blau gehörte. Allerdings können wir hoffen, dass uns der zweite Theil eine aus-
reichende Deutung der Mitteldarmdrüsen bieten wird, zumal in Anlehnung an die
Befunde Ide’s.
Die Untersuchungsergebnisse selbst anlangend, so müssen wir uns auf wenige
Beispiele beschränken. Kleine Chitingruben im Integumente bilden hier blos ober-
flächliche Sculptur, während sie in neuester Zeit bei Amphipoden von Della
Valle und mir als Drüsenostien beansprucht werden. Jedes Körpersegment führt
mehrere subepitheliale Ganglienplexus, wie sie auch jedem Epimerit zukommen.
Trotz der Verkümmerung des Gesichtssinnes bei T’yphloniscus sind die Neben-
lappen seiner Lobi optiei sehr stark entwickelt. In Betreff der Ansichten über
den Augenstiel ist der Autor derselben Meinung wie Claus; das erste Segment
habe aber, wie andere Somiten, die stochastische Fähigkeit, einen gegliederten
Anhang zu entwickeln, wie dies in dem ihm bekannten Falle beim Hofer’schen
Flusskrebse geschehen ist. Dr. T. Garbowski.
Schmeil, Dr. Otto. Deutschlands freilebende Süsswasser-Copepoden.
(In drei Heften.) Bibliotheca zoologiea. Heft 11, 15 und 21.
Vor kurzer Zeit erschien das letzte Heft des Schmeil’schen Bestimmungs-
buches; der Vollständigkeit wegen mögen in die Besprechuug desselben auch die
beiden vorhergehenden Hefte mit einbezogen werden.
I. Theil: Oyelopidae. Mit S Tafeln. 4°. Cassel, Verlag von Theodor
Fischer, 1892. Preis 54 Mk.
Verfasser bringt zunächst in einer „Historischen Einleitung“ eine Zu-
sammenstellung der bisherigen Literatur und sondert die heimischen Copepoden
in die drei Gruppen der COyelopidae (mit 22, bezw. 23 Arten und 3 Varietäten),
Harpactieidae (mit der Gattung Canthocamptus in 10 Arten) und Calanidae
(mit den Gattungen Diaptomus in 8 Arten, Heterocope in 2 Arten und Bury-
temora in 3 Arten); das gibt also im Ganzen 49, bezw. 53 Arten, da während
‘ der Herausgabe des Werkes noch vier weitere Arten zur Copepodenfauna Deutsch-
lands hinzukamen. Auch sah sich der Verfasser später zu einer Namensänderung
der dritten Gruppe veranlasst. Einer kurzen Charakteristik dieser eben genannten
drei Copepodengruppen folgt sodann die Beschreibung der Familie der Cyelopidae.
Bezüglich der Nomenclatur der Hauptkörperabschnitte scheint sich Ver-
fasser an Hartog anzuschliessen, indem er wie dieser je nach dem Mangel oder
Besitz von Extremitäten einen Vorderleib (Cephalothorax) und Hinterleib (Ab-
domen) unterscheidet. Dieser Eintheilung wird der Einfachheit wegen vor der
Giesbrecht’schen der Vorzug gegeben. Als taugliches, systematisch verwerth-
bares Merkmal werden in dieser Arbeit zum ersten Male die Receptacula seminis
verwendet.
Zur Gruppirung der Cyelops-Arten — die Nothwendigkeit einer solchen
hat sich aus dem Artenreichthum der Familie ergeben — verwendet der Verfasser
die Vosseler’sche Eintheilung in zwei natürliche Gruppen nach der Bewehrung
368 Referate.
der rudimentären Füsse und nach der Art der Sinnesorgane der männlichen
Vorderantennen.
Der nun folgenden analytischen Tabelle zur Bestimmung der bis jetzt be-
kannten deutschen C'yelops-Arten schliesst sich eine ausführliche Besprechung
der einzelnen Species an mit Literaturangaben, Bemerkungen über Synonyma,
Variationen ete.
II. Theil: Harpacticidae. Mit 8 Tafeln. 4°. Stuttgart, Verlag von
Erwin Nägele, 1893. Preis 40 Mk.
In unserem Faunengebiete fand man bisher die Subfamilien Cantho-
camptinae und Longipediinae, und zwar von der ersten die Genera Cantho-
camptus (10 Arten), Nitocra (1 Art) und Ophiocamptus (1 Art). Wieder schliessen
sich, wie im ersten Hefte, in ähnlicher, übersichtlicher Weise einer Besprechung
der beiden Subfamilien analytische Tabellen an, denen die Beschreibung der ein-
zelnen Species folgt.
III. Theil: Centropagidae. Mit 12 Tafeln. 4°. Stuttgart, Verlag von
Erwin Nägele, 1896. Preis 56 Mk.
In der Einleitung bespricht der Verfasser die schon eingangs erwähnte,
durch das Erscheinen der Giesbrecht’schen Arbeiten nothwendig gewordene
Aenderung in der Classification und Nomenclatur dieser Copepoden; es wäre also
in übersichtlicher Darstellung die systematische Ordnung der freilebenden Süss-
wasser-Copepoden nach Giesbrecht die folgende:
Ordo Copepoda.
Subordo I: Gymnoplea.
Tribus Heterarthrandria.
Familie Centropagidae.
Subfamilie Temorinae (?) (Genera: Diaptomus, Heterocope,
Eurytemora).
Subordo II: Podoplea.
Tribus Ampharthrandria.
Familie Oyelopidae.
Subfamilie C’yelopinae (Genus Üyelops).
Familie Harpactieidae.
Subfamilie Canthocamptinae (Genera: Canthocamptus, Ni-
tocra, Moraria-Laophonte, Apsteinia, Wolterstorffia).
Subfamilie Longipedünae (Genus Eetinosoma).
Bei der nun folgenden Beschreibung der einzelnen Gattungen und Arten
fällt uns vorerst die äusserst peinliche Genauigkeit des Autors noch mehr als in
den beiden ersten Heften auf. Besondere Aufmerksamkeit schenkt der Verfasser
der Gliederzahl der Antennen mit ihrer zierlichen Borsten- und Aesthetasken-
Bewehrung, deren Zahlenverhältnisse er bei den einzelnen Arten in Form von
Tabellen angibt. Dabei werden die Arbeiten anderer Forscher einer scharfen
Kritik unterzogen und namentlich deren Zeichnungen auf ihre Richtigkeit hin
untersucht. Der Verfasser ist aber auch, wie man aus seinen Zeichnungen er-
Sr rewZ
N TE
mr
ee
Referate. 36 9
sehen kann, zu einer so strengen Beurtheilung voll berechtigt: die vielen Tafeln
des Werkes sind nicht nur künstlerisch vollendet ausgeführt, es ist unter Anderem
2. B. bei den Antennen und Borsten nicht nur auf eine richtige Form, sondern
sogar auf eine vollkommen naturgetreue Lagerung der einzelnen Organe und
Örgantheile, wie wir sie am lebenden Thiere beobachten können, Rücksicht
genommen.
Eine so äusserst peinliche, fast pedantische Genauigkeit könnte dem Nicht-
fachmanne vielleicht überflüssig vorkommen, hätte der Forscher nicht auch bei
diesem Studium überall wunderbare Gesetzmässigkeit gefunden. Oder dürfen wir
uns nur an gefärbte Zellen mit minutiöser Detailarbeit heranwagen ?
Trotzdem sich der Verfasser, entsprechend der gestellten Aufgabe, zumeist
nur mit der reinen Morphologie der Thiere beschäftigte, finden doch auch an
passender Stelle interessante biologische Thatsachen mehr minder eingehende
Berücksichtigung, wie z. B. das complicirte Begattungsgeschäft der Copepoden,
das Eintrocknen ihrer Eier im Schlamm, ihre Bewegungsweise im Wasser, end-
lich Nahrung, Färbung, ihr Auftreten je nach Jahreszeit und Witterung u. s. w.,
und für solche Daten wird jeder Leser gewiss sehr dankbar sein. Dabei ist die
Sprache bei Vermeidung gelehrt klingender Kunstausdrücke möglichst klar und
einfach — ein erfreulicher Gegensatz zu den Abhandlungen mancher Forscher,
die sich mit sichtlichem Vergnügen einer möglichst unverständlich-schwulstigen
Schreibweise bedienen. Als sehr praktisch muss auch der jeder Artbeschreibung
beigefügte Passus über die sichersten Erkennungsmerkmale bezeichnet werden,
dessen Inhalt dem Bestimmer mehr nützen dürfte, als lange, mühsam zusammen-
getragene Massangaben, wie sie sich in manchen anderen Werken finden.
Zum Schlusse bringt der Verfasser ein Literaturverzeichniss, das allerdings
als „erster Versuch“ recht imposant aussieht; nicht weniger als 445 Arbeiten sind
darin aufgezählt.
Ueber die Ausstattung des Werkes lässt sich nur sagen, dass es sich den
übrigen Bänden der Bibliotheca zoologiea würdig anreiht.
Möge das mit so vielem Fleisse und so grosser Ausdauer verfasste Werk
den Copepodologen neue Mitarbeiter zuführen!
Mit einem so trefflichen Bestimmungsbuche dürften wohl die allgemein
interessirenden biologisch-faunistischen Fragen doch wenigstens in absehbarer Zeit
beantwortet werden können. Ad. Steuer.
Adensamer, Dr. Th. Ueber Ascodipteron phyllorhinae (n. gen., n. sp.),
eine eigenthümliche Pupiparenform. Mit zwei Tafeln. (Sitzungsber.
der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, mathem.-naturw. Classe, Bd. CV,
Abth. I, Juni 1896.)
Verfasser entdeckte beim Bestimmen von Fledermäusen, die er aus
Holländisch-Indien mitgebracht hatte, einen kleinen, circa 5 mm langen, flaschen-
förmigen Parasiten, der in die dorsale Flughaut des Wirthes eingebohrt war
und nur mit dem hinteren, knopfartigen Theile frei hervorragte; er nannte ihn
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 50
370 Referate.
nach seiner Forın und seinem Wirthe treffend Ascodipteron phyllorhinae. Seine
Fliegennatur konnte erst an Schnitten erkannt werden.
Am Kopfe, der zugleich mit der Brust des Thieres in einem Atrium ein-
gezogen liegt, fallen zunächst die Mundtheile auf: ein Rüssel und zwei taster-
ähnliche Gebilde, denen Oesophagus und Speichelrohr folgen. Das Nervensystem
liegt im eingestülpten Vorderkörper. Vom oberen Schlundganglion gehen mehrere
Nervenpaare ab: eines bildet die Antennennerven, ein zweites dürfte als Ober-
lippennerv anzusprechen sein, in einem dritten Paare endlich vermuthet Ver-
fasser den Opticus. Am Darmtractus fallen besonders die drei Speicheldrüsen-
paare auf, während an der Grenze von End- und Mitteldarm die Malpighischen
Gefässe (wahrscheinlich vier an der Zahl) einmünden. Das schlauchförmige Herz
liegt im Abdomen dorsal vom Mitteldarm. Das Tracheensystem mündet durch
sechs am hinteren Körperrande liegende Stigmen nach aussen. Es besteht aus
zwei Paaren von Längsstämmen, einem dorsalen und ventralen, von denen das
erstere zu beiden Seiten des Herzens und das letztere rechts und links vom
Uterus nach vorne zieht.
Die Ansicht des Verfassers, dass der Parasit zu den pupiparen Dipteren
zu stellen ist, wird durch den Bau des weiblichen Geschlechtsapparates (das
einzige bisher gefundene Thier ist ein Weibchen) gestützt, welcher mit dem von
Melophagus ovinus vielfache Uebereinstimmung zeigt. Die Ovarien liegen zu
beiden Seiten des Mitteldarmes und bestehen wie bei allen Insecten aus Ei-
röhren, die hier nur in geringer Zahl (fünf) vorhanden sind und selbst wieder
nur wenige Eizellen enthalten. Jede der letzteren ist wieder von Nährzellen
umschlossen, und beide werden von Follikelzellen epithelartig umgeben. An die
Övarien schliessen sich die engen Eileiter an, die nach kurzem Verlauf zu einem
unpaaren Gang verschmolzen, ein birnförmiges Säckchen (Receptaculum seminis)
aufnehmen, in dessen Lumen der Verfasser samenähnliche Gebilde fand. Auf
den unpaaren Theil des Oviductes endlich folgt die Vagina, die, ventral vom
Enddarm gelegen, in einer Querspalte gemeinsam mit dem After nach Aussen
mündet. Der obere Theil der Scheide wird als Uterus gedeutet, während ver-
schiedene Anhangsdrüsen des Genitalapparates ein Secret zur Ernährung der
Embryonen liefern dürften. Aeussere Geschlechtsanhänge fehlen.
Im Schlussabschnitte spricht der Verfasser seine Ansicht aus über die
Einreihung des sonderbaren Thieres in das Dipterensystem; es dürfte, nach
seinem Wirthe zu schliessen, wahrscheinlich zu den Nycteribiden oder Strebliden
zu stellen sein. Eine nähere Bestimmung wird erst nach Auffindung des wohl
freilebenden Männchens möglich sein. Ad. Steuer.
Boulenger. Catalogue of the Snakes in the British Museum. London,
1892—1896.
Mit dem Erscheinen des dritten und stattlichsten Bandes des Boulenger-
schen Schlangenkataloges ist nun die im Jahre 1882 begonnene Reihe von
Batrachier- und Reptilien-Katalogen des British Museum abgeschlossen. Welche
Summe von Fleiss und Mühe dieses enorme Werk, welches jedem Herpetologen
ET
Referate. 37 1
absolut unentbehrlich ist und für jeden die sichere Grundlage für weitere
Forschungen bildet, geschaffen hat, wird wohl auch jedem Nichtfachmann, der
die neun Bände „Kataloge“ durchblättert, einleuchten; aber der jetzt voll-
endete Schlangenkatalog wird, weil er den anerkanntermassen bei weitem
schwierigsten Formenkreis der Herpetologie mit Meisterschaft behandelt, auch
bei dem Fachmanne, noch mehr als die früheren Bände, ungetheilte und rück-
haltlose Bewunderung hervorrufen. Bekanntlich sind ja die Kataloge des
British Museum keine solchen im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern auf
Grund der gewaltigsten Sammlungen der Erde von anerkannten Meistern kritisch
durchgearbeitete Beschreibungen der behandelten Formengruppen von der Classe
bis zur Art und wichtigeren Varietät, mit ausführlicher Berücksichtigung der
einschlägigen Literatur und der oft ausserordentlich umfangreichen Synonymie
bis zum Erscheinen des betreffenden Bandes und mit prachtvollen Abbildungen
neuer oder noch nicht abgebildeter Arten.
Der Katalog der Schlangen des British Museum enthält die Beschreibung
von 1639 Arten, von welchen nicht weniger als 1327 in 11.092 Exemplaren im
selben Museum vertreten sind.
Die Haupteintheilung ist auf Grund osteologischer Charaktere durch-
geführt, im Weiteren ist namentlich das Gebiss als wichtigster Eintheilungs-
grund benützt, der auch bei der Charakterisirung der Gattungen noch fast
durchgehends in erster Linie in Betracht kommt. Boulenger unterscheidet
blos neun grosse Familien: Typhlopiden, Glauconiiden, Boiden, Ilysiiden, Uro-
peltiden, Xenopeltiden, Colubriden, Amblycephaliden und Viperiden, von denen
die Boiden in die beiden Gruppen der Boinae und Pythoninae, die Viperiden in
die der Viperinae und Crotalinae zerfallen. Besonders interessant ist die Syste-
matik der grossen und wegen ihrer ausserordentlichen Gleichförmigkeit besonders
schwierigen Gruppen der Colubriden, der ein grosser Theil des ersten und dritten,
sowie der ganze zweite Band gewidmet ist. Boulenger restituirt hier die be-
kannten Gruppen der Aglyphae, Opisthoglyphae und Proteroglyphae, aber mit
einem gegen die gleichnamigen früherer Autoren oft wesentlich verschiedenen
Inhalte, und theilt jede dieser Gruppen in eine aquatische und eine terrestrische
Section ein, die sich systematisch sehr wohl auseinanderhalten lassen. So besteht
also die Gruppe der Aglyphen aus der aquatischen Gruppe der seltsamen Acro-
chordinen, die nur fünf Gattungen mit ebenso vielen Arten zählt, und den
terrestrischen eigentlichen Colubrinen, der grössten Schlangengruppe überhaupt;
als dritte Gruppe sind die eierfressenden afrikanischen Rhachiodontinen mit der
einzigen Gattung und Art Dasypeltis scabra L. aufgeführt, bei denen die
Hypapophysen der vordersten Wirbel verlängert, zahnartig und mit Email über-
zogen sind.
Die Opisthoglyphen zerfallen in die aquatische Gruppe der Homalopsinen
_ und in die terrestrische der Dipsadomorphinen, zu denen, wie aus dem Werke
ersichtlich, eine grosse Zahl früher für aglyph gehaltener Schlangen gehört;
eine opisthoglyphe Parallelgruppe zu den aglyphen Rhachiodontinen bildet die
dritte Section, die indischen Elachistodontinen mit der einzigen Gattung und
50*
372 Referate.
Art Hlachistodon westermanni Reinw., deren Hypapophysen an den vordersten
Wirbeln in gleicher Weise entwickelt sind, wie bei Dasypeltis.
Die Proteroglyphen werden von der aquatischen, bezw. fast ausschliesslich
marinen Gruppe der Hydrophiinen (Platurus, die am wenigsten differenzirte
Form mit noch drehrundem Rumpf, geht auch ans Land, und Distira semperi
lebt in einem Süsswassersee auf Luzon) und aus der terrestrischen Gruppe der
Elapinen gebildet.
Bemerkenswerth ist die von Boulenger schon früher vertretene Auf-
stellung der früher als Untergruppe der Dipsaden angesehenen Familie der
Inseeten (speeiell Schmetterlinge) fressenden Amblycephaliden (ostindisch und
südamerikanisch) als eigene Familie, ferner die Einverleibung der Gattungen
Azemiops. Causus und Atractaspis in die Familie der Viperinae, sowie die
ausserordentliche Vereinfachung der früher besonders verwickelten und ver-
wirrten Crotalinensystematik. Boulenger unterscheidet in erster Linie Formen
ohne und mit Klapper, und in jeder dieser Gruppen eine Gattung mit den
normalen grossen neun Schildern auf der Oberseite des Kopfes und eine mit
kleinen Schildehen oder Schuppen, also «a) Aneistrodon, Lachesis, b) Sistrurus,
Orotalus. Bei den Crotalinen dürften übrigens weitere Forschungen auch noch
eine Verminderung der Artenzahl ergeben!
Bei den Colubriden sind zuerst die vollkommensten und höchststehenden
Formen aufgeführt, während die degenerirten, mehr weniger wurmförmigen, oft
kleinaugigen und kurzschwänzigen Formen, welche früher zusammen die soge-
nannten Calamariiden vorstellten, am Schlusse stehen.
Was die Fauna Europas anbelangt, so ist die Viperidengruppe: Vipera ursinii,
renardi, berus, aspis, lebetina, russellüi, latastii, ammodytes ausführlich, wie es dem
in letzter Zeit für diese Formen erwachten Interesse entsprach, behandelt. Sehr er-
leichtert ist die Bestimmung der Gattungen Atractaspis und Elaps, welche früher
wegen der sehr zerstreuten Literatur zu den schwierigsten Gattungen gehörten.
Es wären noch viele interessante systematische Details aus dem umfang-
reichen Werke hervorzuheben, doch glaubt Referent mit der vorstehenden Aus-
wahl genügend das Interesse auf dasselbe gelenkt zu haben. Herrn Boulenger
ist anlässlich der Vollendung seines classischen Werkes, welches vierzehn Jahre
unermüdlicher Arbeit erforderte, wirklich zu gratuliren, und es ist nur zu be-
dauern, dass die Zoologen, welche Lehrbücher schreiben, voraussichtlich von
dem Schlangenkatalog des Verfassers wieder ebenso wenig Notiz nehmen werden,
als von seinen früheren Arbeiten und beharrlich bei den veralteten und unnatür-
lichsten Systemen bleiben, wie das auch bei den Insecten und ähnlichen weniger
modernen Thiergruppen der Fall zu sein pflegt. Dr. F. Werner.
Peracca, M. 6. Sul fatto di due distinte dentizioni nella Trligqua
scincoides White (Bolletino dei Musei di Zool. ed Anat. comp. della
R. Univ. di Torino, Nr. 217, Vol. X, 28. November 1895).
Der Verfasser theilt in einem kurzen, von einer Tafel begleiteten vor-
läufigen Bericht die merkwürdige Beobachtung mit, dass bei der grossen austra-
Referate. 373
lischen Eidechse aus der Familie der Scincoiden, Tiliqua seincoides ein wirklicher
Zahnwechsel, ähnlich demjenigen der Säugethiere, stattfindet. Die neugeborenen
Jungen besitzen sowohl im Oberkiefer als im Unterkiefer jederseits einen grossen
Zahn mit zweilappiger Krone, welcher beim lebenden Thiere allein sichtbar ist,
während die vorausgehenden und nachfolgenden im Zahnfleisch verborgen sind.
Der grosse Öberkieferzahn steht unter dem zweiten Zügelschild und ist vom
Mundwinkel an gerechnet der fünfte Zahn; der Unterkieferzahn steht in einer
Vertiealen unter dem Vorderrande des Auges, ist der zweite oder dritte von
hinten und noch grösser als der obere.
Die Zähne vor diesen grossen Zähnen sind auch im Verhältniss viel
kleiner als beim erwachsenen Thiere, aber von derselben Form; sie werden nach
vorn zu immer kleiner und es steht abwechselnd ein kleiner und ein grösserer
nebeneinander. Die hinter den grossen stehenden Zähne sind kleiner, aber in
der Form vollständig ähnlich wie beim Erwachsenen. Die Zahl der Zähne einer
Öberkieferhälfte beträgt 14, die einer Unterkieferhälfte 11—12.
Beim erwachsenen Thiere sind die seitlichen Zähne alle gross, von ziem-
lich gleicher Grösse, mit runder Krone; die hinteren drei oder vier sind
kleiner, von gleicher Form, die vordersten vier oder fünf ebenfalls kleiner, mit
stumpf-kegelförmiger Krone.
Die Zahl der Zähne beträgt bei den Erwachsenen in einer Öberkiefer-
hälfte 17—18, in einer Unterkieferhälfte 17.
Verfasser beobachtete nun, dass die grossen Zähne sich bei den Jungen
mindestens vier Monate unverändert erhielten, und dass sie, wenn ausgebrochen,
sieh in gleicher Form wie die früheren ersetzten; dagegen treten sie später
weniger vor, da die vorhergehenden Zähne durch grössere, untereinander gleich
grosse Zähne ersetzt worden zu sein scheinen.
Als einigermassen ähnlichen Vorgang fasst Verfasser den Zahnwechsel von
Halteria und Uromastix hardwickii auf, den Günther beschrieben hat; bei
ersterer werden zwei kleine Oberkieferschneidezähne, welche jederseits beim Jungen
vorhanden sind, durch einen grossen, breiten und von vorn nach hinten abge-
platteten Zahn ersetzt, während bei Uromastix hardwickii die vier Zwischen-
kieferzähne und die vordersten Ober- und Unterkieferzähne der Jungen zu Grunde
gehen, so dass das erwachsene Thier mit dem schneidend gewordenen Alveolar-
rand beisst.
Verfasser erwähnt noch, dass ein ähnliches Gebiss, wie das der jungen Tiliqgua
bei Hemisphaeriodon gerrardi zeitlebens vorkommt, nur dass die grossen Zähne
langgestreckt und mit abgerundeter Krone versehen sind. Dr. F. Werner.
Werner, Dr. Franz. Ueber die Schuppenbekleidung des regenerirten
Schwanzes bei Eidechsen. Mit zwei Tafeln. (Aus den Sitzungsberichten
der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, mathem.-naturw. Classe, Bd. CV,
Abth. I, Februar 1896.)
In einem kurzen historischen Rückblicke bezeichnet der Verfasser den be-
kannten Reptiliologen Boulenger als den Ersten, der auf die Bedeutung der
374 Referate.
veränderten Beschuppung bei regenerirten Schwänzen hingewiesen hat. Boulenger
untersuchte den in die Familie der Tejiden gehörigen G@ymnophthalmus quadri-
lineatus und eine recente Ophisaurus-Art (O. gracilis) und fand an den regene-
rirten Schwänzen derselben eine Schuppenbekleidung, die von jener des primären
Schwanzes auffallend verschieden ist. Diese Beschuppung des regenerirten Schwanzes
stimmte nun in beiden Fällen mit der normalen und ursprünglichen, in den
entsprechenden Familien vorkommenden Schwanzbeschuppung überein, und Bou-
lenger erklärte dieses auffallende Verhalten als Atavismus.
Der Verfasser hat sich nun an der Hand seines reichen Materiales ein-
gehend mit dieser Frage beschäftigt, und seine Abhandlung ist als eine Bestäti-
gung und Vervollständigung der Boulenger’schen Entdeckung anzusehen.
Die Reproductionsfähigkeit des Schwanzes ist nicht allen Reptilien eigen,
und fehlt den Krokodilen, Chamaeleonten, Cheloniern und Ophidiern, ja selbst
bei Urodelen gibt es Gruppen, bei denen eine Neubildung nicht vorkommt, so bei
Triton marmoratus, Proteus angwineus und Siren lacertina. Die gleiche Eigen-
schaft mit diesen Thieren theilen unter den Eidechsen die Varaniden, Heloderma-
tiden und Amphisbaenen, und Verfasser sucht dieses Verhalten mit der besonderen
Differenzirung des Schwanzes dieser Echsen in Einklang zu bringen (als Waffe,
Greiforgan, oder Fehlen praeformirter Bruchstellen der Schwanzwirbel [nach
Hyrtl bei Amphisbaena)).
Von.den eben genannten Ausnahmen abgesehen, gibt es unter den Eidechsen
zunächst solche Formen mit Regenerationsvermögen des Schwanzes, in denen die
Beschuppung des regenerirten Schwanzes der des primären vollkommen gleicht;
hieher gehören zunächst die Lacertiden, ferner die ihnen nahestehenden Gerrho-
sauriden und Tejiden, wahrscheinlich auch die Zonuriden, ferner die Uroplatiden
und Anielliden. Besonders auffallend ist die Regenerationskraft bei Sphenodon
(Hatteria) punctatus, indem bei diesem Thiere der Schwanz mit allen seinen
grossen Tuberkelschuppen regenerirt wird.
Bei den übrigen Familien ist der neugebildete Schwanz in seiner Be-
schuppung vom ursprünglichen verschieden, und zwar fand Verfasser, dass die
älteren, primitiveren Formen den Schwanz mit unveränderter Schuppenbekleidung
neubilden, während die höher differenzirten, phylogenetisch jüngeren Formen eine
veränderte Schuppenbekleidung zeigen. Verfasser geht nun zur Betrachtung der
einzelnen Eidechsenfamilien über und erörtert zunächst bei den Geckoniden in
ausführlicher Weise das eingangs erwähnte Boulenger’sche Gesetz. In gleicher
Weise werden die Eublephariden, Pygopodiden, Agaıniden, Iguaniden, Anguiden,
Tejiden und Scincoiden abgehandelt und bei einigen dieser Gruppen interessante
systematische Fragen besprochen.
Im letzten Abschnitte werden die Resultate kurz in folgenden sieben
Punkten zusammengefasst:
1. Die Schuppen des regenerirten Schwanzes derjenigen Saurier, welche
denselben mit veränderter Beschuppung regeneriren, sind stets so beschaffen,
wie am primären Schwanze bei den ursprünglicheren, phylogenetisch ältesten
Formen der betreffenden Familien; daher werden alle neu erworbenen, eine
Referate. 375
weitergehende Differenzirung gegenüber den ursprünglicheren Formen bekunden-
den Bildungen, wie Tuberkelschuppen, Kämme, Dornen und Schuppenkiele, nicht
reprodueirt.
2. Bei der Regenerative des Schwanzes aller denselben mit veränderter
Schuppenform neubildender Saurier geht die etwa vorhandene äussere Segmen-
tirung der Beschuppung, sowie die Entwicklung praeformirter Bruchstellen der
Haut zugleich mit der Differenzirung einer Wirbelsäule verloren.
3. In denjenigen Fällen, in denen die Beschuppung des primären Schwanz-
endes eine von der des übrigen Schwanzes abweichende ist, stimmt der secundäre
Schwanz mit dem normalen Schwanzende überein, welches sich somit in dieser
Hinsicht als in einem ursprünglichen Zustande befindlich erweist.
4. Differenzirungen des Schuppenkleides, welche am regenerirten Schwanze
der Eidechsen fehlen, wie Tuberkelschuppen, Schuppenkiele u. dgl., sind auch
bei Embryonen derselben Arten bis zu einem gewissen Alter nicht nachweisbar.
5. Die Regeneration des Schwanzes fällt meist aus oder ist wenigstens
beschränkt, wenn derselbe eine specielle Differenzirung als Waffe oder Greiforgan
erfahren hat.
6. Bei zweimaliger Regeneration stimmt der tertiäre Schwanz mit dem
seeundären vollständig in der Beschuppung überein.
7. Innerhalb derselben Familie stimmen die regenerirten Schwänze aller
Formen in der Regel mit einander bezüglich der Beschuppung überein.
Ad. Steuer.
Krasser F. Beiträge zur Kenntniss der fossilen Kreideflora von
Kunstadt in Mähren (Mittheilungen des paläontologischen Institutes der
Universität Wien, Band X, Heft III). Wien und Leipzig (Braumüller), 1896.
Mit sieben Tafeln.
Ueber die vom Verfasser selbst bei Kunstadt in Mähren aufgefundenen
pflanzenführenden Mergel war bisher nur in einer kleinen Publication!) berichtet
worden, in welcher auf eine später zu publicirende grössere Arbeit hingewiesen
wird. Diese letztere liegt nunmehr vor. -
Es sei gleich bemerkt, dass Verfasser auf dem aufgeklärten Standpunkt
der modernen Paläophytologie steht, welche nicht darin ihre Aufgabe sieht,
möglichst viele Reste zu beschreiben (mag auch deren Deutung höchst unsicher
sein), sondern welche auf dem Wege genauer und sorgfältiger Vergleichung mit
recenten Formen dasjenige festzustellen sucht, was hinreichend begründet werden
kann. Dieser Standpunkt, welchen Verfasser auch schon in seinen früheren Publi-
eationen?) betont hat, tritt besonders deutlich bei Behandlung der Gattung Pla-
u
tanus hervor, zu welcher Verfasser alle sogenannten Credneria-Arten rechnet.
Eine Reihe neuer Blattformen wird unter den Namen Platanus Velenovskyana
(= Credneria rhomboidea Velen. non Lesqu.), P. Pseudo-Guillelmae, P. moravica,
1) Siehe diese „Verhandlungen“, 1889, Sitzungsber., S. 51—34.
2) Siehe u. a. diese „Verhandlungen“, 1889, Sitzungsber., S. 6—10.
376 Referate.
P. cuneiformis, P. acute-triloba, P. betulaefolia, P. irregularis und P. araliae-
formis beschrieben. Darüber, dass diese auf Grund einzelner Blattabdrücke auf-
gestellten „Arten“ wahrscheinlich nicht ebenso vielen Arten im Sinne der syste-
matischen Botanik entsprechen, ist sich der Verfasser vollständig klar. Mit Recht
betont er, dass die Beschreibung der vorgefundenen Blattformen und deren Be-
nennung vorläufig unerlässlich ist, um über die phylogenetischen Verhältnisse
der Gattung ins Klare zu kommen.
Ausser den erwähnten Platanen werden neu beschrieben: Matonia Wiesneri,
Typhaeloipum eretaceum, Myrica indigena, Celtidophyllum praeaustrale.
Am Schlusse bespricht Verfasser die Flora der Wernsdorfer Schichten und
jene der jüngeren Kreide von Moletein und stellt so das bisher über die
mährische Kreideflora Bekannte übersichtlich zusammen.
Auf den mit grosser Sorgfalt ausgeführten Tafeln sind neben den er-
wähnten Platanen u. a. Abdrücke und Details von folgenden Arten abgebildet:
Matonia Wiesneri Krasser, Aralia deeurrens Velen., Eucalyptus Geinitzü Heer,
Typhaeloipum cretaceum Krasser, Eucalyptus angusta Velen., Dryandra eretacea
Velen., Widdringtonia Reichii (Ettingsh.) Velen., Jeanpaulia carinata Velen.,
Myrica indigena Krasser, Majanthemophyllum eretaceum Heer, Dipteridophyllum
eretaceum (Velen.), Sequoja fastigiata Heer, Sapindus apiculatus Velen., Celtido-
phyllum eretaceum Krasser, Onychiopsis elongata (Geyler) Yokoyama, Matonia
pectinata Br.
Die vorliegende Arbeit nimmt in der die Flora der Kreidezeit betreffenden
Literatur einen hervorragenden Platz ein und bietet ein nachahmungswürdiges
Beispiel gründlicher Untersuchung und streng wissenschaftlicher Behandlung
einschlägiger Fragen. Fritsch.
rhandl. der k.k.zool.bot.Ges Taf.Vl. F.Werner:
h B and XLW. 189, 6. 3 Reptilien Centrolamerikars ,
a
>
DISS
utor del. Lifh_Anst.v.Th.Bamwarfh Wien.
Il. Bericht der Section für Botanik.
Versammlung am 13. October 1896.
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. @. Beck v. Mannagetta.
Nach Begrüssung der Versammlung fordert der Vorsitzende die
Mitglieder auf, durch zahlreichen Besuch einerseits und durch eigene,
thätige Mitwirkung an Vorträgen und Demonstrationen andererseits
den angestrebten Zweck der Section nach Kräften fördern zu helfen.
Es wird ferner mitgetheilt, dass die Geschäftsordnung der Section
für Botanik vom Ausschusse bereits genehmigt worden ist und Sonder-
abdrücke jedes Sectionsberichtes, numerirt und fortlaufend paginirt,
an die Mitglieder der Seetion für Botanik zur Vertheilung gelangen
werden. Die Vorlage und Besprechung der neuen Literatur soll von
nun ab im Anschlusse an die jeweilige Versammlung der Section
stattfinden, und zwar erscheint es am vortheilhaftesten, wenn jene
Herren, welche sich für ein specielles @ebiet der Botanik interessiren,
die wichtigere einschlägige Literatur selbst referiren würden.
Sodann folgen die einzelnen Vorträge und Demonstrationen.
Zunächst macht Herr L. Keller die nachstehenden Mit-
theilungen:
Dianthus Fritschii L. Keller nov. hybr.
(D. speciosus Rehb. X D. barbatus L.)
Gelegentlich meines Aufenthaltes im Kronlande Salzburg fand ich am
18. Juli d. J. am Burgstall bei Mauterndorf (1122 m Seehöhe) einen Bastart
zwischen D. speciosus Rehb. und D. barbatus T..
2.B. Ges. Bd. XLVI. 51
378 Versammlung der Section für Botanik am 13. October 1896.
Ersterer der beiden Stammeltern kommt um Mauterndorf sehr häufig in
Gesellschaft von D. Carthusianorum vor und steigt bis zu einer Höhe von
2100 m. D. barbatus hingegen wird im Orte Mauterndorf in Gärten eultivirt.
Die Hauptmerkmale dieses Bastartes sind: grundständige Blattrosetten,
vollkommen aufrechter Stengel, starke Knoten der Stengelglieder, Blätter die
Mitte zwischen denen des D. barbatus und D. speciosus haltend, nicht ästiger
Stengel und weniger zahlreiche, lebhafter gefärbte Blüthen, deren Platte nur bis
ein Drittel gespalten und mit linearen Zipfeln versehen ist.
Die ihnen zunächst stehenden Bastarte sind: D. Leitgebü Reichardt, !)
D. Wolfii Vett.?) und D. Courtoisii Rchb.,?) bei welch letzterem die Bastart-
natur vom Autor selbst noch nicht festgestellt erscheint. Die beiden ersteren
erscheinen als Bastarte von D. barbatus und D. superbus, von welchen sich
D. Fritschii hauptsächlich durch die dem D. speciosus zukommenden Merkmale
unterscheidet.
Ich erlaube mir, diesen Bastart zu Ehren des um die Erforschung der Flora
Salzburgs sehr verdienten Herrn Prof. Dr. C. Fritsch Dianthus Fritschü*) m,
zu benennen.
Neuer Standort für Nieder-Oesterreich:
Phelipaea caesia Rehb. = Orobanche caesia Rchb. 3. O. peisonis G. Beck.
Auf Artemisia pontica.
Am Eichkogel bei Mödling (VI. 1896).
Dieser Standort ist von allen bis jetzt bekannten der westlichste.
Neu für Salzburg gefunden:
Rhinanthus stenophyllus Schur = Alectorolophus stenophyllus Sterneck,
Mauterndorf (VIII. 1396).
Sempervivum fimbriatum?) Lehm., Schnittsp. Diese an Kalkfelsen bei
Mauterndorf vorkommende Pflanze wurde nur an einer einzigen Stelle in geringer
Anzahl gefunden (VIII. 1896).
Cirsium oleraceum X palustre X heterophyllum wurde an der Strasse von
Mauterndorf nach Neuses in einem Exemplare gefunden (VIII. 1896).
Hieracium basifurcum N. P. (H. fwreatum X Pilosella) wurde in zwei
Formen aufgefunden; die eine, dem H. Pilosella näher stehende Form in einem
Exemplar am Burgstall bei Mauterndorf, die andere (häufig) nächst der David-
alpe bei Tweng (IX. 1896).
Neu für den Lungau:
Nigritella suaveolens Koch. Ein Exemplar, am Moserkopf bei Mauterndorf :
(VII. 1896).
1) Verhandl. der k. k. z00l.-botan. Gesellsch. in Wien, 1873, Bd. XXIII, S. 562.
2) Bulletin des Travaux de la Societe Murithienne du Valais (Neuchätel, 1883), Fasc. XI,
p. 32 und 33.
») H.G.L.Reichenbach, Deutschlands Flora, Leipzig, 1842—1843, S.131, Taf. 255, Fig. 5025.
%) Die ausführliche Beschreibung von D. Fritschii m. siehe in Nr. 11 der Oesterr. botan.
Zeitschr., 1896.
5) Siehe „Flora“, Regensburg, 1855, Jahrg. XIIT, Pd. T.
Versammlung der Seetion für Botanik am 13. October 1896. 379
Diese in Salzburg seltene Pflanze weist ausser dem oben erwähnten neuen
Standort nur noch den Untersberg (Berchtesgadener Hochthron) und den Gaisstein
(angeblich) als Standorte auf.!)
Schliesslich wurde der Bastart von Hieracium Pilosella X aurantiaceum
(H. stoloniflorum W.K. = H. fulgidum Rehb.)?) demonstrirt.
Noch sei des auf dem Schlossberge von Moosham (bei Mauterndorf) in
zahlreichen Exemplaren unter den Stammeltern vorkommenden Verbascum super-
nigrum X Lychnitis Erwähnung gethan.
Hierauf bespricht und demonstrirt Herr Prof. Dr. C. Fritsch
einen von ©. Mulley auf dem Adelsberger Schlossberge gesam-
melten Rhammnus, welcher höchst wahrscheinlich ein Bastart
zwischen Rhamnus Carniolica Kern.?) und Rhammnus pumila L. ist
und mit diesen beiden Arten zusammen vorkommt. Die Blätter sind
grösser und namentlich länger als bei Rh. pumila, und haben beider-
seits $—15 Secundärnerven. Die Behaarung ist schwächer als bei
Rh. pumila, stärker als bei Rh. Carniolica. Die Blüthen sind denen
von Kh. pumila ähnlich; die Petalen der weiblichen Blüthen ent-
sprechen aber denen von Rh. Carmiolica. Der Vortragende schlägt
für diese Pflanze den Namen Rhamnus Mulleyana vor.
Herr Dr. A. Zahlhruckner zeigt sodann mehrere gärtnerisch
interessante Pflanzen vor, und zwar den Blüthenstand einer Monstera
deliciosa, ferner Blüthen von Dahlia viridiflora hort., einen künst-
lich gezüchteten Catasetum-Bastart und Colchicum Kochii und ©.
Parkinsonii der Gärtner.
Ferner zeigt Herr J. Brunnthaler eine eigenthümliche
Wuchsform von ‚Polyporus squamosus vor. (Text und Abbildung
siehe S. 435.) _
Herr J. Hungerbyehler demonstrirt reiches lebendes Mate-
rial von Volvox globator aus Kagran, woselbst es vom Vortragenden in
kleinen Tümpeln bei der Tribüne des Regatta-Clubs gefunden wurde.
!) Sauter, Dr. A., Flora von Salzburg, 1879, 2. Aufl., S. 30.
2)H.G.L. Reichenbach, 1. c., Bd. 19 (1860), S. 67, Taf. 113, Fig. 1; Taf. 129, Fig. 1.
®) Die Frage, ob Rhamnus Carniolica Kern. von Rhamnus fallax Boiss. verschieden ist oder
nicht, bleibe hier unerörtert. Vergl. darüber Beek, Flora von Südbosnien, III, S. 88, VII, S. 196;
Murbeck, Beiträge zur Flora von Südbosnien, S. 149.
DE
380 Versammlung der Section für Botanik am 13. October 1896:
Zum Schlusse demonstrirte sodann der Vorsitzende Herr Prof.
Dr. G. v. Beek:
Einige für die Flora von Niederösterreich neue und
seltenere Pflanzen.
a) Vom Wiener Schneeberge:
Primula Clusiana X minima in den beiden Formen P. Portenschlagiüi
(G. Beck (P. intermedia Port., non Sims.) und P. Wettsteinii Wiem. vom Kloster-
wappen;
Aria nivea X chamaemespilus in der Form A. ambigua Decaisne aus der
Bocksgrube;
Ranuneulus montanus Willd. 8. carinthiacus Hoppe, weleher in Alpen-
triften des Waxriegels sehr häufig ist;
(Grenista pilosa L. aus einer Höhe von 1960 m am Alpengipfel, sowie
Alsine Cherleri Fenzl var. corollata Car. et Saint-Lager, Etudes des
fleures, p. 119; Rouy et Foucaud, Flore de France, III, p. 265. Die Blumenblätter
dieser am Alpengipfel bei 1950 m in mehreren Rasen beobachteten Form waren
länglich-lineal, bleich gelblichgrün und zart. Diese Form wurde bisher in
Niederösterreich noch nicht beobachtet, wohl aber die Form mit fünf kurzen
pfriemlichen grünen Petalen, die Rouy und Foucaud, ]. e., als viridis bezeichnen.
b) Aus den ihm von Herrn Ingenieur Carl Heinrich zur Bestimmung
übergebenen Pflanzen:
Gypsophila elegans M. B. Eine aus dem Caucasus stammende, einjährige
Wanderpflanze, welche auf einer Wiese nächst dem Friedhofe von Moosbrunn im
Juni 1895 mit
Silene pendula L. gesammelt wurde.
Linum grandiflorum Dsf. aus Algier, spontan in Döbling, Juli 1895.
c) Aus dem durch Schenkung in den Besitz des k. k. naturhistorischen
Hofmuseums übergegangenen Herbare des verstorbenen k. k. Ober-Posteontrollors
R. Reber.
Bunias orientalis L. Bei einem Durchlasse der Nordbahn in der Brigittenau,
Juni 1885.
Artemisia annua L. Auf einem wüsten Platze in der Brigittenau,
September 1887.
Beide neu für Niederösterreich.
Epilobium angustifolium L. f. parviflora Hausskn., Mon. Epil., S. 38, mit
äusserst kleinen, kaum 5 mm langen linealen Blumenblättern. Im Kalkgraben
bei Baden, Juli 1883.
Asplenium viride Huds. Im Mardergraben bei Baden.
Iris graminea T.. florifera! in Holzschlägen des Badener Lindkogls, Juni 1883.
Elodea canadensis Mx. In Lachen und Seitenarmen der Donau bei
Aspern, 1888.
Versammlung der Section für Botanik am 13. October 1896. 381
Rumex maritimus L. In einem Steinbruche bei Sieveriug, Juni 1889.
Gypsophila perfoliata L. var. angustifolia Fzl. Auf dem Calvarienberge
von Baden, September 1884.
Papaver argemone L. Um Baden, am Wege zum Jägerhause, bei Rauheneck,
Juni, Juli 1882.
Iberis pinnata L. An Ackerrändern und unter Getreide zwischen Baden
und Soos, Mai 1884.
Malcolmia africana A. Br. Auf Dämmen in der Brigittenau, Juni 1890.
Myagrum perfoliatum L. An Dämmen in der Brigittenau im Sommer
1889 massenhaft; auf einer Wiese zwischen der Nussdorfer- und Währinger-Linie.
Scandıx pecten Veneris L. Baden, im Flussbette der Schwechat unter-
halb der Weilburg, August 1884. z
Evonymus latifolius L. Im Mardergraben bei Baden, Juni 1889.
Vicia pannonica Scop. Am Fusse des Salmannsdorfer Steinbruches bei
Sievering, Sommer 1881.
Cuscuta lupuliformis Krok. In der sumpfigen Niederung zwischen Laxen-
burg und Münchendorf, Juni 1890.
Orobanche major L. Bei Traiskirchen, Juli 1891.
Orobanche purpurea Jacq. In einem mächtigen, 82 cm hohen Exemplare,
das eine Aehre von 40 cm Länge trug, im Kalkgraben bei Baden, Juli 1890.
Aster bellidiflorus W. var. Am Neustädtercanale bei Baden, September 1883.
Centaurea solstitiahs L. Baden, bei dem Friedhofe in Dörfl, nächst dem
Aquäduct, August 1883.
Centaurea vochinensis Bernh. Bei Schottwien, August 1890.
Ferner demonstrirte Prof. v. Beck:
Saxifraga Burseriana L. Von der Thurmmauer des Göllers bei St. Aegyd,
wo die Pflanze zuerst von Obrist, im Mai 1895 aber in herrlichen Exemplaren
von J. Baumgartner herabgebracht wurde, sowie jene
Poa, welche an sonnigen Abhängen um die Kirche von Statzendorf bei
St. Pölten, 280 m über dem Meere, wächst. Sie ist jedenfalls identisch mit der
von J. Kerner in den Nachträgen zur Flora von Niederösterreich (1866), 8. 7,
daselbst angegebenen Poa caesia Sm., nachdem nach J. Baumgartner, welcher
in liebenswürdigster Weise reiches Material von dieser Pflanze dem Vortragenden
überliess, an dem leicht abzusuchenden Standorte ausser Poa bulbosa L. und der
vorgelegten Art keine andere Poa-Art vorkommt. Diese ist nun als eine etwas
starrere, fast borstlich blätterige Poa angustifolia L. zu deuten. Der Boden ist
namentlich nächst der die Kirche umgebenden Friedhofmauer, wo er stark mit
abgefallenem Kalkmörtel durchsetzt ist, sehr hart und trocken, wodurch die Pflanzen
starrer werden und die Ausläufer sich verkürzen. Da die Pflanzen allerdings nicht
leicht mit unversehrten Wurzeln aus diesem Boden herauszubringen sind, mögen
unvollkommen gesammelte Pflanzen wohl den offenbar vorliegenden Irrthum
J. Kerner’s veranlasst haben. Poa caesia Sm. wäre demnach aus der Flora von
Niederösterreich zu streichen.
382 Constituirende Versammlungen,
Gonstituirende Versammlung der Section für Zoologie
am 23. October 1896.
In derselben wurden zu Functionären gewählt:
Herr Prof. Dr. ©. Grobben zum Obmann,
Herr Dr. Th. Pintner zum Obmann-Stellvertreter,
Herr Dr. Th. Adensamer zum Sehriftführer.
Gonstituirende Versammlung der Section für Goleopterologie
am 29. October 1896.
Die Wahl der Functionäre ergab folgendes Resultat:
Herr Hofrath Jos. Birnbacher, Obmann.
Herr Custos L. Ganglbauer, Obmann-Stellvertreter.
Herr Dr. Fr. Spaeth, Schriftführer.
Gonstituirende Versammlung der Section für
am 30. October 1896.
Kryptogamenkunde
In dieser Versammlung meldeten folgende Mitglieder der Gesell-
schaft ihren Beitritt zur Section für Kryptogamenkunde an:
P. T. Herr Baumgartner, J. | P.:T. Herr
Beck GV: ER
nl nam Beunnthaler; J; Be
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Bere Linsbauer, L. Er RE
” | ’
Herr Dr. A. Zahlbrucekner eröffnete
einer Ansprache, in welcher er die Ziele der
Lippert, Chr.
Lütkemüller, J.
Mayerhofer, C.
Müller, H. M.
Östermeyer, F.
Pfeiffer, F. v.
Raimann, R.
Steiner, J.
Zahlbruckner A.
Zukal, H.
die Versammlung mit
Section darlegte.
Zunächst wurde der Entwurf einer Geschäftsordnung für die
Section verlesen und nach Vornahme einiger Aenderungen einstimmig
angenommen; dieselbe wird der nächsten Aussehusssitzung der Ge-
sellschaft zur Genehmigung unterbreitet.
Aue EZ m ad u 2 4 D# U U Zu ui
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Constitnirende Versammlung der Section für Kryptogamenkunde. — Ausschuss-Sitzung. 383
Bei der hierauf vorgenommenen Wahl der Funetionäre der
Section wurden per acclamationem gewählt:
Herr Dr. A. Zahlbruckner zum Obmann,
Herr Dr. J. Lütkemüller zum Obmann-Stellvertreter,
Herr J. Brunnthaler zum Sehriftführer.
Nachdem Herr Dr. A. Zahlbruckner erklärt hatte, dass Herr
Prof. Dr. @. v. Beck, als Leiter der botanischen Abtheilung des
k. k. naturhistorischen Hofmuseums, die Räume derselben für die
Versammlungen der Section freundlichst zur Verfügung gestellt hat,
wurde beschlossen, das Anerbieten mit Dank zu acceptiren, und der
letzte Freitag eines jeden Monats als derzeitiger Versammlungstag
bestimmt.
Bericht über die Ausschuss-Sitzung
am 6. November 1896.
Es wurden folgende Beschlüsse gefasst:
1. Zu Beginn des Jahres 1897 soll ein neues, genaues Mitglieder-
verzeichniss mit Adressen und Angabe der Seetionen, welchen die
einzelnen Mitglieder angehören, gedruckt werden.
2. Es wird ein neues Verzeichniss der zoologischen Lehrmittel
zum Gebrauche für Mittel- und Normalschulen gedruckt.
3. Für die Demonstrationen bei Vereins-Versammlungen wird
ein neues Mikroskop gekauft.
4. Die Constituirung der Sectionen für Zoologie, Coleopterologie
und Kryptogamenkunde wird genehmigt.
5. Als neue Mitglieder wurden aufgenommen:
plän’ Hars Als Mitglied bezeichnet durch die
P. T. Herren
Bruce, Dr. S. N., London, W., 43, Kensington-
Gardens . . Dureh den Ausschuss.
Pfoser, Gottfried, Pröfesior nei E Srhotton:
gymnasium in Wien . . . A. Handlirsch, Dr. F. Krasser.
Trexler v. Lindenau, Th,, Offieial den ki k.
Reichs-Üentraleassa, In: IX.. Fluchtg. 6 ©. Bohatsch, Dr. H. Rebel.
Wostry Josef, Beamter im k. k. Finanz-Mini-
sterium, Wien, XVIII., Sternwartestr. 18 . A. Handlirsch, @. Humnler,
384 G. v. Pernhoffer.
Geschenke für Schulen.
P. T. Herr Grobben, Prof. Dr. C.: Diverse zoologische ÖObjeote, Zitter-
rochen, Aesculapnattern, Blindschleichen.
» » Lach, Alois: 11 Ameisenlöwenpuppen.
Metzger, Anton: 50 Schmetterlinge.
Müllner, Mich. Ferd.: 50 Gallen.
Verzeichniss der in der Umgebung von Seckau in
Ober-Steiermark wachsenden Phanerogamen und
(refässkryptogamen,
einschliesslich der wichtigeren eultivirten Arten.
Von
Dr. &. v. Pernhoffer
in Wien.
(Eingelaufen am 30. September 1896.)
Den von mir, behufs Sammlung von Beiträgen für die vom botanischen
Museum der Wiener Universität herausgegebene Flora exsiccata Austro-Hungarica
in den Jahren 1882—1894 zur Sommerszeit vorübergehend in Seckau genommenen
Aufenthalt benützte ich auch zur Erforschung der gesammten dortigen Phanero-
gamen- und Gefässkryptogamen-Flora. Die gewonnenen Resultate, beziehungs-
weise das gesammelte Materiale wurden noch ergänzt durch Einsichtnahme in
das von einigen der Herren Stiftsgeistlichen daselbst vor Kurzem angelegte
Localberbar und insbesonders durch zahlreiche Beiträge, welche ich in neuester
Zeit von einem Oblaten am dortigen Klostergymnasium erhielt.
Die Lage u. s. w. von Seckau (842 m; mittlere Jahrestemperatur + 6° C.),
am Fusse der gleichnamigen und hier mit dem 2398 m hohen Zinken eulmi-
nirenden Alpen, dem Endgliede der sogenannten niederen oder steierischen
Tauern, im Allgemeinen als bekannt voraussetzend,!) habe ich nur Einiges über
die Begrenzung des durchforschten Gebietes zu erwähnen. Dasselbe erstreckt
sich in westlicher Richtung von dem Stifte Seckau bis zu dem, am Fusse der
obersten, in das breite Thalbeeken des vereinigten Ingering- und Gaalerbaches
steil abdachenden Thalterrasse verlaufenden und am Beginne des sogenannten
Hammergrabens in die Ingering mündenden Gradenbache.
(regen Osten reicht es zwischen dem an seinem westlichen Ende beginnenden
und gewöhnlich seiner ganzen Länge nach als Calvarienberg bezeichneten Höhen-
!) Siehe auch des Verfassers Floristische Notizen aus Seekau in Oesterr. botan. Zeitschr.,
Bd. XLIII, S. 253, 286 f. (1893).
Verzeichniss der um Seckan wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 385
rücken (1050—1190 m) und dem gegenüber liegenden Alpenzuge (2398—1861 m)
bis zu einer, über das weithin sichtbare Dürnbergergut, den sogenannten Schinder-
wald, die Strasse nach Knittelfeld und den Schachenhügel gezogenen, das Thal
etwas schief durchquerenden Linie.
Auf diesen nur wenig über 4 Am langen und ca. 2—3 km breiten Thal-
abschnitt, in welchem die Generalstabskarte als extreme Höhencöten die Zahlen
710 m, bezw. 955 m verzeichnet, und die denselben einrahmenden Gebirgs- und
Alpenkämme beziehen sich alle ohne näherer Bezeichnung angeführten Stand-
ortsangaben.
Ungefähr mit der obigen, willkürlich gezogenen Scheidelinie beginnt die
Thalflora mehr und mehr einen subalpinen Charakter anzunehmen, welcher auf
dem sodann folgenden, bis 955 m ansteigenden eigentlichen Seckauerboden durch
das häufige Vorkommen von Arabis Halleri L., Campanula barbata L.. Gentiana
excisa Pr., Homogyne alpina Cass., Lilium bulbiferum L., Phyteuma betonicae-
folium Vill., Thalietrum aquilegifolium L., Thlaspi alpestre L., denen sich noch
viele andere, minder häufige oder nur zerstreute Subalpina anschliessen, in
augenfälligster Weise ausgesprochen erscheint. In diesem Bereiche fehlen denn
auch viele im nahen, die Gewässer des Seckauerthales aufnehmenden Murthale
gemeine Arten theils gänzlich, wie z. B. Barbarea vulgaris R. Br., Scabiosa
ochroleuca L., Senecio jacobaea L., Rubus caesius L., oder gehören mindestens,
wie: Betonica officinalis L., Erigeron canadense L., Eupatorium cannabinum L.,
Geranium pratense L., Lappa, Lonicera xylosteum L., Melilotus offieinalis Desr.,
Sisymbrium Sophia L., Thlaspi arvense L. u. a. m., zu den Seltenheiten. Die
vielen Subalpinen, sowie die durch eine Anzahl kleiner Teiche und ausgedehnte
sumpfige oder selbst moorige Wiesen und ähnliche Waldplätze hervorgerufene
eigenthümliche Flora gewähren dem Botaniker schon in der Thalregion eine
reichliche und lohnende Ausbeute; noch mehr gilt dies von den Alpenhöhen,
die nebst einigen durch ihre geringe Verbreitung in den Alpen ausgezeichneten
Arten, als: Anthemis carpatica W.K., Gentiana frigida Hänke, Primula villosa
Jaeq., auch noch manche andere seltene Pflanzen, als: Allosurus erispus Bernh.,
Lloydia serotina Sal., Pedicularis Oederi Vahl., Primula glutinosa Wulf., Ranun-
eulus glacialis L. u. s. w., beherbergen.
Aus dem nur einigemale besuchten, nur durch den Calvarienberg von
Seekau geschiedenen, von der Ingering durchflossenen Hammergraben, dessen
floristischer Charakter von jenem Seckaus einigermassen abweicht, habe ich hier
nur jene Arten aufgenommen, welche möglicherweise auch in dem untersten
Theile des Seckauerthales bei genauerer Durchforschung aufgefunden werden
dürften. Endlich habe ich zusatzweise auch einige im Ingeringgraben und nächst
dem gleichnamigen See aufgefundene, um Seckau nicht beobachtete Arten an-
geführt.
In der systematischen Anordnung bin ich durchwegs Nyman’s Conspect.
Florae europaeae gefolgt; was die Nomenclatur anbelangt, so hielt ich mieh in
erster Linie — wo immer sich hiezu die Gelegenheit fand — an die vom
botanischen Universitätsmuseum herausgegebenen Schedae ad Floram exsice.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 52
386 G. v. Pernhoffer.
Austro-Hung., auctore A. Kerner (1881—1896), sowie an einzelne belangvolle
Monographien (Naegeli et Peter: Prloselloideae, v. Sterneck: Alectorolophus,
v. Wettstein: Euphrasien, H. Braun: Menthen, Hackel: Festuea-Arten) und
sonst an Nyman, l.c., Neilreich, Flora von Niederösterreich (1859) und
v. Beck, Flora von Niederösterreich (1890—1893), welche beide letzteren Werke
ich nebst v. Haläacsy’s Flora von Niederösterreich (1896) insbesonders bei der
Auswahl der erforderlichen Synonyme benützte.
Es obliegt mir noch, meinen ergebensten Dank auszusprechen den hochw.
Herren P. Ildefons Schober, Abt, und P. Willibald Wolffsteiner, Rector
am Gymnasium der Abtei Seckau, durch deren überaus freundliche und zuvor-
kommende Vermittelung einer eifrigen Hilfskraft (Oblata und Gymnasialschüler
J. Stehle) ich überhaupt erst in’den Stand gesetzt wurde, mich an die Ver-
fassung eines die verschiedenen Vegetationsperioden umfassenden und somit auch
in dieser Hinsicht einigermassen vollständigen floristischen Verzeichnisses zu
machen. Ferner fühle ich mich zu besonderem Danke verpflichtet den Herren
Prof. Dr. v. Wettstein für die gütige Revision und Bestimmung der Euphrasien,
Heinrich Braun für jene der Galium-, Mentha- und Rosen-Arten, sowie Prof.
Dr. ©. Fritsch für die Bestimmung einiger kritischer oder schwieriger Arten.
Der nun folgenden Aufzählung sei noch die ausdrückliche Bemerkung
vorausgeschickt, dass ich darin fast ausnahmslos nur solche um Seckau u. s. w.
gefundene Pflanzen anführe, welche ich entweder persönlich fand oder im
frischen oder getrockneten Zustande zu untersuchen Gelegenheit hatte.
Dieotyledoneae.
Ranunculaceae.
Atragene alpina L. (Clematis alpina Mill... An Felsen und buschigen Wald-
rändern. Im Steinmüllnergraben und a. a. O. Findet sich schon am Be-
ginne der Strasse über den Hanımerberg nach Seckau; ca. 800 m.
Anemone alpina 1. (A. Burseriana Scop.). Auf steinigen Alpentriften gemein.
A. nareissiflora L. In Alpentriften des Hammerkogels; ca. 2000 m (Stehle).
A. nemorosa L. In Wiesen, an Waldrändern und buschigen Orten sehr häufig.
Hepatica triloba Chaix. (Anemone hepatica L.). Am Südabhange des Calvarien-
berges im Hammergraben in Vorhölzern nächst dem Schaarwirthe. Scheint
im Seckauerthale zu fehlen.
Adonis phoenicea (1.) Fritsch (A. aestivalis L., A. annua var. phonicea L.). In
den Saaten, ohne nähere Angabe des Fundortes (Stiftsherbar).
A. flammea Jacq. Hie und da in Gärten eultivirt. In dem ausgedehnten Stifts-
garten auch verwildert.
Thalietrum aqwilegifolium L. Häufig in feuchten Wiesenhecken und an Bachrändern.
T. simplex L. «. latisectum Maly. Die typische Pflanze. Auf grasigen und
steinigen buschigen Plätzen der Kuhhalt. Scheint sonst nirgends um
Seckau vorzukommen.
N
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 387
Ficaria verna Huds. (Ranunculus Ficaria L., F. ranunmculoides Roth). In
Wiesen unter dem Stifte häufig (Stiftsherbar).
Ranunculus platanifolius L. Im Steinmüllnergraben, am Bache nächst der
Jürgbaueralm. Auch in der Ingering (Stehle).
R. glacialis L. Im Gerölle des Nordabsturzes des Zinkengipfels, 2396 m, sehr selten.
R. alpestris L. In feuchten Alpentriften sehr häufig.
R. nemorosus DC. (R. polyanthemus var. latisectus Neilr.). In feuchten Wiesen
und auch an waldigen Orten stellenweise häufig. Eine Zwergform mit
nur 9—12 cm hohem, zartem, einblüthigem Stengel (R. aureus Schl.?)
findet sich in mageren Grasplätzen nächst dem Aufstiege zum Calvarien-
berg; ca. 860 m.
. repens L. In feuchten Gräben u. s. w. sehr gemein.
. montanus L. In Alpentriften, zerstreut.
acer L. In allen Wiesen gemein.
. auricomus L. In nassen Wiesen zwischen Seckau und Neuhofen häufig.
. bulbosus L. Auf Wiesen häufig.
. Philonotis Ehrd. (R. sardous Cr. ß. hirsutus Curt., Beck, ]. e.). An Gras-
plätzen vor dem Stiftsgebäude sehr häufig.
Trollius europaeus L. In nassen Wiesen längs dem Gradenbache.
Caltha alpestris Sch., Nym., K. (©. laeta Sch., Nym., K., y. alpestris Beck). An
Bächen und sumpfigen Orten von der Thalsohle (850 m) bis auf die Alpen
gemein. Noch bei der Quelle nächst Maria Schnee; 1860 m.
Aquilegia vulgaris L. An buschigen Plätzen des Calvarienberges selten (Stehle).
Auch auf der Wiese nächst dem Garten des Hofwirthes in Seckau. Hier
vielleicht nur Gartenflüchtling.
Aconitum vulparia Reichb. (A. Iycoctonum Aut. pl.; non Linne). An buschigen
Orten des Calvarienberges und im Steinmüllnergraben selten (Stehle).
Die gesammelten Exemplare entsprechen der Varietät ß. cetium Beck (A.
intermedium Host) und d. galoctonum Reichb. (A. Jacquinianum Host). -
4. variegatum Koch (A. rostratum Bernh., Beck, 1. e.) var. judenbergense Reichb.,
Beck, 1. c. In Hecken längs der Strasse über den Hammerberg und in
der Graden mit Spiraea salicifolia L. nicht häufig.
A. napellus L. «. hemisphaericum Beck (A. neubergense Reichb.). Nächst dem
Ingeringsee. Scheint im Seckauerthale zu fehlen.
A. tauricum Wulf. Auf allen Alpen von ca. 1400—1800 m sehr häufig.
A. pygmaeum Vest. In Alpenweiden am Mitterplan des Zinken, bei ca. 2200 m
massenhaft; mehr vereinzelt auch auf der Schwaigerhöhe und anderen
Orten von ca. 1900—2200 m.
Actaea nigra (L.) Fritsch (A. spicata var. nigra L.). An buschigen Plätzen des
Calvarienberges zerstreut.
5
Berberideae.
Berberis vulgarıs L. An Hecken nächst der Bei- und Eggmühle, sowie am
Fusse des Calvarienberges sehr zerstreut.
388 G. v. Pernhoffer.
Papaveraceae.
Papaver Rhoeas L. Die beiden Varietäten «. typicum Beck und y. strigosum
Bönningh. in den Saaten sehr gemein.
P. somniferum L. Hie und da in Gärten als Zierpflanze eultivirt und daselbst
zuweilen auch in normaler Gestalt verwildert. In einem Kornfelde fand
ich ein durch seinen niedrigen Wuchs, Zartheit des Stengels und Klein-
heit der Blätter, sowie der weissen, nur sehr schwach lila angehauchten
Blüthe sehr fremdartig erscheinendes Exemplar.
Chelidonium majus L. An Mauern, Schuttplätzen u. s. w. sehr gemein.
Fumariacesae.
Corydalis solida (L.) Sw. (C. digitata Pers., O. bulbosa DC.). An buschigen Orten
am Fusse des Calvarienberges selten (Stehle).
Fumaria officinalis L. In den Saaten und an grasigen Rainen, stellenweise
häufig.
Cruciferae.
Raphanus raphanistrum L. (Raphanistrum inoceuum Med.). Iu den Saaten
gemein.
Turritis glabra L. An buschigen Plätzen sehr zerstreut.
Arabis eiliata (Willd.) R. Br. var. hirsuta Koch. Am Calvarienberge (Stehle) und
an grasig-steinigen Rainen der Kuhhalt, längs des Steiges nach Windisch-
dorf, sehr selten.
A. alpina L. An Waldrändern im Steinmüllnergraben.
4A. Halleri L. In Wiesen und an Waldrändern stellenweise sehr häufig.
A. arenosa Scop. An Gneissfelsen im Steinmüllnergraben.
4. Thaliana L. (Sisymbrium thalianum Gay, Stenophragma Thalianum [L.]
Celak.). Auf trockenen Grasplätzen nächst der Sägemühle und auf sandigen
Stellen beim Stiftssteinbruche.
Roripa silvestris (L.) Bess. (Nasturtium sylvestre R. Br.). An Wegen im Stifts-
garten (Stehle).
Roripa palustris (Leyss.) Bess. (Nasturtium palustre DC.). Auf sumpfigen Stellen
nächst der Beimühle. Auch an überschwemmten Plätzen nächst dem Bache
im Dorfe Gaal.
Barbarea stricta Andrz. (B. vulgaris «. stricta Neilr.). Im Stiftsgarten (Stehle).
B. arcuata Reichb. (B. vulgaris R. Br. P. arcuata Reichb., Beck, 1. e.).
Erst ausserhalb des Gebietes; im Murthale sehr häufig.
Cardamine palustris Peterm. (CO. pratensis L. ß. grandiflora Neilr.). In feuchten
Wiesen und an sumpfigen Stellen sehr gemein, bis auf die Alpen, ca. 1400 m;
häufig mit schön violetten Blüthen.
CO. rivularis Schur. Im Hintergrunde des Ingeringthales, nächst der
Hofalm.
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 389
C. amara L. var. hirta Wimm. et Grab. An Bächen, quelligen Orten und in
Gräben gemein.
©. impatiens L. Im Holzschlaggraben am Calvarienberge (Stiftsherbar) und
nächst dem Wildhubergute (Stehle).
©. silvatica Link. An feuchten Orten nächst dem Wildhubergute (Stehle).
©. resedifolia L. An feuchten, felsigen Orten der Alpen, von 1300 m aufwärts
sehr häufig.
©. trifolia L. In Wäldern des Calvarienberges häufig.
Dentaria enneaphyllos L. In Wäldern des Calvarienberges selten (Stehle).
Hesperis matronalis L. «. integrifolia Neilr. In Gärten als Zierpflanze gebaut
und nur sehr selten verwildert.
Sisymbrium Sophia L. Auf Schuttplätzen vor dem Stifte, nicht gemein.
S. officinale (L.) Scop. (Chamaeplium offiecinale Wallr.). An Mauern und Wegen
sehr gemein.
Brassica oleracea L. und B. Rapa L. werden eultivirt.
B. campestris L. In den Saaten, stellenweise häufig.
Sinapis arvensis L. In den Saaten höchst gemein.-
Cochlearia Armoracia L. (C. rusticana Lam., Roripa rusticana Gren. et Godr.).
In Gärten gebaut und in deren Nähe in feuchten Wiesen und an Bach-
rändern nicht selten verwildert.
Ü. pyrenaica DC. Mit Ranuncubhıs glacialis L. im Gerölle des Nordabsturzes
des Zinkengipfels, 2396 m, sehr selten.
Draba austriaca Crantz (D. stellata Jacq.). Im Felsenschutte des Hammerkogels
bei ca. 2100 m selten (Stehle).
Erophila Krockeri Andrz. (Draba verna L. y. lanceolata Neilr.). Auf sterilen
Plätzen gemein (Stehle).
Camelina sativa (L.) Crantz. In den Saaten. In manchen Jahren nicht selten.
Iberis umbellata L. In Gärten als Zierpflanze eultivirt.
Thlaspi arvense L. An Ackerrainen und Schuttplätzen nicht gemein.
T. alpestre L. In Wiesen, an grasigen Rainen u. s. w. sehr gemein. Findet sich
mehr vereinzelt und in gedrungener Form noch in Alpenmatten bei
ea. 1500 m.
Lepidium sativum L. Auf wüsten Plätzen am: Stiftsplatze selten.
Hutchinsia brericaulis Hoppe. In der Hochalpenregion des Zinken, ziemlich
selten.
Capsella bursa pastoris (L.) Mönch (Bursa pastoris Wigg.). In Wiesen und auf
wüsten Plätzen höchst gemein. Die var. integrifolia Neilr. auf trockenen
sandigen Stellen beim Stiftssteinbruche und am Wege nach Neuhofen.
Neslia paniculata (L.) Desv. In den Saaten sehr gemein.
Resedaceae.
Reseda Iutea L. Im Stiftsgarten spontan.
390 G. v. Pernhoffer.
Cistineae.
Helianthemum hirsutum Thuill. sub Cisto (H. obscurum Pers.).') In trockenen
Wiesen und an Waldrändern sehr häufig.
Violarieae.
Viola strieta Horm. (V. stagnina Kit. 3. Hornemanniana Röm. et Schult., Beck,
l. e.). In feuchten moosigen Wäldern der Kuhhalt ziemlich selten; mit
der viel häufigeren V. canina «. lucorum Reichb.
V. silvestris Kit. var. mierantha Döll. In Wäldern und an buschigen Orten
ziemlich häufig; besonders im Höhenzuge des Calvarienberges.
V. Riviniana Reichb. (V. silwestris 9. macrantha Döll.). In Bergwiesen bis
ca. 1300 m, seltener als die vorige.
V. arenaria DC. (V. rwpestris Schm. «. arenaria DC., Beck, 1. e.). In mageren
Wiesen und an sandigen Stellen sehr zerstreut. Mit weissen Blüthen im
Steinmüllnergraben (Stehle). In Gesellschaft dieser Art finden sich öfters
ähnlich gestaltete Pflanzen, deren Stengel, sehr selten auch die Blätter,
kurz flaumig behaart sind, während hingegen die Gestalt ihrer Blätter
jener der sie gleichfalls begleitenden Wiesenform der V. canina L. oder
selten jener der V. silwatica Fr. entspricht und der Sporn gewöhnlich
einfärbig gelblich zu sein pflegt. Diese Pflanzen dürften sonach als
Hybride oder ? Mittelformen der genannten Arten und V. arenaria DC. zu
gelten haben.
V. canina L. «. longifolia Neilr. = V. canina lucorum keichb. An waldigen
Orten sehr gemein. — ?. brevifolia Neilr. — V. ericetorum Schrad. In
Wiesen und trockenen Grasplätzen höchst gemein.
V. hirta L. In Wiesen und an buschigen Plätzen ziemlich häufig.
V. palustris L. In nassen Wiesen, an Teichrändern und an moorigen, waldigen
Plätzen, namentlich der Kuhhalt, sehr häufig.
V. biflora L. An steinigen Stellen der Alpen sehr häufig. Längs dem Zinken-
bache auch im Steinmüllnergraben und noch bis zur Sägemühle in Seckau;
ca. 880 m.
V. tricolor L. «. parviflora Hayne (V. arvensis Murr.). In den Saaten stellen-
weise sehr häufig. — ß. grandiflora Hayne. An grasigen Abhängen und
Ackerrainen häufig. — y. hortensis Roth. An Auswurfsplätzen verwildert.
Droseraceae. N
Drosera rotundifolia L. In moorigen Grasplätzen nächst dem Weimarteiche
nahe einem Standorte von Gnaphalium uliginosum L.; selten (Stehle).
Parnassia palustris L. In nassen Wiesen gemein.
!) Siehe A. Kerner in Sched. ad Fl. exsicc. Austro-Hung., Nr} 8832 (1883).
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Verzeichniss der um Seckan wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 391
Polygaleae.
Polygala chamaebuxwus L. e. Iuntea Neilr. An Waldrändern des Calvarienberges.
P. vulgaris L. In Wiesen und an Rainen bis ca. 1400 m häufig.
P. amarella Or. (P. uliginosa Reichb.). Auf sumpfigen Plätzen, am Aufstiege
zum Calvarienberg.
Silenaceae.
Agrostemma Githago L. (Güthago segetum Desf.). In den Saaten gemein.
Lychnis flos cueuli L. In Wiesen gemein.
L. viscaria L. (Viscaria vulgaris Röhl). In Wiesen häufig.
Melandrium sylvestre Röhl. (Lychnis dioica L. p. p., L. diurna Sibth., M.
rubrum [Weig.] Garcke). In Wiesen an Bächen und Waldrändern gemein.
M. pratense köhl. (L. dioica L. p. p., L. vespertina Sibth, M. album [Mill.]
Garcke). In den Saaten und an uneultivirten Orten gemein.
Heliosperma quadrifidum (L.) Reichb. An Felsen und steinigen Orten der Alpen.
Silene cucubalus Wib. (5. inflata Sm.). In Wiesen häufig. Die hiesige Pflanze
ist gewöhnlich reichblitthig, die Fruchtkelche sind nur 10—13 mm lang,
Blumenblätter klein. Blätter schmal lanzettlich, steif, aufrecht, am Rande
glatt, die mittleren Stengelblätter 6—8 mm breit.
S. Armeria L. In Gärten und auf Gräbern gepflanzt und in deren Nähe an
Rainen und in den Saaten verwildert.
S. nutans L. In allen Wiesen sehr gemein.
S. rupestris L. Auf felsig-steinigem Boden der Alpen gemein. Findet sich auch
an niedrigeren Orten, so im Steinmüllnergraben und — mit Atragene
alpina L. — an der Strasse am Fusse des Hammerberges; bei ca. 800 m.
5. Pumilio (L.) Wulf. ap. Jacqg. Auf steinigen Alpentriften über 1600 m sehr
häufig.
S. acaulis L. Mit der vorigen in der Hochalpenregion häufig.
Saponaria vaccaria L. (Vaccaria parviflora Mönch). Als Unkraut im Schulgarten.
Gypsophila muralis L. An feuchten Wegen bei Neuhofen selten.
Dianthus carthusianorum L. Auf Wiesen und an steinigen Plätzen bis ca. 1100 m
gemein. Die hiesige Pflanze besitzt in der Regel die kürzeren Kelche,
kleineren Blumenspreiten und steif aufrechten Blätter der var. «. pratensis
Neilr. und dagegen die länger begrannten, mitunter grünen und immer
längeren Stützschuppen der var. y. alpestris Neilr. und scheint demnach
einer Mittelform anzugehören.
D. speciosus Reichb. pro var. D. superbi L. (D. Wimmeri Wich.).‘) In Alpenwiesen
und Alpentriften von 1400 m bis über 1600 m stellenweise sehr häufig.
Vereinzelt auch in Grasplätzen ober der Kuhhalt und am Wege durch
dieselbe. In der Thalregion sonst nur — aber in Menge — beobachtet
am Wiesenhange und Gehölzrande jenseits des Kühbergerbaches, ober den
Culturen des Wasmargutes bei ca. 750 m.
!) Siehe A. Kerner in Sched, ad Fl. exsiec. Austro-Hung., Nr. 549 und 550 (1882).
>)
No)
\
G. v. Pernhoffer.
Alsinaceae.
Cerastium arvense l. «@. hirtum Neilr. Gemein auf Triften und an Wiesenrainen
bis auf die Alpen. — P. glabrescens Neilr. (CO. strietum H.). Mit der
vorigen, aber viel seltener, besonders auf Mauern und trockenen steinigen
Orten. — y. latifolium Neilr. (nicht (©. latifolium L.). Auf Triften der
Hochalpenregion, 1900—2396 m, häufig.
O. alpinum L. var. glutinosum Koch. Auf steinigen Alpentriften. Sehr gemein
am Hochalbl und Kumpitzstein.
C. vulgatum L. e@. typieum Beck (C. triviale Link «. hirsutum Neilr.). An Gras-
plätzen, buschigen Orten und Wegen sehr gemein bis auf die Alpen.
— y. glabratum (Neilr.) = C. holosteoides Fr. Mit der vorigen auf
feuchten Grasplätzen nächst der Lambrechtsalm.
Stellaria nemorum L. An feuchten, waldigen oder schattigen Orten der Kuh-
und ÖOchsenhalt häufig.
S. media (L.) Vill. Gemein auf Brachen, an Wegen u. s. w.
S. graminea L. In Wiesen und an Rainen bis zu den Almhütten gemein.
S. uliginosa Murr. (5. graminea L. y.). An quelligen Orten, mit Montia minor
nächst der Schottergrube, und a. a. 0.
Moehringia trinervia (L.) Clairv. In Wiesen, an Zäunen, waldigen Orten häufig.
M. muscosa L. An Felsen im Steinmüllnergraben und anderwärts nicht selten.
Arenaria biflora L. Auf den steilen Matten zwischen Hammerkogel und Zinken,
ca. 2100 m, sehr häufig.
A. serpyllifolia L. var. glutinosa Mert. et Koch = A. riscida Lois. An Wegen
und sehotterigen Plätzen häufig.
Alsine Gerardi (Willd.) Wahlbg. (A. verna PB. alpina Neilr.). Auf steinigen Alpen-
triften ; sehr häufig am Hochalbl mit Cerastium alpinum var. glutinosum Koch.
Cherleria sedoides L. (Alsine Cherleri Fenzl, A. sedoides [L.] Kitt.). An steinigen
Stellen der Alpenregion nicht selten (Stehle).
Sagina procumbens L. «. glaberrima Neilr. An feuchten Wegen, Grasplätzen
und Teichrändern bis ca. 1400 m häufig. — P. eiliata Neilr. Mit der
vorigen auf lehmig-sandigen Plätzen nächst dem Stiftssteinbruche selten.
Die Angabe des Vorkommens von $. Linnaei Presl in des Verfassers
„Floristischen Notizen aus Seckau“ beruhte auf einem Irrthum.
Spergula arvensis L. PB. trachysperma Neilr. = $. vulgaris Boenningh. Auf
Aeckern und in den Saaten sehr gemein.
Spergularia rubra Presl (Arenaria rubra «. campestris L., 5. campestris [L.]
Aschers.). In feuchten, sandigen Gräben und Grasplätzen nächst der Säge-
mühle in Seckau sehr selten.
Lineae.
Linum catharticum L. In Wiesen gemein.
L. usitatissimum L. Wird hie und da gebaut und kömmt nur sehr vereinzelt
auch verwildert vor.
nn Tr
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 393
Malvaceae.
Malva neglecta Wallr. (M. rotundifolia L. p. p., M. vulgaris Fries). An Häusern
und wüsten Plätzen selten.
Tiliaceae.
Tilia cordata Mill., non Maxim., nec Regel, Simonk. ete. (T. Kuropaea var. y. L.).
Nächst den Bauernhöfen dort und da (die typische Form, und zwar wenig-
blüthig, Früchte angedrückt filzig).
Hypericineae.
Hypericum acutum Mönch (H. tetrapterum Fries). In Gräben und an sumpfigen
Orten, zerstreut.
H. quadrangulum L. In nassen Wiesen gemein.
H. perforatum L. «. vulgare Neilr. In Wiesen und an buschigen Orten gemein.
H. humifusum L. Auf sandigen Grasplätzen nächst der Sägemühle und an
erdigen Waldrändern bei der Stiftsziegelei sehr selten.
Acerineae.
Acer Pseudo-platanus L. An Hecken, Bächen und Waldrändern sehr häufig.
Hippocastaneae.
Aesculus hippocastanum L. Wird nur im Stiftsgarten in wenigen Stämmen culti-
virt und blüht daselbst erst im Juni.
Geraniaceae.
Geranium sylwaticum L. «. typieum f. angustisectum Beck. An buschigen Stellen
längs des Weges von der Kuhberger- zur Siebenherz-Alm; ca. 1200 bis
1400 m.
. pratense L. In Wiesen um Seckau sehr selten; im Murthale gemein.
+. phaeum L. In Wiesen, an Zäunen und Bächen stellenweise sehr häufig.
@G. dissectum L. Auf Dunghaufen in Aeckern sehr selten.
G. pusillum L. An Wegen, Mauern und wüsten Plätzen gemein.
@G. robertianum L. An Mauern und steinigen Plätzen am Stiftsplatze.
Erodium eicutarium (L.) L’Herit. In Brachen gemein.
=D)
Balsamineae.
Impatiens noli tangere L. An Wasserläufen, feuchten und schattigen Orten
gemein.
Oxalideae.
Oxalis acetosella L. In Wäldern sehr gemein.
Oxalis strieta L. Als Unkraut in Gärten, am Rande der Saaten nächst der
Stiftsziegelei; nicht häufig.
2. B. Ges. Bd. XLVI. 53
394 G. v. Pernhoffer.
Celastrineae.
Evonymus europaeus L. var. a. (E. vulgaris Scop.). An Hecken sehr zerstreut.
Rhamneae.
Rhamnus frangula L. (Frangula alnus Mill). In Wiesenhecken sehr gemein.
Rh. cathartica L. An steinigen buschigen Orten, an Wegrändern häufig. In einer
Form mit auffallend kleineren, gewöhnlich nur 25—35 mm langen, zu-
meist ovalen bis kreisrunden Blättern und 5—10 mm langen Blattstielen
(f. rotundifolia Beck?) nächst dem Rinstlergute am Hardt und unterhalb
Neuhofen; an der Strasse.
Papilionaceae.
Genista germanica L. In Holzschlägen des Calvarienberges (Stehle).
@. tinetoria L. In Wiesen und an Waldrändern sehr gemein.
@. sagittalis L. In Wiesen und an buschigen Orten bis ca. 1500 m häufig.
Cytisus alpinus Mill. Am Stiftsplatze um die Mariensäule gepflanzt.
Ü. nigricans L. An Waldrändern der Strasse über den Hammerberg und am
Beginne des Steinmüllnergrabens selten.
C. supinus L. (C. capitatus Scop.). In Wiesen, an buschigen Orten und Wald-
rändern bis über 1100 m sehr häufig. Die Form mit lateralen Blüthen
— (. prostratus Scop. besonders schön auf Wiesen des Calvarienberges
bei ca. 1100 m, mit der daselbst gleichzeitig blühenden Potentilla aurea L.
Anthyllis affinis Britt. (A. alpestris Reichb., non Kit.). In Wiesen, am eigent-
lichen Seckauerboden sehr zerstreut und selten, nach abwärts gegen das
Murthal schon vom Dürnbergergute an immer häufiger werdend.
Medicago sativa L. In Wiesen dort und da. Nur stellenweise in grösserer Menge
beisammen.
M. lupulina L. «. glabrescens Neilr. In Wiesen und an Rainen sehr gemein.
Melilotus offieinalis Desr. In Wiesen; dem Anscheine nach sehr selten.
M. alba Desr. An Rainen zerstreut und selten.
Trifolium fleeuosum Jacg. (T. medium L. sol. nom.). Auf trockenen Wiesen,
zerstreut.
T. pratense L. In allen Wiesen gemein.
. montanum L. In trockenen Wiesen häufig.
. hybridum L. In nassen Wiesen bis ca. 1100 m häufig.
T. repens L. Auf Wiesen und an Wegen sehr gemein. Am Hochalbl noch hei
ca. 1600 m häufig.
T. agrarium L. In Wiesen und an Rainen, zerstreut.
T. minus Sm. In Brachen stellenweise sehr zahlreich.
Lotus corniculatus L. 8. pratensis Neilr. In allen Wiesen sehr gemein.
Astragalus glyeiphyllos L. An Waldrändern sehr zerstreut.
Phaca frigida L. (Astragalus frigidus DC.). Auf Triften des Hammerkogels,
ca. 2200 m, sehr selten (Stehle).
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 395
Oxytropis campestris (L.) DC. Auf steinigen Alpentriften sehr gemein.
Hedysarum obscurum L. Auf Triften des Hammerkogels (Stehle).
Pısum arvense L. In den Saaten gemein.
Lathyrus pratensis L. In Wiesen und an Hecken sehr häufig.
L. silvester L. «. angustifolius Neilr. An buschigen Orten nächst der vormals
Stradner'schen Hube selten.
Orobus vernus I. (Lathyrus vernus Bernh.). An buschigen Orten unterhalb des
Stiftes (Stehle).
Viera eracca L. 8. vulgaris Neilr. In den Saaten und an Hecken sehr häufig.
Vicia sepium L. In Wiesen, an Zäunen u. s. w. sehr häufig.
V. sativa L. In den Saaten gemein.
Y. Faba L. Wird nur in Gärten hie und da gebaut.
Ervum hirsutum L. (Vieia hirsuta [L.] Koch). In den Saaten gemein.
Drupaceae.
Prunus Padus L. An Strassen und Wiesenhecken, Waldrändern u. s. w. bis ca.
1300 m gemein. Die var. leucocarpa K. hie und da mit der gewöhnlichen
Form, so z. B. an der Strasse ober dem Sekulawirthe.
. avium L. An Hecken, auf Wiesen u. s. w. sehr häufig.
. cerasus L. Selten in Gärten gepflanzt.
. insititia L. Hie und da in Gärten gepflanzt und an Gartenzäunen, sowie au
Hecken bei Neuhofen dem Anscheine nach verwildert.
. domestica L. Ebenso.
. Armenica L. Nur im Stiftsgarten an sonnigen Mauern gepflanzt.
Uhren
Senticosae.
Spiraea salicifolia L. An Hecken, Bach- und Waldrändern und längs der Strasse
von Kobenz über Seckau und den Hammerberg, stellenweise sehr häufig.
Aruncus Aruncus (L.) Fritsch (A. silvester Kostel.). An Hecken und Waldrändern
sehr häufig.
Filipendula Ulmaria (L.) Maxim. (F. subdenudata Fritsch, Spiraea Ulmaria L.
a. discolor Koch). In nassen Wiesen und an Bachrändern sehr häufig.
F. hexapetala Gilib. (Spiraea filipendula L.). In nassen Wiesen am Fusse des
Calvarienberges unferne vom Kalbachergute selten.
Rubus idaeus L. In Holzschlägen sehr gemein.
R. Bellardi Weihe. In Waldblössen sehr zerstreut. Am Wege zum Kuhberger-
gute am rechten Bachufer, ca. 1000 m; nächst der Strasse über den
Hammerberg bei ca. 900 m.
R. Gremlii Focke. An buschigen Orten des Schachenhügels bei Neuhofen.
R. caesius L. Scheint in der engeren Umgebung von Seckau zu fehlen, kömmt
aber schon im Hammergraben häufig vor.
Fragaria elatior Ehrd. (F. moschata Duch.). An buschigen Stellen, an Wald-
rändern der Kuhhalt häufig.
53*
396 G. v. Pernhoffer.
F. vesca L. In Holzschlägen, Wiesen u. s. w. sehr gemein.
Comarum palustre L. (Potentilla palustris Scop.). In moorigen Wiesen, Gräben
und Wäldern sehr häufig.
Potentilla Anserina L. 8. discolor Neilr. An Wegen und in Strassengräben sehr
gemein.
P. argentea L. An trockenen Rainen und steinigen Plätzen sehr zerstreut.
P. incanescens Opiz (P. argentea var. tomentosa Döll.). Bei St. Marein, schon
über der Grenze des Gebietes (Stehle).
P. aurea L. Auf Alpentriften und Alpenwiesen sehr häufig. Findet sich, und
zwar in Menge auf den Wiesen am Rücken des Calvarienberges, ca. 1100 m,
und auf Grasplätzen am Beginne des Steinmüllnergrabens, ca. 1000 m.
P. rubens (Crantz) Zimmet. (P. opaca Jacg. et Aut., non L., P. dubia Mönch).
In Grasplätzen und an Rainen nicht selten.
P. silvestris Neck. (Tormentilla erecta L., P. Tormentilla erecta Scop.). In
Wiesen und Wäldern gemein.
Dryas octopetala L. Auf steinigen Alpentriften gemein.
Sieversia reptans (L.) Spr. Im Gerölle des Zinkengipfels sehr selten.
5. montana (L.) Spr. Auf Alpentriften gemein.
Geum rivale L. In feuchten Wiesen und Buschwerk häufig.
G. urbanum L. An Hecken sehr gemein.
Rosa tomentosa L. var. subglobosa Sm. In Gebüschen der Kuhhalt häufig.
var. subanaloga H. Br. An Hecken ziemlich häufig.
R. rubiginosa L. var. acanthoclina H. Br. Eine kleine Gruppe von Sträuchern
vor dem Wäldchen beim Zieglergute bis zum Jahre 1893.
R. canina L. var. fallens Desegl. Auch in der Form separabilis Desegl. an
Wiesenhecken nicht selten.
var. oxyphilla Rip. In Hecken und an Zäunen sehr verbreitet.
var, sphaerica Gren. Ebenso.
var. spuria Puget. Ebenso.
var. dumalis Bechst. Ebenso.
var. viridi-glauca H. Br. An Zäunen nächst dem Weinmarteiche und ander-
wärts zerstreut.
var. sphaeroidea Rip. An Hecken sehr zerstreut.
R. dumetorum Thuill. var. hypotricha H. Br. In Hecken und an Zäunen ver-
breitet.
var. peropaca H. Br. Ebenso.
var. perciliata H. Br. Ebenso.
var. trichoneura Rip. Ebenso.
var. obscura Pug. Ebenso.
R. corüfolia Fries var. subcollina Christ. In feuchten Wiesen nächst dem
Aichgute.
var. anisiaca H. Br. An Strassenhecken sehr häufig.
var. subcanina Chr. f. minutiflora J. B. Keller. In Hecken sehr zerstreut.
R. glabrata Vest. An Strassenabhängen nächst der Sägemühle.
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. . « \.£: D
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 397
var. Vestiüt H. Br. Mit der Vorigen, und zwar viel häufiger.
R. glauca Vill. var. Reuteri God. An Hecken, Rainen und in Wiesen sehr
häufig. Die schöne Form diversisepala H. Br. auf Wiesen unter dem Stifte
selten.
var. complicata Gren. An schotterigen Plätzen und Wegen nicht gemein.
R. glauca Vill. var. subeomplicata H. Br. Mit der Vorigen, jedoch viel seltener.
var. myriodonta Chr. Ebenso.
var. subcanina Chr. f. atrichostyla H. Br. und
var. subcanina f. pseudocomplicata H. Br. Beide besonders in den Wiesen
unter dem Stifte häufig.
R. alpina L. (R. pendulina L. e. alpina Beck, ]. c.). An Waldrändern und Hecken
längs der Strasse über den Hammerberg und nächst der Kuhhalt; unter-
halb Windischdorf.
Agrimonia Eupatoria L. Am Calvarien-(Dremmel-)berge nächst dem Aineth-
gute (Stehle). Häufiger erst ausserhalb der Gebietsgrenze bei St. Marein
im Murthale.
Alchimilla vulgaris L. In Wiesen und an Waldrändern sehr gemein.
A. glabra Wimm. et Grab. pro var. A. vulgaris L. (A. vulgaris L. «. glabrata
Wimm. et Grab.).!) An quelligen Orten des Hochalbl nächst Maria Schnee;
1850 m.
Sanguisorba offieinalis L. In feuchten Wiesen gemein.
Pomaceae.
Pirus silvestris L. pro var. @. P. Mali Mill. (P. Malus L. «. glabra Neilr., Malus
acerba Merat). An buschigen Orten in der Graden vereinzelt; ca. 980 m.
P. brachypoda A. Kern. An Waldrändern und Zäunen zerstreut bis ca. 1000 m.
P. communis und Malus L. werden in mehreren Sorten eultivirt.
Sorbus aucuparia L. Auf Wiesen, an Hecken und Waldrändern sehr gemein.
Hier in der Regel reichlich behaart und die Früchte relativ klein; der
von Kitaibel als $. lanuginosa bezeichneten Form sich nähernd.
Crataegus oxyacantha L. An Hecken, zerstreut und nicht gemein.
C. monogyna Jacq. Mit der Vorigen, jedoch seltener.
Onagrarieae.
Chamaenerium angustifolium Scop. (Epülobium angustifolium L. var. ß.). In
Holzschlägen, an Waldrändern u. s. w. gemein.
Epilobium tetragonum L. (E. roseum Schreb., A. Kerner Sched. ad Fl. exs. Austro-
Hung., p. 6 [1881]). An Bächen und feuchten Plätzen sehr häufig.
E. Lamyi Schultz. In dem alten Holzschlage des R.-M.-C.-Waldes ober Windisch-
dorf, ca. 1050 m, selten.
E. montanum L. In Wäldern und an buschigen Orten sehr gemein.
!) Siehe A. Kerner in Sched. ad Fl. exsice. Austro-Hung., Nr. 517 (1883).
398 G. v. Pernhoffer.
E. collinum Gm. (E. montanum y. collinum Koch). Au buschigen Orten im
Hammergraben, am Fusse des Calvarienberges und vermuthlich auch in
der näheren Umgebung von Seckau.
E. alsinefolium Vill. (E. origanifolium Lam.). An quelligen Orten der Alpen
gemein; findet sich schon an einer sumpfigen Waldstelle nächst dem Wege
auf den Calvarienberg; bei ca. 980 m.
. anagallidifolium Lam. (E. alpinum L. p. p.). An der Quelle nächst Maria
Schnee am Hochalbl, 1850 m, und a. a. 0.
E. palustre K. In nassen Wiesen und moorigen Gräben sehr häufig.
Oenothera biennis L. Findet sich erst bei Rassnitz im Murthale.
Oircaea alpina L. An schattigen Waldstellen des Alblberges ober Windischdorf.
es
Callitrichineae.
Callitriche verna L. var. stellata Beck (C. stellata Hoppe). Im Schwimmteiche
unterhalb des Stiftes sehr häufig.
Lythrarieae.
Lythrum salicaria L. «. glabrescens Neilr. In feuchten Wiesen, Aeckern, waldigen
Orten gemein.
Peplis portula L. An Teichrändern, nicht selten.
Portulacaceae.
Montia rivularis Gm. (M. fontana L. p. p.). An quelligen Orten am Wege zum
Stiftssteinbruche unterhalb der Schottergrube mit Stellaria uliginosa L.;
in einem klaren Quelltümpel nächst dem Aichgute.
Paronychieae.
Herniaria glabra L. In der Schottergrube nächst dem Stifte und an sandigen
Plätzen nicht gemein.
Sclerantheae.
Scleranthus hirsutus Presl. Auf Aeckern, Brachen und an Wegen gemein.
Crassulaceae.
Sempervivum montanum L. Häufig an felsigen Orten der Alpen; findet sich aber
auch schon am oberen Seckauerboden bei ca. 950 m, und zwar an Stein-
einfassungen der Strasse zum Steinmüllner und auf Steinhaufen nächst
dem Rinstlergute am Hardt.
S. Wulfenii Hoppe. Nur ein Exemplar, angeblich von der Lambrechtshöhe
stammend, in der Lambrechtsalmhütte von mir gesehen. }
S. hirtum L. Am Wege zum Zinken-(Steinmüllner-)graben (Stiftsherbar) und
auf einer Mauer im Stiftsgarten (Stehle).
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 399
Sedum Telephium L. ß. ochroleucum Neilr. (S. maximum Sut.). An steinigen,
buschigen Plätzen und Rainen sehr zerstreut.
S. refleeum L. ß. glaucum Neilr. (S. rupestre L. p. p.). An Mauern im Stifts-
garten.
S. boloniense Loisel (S. sexangulare Neilr., non L.). An Mauern und wüsten
steinigen Plätzen gemein.
S. alpestre Vill. (S. repens Schleich. et Aut., non L.). An steinigen Plätzen der
Alpen häufig.
S. dasyphyllum L. An Gneisfelsen im Steinmüllnergraben (Stehle).
S. annuum L. An Felsen im Steinmüllnergraben (Stehle).
S. villosum L. An sumpfigen Stellen der Ochsenhalt (Stiftsherbar) und in dem
Graben nächst der Köhlerei ober Windischdorf.
Rhodiola rosea L. (Sedum roseum Scop.). Auf felsigen Plätzen der Alpen nicht
selten.
Grossularieae.
Ribes grossularia L. «@. glandulosum Neilr. An Hecken und steinigen Plätzen
bis zu den Almhütten nicht selten.
R. rubrum L. In Gebüschen der Wiese unter dem Stifte (Stehle). Auf un-
eultivirten Plätzen in der Nähe von Gärten, dem Anscheine nach ver-
wildert.
R. petraeum Wulf. In dem zwischen der Lambrechtshöhe und dem Hochalbl
sich hinziehenden Graben, bei ca. 1700 m Seehöhe (Stehle).
Saxifragaceae.
Samifraga Aizoon Jacg. Auf steinigen Triften und Felsen der Alpen sehr gemein.
Gewöhnlich als var. minor brevifolia Sternbg.
S. aizoides L. An felsigen, etwas feuchten Stellen der Alpen nicht selten; schon
im oberen Abschnitte des Steinmüllnergrabens bei ca. 1200 m.
S. muscoides Wulf. (5. moschata Wulf. «. vulgaris Beck). An steinigen, felsigen
Stellen der Hochalpenregion häufig.
S. bryoides L. Im Gerölle der Hochgipfel der Alpen nicht selten.
S. stellaris L. An Felsen und insbesonders an quelligen Orten der Alpen von
ca. 1250 m aufwärts häufig.
S. rotundifolia L. An feuchten, schattigen Stellen der Alpen von ca. 1200 m an-
gefangen häufig.
Chrysosplenium alternifolium L. An schattigen, feuchten Waldstellen bis auf die
Alpen häufig.
Umbkellatae.
Torilis rubella Mönch (T. anthrisceus [L.] Gmel.). An buschigen Orten am Süd-
abhange des Calvarienberges im Hammergraben nächst dem Scharrwirthe.
Im Seckauerthale noch nicht beobachtet.
Angelica silvestris L. «. latisecta Neilr. In feuchten Wiesen nächst den Teichen
unter dem Stifte häufig.
A400 G. v. Pernhoffer.
Selinum carvifolia L. An feuchten, schattigen Waldstellen der Kuhhalt.
Imperatoria ostruthium L. (Peucedanum ostruthium Koch). An buschigen Stellen
längs dem Zinkenbache ober der Jürgbauer-Alm.
Peucedanum Oreoselinum (L.) Mönch. An Waldrändern, steinigen, buschigen
Orten und auch in Wiesen nicht selten.
Pastinaca sativa L. In Wiesen sehr häufig.
Heracleum sphondylium L. Ebenso.
Meum mutellina (L.) Gärtn. In Triften und an steinigen Stellen der Alpen-
region gemein.
M. athamanticum Jacg. (Athamanta meum 1L.). An ähnlichen Stellen wie die
Vorige, aber seltener. Am Zinken.
Aethusa cynapium L. Auf wüsten Plätzen, als Unkraut in Gärten nicht gemein.
Chaerophyllum eicutaria Vill. (Ch. hirsutum Koch et Aut., non L.). An Bächen
und feuchten Waldrändern bis auf die Alpen sehr gemein. Eine in allen
Theilen viel kleinere und zartere und hiedurch sehr auffallende Form
(f. gracilis m.) mit in der Regel nur 20—30 cm hohem, spärlich behaartem
oder fast kahlem Stengel, kahlen oder höchstens an den Blattnerven zer-
streut behaarten, am Rücken -+ lebhaft glänzenden Blättern und gewöhn-
lich rosafärbigen Blüthen an Waldrändern ober Windischdorf vor der
Köhlerei und am Calvarienberge bei ca. 950 m.
Anthriseus silvestris (L.) Hoffm. var. pratensis Neilr. (Cerefolium sylvestre Bess.
@. typicum Beck). In Wiesen und stellenweise auch in den Saaten sehr
gemein.
Aegopodium Podagraria L. An Bächen und feuchten, buschigen Waldrändern
gemein.
Pimpinella magna L. «. indivisa Neilr. In Wiesen am Aufstiege zum Calvarien-
berg; meist mit scharf eingeschnitten gesägten Blättern und oft mit
röthlichen Blumen.
P. saxifraga L. In Wiesen und an Waldrändern häufig; gewöhnlich die var.
pubescens Neilr.
Carum Carvi L. In Wiesen bis in die Alpenregion sehr gemein.
Astrantia carinthiaca Hoppe (A. major L. var. involuerata Koch). An Gras-
plätzen neben der Strasse über den Hammerberg, nahe dessen Fusse.
Corneae.
Cornus mas L. Nur im Stiftsgarten und hier, dem Anscheine nach, angepflanzt
(Stehle).
Caprifoliaceae.
Viburnum opulus L. An Wiesenhecken und buschigen Waldrändern häufig.
Sambucus racemosa L. In Holzschlägen uhd an Waldrändern sehr häufig.
S. nigra L. An Bächen, Zäunen und Häusern häufig.
S. ebulus L. In Holzschlägen, nicht gemein.
Adoxa moschatellina L. In feuchten, moosigen Wäldern der Kuhhalt (Stehle).
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen nnd Gefiässkryptogamen. 401
Lonieera wylosteum L. Inu Gebüschen der feuchten Wiesen unter dem Stifte, mit
Streptopus amplexifolius L.; ca. 500 m.
L. nigra L. An Waldrändern und in schattigen Wäldern stellenweise häufig; in
der Kuhhalt.
L. caerulea L. An buschigen Stellen im oberen Abschnitte des Steinmüllner-
grabens, ca. 1250 m, und wohl auch anderwärts.
Rubiaceae.
Galium boreale L. Die typische Pflanze (@. trinerve Mönch). In feuchten Wiesen
und an Hecken sehr häufig.
@. rotundifolium L. In schattigen Wäldern am Fusse des Calvarienberges.
@. Mollugo L. b) angustifolium Leers (G. Mollugo angustifolia Leers, @. Mollugo
ß. angustifolium Neilr. p. p., H. Braun). An Hecken und unter Buschwerk
sehr häufig; scheint so wie die seltenere f. nemorosum Wierzb. hier nur
kahl vorzukommen.
. Mollugo c) abietinum H. Br. ß. decolorans Gren. et Godr. als Art (@. Mollugo
angustifolium X verum?), H. Br. An Strassenzäunen zerstreut, aber gesellig.
@. Mollugo f) erectum Huds. (als Art), H. Br. (@. Mollugo 3. angustifolium Neilr.
p. p.). Die Form praticolum H. Br. an Hecken und Zäunen häufig; die
Form dumetorum Jord. (als Art) in Gebüschen seltener.
G. silvatieum L. An Waldrändern stellenweise häufig; Kuhhalt, Hammerberg.
@G. laeve Thuill. (@. silvestre_Poll. p. p.). In Wiesen, an steinigen und waldigen
Plätzen sehr gemein.
G. nitidulum Thuill. An gleichen Orten wie die Vorige, aber viel seltener und
nur in der Form scabriusculum H. Br. (@. silvestre . scabrifolium Reichb.).
@G. anisophyllum Vill. (@. silvestre B. alpestre Gaud.). In Alpentriften unterhalb
Maria Schnee am Hochalbl, bei ca. 1600 m sehr häufig.
@. uliginosum L. In feuchten Wiesen und an sumpfigen Orten sehr häufig.
@G. palustre L. «@. scabrum Neilr. Mit der Vorigen und ebenso häufig.
G. verum L. e. genuwinum Celak. Auf Wiesen, wüsten Plätzen und an Zäunen
gemein. — ß. pallidum Celak. An steinigen Plätzen der Kuhhalt.
G. eminens Gren. et Godr. (@. vero X erectum Gren.). An grasigen, etwas steinigen
Abhängen des Calvarienberges stellenweise häufig.
. Aparine L. var. hispidulum Opiz. An eultivirten Orten und insbesonders in
den Saaten sehr gemein.
G. crueiatum (L.) Scop. An buschigen Orten, nicht gemein.
G. vernum Scop. In Wiesen und an Waldrändern sehr häufig.
Asperula odorata L. Im Holzschlaggraben am Calvarienberge (Stiftsherbar) und
im R.-M.-C.-Walde des Alblberges selten (Stehle).
Sherardia arvensis L. Auf Brachen und in den Saaten gemein.
S
m
Valerianeae.
Valeriana offieinalis L. «. pratensis Neilr. An Waldrändern nächst der Strasse
am Fusse des Hammerberges selten.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 54
402 G. v. Pernhoffer.
V. divica L. lu nassen Wiesen und auf sumpfigen Waldblössen sehr gemein.
V. tripteris L. An Felsen am Busse des Calvarienberges selten.
V. eeltica L. In Triften der Hochalpenregion sehr gemein.
Valerianella carinata Loisel. Als Unkraut in Gärten und im den Saaten sehr
zerstreut.
Dipsaceae.
Suceisa pratensis Mönch (Scabiosa suceisa L.) «. glabrata Peterm. In nassen
Wiesen gemein.
Knautia arvensis (L.) Coult. Die var. y. diversifolia Neilr. in Wiesen und an
Rainen höchst gemein. An schattigen Waldstellen eine schlankere Form
init stärker beblättertem Stengel, schmäleren linearen Fiederchen oder auch
ungetheilten Blättern.
K. intermedia Pernh. et Wettstein. An buschigen Plätzen und Waldrändern des
Calvarienberges, im Steinmüllnergraben, ober Windischdorf; auch im
Hammergraben und in der Ingering; scheint hier die im Murthale bei
Lobming u. s. w. häufige K. Pannonica (Jacq.) Wettst. zu vertreten.
Scabiosa ochroleuca L. Kommt erst im Murthale vor.
Compositae.
Bidens cernua L. An sumpfigen Wegen, Ufern u. s. w. stellenweise häufig; zu-
meist als var. radiata DC.
B. minima L. (B. cernua L. y. nana Neilr.). Auf trocken gelegten Stellen des
sogenannten Ablassteiches nächst dem Markte Seckau im Jahre 1893 häufig.
B. tripartita L. 8. minor Wimm. et Grab. Auf feuchten Wegen und Aeckern
sehr zerstreut.
Arnica montana L. In Wiesen vom Thale bis auf die Alpen sehr häufig.
Doronieum Olusit (All.) Tausch (Aronicum Clusii Koch). An steinigen, felsigen
Orten der Hochalpenregion, insbesonders der Hochgipfel.
D. austriacum Jacq. An Bächen und feuchten buschigen Orten vom Thale bis
ca. 1400 m gemein.
Seneeio erispus (Jacq.) Kitt. (Cineraria crispa Jacq.). An quelligen und schattigen
Orten der Kuhhalt; ferner in nassen Wiesen am Fusse des Calvarien-
berges selten; hier auch die Form mit ganzrandigen Blattstielen — Cine-
raria rivularis W. et K.
. alpestris (Hoppe) DC. (O. longifolia Jacg., non L.). Häufig in Wiesen in der
Nähe der Almhütten; vereinzelt auch in feuchten Wiesen am Fusse des
Calvarienberges.
. arrantiacus (Hoppe) DE. (Oineraria aurantiaca Hoppe, S. campestris y. auran-
tiacus Neilr.). In Wiesen am Fusse des Calvarienberges sehr selten.
N. auriculatus Jacg. pro var. Cinerariae cordifoliae; non 8. auriculatus Vahl.?)
(S. subalpinus Koch, S. alpinus var. auriculatus Reichb., $. alatus [L.]
0)
vr.)
') Siehe A Kerner, Sched ad Fl. exsiee. Austro-Hung., Nr. 1809 (1388).
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen, 403
A, Kern.; v. Halaesy, 1. e.). An moorigen Waldrändern beim Aufstiege
zum Calvarienberg und am Ende des Steinmüllnergrabens.
S. rupestris W. et K. (S. nebrodensis Aut., non L.). An wüsten Plätzen im Stifts-
garten (Stehle), ferner um die Stiftsmauer und in der nahen Schotter-
grube häufig.
S. carniolieus Willd. var. incanescens A. Kern. (S. incanus L. p. p.). In steinigen
Triften der Hochalpenregion sehr verbreitet und häufig. Die var. glabre-
scens am Gipfel des Zinken von ca. 2200 m aufwärts; sonst meist nur in
Uebergangsformen.
S. eiscosus L. In Holzschlägen und an wüsten Plätzen höchst gemein.
S. sylvaticus L. An waldigen Orten, sehr zerstreut.
S. vulgaris L. Auf wüsten und bebauten Plätzen gemein.
S. sarracenicus L. (S. nemorensis L. 3. angustifolius Neilr., 5. Fuchsi Gmel.).
An buschigen Ufern und Waldrändern häufig.
Anthemis carpatica W.K. (A. styriaca Vest). Auf steinigen Triften der Alpen
zerstreut. Am häufigsten noch immer an dem in Maly’'s Flora angeführten
Standorte, in dem Gerölle unter dem Mitterplane des Zinken, bei ca. 1700
bis 1800 m.
4. arvensis L. In den Saaten sehr gemein.
Achillew moschata Wulf. Auf steinigen Triften der Hochalpenregion des Zinken.
4. millefolium L. y. vulgaris Neilr. In Wiesen sehr gemein.
Chrysanthemum leucanthemum 1. In Wiesen gemein.
Chr. eorymbosum 1. B. subcorymbosum Schur, Beck, 1. e. (Pyrethrum sub-
corymbosum Schur). An buschigen Orten sehr zerstreut.
Chr. alpinum L. (Pyrethrum alpinum W.). In Alpentriften gemein.
Chr. vulgare (L.) Bernh. (Tanacetum vulgare L.). An buschigen Plätzen am Fusse
des Hainmerberges (Stehle). Findet sich auch noch in der Ingering
(Stiftsherbar).
Matricaria chamomilla L. An wüsten Plätzen in der Nähe von Gärten, zerstreut.
Artemisia laxa (Lam.) Fritsch (A. mutellina Vill.).. Von Maly u. A. am Zinken
angegeben; scheint sehr selten zu sein. Ich sah nur zufällig, angeblich
von dort gebrachte frische Stöcke, ohne jedoch den engeren Standort in
Erfahrung bringen zu können.
4. pontica L. An der Steineinfassung eines Gärtchens gegenüber der Volksschule
seit einer Reihe von Jahren beobachtet, siedelte sich diese Art vor dem
Jahre 1893 auch um das sogenannte Hofangerkreuz nächst der Strasse
nach Knittelfeld, neben einem T'halstandorte von Polygonum viviparumL. an.
4. vulgaris L. Häufig am Rande der Saaten.
(naphalium uliginosum L. «. incanum Neilr. (@. tomentosum Hotim.). Au
sumpfigen Plätzen nächst dem Weimarteiche und in Gräben bei der Säge-
mühle in Seckau selten.
G. silvatieum 1. In Wäldern gemein.
(7. supinum L. Auf steinigen Triften der Alpenregion häufig.
Antennaria dioica (1..) Gärtn. In trockenen Wiesen bis ea. 1400 m häufig.
54*
404 G. v. Pernhoffer.
A. carpathica Bl. F. Am Hammerkogel bei ca. 2200 m selten (Stehle).
A. leontopodium (L.) Gärtn. (Leontopodium alpinum Cass.) scheint
mindestens an den Kämmen und der südlichen Abdachung der
Seckauer Alpen, einschliesslich des Zinken, zu fehlen.
Galinsaga parviflora Cav. Als Unkraut im Garten des Gemeindearztes.
Solidago virga aurea L. An buschigen und waldigen Orten häufig.
Erigeron acre L. «. hirsutum Neilr. Auf Brachen und trockenen Grasplätzen
gemein.
E. canadense L. Auf wüsten Plätzen sehr zerstreut; im engeren Umkreise von
Seckau höchst selten.
Aster bellidiastrum (L.) Seop. (Bellidiastrum Michelü Cass.). An Waldrändern
und steinigen Plätzen von ca. 1200 m bis in die Alpenregion nicht selten.
Ausnahmsweise auch an niedrigeren Orten, als: am Calvarienberge und
im Steinmüllnergraben, ca. 1000 m.
Bellis perennis L. In Wiesen sehr gemein.
Buphthalmum salicifolium L. findet sich erst im Murthale.
Eupatorium cannabinum L. In der näheren Umgebung von Seckau nur in einem
Holzschlage des Calvarienberges (Stehle).
Adenostyles alpina (L.) Bluff. et F. (A. viridis Cass.). Am Rande des Zinken-
baches nächst der Jürgbauer-Alm.
Petasites offieinalis Mönch. In sumpfigen Wiesen am Fusse des Calvarienberges
nächst den Teichen.
P. albus (L.) Gärtn. An quelligen Waldstellen am Abhange des Calvarienberges;
beim sogenannten kalten Brunn am Alblberge und a. a. O.
Homogyne alpina (L.) Cass. In allen Wäldern von der Thalsohle (850 m) bis
auf die Alpen gemein.
_Tussilago farfara L. An feuchten Plätzen bis auf die Alpen gemein.
Carlina acaulis L. (CO. grandiflora «. acaulis Neilr.). In Wiesen bis auf die
Alpen sehr häufig.
©. vulgaris L. Auf trockenen Grasplätzen und an Waldrändern zerstreut.
Arctium minus Schkuhr (Lappa minor DC.). An wüsten Plätzen längs der Mauer
des Hofwirthes in Seckau selten.
Cirsium eriophorum (L.) Scop. In Holzschlägen und an Waldrändern selten;
im Steinmüllnergraben.
0. lanceolatum (L.) Scop. var. concolor Neilr. Auf wüsten Plätzen und in Holz-
schlägen häufig.
©. heterophyllum (L.) Alle Um Seckau nur in einer Wiese am Einflusse des
Graden- in den Ingeringbach. Sehr häufig dagegen in Wiesen u. s. w. des
Ingeringgrabens nächst Bischofsfelden.
' rieulare (Jaeq.) Link. In feuchten Wiesen am Fusse des Calvarienberges nicht
gemein.
). erisithales (Jacq.) Scop. An steinigen, buschigen Stellen des Steinmüllnergrabens
sehr selten. Im Ingeringgraben gemein.
" oleraceum (L.) Seop. In feuchten Wiesen höchst gemein.
en
Oo
_
m
N ur a re a
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 405
C. palustre (1.) Seop. In sumpfigen Wiesen und an feuchten, schattigen Wald-
stellen sehr gemein.
C. arvense (L.) Seop. In Holzschlägen, auf Brachen und in den Saaten gemein.
©. hybridum Koch (Cnieus palustri-oleraceus Schiede). In nassen Wiesen längs
dem Zinkenbache in Seckau selten.
©. Huteri Hausm. (C. palustri-erisithales Naeg.). Im Steinmüllnergraben im
Gebüsche neben dem Fusssteige zum Schwaigergute, höchst selten.
©. Tappeineri Reichb. (C. erisithales-heterophyllum Naeg.). In den Wiesen am
Beginne des Ingeringgrabens häufig.
Cardıus personata (L.) Jaeg. An Waldrändern neben der Strasse über den
Hammerberg, an buschigen Orten längs dem Zinkenbache im Stein-
müllnergraben sehr häufig und von hier noch vereinzelt bis in den Markt-
bereich.
©. acanthoides L. An wüsten Stellen, Wegrainen u. s. w. sehr häufig.
Saussurea pygmaea (Jacg.) Spr. An steinigen Orten des Hammerkogels, bei ca.
2200 m (Stehle).
Serratula tinetoria L. 3. lancifolia Gray, Beck, l. e. (5. austriaca Wiesb.). In
Wiesenhecken sehr zerstreut. Bei Neuhofen und den oberen Teichen.
Centaurea jacea L. In Wiesen sehr gemein; auch an steinigen buschigen Orten.
©. eyanus L. In den Saaten höchst gemein.
©. Scabiosa L. «. scabra Neilr. An buschigen Plätzen sehr zerstreut.
Sonchus arvensis L. In den Saaten, stellenweise häufig.
S. oleraceus L. (S. laevis Vill.). Auf wüsten und bebauten Plätzen gemein.
Lactuca muralis (L.) Gärtn. In Wäldern gemein.
Prenanthes purpurea L. In Wäldern zerstreut; am Calvarienberge.
Willemetia stipitata (Jacq.) Beck (Chondrilla stipitata Schulz, Bip., W. apar-
gioides Less.). In feuchten Wiesen und sumpfigen waldigen Plätzen bis auf
die Alpen gemein.
Taraxacum officinale Wigg. «. pratense Neilr. In Wiesen sehr gemein.
Hieracium!) wumbellatum L. Auf waldigen, buschigen Plätzen, in Wiesen und
stellenweise auch in den Saaten häufig. Die f. putata (H. laetaris Aut. pl.,
non Bert.) in feuchten Wiesen im Spätsommer häufig.
H. intybaceum Wulf. Auf steinigen Triften der Alpen, besonders im Höhen-
gürte] von ea. 1800 m zerstreut; am häufigsten an der südlichen Abdachung
des Zinken.
H. vulgatum Fries. In einer von mir im Fase. I meiner Hieracia Seccauensia
exsiec. als MH. pinnatifidum Lönnr. bezeichneten Form an schattigen Wald-
stellen der Kuhhalt häufig. 3
H. nudiceps Celak. pro var. HT. vulgati Fr. In schattigen Wäldern am Fusse
des Calvarienberges. Dem Typus des IT. vulgatum Fr. entsprechen ferner:
!) Vergl. des Verfassers: Die Hieracien der Umgebung von Seckau in ÖOber-Steiermark.
Hieracia Seckauensia exsiccata. Oesterr. botan. Zeitschr., Bd. XLIV (1894), S. 315, 362, 430, 477 #f.;
XLVI (1896), S. 36, 74, 112, 154, 196, 236, 268 ff.
406 G. v. Pernhoffer.
AH. purpurans m. In der Schottergrube nächst dem Stifte und auch an sonniken
steinigen Plätzen an der oberen Grenze der Waldregion des Zinken sehr
häufig.
H. mutabile m. Auf glimmerigen trockenen Sandhügeln nächst dem Stiftsstein-
bruche.
H. simulans m. In Holzschlägen am Fusse des Calvarienberges. Nähert sich im
Habitus sehr dem H. ramosum W. K.
H. silvaticum L. pro var. HA. murorum. Die in allen Wäldern um Seckau ver-
breitetste, dem Typus dieses FHieraeium angehörige Pflanze (]. e., Fase. II,
Nr. 70—72) habe ich in den „Floristischen Notizen“ dem H. sinuosifrons
Almg. zugezählt. An mehr begrenzte Standorte scheinen gebunden zu sein:
H. praecox Schulz, Bip.? (l. e., Fase. II, Nr. 89—84). An trockenen und sonnigen,
etwas buschigen Plätzen am Fusse des Calvarienberges. Ferners die in
Holzschlägen am Wege zum Ainethgute häufige, dem H. subeaesium wmit-
unter nieht unähnliche, im östlichen Alpenzuge verbreitete Pflanze (l. c.,
Fase. II, Nr. 85—90) und die von mir als Arten beschriebenen :
H. Fritschii m. An quelligen, buschigen Orten der Kuhhalt, nächst dem Steige
nach Windischdorf.
H. Zinkenense m. — silvatico X alpinum? An der Grenze der Waldregion des
Zinken, ea. 1700 m; selten.
H. alpinum L. «. genwinum Wimm. In Triften der Hochalpenregion sehr ver-
breitet und häufig. — c) foliosum Wimm. Weniger häufig und haupt-
sächlich nahe und an der Grenze der Waldregion.
H. magyaricum Naeg. et Pet. XI. Bauhini, subspee. Bauhini Naeg. et Pet. = H.
Bauhini Schult. Auf trockenen und grasigen Rainen sehr häufig.
H. magyaricum Naeg. et Pet. XI. Bauhini, subsp. arvorum Naeg. et Pet. Au
kräuterreichen Ackerrainen, minder häufig als die Vorige.
H. magyaricum Naeg. et Pet. VII. Cymanthum Naeg. et Pet., subsp. nova? Nur
auf trocken-sandigem, mit Kohlenpartikelchen durchsetztem Boden an der
Stelle einer vor Jahren bestandenen Köhlerei am Fusse des Calvarien-
berges.
H. glomeratum Fries. An sonnigen, grasigen Abhängen nächst dem Hofanger-
kreuze.
H. glaciale (Lachen.) Reyn. (H. breviscapum Koch). Gemein auf Triften und
steinigen Plätzen der Alpen, von ca. 1650 —2000 m.
H. niphobium Naeg. et Pet. = Auriculo-glaciale (H. angustifolium Tausch).
Mit der Vorigen, aber viel weniger häufig und nicht so hoch reichend.
H. Stohlii m. — Pilosella X glaciale. Auf Triften des Hochalbl und der Lam-
brechtshöhe bei ca. 1700—1900 m sehr selten.
H. Porphyranthes Naeg. et Pet. (H. aurantiacum L. subsp. porphyranthes Naeg.
et Pet.). In Alpenwiesen unterhalb Maria Schnee bei ea. 1600 m. Vereinzelt
auch am Calvarienberge bei ea. 1050 m.
H. collinum Gochn. (H. pratense Tausch). In Wiesen und an grasigen Rainen
sehr häufig.
Pi E rm
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 407
H. floribundum Wimmi. et Grab. In Brachwiesen mit der Vorigen, aber viel
seltener.
H. Auricula Lam. et DC. subsp. Auricula Naeg. et Pet. In Wiesen, Brachen,
an Rainen und uneultivirten Plätzen gemein.
H. Auricula Lam. et DU. subsp. melaneilema Naeg. et Pet. (H. aurieula 8. alpi-
colum Monn.). In Alpentriften von ca. 1600—1700 m häufig; findet sich
auch schon auf sandigen und steinigen Grasplätzen neben dem Aufstiege
zum Calvarienberg; bei ca. 880 m.
H. Auricula Lam. et DC. subsp. Magnaurieula Naeg. et Pet. 2. pilosum. In den
jungen Saaten nächst dem Fusssteige durch die Kuhhalt selten.
H. Auricula Lam. et DU. subsp. Magnum Naeg. et Pet. In nassen Wiesen nächst
dem sogenannten Ablassteiche.
Pilosella L. IV. Latiusculum Naeg. et Pet. An humösen Waldrändern der
Kuhhalt selten.
H. Pilosella L. X. Subeaulescens Naeg. et Pet. An waldigen Orten der Kuhhalt
und am Fusse des Calvarienberges selten.
H. Pilosella L. Xl. Vulgare Naeg. et Pet. subsp. vulgare (H. Pilosella a. vulgare
Tausch). In Wiesen, an grasigen Abhängen und Triften bis in die Alpen-
region sehr gemein.
H. Pilosella L. XI. Vulgare Naeg. et Pet. subsp. angustius (H. Pilosella B. an-
gustifolium Wausch). An grasigen Abhängen längs der Strasse zum
Hammerberg.
H. Pilosella L. XII. Subvirescens Naeg. et Pet. In schattigen Wäldern der Kuh-
halt häufig.
H. auriculiforme Fries subsp. Seckauense m. — Subvirescens X aurieula. An
Waldrändern längs des Fahrweges durch die Kuhhalt sehr "selten.
H. brachiatum Bert., Naeg. et Pet., l.c. VII. Brachiatum Naeg. et Pet. (H. bi-
furcum B. minus Neilr.). An grasigen Rainen und Abhängen häufig. In
mehreren, der jeweilig begleitenden Prlosella-Subspecies in Bezug auf die
Blüthenmerkmale sich nähernden Formen.
HH. leptophyton Naeg. et Pet. (H. brachiatum e. corymbosum Fries, H. bitense
Gren. et Godr.). An gleichen, aber mehr kräuterreiehen Orten wie die
Vorige und seltener.
Orepis paludosa (L.) Mönch. In Sumpfwiesen und sumpfigen waldigen Orten
gemein.
C. aurea (L.) Cass. Auf Alpenwiesen häufig.
©. biennis L. var. runcinata Koch. In fruchtbaren Wiesen sehr gemein.
C. virens L. var. runeinata Bischof. In Wiesen, an Wegen und Rainen stellen-
weise sehr häufig. Eine Form mit nur 15—25 cm hohem, sehr zartem,
wenigköpfigem Stengel, spatelig-lineallanzettlichen, ganzrandigen oder
geschweift gezähnten Wurzel- und lineallanzettlichen, nur an der Basis
gezähnten Stengelblättern (var. dentata Bischoff?) an feuchten, buschigen
Plätzen der Kuhhalt.
Tragopogon orientalis L. In Wiesen sehr gemein.
408 G. v. Pernhoffer.
Leontodon hastilis e. vulgaris Koch (L. hispidus L. @&). Iı Wiesen bis ca. 1300 m
gemein. — P. glabratus Koch (L. hastilis L.). Auf Alpentriften sehr häufig,
selten an steinigen, buschigen Plätzen der Kuhhalt.
L. pyrenaicus Gouan. Auf Alpentriften sehr häufig.
L. autumnalis L. ß. trichocephalus Neilr. (L. pratensis Reichb.). In Wiesen und
an grasigen hainen gemein. — y. monocephalus Neilr. (Hieracium tara-
waci L., Apargia autumnalis d. alpina Gaud.). In Triften des Hochalbl
am Wege nach Maria Schnee bei ca. 1600—1700 m häufig. Ist ausgezeichnet
durch die schwärzlich behaarten, fast zottigen Hüllen und die häufig der
ganzen Länge nach breit randstreifigen Blüthen. Dem in seiner Gesellschaft
wachsenden L. pyrenateus Gouan. mitunter sehr ähnlich, aber durch das
von Neilreich, 1. e., angeführte Merkmal des schmutziggrünen (nicht
gelben) Griffels mindestens im getrockneten Zustande jederzeit leicht zu
unterscheiden.
Hypochaeris uniflora Vill. Auf steinigen Alpentriften, namentlich des Zinken
sehr häufig.
H. radicata L. In Wiesen und an grasigen Rainen gemein.
Cichorium intybus L. Auf wüsten Plätzen selten. An der Stiftsmaner und nächst
dem Hofangerkreuze.
Lapsana communis L. In Wiesen und an buschigen Orten häufig.
Campanulaceae.
Campanula barbata L. In Wiesen bis auf die Alpen gemein; ca. 1500 m.
C. KeBie Jacq. In Triften der Alpenregion häufig.
. glomerata war. farinosa Rochel. In Wiesen sehr häufig.
. trachelium L. (C. urtieifolia Schm., non L.). An buschigen Orten, zerstreut.
. rapunculoides L. In den Saaten, an Rainen und buschigen Orten gemein.
. rotundifolia L. «. tenwifolia Beck (C. tenuifolia Hoffın.). Gemein auf Gras-
plätzen; an sonnigen, trockenen Strassenabhängen oft massenhaft. Ver-
einzelt an Wegrändern bis über 1100 m.
C. rotundifolia L. findet sich weiters noch in drei, dem Habitus
nach ziemlich verschiedenen Formen, welche ich hier nur im Allgemeinen
beschreiben kann, und zwar: 1. Stengel gewöhnlich 14—18 cm, selten
20 cm oder etwas darüber lang, am Grunde öfters niederliegend, sonst
aufrecht, steif, zu unterst spärlich kurzhaarig, sonst kahl, zerstreut-
und wenigblätterig, Blattform wie bei «., ein- bis armblüthig, Kelchzipfel
aufrecht, selten die Länge der halben Kronröhre erreichend, Blumenkrone
meist ziemlich gross und weitglockig, violettblau. Auf trockenen Gras-
plätzen am Hardt; ca. 930 m. Blüht schon Mitte Juni, früher als alle
übrigen Formen, noch vor völligem Heranwuchs der Grasdecke. Eine
sehr ähnliche oder vielleicht übereinstimmende Form sah ich im Herbar
A. Kerner mit der Standortsangabe: Bergwiesen zwischen Trins und
Gschnitz vor Rafeis — 2. Stengel in der Regel noch niedriger als bei der
anane
N
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 409
Vorigen, meist nur 15cm lang, 20 cm nicht erreichend, sehr zart, bogig
aufsteigend, kahl, armblüthig, Blätter abstehend, meist etwas gekrümmt,
Blattsprossenblätter verhältnissmässig gross, breit herzeiförmig, wenig
gekerbt, Kelchgipfel aufrecht, sehr kurz, höchstens 1!/;mal so lang als die
Kelchröhre, die Mitte der Kronröhre nicht erreichend, Blumenkronen klein,
trichterförmig glockig, violett; eine sehr zierliche Pflanze. An Baumwurzeln
und in derem Umkreise beim Aufstiege zum Wildhubergute, ca. 920 m.
— 3. Stengel gewöhnlich 20cm, auch bis über 30 cm hoch, aufsteigend,
schlaff, unten feinflaumig, sonst kahl, reichblättrig, die untersten Blätter
lanzettlich bis elliptisch-lanzettlich, bis 7 mm breit, langgestielt, schwach
gekerbt-gesägt, die obersten lineal, alle weit abstehend oder zurückge-
schlagen, gekrümmt. Blätter der Blattsprossen herz-nierenförmig, deutlich
kerbig-gesägt, langgestielt. Blüthenstand meist reichblüthig, locker und
schlaff, die Blüthenstiele zuweilen weit bogig abstehend, Kelchzipfel
pfriemlich-borstig, zurückgeschlagen, 3—3!/;mal so lang als die Kelch-
röhre, !/;—?/; so lang als die Kronröhre. Blumenkrone trichterförmig-
glockig, klein, violett. In einer Waldparcelle in der Graden an sonnigen,
mit Fichtennadeln bedeckten, lockeren humösen Stellen; eine sehr nahe-
stehende Form an ähnlichen Orten in der Kuhhalt. Ob diese Pflanze,
welche vielleicht mit einer im Herbar A. Kerner enthaltenen und im
Hintergrunde des Voldererthales bei Innsbruck gesammelten Form identisch
ist, zu ©. Hostii Baumg. (nach Beck, 1. c., = (. consanguinea Sch., N. K.)
oder, wie ich aus Beck’s Beschreibung seiner C. praesignis, 1. e., schliessen
möchte, zu letzterer Art gehört, möchte ich ohne Vergleich mit den ent-
sprechenden Original-Exemplaren nicht entscheiden.
Die von Schott. (Anal., p. 9) am Zinken angegebene (C. styriaca
Sch., N.K., nach Beck, 1. c.,, = (©. Scheuchzeri Vill. a) typica, ist, sowie
überhaupt Ü. Scheuchzeri Vill., meiner Beobachtung entgangen; mindestens
besitze ich davon keine Type.
©. persicifolia L. «. levicaulis Beck. An Waldrändern häufig.
CO. patula L. In Wiesen sehr gemein.
Phyteuma spicatum L. In Wäldern nicht gemein.
Ph. betonicaefolium Vill. (Ph. Michelüi Bert. a) betonicaefolium Koch). In Wiesen
des oberen Seckauerbodens, ca. 900—950 m, sehr häufig.
Ph. confusum A. Kern. (Ph. hemisphaericum ß. latifolium Heuff.). In Alpentriften
gemein.
Ph. pauciflorum L. In Alpentriften des Zinken bei ca. 2200 m häufig.
Bicornes.
Erica carnea L. In der näheren Umgebung von Seckau erst im Walde um das
Kirchlein am Schachenhügel und beim Bregetergute unter dem Hochalbl
(Stehle). Wird erst gegen den Ausgang des Seckauerthales bei Wasser-
leit u. s. w. häufig.
Z.B. Ges. Bd. XLVI. 55
410 G. v. Pernhoffer.
Calluna vulgaris (L.) Salisb. @. glabra Neilr. (C. erica DC.). In trockenen Wiesen,
auf buschigen Plätzen und an Waldrändern sehr gemein.
Vaceinium myrtillus L. In Wäldern sehr gemein.
V. vitis idaea L. An buschigen Orten, in Wäldern u. s. w. gemein.
Oxycoccus quadripetala Gilib. (O. palustris Pers., V. oxycoccos L.). In moosigen
Wiesen nächst dem Teiche beim Aichgute, gegen den Calvarienberg.
Arctostaphylos uva ursi (L.) Spr. An steinigen Waldrändern des Hochalbl (Stehle).
A. alpina (L.) Spr. In Alpenmatten nächst der sogenannten Goldlacke unter
dem Hammerkogel.
Andromeda polifolia L. In Mooswiesen nächst dem letzten Teiche am Fusse
des Calvarienberges (Stiftsherbar).
Azalea procumbens L. (Loiseleuria procumbens Desv.). In Alpentriften gemein.
Rhododendron ferrugineum L. An steinigen, felsigen Stellen der Alpen von
ca. 1400 m an stellenweise häufig. Eine Gruppe von 6—8 Sträuchern aber
auch schon am Waldrande des Calvarienberges bei ca. 900 m, gegenüber
dem Sekulawirthe; alljährlich zur Blüthe gelangend.
Pirola rotundifolia L. In schattigen Wäldern nicht gemein.
P. minor L. An-Waldrändern, am Wege zum Ainethgute selten.
P. secunda L. In Wäldern am Calvarienberge häufig.
P. uniflora L. In Wäldern am Calvarienberge sehr häufig.
Monotropa hypopitys L. Im grossen Köhlergraben (Stiftsherbar).
Oleaceae.
Fraxinus excelsior L. An Bächen, Wiesen- und Strassenrändern häufig. Belaubt
sich hier erst Ende Mai.
Ligustrum vulgare L. Im Stiftsgarten gepflanzt.
Syringa vulgaris L. Hie und da in Gärten ceultivirt. Die Blüthezeit
beginnt erst Ende Mai oder Anfangs Juni.
Apocyneae.
Vinca minor L. Im Stiftsgarten, vermuthlich ursprünglich gepflanzt.
Gentianaceae.
Gentiana punctata L. An kräuterreichen und steinigen Orten der Alpen nicht
gemein.
G. acaulis L. (G. exeisa Presl). In Wiesen (und auch an waldigen Stellen der
Kuhhalt) vom Thale bis auf die Alpen gemein.
@G. frigida Hänke. In Alpentriften vom Zinken bis zum Hochalbl verbreitet;
am häufigsten jedoch an Ersterem von ca. 2000 m aufwärts, insbesonders
an dessen Abhängen gegen den Weinmasterboden.
. pneumonanthe L. In nassen Wiesen der Ochsenhalt sehr selten (Stehle).
. asclepiadea L. In Holzschlägen am Alblberge selten (Stehle).
@G. nivalis L. In Alpentriften sehr häufig.
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Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 4] 1
@. verna L. In Wiesen bis auf die Alpen gemein.
@. stiriaca Wettst. In Wiesen und an buschigen Orten bis ca. 1200 m sehr gemein.
Oentaurium umbellatum Gilib. (Erythraea centaurium [L.] Pers.). An buschigen
Orten des Calvarienberges und im Sonnenwendwald ober Windischdorf.
Menyanthes trifoliata L. In sumpfigen Wiesen am Fusse des Calvarienberges
stellenweise sehr häufig.
Convolvulaceae.
Convolvulus arvensis L. In Brachen, Wiesen u. s. w. zerstreut.
Volvulus sepium (L.) Med. (Calystegia sepium Br.). Im Stiftsgarten
gelegentlich der Anpflanzung von Ligustrum vulgare L. einge-
schleppt (Stehle). Iım Murthale gemein.
Cusceuta europaea L. In Hecken sehr gemein.
Borragineae.
Borrago officinalis L. In Gärten hie und da gebaut und daselbst auch an wüsten
Plätzen verwildert.
Symphytum offieinale L. In feuchten oder sumpfigen Wiesen und Gräben sehr
häufig.
5. tuberosum L. In Wäldern des Calvarienberges häufig.
Anchusa offieinalis L. In Wiesen, an wüsten Plätzen und in den Saaten sehr
häufig; scheint in letzteren öfters schon im ersten Jahre zur Blüthe zu
gelangen.
Pulmonaria stiriaca A. Kern. (P. sacharata Koch p. p., non Mill.). In Holz-
schlägen, an Waldrändern, auch an feuchten und felsigen Orten sehr häufig.
Im Steinmüllnergraben, am Alblberge u. s. w.
Echium vulgare L. An wüsten steinigen Orten und in schlechten Wiesen sehr
zerstreut.
Lithospermum arvense L. In den Saaten und auf Brachen zerstreut.
Myosotis palustris (L.) Roth (M. palustris «. grandiflora Neilr. p. p.). In
feuchten Wiesen, an quelligen Orten u. s. w. gemein.
M. strigulosa Reichb. (M. palustris a. grandiflora Neilr. p. p.). An ähnlichen
Plätzen wie die Vorige, aber seltener.
M. alpestris Schm. (M. silvatica PB. alpestris Koch). In Alpenmatten nicht selten.
M. silvatica Hoffm. In Wäldern sehr häufig.
M. arvensis (L.) Roth (M. intermedia Link). In Wiesen, Brachen und in den
Saaten sehr gemein.
M. sparsiflora Mik. An feuchten sandigen Plätzen nächst dem Stifte und am
Wege nach Neuhofen selten.
Solanaceae.
Hyoscyamus niger L. y. biennis Neilr. Auf Schutt und wüsten Plätzen nicht
selten.
412 G. v. Pernhoffer.
Atropa belladonna L. In Holzschlägen, an waldigen Orten stellenweise häufig.
Solanum dulcamara L. An feuchten buschigen Orten und Mauern sehr zerstreut.
S. nigrum L. An wüsten Plätzen und an Häusern selten. In Windischdorf.
S. tuberosum L. wird in mehreren Sorten eultivirt.
Personatae.
Verbascum thapsus L. An wüsten steinigen Plätzen sehr zerstreut. !)
V. nigrum L. An Waldrändern längs der Strasse über den Hammerberg.
V. lanatum Schr. An buschigen Orten und Waldrändern bis ca. 1300) m sehr
zerstreut; blüht früher als V. nigrum L.
V. austriacum Schott. (V. orientale Neilr., non M.a. B.). Auf steinigen, grasigen
Plätzen sehr zerstreut.
Scrophularia vernalis L An Mauern und wüsten Plätzen nächst dem Stifte selten.
S. nodosa L. An feuchten waldigen Orten, Zäunen und Bächen gemein.
Digitalis ambigua Murr. var. acutiloba Neilr. (D. grandiflora Lam.). In Holz-
schlägen und an buschigen Orten, zerstreut.
Linaria vulgaris Mill. An uneultivirten, steinigen Plätzen, sehr zerstreut.
Veronica officinalis L. In Wäldern sehr gemein.
V. chamaedrys L. In Wiesen, an lichten Waldstellen bis auf die Alpen häufig.
V. scutellata L. An Teichrändern, selten (Stehle).
V. aphylla L. Auf felsigen steinigen Plätzen der Alpenregion, am Zinken.
V. beccabunga L. An nassen, quelligen Orten häufig. Die var. limosa Beck (V.
limosa Lej.) am Wege nach Neuhofen.
V. bellidioides L. In Alpenmatten häufig.
V. alpina L. An quelligen Orten der Alpenregion häufig.
V. serpyllifolia L. In Gräben und feuchten Wiesen bis ca. 1400 m sehr häufig;
auf der Lambrechtsalm dem Anscheine nach die var. tenella Beck, var.
alpestris Bamb. (V. tenella All.).
V. fruticans Jaeg. (V. saxatilis Scop., V. frutieulosa L. a. azurea Neilr.). An
steinig-grasigen Plätzen der Alpen häufig.
V. arvensis L. In den Saaten sehr selten.
V. persica Poir. (V. Tournefortü Gm.; non Villars, V. Buxbaumiü Ten.). In
Aeckern, an cultivirten Orten und grasigen Rainen häufig.
V. hederaefolia L. An wüsten Plätzen im Stiftsgarten (Stehle).
Bartsia alpina L. In Alpenmatten häufig.
Odontites odontites (L.) Wettst. (Huphrasia odontites L, O. serotina Reichb.).
In feuchten Wiesen und an sumpfigen Wegen gemein.
Euphrasia Rostkoviana Hayne (E. offieinalis «. pratensis Koch). In Wiesen
und auf Grasplätzen sehr gemein. Eine nur 1—3 cm hohe Zwergform mit
oft einfachem Stengel (var. ß. minuta Beck?) an grasigen Plätzen neben
ı) Die hie und da auf Grasplätzen an Häusern vorkommenden Pflanzen mit dünnerer Filz-
bekleidung, dunkler grünen und kürzer herablaufenden Blättern dürften einer Form putata angehören.
N A
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 413
dem Wege nach Maria Schnee, bei ca. 1600 m; in Gesellschaft von E. mi-
nima Jacg.
E. stricta Host (E. offieinalis y. nemorosa Koch, non Persoon). An trockenen
grasigen Strassenabhängen gegen den Hammerberg und Steinmüllner häufig.
Die Blüthen sind gewöhnlich schwach violett überlaufen. Scheint etwas
später als die Vorige zur Blüthe zu gelangen und in manchen Jahren
seltener zu sein.
E. minima Jacqg. (E. officinalis d. minima DC.). An grasig-steinigen Plätzen
der Alpen von ca. 1600 m an sehr häufig.
E. salisburgensis Funk (E. officinalis y. salisburgensis Schleich.) 3. alpicola Beck.
An grasig-steinigen Plätzen am Hochalbl unterhalb Maria Schnee, bei ca.
1600—1700 m mit E. minima Jaeg. und E. Rostkoviana $. minuta Beck
häufig. Von der var. a) typica Beck ist mir kein Standort um Seckau
bekannt.
Alectorolophus lanceolatus (Neilr.) Sterneck (Rhinanthus alpinus B. lanceolatus
Neilr., Rh. aristatus Celak.). In Wiesen und Alpenmatten sehr häufig. Im
Steinmüllnergraben; beim Kühbergergute, am Rücken und auch schon am
Fusse des Calvarienberges bei ca. 860 m. Hier zumeist die var. subalpina
Sterneck.
4A. angustifolius (Gmel.) Heynh. (Rh. alpinus «. angustifolius Neilr.); nach
Sterneck die Herbstform der Vorigen; der um diese Zeit gemähten Wiesen
halber viel seltener und mehr an grasig-steinigen Orten. Am Alblberge
bei ea. 1300 m (Stehle). Im Glein- und Stubalpenzuge sehr gemein.
A. Alectorolophus (Scop.) Sterneck (Rh. erista Galli y. hirsutus Döll.; Neil-
reich, l.c.; Rh. hirsuta Lam.). In den Saaten, auf trockenen und feuchten
Wiesen und an buschigen Stellen höchst gemein.
A. minor (Ehrd.) Wimm. et Grab. (Rh. crista Galli «. minor Neilr.). In Wiesen
sehr gemein.
A. stenophyllus (Schur) Sterneck (Rh. minor y. angustifolius Koch). In feuchten
Wiesen und auf grasigen waldigen Plätzen der Kuhhalt. Blüht später als
die vorige Art.
Pedicularis palustris L. In sumpfigen Wiesen gemein.
P. asplenifolia Floerke. In Triften der Hochalpenregion zerstreut.
P. Oederi Vahl (P. versicolor Wahlbg. et Auct. pl.; non Fl. suec.). In feuchten
Alpentriften des Zinken selten.
P. verticillata L. In Alpentriften sehr gemein.
Melampyrum pratense L. In Wiesen und lichten Wäldern gemein.
M. silvaticum L. In Wäldern und an buschigen Orten gemein.
Orobancheae.
Orobanche gracilis Sm. (O. eruenta Bert.). In feuchten Wiesen und an buschigen
Orten sehr häufig. Auf Genista tinctoria und sagittalis L. und Cytisus
supinus L.
Lathraea squamaria L. In Wäldern bis ca. 1100 m sehr zerstreut.
414 G. v. Pernhoffer.
Labiatae.
Ajuga reptans L. An Waldrändern u. s. w. sehr gemein.
A. pyramidalis L. Auf grasig-steinigen, etwas feuchten Plätzen und in Alpen-
matten von ca. 1500 m an gemein. Vereinzelt auch schon am Fusse des
Calvarienberges bei ca. 900 m (Stehle).
A. genevensis L. In Holzschlägen und an Waldrändern häufig. Der Stengel der
hiesigen Pflanze (var. «. elatior Beck) ist höchstens im obersten Abschnitte
zottig behaart, sonst nur +4 zerstreut oder zweizeilig behaart. Eine nur
2—3 cm hohe Zwergform an sandigen Plätzen am Fusse des Calvarienberges.
Salvia glutinosa L. An Waldrändern im Steinmüllnergraben.
S. pratensis L. In Wiesen nicht gemein.
5. verticillata L. In Brachen und an Rainen häufig.
Scutellaria galericulata L. In sumpfigen Gräben, insbesonders in der Kuhhalt
stellenweise sehr häufig.
Brunella grandiflora (L.) Jacg. (B. vulgaris ß. grandiflora L.). An Waldrändern
und trockenen Grasplätzen häufig.
B. vulgaris L. In Wiesen, an waldigen und buschigen Orten gemein.
Melittis melissophyllum L. An felsigen Orten im Steinmüllnergraben (Stehle).
Origanum vulgare L. Am Calvarienberge (Stehle).
Lamium album L. An wüsten Plätzen, Zäunen und in Gräben sehr gemein;
auch an steinigen, buschigen Orten längs der Alpenbäche bis ca. 1400 m.
L. maculatum L. In Grasplätzen am Beginne des Steinmüllnergrabens, selten,
L. purpureum L. An wüsten und eultivirten Orten gemein.
. amplexicaule L. An wüsten Plätzen im Stiftsgarten.
. galeobdolon (L.) Cr. &. montanum Kab., Beck, ]. ec. (Galeobdolon vulgare
ß. montanum Pers.). In feuchten schattigen Wäldern und Gebüschen
stellenweise sehr häufig.
Galeopsis pubescens Bess. Auf Grasplätzen im Dorfe Neuhofen und am Schlusse
des Hammergrabens selten.
@G. speciosa Mill. (@. versieolor Curt). In den Saaten, in Holzschlägen und
Wäldern sehr gemein.
@. tetrahit L. Mit der Vorigen sehr gemein. Die Blumen sind in der Regel
weiss, ausnahmsweise röthlich oder lila gefleckt.
‘. bifida Bönningh. (@. tetrahit subsp. bifida Briq.). In Holzschlägen, Wäldern
und an wüsten Plätzen häufig; geht bis ca. 1500 m aufwärts.
7. Pernhofferi Wettst. — @. bifida B. x speciosa Mill. In einem alten Holz-
schlage am Fusse des Calvarienberges sehr häufig. Findet sich auch im
Ingeringgraben.
G. Ladanum L. (G. intermedia Vill.). Am Eingange in den Steinmüllnergraben
(Stehle); in der Schottergrube nächst dem Stifte.
Betonica offieinalis L. ex parte!) (Stachys betonica Benth.). In Wiesen der
Ochsenhalt und am Fusse des Calvarienberges selten.
Si
Q
fo
') Siehe A. Kerner, Sched. ad Fl. exsicc. Austro-Hung., Nr. 937 und 933 (1853).
ee
. . NL =
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 415
Stachys alpina T,. In Wäldern des Calvarienberges selten.
S. silvatica L. An feuchten und buschigen Orten der Kuh- und Ochsenhalt selten.
S. palustris L. In feuchten Aeckern häufig.
Leonurus eardiaca L. An wüsten Orten längs der Stiftsmauer und im Garten
des Kaufmannes Kappel sehr selten.
Nepeta cataria L. Im Stiftsgarten (Stehle), vermuthlich ursprünglich gepflanzt;
ausserhalb desselben, hinter der Längsfront des Stiftsgartens, verwildert.
Glechoma hederacea L. (Nepeta glechoma Benth.). An grasigen Rainen und
buschigen Orten sehr häufig.
COlinopodium vulgare L. (Calamintha elinopodium Benth.). An steinigen, buschigen
Orten gemein. '
Thymus chamaedrys Fries. Auf Grasplätzen und auch an trockenen, sandigen
Orten sehr gemein, bis ca. 1600 m.
Mentha candicans Cr. (M. serrulata Opiz p. p.; M. silvestris L. p. p.). An nassen,
kräuterreichen Plätzen am Fusse des Calvarienberges.
M. veronicaeformis Opiz (M. silvestris L. p. p.). In Gräben und an quelligen
Orten gemein.
M. Grazensis H. Br, (M. Speckmoseriana Opiz, M. verticillata L. p. p.). An
quelligen Orten im Dorfe Neuhofen häufig.
M. lanceolata Becker, pro var. M. arvensis L. (M. austriaca Jacq. p. p.). An
quelligen waldigen Orten selten. Die var. sublanata H. Br. in Aeckern am
Fusse des Calvarienberges selten.
M. fontana Weihe (M. austriaca Jacq. p. p., M. arvensis L. P. cumeifolia Le).
et Coult.). In den Saaten höchst gemein.
M. pulchella Host (M. austriaca Jacg. p. p.). In Gräben nächst dem sogenannten
Ablassteiche sehr selten.
M. diversifolia Dumort. (M. arvensis L. p. p.). An feuchten Orten am Abhange
des Calvarienberges, in der Kuh- und Ochsenhalt sehr häufig.
M. resinosa Opiz (M. rubra Sm. p. p.). Am Gartenzaune des Bivoldgutes.
Lycopus europaeus L. An nassen buschigen Orten und in Gräben zerstreut.
Lentibularieae.
Utrieularia vulgaris L. In den Teichen am Fusse des Calvarienberges häufig.
Pinguicula vulgaris L. In nassen Wiesen und moorigen Plätzen bis auf die
Alpen häufig.
P. alpina L. An quelligen Orten der Alpenregion häufig.
Primulaceae.
Lysimachia vulgaris L. In sumpfigen Wäldern gemein. Stellenweise auch am
Rande der Saaten.
L. nummularia L. Im Stiftsgarten.
Anagallis arvensis L. (A. phoenicea Scop.). In Aeckern gemein.
Cyclamen europaeum 1. In Gehölzen unterhalb dem Stifte selten.
416 G. v. Pernhoffer.
Soldanella pusilla Baumgt. Im Alpentriften sehr häufig.
Primula elatior (L.) Jaecg. In Wiesen und an Waldrändern häufig.
P. offieinalis (L.) Scop. An ähnlichen Orten wie die Vorige, aber nicht
so häufig.
P. farinosa L. In nassen Wiesen unterhalb des Stiftes (Stehle).
P. rillosa Jaeg. In steinigen Triften des Zinken, ca. 1700—1900 m, sehr häufig.
Im Ingeringgraben unweit vom Ingering-See schon bei ca. 1200 m
(Stehle).
P. glutinosa Wulf. An felsigen Plätzen der Hochgipfel nicht gemein.
P. minima L. In der Alpenregion sehr verbreitet und häufig.
Androsace obtusifolia All. In Alpenmatten. Zinken, Hammerkogel (Stehle).
Plumbagineae.
Armeria alpina Willd. In Alpentriften des Zinken häufig.
Plantagineae.
Plantago lanceolata L. In Wiesen, an Wegen u.s. w. sehr gemein. Die var.
capitellata Schultz (P. sphaerostachya Wimm. et Grab.) an wüsten Plätzen
vor dem Stifte.
P. media L. In Wiesen u. s. w. sehr gemein.
P. major L. In Wiesen und auf wüsten Plätzen gemein.
Amarantaceae.
Polyenemum arvense L. «. minus Neilr. In der Schottergrube nächst dem Stifte
sehr selten.
Chenopodiaceae.
Chenopodium bonus Henricus L. Auf wüsten Plätzen bis zu den Alpenhütten
sehr gemein.
Ch. album L. Auf wüstem Boden und auch in den Saaten gemein.
Ch. polyspermum L. Sowohl die var. spicatum Moqu. (Ch. acutifolium Sm.), als
auch die var. ß. obtusifolium Beck auf Düngerhaufen, zerstreut.
Atriplex patula L. Auf wüstem Boden, an Häusern, sehr zerstreut.
Polygonaceae.
Rumex crispus L. In feuchten Wiesen und Gräben sehr gemein.
R. alpinus L. In der Umgebung der Almhütten gemein.
R. silvestris Wallr. (R. obtusifolius L. var. sylvestris Fries). In Wiesen und an
wüsten Plätzen sehr gemein.
R. conglomeratus Murr. An feuchten Plätzen gemein.
R. acetosa L. In Wiesen gemein.
R. acetosella L. In Wiesen und auch in den Saaten stellenweise häufig.
Oxyria digyna 1. In Triften des Hochalbl sehr selten (Stehle).
. . Ri 7
Verzeichniss der nm Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 41 Ä
Polygonum dumetorum L. An buschigen Orten unterhalb des Stiftes häufig.
P. convolvulus L. Auf Aeckern und an Rainen häufig.
P. bistorta L. In nassen Wiesen bis auf die Alpen sehr häufig.
P. viviparum L. In Alpenmatten sehr häufig. In der Thalregion nur auf Wiesen-
plätzen nächst dem Hofangerkreuze, an der Strasse nach Knittelfeld; bei
ca. 820 m.
P. tomentosum Schrank (P. lapathifolium L. «. tomentosum Beck). In den
Saaten gemein.
P. lapathifolium L. «. angustifolium Neilr. Auf Aeckern und wüsten Plätzen
nicht selten.
P. mite Schrk. (P. Persicaria L. ß. laxiflorum Neilr.). An feuchten Orten häufig.
P. minus Huds. (P. Persicaria L. y. angustifolium Neilr.). Ebenso.
P. aviculare L. 8. vulgatum Beck. An wüsten Stellen, Wegen und in Brachen
gemein. In den Saaten hie und da die var. erectum Roth.
Thymeleae.
Daphne mezereum L. In Wäldern des Calvarienberges, nicht gemein.
Santalaceae.
Thesium alpinum L. In Grasplätzen und an Waldrändern bis in die Alpenregion
häufig.
Aristolochieae.
Asarum europaeum L. Im schattigen feuchten Wäldern der Kuhhalt (Stifts-
herbar).
Euphorbiaceae.
Mereurialis perennis L. In Wäldern des Calvarienberges selten (Stehle).
Euphorbia helioscopia L. In den Saaten und auf Brachen häufig.
E. eyparissias L. An grasigen Rainen häufig.
Urticaceae.
Urtica dioica L. Auf wüsten Plätzen höchst gemein.
U. urens L. Ebenso.
Cannabineae.
Humulus bupulus L. An Hecken nicht gemein.
Ulmaceae.
Ulmus campestris L. (U. montana Sm.).‘) Am Wege zum Steinmüllner, ober dem
Schwaigergute (Stehle); auch im Ingeringgraben nächst dem Jagdhanse.
Ueberall nur vereinzelt.
!) Siehe A. Kerner in Sched. ad Fl. exsice. Austro-Hung., Nr. 264 (1881).
Z.B. Ges. Bd. XLVI. 56
418 @G. v. Pernhoffer,
Cupuliferae.
Fagus sylvatica L. In geschlossenen Waldbeständen erst an der südlichen Ab-
dachung des Calvarienberges gegen den Hammergraben; ausgewachsene,
alte Bäume zerstreut am Kamme und Gipfel des Calvarienberges; ca. 1100
bis 1200 m, sonst nur als Buschwerk an dessem Fusse stellenweise. Fehlt
im Alpenzuge gänzlich.
(uercus pedunculata Ehrd. (Qu. robur L. p. p.). Bildet keine grösseren Bestände
und findet sich meist nur vereinzelt an Waldrändern.
Corylus avellana L. In Hecken sehr gemein.
Salicineae.
Populus tremula L. An Wiesenabhängen, buschigen Orten und Waldrändern sehr
zerstreut und meist nur als Buschwerk.
P. pyramidalis Rozier (P. nigra L. B. pyramidalis Beck). Am Stifts-
platze um die Mariensäule angepflanzt.
Salix alba L. An feuchten Stellen sehr zerstreut. Am Fusse des Calvarienberges.
S. fragilis L. y. angustifolia A. Kern. An Zännen u. s. w. nicht selten.
S. triandra L. (5. amygdalina T.. var. concolor Koch). Mit der Vorigen, aber
häufiger.
S. purpurea L. ß. helix L. (S. helix L.). Am Fusse des Calvarienberges.
S. caprea L. An Hecken und in Wäldern gemein.
S. aurita IL. An Waldrändern, Wiesenhecken u. s. w. sehr gemein.
S. einerea L. An Hecken, Bach- und Waldrändern bis ca. 1300 m sehr häufig.
S. rosmarinifolia L. (S. repens 2. rosmarinifolia Koch, A. Kerner, Nieder-
österr. Weiden [1860]), a) latifolia (8. repens L. ß. latifolia Neilr.). In
nassen Wiesen gegen Neuhofen und rechts von der Strasse gegen den
Hammerberg, stellenweise häufig. — b) angustifolia (5. repens L. a. an-
gustifolia Neilr., S. angustifolia und rosmarinifolia Wulf.) An moorigen
Plätzen der Ochsenhalt selten.
.nigricans Sm. «. leiocarpa Neilr. In sumpfigen Wiesen am Fusse des Cal-
varienberges stellenweise häufig.
. retusa L. In der Hochalpenregion verbreitet.
10
es)
Betulineae.
Alnus incana (L.) DC. (Betula alnus ß. incana L.). An Bächen und feuchten
Orten gemein.
A. glutinosa (L.) Gärtn. (Betula alnus «. glutinosa L.). Ebenso.
A. viridis (Vill.) DC. var. genwina Regel. In sumpfigen Wiesen sehr häufig.
Betula alba L. Scheint hier vorwaltend durch die var. verrucosa Beck (B. verru-
cosa Ehrd.) vertreten zu sein und ist sehr häufig; doch sind alte Bäume selten.
B. pubescens Ehrd. (B. alba ß. ovata Neilr. p. p.). An moorigen, waldigen Orten
der Kuhhalt und am Rande des Sumpfes neben dem Wege auf den Cal-
varienberg; ca. 900 m.
Pe
u A
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 419
Coniferae.
Abies alba Mill. (Pinus Picea L., A. pectinata DC.). Nur am Calvarienberge,
und zwar in einem Mischwalde mit der Folgenden.
Picea excelsa (Lam.) Link (Pinus abies L., Abies excelsa Poir.). Bildet bis
ea. 1600— 1700 m ausgedehnte Wälder.
Larix Larix (L.) A. Kern. et Wettst. (Pinus larix L., L. europaea DC.). In
Fichtenwäldern häufig.
Pinus Cembra L. In der Alpenregion des Zinken sehr zerstreut und selten.
P. silvestris L. Meist nur einzeln am Rande von Fichtenwäldern.
Pinus mughus Scop. Auf den Alpen, von ca. 1600—1850 m nicht gemein und
keine geschlossenen grösseren Bestände bildend.
Juniperus communis L. In Wäldern u. s. w. zerstreut.
J. nana Willd. (J. sibirica Burgsd.). Auf den Alpen bei ca. 15V0—1700 m häufig.
J. Sabina L. In Bauerngärten hie und da gepflanzt und in deren Nähe auch
verwildert.
Monocotyledoneae.
Juncagineae.
Trigloehin palustre L. An sumpfigen Orten am Fusse des Calvarienberges.
Potamogetoneae.
Potamogeton natans L. a) homophyllus Neilr. In Teichen sehr häufig.
P. alpinus Balb. (P. rufescens Schrad.). Ebenso.
Orchideae.
Oorallorrhiza innata R. Br. (Ophrys corallorrhiza L.). In schattigen Wäldern
sehr zerstreut und selten. Beim sogenannten Kaltenbrunn bei ca. 1100 m.
Malaxis monophyllos (L.) Sw. (Microstylis monophylla Lindl.). In dem Sumpfe
beim Aufstiege zum Calvarienberg, ca. 900 m.
Epipactis viridans Crantz (E. latifolia All. a. major Neilr.). An buschigen Orten
sehr zerstreut.
Neottia nidus avis (L.) L. ©. Rich. In Wäldern selten. Ober der Kuhhalt.
Listera ovata (L.) R. Br. In feuchten Wiesen häufig.
Spiranthes spiralis (L.) ©. Koch (Sp. autumnalis Rich.). In Wiesen nächst der
Schüstelhube (Stiftsherbar).
Orchis ustulata L. In Wiesen des Calvarienberges; bei Kobenz (Stiftsherbar).
O. morio L. In Wiesen sehr zerstreut und selten.
O. latifolia L. (0. latifolia Crantz a. majalis Neilr., ©. majalis Reichb.). In
nassen Wiesen bis ca. 1400.m sehr gemein.
OÖ. maculata 1. In nassen Wiesen häufig.
Nigritella nigra (L.) Reichb. (N. angustifolia L. C. Rieh.). In Alpenwiesen gemein.
Gymnadenia conopea (L.) R. Br. In Wiesen bis 1400 m häufig.
56*
420 G. v. Pernhoffer.
@. albida (L.) L. C. Rich. (Habenaria albida R. Br.). In Wiesen am Calvarien-
berge bei ca. erletl m und auf allen Alpen.
Platanthera bifolia (L.) L. C. Rich. In Wiesen und Wäldern gemein.
Coeloglossum viride (L.) Hartm. (Habenaria viridis R. Br.). In feuchten Wiesen
zerstreut; findet sich am Zinken noch bei ca. 2000 m.
Herminium Monorchis (L.) R. Br. In Wiesen am Fusse des Calvarienberges
stellenweise häufig.
Irideae.
Iris sibirica L. In feuchten Wiesen am Fusse des Calvarienberges selten.
Crveus albiflorus Kit. in Schult. (CO. vernus var. parviflorus Gay). In Wiesen‘
am Fusse des Calvarienberges und im Steinmüllnergraben (Stehle). Findet
sich hier auch mit violettstreifigen Blüthen.
Amaryllideae.
Leucojum vernum L. In nassen Wiesen unterhalb des Stiftes (Stehle).
Asparageae.
Streptopus amplexifolius (L.) DC. (St. distortus Michaux). In schattigen Ge-
hölzen unterhalb dem Stifte.
Polygonatum verticillatum (L.) All. An buschigen Orten und in Wiesen im
Steinmüllnergraben.
P. offieinale All. (Convallaria polygonatum L.). An steinigen, buschigen Orten,
sehr zerstreut.
Convallaria majalis L. In schattigen Wäldern sehr zerstreut.
Majanthemum bifolium (L.) DC. (M. convallaria Web. ap. Wigg). In Wäldern
sehr gemein.
Paris quadrifolia L. In Wäldern häufig.
Liliaceae.
Lilium bulbiferum L. An steinigen, buschigen Rainen nicht selten. In den
Saaten stellenweise ein sehr lästiges Unkraut.
L. martagon L. An buschigen Plätzen unterhalb des Stiftes selten.
Lloydia serotina (L.) Salisb. In der Hochalpenregion des Zinken und Haınmer-
kogels bei ca. 2100—2200 m.
Muscari racemosum (L.) DC. In Wiesen des Stiftsgartens (Stehle).
Allium carinatum L. An steinigen und buschigen Plätzen sehr zerstreut. Beim
Ainethkreuze, am Wege zum Steinmüllner, beim Kuhbergergute (ca. 1100 m).
Colchicaceae.
Colchieum autummale L. In Wiesen sehr häufig.
Veratrum album L. In nassen Wiesen bis auf die Alpen häufig.
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 421
Tofieldya ealiculata (L.) Wahlbg. @. major Neilr. (T. collina Schult.). In nassen
Wiesen stellenweise häufig. — 3. minor Neilr. (T. glacialis Gaud.). Iu
Alpenmatten häufig.
Juncaceae.
Juncus conglomeratus L. (J. communis E. Meyer «. conglomeratus). In nassen
Wiesen sehr häufig.
J. effusus L. (J. communis E. Meyer 3. effusus). Ebenso.
J. filiformis L. In nassen Wiesen unterhalb des Stiftes.
J. articulatus L. (J. lamprocarpus Ehrd.). An Teichrändern und feuchten Orten
sehr gemein.
J. triglumis L. In Triften der Hochalpenregion selten. Auf der Lambrechtshöhe
(Stehle).
J. trifidus L. (J. trifidus «@. vaginatus Neilr.). An sumpfigen Orten der Hoch-
alpenregion bei der sogenannten Goldlacke, ca. 2000 m, häufig.
J. bufonius L. An feuchten Orten höchst gemein.
Luzula albida DC. (L. angustifolia [Wulf.] Garcke). In Wäldern gemein.
L. spadicea (All.) DC. Im Alpentriften häufig.
L. pilosa (L.) Willd. (L. vernalis DC.). In Wiesen und an Waldrändern häufig.
L. erecta (P.) Desv. (L. multiflora [Hoffin.] Lej., L. campestris [L.] DC. var.
“ _nemorosa E. Meyer). In feuchten Wiesen und liebten Wäldern häufig.
L. campestris (L.) DC. In Wiesen u. s. w. mit der Vorigen, aber weniger häufig.
Die var. congesta Desv. in Alpentriften selten.
L. spicata DC. In Triften der Hochalpenregion, am Kumpitzstein, ca. 1900 m
(Stehle).
Aroideae (Araceae Engler).
Calla palustris L. An sumpfigen Orten des bewaldeten Abhanges hinter dem
Rinstlergute; gegen den Gradenbach (Stehle).
Lemnaceae.
Lemna minor L. In Teiehen und Sümpfen gemein.
Typhaceae.
Sparganium erectum L. (Sp. ramosum Huds.). An Teiebrändern und sumpfigen
Orten häufig.
Cyperaceae.
Ithynchospora alba (L.) Vahl. In moorigen Wiesen am Fusse des Calvarien-
berges häufig.
Eriophorum polystachyum L. (E. angustifolium Roth). In sumpfigen Wiesen
häufig.
FE. latifolium Hoppe (E. polystachium L. ß.). Ebenso.
Trichophorum alpinum (L.) Palla. In sumpfigen Wiesen am Fusse des Calvarien-
berges (Stehle).
422 G. v. Pernhoffer.
Seirpus compressus (L.) Pers. (Sc. caricis Retz., Dlysmus compressus Panzer).
Ss:
S.
An sumpfigen Orten zerstreut. Nächst dem Aufstiege zum Calvarienberg.
silvaticus L. An nassen Stellen sehr gemein.
setaceus L. (Isolepis setacea R. Br.). An feuchten sandigen Plätzen nächst
der Strasse nach Knittelfeld (Stehle).
Eleocharis ovata (koth) Röm. et Schult. (Seirpus ovatus Roth). In sumpfigen
E.
Wiesen am Wege vom Eggmüller zum Schachenhügel (Stiftsherbar).
palustris (L.) Röm. et Schult. An sumpfigen Teichrändern gemein.
Carex vesicaria L. In sumpfigen Gräben häufig.
C.
C.
©.
©.
hirta L. a) vera Neilr. An feuchten Wegen u. s. w. sehr gemein.
flava L. In nassen Wiesen und an sumpfigen waldigen Orten gemein.
Oederi Ehrd. Mit der Vorigen, höchst gemein.
sempervirens Vill. (C. varia Host). In Alpenmatten nächst der Lambrechts-
alm bei ca. 1400 m häufig.
. ornithopoda Willd. Auf grasigen steinigen Plätzen am Fusse des Calvarien-
berges.
. umbrosa Host (C. polyrrhiza Wallr.). An Waldrändern sehr zerstreut.
. verna Chaix ap. Vill. (C. praecox Jacgq., non Schreb.). In Wiesen bis auf die
Alpen, stellenweise häufig.
’, montana L. In Wiesen sehr zerstreut.
. püulifera L. In feuchten Wiesen u. s. w. gemein.
" flacca Schreb. (C. glauca Murr.). An nassen Orten der Kuhhalt häufig.
. pallescens L. In Wiesen gemein.
. panicea L. In nassen Wiesen sehr gemein.
“nigra (L.) Beck, non All. (0. acuta «. nigra L., O. vulgaris Fr., 0. Goode-
nowü Gay). In sumpfigen Gräben und Wiesen bis in die Alpenregion sehr
häufig. Nächst der Quelle bei Maria Schnee noch bei 1850 m (var. alpi-
cola Beck ?).
. leporina L. In nassen Wiesen bis zu den Alpen stellenweise häufig.
. brizoides I. In Wäldern höchst gemein.
. echinata Murr. (C©. stellulata Good.). Mit der Vorigen.
. canescens L. An sumpfigen Teichrändern, stellenweise häufig.
". remota L. In Wäldern, zerstreut.
. muricata L. B. interrupta Wallr. (©. virens Lam.). An grasigen Rainen und
Waldrändern zerstreut.
. Davalliana Sm. In sumpfigen Wiesen sehr gemein.
Gramineae.
Digitaria filiformis Koeler (D. linearis |Krock.] Crep.). An sandigen Stellen
nächst dem Stiftssteinbruche, selten.
Anthoxanthum odoratum L. In Wiesen bis auf die Alpen gemein.
Phleum pratense 1. In Wiesen gemein.
Ph. alpinum L. In feuchten Alpentriften sehr häufig.
Alopecurus pratensis L. In feuchten Wiesen häufig.
EEE
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 423
A. fulvus Sin. (A. genieulatus p. caesius Neilr.). In nassen Gräben nicht selten.
Sesleria distieha (Wulf.) Pers. (Oreochloa disticha Link). In steinigen Triften
der Hochalpenregion, stellenweise sehr häufig.
Uynosurus eristatus L. In Wiesen sehr gemein.
Calamagrostis epigeos (L.) Schrad. An Waldrändern und Bächen, nicht gemein.
©. arundinacea (L.) Roth (Ü. sylvatica DC.). An Waldrändern selten; in der
Kuhhalt.
©. alpina Host (©. tenella H.). Au buschigen Orten der Wiesen unterhalb des
Stiftes, selten (Stehle).
Agrostis vulgaris With. (A. stolonifera L. p. p.). In Wiesen und an Waldrändern
gemein.
A. alba L. y. flagellare (Neilr.) Beck (A. stolonifera Neilr. et Aut., non IL,
P. flagellare Neilr.). In nassen Gräben und Wiesen gemein.
A. alpina Scop. In Triften der Hochalpenregion nicht selten.
A. rupestris All. In Alpentriften sehr gemein.
A. spica venti L. var. diffusa Neilr. (Apera spica venti Pal. et Beauv.). In den
Saaten sehr häufig.
Aira caespitosa L. (Deschampsia caespitosa Pal. et Beauv., Avena caespitosa
Griessel var. major Neilr.). In nassen Wiesen und an moorigen Wald-
plätzen sehr gemein.
A. fleeuosa L. (Deschampsia flexuosa Pal. et Beauv., Avena fleruosa Mert. et K.
«@. diffusa Neilr.). In Holzschlägen massenhaft.
A. montana L. (Avena flexuosa Mert. et K. ß. contracta Neilr.). In Triften des
Zinken bei ca. 1700 m.
Holeus mollis L. In den Saaten, stellenweise sehr häufig; am Hardt in Hafer-
feldern.
H. lanatus L. In feuchten Wiesen und Gräben sehr häufig.
Arrhenatherum elatius (L.) Presl (A. avenaceum Pal. et Beauv.). In Wiesen
gemein.
Avena pubescens Huds. (Avenastrum pubescens Jessen). In Wiesen gemein.
A. flavescens L. (Trisetum pratense Pers., Tr. flavescens Pal. et Beauv.). In Wiesen
nicht gemein.
A. versicolor Vill. In Alpentriften gemein.
A. sativa L. Sehr häufig gebaut und auf wüsten Plätzen mitunter verwildert.
Koeleria eristata (L.) Pers. In Wiesen häufig.
Danthonia decumbens (L.) DC. (Sieglingia decumbens Bernh., Triodia decumbens
Pal. et Beauv.). In Wäldern sehr häufig.
Melica nutans L. An Waldrändern; am Fusse des Hammerberges, ca. 800 m
(Stehle).
Molinia coerulea (L.) Mönch (M. varia Schrank). An sumpfigen Waldplätzen
gemein.
Dactylis glomerata L. In Wiesen sehr gemein.
Bbromus secalinus L. «. vulgaris Neilr. In den Saaten, zerstreut.
B. mollis L. In Wiesen gemein.
494 G. v. Pernhoffer.
Festuca elativor L. subsp. pratensis var. genwina subvar. typica-Hackel (F. pra-
tensis Huds.). In Wiesen sehr gemein.
F. varia Hänke subsp. euvaria var. genwina Hackel. Auf steinigen Plätzen und
im Gerölle des Zinken bei ca. 1800—2000 m gemein.
F. pumila Chaix ap. Vill. (F. varia Hänke subsp. pumila var. genwina Hackel).
An ähnlichen Standorten (Strobel im Herbar A. Kerner).
F. dura Host, non Vill. (F. ovina L. subsp. luevis var. dura Hackel, F. pseudo-
dura Steud.). In Triften des Zinken bei ca. 1700—1800 m gemein. Findet
sich auch auf anderen Alpen; am Hochalbl und Kumpitzstein, ca. 1900 m,
in einer Form, welche mit Exemplaren im Herbar A. Kerner aus Tirol,
Stubaithal, übereinstimmt, die von Hackel an diesem Orte als „von F'
Halleri All. kaum unterscheidbar“ bezeichnet sind.
F. fallax Thuill. (F. rubra L. subsp. eurubra var. fallax Hackel). An Waldrändern
des Calvarienberges; ca. 1000—1100 m.
F. nigrescens Lam. (F. heterophylla Hänke, non Lam., F. fallax Th. f. alpestris
Hackel). In Alpenmatten, ca. 1500—1400 m, zerstreut.
F. suleata Hackel (F. ovina L. subsp. sulcata var. genwina Hackel, F. duriuscula
Host, non L.). An grasigen Rainen nicht gemein.
Glyceria flwitans (L.) R. Br. In Wasserläufen und Gräben sehr gemein.
Briza media L. In Wiesen gemein.
Poa pratensis L. var. vulgaris Gaud. In Wiesen sehr gemein.
P. angustifolia L. (P. pratensis d. angustifolia Beck). Auf Grasplätzen, an Wald-
rändern und noch in Triften der Hochalpenregion, zerstreut.
P. trivialis L. In feuchten Wiesen häufig.
P. nemoralis L. An Waldrändern und steinigen Plätzen; häufig als var. Scheuchzeri
Beck (P. Scheuchzeri Sut.).
P. alpina L. In Alpentriften häufig. Die var. puwmila Beck (P. pumila Host)
auf steinigen Triften der Hochalpenregion, 1800—2000 m, nicht selten.
P. laxa Hänke. In Triften der Hochalpenregion stellenweise sehr häufig. Massen-
haft am Gipfel des Zinken; ca. 2397 m.
P. minor Gaud. (P. alpina y. supina Neilr.). An moorigen Stellen des Hochalbl
bei Maria Schnee; ea. 1850 m.
P. annua L. An Wegen und wüsten Plätzen sehr gemein. Die var. supina Beck,
(P. supina Schrad., P. annua L. var. varia Gaud.), in feuchten Alpentriften
am Hochalbl und a.a. 0.
Agropyrum repens (L.) Pal. et Beauv. An wüsten Plätzen um die Stiftsmauer
selten.
Secale cereale L., Triticum sativum Lam. Selten. — T. monococcum L.,
dann Hordeum sativum, vulgare werden stellenweise bis 1100 m
gebaut.
Lolium multiflorum Lam. (L. italicum A. Br.). In den Saaten selten.
L. perenne L. «. vulgare Schrad. An Wegen und Rainen sehr gemein.
Nardus strieta L. In Alpentriften sehr gemein; findet sich auch in den feuchten
Wiesen am Fusse des Calvarienberges bei den Teichen.
ee
Verzeichniss der um Seckau wachsenden Phanerogamen und Gefässkryptogamen. 425
Acotyledoneae vaseulares.
Equisetaceae.
Equwisetum arvense L. In nassen Wiesen u. s. w. sehr gemein.
E. silvatieum L. In Wäldern und feuchten Wiesen sehr häufig.
E. pratense Ehrh. In nassen Wiesen unterhalb des Stiftes.
E. flwviatile L. (E. limosum L.). An sumpfigen Teichrändern gemein.
E. palustre L. In nassen Wiesen unterhalb des Stiftes.
Polypodiaceae.
Onoclea Struthiopteris (L.) Hoffm. (Struth. germanica Willd.). Nach Woloszezak
in Gebüschen längs des Ingeringbaches im Hammergraben sehr häufig. -
Allosurus erispus (L.) Bernh. An steinigen Orten der Hochalpenregion des Zinken
nicht selten.
Pteris aquwilina L. In Holzschlägen sehr gemein.
blechnum spicant (L.) Roth. In Wäldern häufig.
Asplenium Trichomanes Huds. (A. Trichomanes L. p. p.). An Felsen und Mauern
sehr gemein.
A. viride Huds. (A. Trichomanes L. p.p.). An Felsen am Fusse des Calvarienberges,
A. Ruta muraria L. An Mauern sehr gemein.
4A. septentrionale (L.) Hoffm. Auf Steingerölle und Schuttplätzen, am Hardt,
am Wege zum Steinmüllner, sehr häufig.
Athyrium filie femina (L.) Roth. In feuchten schattigen Wäldern gemein.
Aspidium fiix mas (L.) Sw. Ebenso.
A. spinulosum Sw. Nächst dem umwaldeten Sumpfe am Aufstiege zum Calvarien-
berg in einer im Habitus an A. eristatum Sw. erinnernden Form (Stehle).
Cystopteris fragilis Bernh. An Felsen bis in die Alpenregion verbreitet.
CO. regia (L.) Presl (C. alpina var. regia Link). Auf Felsen des Kumpitzstein ; 1916 m.
Polypodium vulgare L. An Felsen, steinigen Orten, Mauern, sowie auch in
Wäldern zerstreut.
Phegopteris Dryopteris (L. p. p.) Fee. An steinigen Orten sehr zerstreut.
Botrichium Matricariae (Schr.) Spr. (B. rutaefolium A. Br... In einem Holz-
schlage ober Windischdorf (Stiftsherbar).
B. lunaria (L.) Sw. Mit der Vorigen und auch am Hochalbl (Stehle).
Lycopodiaceae.
Lycopodium complanatum L. In Wäldern am Fusse des Calvarienberges (Stehle).
L. alpinum L. Auf Alpentriften des Zinken (Stehle).
L. annotinum L. In Wäldern sehr häufig.
L. clavatum L. Ebenso.
L. Selago L. Ebenso.
Selaginella helvetica (L.) Spring. Ebenso.
7. B. Ges. Bd. XLVI. 57
426 P. Magnus.
J. Bornmüller, Iter Persico-tureieum 1892/93.
Hans, Barsıl
Ein Beitrag zur Kenntniss der Pilze des Orients
von
P. Magnus.
(Mit Tafel VII.)
(Eingelaufen am 20. October 1896.)
Herr J. Bornmüller hatte die grosse Freundlichkeit, mir die von ihm
im Frühjahre 1893 in Assyrien und Kurdistan gesammelten Pilze zur Bearbeitung
zu übersenden. Die Sammlung erweitert unsere Kenntniss der geographischen
Verbreitung vieler Arten, sie lehrt uns neue Wirthspflanzen und zwei neue Arten
kennen. Einige Bemerkungen, die sich an das Studium der Pilze anschliessen, füge
ich gelegentlich bei. Die Nummern, welche ich in der nachfolgenden Liste hinter
die Standorte in Klammern beisetze, beziehen sich auf die Nummern der Born-
müller’schen Sammlung. Auch wenige auf früheren Reisen von Herrn J. Born-
müller im Oriente gesammelte!) und mir zugesandte Pilze habe ich mit auf-
geführt.
* *
Ustilago Schweinfurthiana Thm. Auf Saccharum cylindrieum Lam.
(— Imperata cylindrica Beauv.). Kurdistania Assyriaca: inter Erbil et Riwan-
dous, 17./VI. 1893 (Nr. 1963).
Ustilago Passerini Fisch. v. Waldh. Auf Aegilops triuneialis L. Kurdi-
stania Assyriaca: ad Schaklava ditionis Erbil, 900 m, 7./V. 1893 (Nr. 1967).
Ustilago Tritiei (Pers.) Jens. Auf Triticum vulgare L. Auf Feldern bei
Bagdad, 18./VI. 1893 (Nr. 1962).
Ustilago eruenta J. Kühn. Auf Sorghum halepense L. Assyria: in in-
cultis ad Ninivam ad Tigridem, 250 m, 1./VIII. 1895 (Nr. 1965). — Nur mit
grossem Zweifel bestimme ich diese Ustilago für diese Art, der sie ohne Zweifel
am nächsten steht. Sie tritt, wie man sagt, im Kerne auf, d. h. über den Hüll-
!) Vergleiche hiezu:
P. Magnus, Ein kleiner Beitrag zur Kenntniss der parasitischen Pilze Kleinasiens.
(Engler’s Botan. Jahrb., 1891, Bd. 14, Heft 4.)
P. Magnus, Uromyces Bornmuelleri sp.n. aus Kurdistan und Urocystis Orobanches aus
Südpersien. (Verh. der Ges. deutscher Naturf. und Aerzte. Nürnberg, 1893.)
P. Magnus, Beitrag zur Kenntniss einiger parasitischer Pilze des Mittelmeergebietes.
(Ber. der deutschen botan. Gesellsch., 1894, Bd. XII, Heft 3.)
ns
J. Bornmüller, Iter Persico-tureicum 1892/93. 427
blättern, Trag- und Vorblättchen der Aehrchen. Die Achse des Aehrchens hat
sieh mächtig entwickelt und trägt im peripherischen Theile das Brandlager.
Dieses ist umgeben von einer pseudoparenchymatischen hyalinen Hülle, deren
innere Zellen kugelig angeschwollen sind und vergrösserten, hyalin gebliebenen
Sporen gleichen, weshalb man sie für metamorphosirte Sporenanlagen ansprechen
kann. In allen diesen Punkten gleicht unsere Ustilago der Ustilago eruenta Kühn
auf Sorghum vulgare und Sorghum saccharatum, wie ich sie aus dem Garten
des landwirthschaftlichen Instituts in Halle von Herrn Oertel erhalten habe.
Ich habe stets die Hülle um das Brandlager gesehen und kann Brefeld nicht
beistimmen, der in seinen „Untersuchungen aus dem Gesammtgebiete der Myco-
logie“, Heft XI, S. 50, von Ustilago ceruenta behauptet, dass die Bildung einer
Hüllfadenschichte um die Sporen von rein zufälligen secundären Umständen ab-
hänge und ihr daher gar kein morphologischer Werth beizulegen sei. Doch zeigte
sich ein Unterschied in der Grösse der Sporen auf beiden Wirthspflanzen, da die
von Sorghum halepense durchschnittlich 6°5 « Durchmesser haben, während sie
von Sorghum vulgare aus dem landwirthschaftlichen Institute in Halle durch-
schnittlich 8« im Durchmesser zeigten.
Ustilago Bornmuelleri P. Magn. n. sp. (Taf. VII, Fig. 1—5). Auf
Aristida spec. (nach Mittheilung des Herrn Bornmüller wahrscheinlich Aristida
caloptila Jaub. et Spach). Arabia: in insula Bahrein (Sinus Persicus), 1./III. 1893
(Nr. 1968). — Die befallenen Halme der Pflanze bleiben klein und niedrig; sie
werden nur 4—7 cm hoch (Fig. 1) und tragen nur Laubblätter mit abstehenden
Spreiten. Sie gelangen nicht zur Blüthe und daher musste die Bestimmung der
Wirthspflanze etwas unsicher bleiben. Die obersten Internodien führen die Brand-
lager (Fig. 2), die den grössten Theil der Axe erfüllen, von der nur der mittlere,
stark zusammengedrückte Theil bleibt (Fig. 3). Von dieser Axe strahlt das Brand-
sporenlager in radialen Partien aus, die von einander durch ein- oder mehr-
schichtige Zellreihen getrennt sind, die aus kugelrunden, hyalinen, die Sporen
an Grösse übertreffenden Zellen gebildet sind und metamorphosirten Sporenketten
entsprechen (Fig. 4). Nach aussen ist das Sporenlager von einer starken viel-
schichtigen pseudoparenchymatischen hyalinen Hülle umgeben, deren Zellen nach
innen grösser werden, sich dort gegen einander abrunden und daher lockerer zu-
sammenhängen, und ebenfalls als metamorphosirte Sporenanlage zu erachten sind
(Fig. 5). Die Sporen sind kugelig, von durchschnittlich 7°5 « Durchmesser, schwarz
und glattwandig (Fig. 4).
In seinem Auftreten und dem Bau seines Lagers möchte es sich unter den
europäischen Ustilago-Arten am nächsten dem Ustilago Ischaemi Fekl. auf
Andropogon Ischaemum anschliessen.
Ustilago Duriaeana Tul. (Ann. des Science. natur., Botanique, III»e Ser.,
Vol. VII, 1847, p. 105). (Taf. VII, Fig. 6—9.) In den Fruchtknoten von Stellaria
media L. Assyria orientalis: Erbil in monte Kuh-Sefin inf. ad Schaklava, 900
ad 1000 m, 9./V. 1893.
In den Fruchtknoten dieser Nährpflanze ist bisher noch kein Ustilago
bekannt gewesen, wohl aber sind solche in den Fruchtknoten von nahe verwandten
57*
428 P. Magnus.
Alsineen bekannt geworden. In den Ann. des Science. natur., Botanique, IlI»e Ser.,
Vol. VII, 1847, p. 105, haben L. R. und Ch. Tulasne Ustilago Duriaeana aus
den Kapseln von Cerastium glomeratum aus Marocco beschrieben. Durch die Güte
des Herın Hariot in Paris konnte ich das Original-Exemplar Tulasne’s unter-
suchen und gebe davon die Abbildung (Taf. VII, Fig. 10 und 11). Die Sporen
beider Pilze stimmen in dem schönen, aus einem zierlichen Netze von Leisten
gebildeten Epispor, sowie in der Grösse der Sporen miteinander überein. Auch
die Weite der Maschen des Leistennetzes des Epispors an verschiedenen Sporen
schwankt bei beiden Formen in gleicher Weise (siehe Fig. 1—9, 10—11, auch
12—14 und 15—17). Bei den Messungen ergaben die Sporen von Stellaria media
10°3—13°5 «, durchschnittlich 12'1 « Durchmesser, die vom Tulasne'schen
Originalmateriale auf Cerastium glomeratum 10'3—12'9 « Durchmesser, durch-
schnittlich 11'7 «. Ich nehme daher keinen Anstand, unseren Ustilago auf Stel-
laria media zur Ustilago Duriaeana Tul. zu ziehen. Ebenfalls zur Ustilago
Duriaeana muss ich auch den Ustilago Holostei De Bary auf Holosteum um-
bellatum ziehen, dessen Sporen, wie schon Brefeld (l. e., Heft XII, S. 138) hervor-
gehoben hat, vollständig mit der Ustilago Duriaeana auf Cerastium überein-
stimmen, speciell auf Cerastium triviale und (©. semidecandrum aus der Mark
Brandenburg (Taf. VII, Fig. 12—14 und 15—17). Ustilago Duriaeana tritt daher
— vielleicht in besonderen Gewohnheitsrassen — auf vielen Alsineen auf und ist
weit in Europa, Asien und Nordafrika verbreitet.
Ointractia Caricis (Pers.) P. Magn. (Ustilago urceolorum [DC.) Tul.). Um
den Fruchtknoten von Carex stenophylla Wahlb. Kurdistania Assyriaca: in monte
Kuh-Sefin supra Schaklava ditionis Erbil, 1300 m, VII. 1893 (Nr. 1970).
Protomyces sp. Auf Cephalorhynchus hispidus M. B. Kurdistania: in
monte Kuh-Sefin ditionis Erbil (Assyria orientalis), 27./II. 1893 (ohne Nummer).
Der Protomyces tritt in kleinen Schwielen der Blätter auf, deren Gewebe
er mit seinen Sporangien dicht erfüllt. Die Sporangien sind meist etwas oval,
seltener fast oder ganz kugelig; ihr längster Durchmesser beträgt im Durchschnitte
374 u, ihr kürzester 32°8 «. In diesen Grössenverhältnissen stimmt er überein
mit Protomyces Kreuthensis J. Kühn, dessen Durchmesser meist 30—86 « be-
trägt, sowie mit Protomyces pachydermus, dessen Durchmesser 28—36 « beträgt.
Ich wage daher nicht zu sagen, zu welchen von den auf Compositen unterschiedenen
Protomyces-Arten er zu ziehen sei, noch ihn als neue Art aufzustellen. Doch
scheint Protomyces Kreuthensis, nach dem ausschliesslichen Auftreten auf Aposerıs
foetida in den gebirgigen Gegenden zu urtheilen, eine eigene Art für sich zu sein.
Uromyces Glycyrrhizae (Rabenh.) P. Magn. Auf Glyceyrrhiza glandulifera
W.K. Bei Erbil in Assyrien, 500 m, VI. 1895 (Nr. 1930).
Uromyces Trifolüi (Hedw. f.) Lev. Zugleich mit Polythrineium Trifolii
Kze. auf Trifolium pratense L. Kurdistania Assyriaca: ad Schaklava ditionis
Erbil, 1000 m, 1./VI. 1893 (Nr. 1929).
Uromyces Anagyridis Roum. Auf Anagyris foetida L. Assyria orientalis:
Inter Erbil et Riwandous ad radices montis Kuh-Sefin, 500—600 m, 16./VI. 1893
(Nr. 1922).
id a
J. Bornmüller, Iter Persico-turcicum 1892/93. 429
Uromyces Genistae tinetoriae (Pers.) Wint. (Uromyces T’rigonellae Pass.).
Auf Trigonella aurantiaca Boiss. Anatolia: ad Angora Galatiae, V. 1882.
romyces tinctoriicola P. Magn. n. sp. (Taf. VII, Fig. 18—23).
Auf Euphorbia tinetoria Boiss. Kurdistania Assyriaca: Schaklava ad Kuh-
Sefin, 16./V., 27./V. 1893.
Aecidien und Uromyces-Lager wurden von Herrn Bornmüller zu gleicher
Zeit gesammelt. Die Aecidien überziehen an dem übersandten Sprosse die sämmt-
lichen unteren Blätter und brechen an der Unterseite derselben hervor. An den
untersten Blättern bedecken sie die ganze Unterseite der Blätter (Fig. 18); an
den hinteren lassen sie zunächst Stellen am Rande frei, was zuweilen so weit
geht, dass sie nur in geringer Anzahl im mittleren Theile des Blattes hervor-
brechen (Fig. 19). Die höchsten Blätter des Sprosses sind gänzlich frei vom Pilze.
Diejenigen Blätter, deren Unterseite von den Aecidien überzogen ist, haben ihre
breite lanzettliche Gestalt nicht im Geringsten verändert, und auch der ganze
Spross scheint ebenso wenig seine Gestalt geändert zu haben, was im Gegensatze
zu unseren einheimischen, die Euphorbien bewohnenden Aeeidien hervorzuheben
ist. Im Uebrigen bieten die Aecidien nichts Besonderes. Die Uromyces-Rasen
tragenden Blätter erscheinen nach den Mittheilungen des Herrn Bornmüller
an der Spitze von Sprossen, die Blätter mit Aeeidien tragen. Auch die Teleuto-
sporenlager brechen entweder auf der ganzen Unterseite des Blattes hervor
(Fig. 20), oder nur auf einem Theile derselben; doch liegen sie am erhaltenen
Blatte nicht, wie die Aeeidien an den beobachteten Blättern, in dem mittleren
Theile der Unterseite, sondern auf der Unterseite des unteren Theiles der einen
Blatthälfte (Fig. 21). Die Uromyces-Sporen sind kugelig bis etwas oval, durch-
schnittlich 238 « lang und 216 « breit (von 258 « lang und 20°6 « breit bis
219 « lang und 22 « breit); sie sind mit derben, ziemlich weit von einander
abstehenden Wärzchen besetzt, deren Stärke nach der Ansatzstelle des Stieles zu
abnimmt. Am Scheitel liegt ein verdickter hervorspringender Keimporus (Fig. 22
und 23). Uredosporen wurden nicht bemerkt. Von Uromyces scutellatus weicht
diese Art durch die Form der Warzen, die bei Uromyces scutellatus meist mehr
oder weniger längsgestreckt sind, sowie namentlich dadurch ab, dass sie auf der-
selben Wirthspflanze ihre Aecidien bildet, was bekanntlich bei Uromyces scutel-
latus nicht der Fall ist. Von Uromyces excavatus (DC.) Magn., mit dem sie in
letzterer Beziehung übereinstimmt, ist sie durch die Bewarzung des Epispors der
Teleutosporen sehr verschieden. Uromyjces verrucipes Vuillem. weicht durch den
warzigen Stiel der Teleutosporen und das einzelne Auftreten der Rasen bedeutend
ab. Aehnliches gilt von Uromyces Euphorbiae.
Uromyces tinctorücola ist schon früher von Haussknecht in Persien
gesammelt worden. Rabenhorst gibt in seiner „Uebersicht der vom Herrn
Prof. C. Haussknecht im Oriente gesammelten Kryptogamen“ (Sitzungsberichte
der Naturw. Gesellsch. „Isis“ zu Dresden, 1870, Heft IV) Uromyces scutellata
(Pers.) Lev. zugleich mit dem Aecidium an Euphorbia tinctoria bei Derbent i
Basian, Kurdistan, an. Durch Untersuchung eines von Haussknecht bei Der-
bent i Basian gesammelten Exemplars, das sich im Berliner botanischen Museum
430 P. Magnus.
befindet, fand ich meine Vermuthung, dass es sich um meinen Uromyces tinc-
toriicola handelt, bestätigt. Diese Art ist daher im ÖOriente sehr verbreitet. —
Die Uredo Euphorbiae DC., die Rabenhorst noch l. ce. auf Euphorbia tinctoria
von Derbent i Basian angibt, dürfte zu Melampsora Euphorbiae Cast. gehören.
Uromyces Schroeterii De Toni (Uromyces verruculosus Schroet.). Auf
Silene eriocalyeina Boiss. Kurdistania: Riwandous ad fines Pers. in monte
Händarin, 1300 m, 13./VI. 1893 (Nr. 1915). — Er ist mit Uredosporen und den
nur selten angetroffenen Teleutosporen auf dieser für diese Art neuen Wirths-
pflanze. Schroeter hatte in Schlesien und anderwärts nur die Uredo getroffen
und sie Uredo Lychnidis genannt. Später traf er bei Rastatt die Teleutosporen
und beschrieb nun den Pilz als einen 'neuen Uromyces, den er merkwürdiger
Weise mit einem anderen Namen als den, welchen er vorher der Uredo gegeben
hatte, belegte und Uromyces verruculosus nannte. De Toni änderte mit Recht
diesen Namen, weil Berkeley und Broome bereits einen Uromyces auf Bauhinia
so benannt hatten. Warum aber Schroeter und De Toni die Art nicht als
Uromyces Lychnidis (Schroet.) bezeichnet haben, ist mir von Schroeter um so
räthselhafter, da er — wie ich meine, mit Unrecht — vielfach der Teleutosporen-
form den Speciesnamen gegeben hat, den deren Aecidium erhalten hatte, falls es
zuerst benannt worden war. So wählt Schroeter z. B. den Namen Puceinia
Prenanthis (Pers.), weil Persoon zuerst das Aecidium als Aecidium Prenanthis
Pers. beschrieben hatte, während Uredo und Teleutosporen zuerst von Strauss
als Uredo maculosa oder von Corda als Puccinia Chondrillae beschrieben
worden sind. Wenn er aber hier den Namen der Nebenfruchtform als voll-
berechtigt gelten lässt, warum hat er es nicht bei Uredo Lychnidis Schroet.,
deren Zugehörigkeit zum Uromyces er sofort sehr wohl wusste, gethan? Und
warum that es De Toni nicht?
Pileolaria Terebinthi Cast. Auf Pistacia mutica F. et M. Kurdistania
Assyriaca: in inferiore monte Sakri-Sakran ditionis Riwandous, ca. 1500 m, 23./VI.
1893 (Nr. 1919).
Puceinia Aristolochiae (DC.) Wint. Das Aecidium ( Aecidium Aristolochiae
Rabenh.) auf Aristolochia Bottae Jaub. et Spach. Kurdistania Assyriaca: in vineis
inferioris montis Kuh-Sefin ditionis Erbil, 8./V., 4./VI. 1893 (Nr. 1956).
Puceinia Gentianae (Str.) Lk. Auf Gentiana eruciata. Pontus (Anatolia
borealis): ad Ladik inter Samsoun et Amasia, VII. 1890. Meist Teleutosporen
und nur wenige Uredosporen.
Puceinia Pimpinellae (Str.) Lk. (Uredo- und Puceinia-Sporen). Auf
Pimpinella affinis Ledeb. Kurdistania Assyriaca: ad Schaklava in inferiore monte
Kuh-Sefin ditionis Erbil, 1200 m, 20./V. 1893 (Nr. 1936). — Auf Pimpinella
puberula (DC.). Assyria orientalis: inter Erbil et Riwandous, 16./VI. 1893
(Nr. 1934). — Auf Pimpinella Kotschyana Boiss. Kurdistania Assyriaca: inter Erbil
et Riwandous, 500—600 m, 26./VI. 1893 (Nr. 1935), meist Teleutosporen; Kurdi-
stania Assyriaca: ad Schaklava in inferiore monte Kuh-Sefin ditionis Erbil, 21./IV.
1893 (Nr. 1940), meist Uredosporen. — Auf Pimpinella Tragium Vill. Kurdistania
Assyriaca: in monte Kuh-Sefin ditionis Erbil, 1200 m, 17./VI. 1893 (Nr. 1937);
J. Bornmüller, Iter Persico-tureicum 1892/93. 431
Kurdistania Assyriaea: in monte Sakri-Sakran ditionis Riwandous, 1900 m, 23./VI.
1893 (Nr. 1938), meist Teleutosporen; Kurdistania Assyriaca: ad Riwandous,
1900 m, 21./VII. 1893 (Nr. 1939).
Puceinia Smyrnü Biv. Bern. Auf den Blättern von Onidium apioides
Lam. Olympi thessalii: in regione inferiore, ea. 1000 m, 31./VIL. 1891.
Puceinia Sonchi Rob. Auf Sonchus uliginosus M.-B. Bulgaria: ad Varna
in paludosis ad Pontum Euxinum, VIII. 1886 (ohne Nummer).
Puceinia Chondrillae Corda. Auf Lactuca Cataonica Boiss. et Hausskn.
Pontus australis: in montis Ak-dagh, regione alpina, 1900 m, 15./VII. 1890
(J. Bornmüller, Plantae Anatolicae orientalis, Nr. 2492 und Nr. 1152).
Puceinia Cirsii lanceolati Schroet. Auf Pienomon Acarna. Kurdistania
Assyriaca: inter Erbil et Riwandous, VII. 1893 (Nr. 1948). — Diese Art unter-
scheidet sich, abgesehen von ihrem vollständigen autöcischen Generationswechsel,
den man an einem Uredo- und Teleutosporen tragenden Blatte nicht beobachten
kann, recht scharf durch die apicale Lage der Keimporen in den Fächern der
Teleutospore von Puecinia Cürsii, wie ich in den Berichten der Deutschen bota-
nischen Gesellschaft, Bd. XI, 1893, S. 455 und 457, näher dargelegt habe. Auch
durch die Weite des Hofes der drei Poren der Uredosporen ist sie ausgezeichnet.
In diesen Beziehungen stimmt die Puceinia auf Pienomon Acarna vollständig
mit Puceinia Cirsii lanceolati Schroet. überein, daher ich sie — wenigstens
einstweilen — für diese Art bestimmen muss.
Puceinia bullata (Pers.) Schroet. Auf Ligusticum alatum M.-B. Armenia
tureiea: Sipikor, 3./VIII. 1890; in Sintenis exsicc. herb. Bornmüller.
Puceinia Hieraciü (Schum.) Mart. sens. striet. Auf Orepis parviflora Desf.
Kurdistania Assyriaca: ad Schaklava ditionis Erbil, 1000 m, VI. 1893 (Nr. 1950).
— Auf Rhagadiolus stellatus DC. Kurdistania Assyriaca: ad Schaklava ditionis
Erbil, VI. 1892 (Nr. 1948).
Puceinia Centaureae Plowr. Auf Centaurea myriocephala Sch. et Bip.
Kurdistania Assyriaca: ad Schaklava ditionis Erbil, 900—1000 m, 10./V. 1893
(Nr. 1947). — Auf Centaurea sessilis W. Anatolia: ad Amasia in monte Logman,
VI. 1890.
Puceinia Cirsii Lsch. Auf Carduus Armenus Boiss. Armenia minor: ad
Divriki, VI. 1891 (Nr. 1942). — Auf Kentrophyllum Creticum Boiss. Kreta: ad
Khalepa (herb. Bornmüller). — Auf Jurinea Cataonica Boiss. et Hausskn.
Armenia minor: in monte Deli-dagh, VI. 1891 (Nr. 1945). — Auf Zoegea erinıta
Boiss. Persia austr. interior, Prov. Kerman: in segetibus ad Kerman copiosissime,
VI. 1892 (Nr. 4357).
Puceinia suaveolens (Pers.) Rostr. Auf Serratula cerinthefolia, Fl. Graee.
Kurdistania Assyriaca: in monte Kuh-Sefin ad pagum Schuklava ditionis Erbil,
9./V. 1893 (Nr. 1951). — Rabenhorst führt ]. e. dieselbe Art auf Serratula
heterophylla, in Luristan und Kurdistan von Haussknecht gesammelt, an,
und M. ©. Cooke hat diese in Grevillea, IX, p. 14, als Puceinia heterophylla Cke.
als eigene Art unterschieden und beschrieben. Das die ganzen behafteten Sprosse
der Nährpflanze durchziehende Mycel. das die dicht beieinander stehenden, die
432 P. Magnus.
Blattunterseite bedeckenden, seltener auch einzeln auf der Oberseite hervor-
brechenden Uredo- und Teleutosporenlager bildet, die Uredosporen mit den drei
Keimporen, die Teleutosporen mit den seitlich gestellten Keimporen ohne hervor-
ragenden Wärzchen — alle diese Charaktere stimmen vollständig mit der bei uns
nur auf Cirsium arvense Scop. auftretenden Puccinia suaveolens (Pers.) Rostr.
Es ist gewiss recht auffallend, dass diese Art bei uns ganz ausschliesslich auf
Cirsium arvense Scop. und auf keiner anderen Cirsium- oder Carduus-Art auf-
tritt, während sie im Oriente auf der allerdings auch nahe verwandten Serratula
häufig aufzutreten scheint. Uebrigens besitze ich auch eine ganz ebenso auf-
tretende Puceinia mit denselben Charakteren der Uredo- und Teleutosporen auf
Orupina vulgaris Pers. von Wolfsthal bei Ofen in Ungarn. Es wäre recht inter-
essant, das Auftreten dieser oder ihr ähnlicher und offenbar sehr nahe verwandter
Arten auf den Wirthspflanzen im Oriente weiter zu verfolgen.
Puceinia Acetosae (Schum.) Körn. Auf Rumex tuberosus L. Kurdistania
Assyriaca: in monte Händarin ad Riwandous, 1300 m, VII. 1893 (Nr. 1955). —
Die Teleutosporen sind durch starke Ausbildung der Wärzchen des Epispors sehr
ausgezeichnet. Da Schroeter in den Pilzen Schlesiens, I. Abtheil., S. 339, die
Membran der Teleutosporen von Puceinia Acetosae als glatt beschreibt, glaubte
ich zuerst, es mit einer neuen Art zu thun zu haben, habe mich aber an Puc-
cinia Acetosae auf Rumex arifolius vom Glatzer Schneeberge bei Habelschwerdt
(J. Schroeter, Pilze Schlesiens, Nr. 579) überzeugt, dass auch dort die Membran
der Teleutosporen mit kleinen, dicht stehenden Höckern besetzt ist.
Puceinia Gladioli Cast. Auf Iris Sisyrinchium L. Assyria: in desertis
ad Erbil, 500 m, 3./V. 1893 (Nr. 1957). — Diese Art war bisher auf dieser Nähr-
pflanze noch nicht bekannt. Sie stimmt aber in den Teleutosporen und nament-
lich in dem so charakteristischen Baue der Lager mit den Paraphysen vollständig
mit Puceinia Gladioli Cast. überein. Ich habe übrigens diese Art auf einer noch
weit abweichenderen Nährpflanze, auf Funkia ovata Spreng., aus Japan von
Herrn Prof. Manabu Miyoshi erhalten, der sie 1895 bei Hakone gesammelt und
mir freundlichst zur Bestimmung zugesandt hatte. Auch dies ist wieder ein
interessantes Beispiel, wie eine wohl charakterisirte Art in anderen Ländern
auf andere Nährpflanzen übergeht.
Phragmidium subcortieium (Schrk.) Wint. Das Cacoma (Uredo pinguis DC.)
auf den Fruchtkelchen von Rosa canina L. Assyria orientalis: in monte Kuh-
Sefin, 900 m, 21./V. 1893 (Nr. 1920). Die Uredo- und Teleutosporenlager auf den
Blättern von Rosa. Assyria orientalis: ad Riwandous in hortis, 600 m, 8./VII.
1893 (Nr. 1918). Die Uredo auf Rosa sp. Pontus Galaticus: in monte Sana-
dagh, 1500—1600 m, 22./VI. 1890.
Phragmidium Sanguisorbae (DC.) Schroet. Auf Poterium villosum 8. 8.
Assyria orientalis: in monte Kuh-Sefin ad Erbil, 1000 m, 21./V. 1893 (Nr. 1917).
Melampsora Helioscopiae (Pers.) Cast. Auf Euphorbia helioscopia. Baby-
lonia: in palmetis ad Bagdad, 16./IV. 1890 (Nr. 1966). — Auf Euphorbia Peplus.
Babylonia: ad Tigridem (Bagdad), 16./IV. 1893 (Nr. 1960); in incultis ad Euphratem
kn 2 / PSEpEE ee
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J. Bornmüller, Iter Persico-tureieum 1892/93. 433
ad ruinas Babylonicas, 2./IV. 1893 (Nr. 1960); Persia australis maritima: ad
Buschir, 12./III. 1893 (Nr. 1958).
Coleosporium Inulae (Kze.) Fekl. Die Uredo auf Inula Aschersoniana
Janka. Athos: ad Santa Anna, VI. 1891. — Dieses selbe Coleosporium habe ich
auf Inula heterolepos von der Felsenregion des Berges Kisklar bei Amasra in
Engler’s Botanischen Jahrbüchern, S. 490, als €. Sonchi (Pers.) Lev. angegeben.
Seitdem haben neuere Arbeiten, wie namentlich die von Klebahn, Ed. Fischer
und G. Wagner, behauptet, dass die Coleosporien der,Compositen in eine grosse
Anzahl Arten zerfallen, und diese Behauptung durch Experimente begründet.
Öhne darüber ein Urtheil abgeben zu wollen, ohne ausgedehntere vergleichend-
morphologische Untersuchungen angestellt zu haben, ziehe ich obige Bezeichnung
jetzt vor, weil Coleosporium Sonchi (Pers.) Lev. mir einen zu weiten und un-
bestimmten Begriff zu geben scheint. Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich,
dass Coleosporium Inulae (Kze.) Fekl. auch noch mehrere Arten umfasst, und
dass umgekehrt vielleicht auch andere Coleosporium-Arten auch auf Inula auf-
treten. Für die erstere Möglichkeit spricht, dass die Uredosporen von Imula
Aschersoniana in Gestalt und Grösse von denen auf Inula ensifolia abweichen.
Ich will aber heute ohne Kenniniss weiterer Entwicklungsstadien darauf hin
keine weiteren Arten unterscheiden.
Aecidium Phlomidis Thm. (im Bull. de la Soc. des Natural. de Moscou,
1877). Auf Phlomis Armeniaca W. Assyria: in desertis ad Erbil, 3./V. 1893
(Nr. 1954).
Polyporus versicolor (L.) Fr. Nördliches Persien: bei Rescht am Kaspisee.
Auf Baumstümpfen in Wäldern; 9./I. 1892.
Pseudopeziza Trifolii (Biv. Bern.) Fekl. Auf Medicago lupulina L.
Anatolia: ad Siwas (Pontus australis), 1300—1400 m, IV. 1891 (Nr. 1921). — Auf
Medicago apiculata Willd. Assyria: ad Kerkuk, 400 m, 28./IV. 1893 (Nr. 1928).
Phyllachora Trifolü (Pers.) Fekl. Auf Trifolium stellatum L. Kurdistania
Assyriaca: ad Schaklava ditionis Erbil, 1000 m, 20./V. 1893 (Nr. 1931). — Auf
Trifolium Cherleri L. Ad Limenas insulae Thasos, V. 1891. — Die Conidienform
Polythrinceium. Trifolü Kze. auf Trifolium pratense L. Kurdistania Assyriaca:
ad Schaklava ditionis Erbil, 1000 m, 1./VI. 1893.
Phyllachora sp. mit noch unreifen Perithecienanlagen im Stroma, vielleicht
Dothidea melaena Rabenh. (nec Sphaera melaena Fr.). Auf Astragalus prorerus B.
et Hausskn. In monte Kuh-Schahu (leg. Haussknecht 1868). Auf Astragalus
Tigridis Boiss. gesammelt von Sintenis, nach brieflicher Mittheilung von Herrn
Bornmüller. Die Perithecien sind eben erst im Stroma angedeutet als hellere
Partieen; die Art kann daher nicht näher bestimmt werden.
Placosphaeria Onobrychidis (DC.) Sacc. Auf Lathyrus Cicera L. Ana-
tolia: ad Angora Galatiae, V. 1892 (Nr. 1924).
Sterigmatocystis sp. In den Antheren, Blumenblättern ete. von Phlomis
rigida Lab. Kurdistania Assyriaca: ad Riwandous in monte Händarin, 1500 m,
v1. 1895 (Nr. 1952). — Ich wage kein Urtheil abzugeben, ob diese Sterigmato-
eystis zu einer der beschriebenen Arten gehört.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 55
434 P. Magnus. J. Bornmüller, Iter Persico-tureicum 1892/93.
Sterigmatocystis sp. Zwischen den Blättern der Zwiebel von Iris Persica L.
Kurdistania: ditionis Erbil ad Schaklava, 1000 m, VI. 1893 (ohne Nummer). —
Auch von dieser Sterigmatocystis wage ich nicht zu sagen, ob sie zu einer der
beschriebenen Arten gehört.
Den grössten Theil der beigegebenen Zeichnungen hat Herr Dr. Paul
Roeseler bei mir nach der Natur angefertigt.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel VII.
Fig. 1-5. DUstilago Bornmuelleri P. Magn.
Fig. 1. Vom Ustilago behafteter Halm von Aristida.
„ 2. Oberstes Internodium desselben nach Entfernung der
Blattscheide (stärker vergrössert).
» 3. Theil eines Querschnittes desselben; die Hülle ist nur
theilweise auf dem Schnitte erhalten (Vergr. 68).
„ 4. Sporen und eine Reihe grösserer hyaliner Zellen.
„ 5. Hülle des Brandlagers (Vergr. 765).
„6. Testilago Duriaeana in den Kapseln von Stellaria media L. (etwas
vergrössert).
„7-9. Sporen von Ustilago Duriaeana Tul. auf St. media L. (Vergr. 765).
„ 10—11. Sporen von Ustilago Duriaeana Tul. in Cerastium glomeratum
Thuill. aus Tlemeen in Marocco, leg. Durien (Herb. Paris.).
Tulasne’s Original-Exemplar! (Vergr. 765.)
„ 12—14. Sporen von Ustilago Duriaeana Tul. auf Holosteum umbellatum
(= Ustilago Holostei De Bary) vom Paehlitz-Werder am Parsteiner
See in der Mark Brandenburg (Vergr. 765).
„ 15—17. Sporen von Ustilago Duriaeana Tul. auf Cerastium semidecandrum
vom Pichels-Werder bei Berlin (Vergr. 765).
„ 18—23. Uromyces tinctoritcola P. Magn.
Fig. 18. Spitze eines Sprosses von Euphorbia tinctoria, dessen
untere Blätter auf der Unterseite mit Aecidien be-
deckt sind, während die oberen Blätter frei sind
(natürl. Grösse).
„ 19. Blatt eines anderen solchen Sprosses, aus dessen mitt-
lerem Theile blos Aecidien hervorgebrochen sind
(natürl. Grösse).
„ 20. Blatt eines solchen Sprosses, auf dessen Unterseite die
Uromyces-Rasen hervorgebrochen sind (nat. Grösse).
»„ 21. Ebensolches Blatt, wo die Uromyces-Rasen nur auf
dem unteren Theile der einen Blattunterseite hervor-
gebrochen sind (natürl. Grösse).
»„ 22 und 23. Einzelne Teleutosporen (Vergr. 765).
u a ee >
Ueber eine monströse Wuchsform von Polyporus squamosus (Huds.). 435
Ueber eine monströse Wuchsform von Polyporus
syuamosus (Huds.).
Von
Josef Brunnthaler.
(Mit einer Abbildung im Texte.)
(Eingelaufen am 13. October 1896.)
Die umstehend abgebildete Monstrosität wurde Herrn E. Reimoser,
Lehrer in Feldsberg, aus dem Keller eines Bauernhauses überbracht und mir von
dem Genannten übersandt.
Der Pilz besteht aus mehreren kürzeren und längeren, bis ca. 40 em langen,
geweihartigen Basaltheilen von ca. 2—3 cm Dicke, welche am Grunde manchmal
angeschwollen sind; dieselben sind äusserlich von schwarzer Farbe, im Innern
rein weiss, von ziemlich weicher, jedoch dichter Consistenz und bestehen aus einem
vielfach verschlungenen Hyphengewebe.
Diese Basaltheile gehen in blass ockergelbe Gebilde über, welche als
redueirte Fruchtanlagen aufzufassen sind, und welche sehr verschiedene Ent-
wicklungsstadien zeigen. Bei den am weitesten entwickelten Fruchtanlagen
besitzt die Hymenialschicht ein netzförmiges Aussehen und besteht aus ver-
schieden grossen, gegen die Basaltheile zu immer grösser und verwischter
werdenden eckigen, zerschlitzten Poren. Die Oberseite ist dunkler, fast braun,
und zeigt die für Polyporus squamosus charakteristische Schuppenbildung.
Der Pilz hat, wie mir Herr Reimoser mittheilte, Sporen geworfen, und
konnte ich mich durch mikroskopische Untersuchung auch überzeugen, dass Basi-
dien vorhanden sind und bei einigen Fruchtanlagen auch noch Sporen nachweisen.
Die Masse derselben entsprechen den für Polyporus squamosus bekannten.
Die Zugehörigkeit dieser Monstrosität zu Polyporus squamosus unterliegt
nach dem Vorstehenden keinem Zweifel. Es wäre auch wahrscheinlich keine
andere mitteleuropäische Polyporus-Art im Stande, eine so umfangreiche Mon-
strosität zu erzeugen.
Wir finden in der Literatur mehrfache Erwähnung ähnlicher Monstro-
sitäten, und seien nur folgende, als nahe verwandte Bildungen erwähnt:
Polyporus Rostkovii Fr. aus dunklem Schiffsraum, vgl. Reichardt in
diesen „Verhandlungen“, Bd. XVI, 1866, S. 495; Reichardt zieht hieher den
von Bolton in History of Fungusses growing about Halifax, Vol. III, Tab. 138,
beschriebenen und abgebildeten Boletus rangiferinus, welchen Bolton ebenfalls
aus einem Keller erhielt.
Eine weitere Abbildung finden wir in Holmskjöld, Beata ruris otia
fungis danicis impensa, 1790, p. 101, als Ramaria ceratoides, ferner in Flora
58*
436 Josef Brunnthaler.
Danica, Tab. 405. Derartige Bildungen wurden häufig verkannt und als Olavaria
beschrieben; hieher gehört Clavaria cornuta Retz, welche sämmtlich, wie auch
die von Batsch beschriebene Elvella serpentiformis zu Lentinus lepideus Fr.
gehören; die Citate könnten noch vermehrt werden, da dieser Pilz zu solchen
Monstrositäten sehr neigt.
PER WERTE
Ueber eine monströse Wuchsform von Polyporus squamosus (Huds.). 437
Clavarienähnliche Bildungen sind weiters bekannt von: Tricholoma effoca-
tellum Lanzi (= Agaricus coalescens Viv.) in N. Giorn. Bot. Ital., XX, p. 345—346,
mit Taf; Pleurotus ostreatus Jacqg. — (lavaria polymorpha Touchy in Bull.
Soc. centr. d’Agrie. de l’Herault, 1874, p. 331—332, mit 2 Taf.; Lentinus friabilis
(Agaricus tubaeformis Schweinitz) A. De Candolle in Ann. Soc. Nat., Ser. I,
Vol. I, 1824; Lentinus tigrinus (Bull) Fr. = Clavaria gigantea Schweinitz,
vide Berkeley in Gard. Chronicle, 1878, I, p. 339; Cortinarius miltinus Fr.,
beschrieben von Heckel in Rev. myc., V, 1883, p. 2—6 und 26—100; Agarieus
Aueri Nees von De Seynes in Bull. Soc. Bot. Fr., XIV, 1867, p. 290, Pl. 5 und 6;
Polyporus sulphureus (Bull.) Fr. in Bull. Soe. Bot. Fr., IX, 1862, p. 43; Thele-
phora palmata (Scop.) Fr., vide Montagne in Bull. Soc. Bot. Fr., III, 1856,
p. 216; ferner auch bei Xylaria Tulasnei Nitsch., Magnus in Sitzungsber. Ges.
Naturf. Fr., 1888, S. 167—169 und im Tagebl. der 60. Vers. deutscher Naturf.
und Aerzte, Wiesbaden, 1887, S. 245—246.
Vorliegende Liste macht keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll
nur eine kleine Zusammenstellung ähnlicher Bildungen sein.
Zum Schlusse spreche ich hier noch Herrn Prof. Dr. v. Beck meinen
besten Dank aus für die freundliche Anfertigung der Zeichnung dieser inter-
essanten Form.
Referate.
Heymons Richard. Die Segmentirung des Inseetenkörpers. Mit einer
Tafel. (Abhandl. d. k. Preuss. Akad. d. Wissensch. zu Berlin vom Jahre 1895.)
Als Untersuchungsobjeete dienten die Embryone des Ohrwurmes, der Maul-
wurfsgrille und der gemeinen Schabe. Die wesentlichsten Resultate dieser wichtigen
Arbeit sind folgende:
I. Im Inseetenkörper werden 21 Segmente angelegt.
II. Den Kopf, an dessen Nähten die ursprüngliche Gliederung zu erkennen
ist, setzen sechs Segmente zusammen: Oral-, Antennen-, Vorkiefer- und drei Kiefer-
Segmente. Zum (grössten) Oralstücke gehören Frons, Clypeus, die Hauptaugen
und die Oberlippe. Dieses Labrum ist eine Verdickung, die mit Extremitäten
nichts zu thun hat!), ebenso wie die Unterlippe (Hypopharynx), welche den
Sterniten des Mandibular- und der beiden Maxillarsegmente entsprechen soll.
Die beiden weiteren Segmente nehmen an der Bildung der Schädelkapsel keinen
Antheil, wogegen der dorsale und hintere Schädeltheil von den verschmolzenen
Tergiten der drei Kiefersegmente geliefert wird.
1) Diese embryologisch gewonnene Ueberzeugung eines so guten Beobachters muss ich um so
freudiger begrüssen, als ich in meiner jüngsten Publication (Denkschriften der kais. Akad. der
Wissensch. in Wien, Bd. LXIII, 1896, S. 24) im Wege vergleichend-anatomischer Untersuchungen am
Crustaceenkopfe zu demselben Schlusse gelange. Heymons wird mir wahrscheinlich auch in der
Beurtheilung des Ocularsomiten beistimmen.
438 Referate.
Ill. Der Brustabschnitt besteht, wie bekannt, aus drei Segmenten; der
Hinterleib, das Analstück mit eingerechnet, aus nicht weniger als 12 Segmenten,
Sämmtliche Körperringe dieser beiden Regionen sind untereinander äquivalent;
Lamina dorsalis und Laminae subanales, die dem Analstücke angehören, können
jedoch nicht mit Tergiten und Sterniten anderer Körpersegmente homologisirt
werden, sind vielmehr als selbstständige Wucherungen im Bereiche des letzten
Körperringes zu betrachten. Die Thoraxsegmente und die zehn vorderen Abdominal-
segmente werden aus drei Elementen gebildet, einem unteren Medianfeld und
zwei Lateralfeldern, die sich dorsalwärts zu Tergithälften entwickeln. Vom zehnten
Segmente erhält sich nur das Tergit und verschmilzt mit zwei vorhergehenden
zu einem Gebilde, während das Sternit bald verschwindet. In den zwei hintersten
Segmenten kommen die Tergite überhaupt nicht mehr zur Ausbildung. Die
Dorsalnaht, die besonders stark am Pronotum (erstes Thoracalsegment) entwickelt
ist, wird im Embryonalleben durch dorsales Schliessen der Körperwände hervor-
gerufen.
IV. Mit Ausnahme des ersten und dritten (Verfasser sagt: zweiten) Kopf-
segmentes und des Analsegmentes sind an allen übrigen Segmenten Glied-
massen vorhanden, wenigstens in einer bestimmten Epoche des Embryonallebens.
Dieselben erheben sich in Lateralfeldern, um nachher eventuell unter Abplattung
zu verkümmern. Ueber die Natur der Abdominalanhänge habe ich bereits in
einem früheren Referate berichtet.
Nachträglich erlaubt sich Referent die Frage: wie wären die gegliederten
und beborsteten Anhänge zu verstehen, die bei grossen Thysanopteren Australiens
am ersten bis achten (nach H. Burmeister’s Ansicht am zweiten bis neunten)
Abdominalringe auftreten ? Dr. Tad. Garbowski.
Wasmann E. (Soc. Jes.). Zur neueren Geschichte der Entwicklungs-
lehre in Deutschland. (Eine Antwort auf Wilhelm Haacke’s „Schöpfung
des Menschen“.) Münster, Aschendorff, 1896. 8°. IV+ 101.
Verfasser, ein hervorragender Entomologe, liefert in seiner Streitschrift
gegen Haacke ein Gegenstück zu den Cruciaten des Schmetterlingssamnlers
Schilde gegen das, was exoterisch „Darwinismus* heisst. Indessen scheint das
letzte Buch Haacke’s höchstens für ein Publieunm bestimmt gewesen zu sein,
welches durch populäre Zusammenstellungen, wie Mensch—Affe, noch „unan-
genehm“ berührt wird, und hat einer Widerlegung keineswegs dringend bedurft;
eswerden ja die unerschöpflichen Ideen dieses Autors von keinem Biologen mehr
ernst genommen.
Da die Abhandlung Wasmann’s, als reine, in imperativem Sinne gehaltene
Polemik, nicht näher referirbar ist, werden wir nur einige bezeichnende Beispiele
herausgreifen. Wenn Haacke eine Erschaffung der Thiere und des Menschen aus
dem Nichts unbegreiflich findet, so vergisst er, dass der Anfang kein Nichts,
sondern ein Lamarck’scher Schöpfer gewesen ist. Aus dem Vorhandensein der
Zirbeldrüse (Seelensitz bei Descartes, Parietalauge bei Spencer u. A.) kann
man keine Schlüsse ziehen, weil ihre Bedeutung unbekannt ist. Ueberzählige
Referate. 439
Rippen haben eine blos teratologische Bedeutung. Die phyletische Bedeutung
des fötalen Haarkleides wäre erst dann erwiesen, wenn der Embryo in früheren
Stadien gepanzert wäre (etwa nach Art der Maniden). Es ist unzulässig, die
menschlichen Ideale mit thierischen zu vergleichen; denn während die Ideale
eines Pudels in zwei Begriffen gipfeln: „Pudelin und Wurst!“, denkt z. B. ein
tüchtiger Feldherr an wesentlich Anderes.
Angeführte Beispiele illustriren genügend den Muth eines Autors, der mit
solchen erkenntnisskritischen, zoologischen, anatomischen, embryologischen und
psychologischen Kenntnissen ausgerüstet, eine mit Ueberlegenheitsironie gewürzte
Apologetik zu treiben versucht. Nach ÖOriginalgedanken würde man hier ver-
geblich suchen. Das Leitmotiv, wie es auf jeder Seite wiederkehrt, ist, der
socialen Stellung des Verfassers gemäss, dogmatisch christlich, entzieht sich
folglich der wissenschaftlichen Kritik. Das Meiste jedoch, was unser theologischer
Autor gegen exacte, „ausschliesslich mechanische“ Forschungsrichtungen, denen
er offenbar ziemlich ferne steht, zur Geltung bringt, dürfte sich auf umfassendste
Missverständnisse zurückführen lassen. Verfasser resumirt seine Sache dahin, dass
„einzig und allein die christliche Naturauffassung, welche die scheinbaren Wider-
sprüche zwischen Wissen und Glauben wirklich löst, der Wissenschaft zu geben
vermag, was der Wissenschaft ist“.
Als Erbauungsschrift wird die Broschüre immerhin ihren Werth besitzen,
und es ist nur zu wünschen, dass sie in unserem, dem vulgären Materialismus
gedankenlos ergebenen Zeitalter recht zahlreichen Leserkreis findet. Strenge
Wissenschaft ist aber frei von jedwedem Dogmatismus, theologischem wie
materiellem, wofern sie nicht zur „Ancilla“* höherer Gewalten herabsinkt, wie die
deutsche Kathederphilosophie nach Arthur Schopenhauer... TG,
Publieationen über Lepidopteren.
(Referent Dr. H. Rebel.)
Oberthür, Ch. „Etudes d’Entomologie.“ Livr. XX. De la variation chez
les Lepidopteres. Rennes, Mai 1896. (XX +74 S., 24 Taf.)
Vorliegende Lieferung der „Etudes“ stellt einen umfangreichen Quartband
dar, der auf 10 colorirten und 14 photographischen Tafeln zusammen nicht
weniger als 455 Darstellungen grösstentheils aberranter Lepidopteren des palä-
arktischen Faunengebietes enthält. Der Text ist, wie immer bei Oberthür,
unzureichend und enthält diesmal in der Vorrede leider auch die Ansichten des
Verfassers über Fragen allgemein biologischer Natur, wie Entstehung der Arten,
Variabilität ete. Was hier geboten wird, entzieht sich durch seine durchaus
laienhafte Naivität jeder wissenschaftlichen Discussion. Sucht doch der Autor
durch Reproduction einiger Abbildungen aus Clerck im Vergleich mit solchen
von jüngst gefangenen Exemplaren die Unveränderlichkeit der Arten zu beweisen!
440 Referate.
Im Nachstehenden folgt eine vollständige Aufzählung aller abgebildeten
paläarktischen Formen, worunter sich nur wenige für typisch gehaltene (neue)
Arten befinden.
Rhodocera Cleopatra, hermaphr., Pl. 1, Fig. 1—4, Pl. 9, Fig. 167, Pieris
Brassicae L., melan. ab., Pl. 1, Fig. 5, Pieris Daplidice L. ab. flava, Fig. 8;
Epinephele Janira L., hermaphr., Pl. 2, Fig. 9, Satyrus Arethusa Esp. Q ab.
albına, Fig. 11, Pararge Megaera L. ab. melania, Fig. 12, Erebia Cassiope F.
ab. maculis extensis, Fig. 13, Pararge Maera L. 2 ab. albina, Fig. 14, Arge
(Melanargia) Psyche Hb. ab. nov. Antixora, p. 34, Fig. 15, Arge Galathea L.
ab. Lugens, Fig. 16, und ab. Melania, Fig. 17, Pararge Aegeria-Meone Esp. ab.
albescens, Fig. 18; Pl. 3—5 mit Fig. 19—84 sind der Darstellung von Lycaeniden-
Aberrationen gewidmet, darunter auch ein Hermaphrodit von Lycaena Alexis
(Icarus Rott.), Pl. 4, Fig. 47; viele der abgebildeten Aberrationen centraleuro-
päischer Lycaeniden dürften bereits in der Literatur erwähnt sein, was aber bei
Oberthür grösstentheils unberücksichtigt bleibt. ZLycaena Arion L., Pl. 3,
Fig. 19— 20’, Lye. Oyllarus Esp., Fig. 21—23, Lyc. Argiolus L., Fig. 24, Lye.
Escheri Hb., Fig. 25, Lye. Adonis Hb., Fig. 26—28, Lye. Corydon Poda, Fig. 29
bis 33, Lye. Melanops B., Fig. 34—36, Lye. Dorylas Hb., Fig. 37--38, Lye.
Eros Ochs, Fig. 39, Lye. Boisduwvalü H.-S., Fig. 40; Lye. Alexis Hb., Pl. 4, Fig. 41
bis 47, Lye. Dolus Hb., Fig. 48—49, Lye. Eumedon Esp., Fig. 50, Lye. Agestis
Hb., Fig. 51, Lye. Argus L., Fig. 52—58, Lye. Aegon 8. V., Fig. 59—62; Pl. 5,
Fig. 63, Lye. Calliopis B. g' (typ.), Fig. 64, Polyommatus Xanthe-Bleusei Obthr.,
Fig. 65—68, Pol. Hippothoe L., Fig. 69, Pol. Phlaeas 1, Fig. 70—77, Pol.
Gordius, Fig. 78—79, Pol. Chryseis Bkh., Fig. 80—81, T’hestor Ballus F., Fig. 82,
Cigaritis Syphax Luc., Fig. 883—84; Hesperia Comma L., Pl. 6, Fig. 85—86,
Venilia Maculata L., Fig. 8$7—91, darunter ab. Fuscaria Stgr., Fig. 91, Pseudo-
terpna Coronillaria Hb. ab. nov. Armoraciaria, p. 71, Fig. 92, Fidonia Plumi-
straria Vill., Fig. 93—94, Colias Edusa F. ab. Helicina Obthr., Fig. 96, Phasiane
Clathrata L. ab. albicans, Fig. 97 (= ab. Cingularia Hb., 209), ab. nigricans,
Fig. 98, Cabera Pusaria L. ab. melania, Fig. 99, Lythria Sangwinaria Dup. ab.
confluens, Fig. 100, Sterrha Sacraria L. ab. rosea, Fig. 101, Coenonympha Dorus
Esp. ab. coeca, Fig. 102, ab. fulvia, Fig. 103, Coen. Philea Hb. ab. impunctata,
Fig. 104, ab. melania, Fig. 105, Coen. Pamphilus L. ab. coeca, Fig. 106; Pl. 7
und 8 mit Fig. 107—153 enthalten nur Zygaenen, und zwar Zygaena Algarvensis
(Algarbiensis) Christ (typ.), Fig. 107, Z. Lavandulae Esp., Fig. 108—109, Z.
Stoechadis Bkh., Fig. 110—111, Z. Cuvieri Boisd., Fig. 112, Z. Ephialtes- Falcatae
Hb., Fig. 113, Z. Carniolica Scop., Fig. 114—122, Z. Occitanica Vill., Fig. 123,
eine bereits in den Pariser Annalen 1853 durch Boisduval besprochene Mon-
strosität mit zwei rechten Vorderflügeln und fehlendem rechten Hinterflügel, Z.
Minos Hb., Fig. 124 (125 hybr.?), Z. Achilleae Esp., Fig. 126 und 140, Z. Graslini
Led., Fig. 127—128, Z. Hilaris Ochs, Fig. 129—131; Z. Filipendulae L., Pl. 8,
Fig. 132—135, Z. Syriaca Obthr. (= Ramburü H.-S., nec Led.), Fig. 136—138
(typ.), Z. Haberhaueri Led., Fig. 139, Z. Exulans Hoch., Fig. 141, Z. Sarpedon
Hb., Fig. 142—143, Z. Hippocrepidis Hb., Fig. 144—146, Z. Dubia Stgr., Fig. 147
Referate, 441
(149 hybr.?), Z. Lonicerae Esp., Fig. 148, Z. Trifolii Dup., Fig. 150—153; auf
Pl. 9, Fig. 154 wird das g' einer angeblich neuen, von Oberthür bereits in
Feuille des Jeunes Naturalistes, Nr. 306, p. 110 (April 1896), besprochenen Erebia
aus den ÖOst-Pyrenäen als Erebia Margarita (bei Zapateri Obthr.) abgebildet,
ferner eine Tyndarus Esp.-Form ebendaher, Fig. 155—156, eine neue Mamestra
Magdalene (!) Obthr., p. 68, Pl. 9, Fig. 157, ebendaher (zweifellos nur eine dunkle
Form der M. Leineri Frr.), Ortholitha Coelinaria Grasl. var. nov. Vernetaria,
p- 72, Pl. 9, Fig. 159—160, ebenfalls aus den Ost-Pyrenäen; Callimorpha Hera L.
ab. Lutescens Stgr., Pl. 10, Fig. 168—169, ab. Saturnia Obthr., Fig. 170—172
(173), ab. Fulgida Obthr., Fig. 174. Nun folgen die photographischen Tafeln,
und zwar stellen Pl. 11, Fig. 181—204 und Pl. 12, Fig. 205—218 nur Spelosoma
Lubricipeda Esp. (meist englische Stücke) mit ihren Varietäten Zatima Cr. und
Deschangei Depuiset dar, Pl. 12, Fig. 219—226, Spel. Menthastri Esp. mit ab.
Brunnea Obthr. und ab. Walkeri Curt.; Pl. 13 bis incl. 15 mit Fig. 227 —262
Arctia Caja L.; Pl. 16 und 17 mit Fig. 263—286 Arctia Villica L.; Pl. 18 mit
Fig. 237—293 Arctia Purpurea L., Fig. 294—299 Arctia Hebe L.; endlich Pl. 19
bis inel. 24 mit Fig. 300—455 sind mit ihren 156 Abbildungen nur Abraxas Grossu-
lariata L. gewidmet und übertreffen mit dieser verschwenderisch grossen Zahl von
Figuren alle bisher abgebildeten Serien dieser bekanntlich sehr variablen Art.
Packard, A. S. A Monograph of the Bombyeine Moths of America
North of Mexico. Part I, Family 1: Notodontidae (gr.-4°, 291 S. mit
49 Tafeln, 10 Karten und 85 Holzschnitten). Washington, 1895. (Reprinted
from Memoirs of the National Academy of Sciences, VII.)
Eine Meisterleistung des bekannten amerikanischen Zoologen, womit in der
Lepidopterologie zum erstenmale bei einer umfangreichen Bearbeitung der Ver-
such gemacht wird, die Anschauungen wissenschaftlicher Biologie in consequenter
Weise zum Ausdrucke zu bringen. Das gebotene Detail, rücksichtlich der ersten
Stände, auf welche Packard namentlich seine systematischen Neuerungen durch-
führt, erreicht einen staunenswerthen Umfang und kann nur durch die in Amerika
übliche, anscheinend selbstlose Mitarbeiterschaft zahlreicher Fachleute erklärt
werden.
Der eigentlichen Bearbeitung der Notodontiden gehen Capitel allgemeinen
Inhaltes voran, in welchen von modern wissenschaftlichem Standpunkte aus eine
biologische Erklärung und Uebersicht der äusseren Hautbekleidung (Borsten,
Dornen, Warzen ete.) und Morphologie der Raupe gegeben wird, ferner (in
Weismann’schem Sinne) über die Incongruenz zwischen larvalen und imaginalen
Charakteren bei den Notodontiden, über die Erblichkeit erworbener Charaktere
bei den Lepidopteren überhaupt, und über die geographische Verbreitung der
Notodontiden in Amerika eingehende Mittheilungen gemacht werden.
Ganz besonderes Interesse fordern die folgenden Capitel über die Phylogenie
der Lepidopteren und im Anschlusse daran der Versuch einer neuen Classification
derselben. Rücksichtlich der Stammesgeschichte gelangt Packard zu keinen
neuen Resultaten, und spricht schliesslich nur die Annahme aus, dass Lepidopteren,
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 59
442 Referate,
Trichopteren und Dipteren gemeinsame, Neuroptera-ähnliche Vorfahren besessen
hätten, von denen sich zuerst die Lepidopteren und zuletzt die Dipteren diffe-
reneirt haben. Innerhalb der Ordnung der Zepidoptera sucht Packard — nament-
lich auf Grund der Arbeiten Chapman’s und Comstock’s — den genealogischen
Zusammenhang der Formen vorwiegend durch Untersuchungen der Mundtheile
der Puppe zum Ausdrucke zu verhelfen und gelangt hiebei nach eingehender,
durch treffliche Holzschnitte unterstützten Darstellung der Verwandtschaftsver-
hältnisse der einzelnen Familien zu der von ihm bereits mehrerenorts (efr. Zool.
Anzeiger, 1895, S. 228—236) mitgetheilten genealogischen Uebersicht innerhalb
dieser Inseetenordnung. So hoch der wissenschaftliche Werth der Untersuchungen
Packard’s auf diesem Gebiete auch anzuschlagen ist, so sind dieselben doch
von einer gewissen, in der Methode zu suchenden Einseitigkeit nicht freizusprechen.
Er mahnt schliesslich dringend, in Zukunftskatalogen die Lepidopterenformen in
aufsteigender Reihe anzuordnen, also mit den Tineiden, resp. Eriocephaliden zu
beginnen und mit den Rhopaloceren (Nymphaliden) zu schliessen. In dem letzten
Capitel allgemeinen Inhaltes wird, wie jetzt fast allgemein, die Spuler’sche
Nomenclatur des Flügelgeäders adoptirt.
Die eigentliche Bearbeitung der — rücksichtlich der Raupen sehr differente
Formen umfassenden — Familie zeigt von echt amerikanischem Arbeitsfleisse, von
dem auch die (soweit sie die ersten Stände betreffen, in Farbendruck ausgeführten)
Tafeln ein glänzendes Zeugniss ablegen. Kein europäisches Raupenwerk lässt sich
dem hier in wissenschaftlicher Detailausführung Gebotenen auch nur annähernd
an die Seite stellen. Als leitender genealogischer Gedanke sei schliesslich noch
hervorgehoben, dass Packard als Gattungsrepräsentant nicht immer jene Art
ansieht, auf welche das Genus begründet wurde, sondern jene, deren Raupe am
wenigsten specialisirt ist.
Möge dieses hervorragende Werk auch auf dem alten Continente fruchtbar
wirken.
Hofmann, Dr. Othmar. Die deutschen Pterophorinen, systematisch
und biologisch bearbeitet. (Sep.-Abdr. aus den Berichten des naturw.
Vereines zu Regensburg, V. Heft, 1894/95. 8°. 195 S. mit 3 Tafeln.)
Vorliegende hübsche Arbeit gibt nach einer allgemeinen Charakteristik der
Familie, wobei zu bedauern bleibt, dass Verfasser sich auch bei dieser nur auf
die deutschen Formen beschränkt hat, eine ausführliche Beschreibung der im
Deutschen Reiche, in Deutsch-Oesterreich und der Schweiz festgestellten Gattungen
und Arten; zu Bestimmungszwecken sind synthetische Tabellen beigegeben. In
nomenclatorischer Beziehung bemerkenswerth ist die Anwendung der Spuler-
schen Bezeichnung des Geäders und jene Schröder’s für die Raupenzeichnung.
Allgemeineren morphologischen Werth hat die auf S. 176—183 auf Grund
von nahezu hundert Untersuchungen gegebene zusammenfassende Beschreibung
der Copulationsorgane von Vertretern dieser Familie.
In systematischer Beziehung will die Arbeit mit Recht gegenüber der
derzeit noch vollständig ausreichenden Darstellung in Heinemann-Wocke’s
u Rh a af
Referate. 4453
Handbuch möglichst wenig Veränderungen bringen, welche letzteren nur durch
Meyrick’s Arbeit (1886) veranlasst werden. Die wesentlichsten derselben sind
die Annahme der Gattungen Marasmarcha Meyr (mit Phaeodactyla Hb.), Tricho-
ptilus Wlsghm. (mit Paludum L.) und Pselnophorus Wallgr. (mit Brachydactylus
Tr.). Für Mimaeseoptilus Wallgr. wird nach Meyriek’s Vorgang der Name
Stenoptilia Hb. restituirt.
Weiters werden nachfolgende, in dem erwähnten Handbuch noch nicht
enthaltene Formen besprochen: Agdistis Satanas Mill., Platyptilia Similidactyla
Dale, Plat. Bertrami Rössl. var. Borgmanni Rössl., Amblyptilia Acanthodactyla
Hb. var. nov. Teetralicella (S. 62) und var. Calaminthae Frey, Ambl. Cosmodactyla
Hb. var. Stachydalis Frey, Stenoptilia Graphodactyla Tr. var. Pneumonanthes
Schleich, Oxyptilus Teuerii Jord. (= Loranus Fuchs) mit var. Celeusi Schmid,
Oxypt. Leonuri Stange und Oedematophorus Constanti Rag. Dagegen werden
die ungenügend beschriebene Stenoptilia Lutescens H.-S., die für das Gebiet nicht
nachgewiesene Sten. Arida Z. ausser Acht gelassen und Sten. Serotina 7. mit
Plagiodactyla Z. artlich vereint.
Bei der Angabe der Flugplätze sind einige Uebersehen unterlaufen.
Von den Tafeln bringt die erste die gute Abbildung von Oxyptilus Teuerü
Jord. var, Celeusi Schmid und Oxypt. Leonuri Stange, die zweite enthält Dar-
stellungen von Flügelgeäder nach Dr. Spuler und die dritte Originalzeichnungen
Dr. Escherich’s von Copulationsorganen.
Semper, Dr. C. Reisen im Archipel der Philippinen. II. Theil, VI. Band,
1. Lief. Wiesbaden, 1896 (gr.-4°, mit 9 colorirten und 2 schwarzen Tafeln).
Die Fortsetzung des von Georg Semper bearbeiteten lepidopterologischen
Theiles in diesem gross angelegten Reisewerke enthält den Beginn der Heteroceren
und bringt auf den neun ersten Tafeln (deren Colorit an Feinheit zu wünschen
übrig lässt) die ersten Stände namentlich von Saturniden und Sphingiden;
unter letzteren auch auf Tafel E. Chaerocampa Alecto L., Fig. 1—4, und Chaeroc.
Celerio L., Fig. 5. Die beiden schwarzen Tafeln (L und LI) sind sehr schön
ausgeführt und stellen unter Anderen Antheraea Semperi Feld. in vier Bildern dar.
Annales de la Societe entomologique de France. Annee 1894, Vol. LXII.
Quatrieme Trimestre.
Berg, Dr. C. Notice negrologique sur le docteur Hermann Burmeister
(p. 705—712, mit Porträt).
Der berühmte Gelehrte starb in Buenos-Aires am 2. Mai 1892 an den
Folgen eines Sturzes im 86. Lebensjahre. Von seinen lepidopterologischen Publica-
tionen seien hier, ausser dem allgemeinen Handbuch der Entomologie (1833—1855),
nur die Bearbeitung der Lepidopteren der Republik Argentinien erwähnt, deren
erster und einziger Band in den Jahren 1878—1880 erschien.
Bulletin des Seances de la Soceiete Entomologique de France. (October
1894 bis December 1895.)
59*
444 Referate.
Ueber häufiges Auftreten der Neuronia Popularis L. in Nordfrankreich
(p: 155—159).
G. A. Poujade gibt die Beschreibung einer neuen Siculodes von Mou-
Pin ($. Lucidulina, p. 186).
Anlässlich einer Discussion über Schädlinge des Kaffeebaumes äussert sich
Ragonot (p. 197—200) eingehend über Cemiostoma coffeella Guerin-Men.
R. Brown gibt (p. 205) die Beschreibung der auf Populus Tremula
gefundenen Raupe von Wockia Funebrella Hein., welche Motte nach Ragonot
(ebenda, p. 206) bereits von Bruand im Jahre 1847 (Catalog de Doubs, p. 84)
als Patulla Asperipunctella beschrieben wurde. Die Art hat demnach Wockia
Asperipunctella Brd. zu heissen.
Armand Janet gibt die Beschreibung dreier neuer Rhopaloceren: Penthema
Michallati, Tonkin (p. 255), Zophoessa Lahittei, Tonkin (p. 255) und Miycalesis
Noblemairei, franz. Congo (p. 256).
E. Ragonot beschreibt neue Microlepidopteren aus Spanien: Hercinodes
(n. gen.) Miegi, Prov. Murcia (1895, p. 23), Botys Murcialis, Prov. Murcia (p. 23),
Tinea Basifasciella, Malaga (p. 39), Coleophora Ochristrigella, Malaga (p. 40).
Für die als Aporodes durch denselben Autor beschriebene Austautalis Obthr.
aus Algier wird eine eigene Gattung: Stygiochroa unter den Pyralidinen errichtet
Pearl).
Derselbe: Microlepidopteres de la Haute-Syrie, recoltes par Mr. Ch.
Delagrange et deseriptions des especes nouvelles (p. 94—109). Ein wichtiger
Beitrag für die Microlepidopteren-Fauna Syriens mit Beschreibung von 26 neuen
Formen, darunter zwei neue Tineidengattungen, u. zw. Euplocera (bei Hapsi-
fera 2.) und Harpagidia (bei Tachyptilia Hein.). Für (Euplocamus) Laevigatellus
Hb. wird eine eigene Gattung: Rhodobates, für (Psecadia) Lardatella Led. eine
solche Namens Episcadia errichtet.
Derselbe: Paranarsia (n. gen., p. 195), Joannisiella (p. 196). Für diese
neue Tineidenart, bei Lourdes gefangen, wird eine eigene Gattung bei Metanarsia
Stgr. errichtet.
Derselbe: Deux Microlepidopteres tres nuisibles a la Canne & sucre:
Diatraea Saccharalis F. et D. Striatalis Snell. (p. 221—223).
Derselbe: Gedächtnissrede für den am 19. Juni 1895 in Paris im
83. Lebensjahre verstorbenen Entomologen Jules Ferd. Fallou (p. 270).
Constant, A. Microlepidopteres nouveaux de la faune francaise: Grapho-
litha Suberana (p. 50), Gr. Aspidiscana var. Rubescana (p. 51), Talaeporia
Defoliella (p. 51), Gelechia monochromella (p. 52), Lita Phagnalella (p. 52),
L. Suasella (p. 53), Anacampsis Melagonella (p. 53), Elachista Phalaridella
(p. 54), Bucculatrix Leucanthemella (p. 54) und Aciptilia Adamas (p. 54).
Mabille, P. Descriptions de quelques Hesperides nouvelles: Anastrus
Platypterus (p. 55), A. Polyaenus (ibid.), Achlyodes C'yrna, Chiriqui (p. 56),
Achl. Accedeus, St. Catharina (ibid.), Tagiades Mitra, Sula-Insel (p. 57), Niso-
Referate. 445
niades Angulosus, St. Catharina (ibid.), Proteides Severus, Cayenne (ibid.), Pr.
Severinus, Südamerika (p. 58), Pr. Antus, St. Catharina (ibid.), Pr. Andricus,
St. Catharina (ibid.), Pr. Surus, Borneo (p. 59).
Demaison, L. Note sur les Lepidopteres d’Egypte (p. 59—63). Nur ein
Dutzend Arten, u. zw.: Catopsilia Florella F., Lycaena Baetica L., L. Eleusis
Dem., Bull. de Fr., 1888, p. 66 (= Podorina Mab. = Pharaonis Stgr.), L.
Trochilus Frr., L. Lysimon Hb., Vanessa Cardui L., Danais Chrysippus L.,
Deiopeia Pulchella L., Caradrina Exigua Hb., Heliothis Peltigera S.-V., Te-
phrina Martinaria Obthr.
Jourdheuille, ©. Sur les recherches recentes du Dr. Standfuss (p. 67
bis 70). Besprechung der bekannten Versuche dieses Forschers.
H. Gadeau de Kerville beschreibt teratologische Flügelbildungen bei
Smerinthus Tiliae L. (p. 90, Fig.) und Vanessa Antiopa L. (ibid., Fig. p. 91).
Poujade, G. A. Voyage de M. E. Simon au Venezuela. Lepidopteres
(p. 140—145). Es werden 55 Rhopaloceren und 10 Heteroceren angeführt.
Thierry-Mieg, P. Description des Lepidopteres nocturnes de la Bolivie:
Sieya Dognini (p. 260), Odontopera Brigitta (ibid.), Olysia Clotilda (p. 261),
Scordylia Particula (ibid.), Melanochroia (?) Aurantiaria, Rio de Janeiro (p. 275),
Apiecia (?) Mathilda (ibid.), Macaria Praesignaria (p. 276), M. Imitatrix (p. 277).
Todesnachricht und Gedächtnissrede für den am 19. October 1895 plötzlich
verstorbenen Vereinspräsidenten und hervorragenden Microlepidopterologen E. L.
Ragonot (p. 339— 340).
Stettiner Entomologische Zeitung. 56. Jahrg. (1895).
Fuchs, A. Kleinschmetterlinge der Loreley-Gegend (8. 21—52).
Eine weitere Ergänzung zu dem bekannten Faunenwerke Rössler’s. Bei
den meisten Arten (darunter 18 neuen für das locale Faunengebiet) werden um-
ständliche Mittheilungen über das Vorkommen gegeben. Bei einigen folgen jedoch
descriptive Ergänzungen auch biologischer Natur, so bei Lita Proclivella Fuchs
(deren Vorkommen bei Wien dem Verfasser unbekannt blieb), Anacampsis Remis-
sella L. (= Vetustella H.-S. see Fuchs), Butalis Flavilaterella Fuchs, bei welcher
ein wahrscheinlich dazugehöriges, auffallender Weise weiss gezeichnetes ® be-
schrieben wird, Coleophora Simillimella Fuchs, deren Artrechte gegen eine
Behauptung Wocke’s, wie es scheint, mit Erfolg vertheidigt werden.
Als neue Arten werden eine Coleophora aus der Sülenella-Gruppe (Robus-
tella Fuchs, S. 40), eine von Trifurcula Serotinella H.-S. kaum artlich verschiedene
Form als Trifureula Confertella (S. 47), endlich ein Pterophorus: Oxyptilus
Loranus (S. 48) beschrieben. Letztere Art wurde bereits von Rössler (wie Fuchs
meint, irrthümlich) für Tewerii Jord. gehalten, wird aber auch von Hofmann
in seiner neuesten Pterophoridenarbeit (vgl. vorne) als Synonym dazu gezogen.
Gudmann Fred. Reiseskizzen. I. Die Westindischen Inseln (S. 115—121).
Der Verfasser, welcher in Gemeinschaft mit W. v. Hedemann im Jahre
1894 eine bereits mehrfach erwähnte Sammelreise nach Dänisch -Westindien unter-
446 Referate.
nommen hatte, setzte dieselbe nach der Heimreise Hedemann s um St. Domingo
herum nach Port-au-Prince fort, wobei er mehrfach Gelegenheit fand, interessante
mierolepidopterologische Ausbeuten zu machen, deren Publication in Aussicht steht.
Riffahrt Heinr. Ueber Agrias-Arten (S. 204—206). Es werden einzelne
Geschlechter der nahe verwandten Localformen Sardanapalus Bates (P), Annetta
Gray (Z) und Claudianus Stgr. (2) beschrieben und kritische Bemerkungen
gemacht.
Dohrn, Dr. H. Eine neue Epicopeia aus den Battakbergen Sumatras:
Epicopeia Battaka (S. 207).
Reutti Carl. Ueber die Hypenodes-Arten (aus seinem Nachlasse ver-
öffentlicht, S. 209—212).
Enthält einen durch die kritische Revision Snellen’s (Tijd. v. Entom.,
XXXII, p. 163) gegenstandslos gewordenen Versuch der Namensklärung, sowie
die Originalbeschreibung eines bei Geisslingen gefangenen und mit Recht für
Taenialis Hb. gehaltenes Hypenodes-Exemplares.
Seitz, Dr. A. Reiseskizzen. IV. (S. 228—235). Fortsetzung (Brasilien) der
interessanten, meist auf Lepidopteren Bezug habenden Mittheilungen des viel-
gereisten Zoologen.
Hering, E. Das Aufweichen getrockneter Falter (S. 235—242).
Disque, H. Biologische Mittheilungen über einige Kleinfalter (8. 243—244).
Die kurzen Notizen beziehen sich auf die Lebensweise der Raupen von
Oecophora Formosella F., Oec. Lunaris Hw., Oec. Procerella Schiff., Oec. Simi-
lella Hb., Oec. Pseudopretella Stt. und Grapholitha Compositella F.
P Magnus:
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Verhandl. der k.k.zool.bot.Ges.
Band XLVT 1896
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© P.Roeseler et J.Pohl del.
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Spende.
Die Gemahlin unseres lebenslänglichen Mitgliedes, des Herrn
k.k. General-Auditors M. Damianitsch, welchem die k.k. zoologisch-
botanische Gesellschaft schon wiederholt für namhafte Spenden zu
danken hatte, schenkte der Gesellschaft im October d. J. zwei kgl.
ungarische Obligationen ä 100 Kronen zum Andenken an den am
19. October 1867 erfolgten Tod ihres Sohnes, unseres ehemaligen
Mitgliedes Herrn Rudolf Damianitsch. Frau M. Damianitsch
tritt hiedurch ebenfalls in den Kreis unserer lebenslänglichen Mit-
glieder. Es sei ihr auch an dieser Stelle der verbindlichste Dank
der Gesellschaft zum Ausdruck gebracht.
IV. Bericht der Section für Botanik.
Versammlung am 10. November 1896.
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. G. Beck v. Mannagetta.
Zunächst bespricht und demonstrirt Herr Dr. A. Zahlbruckner
eine neue Art der Gattung Ajuga, welche er auf Baldacei’s
Iter albanicum (epiroticum) quartum, Nr. 136, basirte und Ajuga
Halacsyana benannte. Der Vortragende besprach eingehend die
morphologischen Merkmale der Pflanze und begründete die Zuge-
hörigkeit dieser habituell auffälligen Type zur Familie der Labiaten.!)
ı) Da inzwischen in einer vom 19. November 1. J. datirten Brochure Herr Dr. A.v. Degen
die Pflanze ebenfalls als neue Art beschrieb, unterlasse ich es, eine neuerliche Diagnose der Pflanze
zu veröffentlichen. Dr. A. Zahlbruckner.
2. B. Ges. Bd. XLVl. 60
448 Versammlung der Section für Botanik am 10. November 1896.
Sodann zeigt Herr Prof. Dr. C. Fritsch das von ihm am
4. Oetober d. J. in einer Schottergrube bei Wr.-Neustadt gefundene,
für das Gebiet neue!) Xanthium macrocarpum DC. vor. Die
Pflanze stimmt mit französischen Exemplaren (Magnier, Flora
selecta Nr. 1747) vollständig überein. Die Artengruppe, welcher
X. orientale L., canadense Mill., echinatum Murr., macrocarpum DC.,
italıcum Mor., rigidum Lasch. ete. angehören, bedarf übrigens einer
Revision, da einige dieser Namen gewiss nur Synonyme sind.
Hierauf werden von Herrn Dr. M. v. Eichenfeld zwei
Hybride zwischen Asplenium trichomanes L. und A. septentrionale
Hoffm. demonstrirt, und zwar die Form des A. Heufleri Reich. in
einem am 27. October 1596 bei Spinges nächst Mühlbach in Tirol
aufgefundenen Exemplare, und weiters eine dem A. Daumgartneri
Dörfler näher stehende Form (ebenfalls bei Mühlbach in einem
Exemplare aufgefunden).
Ferner theilt der Genannte mit, dass er die vorgezeigte Achallea
tomentosa L. heuer sogar noch Mitte October in voller Blüthe ge-
troffen habe (nach seinen bisherigen Beobachtungen diese Pflanze
also eine Blüthezeit von Mai bis October zu besitzen scheine, ent-
gegen Hausmann’s Angabe: Mai bis Juni).
Herr A. Teyber bespricht hierauf unter Vorlage der betreffenden
Pflanze einen von ihm in diesem Jahre aufgefundenen, in Schotter
und auf Dämmen der Donau bei Wien ziemlich häufig auftretenden
Bastart zwischen Oenothera muricata Murr. und Oe. biennis L., den
er als Oenothera Heiniana beschreibt. (Siehe 8. 469.)
Herr Dr. €. v. Keissler demonstrirt und besprieht einige
interessante Fälle von pflanzlichen Missbildungen.
Herr Dr. E. v. Haläcsy zeigt als neu für Europa: Phlomis
agrarıa Bunge. Bisher nur aus Sibirien bekannt, wurde diese Art
in diesem Jahre von A. Callier in der Krim, und zwar in der
Steppe bei Burunduk nächst Karasubazar gesammelt.
ı) In Karsten, Flora von Deutschland, II, S. 683, ist Xanthium macrocarpum DC. „um
Wien“ angegeben. Den Wiener Botanikern ist aber von diesem Vorkommen nichts bekannt.
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ii u Ze Ge A u DU un
Versammlung der Section für Kryptogamenkunde am 27. November 1896. 449
Der Vortragende theilt weiters mit, dass Herr Felkel Serophu-
laria canina L. am Pottendorfer Bahndamme bei Münchendorf seit
mehreren ‚Jahren in grosser Menge vorkommend beobachtete und
Lathyrus hirsutus L. und Vreia striata M. B. auf der Türkenschanze
gefunden hat.
Zum Schlusse legen die Herren Prof. ©. Fritsch und Dr. A,
Zahlbruckner die neue Literatur vor.
I. Bericht der Seetion für Kryptogamenkunde.
Versammlung am 27. November 1896.
Vorsitzender: Herr Dr. Alex. Zahlbruckner.
Der Vorsitzende begrüsst die Anwesenden und drückt seine
Freude über den zahlreichen Besuch aus.
Nach Erledigung einiger geschäftlicher Mittheilungen bespricht
Herr Dr. A. Zahlbruckner „Die Bedingungen der Fortpflanzung
bei Vaucheria nach den neuesten Untersuchungen von Klebs“.
Im Anschlusse hieran macht Herr Prof. Dr. G. v. Beck auf
die neuesten Ergebnisse des Studiums der Protococcaceen durch
Chodat aufmerksam.
Herr Prof. Dr. G. v. Beck hält sodann einen durch eine Reihe
selbst gezeichneter Tafeln unterstützten Vortrag: „Ueber Peridi-
neen“ und legt die bezügliche Literatur vor.
Hierauf demonstrirt Herr J. Brunnthaler folgende Krypto-
gamen:
Pilze:
Botrytis parasitica Cavara.
Oolletotrichum oligochaetum Cavara.
Dendrophoma Convallariae Cavara.
60*
A450 Versammlung der Section für Kryptogamenkunde am 27. November 1896.
Dendrophoma Marconii Cavara.
Oladosporium Seribnerianum Cavara.
Sämmtlich in authentischen Exemplaren.
Moose von Spitzbergen:
Andreaea papillosa Lindbg.
Hypnum polare Lindbg.
Hypnum turgescens var. uliginosa Lindbg.
Polytrichum strietum Menz f. aretica Jörgensen.
Pottia Heimii var. arctica Lindbg.
Flechten aus Japan:
Alectoria sulcata Nyl.
Anzia japonica Müll. Arg.
Arthopyrenia tersa Müll. Arg.
Cetraria ornata Müll. Arg.
Graphis japonica Müll. Arg.
Lopadium ferrugineum Müll. Arg.
Pertusaria deplanata f. ferruginea Müll. Arg.
Pigsine limbulata Müll. Arg.
Stieta Miyoshiana Müll. Arg.
Algen:
Cosmaridium silesiacum P. Richter und
Scenedesmus Opoliensis P. Richter in authentischen Exemplaren, sowie
die seltene
Polysiphonia ceramiaeformis Ur.
Zuletzt legte Herr Dr. A. Zahlbruckner die neue Lite-
ratur vor.
Versammlung der Section für Zoologie
am 13. November 1896.
Herr Prof. Dr. ©. Grobben hält einen Vortrag: „Die neuesten
Ergebnisse über den feineren Bau des Nervensystems.“
Hierauf spricht Herr Dr. Th. Adensamer über eine para-
sitische Krabbe (Pinnarodes chilensis S. Sm.) in Strongylocentrotus
gibbosus Val.
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Zwei Fälle von Polydactylie bei der Gemse. 451
Zwei Fälle von Polydactylie bei der Gemse.
Von
Dr. Anton Könie.
(Mit Tafel VIII und IX.)
(Eingelaufen am 30. November 1896.)
Die Erscheinung der Polydactylie, wie man das Auftreten einer grösseren
als der normalen Anzahl von Fingern oder Zehen genannt hat, ist bei Haus-
säugethieren, z. B. beim Rind, beim Schwein, auch beim Pferd nicht gerade allzu-
selten beobachtet worden. Bei freilebenden Thieren sind derartige Vorkommnisse
seltener verzeichnet, und von der Gemse ist mir in der mir zugänglichen Lite-
ratur nichts Derartiges bekannt geworden. Es ist auch gerade bei diesem Thier,
welches wie kaum ein zweites Bewegungsorgane von genauester Anpassung be-
darf, nicht wahrscheinlich, dass Individuen ihr Fortkommen finden, welche mit
solchen, doch meist hinderliehen Anhängseln der Extremitäten behaftet sind.
Von den zwei zu beschreibenden Fällen ist der eine überliefert durch zwei
Photographien der über dem Fersengelenke abgehauenen Hinterläufe einer Gemse.
Dieselbe wurde vom Grafen Festeties im Jahre 1876 in der Sattlalpe bei Eben-
see (Salzkammergut) erlegt. Der andere Fall ist einer genaueren Untersuchung
zugänglich, da die Skelete der Hinterläufe, an denen sich die Missbildung zeigte,
noch vorhanden sind. Diese Gemse wurde am 17. August 1882 im Ischler Gim-
bache (Salzkammergut) geschossen. Beides, Photographie wie Skelete, befindet
sich derzeit im Besitze der k. k. Forst- und Domänen-Direetion Gmunden, deren
Vorstande, Herrn Oberforstrathe und Hofjagdleiter L. Titz, ich für die liebens-
würdige Bereitwilligkeit, mit der er mir die interessanten Gegenstände zur Unter-
suchung überliess, zu grossem Danke verpflichtet bin.
Zuerst bespreche ich den Fall vom Jahre 1876. Ich gebe auf Taf. VIII in den
Fig. 2—5 Copien der Photographien, welche ich nach Pausen angefertigt habe.
Demnach war an jedem Hinterlaufe des Thieres ausser den beiden normalen
Zehen und Afterklauen eine überzählige, medial gelegene Zehe mit einer stark
entwickelten Afterklaue vorhanden. Diese Zehe stand etwas höher als die nor-
malen, dürfte aber doch noch ab und zu den Boden berührt haben (Taf. VIII,
Fig. 4, 5). An den Fig. 2 und 3, welche die Skelete der Läufe, offenbar von hinten
gesehen, darstellen, erkennt man, dass die überzählige Zehe auch einen, etwa bis
zur Mitte des Kanonenbeines unterscheidbaren Metatarsalknochen aufwies.
Die Abbildung des linken Beines (Fig. 2) scheint eine verkrümmte Stellung
der überzähligen Zehe darzustellen. Die Abbildung des mit der Haut überklei-
deten Fusses lässt aber nichts Derartiges vermuthen, so dass es sich wohl um
eine von der Präparation herrührende Unregelmässigkeit handelt.
452 Anton König.
Die anatomischen Verhältnisse der Fusswurzel entziehen sich der eingehen-
deren Beobachtung. Denn da die Extremitäten offenbar mit den Bändern und
Gelenkskapseln präparirt wurden, zeigen die Photographien keinerlei Details. Das
Ganze macht den Eindruck einer unvollständigen Doppelbildung.
Wohin die Skelete gekommen sind, vermochte ich nicht in Erfahrung zu
bringen.
Der zweite Fall ist offenbar — und. dies macht die Sache nicht minder
interessant — der nämliche. Auch hier tritt eine medial gelegene überzählige
Zehe auf, die an beiden Hinterläufen in gleicher Weise ausgebildet ist. Ein Blick
auf Fig. 1, Taf. VIII, welche den linken Hinterlauf des Thieres darstellt, zeigt
beim Vergleich mit Fig. 2 die fast vollständige Uebereinstimmung. Ein Unter-
schied allerdings tritt hervor. Der Metatarsalknochen der überzähligen Zehe be-
wahrt seine Selbstständigkeit bis zur Fusswurzel, obwohl er in seinem oberen
Drittel mit dem Kanonenbein fest verwachsen ist.
Ich präparirte die eingeschrumpften Bänder und Gelenkskapseln der Fuss-
wurzel weg und gelangte dadurch zur Erkenntniss, dass auch die Fusswurzel einen
vom normalen bedeutend abweichenden Bau besitzt und nicht blos eine Verdiekung
der distalen Knochenenden vorliege.
Löst man die Tarsalknochen vollständig ab, so gelangt die proximale Ge-
lenkfläche der Metatarsalia zur Ansicht. Man erhält so das Bild, welches Fig. 6
auf Taf. VIII wiederzugeben versucht. Das Kanonenbein zeigt einen etwas vom
normalen abweichenden Bau, da seine Gelenkflächen beiweitem nicht so scharf
ausgeprägt sind als bei normalen Thieren. Ferner erhebt sich seine Fläche auf
der Hinterseite zu einer deutlich emporragenden Leiste, welche in der Figur
mit Z bezeichnet ist, eine Bildung, welche den regelmässig ausgebildeten Thieren
völlig fehlt.
An das Kanonenbein schliesst sich medial ein kleines Knöchelchen an, dessen
obere Endfläche linsenförmig begrenzt ist. Man kann dasselbe mit leichter Mühe
herausheben und findet, dass dasselbe die Form eines kurzen Keiles hat, dessen
Rücken die sichtbare Fläche ist. Das Knöchelchen entspräche der Lage nach einem
Metatarsale. In der oben angeführten Figur ist es mit pı bezeichnet.
Hierauf folgt das überzählige Metatarsale 9. Auch seine proximale Fläche
ist an der Hinterseite zu einer Leiste erhoben, Z,, welche in der Verlängerung
der Leiste des Kanonenbeines liegt.
Betrachten wir den Metatarsus von hinten, wie ihn Fig. 5« auf Taf. IX
darstellt, so erkennen wir noch zwei flache Knochen, welche lose aufgelagert er-
scheinen, und zwar der eine dem Kanonenbein, der andere dem überzähligen
Metatarsale.. Sie sind mit s und s, bezeichnet. In Fig. 6 auf Taf. VIII er-
scheinen sie ebenfalls und sind dort mit denselben Buchstaben kenntlich gemacht.
Zur Deutung dieser beiden Knochen mögen einige Bemerkungen gestattet
sein. Ich habe einige normale Gemsenskelete untersucht und auch behufs Ver-
gleich selbst einen Lauf skeletirt. Ich fand in den meisten Fällen an der hin-
teren Seite des Kanonenbeines einen flachen Knochen, welcher die dort befind-
Zwei Fälle von Polydactylie bei der Gemse. 453
liche Grube überdeckt. Leche!) gibt an, dass dieser Knochen constant sei und
deutet ihn als Metatarsale II oder I. An dem von mir präparirten Thiere
— einem etwa einjährigen Exemplare — fehlte derselbe gänzlich. Dies und das
Auftreten eines ganz gleichen Knochens hinter dem überzähligen Metatarsale
des hier besprochenen abnormen Fusses lässt auch die Deutung dieser beiden
Knochen als Sesambeine zu.
Gehen wir zur Beschreibung der Verhältnisse des Tarsus über, so finden
wir, in proximaler Richtung fortschreitend, an das Kanonenbein anschliessend
das verwachsene Naviculare und Cuboideum, e auf Taf. VIII, Fig. 7a. Daneben
das verwachsene Ecto- und Mesoeuneiforme, b, wie es bei normalen Thieren auch
der Fall ist. Medial von dem letztgenannten Knochen sehen wir einen weiteren,
ein überzähliges Tarsale, welches in der Figur mit a bezeichnet ist. Dies stellt
die Verbindung des überzähligen Metatarsale mit der Fusswurzel her. Es besitzt
eine obere concave Fläche und diese schliesst sich lateralwärts unmittelbar an
die obere Fläche des vereinigten Navieulare-Cuboideum an. Auf der medialen
Seite ist es in einen stumpfen Höcker ausgezogen, welcher gleichsam zum Ab-
schluss der eben erwähnten Gelenkfläche dient.
Nun folgen Astragalus und Caleaneus, welche in Fig. 7a weggelassen sind.
Das Ende der Tibia und das Fibularrudiment zeigen einige bemerkenswerthe
Formenunterschiede beim Vergleich mit den entsprechenden normalen Knochen.
Nachdem somit die allgemeinen Verhältnisse der Fusswurzel angegeben
sind, gehe ich zur Besprechung der Formenunterschiede der einzelnen Knochen
über. Zur Erleichterung des Verständnisses habe ich auf Taf. IX die homologen
Knochen eines normalen Gemsenfusses neben die des abnormen gezeichnet.
Beginnen wir mit dem distalen Ende der Tibia des polydactylen Beines,
so sehen wir sofort, dass der breite, flächenhaft ausgebildete Fortsatz der me-
dialen Seite, der Malleolus medialis des normalen Fusses, fast gänzlich fehlt. Die
Mitte der Tibia ist beim normalen, wie beim abnormen Fuss in einen ziemlich breiten
Fortsatz ausgezogen. Functionell ergibt sich hier schon ein bedeutender Unter-
schied zwischen dem abnormen und dem normalen Fuss. Durch den Malleolus
medialis einer- und den Mittelfortsatz andererseits wird eine ausserordentlich
straffe Verticalführung des Astragalus erreicht, denn die innseitige Gelenksrolle
desselben passt so genau in diese Fuge, dass ein gewisser Zug nöthig ist, um ihn
herauszuziehen. Diese straffe Führung fällt beim abnormen Fuss mangels der
genügenden Ausbildung des Malleolus medialis weg, die Bewegungsrichtung des
Astragalus ist etwas schräg nach innen gerichtet. Bei der Besprechung des Astra-
galus wird auf dieses Verhältniss nochmals hinzuweisen sein.
Auf der Aussenseite ist beim normalen Thiere eine ähnliche Führung der
lateralen Gelenksrolle des Talus vorhanden, welche medial wiederum durch den
Mittelfortsatz der Tibia und lateral durch das Fibularrudiment hergestellt wird.
Dasselbe ist mit Hilfe eines zahnartigen Fortsatzes der Tibia angefügt. Vergleicht
man die Abbildungen dieser beiden Knochen im normalen und im abnormen
1) Bronn's Classen und Ordnungen des Thierreiches, Bd. VI, Abth. 5, S. 629.
454 Anton König.
Falle, so findet man geringfügigere Unterschiede. Der zahnartige Fortsatz ist im
abnormen Falle stärker, die Gelenksflächen minder scharf ausgebildet. Die late-
rale Führung des Astragalus ist also erhalten geblieben. Vgl. Fig. 1a und b und
Fig. 4a und b auf Taf. IX.
Ein Vergleich des Calcaneus ergibt eine geringere Breite des Fersen-
fortsatzes gegenüber dem normalen Verhalten. Ferner ist das distale Ende des
Knochens weniger scharf zugespitzt und seine Gelenksflächen erscheinen stark
verwischt. Vergl. Fig. 2@ (abnorm), 2b (normal). Das Letztere steht im Zusammen-
hange mit einer sehr verminderten Beweglichkeit des Calcaneus. Am meisten
abweichend geformt ist der Astragalus. Sofort fällt die bedeutende Breite dieses
sonst schlank gebauten Knochens auf, vgl. Taf. IX, Fig. 3a und b. Nur die late-
rale Rolle des Gelenkes ist deutlich ausgebildet, die mediale, die normaler Weise
sich gerade durch besondere Schmalheit und Schärfe auszeichnet, ist stark ver-
breitert und sehr undeutlich im Zusammenhange mit dem oberwähnten Fehlen
der Führung von Seite des Malleolus medialis. Die ganze mediale Seitenwand
des Talus zeigt sich mit Buckeln und Vorsprüngen besetzt, schliesslich zieht sie
sich nach rückwärts in einen stumpfen Fortsatz (p) aus, welcher in den zwischen
dem Naviculare-Cuboideum und dem überzähligen Tarsale befindlichen Zwischen-
raum hineinragt (vergl. auch Fig. 5a auf Taf. IX).
Zur Articulation mit diesem letzterwähnten Knochen dient die kleine Ge-
lenksfacette:a des Astragalus, Fig. 3a. Betrachtet man den Talus von hinten, so
fällt sogleich auf, dass die Gelenksfläche, mit welcher sich der Calcaneus anfügt,
eine sehr kleine ist. Von einer gegenseitigen Verschiebbarkeit der beiden Knochen
gegeneinander kann kaum die Rede sein. Im Gegensatz hiezu ist bei normalen
Thieren fast die ganze Hinterfläche des Talus eine Gleitfläche für den Calcaneus,
und die Beweglichkeit bedeutend.
Das verwachsene Naviculare und Cuboideum unterscheidet sich von einem
normalen durch die geringe Ausbildung des zahnförmigen Fortsatzes desselben
(vgl. Fig. 7a und b auf Taf. VIII und 5a und Fig. b auf Taf. IX). Ein wesent-
licherer Unterschied ist ferner darin gelegen, dass die schüsselförmige Gelenks-
fläche, die dieser Knochen zur Aufnahme der unteren Gelenksrolle des Talus
bildet, medial nicht abgeschlossen ist, wie im normalen Falle. Dort erhebt sich
der mediale Rand und verläuft in den zahnartigen Fortsatz. Hier ist diese Er-
hebung völlig verschwunden. Dieses Verhalten ist dadurch bedingt, dass der
Talus ja auch mit dem überzähligen Tarsale artieulirt.
Das Cuneiforme wird wie im normalen Falle als verwachsenes Ecto- und
Mesocuneiforme zu deuten sein. Es unterscheidet sich auch formell nicht von
einem normalen.
Bei regelmässig gebildeten Thieren ist nun stets noch ein freies Ento-
cuneiforme vorhanden, welches man an der Hinterseite dem Naviculare-Cuboi-
deum untergelagert findet e (Fig. 5b auf Taf. IX). Diesen Knochen vermisst man
bei dem besprochenen abnormen Fall. Man kann nun entweder jenen über-
zähligen Tarsalknochen als sein Aequivalent ansehen, dann müsste man an-
nehmen, dass das Entocuneiforme medial- und vorwärtsgerückt ist. Oder es ist
\
Pre? zw
Zwei Fälle von Polydactylie bei der Gemse. 455
vielleicht das Entocuneiforme mit dem Ende des Kanonenbeines verschmolzen und
wir hätten die Knochenleiste 2 als sein Aequivalent zu betrachten. Die Ent-
scheidung hinge von einer, in diesem Falle ganz unmöglichen, entwicklungs-
geschichtlichen Untersuchung ab.
Zum Schlusse seien einige Bemerkungen gestattet, die sich auf die Deu-
tung des fraglichen Gebildes beziehen. Zuerst muss als ein nicht zu übersehendes
Moment hervorgehoben werden, dass es sich um zwei Vorkommnisse handelt,
welche an zwei, nicht weit und nicht durch unüberschreitbare Hindernisse ge-
trennten Orten in einem Zeitintervall von sechs Jahren gefunden wurden. Ein
genetischer Zusammenhang beider ist nicht ausgeschlossen, allerdings ist er auch
nicht nachzuweisen. Absonderlich wäre ein solcher Zusammenhang nicht, denn
Fälle von Vererbung von Polydactylie oder, um es hypothesenlos auszudrücken,
Fälle von öfterem Auftreten dieser Erscheinung in derselben Reihe genetisch
zusammengehöriger Individuen sind ja mehrfach bekannt, z. B. beim Menschen.
Es würde ein solcher Zusammenhang der beiden Fälle zeigen, dass die Missbildung
nicht so weit hinderlich war, dass sie das Fortkommen des Thieres unmöglich
gemacht hätte. Ferner würde es die Vermuthung stützen, dass es sich um einen
Rückschlag auf phylogenetisch frühere Verhältnisse handle und dass demnach
die beiden Fälle solche echter atavistischer Polydactylie seien.') Für den Fall
von 1882 glaube ich dies sicher in Abrede stellen zu können, der Fall von 1876
dürfte sich kaum anders beurtheilen lassen, wenn auch die Verhältnisse der
Fusswurzel unbekannt sind. Denn das, was die vorhandenen Photographien
zeigen, stimmt völlig mit dem zweiten Fall überein. Bei atavistischer Poly-
dactylie könnte es sich nur um das Wiederauftreten der ersten oder zweiten
Zehe handeln. Dem aber steht entgegen, dass die Afterklauen, von welchen die
mediale doch als Rudiment der zweiten Zehe zu gelten hat, beide vorhanden
sind, und dass ferner, wenn man auch das keilförmige Knöchelchen p, als proxi-
males Rudiment der zweiten Zehe annimmt, der Deutung der überzähligen, aus-
gebildeten Zehe als erster das Vorhandensein einer deutlichen Afterklaue an
derselben entgegensteht. Diese Afterklaue müsste als Rudiment einer über der
ersten hinausliegenden Zehe gelten, so dass auf einen sechszehigen Fuss zurück-
gegangen werden müsste. Es erscheint mir daher einfacher, eine unvollständige
Verdoppelung der Extremitätenspitze (Schistodactylie, Blanc) anzunehmen, wie
auch Boas?) zeigte, dass in einigen Fällen von Polydactylie bei Pferden und
Schweinen eine mehr oder minder vollständige Verdoppelung des ganzen Fusses
und keineswegs Atavismus vorliege. Diese Verdoppelung ist hier in der Reihe
der Metatarsalknochen bis zur Bildung eines vollständigen mit Afterklaue ver-
sehenen Metatarsale sammt zugehörigen Phalangen vorgeschritten. In der distalen
Reihe der Tarsalknochen ist das überzählige, mediale Tarsale hinzugekommen
— vielleicht auch wurde das Entocuneiforme hiezu umgebildet. Die proximale
ı) Blanc L., Etude sur la polydactylie chez les mammiferes (Ann. Soc. Linn. de Lyon, 1893,
N. S., T. 40, p. 53—883).
2) Boas J.E. V., Bidrag til Opfattelsen af Polydaktyli hos Pattedyrene (Vidensk. Medde-
lelser fra den naturhistoricke forening i Kjöbenhayn, 1833).
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 61
456 Anton König. Zwei Fälle von Polydactylie bei der Gemse.
Serie der Tarsalia hat bedeutendere Formveränderungen zum Zwecke der An-
passung an die abgeänderten Verhältnisse erlitten, welche Formveränderung
auch auf das distale Tibiaende übergriff. Schliesslich kann die Bemerkung nicht
unterdrückt werden, wie bedauerlich es ist, dass bei Vorkommnissen von Poly-
dactylie immer blos die abnormen Organe selbst untersucht und aufbewahrt
werden, während andere Organe desselben Thieres, z. B. die Zähne, unbeachtet
bleiben. Bei den vielen, eigenthümlichen Wechselbeziehungen der Organe würde
sich gewiss manches Interessante herausstellen und derartige, teratologische Fälle
von grösserer Bedeutung für die Entwicklungsmechanik werden.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel VIII.
Fig. 1. Skelet des linken Hinterfusses der im Jahre 1882 erlegten Gemse.
2 und 3. Skelete der beiden Hinterläufe der im Jahre 1876 erlegten Gemse.
4 und 5. Die beiden Hinterläufe desselben Thieres.
(Fig. 2—5 sind nach Photographien gepaust.)
„ 6. Proximales Ende des Kanonenbeines und überzähligen Metatarsale. m =
Kanonenbein, p9ı = keilförmiges Knöchelchen, p = überzähliges
Metatarsale, 2, 2; = Knochenleisten, s, s; = Sesambeine.
„ 7a. Tarsus des abnormen Gemsenfusses.
„ 7b. Tarsus eines normalen Gemsfusses ohne Talus und Calcaneus.
a — überzähliges Tarsale, b —= Ecto + Mesocuneiforme, ce = Navi-
culare + Cuboideum.
n
”
Tafel IX.
Fig. 1a. Distales Ende der Tibia des polydactylen Fusses. m = Malleolus me-
dialis, n = Mittelfortsatz.
„ 1b. Distales Ende der Tibia eines normalen Fusses. Bezeichnungen gleich.
„ 2a. Calcaneus des polydactylen,
„ 2b. des normalen Fusses.
„ 3a. Talus des polydactylen,
„ 35. des normalen Fusses, «a —= Gelenksfläche für das überzählige Tarsale,
p = höckeriger Fortsatz.
„ 4a. Fibularudiment des polydactylen,
„ 4b. Fibularudiment des normalen Fusses.
„ 5a. Tarsus des polydaetylen Fusses von hinten. Bezeichnungen wie bei
Fig. 7 auf Taf. VIII.
„ 5b. Tarsus des normalen Fusses von hinten. e — Entocuneiforme.
a) dd er
F
N
Neue und wenig bekannte Carabiden. 457
Neue und wenig bekannte Garabiden.
Von
Custos Ludwig Ganglbauer.
(Eingelaufen am 30, November 1896.)
Trechus elegans Putz. und seine Formen.
Trechus Schusteri Ganglb. von der Petzen (Wiener Entomol. Zeitung,
X. Jahrg., 1891, S. 117; Die Käfer von Mitteleuropa, Bd. I, S. 198) differirt von
Trechus elegans Putz., von dem ich bei Bearbeitung des ersten Bandes meiner
„Käfer von Mitteleuropa“ nur wenige Stücke (vom Loibl und von der Matschacher-
alpe am Stou) kannte, durch die als grosse spitze Winkel vorspringenden Hinter-
ecken des Halsschildes und durch kürzer ovale Flügeldecken. Nachdem mir nun
reiches Materiale von Trechus elegans vorliegt, überzeugte ich mich von der
grossen Variabilität dieser Art in der Form des Halsschildes und im Umriss der
Flügeldecken und kann Trechus Schusteri nicht mehr als eigene Art festhalten.
Ich selbst sammelte Trechus elegans sehr zahlreich in den westlichen
Karawanken, in den Alpen südlich von Klagenfurt, die Schaum (Naturgesch. d.
Ins. Deutschl., I, S. 647) als genaueren Fundort des elegans angibt, und zwar in
der Einsattlung zwischen Stou und Vertatscha, und ferner auf dem Obir. Weitere
elegans-Formen vom Grintouz in den Steiner- oder Sannthaler-Alpen erhielt ich
durch meine Freunde Dr. Spaeth und Rudolf Pinker. Putzeys hat Trechus
elegans (Stett. Entomol. Zeitg., 1870, S. 193) nach Stücken beschrieben mit einem
„eorselet plutöt carre que cordiforme, non sinue avant les angles de la base“.
Von solchen Stücken, die ich in den westlichen Karawanken einzeln unter solchen
mit mehr herzförmigem Halsschilde sammelte, differirt Trechus Schusteri aller-
dings recht erheblich. Die Halsschildform ist aber, wie erwähnt, bei Trechus
elegans sehr variabel. Nur in den extremsten Fällen ist der Halsschild bis knapp
vor die Basis geradlinig verengt und die Hinterecken springen nur als kleine
rechte Winkel vor. Meist ist der Halsschild vor der Basis stärker eingezogen
und die Hinterecken bilden grössere rechte Winkel. Unter den zahlreichen Stücken
vom Obir finden sich solche, die in der Halsschildbildung mit der Mehrzahl der
Stücke von den westlichen Karawanken übereinstimmen, aber auch solche, welche
sich durch längere und mehr spitzwinkelig vorspringende Hinterecken des Hals-
schildes dem Trechus Schusteri nähern. Die Flügeldecken der Obirformen sind
wie bei Schusteri im Allgemeinen kürzer als beim elegans der westlichen Kara-
wanken. Die Formen vom Grintouz verbinden die Halsschildform des Schusteri
mit den längeren Flügeldecken des typischen elegans.
Es ist in Vorhinein anzunehmen, dass die verschiedenen auf den Kara-
wanken und Steiner-Alpen vorkommenden Trechus-Formen der elegans-Gruppe
ß 61*
458 Ludwig Ganglbaner.
einer einzigen Art angehören, da die ganze Carabidenfauna dieses Gebirgscom-
plexes einen einheitlichen Charakter besitzt.
Eine weitere Form des Trechus elegans sammelte ich in den julischen
Alpen, die in der Carabidenfauna gleichfalls mit den Karawanken übereinstimmen.
Oychrus Schmidti, Nebria diaphana, Pterostichus cognatus, Schaschli, Becken-
haupti, Amara spectabilis können als gemeinsame Charakterformen genannt
werden.
Trechus elegans Putz. var. carniolicus.
Vom typischen elegans der westlichen Karawanken durch bedeutendere
Grösse, breitere, robustere Körperform, scharfe, spitzwinkelige Hinterecken des
Halsschildes, breitere und daher kürzer erscheinende, gewölbtere Flügeldecken und
im Allgemeinen durch dunklere Färbung verschieden. Die hellen Stücke einfarbig
rostroth, die dunklen mit braunrothem Kopf und Halsschild und bis auf die
Naht und den Seitenrand pechschwarzen Flügeldecken. Auch dem Trechus si-
nuatus Schm. sehr nahe stehend, wesentlich grösser, die Fühler bedeutend länger,
von halber Körperlänge, sämmtliche Glieder derselben viel mehr gestreckt, das
dritte Glied wesentlich länger als das zweite, das zweite vom vierten kaum an
Länge verschieden. Long. 3°8—4 mm.
Von mir in der alpinen Region der Crna prst bei Feistritz in der Wochein
ziemlich zahlreich gesammelt.
Bei Trechus sinuatus Schaum sind die Fühler wenig länger als Kopf und
Halsschild zusammengenommen, ihr zweites Glied ist nicht oder nur sehr wenig
kürzer als das dritte, aber deutlich länger als das vierte.
Nach Schaum (Naturgesch. d. Ins. Deutschl., I, S. 648) kommt Trechus
sinuatus in Krain und auf dem Monte Baldo vor. „Aus Krain von H. Miller
in Mehrzahl mitgetheilt, von Dr. H. Müller auf dem Monte Baldo gesammelt.“
Krainer sinuatus sind mir nicht bekannt. Der naheliegenden Vermuthung, dass
Schaum Trechus elegans var. carmiolicus mit sinuatus vermengt habe, wider-
spricht die Angabe in der Beschreibung des sinuatus: „Die Fühler sind wenig
länger als Kopf und Halsschild, das zweite und dritte Glied sind von gleicher
Länge, das vierte eher etwas kürzer.“
Trechus Hampei Ganglb. var. Kraussi und Trechus ovatus
Putz. var. Peneckei.
Trechus Hampei und ovatus treten auf dem Hochlantsch bei Mixnitz in
Steiermark in Formen auf, die in der Grösse sehr auffällig hinter den Stücken
vom Schneeberge, von der Raxalpe, der Hochschwabgruppe und den Ennsthaler-
Alpen zurückbleiben. Trechus Hampei erreicht auf dem Hochlantsch nur die
Grösse von 27—2'9 mm, ovatus nur die Grösse von 3—3'3 mm. Diese für die
alpine Fauna des Hochlantsch charakteristischen Zwergrassen des Trechus Hampei
und ovatus verdienen besondere Namen und seien nach den eifrigen Erforschern
der Käferfauna der Steiermark, meinen Freunden Dr. Hermann Krauss und
Dr. Carl Penecke in Graz, benannt. Var. Kraussi ist in den Sammlungen
als var. cetius Ganglb. i. 1. verbreitet.
un A Fe a u a
Neue und wenig bekannte Carabiden. 459
Trechus Brandisi n. sp.
Trecho procero Putz. proximus, differt colore testaceo-ferrugineo, capite
minus brevi, temporibus longioribus, postice magis convergentibus, prothorace
elytrisque paullo longioribus. Long. 6 mm. — Bosnia.
Die neue Art steht dem siebenbürgischen Trechus procerus Putz. so nahe,
dass eine vergleichende Charakteristik genügt. Trechus Brandisi unterscheidet
sich von procerus durch hell rostrothe Färbung des Körpers, durch weniger
kurzen Kopf, merklich längere, nach hinten mehr verengte Schläfen, längeren
Halsschild und längere, daher schmäler erscheinende Flügeldecken. Trechus
Brandisi ist auch dem in den ostgalizischen und nordsiebenbürgischen Karpathen
vorkommenden Trechus subterraneus Mill. ähnlich. Von diesem unterscheidet er
sich durch geringere Grösse, wesentlich grössere Augen, weniger tiefe Stirnfurchen,
viel weniger gewölbte Schläfen, länger abgesetzte Hinterecken des Halsschildes,
schwächer punktirte Streifen der Flügeldecken und durch das Vorhandensein von
nur drei eingestochenen Punkten im dritten Zwischenraume derselben.
Herr Prof. P. Franz Speiser aus Kalocsa fand je ein Stück auf dem Vla-
SiG und auf der Vranica bei Travnik in Bosnien. Ich dedieire die Art dem um
die botanische und entomologische Erforschung der Umgebung von Travnik hoch-
verdienten Herrn Prof. P. Erich Graf Brandis in Travnik.
Trechus (Anophthalmus) Dietli n. sp.
Trecho (Anophthalmo) Budae Kend. proximus, differt corpore minore,
capite prothoraceque angustioribus et glabris, prothoracis parte basali longius
parallela, margine laterali amgustius reflexo, elytris oblongo-ovalibus, multo
subtilius, brevius et parcius, vie perspicue erecte pilosis, levius striatis, strüs
externis vix indicatis. Long. 37 mm. — Alpes Transsilvaniae meridionalis.
In der äusserst feinen und kurzen, nur bei seitlicher Ansicht erkennbaren
aufstehenden Behaarung der Flügeldecken bei kahlem Kopf und Halsschild mit
Trechus dacicus Friv. und Hegedüsi Friv. übereinstimmend, von beiden durch
viel geringere Grösse, den im Verhältnisse zu den Flügeldecken schmalen Hals-
schild und durch viel schwächer ausgebildete, aussen erloschene Streifen der
Flügeldecken verschieden. Dem T’rechus Budae Kenderesy nahe stehend, aber
kleiner, Scheitel und Halsschild ohne abstehende Behaarung, der Halsschild
hinter der Mitte etwas stärker verengt und in der Basalpartie in grösserer Aus-
dehnung parallelseitig, die rechtwinkeligen Hinterecken daher länger abgesetzt,
der Seitenrand des Halsschildes, sowie die Flügeldecken schmäler aufgebogen,
die Flügeldecken an den Seiten mehr gerundet, ihre drei inneren Streifen mässig
tief, seicht und weitläufig punktirt, der vierte Streifen schwächer, der fünfte
und sechste nur sehr schwach angedeutet, der siebente ganz erloschen. In der
Grösse und Körperform mit Trechus Kimakowiezi Ganglb. vom Negoi ausser-
ordentlich übereinstimmend, von demselben im Wesentlichen nur durch schmäleren
Kopf, den Mangel der Augen und das Vorhandensein einer äusserst kurzen und
460 Ludwig Ganglbauer,
spärlichen aufstehenden Behaarung auf den Flügeldecken verschieden. An Stelle
der Augen findet sich ein kaum erhobenes, quergestelltes, längliches Feldchen, das
in der Textur unter starker Lupenvergrösserung von seiner Umgebung nicht ver-
schieden erscheint.
Diese Art ist bei ihrer ausserordentlich nahen Verwandtschaft mit dem
wohl ausgebildete, wenn auch nur kleine Augen besitzenden Trechus Kimako-
wiezi Ganglb. besonders interessant. Beide Arten gehören den transsilvanischen
Alpen an und leben in der alpinen Region unter tief eingebetteten Steinen.
Trechus Kimakowiezi wurde am Negoi, östlich vom Rothenthurmpass, Trechus
Dietli von Herrn Ernst Dietl am Vurfu mare, westlich vom Rothenthurmpass,
aufgefunden. Herr Diet], dem ich die neue Art dedieire, war so freundlich, ein
Exemplar derselben der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums zu
widmen.
Trechus (Anophthalmus) Hegedüsi Friv.
Diese Art wurde von mir und meinem Freunde Dr. Franz Spaeth bei Her-
kulesbad im oberen bewaldeten Theile der Prolaschlucht unter sehr grossen, tief
eingebetteten Steinen aufgefunden. Die von Frivaldszky (Term. Füz., IV, 1880,
p. 179) hervorgehobene Behaarung der Flügeldecken ist bei den 11 mir nunmehr
vorliegenden Stücken so äusserst kurz und spärlich, dass sie auch bei seitlicher
Ansicht unter sehr starker Vergrösserung nur schwer wahrgenommen werden
kann. Bei An. dacieus Friv. ist die Behaarung der Flügeldecken kaum besser
erkennbar, während sie bei An. Bielzi Seidl., Budae Kend. und namentlich bei
pilifer Ganglb. sehr deutlich hervortritt. Hierauf möge im ersten Bande meiner
„Käfer von Mitteleuropa* in der Trechus-Tabelle, S. 189, Gegens. 39, geachtet
werden.
Trechus (Anophthalmus) Paganettii n. sp.
Nitidus, rufoferrugineus, palpis rufotestaceis. Caput prothorace multo
angustius, usque ad marginem clypei anteriorem latitudine haud longius, postice
parum constrietum, oculis tuberculo breviter ovali, parum prominulo, concolore
indicatis, suleis frontalibus longis, profundis, antice modice divergentibus, Pos-
tice minus profundis et extus curvatis, puncto supraorbitali antico magno et
profundo, postico minuto. Antennae longae, corpore non multo breviores, arti-
culis elongatis. Prothorax latitudine haud longior, cordatus, postice constric-
tus, lateribus rotundatis, ante basin breviter parallelis, basi apice late emargi-
nato evidenter angustiore, angulis posticis rectis, disco sat convexo, parte basali
medio longitudinaliter pliculata et utrimque profunde foveolata, margine laterali
angustius et aequaliter reflexo. Elytra simul sumpta prothorace fere duplo
latiora, latitudine sesqui longiora, leviter convexa, haud impressa, fere elliptica,
basin versus paullo magis quam postice angustata, humeris rotundatis, margine
laterali anguste et aequaliter reflexo, striüis completis et profundis, evidenter sed
laxe punctatis, externis postice obsoletioribus, interstitiis planis, interstitio ter-
Neue und wenig bekannte Carabiden. 461
tio punctis setigeris tribus instructo, Stria curvata apicali pumetum dorsale ter-
tium antice haud excedente. Femora modice elongata, evidenter incrassata.
Long. #7 mm. — Dalmatia.
Glänzend rostroth, mit röthlichgelben Tastern, kahl. Der Kopf viel schmäler
als der Halsschild, bis zum Vorderrande des Clypeus nicht länger als breit, an
den Seiten nur sehr schwach gerundet, fast gleich breit, hinten leicht eingeschnürt.
Die Augen sind nicht wie bei vielen anderen Anophthalmen durch ein kleines
pigmentloses Feldchen, sondern durch eine mit dem Kopfe gleichfarbige, flache,
kurz ovale Erhabenheit, die einige Spuren von Facetten erkennen lässt, angedeutet.
Die Stirnfurchen sind tief und divergiren vorne und hinten nur mässig. Der vor-
dere borstentragende Supraorbitalpunkt ist auffällig gross und befindet sich in
der Mitte der Seitenwülste des Kopfes. Der hintere Supraorbitalpunkt ist klein,
ein wenig mehr nach innen gerückt und der seichteren, die Schläfen hinten um-
schreibenden Verlängerung der Stirnfurchen sehr genähert. Die Fühler lang, nur
wenig kürzer als der Körper. Der Halsschild nicht länger als im vorderen Drittel
breit, von da nach hinten in schwächerer, aber längerer Curve verengt als nach
“ vorne, vor der Basis eingeschnürt und etwa bis zu einem Siebentel der Länge
parallelseitig, am Vorderrande in der ganzen Breite seicht ausgerandet und da-
selbst deutlich breiter als an der gerade abgestutzten Basis, die Vorderecken vor-
springend, die Hinterecken in der Anlage scharf rechtwinkelig, ihre Spitze aber
kurz vorgezogen, wodurch sie etwas spitzwinkelig erscheinen, die Scheibe ziem-
lich gewölbt, mit scharfer, feiner Mittellinie, die matt chagrinirte Basalpartie
jederseits mit einem ziemlich grossen und tiefen Grübchen, in der Mitte mit
einigen Längsfältchen, der Seitenrand schmal, gegen die Rundung im vorderen
Drittel allmälig etwas breiter abgesetzt und gleichmässig aufgebogen. Die Flügel-
decken zusammengenommen fast doppelt so breit als der Halsschild, etwa andert-
halbmal so lang als breit, ziemlich regelmässig oval-elliptisch, gegen die Basis
aber doch etwas stärker und in flacherer Curve verengt als gegen die Spitze, mit
vollkommen abgerundeten Schultern, schmal und gleichmässig abgesetztem und
aufgebogenem Seitenrand, leicht gewölbt, ohne Eindrücke, vollzählig und ziemlich
tief gestreift, die Streifen weitläufig und schwach, aber deutlich erkennbar punk-
tirt, die äusseren Streifen gegen die Spitze schwächer ausgebildet, die Zwischen-
räume flach, der dritte Zwischenraum mit drei eingestochenen borstentragenden
Punkten, das umgebogene Ende des Nahtstreifens im Niveau des dritten Punktes
nach innen gekrümmt und mit diesem verbunden. An der Basis des siebenten
Streifens befindet sich ein borstentragendes Höckerchen, das aber vom Schulter-
rand nicht weiter abgerückt ist als drei ähnliche, vorne im achten Streifen be-
findliche Höckerehen. Die Schenkel sind nur mässig lang und ziemlich verdickt.
Die Art differirt von An. Targionii, dalmatinus und allen Krainer Arten
dadurch, dass das borstentragende Höckerchen an der Basis des siebenten Strei-
fens nicht weiter vom Schulterrande abgerückt ist als die borstentragenden
Höckerchen oder Punkte des achten oder Submarginalstreifens. Sie ist durch die
Form und die schmale Randung des ziemlich gewölbten Halsschildes, durch den
fast regelmässig elliptischen Umriss und die Wölbung der an den Seiten schmal
462 Ludwig Ganglbauer.
und gleichmässig gerandeten Flügeldecken, durch vollzählig ausgebildete, aber
nur schwach punktirte Streifen derselben und durch sehr deutlich verdickte
Schenkel ausgezeichnet und steht zu keiner mir bekannten Anophthalmus-Art in
näherer Verwandtschaft.
Herr Gustav Paganetti-Hummler fand diese sehr ausgezeichnete Art
in einer Höhle bei Stolivo in der Nähe von Castelnuovo in Dalmatien und war
so gütig, eines der zwei aufgefundenen Exemplare der Sammlung des Hofmuseums
zu überlassen. In derselben Höhle fand sich auch Anophthalmus dalmatinus Mill.
Trechus (Anophthalmus) globulipennis Schaum.
Schaum eitirt bei Anophthalmus globulipennis und Schaumi (Naturg.
Ins. Deutschl., I, 1860, S. 660, 661): „Schmidt, Zeitschr. d. Krainischen Landes-
museums, 3. Jahresheft, 1859“. Nach brieflicher Mittheilung meines Freundes Stus-
siner hat Schmidt am angeführten Orte keine Beschreibung der zwei An-
ophthalmus-Arten gegeben, sondern dieselben vielmehr später (in diesen „Ver-
handlungen“, 1860, S. 669, 670) als Schaum beschrieben. Die Schaum schen
Beschreibungen der zwei Arten waren bereits im Frühjahre 1860 veröffentlicht,
die Schmidt’schen wurden erst in der Sitzung vom 3. October 1860 der zoo-
logisch-botanischen Gesellschaft in Wien vorgelegt und erschienen naturgemäss
noch später in diesen „Verhandlungen“. Es ist somit die Priorität Schaum zu-
zuerkennen und dieser als Autor von Anophthalmus globulipennis und Schaumi
zu eitiren. Anophthalmus Schaumi hat sich hienach Schaum selbst dedieirt. >
Schaum sagt von An. globulipennis: „Von dieser durch die Form des
Halsschildes, die Form und Sculptur der Flügeldecken sehr ausgezeichneten Art
ist bisher nur ein Exemplar von Herrn Ferd. Schmidt in der Eisgrotte von
Innerkrain aufgefunden und mir unter dem obigen Namen zur Beschreibung mit-
getheilt worden.* Diese Fundortsangabe ist sehr unbestimmt, da es nach Stus-
siner in Innerkrain viele Eisgrotten gibt, und gewiss auch falsch, da in einer
Eisgrotte kaum ein Anophthalmus leben dürfte. Schmidt gibt für An. globuk-
pennis (in diesen „Verhandlungen“, 1860, S. 670) die Höhle auf dem Berge
Ljubnik an.
Freund Stussiner in Laibach war so glücklich, in der Kevdevcagrotte
am Ljubnikberge bei Bischoflack in Oberkrain mit An. hirtus Sturm einen
Anophthalmus in einem Exemplare aufzufinden, auf welchen sowohl die Schaum-
sche als Schmidt’sche Beschreibung des verschollenen, von Dr. Joseph (Berl.
Entomol. Zeitschr., 1870, S. 265) mit Unrecht als Form des An. Schaumi gedeu-
teten An. globulipennis vollkommen zutrifft. Dieser Anophthalmus steht dem
bekannten, in den Höhlen von Ober- und Innerkrain vorkommenden und von
mir auch im Friedrichsteiner Walde bei Gottschee in Unterkrain im Freien auf-
gefundenen An. Schaumi ziemlich nahe, unterscheidet sich aber von diesem durch
viel schmäleren Vorderkörper, breiter ovale, ziemlich stark gewölbte Flügeldecken,
durch den Bau des Halsschildes, durch abgerundete Schulterecken und erloschene
äussere Streifen der Flügeldecken, und sehr auffällig durch das Vorhandensein von
Ve in *
aa a A rn ZZ
Neue und wenig bekannte Carabiden. 463
vier statt drei borstentragenden Punkten im dritten Zwischenraume derselben. Der
Halsschild ist nicht wie bei Schaumi vom vorderen Drittel gegen die Spitze der
Hinterecken allmälig verengt, sondern vor den kleinen, scharf vorspringenden
Hinterecken eingezogen, hinter der Mitte daher viel stärker verengt. An den
Seiten ist der Halsschild sehr fein, viel feiner als bei Schaumi gerandet. Durch
den Besitz von vier statt drei borstentragenden Punkten im dritten Zwischen-
raume der Flügeldecken stimmt An. globulipennis mit dem venetianischen, in
der Grotta d’Oliero bei Bassano vorkommenden An. Targionii Della Torre über-
ein und steht auch im Uebrigen diesem sehr nahe. Er unterscheidet sich aber
von An. Targionii durch merklich bedeutendere Grösse, längeren, hinten stärker
eingeschnürten Kopf, viel längere Fühler, im vorderen Drittel mehr gerundet
erweiterten, nach hinten stärker verengten Halsschild, breiter ovale Flügeldecken
und durch viel längere Beine.
Die Artrechte des Anophthalmus globulipennis Schaum, dessen Wieder-
auffindung wir dem unermüdlichen Erforscher der Krainer Höhlen, Herrn Josef
Stussiner in Laibach, verdanken, sind somit sichergestellt. Herr Stussiner
widmete das einzige von ihm aufgefundene Exemplar dem k. k. naturhistorischen
Hofmuseum.
Aechmites Stussineri n. sp.
Aechmitae conspieuo similis et affinis, differt corpore convexo, haud
depresso, prothorace fortius cordato, lateribus ante medium fortius rotundato-
dilatatis, postice magis convergentibus et fortius reflexis, prothoracis basi haud
punctata, elytris convexis, postice valde declivibus, strüs minus profundis sed
multo evidentius punctatis, interstitiis ommino planis, trochanteribus postieis
minus elongatis et brevius acuminatis, tibuüs intermedüs perparum curvatis,
postieis rectis. Long. 21mm. — Thessalia.
Dem Aechmites conspieuus Waltl nahe stehend, von demselben durch die
in der vergleichenden Diagnose angegebenen Charaktere sofort zu unterscheiden.
Der Körper gewölbt, nicht wie bei conspieuus niedergedrückt. Der Halsschild
ausgesprochen herzförmig, vor der Mitte viel mehr gerundet erweitert und
gegen die Basis stärker verengt als bei conspieuus, der Seitenrand desselben
hinten stärker aufgebogen. Die Scheibe des Halsschildes leicht gewölbt und
sehr deutlich quer gerillt. Weder auf der Basalpartie noch in der Seitenrand-
kehle sind deutliche Punkte zu erkennen, die Querfurche vor der Basis des
Halsschildes ist schmäler und tiefer als bei conspicwus, vom Hinterrande weniger
abgerückt, die sie seitlich begrenzenden Eindrücke sind kürzer. Die Flügeldecken
sind gewölbt und fallen hinten in starker Wölbung ab. Die Streifen derselben
sind weniger tief als bei conspicuus, aber viel deutlicher punktirt. Die Zwischen-
räume der Punktstreifen sind ganz flach. Die Mittelschienen der vorliegenden ®
sind ein wenig schwächer gekrümmt als beim 2 des conspicuus, die Trochan-
teren der Hinterbeine kürzer und dicker als bei diesem, kaum ein Drittel so
lang als die Hinterschenkel, an der Spitze zusammengedrückt und sehr kurz
zugespitzt. Die Hinterschienen sind vollkommen gerade.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 62
464 Ludwig Ganglbauer.
Im Inneren der schwer zugänglichen grossen Höhle im Kokkino vracho!)
(in der steil abfallenden Nordwand der Schlucht Boghaz) des Ossa-Gebirges in
Thessalien zwischen Ambelakia und Spilia am 4. Juli 1884 von Herrn Josef
Stussiner aufgefunden. Die an Arthropoden ungemein reiche Höhle ergab
ausserdem an Coleopteren:
Trechus subnotatus Dej. var. pallidipennis Schaum,
Bathyscia thessalica Reitt.,
Anemadus pellitus Reitt. und
Anemadus graecus Kr.
Freund Stussiner war so gütig, das einzige aufgefundene Exemplar des
neuen Aechmites (2) der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums zu
widmen.
Tapinopterus Kaufmanni n. sp.
Piceus, antennis, palpis pedibusque ferrugineis. Caput ovale, postice
leviter constrictum, prothorace angustius, oculis sat parvis, parum promimnulis,
temporibus parum convexis, oculorum diametro longitudine fere aequalibus, gemis
sub oculis longidutinaliter strigosis. Antennae robustae, dimidium corporis haud
attingentes. Prothorax longitudine haud latior, anguste cordatus, longe ante
medium modice rotundato-dilatatus, ante basin constrictus, lateribus modice
rotundatis, postice sinuatis et basin versus parallelis, apice vix emarginato, basi
truncata, apice evidenter angustiore, angulis anticis haud productis, posticis
rectis, disco leviter convexo, linea media antice et postice abbreviata, striola
ante basin utrimque unica profunda impressa, lateribus anguste marginatis et
seta unica longe ante medium posita instructis. Elytra sat elongata, pone
medium levissime rotundato-dilatata, prothorace parum latiora, margine basali
vie sinuato, angulo basali haud prominulo, disco convexo, margine laterali
anguste reflexo, strüs profundis, fere laevibus, interstitis plamiusculis sub-
tilissime alutaceis, interstitio secundo striola scutellari brevi setigera, stria
secunda longe pone medium puncto setigero unico instructis. Episterna pro-
thoracis haud vel perparce punctata. Processus prosternalis inter coxas medio
longitudinaliter sulcatus, apice deflewo haud marginatus. Tarsorum articulus
ultimus subtus utrimque bi- vel trisetosus. Long. 11mm. Hungaria meridionalıs,
ad thermas Herculis mehadienses, Balkan.
Dem Tapinopterus balcanieus Ganglb. (Die Käfer von Mitteleuropa, I,
S. 296) vom Balkan und Rhilo-Dagh nahe stehend, von demselben durch viel
schmälere Körperform, namentlich viel schmäleren, gestreckteren, schmal herz-
förmigen Halsschild und durch gestrecktere, an den Seiten viel schwächer
gerundete Flügeldecken verschieden. Bei Tapinopterus balcanicus ist der Hals-
schild breiter als lang und seine Seiten sind bis zur parallelseitigen, einge-
schnürten Basalpartie, die etwa ein Siebentel der Länge einnimmt, stark gerundet.
1) Kokkino vracho heisst deutsch „rother Fels“.
Su. £
Be TREE RT
Neue und wenig bekannte Carabiden. 465
Bei Tapinopterus Kaufmanni ist der Halsschild so lang als breit und seine
Seiten sind bis zur weniger scharf abgesetzten Basalpartie nur in sanfter Curve
gerundet. Die grösste Breite des Halsschildes liegt etwa im vorderen Drittel;
von hier ist der Halsschild nach hinten in längerer und flacherer Curve verengt
als nach vorne. Die Flügeldecken sind viel schmäler und gestreckter als bei
balcanicus und in den Streifen viel undeutlicher punktirt.
Tapinopterus Kaufmanni wurde von Herrn Josef Kaufmann im Czerna-
thale bei Herkulesbad in Südungarn und von den Herren Custos Vietor Apfel-
becek und Dr. Hans Rebel im Balkan, von ersterem im Karlovo- oder Kalofer-
Balkan, von letzterem bei Slivno (Kusch-Bunar) in einzelnen Stücken gesammelt.
Feronia cognata Dej. (Spec., V, p. 765, Icon., III, Pl. 138, Fig. 3), welche
nach einem von Gen&@ an Dejean eingesandten, „probablement* aus Ungarn
stammenden Exemplare beschrieben ist, wurde nach meiner Ansicht von Schaum
(Naturgesch. d. Ins. Deutschl., I, S. 484) mit Recht auf den über die Gebirge
von Kärnten, Krain, Illyrien und Südtirol verbreiteten Steropus Schmidti
Kunze i. 1. bezogen. In der That passt auch die Beschreibung der cognata
exact auf die genannte Art, etwa mit Ausnahme der Angabe: La täte...a
entre les antennes deux impressions longitudinales fortement marqu&es.
Doch variiren gerade die Stirneindrücke bei der Krainer Art in der Stärke sehr
erheblich und es fehlt nicht an Stücken, bei denen sie als fortement marquees
bezeichnet werden können. Später hat Schaum (Berl. Entomol. Zeitschr., VIII,
1864, S. 143) aus mir unbekannten Gründen Feronia cognata Dej. als der
jonischen, zu Tapinopterus gehörigen Feronia extensa Dej. erklärt, wiewohl die
in der Iconographie von Dejean gegebenen Figuren der cognata und extensa
zwei habituell sehr verschiedene Thiere darstellen. Chaudoir beschrieb (L’Abeille,
V, 1896, p. 246) Steropus Schmidti Kunze i. 1. als Feronia Schmidti, die er in
die Untergattung Haptoderus stellte, und bezog gleichzeitig Feromia cognata
Dej. auf Pterostichus placidus Rosenh. vom Monte Baldo, später aber (Deutsche
Entomol. Zeitschr., XX, 1876, S. 345) auf eine Art vom Balkan, die er von Türk
‚als Haptoderus balcanicus Friv. i. 1. erhalten hatte. Beide Deutungen erweisen
sich sofort als unrichtig, wenn man beachtet, dass sowohl Pterostichus placidus
Rosenh. als die Art vom Balkan im dritten Zwischenraum der Flügeldecken nur
einen eingestochenen Punkt besitzt, während Dejean für Feronia cognata
ausdrücklich das Vorhandensein von zwei eingestochenen Punkten im dritten
Zwischenraume angibt. Aus demselben Grunde könnte auch Feronia cognata
Dej. nicht auf Tapinopterus Kaufmanni m. bezogen werden. Ich bleibe daher
bei der ursprünglichen Deutung der Feronia cognata Dej. und beziehe dieselbe
auf Feronia (Haptoderus) Schmidti Chaud.
Die Synonymie der Feronia cognata Dej. ist demnach folgende:
Pterostichus cognatus Dej., Schaum, 1860, Ganglb., 1892.
Schmidti Chaud.
Tapinopterus extensus De).
cognatus Schaum, 1864.
466 Ludwig Ganglbauer.
Tapinopterus placidus Rosenh.
cognatus Chaud., 1869.
Tapinopterus balcanieus Ganglb.
cognatus Chaud., 1876.
Im ersten Bande meiner „Käfer von Mitteleuropa“ habe ich (S. 296) die
in der Sammlung Türk’s als Haptoderus balcanicus Friv. i. 1. bezeichnete
Balkanart (= cognatus Chaud., nee Dej.), von der mir auch von Heller im
Rhilo-Dagh gesammelte Stücke vorlagen, als Tapinopterus balcanicus beschrieben
und dieselbe unter die mitteleuropäischen Arten aufgenommen, da nach brief-
licher Mittheilung Frivaldszky's Haptoderus balcanieus Friv. i. 1. auch bei
Herkulesbad in Südungarn vorkommen soll. Nun bezieht sich aber Frivaldszky’s
Angabe vermuthlich auf Tapinopterus Kaufmanni m. und demnach wäre der
wirkliche Haptoderus balcanieus Friv. i. 1. = Kaufmanni m., die von Türk
an Chaudoir unter diesem Namen mitgetheilte, von Chaudoir als Feronia
cognata Dej. gedeutete Art aber — balcanicus m.
Tapinopterus (Percosteropus) byzantinus n. sp.
Aterrimus, nitidus, antennis palpis pedibusque rufobrumneis. Caput cras-
siusculum, postice perparum constrietum, striga temporali vero bene indicata,
oculis vie prominulis, fronte utrimque longitudinaliter suleatostriata, strüs pro-
fundis et parallelis. Antennae sat robustae, dimidio corpore breviores. Protho-
rax magnus, elytris parum angustior, longitudine fere sesqui latior, transversim
rotundatus, basin versus multo fortius angustatus quam amtice, basi margine
amteriore late et parum profunde emarginato multo angustiore, angulis anticis
prominulis, posticis haud late rotundatis, disco convexo, ante basın wtrimque
profunde unistriato, linea media sat profunde ineisa, lateribus anguste margr-
natis, seta unica ante medium sita instructis. Elytra elongato-obovata, pone
medium leviter rotundato-dilatata, latitudine vis duplo longiora, valde convexa,
margine laterali angustissime reflexo, basi immarginata, strüs subtilibus sed con-
einnis, subtiliter et luxe punctatis, stria scutellari inter striam primam et secun-
dam serie obliqua punctorum vie impressa indicata, interstitüs planis, interstitio
tertio longe pone medium puncto setigero unico ad striam secundam sito in-
structo, interstitio nono antice tantum octavo angustiore, serie umbilicata medio
late interrupta, stria septima, postice obsolete continuwata amte apicem punctis
umbilicatis duabus instructa, stria nona pone medium a margine sensim re-
mota. Processus prosternalis apice immarginatus. Episterna prothoracica lati-
tudine multo breviora, leviter rugulosa. Abdominis segmenta ventralia amteriora
utrimque perparce et obsolete pumctata. Pedes haud elongati. Tarsi postiei
extus haud suleati. Tarsorum artieulus ultimus subtus wtrimque umisetosus.
Long. 135 mm. — Twurcia.
Die sehr ausgezeichnete Art ist unter Zapinopterus zu stellen, da ihr eine
Seta in den Hinterecken des Halsschildes fehlt. Sie bildet aber, da die Flügel-
decken wie bei Percus, Pseudopercus, Abacopereus, Aphaobius und Calopterus
u u re ee
Neue und wenig bekannte Carabiden. 467
an der Basis ungerandet sind, eine eigene Untergattung, für die ich den Namen
Percosteropus in Vorschlag bringe. Das Thier sieht durch die Form des Hals-
schildes, dessen Hinterecken abgerundet sind, einem Steropus ähnlich.
Tiefschwarz, sehr stark glänzend, die Fühler, Taster und Beine dunkel
braunroth. Der Kopf ziemlich gross und dick, hinter den sehr wenig vorsprin-
genden Augen mit sehr schwach entwickelten Schläfen, die aber hinten und unten
durch eine deutliche Bogenfurche begrenzt werden. Die Stirneindrücke als tiefe,
parallele, furchenförmige Längsstriche ausgebildet. Die Wangen unter den Augen
mit drei bis vier tiefen Streifen. Die Fühler klein und kräftig, kürzer als der
halbe Körper. Die Endglieder der Taster gegen die abgestutzte Spitze nur sehr
wenig verschmälert. Der Halsschild gross, nur wenig schmäler als die Flügel-
decken, quer-rundlich, aber im vorderen Drittel am breitesten, von da nach hinten
viel stärker, aber in schwächerer Rundung verengt als nach vorne, an der leicht
ausgebuchteten Basis daher viel schmäler als an dem in seiner ganzen Breite
seicht ausgerandeten Vorderrand, die Vorderecken vorspringend, die Hinterecken
vollkommen, aber nicht sehr breit abgerundet, die Scheibe gewölbt, mit tiefer
Mittelfurche und vor der Basis jederseits mit einem tief eingegrabenen, etwa !/;
der Halsschildlänge erreichenden Längsstrich, die gerundeten Seiten sehr schmal
gerandet, vor der Mitte mit einem borstentragenden Punkt. Die Flügeldecken
gestreckt oval, hinter der Mitte schwach erweitert, sehr stark gewölbt, mit sehr
schmal und gleichmässig aufgebogenem Seitenrand, an der Basis ungerandet, fein
. gestreift, die Streifen fein und weitläufig punktirt, ein Seutellarstreifen vorne
zwischen dem ersten und zweiten Streifen durch eine schräge, schwach oder kaum
vertiefte Punktreihe angedeutet, die Zwischenräume ganz eben, der dritte Zwischen-
raum mit einem einzigen, weit hinter der Mitte am zweiten Streifen befindlichen
Punkt, der neunte Zwischenraum flach wie die übrigen, nur vorne schmäler als
der achte, die Nabelpunktreihe desselben in der Mitte breit unterbrochen, der
hinten schwer zu verfolgende siebente Streifen vor der Spitze gleichfalls mit zwei
Nabelpunkten, der neunte Streifen vorne mit dem Randstreifen verschmolzen, hinter
der Mitte von demselben durch einen sich allmälig verbreiternden Zwischenraum
getrennt, der etwa die halbe Breite des neunten Zwischenraumes erreicht. Die
Vorderbrust sammt den Episternen glatt, der Prosternalfortsatz an der Spitze
ungerandet, die Episternen der Hinterbrust viel kürzer als breit, schwach ge-
runzelt, die Epimeren der Hinterbrust gross, halb so lang als die Episternen.
Das Abdomen ohne Ventralfurchen, auf den vorderen Ventralsegmenten jeder-
seits sehr spärlich und schwach punktirt. Die Beine ziemlich kurz und kräftig.
Die Hintertarsen aussen nicht gefurcht. Das Endglied der Tarsen unten jeder-
seits nur mit einer Borste.
Die interessante Art, von der mir nur ein @ vorliegt, wurde von Herrn
Eduard Merkl im Belgrader Walde bei Constantinopel aufgefunden. Herr Merkl
versandte sie unter dem in litteris gegebenen Namen Percosteropus Merkli Ganglb.
Da aber Tapinopterus mit Pterostichus wieder vereinigt werden könnte und da
bereits Frivaldszky einen Pterostichus Merkli beschrieben hat, habe ich den
Speciesnamen geändert.
A463 Ludwig Ganglbauer. Eine neue Art der Sceydmaeniden-Gattung Zuthia.
Eine neue Art der Scydmaeniden-Gattung EButhia.
Beschrieben von
Custos Ludwig @anglbauer.
(Eingelaufen am 30. November 1896.)
Euthia Deubkeli n. sp.
Elongata, depressiuscula, mitidula, subtiliter griseo pwubescens, picea,
capite nigro, abdominis apice rufescente, antenmis ferrugineis, clava infuscata,
palpis pedibusque flavo-rufis. Caput oculis magnis, prothoracem attingentibus,
valde convexis et prominnlis, fronte deplanata et leviter bifoveolata, parce sub-
tiliter punctata. Antennae apicem versus perparum imerassatae, articulis tribus
ultimis praecedentibus paullo latioribus, duobus penultimis haud transversis.
Prothorax longitudine vix tertia parte latior, basin versus perparum angustatus,
lateribus antice rotundatis, disco leviter convexo, subtiliter sat dense punctato,
ante basim transversim impresso et quwinque-foveolato, foveolis tribus internis
minutis, externis elongatis et profundioribus. Elytra prothorace circiter triplo
longiora, elongata, fere parallela, leviter depressa, sat subtiliter et dense punctata, |
basi bifoveolata, foveola interna rotunda, profunda, externa minus determinata,
extus plicula humerali brevi, callosa inclusa. Long. 11—12 mm. — Trans-
silvania, Moravia, Austria inferior.
In der Färbung und in der schmalen gestreckten Körperform mit Buthia
linearis Muls. (elavata Reitt.) übereinstimmend, von dieser durch grössere, ge-
wölbtere, stärker vorspringende Augen, nach hinten schwächer verengten, weiter
vor der Mitte die grösste Breite erreichenden Halsschild, namentlich aber durch
viel längere, gegen die Spitze nur schwach verdickte Fühler und daher nur
schwach abgesetzte Keule derselben verschieden. Die zwei ersten Glieder der
Fühlerkeule sind nur wenig breiter als die vorangehenden Glieder und wie diese
nicht breiter als lang. Die Fühler sind bei den mir vorliegenden sechs Stücken
gleich gebildet, so dass ich Geschlechtsdifferenzen in der Fühlerbildung nicht
constatiren konnte. Bei Huthia scydmaenoides und linearis ist die Fühlerkeule
bei beiden Geschlechtern stark abgesetzt und etwa doppelt so breit als die ihr
vorangehenden Glieder.
Von Herrn Friedrich Deubel bei Kronstadt in Siebenbürgen, von Herrn
Carl Schuler bei Weisskirchen in Mähren und von Herrn Josef Haberfelner
bei Lunz in Niederösterreich in einzelnen Stücken aufgefunden.
Oenothera Heiniana A. Teyber. 469
Oenolhera Heiniana A. Teyber.
(Oenothera muricata Murr. X Oenothera biennis L.)
Von
Alois Teyber
in Wien.
(Eingelaufen am 3. December 1896.)
Stengel einfach oder vom Grunde aus ästig, reichlich behaart und ziem-
lich dicht beblättert, ganz oder nur im oberen Theile mit purpurnen Knötchen
mehr oder minder besetzt, die den Grund einzelner Haare bilden. Blätter der
sterilen Sprosse länglich lanzettlich, deutlich gestielt, entfernt gezähnelt. Stengel-
blätter wie die Blätter der sterilen Sprosse von lederiger Consistenz, schmal lan-
zettlich bis lanzettlich-eiförmig. Petalen so lang wie bei O. biennis, jedoch um
vieles schmäler, schief aufrecht abstehend. Verhältniss der Länge zur Breite der
Blumenblätter beiläufig wie 5:3. Staubgefässe 1/,—?/; so lang als die Blumen-
blätter, Narbe kurz und gedrungen. Fruchtknoten anliegend behaart, graugrün.
Früchte ebenfalls mit anliegenden Haaren bedeckt, graugrün, schwach glänzend,
manchmal auch die purpurnen Knötchen tragend, nicht verkümmernd und stets
reichlich vorhanden. Blüthezeit Juli bis September.
Von ©. biennis L. durch die Blattgestalt und Consistenz der Blätter, durch
die kurze, gedrungene Narbe, die schmalen Petalen, die mit purpurnen Knötchen
versehenen Stengel und die mit anliegenden Haaren bedeckten graugrünen Frucht-
knoten und Früchte verschieden.
Von O. muricata Murr. unterscheidet sich ©. Heiniana nur durch die
Länge der Blumenblätter und durch das Verhältniss der Länge der Blumenblätter
zur Länge der Staubgefässe.
Von O. Braunii Döll.!) durch die schmalen Blumenblätter (die um Be-
deutendes länger als die Staubgefässe sind), durch die kurze, gedrungene Narbe,
den mit purpurnen Knötchen versehenen Stengel und durch die nicht ver-
kümmernden Früchte verschieden.
Ich fand diese Hybride heuer im Schotter und auf Dämmen der Donau
bei Wien ziemlich häufig vom Juli bis September blühend. Durch die auffallende
Verschiedenheit von O. Braunü Döll., sodann durch das häufige Vorkommen als
Folge der Fruchtbarkeit, welche nach Prof. Haussknecht wieder die Folge
einer Wiederbefruchtung von Seite eines der Stammeltern ist, sah ich mich be-
wogen, diese Form aus der Reihe der Bastarde hervorzuheben.
Die Pflanze habe ich mir zu Ehren meines hochverehrten Lehrers, Herrn
Dr. Theodor Hein, der diesen Bastard ebenfalls heuer öfters beobachtete,
„Oenothera Heiniana* zu benennen erlaubt.
1) Siehe Döll, Flora von Baden, III. Bd., S. 1077.
470 Franz Werner.
Die Iguaniden-Gattung Anisolepis Blngr.
Von
Dr. Franz Werner.
(Eingelaufen am 3. December 1896.)
Die Gattung Anisolepis wurde bekanntlich von Boulenger auf Wieg-
mann’s Laemanctus undulatus gegründet und zuerst als A. iheringüü beschrieben
(Ann. Mag. N.H. [5], XVI, 1885, p. 85 und Cat. Liz., II, p. 122); später (Cat.
Liz., III, p. 500) erkannte er die Identität seines A. iheringu mit der Wieg-
mann'schen Art und taufte ihn in A. undulatus Wiegm. um.
Im Jahre 1891 beschrieb er eine zweite Art dieser Gattung unter dem
Namen A. grillii (Ann. Mus. Civ. St. Nat. Genova, Ser. 2%, Vol. X [XXX], p. 909,
10. Nov. 1891), und ich bin nun in der Lage, eine dritte Art den beiden be-
kannten Arten hinzuzufügen. Die Gattung scheint fast ausschliesslich in Brasilien
heimisch zu sein, da auch die neue Art von dorther stammt.
Da mir von allen drei Arten je ein Exemplar vorliegt, und zwar in gutem
Erhaltungszustande, so will ich auf Grund dieser Exemplare und Boulenger’s
Beschreibungen eine Diagnose aller drei Arten, eine Tabelle der Dimensionen und
schliesslich einige Zusätze zur Diagnose der Gattung Anisolepis hier wiedergeben.
Anisolepis lionotus n. Sp.
Steht in mancher Beziehung dem A. undulatus, in anderer wieder dem
A. grillüi nahe. Der Kopf ist schmäler als bei A. grillü, etwas breiter als bei
undulatus. Die Rückenschuppen sind rundlich, schwach convex, glatt oder
schwach dachig gekielt, ein wenig grösser als die lateralen, auch untereinander
in der Grösse wenig verschieden. Auf jeder Seite des Körpers, nahe dem Bauch-
rande befinden sich fünf rundliche Gruppen vergrösserter, schwach gekielter
Schuppen in einer Längsreihe, diese fünf Gruppen sind durch eine ununter-
brochene Längsreihe vergrösserter gekielter Schuppen miteinander verbunden.
Diese Längsreihe reicht von der Basis der Hinterextremität bis zu dem Punkte,
an welchen der Ellbogen des nach hinten an den Körper angelegten Vorder-
beines zu liegen kommt. (Eine ähnliche Längsreihe von vergrösserten, aber stark
gekielten Schuppen findet sich auch bei meinem Exemplar von A. undulatus; doch
fehlen hier die fünf Gruppen vergrösserter Schuppen.) Ventralen in 18 Längs-
reihen, Oberlippenschilder 9—11. Die Kiele der Ventralen sind etwas schwächer
als bei A. grillvi und bilden keine continuirlichen Längsleisten wie bei A. undulatus.
Oberseite ganz ähnlich gezeichnet, wie Boulenger bei A. undulatus abbildet
(Pl. IX, Fig. 3). Die dunklen Zeichnungen des Thieres sind rothbraun, die hellen
Theile gelb; ebenso die Gruppen vergrösserter Schuppen durch gelbliche Färbung
Die Iguaniden-Gattung Anisolepis Bingr. 471
von der dunklen Lateralzone abgehoben. Unterseite bräunlichgelb. Ein deut-
licher Metallglanz bemerkbar.
Habitat: Blumenau, Provinz Sta. Catarina, Brasilien (Lehl coll.).
1 2 (Hinterbeine reichen bis zur Achselhöhle).
Anisolepis grillii Blngr.
Ann. Mus. Civ. St. Nat. Genova, Ser. 2°, Vol. X (XXX), p. 909, 10. Nov. 1891.
Kopf breiter als bei den zwei anderen Arten. Keine vergrösserten Schuppen
an den Bauchseiten. Rückenschuppen gleich gross, stark gekielt, allmälig in die
Granulaschuppen der Seiten übergehend. Ventralen stärker gekielt als bei voriger
Art, kleiner und in 20—22 Längsreihen. Oberlippenschilder 9—11. Zeichnung
wie bei Anisolepis undulatus (bei meinem Exemplar), nur der Kopf mit schmalen
braunen Querbinden, wovon eine über die Schnauze ganz vorne, eine über die
Stirn, vier oder fünf über die Interorbitalregion und eine über das Oceiput.
Der schmale Postocularstreifen, der keiner der drei Arten fehlt, ist hier am
deutlichsten. Grundfärbung graubraun, kein helles Band zur Seite des dorsalen
Rauten- oder Ziekzackbandes. Bei Boulenger’s Exemplaren ist die Zeichnung
anscheinend bereits rückgebildet, denn er schreibt: „Purplish brown above, with
some rusty spots“. Zügelgegend und Lippen wie die Kehle gelblichweiss (bei
Boulenger’s Exemplaren bläulichgrau). Unterseite braun.
Habitat: 1. Palmeira, Provinz Parana, Brasilien (Dr. G. Francesco Grillo
eoll.). — 2. Blumenau, Provinz Sta. Catarina, Brasilien (Lehl eoll.).
1. 2 g‘ (Hinterbeine reichen bis zur Ohröffnung).
2. 1 @ (Hinterbeine reichen bis zur Achselhöhle).
Anisolepis undulatus (Wiegm.).
Ecphymotes undulatus Gray, Cat., p. 185.
a obtusirostris Gray, 1. €.
Laemanctus undulatus Wiegm., Herp. Mex., p. 46 (nicht gesehen).
* Br Dum., Bibr., IV, p. 75.
n n Peters, Mon. Berl. Akad., 1877, S. 410.
r obtusirostris Wiegm., 1. c.
5 ” Dum., Bibr., 1. e.
„ (Urostrophus) undulatus Fitz., Syst. Rept., S. 62.
Anisolepis iheringiüi Boulenger, Ann. Mag. N.H. (5), XVI, 1885, p. 85.
= . Cat. Iizı IE BD: 102.
= undulatus Boulenger, Cat. Liz., III, p. 500.
= bruchi Koslowsky, Rev. Mus. La Plata, II, p. 417, Pl. 1.
Rückenschuppen ungleich gross, unregelmässig, stark gekielt, die grössten
von ihnen in einer oder zwei mehr weniger deutlichen Längsreihen auf jeder
Seite der Vertebrallinie angeordnet. Seitenschuppen klein, granulär, mit unregel-
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 63
4712 Franz Werner.
mässig verstreuten grösseren, gekielten Schuppen untermischt. Mitunter eine
ununterbrochene Längsreihe grösserer gekielter Schuppen am Bauchrande von
der Achselhöhle zum Ansatz des Hinterbeines jederseits. Ventralschuppen stark
gekielt (die Kiele continuirliche Längsleisten bildend), in 16—17 Längsreihen.
Oberlippenschilder 8—9.
Färbung bald dunkel, grünlichbraun, dann die charakteristische Zeichnung
undeutlich und der helle Lateralstreifen bläulich, Unterseite braun, oder ähnlich
wie bei A. lionotus (Boulenger).
Habitat: S. Lorenzo, Provinz Rio Grande do Sul, Brasilien (Ihering coll.);
Saö Paulo (Mus. Senkenb.); Buenos-Aires. (Mus. La Plata).
2 Q@ (Blngr., Cat. Liz., II, p. 122); 19, 1% (Cat. Liz, III, p. 500);
3 Exemplare im Museum in München, von denen ich 1 @ durch die Liebens-
würdigkeit des Herrn Prof. R. Hertwig in Tausch erhielt; 5 Exemplare im
Senkenberg. Mus., Frankfurt a. M.
Tabelle der Dimensionen (in Millimetern).
Anisolepis undulatus | 4MS9- | Anisolepis grillü
lepis
Emm hionotus d
London | London Q Genua Q
(Blngr.) | (Blngr.) Q (Blngr.)
Totallänge .... 2.% 232 245 250 266 256!) 241
1. Kopflänge bis zum
Hinterrand des Tym-
panums se Pas: 14 15 14 15 15 15
2. Kopflänge bis zur
Kehlfalte. . ....... — _ 19 19 — 20
Kopfbreite ....... 9 10 8 ) 10 11
Vorderbein ........ 26 24... 24 29 29 27
Hinterbein „2.02 . 2% 37 41 37 41 43 41
Schwanzlänge ..... 170 176 175 190 185 170
Verhältniss:
1. Von Totallänge zur
Schwanzlänge ... . : |1'837:1|1'39:1|1'49:1|| 14:1 ||1'38:1 (9) | 142:1
ı 2. Von Kopflänge (1.)
| zur Kopfbreite. ..... |156:1| 15:1 |175:1|1'67:1 19241 136:1
3. Von Rumpflänge zur |
Länge des Hinter-
beinest es 2 FulkE 1'29:1| 132: 1 764: 1], 14921 | 19:1 OT
ı) Bei einer der von Boulenger für diese Art angegebenen Zahlen muss ein Irrthum unter-
laufen sein; denn 15-+51 + 185 = 251 mm, während er als Totallänge 256 mm angibt.
VE ER
Die Iguaniden-Gattung Anisolepis Blngr. 4753
Die Gattung Anisolepis ist von den beiden Gattungen Enyalius und
Urostrophus, zwischen denen sie gerade in der Mitte steht, durch die heterogene
Beschuppung der Oberseite des Rumpfes, von ersterem Genus auch durch das
Fehlen eines dorsonuchalen Kammes, von letzterem durch die stets gekielten
Ventralschuppen unterscheidbar.
Gemeinsam ist allen Arten die deutliche Kehlfalte, vor welcher die zwischen
den Sublabialen noch glatten, rundlichen oder polygonalen Kehlschuppen bereits
erheblich grösser, rhombisch und stark gekielt, den Ventralen sehr ähnlich sind.
Die Sublabialia sind nach innen von zwei oder drei Reihen ebenso grosser Schildehen
eingefasst, die allmälig in die eigentlichen, kleinen Kehlschuppen übergehen,
und unter denen sich zwei Paare von Mentalschildchen hinter dem fünfeekigen
Symphysiale unterscheiden lassen. Die Schuppen der Oberseite des Kopfes sind
glatt, flach oder convex (A. undulatus), die der Supraorbitalregion stets kleiner
als die übrigen (am wenigsten auffallend scheint mir der Unterschied bei A. grillü
zu sein) und nach innen von einem Halbkreis grösserer Schildchen umgeben;
die beiden Halbkreise sind durch eine (A. undulatus und lionotus) oder zwei
(A. grillüi) Schildchenreihen von einander getrennt. Nasenloch nahe der Schnauzen-
spitze, lateral gelegen. Öhröffnung deutlich, vertical-elliptisch, ziemlich gross.
Schwanz rund, ungefähr die doppelte Kopfrumpflänge betragend, stets mit gekielten
Schuppen bekleidet, die ein wenig grösser sind, als die grössten Rückenschuppen.
Charakteristisch ist die Rückenzeichnung der Anisolepis-Arten, die aus
einem dunklen medianen Zickzack- oder zusammenhängenden Rautenband besteht.
Von jeder der seitlichen Spitzen dieser 9—10 Rhomben geht eine schmale, schief
nach hinten gerichtete Linie aus, die durch ein, meist vorhandenes, helles late-
rales Längsband hindurch über die Körperseiten herabzieht und in deren dunkler
Marmorirung sich verliert. Die Längslinien jeder Seite sind einander parallel.
Der Schwanz ist ebenfalls mit einer Reihe etwa rhombischer, elliptischer oder
aber dreieckiger Flecken oder Querbänder geziert, die am Hinterrande am
dunkelsten sind und eine undeutliche gelbliche Einfassung besitzen. Die Hinter-
beine reichen beim @ bis zur Achselhöhle, beim Z' bis zur Schulter oder Ohr-
öffnung.
Ueber eine neue ZLonicera aus der Balkanhalbinsel.
Von
Dr. E. v. Haläecsy.
(Eingelaufen am 4. Jänner 1897.)
Lonicera Formanekiana Hal. apud Formanek, Zweiter Beitrag
zur Flora von Serb., Maced. und Thessal. in Verhandl. d. naturforsch. Vereins in
Brünn, Sep.-Abdr., 8. 59 (1896), solum nomen. (Sectio Xylosteum DC., Prodr,,
IV, p. 333.)
63*
474 E. v. Haläcsy. Ueber eine neue ZLonicera aus der Balkanhalbinsel.
Fruticosa, ramis junioribus glabris vel sparsim glanduliferis; folüs bre-
viter petiolatis, ellipticis vel ovato-elliptieis, acuminatis, glabris vel subtus parce
hirtulis; pedunculis glabris vel sparsim glanduliferis, flore triplo-quadruplo
longioribus; bracteolis binis, lanceolatis, liberis; corollae flavescenti-roseae, extus
glabrae, fauce villosae, tubo basi gibbo limbo duplo breviore; baccis distinctis,
ellipsoideis. }.
Hab. in Macedonia: Mircevica planina, ubi specimina fructifera die
19 Julii 1895 legit E. Formanek, et in saxwosis regione alpinae montis Kossov
prope Zborsko, ubi specimina florifera die 26 Jumii 1893 legit J. Doerfler; dein
in Epiro: in monte Olyeika distr. Janina, ubi die 17 Juni 1896 specimina flori-
fera legit A. Baldaeci.
Eine in der Tracht der L. alpigena L. und L. hellenica Orph. zunächst
stehende Art; von ersterer hauptsächlich durch die getrennten Beeren, von letzterer
durch die kahlen oder nur unterseits spärlich behaarten Blätter und die innen
zottige Blumenkrone verschieden. An den macedonischen Exemplaren ist die
Blattunterseite zum grössten Theile ganz kahl, ebenso die Blüthenstiele, während
die epirotischen, in einem jüngeren Stadium befindlichen, eine spärliche Behaarung
an ersterer und zerstreute Stieldrüsen an letzteren aufweisen.
Referate.
Schnee, Dr. med. Verschleppte Schlangen in der Provinz Sachsen
(Zeitschr. f. Naturwiss., Bd. 68, 1895, 8. 269— 274).
In obiger Zusammenstellung wird über den Fang von zehn bei Magde-
burg nicht vorkommenden eingeschleppten Schlangen berichtet, wovon drei süd-
deutsche (dalmatinische, doch wohl besser als südeuropäische zu bezeichnen)
und fünf amerikanische. Die Zahl der meist mit fremden Farb- und anderen Nutz-
hölzern nach Europa verschleppten Schlangen ist zwar nicht bedeutend, immer-
hin aber vergeht fast kein Jahr, in dem nicht über einen solchen Fund berichtet
wird; diese Schlangen gehören meist mittel- und süd-, seltener nordamerikanischen
Arten an, insbesonders sind es Baumschlangen aus den Familien Colubrinae
(Tropidodipsas), Dipsadamorphinae (Leptodira, von Dr. Grev& in Moskau ge-
funden) und Amblycephalidae (Leptognathus), seltener andere Schlangen, wie
die vom Verfasser erwähnten (Coniophanes) Erythrolamprus fissidens und Liophis
reginae, welche die monatelange Reise glücklich überstehen. Die beiden in Magde-
burg gefangenen Leopardennattern dürften wohl auch eher zu einer amerikani-
schen Art, also vielleicht zu Coluber guttatus oder laetus gehören, da dem
Referenten unter mehr als 100 (©. leopardinus niemals ein Exemplar über Meter-
länge zu Gesicht gekommen ist. Dr. Fr. Werner.
Boulenger. On a new Gecko from Penang (Proc. Zool. Soc. London,
June 16, 1896).
Referate. 475
Bisher war eine einzige Gattung von Geckoniden bekannt, welche eine
fallschirmartige Hautdiplicatur an jeder Seite des Körpers besitzt. nämlich das
in zwei Arten den Südosten Asiens bewohnende, namentlich auf Java anscheinend
nicht seltene Ptychozoon, der sogenannte Faltengecko, von welchem in Brehm 's
Thierleben (1892), Bd. VII, S. 42 eine gute Abbildung zu sehen ist. Während
aber dieser Flattergecko dem Genus Gecko sehr nahe steht und zweifellos von
diesem abzuleiten ist, haben wir in dem von Boulenger neu beschriebenen
Flattergecko von Penang, Mimetozoon Floweri (n. gen. n. spec.) einen Abkömm-
ling der Gattung Hemidactylus vor uns, der aber durch Convergenz, durch An-
passung an dieselben Lebensverhältnisse eine geradezu verblüffende Aehnlichkeit
mit Ptychozoon erlangt hat. Die Kluft zwischen Hemidactylus und Mimetozoon
ist indessen, wenn auch immerhin erheblich, doch geringer, als die zwischen
Gecko und Ptychozoon, denn wir kennen bereits seit langer Zeit einen Femi-
dactylus (H. platyurus Schn.) aus Südostasien, welcher eine ähnliche, wenn auch
schwächer entwickelte Hautfalte an jeder Seite zwischen Vorder- und Hinter-
extremität besitzt. Eine colorirte schöne Abbildung des merkwürdigen Thieres ist
der interessanten Mittheilung beigegeben. Beachtenswerth ist es aber in hohem
Grade, dass Südostasien ausser den Drachen, den Flugfröschen und Flattermakis
auch drei Faltengeckos — den allerdings erst ein Anfangsstadium der Entwick-
lung der Flatterhaut darbietenden Hemidactylus platyurus und die beiden Gat-
tungen Ptychozoon und Mimetozoon beherbergt. Dr. Fr. Werner.
Werner, Dr. Franz. Die Reptilien und Amphibien Oesterreich-
Ungarns und der Occupationsländer. Wien, 1897. Verlag von A. Pich-
ler's Witwe & Sohn, 160 Seiten, 3 Tafeln. Preis 1 fl. 80 kr.
Das Buch, „ein kurzgefasstes Werk, welches aber trotzdem alles Wichtige
über unsere heimischen Arten mittheilt“, enthält, wie Verfasser selbst in seiner
Einleitung sagt:
1. Eine allgemeine und geographische Uebersicht über die Reptilien und
Amphibien der Monarchie.
2. Eine Bestimmungstabelle, welche, wenn auch mehr auf leicht auffind-
bare und dabei constante, als auf fundamentale Merkmale gegründet (da sie ja
auch für Laien in der Herpetologie bestimmt ist, die mit osteologischen Charak-
teren oft genug nichts anzufangen wüssten), doch eine vollständig sichere
Erkennung vorliegender Arten erlaubt.
3. Eine eingehende Beschreibung aller bisher in der Monarchie aufgefun-
denen Arten mit ihren Varietäten; Angabe des Vorkommens (auch ausserhalb
der Monarchie), der Dimensionen, Nahrung, Lebensweise und anderer wissens-
werther Dinge. Mit einem Anhang, welcher die Arten der Balkanhalbinsel kurz
behandelt.
4. Ein Literaturverzeichniss (seit 1875, dem Erscheinen von Schreiber’s
Herpetologia Europaea).
5. Einen Index, welcher alle wichtigeren und gebräuchlicheren Synonymen
berücksichtigt.
47 6 Referate,
6. Abbildungen besonders interessanter oder schwierig zu unterscheiden-
der Arten.
Dem ersten Abschnitte entnehmen wir, dass unsere Monarchie nicht we-
niger als 32 sichere Arten von Reptilien (und eine noch zweifelhafte) und 17
sichere (und 3 zweifelhafte) von Amphibien beherberge. Niederösterreich allein
bewohnen 15 Arten von Amphibien und 11 (bezw. 13) von Reptilien. In den
nördlichen Theilen Oesterreichs überwiegen die Amphibien, im Süden die Reptilien.
In der namentlichen Aufzählung der einzelnen Arten finden wir unter den
Reptilien 4, bezw. 5 Schildkröten, nämlich Emys orbieularis L., Clemmys cas-
pieca, als deren muthmasslich einzigen Wohnort in Oesterreich Verfasser den
Omblafluss bei Gravosa in Dalmatien angibt (die dalmatinische Form dieser
Schildkröte gehört der var. rivulata an), Testudo graeca mit var. boettgeri. Von
Seeschildkröten besitzen wir Thalassochelys caretta und Chelone mydas, erstere
an der ganzen istrianischen und dalmatinischen Küste keine seltene Erscheinung,
letztere von Mojsisovies für unsere Küstenstriche erwähnt.
Es folgen nun die Sauria mit den Gruppen der Geckonidae (in zwei
Arten: Hemidactylus tureieus und Tarentola mauritanica), der Anguidae, La-
certidae und Seincoidae. Von den Lacertiden sind bemerkenswerth Zacerta pra-
ticola, die, eine nahe Verwandte der muralis, im Jahre 1894 von L. v. Mehely
in der Nähe des Herkulesbades gefunden wurde, ferner Lacerta mossorensis
Kolomb., mit oxycephala verwandt und bisher aus Dalmatien und der Herzego-
wina bekannt.
Von interessanten Varietäten seien noch erwähnt: für Lacerta agilis: var.
erythronotus, annulata, dorsalis, spinalis, für Lacerta viridis: var. bilineata,
maculata, flavescens, concolor, similis, istriensis, holomelas, und schliesslich für
die durch die Eimer’schen Arbeiten interessante und durch ihre grosse Varia-
bilität auch Nichtfachleuten wohlbekannte muralis: var. maculiventris, lissana,
fiumana, striata, olivacea, merremit, melissellensis.
Von der dritten Gruppe endlich, den Seincoidae, findet sich nur eine
Form, Ablepharus pannonicus, in Ungarn vor.
Von Sehlangen führt Verfasser zwei Tropidonotus-Arten an, ebensoviele
Zamenis- und Coronella-Arten und drei Coluber, weiters Coelopeltis lacertina,
Tarbophis vivax, endlich vier Vipera-Arten, von denen uns die bei Laxenburg
vorkommende Vipera wursinii interessirt, und von den früher genannten Coro-
nella girondica, deren Vorkommen in Südtirol nun ausser Zweifel steht.
Unter den Amphibien wollen wir nur die trefflichen Schilderungen der
fünf Rana-Arten hervorheben (Rana eseulenta, temporaria, arvalis, agilis, la-
tastii), denen die Beschreibungen von drei Kröten (Bufo vulgaris, viridis und
calamita), dann von Hyla arborea, Pelebates fuscus, Bombinator igneus, pachy-
pus und obstetricans folgen.
Aus der Gruppe der Caudata (in sieben Arten) sei nur auf Molge Menta-
doni, den Karpathenmolch, hingewiesen, und endlich auf den bekannten Grotten-
olm, Proteus angwinus, mit den Unterarten Zoisü, carrarae, xanthostietus, hai-
dingeri, Schreiberi und Laurentü. Sehr lobenswerth ist die in dem Capitel „Die
..
Se
Referate. 477
Larven der Froschlurche Oesterreich-Ungarns“ zum Abdruck gebrachte Tabelle
zum Bestimmen heimischer Kaulquappen, und schliesslich die im Anhange ge-
brachte Zusammenstellung der Reptilien der Balkanländer, die es dem Sammler
ermöglicht, das Buch auch auf den in unserer Zeit so beliebten Reisen nach
Bosnien und der Hercegowina mit Nutzen zu verwenden.
Ein Schlussartikel enthält das Nothwendigste über Fang, Gefangenhaltung
und Conservirung von Reptilien und Amphibien. Wir führen hier nur des Ver-
fassers Urtheil über Formol an: Während er dieses Conservirungsmittel in seiner
Anwendung auf Reptilien für absolut unbrauchbar hält, empfiehlt er es zum
Präpariren von Amphibien, wobei er selbst recht schöne Resultate erzielte.
Endlich sei auch noch auf die drei den Text erläuternden Tafeln hin-
gewiesen, die zwar einfach in der Ausführung, doch ihren Hauptzweck als wich-
tige Hilfsmittel beim Bestimmen voll erfüllen, und wir müssen gestehen, dass
Verfasser alles aufgeboten hat, um dem Sammler, Laien wie Fachmann, nur
Gediegenes zu bieten. Verfasser gehört zu jener Gruppe von Naturforschern, die
über eine entsprechende Literaturkenntniss und eine Fülle von selbstständigen
Beobachtungen verfügen, und vor Allem — es kann das in unseren Tagen nie
oft genug bemerkt werden — ein grosses Gewicht legen auf die Beobachtung
des lebenden Thieres im Freien, auf Reisen und daheim — für Stubenhocker
ist das Buch nicht geschrieben. Dem Naturfreunde aber wird es eine erwünschte
Veranlassung sein, seine Bibliothek zu vermehren. Ad. Steuer.
Hamann, Prof. Dr. Otto. Europäische Höhlenfauna. Eine Darstellung
der in den Höhlen Europas lebenden Thierwelt, mit besonderer Berücksich-
tigung der Höhlenfauna Krains. Mit 150 Abbildungen auf 5 lithographischen
Tafeln. Jena, H. Costenoble, 1896 (gr.-8°, 296 Seiten).
Der Verfasser vereinigt in glücklich gewählter Form kritische Compilation
mit zahlreichen eigenen Beobachtungen zu einem Ganzen, das vollkommen ge-
eignet erscheint, einerseits dem grossen Publicum einen Einblick in die T'hier-
welt der Höhlen zu gewähren, andererseits aber auch dem Zoologen als Hand-
buch zu dienen.
Der allgemeine Theil des Werkes umfasst folgende Capitel: Eintheilung
der Höhlenfauna, Geschichte der Höhlenforschung, Existenzbedingungen der
Höhlenthiere, Ursprung und Entstehung blinder Thiere, und als Anhang eine be-
rechtigte scharfe Kritik von Joseph’s phantastischen Theorien.
Im speciellen Theile gelangen die einzelnen Höhlenthiere nach systema-
tischen Gruppen geordnet zu mehr oder weniger eingehender Besprechung. Be-
sonders detaillirt sind behandelt: Der Olm (Proteus angwinus), ‚sowohl vom
systematischen als vom anatomischen und biologischen Standpunkt, ferner die
Arthropoden und Mollusken. Unter den Arthropoden nimmt in Bezug auf die
Zahl der höhlenbewohnenden Arten die Ordnung der Coleopteren den ersten
Platz ein. Die Anordnung der Arten lehnt sich an die Werke von Gangl-
bauer und Reitter an. Ausser den Coleopteren sind es die Thysanuren (Cam-
47 1) Referate,
podea erebophila n. sp.!), Orthopteren, Myriapoden, Arachniden und Crustaceen,
die ein bedeutendes Contingent zur Höhlenfauna liefern.
Dass zu den copirten Abbildungen der Coleopteren nicht immer die besten
Originale gewählt wurden, beeinträchtigt den Werth des Ganzen ebenso wenig,
wie einzelne unbedeutende Auslassungen und Irrthümer. So werden z. B. die
Namen Larentia und Psyche (Lepidopteren) und Baötis (Neuropteren) als Di-
pteren angeführt.
Zum Schlusse sei noch auf das umfangreiche Literaturverzeichniss hin- .
gewiesen, den besten Beweis, wie zeitgemäss ein zusammenfassendes Werk über
dieses interessante Gebiet der Zoologie ist.
Möge Hamann's Werk den Impuls zu zahlreichen, rationellen und in erster
Linie zu biologischen Beobachtungen geben und dadurch manche Lücke ausgefüllt
werden, welche unsere Kenntniss von den Lebensvorgängen in den Regionen der
ewigen Finsterniss noch heute aufweist. Handlirsch.
Lethierry et Severin. Catalogue general des H&emipteres. T. III. Hete-
ropteres. Tingidae, Phymatidae, Aradidae, Hebridae, Hydrometridae, Heni-
cocephalidae, Reduvidae, Saldidae, Aepophilidae, Ceratocombidae, Cimicidae,
Anthocoridae. Berlin, Friedländer & Sohn, 1896.
Erfreulich ist der rasche Fortschritt in dem Erscheinen dieses wichtigen
Werkes, dessen Abschluss von allen Hemipterologen sehnsüchtig erwartet wird.
Es ist wohl überflüssig, hier nochmals auf den hohen Werth solcher umfassender
Cataloge hinzuweisen, und es wäre auch kleinlich, einzelne Fehler oder Auslas-
sungen hervorzuziehen, die ja bei ähnlichen Arbeiten gar nicht zu vermeiden
sind und den Werth des Ganzen nicht beeinträchtigen. Jeder, der Lethierry
et Severin ’s Catalog selbst ausgiebig benützt, wird denselben allen Collegen
wärmstens empfehlen. Handlirsch.
Apstein, Dr. Carl. Das Süsswasserplankton. Methode und Resultate der
quantitativen Untersuchung. Kiel, Lipsius & Tischler, 1896. 8°. VI+201S8.,
113 Abbildungen.
Die Bestimmung des Plankton und speciell jene des Süsswasserplanktons
ist eine noch sehr junge Wissenschaft. Hensen gebührt das Verdienst, auf die
Wichtigkeit von Planktonuntersuchungen überhaupt hingewiesen zu haben, und
eine ganze Reihe von Forschern hat die von ihm eingeschlagenen Bahnen be-
treten und die Methoden für ihre speciellen Zwecke modifieirt.
Die Literatur über den Gegenstand ist bereits eine bedeutende, aber manch-
mal eine nicht leicht zugängliche. Es war daher ein glücklicher Gedanke des
Verfassers, seine eigenen Erfahrungen mit denen anderer Forscher zusammen-
zufassen und so eine Grundlage für weitere Beobachtungen und gleichzeitig eine
Anleitung zu selbstständigen Arbeiten zu geben.
Nach einer Schilderung der Lebensbedingungen der Planktonorganismen
und des Untersuchungsgebietes des Verfassers folgt ein Capitel über die Metho-
dik. In demselben werden alle nothwendigen Apparate genau beschrieben und
Referate. 479
ihre Anwendung gelehrt. Ferner finden wir hier eine genaue Anleitung zur Aus-
werthung des Fanges durch Volumen- und Gewichtsbestimmung, wie durch Ana-
lyse und Zählung.
Im nächsten Abschnitte macht uns Verfasser mit den gewonnenen Resul-
taten über die Vertheilung der Organismen im Süsswasser, über die Production
des Wassers und den Wechsel der Organismen im Laufe des Jahres bekannt.
Verfasser bespricht und bildet — mit Ausnahme weniger, bisher ganz
selten gefundener — alle in den holsteinischen Seen gefundenen Planktonorga-
nismen ab. Zahlreiche Tabellen über die Periodieität, über Tiefenfänge, verticale
Vertheilung ete. sind dem Werke beigegeben. Ein Verzeichniss der bisher erschie-
nenen Planktonliteratur ist für denjenigen, welcher sich mit Planktonunter-
suchungen intensiver beschäftigen will, eine sehr willkommene Zugabe.
Verfasser ist zur Herausgabe des Buches, welches eine wirkliche Lücke
ausfüllt, bestens zu beglückwünschen. J. Brunnthaler.
Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek.
Weinzierl, Th. v. Berichte über die von dem Direetor der k. k. Samen-Control-
station in Wien abgehaltenen Futterbaucurse im Jahre 1895.
— Publicationen der k. k. Samen-Controlstation in Wien, Nr. 149, 1896. 8°.
16 8. Vom Verfasser.
An Aceount of the Smithonian Institution, its Origin, History, Objeets and
Achievements. Washington, 1895. 8°. 29 S., 7 Taf.
Durch Smithonian-Institution.
Prohaska ©. Ueber die alpinen Arten der Gattung Paederota L. Sep.-Abdr.
aus „Carinthia“, 1895. 8°. 10 S.
— Beitrag zur Flora von Kärnten. Sep.-Abdr. aus „Carinthia*, 1895. 8°. 78.
— Zwei Bastarde aus Veronica (Paederota) Bonarota L. und Veronica
(Paederota) lutea (Scop.) Wettst. Sep.-Abdr. aus der Oesterr. botan.
Zeitschr., 1895. 8°. 38. Vom Verfasser.
Haläcsy, Dr. E. v. Flora von Niederösterreich. Zum Gebrauche auf Exeursionen
und zum Selbstunterricht. Prag, Wien und Leipzig, Tempsky & Freytag,
1896. 8°. IX+6318. Von den Verlegern.
Hetschko A. Zur Biologie von Claviger testaceus Preyssl. Sep.-Abdr. aus
der Berliner Entomol. Zeitschr., Bd. XLI. 8°. S. 45—50. Vom Verfasser.
Preudhomme de Borre, A. Sur une capture en Belgique du Pyrrhocoris
marginatus Kol. Sep.-Abdr. aus Ann. Soc. Entomol. Belg., Tom. XL,
1896. 8°. S. 65—66. Vom Verfasser.
Wulp, F. M. van der. Catalogue of the described Diptera from South Asia.
The Hague, Martinus Nijhoff, 1896. 8%. 219 8. Vom Verfasser.
Bütschli ©. Weitere Ausführungen über den Bau der Cyanophyceen und
Bacterien. Leipzig, W. Engelmann, 1896. 8°. 87 S.,5 Taf. Vom Verfasser.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 64
480 Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek.
Marchand L. Enumeration methodique et raisonnee des familles et des genres
de la classe des Mycophytes (Champignons et Lichens). Paris, Soeciete
d’editions seient., 1896. 8°. XVI-+ 354 S., 166 Fig. Vom Verfasser.
Rzehak E. 29 Stück kleinere ornithologische Arbeiten. Sep.-Abdr.
Vom Verfasser.
Friedrich P. Flora der Umgegend von Lübeck. Programm des Katharineums
zu Lübeck, 1895. 4°. 47 8. Vom Verfasser,
Noska M. und Tsehusi zu Schmidhoffen, V. v. Das kaukasische Königs-
huhn (Tetraogalus caucasicus Pall.). Sep.-Abdr. aus dem Ornithol. Jahrb.,
VII, 1896, Hallein. 8°. 25 8.
Von Herrn V. Ritt. v. Tschusi zu Schmidhoffen.
Löw P. 8 Stück Broschüren. Sep.-Abdr. Vom Verfasser.
Wettstein, R. v. Monographie der Gattung Kuphrasia. Leipzig, W. Engel-
mann, 1896. 4°. 316 S., 14 Taf., 4 Karten. Vom Verfasser.
PalackyJ. Zur Hochgebirgsflora der Philippinen. Sep.-Abdr. aus den Sitzungsber.
der kgl. böhm. Ges. der Wissensch. in Prag, 1895. 8°. 28. Vom Verfasser.
— Ueber die Concordanz der New-Yorker Erian-Flora mit der böhmischen
sogenannten hereynischen. Sep.-Abdr., 1. e., 1895. 8°. 28. Vom Verfasser.
Hormuzaki, ©. v. Bemerkungen über Varietäten einiger in der Bukowina ein-
heimischer Grossschmetterlinge. Sep.-Abdr. aus diesen „Verhandlungen*,
Bd. XLV, 1895. 30 8. Vom Verfasser.
Seoane V. L. Sur deux nouvelles formes de Perdrix d’Espagne. Sep.-Abdr.
aus Mem. de la Soc. zool. de France, VII, 1894. gr.-8°. 6 8.
— Nouvelle espece de Batracien anoure des iles Philippines. Sep.-Abdr., 1. e.,
III, 1890. 5 S., 1 color. Taf.
— Revision del Cätalogo de las aves de Andaluciä. La Coruna, Abad. 1870.
SEEI8.D.
— Aves nuevas de Galicia. La Coruna, Abad. 1870. 8°. 11 8.
— Resena de la historia natural de Galicia. Lugo, Freire 1866. 8°. 66 8.
— La sangre como frueba en las causas eriminales. La Coruna, Abad. 1895.
Br But
— Examen critico de las Perdrices de Europa particularmente de las de Es-
pana y deseripeiöon de dos nuevas formas de Galicia. La Corufa, Abad.
1891. gr.-8°. 33 8.
— Neue Boidengattung und Art von den Philippinen. Sep.-Abdr. aus den
Abhandl. der Senkenb. naturf. Gesellsch., XII, 1881. 4%. 8 S., 1 col. Taf.
Vom Verfasser.
A List of the Vertebraded Animals now or lately living in the Gardens of the
Zoological Society of London. Ninth Edition. London, Longmans, Green
& Co., 1896. 8°. XVI+724 8. Von der Zoological Society of London.
Naumann Arno. Dresdens Gartenbau bis zur Gründungszeit der „Flora“, Ge-
sellschaft für Botanik und Gartenbau in Dresden. Eine Festschrift zur
70. Stiftungsfeier der Genossenschaft „Flora“. Dresden, A. Schönfeld,
1896. 8°. 54 S. Von Herrn G. Poscharsky in Dresden,
a
EIUn
Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek. 481
Beck, Dr. G. v. Die Leberblümchen (Hepatica). Sep.-Abdr. aus der Wiener
illustr. Gartenzeit., 1896. 8°. 12 8. Vom Verfasser.
Arnold F. Labrador. München, Höfling, 1896. 8°. 18 8. Vom Verfasser.
Tobisch J. Beiträge zur Kenntniss der Pilzflora von Kärnten. Sep.-Abdr. aus
der Oesterr. botan. Zeitschr., 1896. 8°. 16 8. Vom Verfasser.
Hofmann E. Die Raupen der Gross-Schmetterlinge Europas. Stuttgart, ©. Hoff-
mann, 1893. 4°. XXIV+318 S., 50 col. Taf.
Kolbe H.J. Einführung in die Kenntniss der Insecten. Berlin, F. Dümnler,
1893. 8°. XII+709 8., 324 Holzschn. Von Herın J. Brunnthaler.
Puschnig R. Kärntnische Orthopteren. Sep.-Abdr. aus „Carinthia“, 1896. 8°.
20 8. Vom Verfasser.
Hamann ©. Europäische Höhlenfauna. Eine Darstellung der in den Höhlen
Europas lebenden Thierwelt, mit besonderer Berücksichtigung der Höhlen-
fauna Krains. Jena, H. Costenoble, 1896. gr.-8°. IX + 296 S., 150 Abbild.
auf 5 Taf. Vom Verleger.
Csato J. Alsöfeher värmegye növeny- @s ällatviläga. Sep.-Abdr. aus Alsöfeher
värmegye monografiäja. Nagy-Enyed, Cirner €s Lingner, 1896. gr.-8°.
138 8. . Vom Verfasser.
Braun H. und Topitz A. Ueber einige Formen der Gattung Mentha. Sep.-
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© Von Herrn A. Topitz.
Small John Kunkel. A Monograph of the North Americans species of the Genus
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lege, Vol. I, 1895. gr.-4°. 183 S., 84 Taf. Vom Verfasser.
Apfelbeck Victor. Fauna insectorum baleaniea. Sep.-Abdr. aus Wiss. Mitth.
aus Bosnien und der Herceg., Bd. IV, 1896. 21 S., 1 Taf. Vom Verfasser.
Werner, Dr. Franz. Ueber die Schuppenbekleidung des regenerirten Schwanzes
N bei Eidechsen. Sep.-Abdr. aus den Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch.
in Wien, mathem.-naturw. Cl., Bd. CV, Abth. I, 1896. 8°. 24 S., 2 Taf.
Vom Verfasser.
Jolis, Aug. Le. Quel nom doit porter le Krythraea diffusa Woods.? Sep.-Abdr.
aus M&moir. Soc. nat. Sciences nat. et math. Cherbourg, Tom. XXX, 1896.
ar B439- 70 Vom Verfasser.
Wasmann E. Die Myrmekophilen und Termitophilen. Sep.-Abdr. aus Compte-
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1896. gr.-8°. 64 8. Vom Verfasser.
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aus dem Programm der k. k. Staats-Oberrealschule in Olmütz, 1896. 41 S.
Von der löbl. Direction.
64*
482 Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek,
Hinterberger H. „Röntgenosramme“ von Pflanzentheilen. Sep.-Abdı. aus der
8 genog }
Photogr. Correspondenz, 1896. 8%. 4 8. Vom Verfasser.
Wildeman, E. de. Flore des Algues de Belgique. Bruxelles et Paris, Castaigne,
1896. 8°. XXIX +485 S. Vom Verleger.
Blaäka, P. de. Die Molluskenfauna in den Gärten von Prag. Sep.-Abdr. aus
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Vom Verfasser.
Palacky J. Ueber die Flora von Hadramaut (Arabien). Sep.-Abdr. aus den
Sitzungsber. der kgl. böhm. Gesellsch. der Wissensch. in Prag, 1896. 8°. 4 8.
— Zur Flora von Domingo-Haiti. Sep.-Abdr., 1.e. 78. Vom Verfasser.
Scholz Fr. Schlüssel zum Bestimmen der mitteleuropäischen Farnpflanzen,
Pteridophyta. Sep.-Abdr. aus dem 46. Jahresber. des k. k. Staatsgymn. in
Görz, 1896. 8°. 36 S., 1 Taf. Vom Verfasser.
Krasser Fr. Beiträge zur Kenntniss der fossilen Kreideflora von Kunstadt in
Mähren. Sep.-Abdr. aus Waagen: Beitr. zur Paläont. und Geolog. Oesterr.-
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Vom Verfasser.
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Sep.-Abdr. aus dem Programm der städt. Ober-Realschule in Bochum. 8°.
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lados bajo la forma de efemerides por su antiquo alumno el ingeniero
de Minas. Mexico, 1894. 8°. 496 8.
Von der Societ& seientifique „Antonio Alzate“.
Chabert Alfr. Note sur quelques Leontodon. Sep.-Abdr. aus Bull. Herbier
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1896. 4°. XVI+5778., 6 Taf. Vom Verfasser.
Rey E. Der Kuckuck als Brutparasit. Sep.-Abdr. aus „Die Natur“, 1896. 4°.
8. 197—200. Vom Verfasser.
Berg C. Dos reptiles nuevos. Sep.-Abdr. aus Anal. Mus. Buenos-Aires, IV,
1895. 8°. 8. 189—194.
— Hemipteros de la terra del Fuego, collecionados por el Sefor Carlos
Backhausen. Sep.-Abdr., 1. c., S. 195—206.
— Revision et description des especes argentines et chiliennes du genre Tato-
chila Butl. Sep.-Abdr., 1. e., S. 217—255.
— Deseripeiön de tres nuevos Lepidopteros de la coleeciöon del Museo nacional
de Buenos-Aires. Sep.-Abdr., 1. e., 8. 1—4.
— Sur la distribution geographique de l’Ophioderes materna (L.). Sep.-Abdr.,
.,
ee
Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek. 483
Berg ©. Carlos German Burmeister resena biogräfica. Sep.-Abdr., 1. c., 8. 315
bis 357, 1 Taf.
— Enumeraciön sistematica y synonimica de los peces de las costas argentina
y urugaya. Sep.-Abdr., 1. c., 120 8., 1 Taf.
— Sobre peces de agua dulce nuevos 6 poco conocidos de la republica Ar-
gentina. Sep.-Abdr., 1. c., S. 121—165. Vom Verfasser.
Beck, G. v. Plodovi i zjemenje iz zojenice u Rip@u. Sep.-Abdr. aus Glasnik
muzej. Bosni i Hercegov., VIII, 1896. gr.-8°. 8. 113—118.
Vom Verfasser.
Baumann Oscar. Die Insel Mafia. Leipzig, Duncker & Humblot, 1896. 8°. 38 S.,
1 Karte. Vom löbl. Vereine für Erdkunde in Leipzig.
Rathay, Emerich v. Ueber das Auftreten von Gummi in der Rebe und über
die Gommose bacillaire. Sep.-Abdr. aus dem Jahresber. und Programm der
k. k. önol. und pomol. Lehranstalt in Klosterneuburg. Wien, 1891. 8°.
90 8., 1 Tabelle. Vom Verfasser.
Puschnig R. Bericht über die Reise des naturwissenschaftlichen Vereines an
der Universität Wien nach Bosnien, der Herzegowina und Dalmatien.
Sep.-Abdr. aus den Mittheil. d. naturw. Ver. a.d. Univ. Wien, 1895. 8°. 22 8.
Vom Verfasser.
Eblin B. Ueber die Waldreste des Averser Oberthales. Ein Beitrag zur Kennt-
niss unserer alpinen Waldbestände Sep.-Abdr. aus dem Berichte der
Schweiz. botan. Gesellsch., 1895. 8%. 54 S., 4 Taf. Vom Verfasser.
Pfeiffer v. Wellheim, F. Weitere Mittheilungen über T’horea ramosissima
Bory. Sep.-Abdr. aus der Oesterr. botan. Zeitschr., 1896. 8°. 6 S., 1 Taf.
Vom Verfasser.
Radde G. und Kawraisky F. Die Lachse des Kaukasus. Tiflis, 1896. 8°.
88 S., 9 Taf. Von den Verfassern.
Bresadola A. J. Sul Lactarius sangwiniflwus osservazioni. Sep.-Abdr. aus
Bullet. Soc. Botan. Italian., 1895. 8°. 4 8. r
— Fungi Brasilienses lecti a el. Dr. Alfredo Müller. Sep.-Abdr. aus „Hed-
wigia“, 1896. 8°. 8. 276—302.
— Fungi aliquot saxoniei novi vel eriticia cl. W. Krieger lecti. Cent. III—IV.
Sep.-Abdr. aus „Hedwigia“, 1894. 8°. S. 206—210; 1896, S. 199— 201.
— Aleuni Funghi della Somalia e della Colonia Eritrea. Sep.-Abdr. aus An-
nuario del R. Istit. Roma, VI. 4°. 4 8. Vom Verfasser,
Homeyer, E. F. v. Ueber Schongesetzgebung. Sep.-Abdr. aus der Illustrirten
Jagdzeitung, 1888. 4°. S. 247— 252.
— Reise nach Helgoland, den Nordseeinseln Sylt, Lyst ete. Frankfurt a. M.,
Mahlau & Waldschmidt, 1880. 8°. 91 8.
— Deutschlands Säugethiere und Vögel, ihr Nutzen und Schaden. Leipzig,
Rey. 8°. 818.
— Die Spechte und ihr Werth in forstlicher Beziehung. 2. Aufl. Frank-
furt a. M., Mahlau & Waldschmidt, 1879. 8°. 37 8.
ABA Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek.
Museum Homeyerianum. Verzeichniss der ornithologischen Sammlungen E. F.
v. Homeyer’s. Ausgestopfte Vögel, Bälge, Eier und Nester. Braun-
schweig, A. Limbach, 1893. 8°. 35 8.
Mewes W. ÖOrnithologische Beobachtungen, grösstentheils im Sommer 1869 auf
einer Reise im nordwestlichen Russland gesammelt etc. Wien, Gerold &
Sohn, 1886. 8°. 108 8.
Radde W. Die Ornis caucasica. Sep.-Abdr. aus den Mittheil. des ornitholog.
Vereines, 1885. 8°. 88. Von Herrn Dr. W. Blasius in Braunschweig.
Index bibliographique de la faculte des sciences publieations des professeurs et
privat docents avec une notice sur Y'histoire et l’organisation actuelle de
la Faculte des Sciences. Lausanne, Viret-Genton, 1896. 8°, 116 8.
Von der Societe vaudoise des Sciences naturelles.
Mayr G. Beiträge zur Kenntniss der Inseetenfauna Kameruns. 5. Formieiden,
gesammelt von Herrn Yngve Sjöstedt, determinirt und bearbeitet von... .
Sep.-Abdr. aus der Entomol. Tidskr., 17./ILL, 1896. 8°. 8. 225—256, 2 Taf.
Vom Verfasser.
Dörfler J. Jahreskatalog pro 1896 der Wiener botanischen Tauschanstalt
(„Wiener botanischer Tauschverein*, gegründet 1845). Wien, 1896. 4°.
S.53—68. Vom Verfasser.
Zukal H. Morphologische und biologische Untersuchungen über Flechten.
I (1895), 46 S., 3 Taf. — II (1895), 938. — LI (1896), 68 S. Sep.-Abdr.
aus den Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch. in Wien. 8°.
Vom Verfasser.
Wasmann E. Zur neueren Geschichte der Entwicklungslehre in Deutschland.
Eine Antwort auf Wilhelm Haacke’s „Schöpfung des Menschen“. Sep.-
Abdr. aus „Natur und Offenbarung“. Münster i. W., Aschendorff, 1896.
8°. 100 8. Vom Verleger.
Werner, Dr. Fr. Die Reptilien und Amphibien Oesterreich-Ungarns und der
Oceupationsländer. Wien, A. Pichler's Witwe & Sohn, 1897. 8°. 160 8.
Smart. Vom Verfasser.
ne
Alphabetische Uebersicht.
Zusammengestellt von A. Handlirsch und Dr. A. Zahlbruckner.
Abkürzungen:
A = Anatomie. D = Beschreibung. K = Kritische Bemer- R = Referat.
PR = Biologie. G = Geographie. kungen. S = Synonymie.
N Amblycephalus carinatus (G) 8. 21.
ä ı Aneistrodon hypnale (DG) S. 10; A.
Ablabes baliodirus (G) S. 17; A. longi- | rhodostoma (BG) S. 21.
cauda (SDG) 8. 17. Ancylistes Pfeifferi G. v. Beck n. sp. (D)
Achillea distans W.K.(?) var. alpestris S. 238.
Ev. (D) 8. 77; A. tomentosa S. 448. | Anger, F. Ueber Rusceus Hypoglossum
Aconitum ranuneulifolium Rb.var. dolo- S. 9.
mitieum Ev. (D) 8. 72. ı Amisolepis grillüi (SDG) S. 471; A. ho-
Adeniophis bivirgatus (G) S. 20; A. in- notus n. sp. (DG) S. 470; A. undu-
testinalis (DG) S. 20. latus (SDG) S. 471.
Adensamer, Th. Ascodipteron phyllo- | Anolis biporcatus (DG) 8. 346; 4.
rhinae (R) S. 369. | eapito (DG) S. 346; A. petersit var.
Aechmites Stussiner n. sp. (DG) 8.463. | bivittata n. var. (DG) S.351; A. sallaei
Aegopodium Podagraria L. var. bal- | (DG) S. 345, 352; A. tropidonotus
dense Ev. (D) S. 72. | (D@) 8. 346.
Agallia minuta n. sp. (DG) S. 176. Anthyllis sp. S. 54—55; A. Dillenii var.
Agalyehnis moreletit (DG) S. 351. | variegata n. var. Ev. (D) S. 55.
Aipysurus eydouxii (DG) S. 363. ' Aparallactus boulengeri n. sp. (DG),
Ajuga Haldesyana S. 447. S. 363, Taf. VI, Fig. 6.
Albow, N. Prodromus Florae Colchicae | Apstein, ©. Das Süsswasserplankton
(R) S. 35. (R) S. 478.
Alchimillae sp. div. 8. 65—68; A. sub- | „Aquila“ (R) S. 180.
erenata var. oenipontana Ev. n. var. |, Arnold, F. Lichenologische Ausflüge
(D) 8. 68. in Tirol. XXVI. Pians S. 101.
Alluaudina bellyi (SDG) S. 361. ' Arthropoden von Djerba S. 273.
486
Arthopyrenia Gyrophorarum Arn. (D) |
S. 140; A. paracapnodes (Stzbg.) (D)
S. 297.
Ascherson, P. Synopsis der mittel-
europäischen Flora (R) S. 327.
Aspieilia conglomerans (Nyl.) (D)S.283;
A. simulans Kernst. n. sp. (D) 8.285. |
Aspidura copü (SGD) 8.8; A. guentheri
(GD) 8. 9; A. trachyprocta (DG)
SER!
Asplenium Baumgartneri (G) S. 448;
A. Heufleri (G) S. 448.
Atractaspis corpulenta (DG) 8. 364.
Atractus quadrivirgatus (G) 8. 352.
B.
Basiliscus vittatus (G) S. 346.
Batrachier Chiles S. 360.
Battandier et Trabut.
gerie (R) 8. 98.
Beck, G. v. Ein neuer Bürger der
österreichischen Flora, Ranumeulus
Sartorianus Boiss. et Heldr. S. 234.
— Eine neue Laminaria aus der Adria
S. 50.
— Einige auffällige Geranium-Formen
S. 266.
— Einige für die Flora von Nieder-
österreich neue und seltenere Pflanzen
S. 380.
— Einige interessante illyrischeVeilchen
S. 233.
— Ueber Anecylistes Pfeifferi n. sp.
8.1288.
— Ueber die Formen
Dillenii Aut. S. 53.
Bergh, R. Beitrag zur Kenntniss der
Gattungen Yarica und Omustus
S. 200, Taf. II, III.
Berichte der Commission für Erfor-
schung des östlichen Mittelmeeres (R)
S. 37.
Bibliotheks-Comite, Jahresbericht S. 161.
Flore d’Al-
der Anthyllis
Alphabetische Uebersicht.
Borborocoetes piliferus n. sp. (DG)
S. 360; B. roseus (DG) 8. 358; B.
taeniatus (DG) S. 358.
Boulenger. Catalogue of the Snakes
in the British Museum (R) 8. 370.
— On a new Gecko from Penang (R)
S. 474.
Brachydripes megalocephala (BG)S.274.
brachyorrhos albus (DG) 8. 23.
Brunnthaler, J. Ueber eine mon-
ströse Wuchsform von Polyporus
squamosus (Huds.), Fig. S. 435.
Bufo asper (G) S. 22; B. biporcatus
(G) 8.22; B. melanostictus (G) 8. 22;
B. valliceps var. microtis n. var. (DG)
S. 350.
Bungarus coerulens (DG) S. 10; B. fas-
ciatus (G) S. 20; B. semifasciatus
(G) 8. 20.
Bütschli, OÖ. Weitere Ausführungen
über den Bau der Cyanophyceen und
Bacterien (R) 8. 227.
Bythinus Ottonis n. sp. (DG) S. 170.
c.
Calamaria anceps n. sp. (DG) 8.18;
©. Linnaei (DG) 8. 18; C. pavimen-
tata var. semidoliata n. var. (DG)
S. 18; 0. sumatrana (DG) 8. 18; C.
vermiformis (GD) S. 17; C. virgulata
(SG) 8. 18.
Callophis gracilis (DG) S. 21.
Calotes eristatellus (G) S. 12, 23; €.
Jubatus (G) 8. 12; ©. Tiocephalus
(DSG) 8. 8; (©. saleoides n. sp. (DG)
Sa
Calyptocephalus Gayi (G) 8. 357.
Campbell, D.H. The structure and
developement of the mosses and ferns
(Archegoniatae) (R) S. 259.
Carduus tridentinus Ev.n.sp.(D) 8.78.
Centaurea Scabiosa var. cinereocephala
Ev. (D): 8.79.
re A
NEN u 1
Alphabetische Uebersicht.
Ceratophora stoddartü (GS) 8. 7.
Oercidospora caudata Kernst.
S. 302.
Chaerophyllum eicutaria Vill. £. gracilis
Pernh. S. 400.
Ohelydra rossignoni (DG) 8. 344.
Chrysopelea ornata (G) 8. 19; (©. rube-
scens (G) S. 19.
Chun, ©. Atlantis (R) S. 184.
Cieindela lumulata var. barbara (BG)
S. 275.
Cinosternum leucostomum (DG) 8. 345.
Cladonia amaurocraea Flk. f. fasei-
culata Kernst. n. f. (D) S. 288.
Cnemidophorus sexlineatus (DG) S. 347.
Coiney, A. de. Ecloga altera planta-
rum hispanicarum seu icones stirpium
superioribus annis per Hispanias de-
teetarum (R) S. 98.
Collema molybdinum f. Oleae Kernst.
n. f. (D) S. 310.
Coluber corais (DG) S. 347; C. helena
(G) 8.9; ©. melanurus (DG) 8. 16;
(D)
C. oxycephalus (DG) 8. 16; C. poly- |
lepis n.sp. (DG) S. 347, Taf. VI, Fig. 3;
C. radiatus (G) S. 16; C. taemiurus
(DG) S. 16.
Cophotes ceylanica (SG) 8.7.
Coronella microphis (DG) 8. 352.
Corythophanes cristatus (DG) S. 346,
Taf. VI, Fig. 2.
Oyelemys amboinensis (G) S. 10, 23.
Oyelops viridis, Fig. (AD) S. 242.
Cylindrophis rufus (G) 8. 13.
Cypers, V. v. Beiträge zur Krypto-
gamenflora des Riesengebirges und
seiner Vorlagen. Pilze. II S. 310.
D.
Dalla Torre. Catalogus Hymenopte-
rorum, Vol. X (R) S. 147.
Daphne Blagayana Fr. (G) S. 220; D. |
collina Sm. (DG)S.216,219; D.sericea
Z. B. Ges. Bd. XLVI.
l
487
Vahl (D) S. 215, (G) 8. 217; D.Vahlüi
Keissl. n. sp. (D) S. 214.
Dendrelaphis caudolineatus (G) S. 17.
Dendrophis caudolineatus (DSG) 8. 9;
D. formosus (DG) S. 16; D. pietus
(6) 8. 16.
Dermophis mexicanus (G) S. 351.
Dianthus Fritschü L. Kell. (= D. spe-
ciosus X barbatus) 8.377, D.inodorus
var. humilis Ev. (D) S. 70.
Dipsadomorphus barnesii Gthr. (SDG)
S. 362.
Dipsas boops (G) S. 19; D. ceylonensis
(GD) 8. 9; D. eynodon (SDG) S. 19;
D. dendrophila (DG) S. 19; D. multi-
maculata (G) S. 19.
Draco lineatus (G) 8. 23; D. volans
(G)'8.12.
Dresser. A History of the birds of
Europe (R) S. 194.
Drude, O. Deutschlands Pflanzengeo-
graphie (R) S. 47.
Drymobius boddaerti (DG) 8. 347; D.
margaritiferus (G) 8. 347.
Dryophis prasinus (DG) 8.19; D. zan-
thozona (SDG) S. 362.
E.
Eichenfeld, M. v. Zwei Asplenium-
Hybride S. 448.
Elaps-Arten, Zeichnungsformeln S.354;
E. elegans (SDG) S. 353; E. fulvius
var. apiatus (SG) 8. 348; E. fulvius
var. nigrocinetus (SG) 8. 348.
Enygrus carinatus (G) 8. 23.
Ephedra vulgaris Rich. (D) S. 89.
Erysimum heterotrichum Fritsch (G)
S. 5.
Erythrolamprus imperialıs (DG) 8.353;
E. fissidens (DG) 8. 353.
Erzepiki, B. Dra Wojeiecha Adam-
skiego Materyaly do flory W. Ks. Poz-
nanskiego (R) S. 260.
65
488
Escherich, ©. Beitrag zur Fauna der
tunisischen Insel Djerba S. 268.
Eublepharis dovii (DG) S. 345, Taf. VI,
Fig. 1.
Euconnus carinthiacus n. sp. (DGS)
S. 172; E. scabripennis n. sp. (DG)
S. 172.
Euthia Deubeli n. sp. (DG) S. 468.
Evers, G. Beiträge zur Flora des Tren-
tino, mit Rücksicht auf Gelmi’s Pro-
spetto della Flora Trentina S. 55.
F.
Feronia cognata (S) 8. 465.
Fieberiella pallida n. sp. (DG) 8. 179.
Fischer E. Neue experimentelle Unter-
suchungen und Betrachtungen über
das Wesen und die Ursachen der Aber-
rationen bei Vanessa (R) S. 94.
Flora Trentina (Beiträge zur) S. 55.
Förster, J. B. Beiträge zur Moosflora
der Comitate Pest-Pilis-Solt und Gran
S. 165.
Friese, H. Bienen Europas, II (R)
S. 147.
Fritsch, ©. Einige neue Phanerogamen
der europäischen Flora S. 5.
— Jahresbericht S. 156.
— Ueber Ranunculus pygmaeus Whlbg. |
Se
— Xanthium macrocarpum 8. 448.
Fungi (Orientales) S. 426.
— (des Riesengebirges) S. 310.
6.
Gagea Brentae Ev. n. sp. (D) 8. 88.
Galeopsis intermedia Vill. var. glabre-
scens Ev. (D) 8.75; @. Tetrahit L.
f. laviflora Ev. (D) 8. 75; @. Eversü
Murr. (D) 8. 75.
Ganglbauer, L. Ein neuer Bythinus
vom Neusiedler See S. 170.
Alphabetische Uebersicht.
Ganglbauer, L. Eine neue Art der
Scydmaeniden-Gattung Huthia 8.468.
— Neue und wenig bekannte Carabiden
S. 457.
— Zwei neue Euconnus aus den Ost-
alpen S. 172.
Gecko monarchus (G) 8. 23; @. stentor
(SDG) 8. 12; @. verticillatus (G)
S. 12; @. vittatus (DG) 8. 23.
Gehyra mutilata (DG)S.11; @.oceanica
(DG) 8. 11.
Gemse, Polydactylie bei der, 8. 451,
Taf. VIII, IX.
Geoemyda spinosa (G) 8. 10.
Geranium macrorrhizum L. var. @.
dalmaticum G. Beck n. var. (D) S. 266;
@. parviflorum var. nocculenta Ev.
n. var. (D) 8. 69; @. sanguwineum L.
f. latisecta Ev. n. f. (D) 8. 69, var.
parviflora Ev. (D) 8. 69, var. parvi-
flora coerulea Ev. (D) S. 69.
Geschenke für die Bibliothek 8. 262,
479.
Ginzberger, A. Ueber einige La-
thyrus-Arten aus der Section Hula-
thyrus und ihre geographische Ver-
breitung S. 265.
Gonyocephalus beyschlagi (SG) 8. 12;
@G. Kohlüi (G) 8. 12.
Gracilaria Rebeli n. sp. (DG) 8. 212.
Graff, L. Die Zoologie seit Darwin
(R) 8. 92.
Gymnodactylus frenatus (SG) 8.7; @.
lateralis n. sp. (DG) 8. 11, Taf. I,
Fig. 4; @. marmoratus (DG) 8. 11.
H.
Haläcsy, E. v. Flora von Nieder-
österreich (R) S. 192.
— Phlomis agraria, neu für Europa
S. 448.
— Ueber eine neue Lonicera aus der
Balkanhalbinsel (DG) S. 473.
u
Alphabetische Uebersicht.
Hamann, ©. Europäische Höhlenfauna
(R) S. 477.
Handlirsch, A. Jahresbericht S. 157. |
— Nachtrag und Schlusswort zur Mono- |
graphie der mit Nysson und Bembex
verwandten Grabwespen (R) S. 146.
Haplocerus ceylonensis (SG) 8. 9.
Hemidactylus frenatus (G) S. 11, 23;
H. gleadowü (G) 8.7.
Hesperis Velenovskyi Fritsch (G) S. 5.
Heymons, Rich. Die Segmentirung
des Insectenkörpers (R) S. 437.
— Zur Morphologie der Abdominalan-
hänge bei den Insecten (R) 8. 321.
Hieracien (neue, des östlichen Europa)
S. 330— 343.
Hieracium Hoppeanum Schult. subsp.
vulpinum Rehm. (D) S. 330, subsp.
Przybyslawslii Rehm. (D) S. 330;
H., sp. div. (DKS) S. 80—88; H.
cadinense Ev. (= H. amplexicaule X
saxatile) (D) S. 81; H. Calisii Ev.
(D) S. S1, var. angustissimum Ev. (D)
S. 82; H.leiosoma N.P. var. opimum
Ev. (D) S. 82; H. lagarinum Ev.n. sp.
(D) S.83, var. latifolium Ev. (D) S.83;
H. Celvae Ev. n. sp. (D)S. 8; H.
roveretanum Ev. n. sp. (D) S. 84; H.
tridentinum Ev. (DK) S. 84—85, var.
oligocephalum Ev. (D) S. 85, var.
rupestre Ev. (Dj S. 85, var. rivulare
Ev. (D) S. 85; H. alpigenum Ev.
n. sp. (D) S. 85, var. angustifolium
Ev. (D) S. 85; H. tesinense Ev. n. sp.
(D) S. 86; H. corüfoliordes Ev. n. sp.
(D) S. 86; H. murorum L. var. flave-
scens Ev. (D) S. 87; H. trafoiense Ev.
n. sp. (D) S. 87; H. Knollense Ev. |
n. sp. (D) S. 88, f. eglandulosum Ev.
(D) S. 88; H. Pilosella L. subsp. aki-
dolepium Rehm. (D) S. 337, 1. ge-
nwinum Rehm. (D) S. 337, 2. cane-
scens Rehm. (D) S. 337; subsp. akido-
phyllum Rehm. (D) S. 338, 1. normale
489
Rehm. (D) 8. 338, 2. grandifolium
Rehm. (D) S. 338; subsp. aphthonom-
noum Rehm. (D) S. 339, «. genwinum
Rehm. (D) 5.339, 8. brevifolium Rehm.
(D) S. 339, y. furcatum Rehm. (D)
S.339; subsp. aphthonotrichum Rehm.
(D) S. 339; subsp. brachycalathium
Rehm. (D) 8.341; subsp. chionolepium
Rehm. (D) S. 338; subsp. chloro-
craspedum Rehm. (D) S. 334; subsp.
chlorolepium Rehm. (D) S.334 ; subsp.
dieranum Rehm. (D) S. 342; subsp.
flavovirens Rehm. (D) S. 342; subsp.
hadrosoma Rehm. (D) S. 336, 1. nor-
male Rehm. (D) S. 336, 2. pilosius
Rehm. (D) S. 336; subsp. halaro-
phyton Rehm. (D) S. 334; subsp. ho-
losteniforme Rehm. (D) S. 331; subsp.
holostenoides Rehm. (D) S.530, 1.nor-
male Rehm. (D) S. 331, 2. pilosius-
culum Rehm. (D) S. 331; subsp. Horo-
denkae Rehm. (D) S.336, «. genwinum
Rehm. (D) 8.337, B. strietipilum Rehm.
(D) 8. 337, y. chlorocephalum Rehm.
(D) S.337; subsp. indivisiforme Rehm.
(D) S.341 ; subsp. ischnanthum Rehm.
(D)S.340, 1. normale Rehm. (D)S. 341,
2.multifloceum Rehm. (D)S.341;subsp.
mnooloma Rehm. (D) S. 335; subsp.
nannoides Rehm. (D) S. 340; subsp.
nanorosulatum Rehm. (D) S.338; sub-
sp. orphanides Rehm. (D) S.342, «. ge-
nwinum Rehm. (D) S. 342, $. atriceps
Rehm. (D) S. 342, y. polytrichum
Rehm. (D) S. 342, d. umbrosum Rehm.
(D) S. 342; subsp. podolicum Rehm.
(D) S. 342; subsp. pseudodilatatum
Rehm. (D) S.343, &@. brevifolium Rehm.
(D) S. 343, $. longifolium Rehm. (D)
S. 345; subsp. pseudomelanops N. P.
var. themnanthum Rehm. (D) S. 336;
subsp. pseudorosulatum Rehm. (D)
S. 335, @. genwinum Rehm. (D) S. 336,
B. leucoloma Rehm. (D) S. 336; subsp.
65*
490
pubrflorum Rehm. (D) S. 332; subsp.
rosulatiforme Rehm. (D) S. 325, «. ge-
nuinum Rehm. (D) S. 335, ß. lanceo-
latum kehm. (D) 8. 335; subsp. rud-
nense Rehm. (D) S. 332, «. genwinum
Rehm. (D) 3.332, P. longipilum Rehm.
(D) 8.332; subsp. sceitophyllum Rehm.
(D) S. 340, @. genwinum Rehm. (D)
S.340, ß. canescens Rehm. (D) S. 340;
subsp. stenophyllum N. P. var. steno-
phylloides Rehm. (D) S. 341; subsp.
tenianthum Rehm. (D) S. 332, «. ge-
nwinum Rehm. (D) 8. 333, PB. sub-
glandulosum Rehm. (D) S. 333; subsp.
tricholepium N. P. var. hypoleucoides
Rehm. (D) S. 333, var. hypoleucum
Rehm. (D) 8.333; subsp. vulgariforme
Rehm. (D) S. 339.
Himantodes cenchoa (G) S. 353; H. ele-
gans (DG) S. 348.
Hinterberger,H. Vortrag über Photo-
graphie mittelst X-Strahlen S. 99.
— „Röntgenogramme“ von Pflanzen-
theilen (R) S. 365.
Homalopsis buccata (DG) S. 19.
Hyla baudini (DG) S. 350; H. doli-
chopsis (DG) 8.23; H. gabbü (DG)
S. 355; H.? salvinii (DG) 8. 350.
Hylodes laevissimus n. sp. (DG) 8. 349;
H. leptopus (DG) 8. 357; H. muri-
cinus (SDG) 8. 355; H. rostralis n.
sp. (DG) 8. 350.
Hylorhina sylvatica (DG) 8. 358.
Hypsirhina enhydris (G) 8. 20; H.
plumbea (G) 8. 20.
I.
Ichthyophis glutinosus (G) 8. 10.
Iguana tuberculata var. rhinolopha
(DG) 8. 346.
Imbricaria prolixa f. corrugata Kernst.
n. f. (D) 8. 281.
Alphabetische Uebersicht.
K.
Kaufmann, Jos. Jahresbericht 8. 159.
Keissler, C.v. Ueber eine neue Daphne-
Art und die geographische Verbrei-
tung derselben, sowiedie ihrer nächsten
Verwandten S. 214.
Kernstock, E. Lichenologische Bei-
träge. VII. Ehrenburg im Puster-
thale S. 279.
Kissling, P. B. Beiträge zur Kenntniss
des Einflusses der chemischen Licht-
intensität auf die Vegetation (R) 8. 143.
Klemensiewicz, St. Ueber eine neue
Graeilaria-Art 8. 212.
Knanutia Byzantina Fritsch n. sp. (G)
S. 5.
König, A. Zwei Fälle von Polydactylie
bei der Gemse 8. 451.
Krasser, Fr. Beiträge zur Kenntniss
der fossilen Kreideflora von Kunstadt
in Mähren (R) 8. 375.
Kybos smaragdulus var. rufescens n.
var. (DG) 8. 180.
L.
Lachesis aurifer (SDG) 8. 355, Taf. VI,
Fig. 5; L. atrox (DG) 8. 348; L. bi-
color (DG) S. 348, Taf. 6, Fig. 4.
Laminaria adriatica G. Beck n. sp. (D)
S. 50.
Lathyrus hirsutus (G) 8. 449.
Lecidea subtumidula Nyl. (D) S. 103.
Leciographa parasitica f. conglobata
Kernst. n. f. (D) S. 308.
Leptognathus albifrons (DG) 8. 363,
Taf. VI, Fig. 7; L. alternans (SDG)
S. 364.
Lepidophyma flavomaculatum (G) 8.352,
(DG) 8. 346.
Lethierry et Severin. Catalogue ge-
neral des Hemipteres. III (R) 8. 478.
Lichenen (von Tirol) S. 101, 279.
ar
Alphabetische Uebersicht.
491
Lichomolgus sepicola, Fig. (A) S. 242; | Marchand, L. Enumeration metho-
L. doridicola, Fig. (A) S. 242.
Liolaenus pietus (DG) S. 356.
Lippert, Chr. Beitrag zur Biologie
der Myxomyceten 8. 235.
Litwinow, J. D. Botaniczeskija eks-
kurzija w Sierzanskom ujezdje (R)
S. 97.
Lonicera Formanekiana Hal. n. sp.
(DG) 8. 473.
Lophura amboinensis (G) 8. 23.
Lorenz, L. v. Demonstration neu be-
schriebener Paradiesvögel S. 50.
— Vortrag über Nestor - Papageien
S.. 197,
Lycodon aulicus (G) S. 15; L. effrenis
(DG) 8. 15; L. subeinetus (SDG)
S. 15.
Lycopus europaeus f. gigantea Ev. (D)
S. 75.
Lygosoma chalcides (G) 8. 13; L. eya-
nurum (G)S. 23; L. fallax (DG)S.8;
L. noctua (G) 8. 13; L. olivaceum
(DG) 8. 13; L. paradoxum n. sp.
(DG) 8. 13, Taf. I, Fig. 3; L. sma-
ragdinum (DG) 8. 23; L. temminckt
(G) 8. 13.
Lyriocephalus scutatus (SG) 8. 8.
Lythrum Salicaria f. ramosa Ev. (D)
S. 69, f. tridentina Ev. (D) S. 69, var.
pumilum Ev. (D) S. 69.
Lytta djerbensis (SG) S. 277.
M.
Mabuia agilis (DG) S. 347; M. carinata
(DG) S. 8; M. multifasciata (G) S. 12;
M. qwinquecarinata (DG) 8. 12.
Macropisthodon flaviceps (G) S. 15; M.
rhodomelas (GD) S. 15.
Magnus, P. J. Bornmüller, Iter Per-
sico-turecicum 1892/93. Fungi, Pars I.
Ein Beitrag zur Kenntniss der Pilze
des Orients S. 426.
dique et raisonnee des familles et
genres de la classe des Mycophytes
(R) S. 258.
Marenzeller, Emil v.
S. 154.
— Ueber Marchesini:
Muskelgewebes 8. 52.
Massee, G. A. A Revision of the Genus
Coprinus (R) S. 323.
Matochie, P. Die Säugethiere Deutsch-
Ostafrikas (R) S. 194.
Megaerophis flaviceps (G) 8. 21.
Megalophrys nasuta (G) 8. 22.
Melampyrum nemorosum L. f. viridıs
Ev. (D) S. 76, f. purpurascens Ev.
(D) S. 76; M. pratense L. var. dis-
secti-bracteatum Ev. (D) S. 76.
Melichar, L. Cieadinen von Mittel-
Europa (R) S. 148.
— Einige neue Homoptera-Arten und
Varietäten S. 176.
Microthelia minor Kernst. n. sp. (D)
S. 307.
Millspaugh, Chr. F. Contribution to
the Flora of Yucatan (R) 8. 151.
Mollusken von Djerba S. 273.
— von Tunis S. 278.
Moose der Comitate Pest-Pilis-Solt und
Gran S. 165.
Myxomyceten (B) S. 235.
Jahresbericht
Structur des
N
Nadson, G. Ueber den Bau des Cyano-
phyceen-Protoplastes (R) S. 144.
Naja bungarus (DG) S. 20; N. sputa-
trix (GD) S. 20; N. tripudians (DG)
S. 10, 20.
Nareissus ledroensis Ev. (D) S. 88.
Narica (SAD) S. 200; N. cancellata,
Fig. (SAD) S. 202.
Nemee Bohumil, Studie o Isopodech
(R) S. 366.
492
Nestor
S. 198.
Nothris flabellifer n. sp. (DG) 8. 175.
septentrionalis n. Sp.
(DG)
0.
Oenothera Heiniana Teyb., nov. hybr.
(DG) 8. 469.
Oligodon bitorquatus (DG) S. 17; ©.
sublineatus (G) 8.9.
Omustus (DSA) S. 207; O. trochiformis,
Fig. (DA) S. 208.
Ortmann, Arnold E. Grundzüge der
marinen Thiergeographie (R) S. 39.
Oxybelis acuminatus (G) 8. 348, 353.
Oxyglossus lima (G) S. 21.
r.
Paczoski, J. O nowych i ızadszych
roslinach flory Litewskiej (R) S. 189.
— Przyczynki do znajmösei flory Krajo-
wej (R) S. 96.
Palacky, E. Ueber die geologische
Evolution der Blüthe S. 162.
Paludicola bibronü (DG) 8. 358; P.
muelleri n. sp. (DG) S. 358.
Parmelia endococeina Kbr.et spec. affın.
(S., Exs.) S. 135; P. stellaris f. tuber-
culata Kernst. n. f. (D) S. 295.
Parotia carolae (D) S. 51.
Peracca, G. Sul fatto di due distinte
dentizioni nella Tiliqua (R) S. 372.
Pernhoffer, G. v. Verzeichniss der in
der Umgebung von Seckau in Ober-
Steiermark wachsendenPhanerogamen
und Gefässkryptogamen, einschliess-
lich der wichtigeren eultivirten Arten
S. 384.
Petunnikow, A. Die Potentillen Cen-
tralrusslands (R) 8. 229.
Phaeospora geographicola Arn. (D)
S. 140; P. propria Arn. n. sp. (D)
S. 130.
Alphabetische Uebersicht.
Philodryas burmeisteri (DG) S. 362.
Phlomis agraria (G) 8. 448.
Pimelia pilifera var. rugosipenmis n. var.
(DG) 8. 276.
Placodium concolor Ram. f. elatum Arn.
n. f. (D) S. 103.
Plitzka, A. Ueber vergrünte und um-
gebildete Blätter der Herbstzeitlose
in der Umgebung von Neutitschein
(R) 8. 226.
Polycoccum thallicolum Arn.n. sp. (D)
S. 105.
Polydesmus spelaeorum n.
(DGB) S. 254.
Polyodontophis annulatus (SDG)S.352;
P. geminatus (DG) 8. 14.
Polyporus sguamosus (monströseWuchs-
form) 8. 435.
Potentilla daomensis Ev. n. sp. (D)
S.56; P. tridentina Gelmi f. dume-
torum Ev.n.f. (D) S. 56, var. borda-
lensis Ev. n. var. (D) S. 56, var. Can-
fedinensis Ev.n.var. 8.56; P. Gardae
Ev. n. sp. (D) 8. 56; P. bruginoensis
Ev. (= P. bolzanensis X tridentina)
S. 57; P. Vasonis Ev. (= P. triden-
tina X glandulifera) 8. 57; P. Pari
Ev.n. sp. (D) S. 57; P. Mezzocoronae
Ev. n. sp. (D) 8. 57; P. Rivae Ev.
n. sp. (D) 8.58; P. viscida Ev. n. sp.
(D) 8. 58; P. Noarnae Ev. n. sp. (D)
S.58; P. Bondonis Ev.n.sp. (D) 8.58;
P. Ronchi Ev. n. sp. (D) S. 59; P.
Ponale Ev.n. sp. (D) 8.59; P. dubiosa
Ev..n. sp. (D) S. 59; P. loppiensis Ev.
(= ?P. bolzanensis X Sauteri?) (D)
S. 59.
Psammodynastes pietus (DG) S. 19; P.
pulverulentus (DG) 8. 19.
Pseudorhabdium longiceps (SDG) 8. 17.
Psora einereorufa Schaer. (S., Exs., Icon.)
S. 131.
Pteridophora alberti (D) 8. 50.
Ptychozoon homalocephalum (G) 8. 12.
sp., Fig.
u
Alphabetische Uebersicht.
Publieationen
S. 43, 439.
Pulmonaria tridentina Ev. n. sp. (D)
S. 74.
Python reticulatus (G) 8. 13.
über Lepidopteren (R)
R.
Rana chalconota (6) 8.22; R.erythraea
(G) 8. 22; R. hexadactyla (G) 8. 10;
R. limnocharis (DG) S. 22; R. ma-
crodon (GD) S. 21; R. tigrina (GD)
S. 21; R. virescens var. austricola
(SDG) 8. 349.
Ranunculus pygmaeus Wahlbg. (G)
S.1; R. Sartorianus Boiss. et Heldr.
(G) 8. 234.
Rebel, H. Zwei neue Microlepidopteren |
aus Marocco 8. 174.
Rehmann, A. Neue Hieracien des
östlichen Europa 8. 329.
Reptilien und Batrachier von Djerba
8.277.
— — von Tunis 8. 278.
Rhacophorus chiropterus n. sp. (DG)
S. 22, Taf. I, Fig. 2; R. leucomystax
(SG) 8. 22; R. reinwardtü (DG)
S. 22.
Rhamnus Mulleyana Fritsch (= R.
pumila X Carmiolica) 8. 379.
Rhinoderma darwinü (DG) S. 357.
Rhinophis trevelyanus (SG) 8. 8.
Roripa amphibia Scop. f. cordata Ev.
(D) 8. 71, £. longidentata Ev. (D)
871.
Rosa molvenoensis Ev. n. sp. (D) S. 65.
Rubus brachybothrys Focke var. Sti
Roecchi Ev. n. var. (D)S.61; R. bren-
tonieus Ev. (= ? R. superdiscolor X
tomentosus Hal.?) (D) S.61; R.cogno-
lensis Ev. (= ? R. tomentosus X dis-
color?) (D) S. 62; R. decumbens Ev.
n. sp. (D) 8. 62; R. tridentinus Ev.
(= R. rusticanus X discolor ?) (D)
I
|
493
8.63; R. bruginoönsis Ev. (R. tomen-
tosus glaber x dalmatinus) (D) S. 63;
R. loppiensis Ev. (= R. sulcatus X
hrachybothrys?) (D) S. 64; R. vezza-
nensis Ev.n. sp. (D) S. 64; R. tomen-
tosus glaber X caesius (D) S. 65; R.
rusticanus X caesius (D) S. 65; R.
Vestii X caesius (D) S. 65; R. Molweno
Ev. (D) S. 65; R. Maranzae Ev. (R.
caesio X sulcatus?) (D) S. 59 et var.
coriaceus Ev. n. var. (D) S. 60.
Ruscus Hypoglossum L. (G) 8. 5.
S.
Saccardo, P.A. La Botanica in Italia
(R) S. 322.
Sceloporus aeneus (G) 8.346; S.serrifer
(DG) 8. 352, 346.
Schaefer, Theod. The poisonous sting
of the Electrie light bug (R) 8. 94.
Schmeil, O. Deutschlands freilebende
Süsswasser-Copepoden (R) 8. 367.
Schnee, Verschleppte Schlangen in der
Provinz Sachsen (R) S. 474.
Scholz, Th. Schlüssel zur Bestimmung
der witteleuropäischen Farnpflanzen
(R) S. 328.
Schube, Th. Schlesiens Culturpflanzen
im Zeitalter der Renaissance (R)
S. 193.
Scoparia Virescens n. sp. (DG) 8. 174.
Scrophularia canina (G) S. 448.
Selenocephalus abbreviatus n. sp. (DG)
S. 178.
Senecio paludosus L. var. tomentosus
Ev. (D) 8.77.
Simotes arnensis (G) 8.9; 8. purpura-
scens (DG) 8. 17; $. octolineatus (G)
S. 17; S. signatus (DG) 8. 17.
Spathoscalabotes mutilatus (SDG) 8.12.
Spelerpes variegatus (G) 8. 351.
Sphaerodactylus argus var. continen-
talıs n. var. (DG) 8. 345.
494
Standfuss, Handbuch der paläarkti-
schen Gross-Schmetterlinge (R) S. 40.
Stenorhina degenhardti (DG) 8. 358.
Steuer, Ad. Bemerkungen über die
männlichen Geschlechtsorgane von
Oyclops viridis und anderen Cope-
poden 8. 242.
Streptophorus atratus (DG) 8.
352; 5. diadematus (G) 8. 352.
Sucker L. Die Fische nebst den ess-
baren wirbellosen Thieren der Adria
und ihre Zubereitung (R) S. 149.
Synechoblastus nigrescens f. quinque-
septatus Kernst. n. f. (D) S. 310.
348,
4
Tachydromus sexlineatus (G) S. 12.
Tachymenis peruviana (DG) 8. 356.
Tapinopterus Kaufmanni n. sp. (DG)
8.464; T.byzantinusn.sp. (DG) S. 466.
Tarbophis guentheri (DG) 8. 361.
Teyber, A. Oenothera Heiniana 8.469.
Thecadactylus rapicaudus (DG) 8. 345.
Thelidium quwinqueseptatum f. caesium
Kernst. n. f. (D) 8. 307.
Thyselton-Dyer, W. T. Botanical
Nomeneclature (R) S. 24.
Trabut et Battandier.
gerie (R) 8. 98.
Triecphora distincta n. sp. (DG) 8. 177;
T. vulnerata var. helvetica n.var. (DG)
S. 178.
Trimeresurus gramineus (DG) S. 21;
T. trigonocephalus (DG) 8. 10; T.
Wagleri (DG) 8. 21.
Trionyx cartilagineus (SG) 8. 10; T.
subplanus (GD) S. 10.
Trechus Brandisi (DG) 8. 459; T.
(Anophthalmus) Dietli n. sp. (DG)
S. 459; T. elegans (DG) S. 457, var.
carniokcus n. var. (DG) 8.458; T.
(Anophthalmus) globulipennis (DG)
Flore d’Al-
S.462; T. Hampei var. Kraussi n. var. |
Alphabetische Uebersicht.
(DG)S.458; T.(Anophthalmus) Hege-
düsi (DG) S. 460; T. ovatus var. Pe-
neckei n. var. (DG) 8. 458; T. (Ano-
phthalmus) Paganettii n. sp. (DG)
S. 460.
Tropidonotus asperrimus (SG) 8.8; T.
chrysargus (DG) S. 14; T. maculatus
(DG) 8. 14; T. piscator (G) S. 14;
T. stolatus (G) 8. 8; T. subminiatus
(DG) 8. 14; T. trianguligerus (DG)
S.14; T. vittatus (G) S. 14.
Typhlops braminus (G) 8. 13; T. linea-
tus (G) S. 15, var. sumatrana n. var.
(DG) 8. 13.
U.
Uromyces tinctoricola P. Magn. n. sp.
(D) S. 429, Taf. VII, Fig. 13—23; U.
Schroeteri De Toni (N) S. 430.
Urotheca elapoides var. aequalis (DG)
S. 352.
Ustilago Bornmuelleri P. Magn. n. sp.
(D) 8.427, Taf. VII, Fig. 15:70:
Duriaeana Tul. S. 427, Taf. VII,
Fig. 6—17.
Uzel, H. Monographie der Ordnung
Thysanoptera (R) S. 93.
br
Varanus bengalensis (G) S.8; V. Du-
merilü (G) 8.12; V. salvator (G) 8.12.
Verhoeff, ©. Polydesmus spelaeorum
n.sp. aus dem Banate S. 254.
Vicia striata (G) 8. 449.
Violae (Illyricae) S. 233.
Vipera russellü (G) 8. 10.
WW.
Wasmann, E. Die ergatogynen Formen
bei den Ameisen und ihre Erklärung
(R) S. 93.
TE a a u Zu
Alphabetische Uebersicht.
Wasmann E. Zur neueren Geschichte
der Entwicklungslehre in Deutsch-
land (R) S. 438.
Werner, Fr. Beiträge zur Kenntniss
der Reptilien und Batrachier von
Centralamerika und Chile S. 344.
— Die Iguaniden-Gattung Anisolepis
Blngr. S. 470.
reich-Ungarns und der Occupations-
länder (R) S. 475.
— Ueber die Schuppenbekleidung des
regenerirten Schwanzes bei Eidechsen
(R) 8. 373.
— Zweiter Beitrag zur Herpetologie der
indo-orientalischen Region S. 6.
Wettstein, R. v. Monographie der
Gattung Euphrasia (R) S. 149.
Wildeman, E. de. Flore des Algues
de Belgique (R) S. 365.
Wofoszezak, E. Flora polonica ex-
siecata, Cent. V (R) S. 259.
Wurm, Fr. Die Flechten der Umgebung
von Böhmisch-Leipa (R) S. 227.
Z.B. Ges. Bd. XLVI.
x.
Xanthium macrocarpum (G) 8. 448.
' Xenelaphis hexagonotus (DG) S. 15.
Xenopeltis unicolor (DG) S. 14.
I.
' Zacharias, OÖ. Forschungsberichte aus
— Die Reptilien und Amphibien Oester-
der biologischen Station zu Plön (R)
S. 25.
Zahlbruckner, A. Ajuga Halaesyanı
S. 447.
Zamenis Korros (G) S. 15; Z. mucosus
(G) 8.9.
Zaocys tornieri n. sp. (DG) S. 15, Taf. I,
Fig. 1.
Zermann, P. Chr. A. Beitrag zur
Flora von Melk. IH (R) S. 226.
Zimmermann. Verzeichniss der in
Vorarlberg wildwachsenden Gefäss-
pflanzen (R) S. 227.
Zoologische und botanische Abhand-
lungen in den 1895 erschienenen
Jahresberichten österr. Mittelschulen
(R) 8. 224.
66
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Verhandl. d. k. k. zool.-bot. Ges. Dr. Anton König.
Band XLVI. 1896. Zwei Fälle von Polydactylie bei der Gemse.
Tafel VIII.
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Verhandl. d. k. I. z00l.- bot. Ges. Dr. Anton König.
Band XLVI. 1896. Zwei Fälle von Polydactylie bei der (remse.
Tafel IX.
Fig. 4a.
Autor del.
1896.
STATUTEN
k. K. zoologisch-botanischen Gesellschaft
in Wien.
$.1. Zweck und Sitz des Vereines.
Die k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft mit dem Sitze
in Wien hat den Zweck, das Studium wissenschaftlicher Zoo-
logie und Botanik überhaupt anzuregen, zu fördern und zu
verbreiten, zunächst aber die vaterländische Fauna und Flora
möglichst gründlich und vollkommen zu erforschen und den
Verkehr der Naturforscher unter einander, sowie mit weiteren
Kreisen zu vermitteln.
$. 2. Erreichung des Zweckes.
Die Gesellschaft sucht ihren Zweck durch alle geeigneten
Mittel zu erreichen, insbesondere aber durch:
a) Herausgabe von Druckschriften,
b) Versammlungen, Vorträge, Demonstrationen etc.,
c) Anlegung einer Bibliothek,
d) Aufstellung naturwissenschaftlicher Sammlungen,
e) Unterstützung von Schulen durch Lehrmittel.
$. 3. Mitglieder.
Der Verein besteht aus ordentlichen und Ehrenmitgliedern.
Ordentliches Mitglied kann Jedermann werden. Die
Aufnahme erfolgt entweder durch den Ausschuss oder auf
Vorschlag durch zwei Mitglieder in einer Generalversammlung.
Den Titel eines Ehrenmitgliedes verleiht die General-
versammlung auf Vorschlag des Ausschusses solchen Personen,
die sich entweder um die Naturwissenschaften oder um den
Verein hervorragende Verdienste erworben haben.
Die Mitgliedschaft endet:
a) durch Ableben,
b) durch ausdrückliche schriftliche Erklärung des
Austrittes vor Schluss des laufenden Jahres, für
welches der Beitrag unbedingt noch zu entrichten ist,
c) durch Ausschliessung. Mitglieder, welche das An-
sehen oder die Wirksamkeit des Vereines schädigen,
können durch den Ausschuss ausgeschlossen werden.
Ein derartiger Beschluss kann nur mit zwei Drittel
der Stimmen sämmtlicher Ausschussräthe gefasst
werden und steht den Betroffenen das Recht der
Berufung an die Generalversammlung zu.
$. 4. Rechte und Pflichten der Mitglieder.
Sämmtliche Mitglieder haben actives und passives Wahl-
recht, Sitz und Stimme in den Generalversammlungen, das
Recht Anträge zu stellen und sich an allen Veranstaltungen
des Vereines zu betheiligen, die Sammlungen und die Biblio-
thek der Gesellschaft nach den festgesetzten Anordnungen zu
benützen und die Publicationen nach den Bestimmungen des
Ausschusses theils unentgeltlich, theils zu ermässigten Preisen
zu beziehen.
Die Mitglieder sind verpflichtet, die Vereinszwecke nach
Kräften zu fördern und den von der Generalversammlung
festgesetzten Beitrag zu leisten, von dessen Entrichtung nur
jene Ehrenmitglieder des Auslandes enthoben sind, welche die
Gesellschaftspublieationen nicht beziehen.
$.5. Leitung der Gesellschaft.
Zur Leitung der Gesellschaft ist das Präsidium, der Aus-
schuss und die Generalversammlung berufen.
Das Präsidium besteht aus einem Präsidenten und zwei
Stellvertretern. Der Präsident oder einer der Stellvertreter ver-
tritt die Gesellschaft nach Aussen und den Behörden gegenüber,
beruft und leitet die Ausschuss- und Generalversammlungen
und unterzeichnet rechtsgiltig alle Urkunden und Schriftstücke,
aus welchen dem Vereine Verbindlichkeiten erwachsen sollen.
Der Ausschuss besteht aus dem Präsidium, 30 Ausschuss-
räthen, zwei Secretären, einem Rechnungsführer und aus den
Obmännern der Sectionen oder deren Stellvertretern, sofern sie
nicht schon Ausschussmitglieder sind. Der Ausschuss ist berechtigt
sich durch Cooptirung von 5 Ausschussräthen zu vergrössern.
Dem Ausschusse obliegt die Beschlussfassung über alle
nicht speciell der Generalversammlung vorbehaltenen Agenden
auf Grund einer von ihm festgesetzten Geschäftsordnung.
Zur Beschlussfähigkeit ist die Anwesenheit von mindestens
zehn Ausschussräthen erforderlich.
Die Secretäre sind die executiven Organe des Aus-
schusses. Sie besorgen die Correspondenz, die Redaction der
Publicationen der Gesellschaft, die Protokollführung und alle
anderen ihnen durch den Ausschuss und die Geschäftsordnung
übertragenen laufenden Geschäfte.
Der Rechnungsführer besorgt die Cassagebahrung
unter der Controle des Präsidiums.
Alle obengenannten Functionäre müssen Mitglieder der
Gesellschaft sein und ihren Wohnsitz in Wien oder in der
nächsten Umgebung haben. Sie werden von der Generalver-
sammlung mit absoluter Majorität der abgegebenen Stimmen,
eventuell in engerer Wahl auf drei Jahre gewählt und sind
nach Ablauf ihres Mandates sofort wieder wählbar. Zur Fort-
führung der Geschäfte unbedingt nothwendige Ergänzungswahlen
gelten nur bis zum regelmässigen Wahltermine.
$S. 6. Versammlungen.
Der Generalversammlung sind vorbehalten:
Die Wahl des Ausschusses und der übrigen Functionäre,
die Ernennung von Ehrenmitgliedern, die Wahl der zwei
Rechnungsrevisoren, die Festsetzung des Jahresbeitrages, die
4
Genehmigung der Rechenschaftsberichte, die Aenderung der
Statuten und die Auflösung der Gesellschaft.
Eine Generalversammlung ist bei Anwesenheit von 30 Mit-
gliedern beschlussfähig; sollten nicht so viele Mitglieder an-
wesend sein so muss binnen 14 Tagen eine neue General-
versammlung mit derselben Tagesordnung einberufen werden,
welche dann auf jeden Fall beschlussfähig ist.
Im April eines jeden Jahres findet die regelmässige Ge-
neralversammlung zur Erstattung des Rechenschaftsberichtes
statt. Sind Wahlen vorzunehmen, so wird im November oder
December eine zweite Generalversammlung einberufen.
Zur Erledigung besonders wichtiger Angelegenheiten
können sowohl durch einen Beschluss des Ausschusses, als
über Antrag von mindestens 20 Mitgliedern ausserordentliche
Generalversammlungen einberufen werden.
Der Tag der Generalversammlung muss den Mitgliedern
rechtzeitig bekanntgegeben werden.
S. 7. Seetionen.
Zur intensiveren Pflege einzelner Gebiete der Natur-
wissenschaften können von den Mitgliedern der Gesellschaft
Sectionen gebildet werden.
Die Gründung und Constituirung der Sectionen kann nur
im Einvernehmen mit dem Ausschusse der Gesellschaft erfolgen.
Jede Section wählt ihren Obmann und dessen Stellvertreter,
sowie einen Schriftführer.
$. 8. Statutenänderungen.
Eine Abänderung der Statuten kann nur mit zwei Dritt-
theilen der in einer Generalversammlung anwesenden Stimmen
beschlossen werden.
Diesbezügliche Anträge können entweder vom Ausschusse-
ausgehen, oder von einzelnen Mitgliedern. In letzterem Falle
ist der Antrag schriftlich, motivirt und von mindestens 20 Mit-
gliedern unterzeichnet dem Ausschusse zur Vorberathung zu
überreichen. Die definitive Beschlussfassung erfolgt erst in der
nächsten Generalversammlung.
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$. 9. Schiedsgericht.
Alle aus dem Gesellschaftsverhältnisse entspringenden
Streitigkeiten sind, sofern zu deren Schlichtung ein Ausschuss-
votum nicht hinreieht, der Entscheidung eines aus fünf Ge-
sellsehaftsmitgliedern bestehenden Schiedsgerichtes zu unter-
ziehen, zu welchem die streitenden Theile je zwei Mitglieder
entsenden. Diese wählen gemeinsam einen Obmann.
Kann über die Person des Obmannes keine Einigung
erzielt werden, so entscheidet das Los.
Das Schiedsgericht entscheidet endgiltig mit absoluter
Majorität. Im Falle der Stimmengleiehheit dirimirt der Obmann.
Sollte ein Streittheil binnen 5 Tagen nach erfolgter Auf-
forderung seine Schiedsrichter nicht namhaft gemacht haben,
so werden dieselben durch den Ausschuss bestimmt.
$. 10. Auflösung der Gesellschaft.
Die Auflösung der Gesellschaft kann nur über Antrag
des Ausschusses durch eine eigens einberufene Generalver-
sammlung, zu welcher alle Mitglieder besonders einzuladen
sind, mit zwei Dritttheilen der schriftlich abzugebenden Stimmen
beschlossen werden.
Bei Auflösung der Gesellschaft gehen deren Sammlungen
und Bibliothek nebst dem nach Berichtigung aller Verpflichtun-
gen vorhandenen Vermögen in das Eigenthum des Landes
Niederösterreich zu Handen des niederösterreichischen Landes-
ausschusses über.
2. 121083.
Der Bestand dieses Vereines nach Inhalt der vorstehenden ge-
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änderten Statuten wird im Sinne des $. 9 des Gesetzes vom 15. Novem-
ber 1867, R.-G.-Bl. Nr. 134, bescheinigt.
Wien, am 7. Jänner 1896.
Von der k.K.n. ö. Statthalterei.
In Vertretung:
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1896.
Geschäfts-Ordnung
der
k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien.
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I. Präsidium.
$. 1. Der Präsident oder dessen Stellvertreter beruft und leitet die Aus-
schuss- und General-Versammlungen, überwacht die Administration und Cassen-
gebahrung, vertritt die Gesellschaft nach Aussen und den Behörden gegenüber
und unterzeichnet alle wichtigeren Ausfertigungen. In der General-Versammlung
erstattet er Bericht über den Stand und die Leistungen der Gesellschaft während
des abgelaufenen Jahres.
II. Ausschuss.
$. 2. Der Ausschuss beschliesst über alle nicht speciell den Funetionären
oder der General-Versammlung vorbehaltenen Agenden. Er stellt das Präliminare
fest, wählt zur Erledigung der laufenden Bibliotheks- und Redactionsgeschäfte
je ein Comite und ist berechtigt, mit der Besorgung gewisser Angelegenheiten
(z. B. Archiv, Vertheilung der Lehrmittel, Instandhaltung der Sammlungen ete.)
einzelne Personen zu betrauen.
$. 3. Vor jeder Ausschusssitzung sind rechtzeitig Einladungen mit der
Tagesordnung zu versenden.
$. 4. Ausschusssitzungen werden einberufen, so oft es die Erledigung
der Agenden erfordert; jedenfalls aber einige Tage vor jeder General-Versammlung.
III. Secretäre.
$. 5. Die Secretäre eröffnen alle unter der Adresse der Gesellschaft oder
des Secretariates einlangenden Briefe und Sendungen, ausser den für die Bibliothek
bestimmten, und führen dieselben ihrer Bestimmung zu. Sie vertreten sich im
Verhinderungsfalle gegenseitig und sind ermächtigt, in dringenden Fällen Aus-
lagen bis zu 50 fl. anzuweisen.
Z. B. Ges. Bd. XLVI. a
$. 6. Sie theilen sich in die Geschäfte so, dass dem einen alle Verwal-
tungsgeschäfte und die Aufsicht über die Cassengebahrung, dem anderen hingegen
alle Redactionsangelegenheiten zukommen.
$. 7. Die oben erwähnten Verwaltungsgeschäfte bestehen u. a. in der
Führung eines genauen Mitgliederverzeichnisses, in der Ausgabe und Mitfertigung
der Aufnahmsschreiben, in der Erledigung der Correspondenz, mit Ausnahme
jener, welche sich auf die Publicationsthätigkeit oder auf die Bibliothek der
Gesellschaft bezieht, und in der Besorgung der Wahlangelegenheiten. Der ver-
waltende Secretär weist ferner alle zur Auszahlung gelangenden Beträge, mit
Ausnahme jener für Druck und Bibliothek, an und sorgt für die Aufbewahrung
und Registrirung des Archives und der Sammlungen, soferne der Ausschuss
nicht eigene Personen mit diesem Geschäfte betraut, er führt endlich die Proto-
colle der General- und Voll-Versammlungen und ist verpflichtet, sowohl in den
Ausschusssitzungen als in der General-Versammlung Bericht über seine Thätigkeit
zu erstatten.
$. S. Der mit den Redactionsangelegenheiten betraute Secretär ist Redacteur
aller von der Gesellschaft herausgegebenen wissenschaftlichen Publicationen und
leitet den Druck und die Ausgabe derselben; er übernimmt demnach alle ein-
laufenden Manuscripte, übergibt dieselben den Berichterstattern und führt die
auf die Publieationsthätigkeit bezügliche Correspondenz. Er ist Vorsitzender
im Redactionseomite, legt die eingelaufenen Manuseripte in den Versammlungen
vor, führt das Protocoll in den Ausschusssitzungen und erstattet der General-
Versammlung Bericht über die Publicationsthätigkeit der Gesellschaft.
IV. Rechnungsführer.
$. 9. Der Rechnungsführer nimmt die an die Gesellschaft gelangenden
Gelder in Empfang und verbucht dieselben. Er zahlt alle durch das Secretariat
oder das Bibliothekseomit& als zur Zahlung geeignet bezeichneten Conti und
Anweisungen aus.
$. 10. Ueber die zeitweilige, fruchtbringende Anlage grösserer Baar-
beträge (über 200 fl.) berichtet er in der nächsten Ausschusssitzung.
$. 11. Er unterfertigt alle Jahreskarten und führt über die Ausgabe der-
selben ein Vormerkbuch.
$. 12. Er hat alljährlich einen Voranschlag für die Gelderfordernisse
des nächsten Jahres dem Ausschusse vorzulegen, eine vollständige Jahresrechnung
vorzubereiten, dieselbe rechtzeitig den Revisoren vorzulegen und in der General-
Versammlung mitzutheilen.
$. 13. Im Verhinderungsfalle wird der Rechnungsführer durch ein Mitglied
des Ausschusses vertreten.
$. 14. Eine eventuelle Scontrirung der Casse erfolgt durch den Präsi-
denten oder seinen Stellvertreter und die Secretäre.
V. Redactionscomite.
$. 15. Bei der Wahl des Redactionscomites wird der Ausschuss darauf
Rücksicht nehmen, dass die einzelnen Hauptrichtungen der Zoologie und Botanik
durch Fachmänner vertreten sind. Die Schriftführer der Sectionen und die
beiden Secretäre haben Sitz und Stimme im Redactionscomite.
$. 16. In dem Redactionscomite, welches über die Aufnahme aller für
die „Verhandlungen“ bestimmten Arbeiten und Referate beschliesst, führt der
redigirende Secretär den Vorsitz.
$. 17. Die Beurtheilung der vorgelegten Arbeiten steht jenem Comite-
mitgliede zu, in dessen Fach die betreffende Arbeit gehört. In kritischen Fällen
ist das Comite verpflichtet, das schriftliche Urtheil eines als Autorität in dem
betreffenden. Fache anerkannten Gelehrten einzuholen.
$. 15. Das Redactionscomite hat vor Abschluss der einzelnen Nummern
der „Verhandlungen“, also in der Regel am Anfange der Monate October bis Juli,
je eine Versammlung abzuhalten.
VI. Bibliothekscomite.
$. 19. Das Bibliothekscomite, in welchem die beiden Secretäre stimm-
berechtigt sind, beschliesst über neu einzuleitenden Schriftentausch, über Ankäufe
zur Completirung lückenhafter Zeitschriftenserien und über den Ankauf selbst-
ständiger Werke bis zum Preise von 30 fl. Bei den Ankäufen ist das Comite
an das vom Ausschusse aufgestellte Präliminare gebunden. Die Anschaffung
grösserer, kostspieliger Werke ist der speciellen Bewilligung des Ausschusses vor-
behalten.
$. 20. Das Bibliothekscomite übernimmt alle an die Gesellschaft gelangenden
Bücher und Zeitschriften und führt über dieselben ein genaues Verzeichniss, besorgt
die Katalogisirung und Einreihung der Bücher und hat der General-Versammlung
über den Stand der Bibliothek Bericht zu erstatten, es besorgt endlich im
Namen der Gesellschaft die auf die Bibliothek bezügliche Correspondenz, unter-
zeichnet die zur Auszahlung geeigneten Buchhändler- und Buchbinderreehnungen
und überwacht die Benützung der Bibliothek.
$. 21. In den Versammlungen des Bibliothekscomites führt der ver-
waltende Secretär den Vorsitz.
VII. Anträge.
$. 22. Selbstständige Anträge, gleichviel ob sie für die Ausschuss- oder
General-Versammlung bestimmt sind, müssen dem Seeretariate schriftlich oder
mündlich früher mitgetheilt werden, damit sie noch rechtzeitig auf die Tages-
ordnung gesetzt werden können und das Secretariat in der Lage ist, die zur
Beschlussfassung eventuell nothwendigen Vorerhebungen zu veranlassen.
$. 23. Wird ein selbstständiger Antrag ohne vorherige Anmeldung erst
in der betreffenden Sitzung eingebracht, so muss die Beschlussfassung (besonders
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dringende oder ganz unbedeutende Fälle ausgenommen) auf die nächstfolgende
Sitzung verschoben werden.
$. 24. Alle Anträge, welche die Bibliothek oder Redaction betreffen,
werden vor der Beschlussfassung den betreffenden Comites zur Meinungsäusserung
übermittelt.
VIII. Wahlen.
$. 25. Die in der General-Versammlung vorzunehmenden Wahlen erfolgen
in der Regel durch Abgabe von Stimmzetteln und sind geheim. Die General-
Versammlung kann jedoch in einzelnen Fällen (Ehrenmitglieder, Präsident ete.)
eine Wahl durch Acclamation verlangen.
$. 26. Mindestens einen Monat vor jeder Wahl ist eine vom Ausschusse auf-
gestellte Candidatenliste im Locale der Gesellschaft aufzulegen. Jedes’Mitglied hat
das Recht, unabhängig vom Ausschusse, eine eigene mit seiner Namensfertigung
versehene Candidatenliste aufzulegen.
$. 27. Jedes zur Wahlsitzung erscheinende Mitglied erhält einen Stimm-
zettel mit der vom Ausschusse aufgestellten Candidatenliste, in welcher selbst-
verständlich beliebige Aenderungen vorgenommen werden können.
$. 28. Die Vertretung eines Wählers durch Vollmacht ist unstatthaft.
$.29. Jeder Wahlzettel muss zur Giltigkeit folgende Erfordernisse enthalten:
a) Das Datum der Wahl.
b) Vor- und Zunahme der zu Wählenden in deutlicher Schrift.
c) Die Angabe der Vereinswürde, für welche dieselben gewählt werden.
$. 30. Mit der Vornahme des Serutiniums, welches während der Wahl-
sitzung stattzufinden hat, betraut der Vorsitzende zwei Mitglieder aus der Ver-
sammlung. Zu Beginn der Wahlsitzung hat der Vorsitzende die Mitglieder auf-
zufordern, sich an der Wahl zu betheiligen. Hierauf übernehmen die Serutatoren
die Stimmzettel und der Vorsitzende erklärt den Wahlact für geschlossen. Nach
erfolgtem Sreutinium übergeben die Serutatoren die Stimmzettel zugleich mit
einem Wahlprotocolle dem Vorsitzenden, welcher das Resultat verkündet.
$. 31. Nach vollzogener Wahl sind die Wahlacten im Archive zu hinter-
legen. Einsichtnahme in die Wahlacten kann nur in Gegenwart eines Vice-
Präsidenten oder Secretärs erfolgen.
$. 32. Jede Wahl ist den Gewählten sogleich mitzutheilen und deren
Zustimmung einzuholen.
IX. Publieationen.
$. 33. Die Gesellschaft publieirt ihre „Verhandlungen“ in jährlich
zehn Monatsheften und übernimmt ausserdem die Herausgabe grösserer selbst-
. ständiger Werke.
In die „Verhandlungen“ werden ausser den Sitzungsberichten selbstständige
Arbeiten in der Regel nur im Umfange bis zu zwei Druckbogen und einer Tafel
und Referate über die neue Literatur (mit besonderer Rücksicht auf Fauna und
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Flora Oesterreichs und wichtige andere Publicationen) aufgenommen. Für solche
Referate zahlt die Gesellschaft ein Honorar von 20 fl. per Druckbogen.
$. 34. Der Umschlag der Monatshefte und eventuell eine Beilage werden
mit Inseraten bedruckt. Mitglieder haben das Recht, unentgeltlich Inserate bis
zum Umfange von einer halben Seite jährlich drucken zu lassen.
$. 35. Arbeiten, welche den für die „Verhandlungen“ festgesetzten Umfang
überschreiten, müssen dem Ausschuss vorgelegt werden, welcher nach Einholung
eines Gutachtens über deren Aufnahme beschliesst. Solche Werke werden in
beschränkter, dem Bedarfe entsprechender Auflage gedruckt und zu möglichst
hohen Preisen in den Buchhandel gebracht. Mitglieder bekommen von diesen
Publieationen je ein Exemplar zum Herstellungspreise.
$. 36. Sobald die Drucklegung einer Arbeit beschlossen ist, wird der
Autor davon verständigt und ‘dessen Zustimmung bei eventuellen Aenderungen
im Manuscripte eingeholt.
$. 57. Mit der Annahme einer Arbeit wird dieselbe Eigenthum der
Gesellschaft.
$. 38. Die Drucklegung erfolgt thunlichst nach der Reihenfolge der
Einreichung der Manuscripte.
$. 39. Arbeiten, welche druckwürdig befunden wurden, können auch
abgewiesen werden, wenn deren Drucklegung oder Ausstattung die Kräfte der
Gesellschaft zu sehr in Anspruch nehmen würde.
$. 40. Unter sonst gleichen Bedingungen haben Arbeiten von Mitgliedern
den Vorzug vor anderen.
$. 41. Jedes Manuseript ist dem redigirenden Secretär druckfertig und
einseitig geschrieben zu übergeben. Gleichzeitig sind die Zahl der gewünschten
Separata und eventuell auch Wünsche in Bezug auf besondere Ausstattung der-
selben bekannt zu geben.
$. 42. Von den in den „Verhandlungen“ publieirten Original-Arbeiten erhält
jeder Autor 50 Separatabzüge kostenlos und auf Wunsch weitere 50 zum Her-
stellungspreise.
$. 43. Bei selbstständigen Publicationen kann nur eine beschränkte Zahl
von Freiexemplaren bewilligt werden, und zwar:
Bei einem Umfange bis 4 Bogen 20 gratis und 20 zum Herstellungspreise,
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Hiebei zählt eine Tafel als Druckbogen.
$. 44. Jeder Verfasser erhält im Allgemeinen den ersten Correetur-
abzug; auf besonderen Wunsch wird eine zweite Correetur zugesendet. Auf
Correcturabzügen dürfen umfangreiche Textänderungen nicht gemacht werden.
Wie weit diese gehen dürfen, ist dem Ermessen des redigirenden Secretärs über-
lassen. Aenderungen, die Kosten verursachen, hat der Autor zu vergüten.
$. 45. Bezüglich des Druckes und der Ausstattung der Abhandlungen
und Illustrationen gelten folgende Bestimmungen:
A. Druck und Ausstattung der Abhandlungen.
Als Abweichungen von gewöhnlichem Textdrucke sind zulässig Cursiv-,
gesperrter und Fettdruck. n
a) Cursivdruck kommt bei allen im Texte vorkommenden Thier- und
Pflanzennamen zur Anwendung.
b) Gesperrter Druck dient zur Hervorhebung der Autornamen mit
Ausnahme der den Pflanzen- und Thiernamen beigesetzten.
ec) Fetter Druck in verschiedenen Abstufungen wird ausser in Ueber-
schriften nur zur Hervorhebung von Autornamen in Literaturverzeichnissen
oder von Thier- und Pflanzennamen am Kopfe von Diagnosen oder aus-
führlicher Literaturnachweise angewendet.
d) Eine der drei genannten Drucksorten kann zur besonderen Hervor-
hebung einzelner Textstellen über besonderen, am Manuseripte ersichtlich zu
machenden Wunsch der Autoren angewendet werden.
B. Abkürzungen und Citate.
a) Die Buchstaben p. oder S. für Seite; Taf., Tab. oder Pl. für Tafel;
Bd. oder Vol. für Band u. s. w. werden je nach der Sprache des eitirten Werkes
gebraucht, so dass z. B. bei Anführung eines deutschen Werkes S., Taf., Bd.,
eines englischen dagegen p., Pl., Vol. gesetzt wird.
b) Für Masse und Gewichte sind folgende Abkürzungen zu verwenden:
1. Längenmasse. Cubikdeeimeter. . . . 2 oa zen dm?
Alyrıametert, one ae AUTOR um | Cubikeentimeter .......... cm?
RlmSter ERDDARIENEE, AIRRTR Ihrer, Cubikmillimeter”.. „20 rss mm?
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2. Flächenmasse. Gentiliter :. .]! uns: ae el
Quadratkilometer ......... km?
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IR IEENE U NDRANSRRERV. NER a NEREREESTR a Dekagramm. . - - 2... var dig
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3. Raummasse. Debigramm’”. 7% oe) re dg
Gainkkllomeier. me, Km: | Gentieram ”..... ms nee ..c9
a Eh m? Millieramm‘. 2. Sonne
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C. Illustrationen.
a) Textfiguren für die „Verhandlungen“ dürfen nicht in das Manuseript
"selbst gezeichnet, sondern müssen auf selbstständigen Cartons angefertigt sein,
welche etwa auf eine leicht ablösbare Art an der betreffenden Stelle in das
Manuscript eingefügt sein mögen.
b) Die bei einer einfachen Tafel strenge einzuhaltende Bildfläche misst
10-5 cm und 16°5 cm. — Bei der grossen Schwierigkeit, gutes, gyps- und holz-
freies Papier zu erhalten, ist die Herstellung von Doppeltafeln bei Kreide-
zeichnung und bei allen jenen Darstellungen, welehe nicht auf dünnem Papier
erfolgen können, thunlichst zu vermeiden. Insbesondere werden die Herren Ver-
fasser darauf aufmerksam gemacht, dass im Falle eines Kreuzbruches, nämlich
wenn sowohl Höhe als Breite überschritten werden, eine Beschädigung der Tafel
im Kreuze nicht zu vermeiden ist.
c) Tafeln werden zum Abdrucke nie angenommen, wenn sie noch nicht
vollkommen fertiggestellt eingereicht werden. Als Ausnahme ist zulässig die
Vorlage einzelner getrennter Figuren, wenn eine Skizze der Tafel beigefügt ist.
d) Zur photographischen Reproduction bestimmte Abbildungen müssen
dementsprechend ausgeführt sein.
$. 46. Ausnahmen von allen diesen Bestimmungen kann nur das Re-
dactionscomite oder der Ausschuss von Fall zu Fall beschliessen.
X. Benützung der Bibliothek.
$. 47. Die Ausgabe und das Einreihen von zur Benützung verlangten
Werken besorgt der Kanzlist der Gesellschaft an allen Wochentagen von 3—7 Uhr
Nachmittags.
$. 48. Die im Laufe der letzten Woche eingelangte neue Literatur wird
an jedem Freitage, ebenso vor jeder Versammlung zur Ansicht aufgelegt. Das
Bibliothekscomite wird übrigens dafür sorgen, dass die neue Literatur vor ihrer
Einreihung in die Bibliothek auch an den übrigen Abenden (ausser den oben
genannten) benützt werden kann.
$. 49. Das Entlehnen von Büchern, deren Titel in einem eigenen Journale
einzutragen sind, erfolgt nur in beschränkter Anzahl gegen Ausfertigung eines
vom Entlehner unterzeichneten Empfangsscheines. Der Entlehner verpflichtet
sich, die Bücher in gutem Zustande zu erhalten und nach Ablauf von längstens
einem Monat zurückzustellen. Etwaige Versendungskosten hat der Entlehner
zu tragen.
$. 50. Die Haftung für ausgeliehene Bücher währt so lange, als der
vom Entlehner ausgestellte Empfangsschein bei der Gesellschaft erliegt. Jedes
Mitglied hat das Recht, länger als einen Monat ausständige Bücher durch das
Bibliothekscomite reclamiren zu lassen.
$. 51. Den durch das Secretariat oder das Bibliothekscomite erfolgten
Aufforderungen zur Rückstellung eines entlehnten Werkes ist sofort und unbedingt
Folge zu leisten. Das Bibliothekscomite ist berechtigt, trotz wiederholter schrift-
8
licher Aufforderung nicht zurückgestellte Werke auf Kosten des Entlehners neu
anzuschaffen. Derartige Beträge sind in Wien zu bezahlen.
$. 52. Handbücher und einzelne Nummern der laufenden Jahrgänge
von Zeitschriften können nur ausnahmsweise mit specieller Bewilligung des
Bibliothekseomites oder eventuell des Ausschusses entlehnt werden.
$. 53. Für besonders werthvolle Werke kann eine Caution gefordert
werden.
XI. Benützung der Sammlungen.
$. 54. Im Allgemeinen darf die Ordnung in den Sammlungen in keiner
Weise gestört werden. Alle Objecte sind nach ihrer Benützung wieder ein-
zureihen.
$. 55. Für Beschädigungen jeder Art bleiben die Schuldtragenden ver-
antwortlich und ersatzpflichtig.
$. 56. Die Schlüssel zu den Sammlungen verwahrt der Kanzlist.
$. 57. Entlehnungen aus den Sammlungen können nur mit Zustimmung
des Ausschusses, des Secretärs oder der mit der Ueberwachung der Sammlungen
vom Ausschuss betrauten Persönlichkeit auf von diesen zu bestimmende Zeit statt-
finden. Hiebei sind Verkürzungen des Benützungsrechtes der das Gesellschafts-
local besuchenden Mitglieder thunlichst zu vermeiden.
$. 58. Eine Entlehnung von einzelnen Objeeten oder Partien erfolgt nur
gegen eigenhändig unterzeichnete Bestätigung des Empfanges derselben, gegen
die Verpflichtung, alle entlehnten Objecte in gutem Zustande zu erhalten und
gegen Vergütung aller Verpackungs-, Transport- und sonstigen Kosten.
XII. Archiv.
$. 59. Im Archive werden alle für den Verein wichtigen Urkunden,
Sitzungsprotokolle, Diplome ete. für immerwährende Zeiten hinterlegt und
darüber ein Register geführt. Alle anderen Acten wie die gesammte Corre-
spondenz, Rechnungen etc. sind nach Jahren geordnet in eigenen Päcken durch
je zehn Jahre aufzubewahren, dann aber zu vernichten.
XIII. Abänderungen der Geschäftsordnung.
$. 60. Zur Abänderung dieser Geschäftsordnung, welche alle diesbezüglich
bisher geltenden Bestimmungen ausser Kraft setzt, ist eine Zweidrittel-Majorität
des Ausschusses erforderlich.
Druck von Adolf Hoızhausen in Wien.
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Im Verlage von Lucas Gräfe & Sillem | \ A C h q un & I
in Hamburg ist erschienen:
Die mikroskopische | Exotische Lucaniden, Melolon-
thiden, Ruteliden, Dynastiden, Ceto-
Pi] Ni Thi It niden, Buprestiden und Cerambyeiden
alzen- un lerWwe in seltensten Arten, ferner alle übrigen
u Coleopteren-Familien undeterminirt, aus
des Süsswasse rs. zahlreichen directen Sendungen stam-
mend, werden im Kauf und Tausch,
Bearbeitet von
abgegeben.
Prof. Dr. 0. Kirchner und Nebstdem alle übrigen Inseeten-Ord-
Prof. Dr. F. Blochmann. nungen zu civilen Preisen. Namentlich
II. Theil. für Speeialisten geeignet!
Die mikroskopische Thierwelt des Büsswassers. A. F. Nonfried,
I. Abtheilung: | "Rakonitz (Böhmen).
3 AR ss Oesterr. botan. Zeitschrift,
Dr. Friedrich Blochmann. 'eleg. geb., Jahrg. 1, 2, 3, 8 bis incl. 40,
Zweite, gänzlich umgearbeitete und ver- 44, nur complet abzugeben.
mehrte Auflage. Louis Keller,
Mit acht Tafeln. — Preis 26 Mark. Wien, I., Wollzeile 12.
Die deutsche botanische Monatschrift,
Organ für Floristen, Pflanzengeographen, Systematiker und
alle Freunde der heimischen Flora,
XIV. Jahrgang 1896, 5
‘erscheint monatlich, beeh nur Original-Artikel aus der Feder bewährter Fach-
männer, berücksichtigt alle Gebiete der mitteleur opäischen Flora, soweit die deutsche
Zunge klingt, insbesondere auch die Flora von Oesterreich-Ungarn u. s. w., kostet
bei der Post oder dem. Herausgeber jährlich 6 Mk., im Buchhandel S Mk.
Probenummern jederzeit zu Diensten. i
Arnstadt (Thüringen). Dr. &. Leimbach.
Monographie der Ordnung Thysanoptera (Physopoda).
Von Heinrich Uzel.
Mit 10 Tafeln und 9 Textbildern. 4°. Ueber 500 S. Geh. 18 fl. Oe. W. (30 Mark). j
Gekrönt mit dem Jubiläumspreise der Akademie der Wissenschaften in Prag.
/
Inhalt: I. Systematischer Theil (Beschreibung aller bekannten Gattungen und Arten, ausser- m
dem Diagnosen von 11 neuen und 13 neu aufgestellten Gattungen, von 63. n. sp., 25.n. var. und 53 noch
unbeschriebenen Männchen, Bestimmungsschlüssel). — II. Paläontologischer Theil. — III, Anatomischer. = {
Theil. — IV. Entwicklungsgeschichtlicher Theil. — V. Biologischer Theil. — VI. Oekonomischer Theil. Bor
— VII. Historischer Theil. — Register. — Das Werk ist böhmisch und deutsch verfasst. Br “
Selbstverlag, in Commission bei B. E. Tolman in Königgrätz (Böhmen).
Druck von Adolf Holzhausen. h
k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien, £ By
d XLVI. Band 2, Heft.
VERHANDLUNGEN
k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft
in Wien.
Herausgegeben von der Gesellschaft.
Redigirt von
Dr. Carl Fritsch,
k. k. a. o. Universitäts-Professor.
Inhalt: Versammlung am 5. Februar 1896. — Botanischer Discussionsabend am 24. Jänner 1896. —
Evers Georg, Beiträge zur Flora des Trentino, mit Rücksicht auf Gelmi's „Prospetto della
Flora Trentina“. S. 55. — Referate. "
R.:K: zoologisch-botanische Gesellschaft.
Einladung‘ : N
General- Vorsamitiane)
am 1. April 1896, 6 Uhr Abends,
im Vereinslocale: L, Wollzeile 12.
Tages-Ordnung.
1. Rechenschaftsberichte.
2. Neuwahl aller F unetiönäre auf Grund der abgeänderten Statuten.
8. Vorträge.
Die General-Versammlung ist nur bei Anwesenheit
von mindestens 30 Mitgliedern beschlussfähig.
2 a
Soeben ist erschienen:
Einige Bemerkungen
über
biologische und philosophische Probleme.
Dr. Thad. Garbowski.
Mit vier Textfiguren.
Verlag von Fr. Deuticke in Leipzig und Wien.
Erschienen ist:
&
N. Albow,
Prodromus Florae Colchicae.
Tiflis und Genf, 1895. i
Herausgeber: Herr J. S. Medwedeff, Director des botanischen Gartens
in Tiflis (Kaukasus).
Die P. T. Herren Autoren und Verleger werden
höflichst um Einsendung von Recensions - Exemplaren
ersucht.
Alle Sendungen von Büchern, Zeitschriften, Separat-Abdrücken ete.
sind Ag 1 riehten: An die Bibliothek der k. k. zoologisch-botanisehen
Gesellschaft, Wien, I., Wollzeile 12.
Preise der Inserate.
Bei einmaliger Insertion:
a) Auf der Innenseite des Umschlages oder auf der Beilage:
Ganze Seite 12 fl., halbe Seite 6 fl., Viertelseite 3 fl., Achtelseite 1 fl. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 30 kr.
b) Aussen an der Rückseite des Umschlages:
Ganze Seite 20. fl., halbe Seite 10 fl., Viertelseite 5 fl., Achtelseite 2 A. 50 kr. 3
Durchlaufends Zeile 50 kr.
Bei mehrmaliger Insertion entsprechende Ermässigung.
Für Vereinsmitglieder bedeutende Ermässigungen.
Auflage 1000!
Druck von Adolf Holzhausen,
k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien.
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& XLVLI, Band. Jahrgang 1896. 3. Heft,
VERHANDLUNGEN
k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft
in Wien.
Herausgegeben von der Gesellschaft
Redigirt von re id :
Dr. Carl Frits or 5%
k. k. a. o. Universitäts-Profess ar - ee aa 3
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Inhalt: Versammlung am 4. März 1896. — Botanischer Discussi wer
Arnold, Dr. F., Lichenologische Ausflüge in Tirol. S. 101. —
Die P. T. Herren Autoren und Verleger werden
höflichst um Einsendung von Recensions - Exemplaren
ersucht.
Alle Sendungen von Büchern, Zeitschriften, Separat-Abdrücken ete.
sind zu richten: An die Bibliothek der k. k. zoologisch-botanischen
Gesellschaft, Wien, I., Wollzeile 12.
Durch die Gesellschaft sind folgende Publieationen zu beziehen:
fl. kr.
Braun, Ueber Mentha fontana Weihe. Mit 1 Tafel. 1886 . . . ....—.40
— Bemerkungen über einige Arten der Gattung Mentha. 1888 . . . . —.20
— Ueber einige Arten und Formen der Gattung Mentha. Mit 2 Tafeln. 1890 2.40
Breidler, Bryum Reyeri n. sp. 1887 .. . . a nn a
— et Beck, Trochobryum, novum genus Balearen um. Mit 1 Tafel.
ES a N Eee RT ae BE 11)
Brittinger, Notiz zur Flora von Oberösterreich. 1865 . . 2. 2.2.2... —.20
Bruhin, Zur Flora Wisconsins.. 13970 . . . . a ZU
— Einige seltene Pflanzen New-Kölns und deren Seandorte: 1870 ee 2)
— Sechsjährige Beobachtungen über die ersten Erscheinungen im Thier-
und Pflanzenleben New-Kölns bei Milwaukee (Nordamerika). 1875 . —.20
Vergleichende Plots Wisconsins; - 1876... en Dr. 80
Für Mitglieder 50°), Ermässigung.
Im Selbstverlage der Gesellschaft.
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Durch die Gesellschaft sind folgende Publicationen zu beziehen :
fl. kr.
Bruhin, Nachträge und Berichtigungen zur „Vergleichenden Flora Wis-
COHSINB*: > 1B77. AV A ne Re en Eve N
— Zweiter Nachtrag zur „Vergleichenden Flora Wisconsins“. 1878. . . —.20
— Prodromus Florae adventiciae Boreali-Americanae. 1885 . . . .....—.80
Brunner v. Wattenwyl, Nouveau systeme des Blattaires. Mit 3 Tafeln.
Habe 20 8 2
— Ueber den Werth De ee Ani > Kata ir British De 1870 —.20
— Ueber Systematik der ‚Orthoptera und die Recensio re von
028631: 1874 222.72 2 N
— Ueber die äusseren Ce dr ee 1874 . EN —.20
— Die morphologische Bedeutung der Segmente, speciell des Hoden
bei den Orthopteren.--Mit 3 Tafeln. 1876. . . . 2 N a
— Einleitung zu der Monographie der Phaneropteriden. 1877 re > 1)
— Monographie der Phaneropteriden. Mit 8 Tafeln. 1878. . a: N
— Methode zum Trocknen frisch gesammelter Insecten. 1378. . ..—20 -
— Ueber die autochthone Orthopteren-Fauna Oesterreichs. 13831 . . . —20
— Monographie der Stenopelmatiden und Gryllacriden. Mit 5 Tafeln. 1888 3.—
— Monographie der Proscopiden. Mit 3 Tafeln. 1890 . . . „2.2... —,80
— Additamenta zur Monographie der Phaneropteriden. Mit 2 Doppel-
tafeln. 189.8 „ans. ee ee ee ee
Für Mitglieder 50°), Ermässigung.
Preise der Inserate.
Bei einmaliger Insertion:
a) Auf der Innenseite des Umschlages oder auf der Beilage:
Ganze Seite 12 fl., halbe Seite 6 fl., Viertelseite 3 fl., Achtelseite 1 fl. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 30 kr.
b) Aussen an der Rückseite des Umschlages:
Ganze Seite 20 fl., halbe Seite 10 fl., Viertelseite 5 fl., Achtelseite 2 fl. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 50 kr.
Bei mehrmaliger Insertion entsprechende Ermässigung.
Für Vereinsmitglieder bedeutende Ermässigungen.
Aufiage 1000!
Druck von Adolf Holzhausen.
k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien.
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XLVL, Band. Jahrgang 1896. 4, Heft.
VERHANDLUNGEN
k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft
in Wien.
Herausgegeben von der Gesellschaft.
Redigirt von
Dr. Cari Fritsch,
k. k. a. o. Universitäts-Professor.
Inhalt: General-Versammlung am 1. April 1896. — Botanischer Discussionsabend am 20. März 1896.
— Förster, J. B., Beiträge zur Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt und Gran. S. 165. —
Ganglbauer, L., Ein neuer Bythinus vom Neusiedler See. S. 170. — Ganglbauer, L., Zwei
neue Euconnus aus den Ostalpen. S. 172. — Rebel, Dr. H., Zwei nene Microlepidopteren aus
Marocco. S. 174. — Melichar, Dr. L., Einige neue Homoptera-Arten und Varietäten. $. 176.
— Referate.
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Im Selbstverlage des Herausgebers ist soeben erschienen: ©
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(Botanist’s Directory. — Almanach des Botanistes.) (%
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Sammlung 8
von Namen und Adressen der lebenden Botaniker aller (&
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Länder, der botanischen Gärten und der die Botanik ©
) pflegenden Institute, Gesellschaften und periodischen &
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\ Publicationen. S.
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/ Herausgegeben von J. Dörfler. 6,
ZE 2°
& 19 Bogen gr.-8°. In Ganzleinen gebunden. Preis 10 Mk. = 6 fi. Sb
& —= 12.50 Fr. = 10 Sh. = 2.40 #$. \o,
& Gegen Einsendung des Betrages franco zu beziehen durch ®
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Q Wien (Vienna, Austria), IIL., Barichgasse 36. 2%
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Im Verlage von F. Tempsky in Wien ist erschienen:
Flora von Niederösterreich.
Zum Gebrauche auf Excursionen und zum Selbstunterricht
bearbeitet von N
Dr. Eugen v. Haläcsy.
Preis 44. 20 kr.
Vergleiche das Referat auf Seite 192.
Die P. T. Herren Autoren und Verleger werden
höflichst um Einsendung von Recensions - Exemplaren
ersucht.
Alle Sendungen von Büchern, Zeitschriften, Separat-Abdrücken ete,
sind zu richten: An die Bibliothek der k. k. zoologisch-botanischen
Gesellschaft, Wien, I., Wollzeile 12.
Preise der Inserate.
Bei einmaliger Insertion:
a) Auf der Innenseite des Umschlages oder auf der Beilage:
Ganze Seite 12 fl., halbe Seite 6 fl., Viertelseite 3 fl., Achtelseite 1 fl. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 30 kr.
b) Aussen an der Rückseite des Umschlages:
Ganze Seite 20 fl., halbe Seite 10 fl., Viertelseite 5 fl., Achtelseite 2 fl. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 50 kr.
Bei mehrmaliger Insertion entsprechende Ermässigung.
Für Vereinsmitglieder bedeutende Ermässigungen.
Auflage 1000!
Druck von Adolf Holzhausen.
k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien.
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» XLVI, Band. Jahrgang 1896. 5, Heft,
VERHANDLUNGEN
k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft
in Wien.
Herausgegeben von der Gesellschaft.
Redigirt von
Dr. Carl Fritsch,
k. k. a. 0. Universitäts-Professor.
Mit 2 Tafeln und einer Karte.
Inhalt: Versammlung am 6. Mai 1896. — Constituirende Versammlung der Section für Botanik am
10. April 1896. — Bergh, Dr. Rud., Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und Onustus.
(Mit Tafel II und III.) S. 200. — Klemensiewiez, Dr. St., Ueber eine neue europäische
Gracilaria -Art. S. 212. — Keissler, Dr. Carl v., Ueber eine neue Daphne-Art und die geo-
graphische Verbreitung derselben, sowie die ihrer nächsten Verwandten. (Mit einer Karte.) S. 214.
— Referate.
Die P. T. Herren Autoren und Verleger werden
höfliehst um Einsendung von Recensions - Exemplaren
ersucht.
Alle Sendungen von Büchern, Zeitschriften, Separat-Abdrücken ete.
sind zu richten: An die Bibliothek der k. k. zoologisch-botanischen
(esellschaft, Wien, I., Wollzeile 12.
Preise der Inserate.
Bei einmaliger Insertion:
a) Auf der Innenseite des Umschlages oder auf der Beilage:
Ganze Seite 12 fl., halbe Seite 6 fl., Viertelseite 3 fl., Achtelseite 1fl. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 30 kr.
b) Aussen an der Rückseite des Umschlages:
Ganze Seite 20. f., halbe Seite 10 fl., Viertelseite 5 fl.. Achtelseite 2A. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 50 kr.
Bei mehrmaliger Insertion entsprechende Ermässigung.
Für Vereinsmitglieder bedeutende Ermässigungen.
Auflage 1000!
Holzhausen,
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XLVI. Band. Jahrgang 1896. 6. Heft,
VERHANDLUNGEN
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k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft
in Wien.
Herausgegeben von der Gesellschaft.
Redigirt von
Dr. Carl Fritsch,
k. k. a. 0. Universitäts-Professor.
Mit 2 Tafeln und 4 Abbildungen im Texte.
Inhalt: Versammlung am 3. Juni 1896. — I. Bericht der Section für Botanik. S. 233. — Er
Chr., Beitrag zur Biologie der Myxomyceten. (Mit Tafel IV und 1 Figur im Texte.) $. 235. —
Steuer Adolf, Bemerkungen über die männlichen Geschlechtsorgane von Cyclops viridis und
anderen Copepoden. (Mit Tafel V.) S. 242. — Verhoeff, Dr. Carl, Polydesmus spelaeorum n. sp.
aus dem Banate. (Mit 3 Figuren im Texte.) S. 254. — Referate. — Eingelaufene Geschenke für
die Bibliothek.
Die P. T. Herren Autoren und Verleger werden
höflichst um Einsendung von Recensions - Exemplaren
ersucht.
Alle Sendungen von Büchern, Zeitschriften, Separat-Abdrücken ete.
sind zu richten: An die Bibliothek der k. k. zoologisch-botanischen
Gesellschaft, Wien, I., Wollzeile 12.
Preise der Inserate.
Bei einmaliger Insertion:
a) Auf der Innenseite des Umschlages oder auf der Beilage:
Ganze Seite 12 fl., halbe Seite 6 fl., Viertelseite 3fl., Achtelseite 1fl. 50 kr. —
Durechlaufende Zeile 30 kr.
b) Aussen an der Rückseite des Umschlages:
Ganze Seite 20 fl., halbe Seite 10 fl., Viertelseite 5 fl., Achtelseite 2 fl. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 50 kr.
Bei mehrmaliger Insertion entsprechende Ermässigung.
Für Vereinsmitglieder bedeutende Ermässigungen.
Auflage 1000!
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XLV1. Band. Jahrgang 1896. Heft,
VERHANDLUNGEN
k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft
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Herausgegeben von der Gesellschaft.
Redigirt von
Dr. Carl Fritsch,
k. k. a. o. Universitäts-Professor.
Inhalt: I. Bericht der Section für Botanik. S. 265. — Escherich, Dr. C., Beitrag zur Fauna der
tunisischen Insel Djerba. S. 268. — Kernstock, Prof. E., Lichenologische Beiträge. 8. 279. —
Cypers, V. v., Beiträge zur Kryptogamenflora des Riesengebirges und seiner Vorlagen. 8. 310.
— Referate. — Beilage: Geschäftsordnung.
Die P. T. Herren Autoren und Verleger werden
höflichst um Einsendung von Recensions - Exemplaren
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sind zu richten: An die Bibliothek der k. k. zoologisch-botanischen
Gesellschaft, Wien, I., Wollzeile 12.
Wiener Kryptogamen-Tauschanstalt,
Termin zur Einsendung der Offertlisten:
15. September.
Tauschbedineungen ratis und franco
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vom Leiter:
J. Brunnthaler,
Wien, IV., Wiedener Hauptstrasse 91.
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_ Druck von Adolf Holzhausen. a
k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien
XLV1, Band. Jahrgang 1896. 8. Heft.
VERHANDLUNGEN
der
k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft
al Wien.
Herausgegeben von der
Redigirt von
Dr Carl Frits
k. k. a. 0. Universitäts-Professor.
Mit einer Tafel. yoN
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Inhalt: Rehmann, Dr. A., Neue Hieracien des östlichen Europa. II. S. 329. — Werner, Dr. Franz,
Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centralamerika und Chile, sowie einiger
seltenerer Schlangenarten. (Mit Tafel VI.) S. 344. — Referate.
Die P. T. Herren Autoren und Verleger werden
höflichst um Einsendung von Recensions - Exemplaren
ersucht.
Alle Sendungen von Büchern, Zeitschriften, Separat-Abdrücken ete.
sind zu richten: An die Bibliothek der k. k. zoologisch-botanischen
Gesellschaft, Wien, I., Wollzeile 12.
Preise der Inserate,
Bei einmaliger Insertion:
a) Auf der Innenseite des Umschlages oder auf der Beilage:
Ganze Seite 12 fl., halbe Seite 6 fl., Viertelseite 3 fl., Achtelseite 1 fl. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 30 kr.
b) Aussen an der Rückseite des Umschlages:
Ganze Seite 20 fl., halbe Seite 10 fl., Viertelseite 5 fl., Achtelseite 2 fl. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 50 kr.
Bei mehrmaliger Insertion entsprechende Ermässigung.
Für Vereinsmitglieder bedeutende Ermässigungen.
Auflage 1000!
i # Druck von Adolf Holzhausen,
u Em 000 k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien.
Ausgegeben am 16. December 1396.
x Jahrgang 1896. 9, Heft.
VERHANDLUNGEN
k. zoologisch-botanischen Gesellschaft
in Wien.
Herausgegeben von der Gesellschaft.
N Be
Redigirt von
Dr. Carl Fritsch.
k. k. a. 0. Universitäts-Professor.
Mit 1 Tafel und 1 Abbildung im Texte.
Inhalt: III, Bericht der Section für Botanik. S. 577. — Constituirende Sections -Versammlungen.
S, 382. — Bericht über die Ausschuss-Sitzung. S. 383. — Pernhoffer, Dr. G.v., Verzeichniss
der in der Umgebung von Seckau in Öber-Steiermark wachsenden Phanerogamen und Gefäss-
kryptogamen, einschliesslich der wichtigeren eultivirten Arten. S. 584. — Magnus, P., J. Born-
müller, Iter Persieo-tureicum 1892/93. Fungi, Pars I. (Mit Tafel VII.) S. 426. — Brunnthaler,
Josef, Weber eine monströse Wuchsform von Poluporus squamosus (Huds ). (Mit 1 Abbildung im
Texte.) S. 435. — Referate.
Sitzungs-Kalender.
Seetion für Zoologie. | Section für Botanik.
(Im Gesellschaftslocale.) (Im Gesellschaftslocale.)
11. ee = en en \ 15. December 1896. | 9. März 1897.
8. a SR 16. April 1897. || 12, Jänner 1897. |13. April 1897.
12. Februar 1897. | ' 9. Februar 1897.
Seetion für Coleopterologie.
ES es ‚ Seetion für Kryptogamen-
Vom 9. December 1896 an bis auf | kunde.
Weiteres jeden zweiten Mittwoch. N (Bötsmiäche Abtrallune des-E k: Dar
Seetion für Lepidopterologie. | er
(Im Gesellschaftslocale.) \ 11. December 1896. | 30. April 1897.
4. December 1896. |5. März 1897. ' 29. Jänner 1897. 28. Mai 1897.
2. Jänner 1897. 2. April 1897. | 26. Februar 1897. |25. Juni 1897.
5. Februar 1897. |7. Mai 1897. | 26. März 1897. |
Diese Verhandlungen erscheinen zehnmal jährlich im Verlage der k. k. zoologisch-
botanischen Gesellschaft, Wien, I., Wollzeile 12. Die Mitglieder .der Gesellschaft
erhalten dieselben gratis. Niehtmitglieder können auf die Verhandlungen um
den Betrag von jährlich 10 fl. Oe. W. pränumeriren.
Die P. T. Herren Autoren und Verleger werden
höflichst um Einsendung von Recensions - Exemplaren
ersucht.
Alle Sendungen von Büchern, Zeitschriften, Separat-Ahdrücken ete.
sind zu richten: An die Bibliothek der k. k. zoologisch-botanischen
Gesellschaft, Wien, I., Wollzeile 12.
Preise der Inserate.
Bei einmaliger Insertion:
a) Auf der Innenseite des Umschlages oder auf der Beilage:
Ganze Seite 12 fl., halbe Seite 6 fl., Viertelseite 3 fl., Achtelseite 1 fl. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 30 kr.
b) Aussen an der Rückseite des Umschlages:
Ganze Seite 20 fl., halbe Seite 10 fl., Viertelseite 5 fl., Achtelseite 2 A. 50 kr. —
Durchlaufende Zeile 50 kr.
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Für Vereinsmitglieder bedeutende Ermässigungen.
Auflage 1000!
Im Verlage von Hermann Costenoble in Jena ist soeben erschienen:
Europäische Höhlenfauna.
Eine Darstellung der in den Höhlen Europas lebenden Thierwelt,
mit besonderer Berücksichtigung der Höhlenfauna Krains.
Nach eigenen Untersuchungen
Prof. Dr. 0. Hamann.
Mit 150 Abbildungen auf fünf lithographirten Tafeln.
Ein starker Band Lexikon-Octav. Preis 14 Mark.
Zum ersten Male erscheint hier eine zusammenfassende Darstellung sämmtlicher bisher
beschriebener meist blinder Höhlenthiere Oesterreichs, Frankreichs, Italiens, Spaniens und Englands.
Selbst den Zoologen vom Fach wird die grosse Zahl echter Höhlenbewohner aus fast allen Thier-
elassen, von Olm an bis hinab zu den Infusorien, überraschen, deren Diagnosen, Synonyme, Fund-
orte nebst biologischen Notizen gegeben werden. Der Sammler, insbesondere der Entomologe,
wird es Dank wissen, dass ihm das in den verschiedensten, theilweise schwer erreichbaren Zeit-
schriften niedergelegte Material vollständig zugänglich gemacht wird. 150 Abbildungen geben die
Hauptvertreter der Schnecken, Käfer, Spinnen, Tausendfüsser u.s. w. wieder und erläutern die
Untersuchungen des Verfassers über den Bau der blinden Höhlenbewohner. Ein allgemeiner Theil
enthält eine gedrängte Darstellung der Probleme der Höhlenforschung und der Lebensgeschichte
der Höhlenthierwelt. Ein gegen 400 Nummern umfassendes Literaturverzeichniss gibt einen
Ueberblick über die erschienenen Abhandlungen von der älteren bis zur Neuzeit. Das Werk
wendet sich nicht nur an den Zoologen, sondern vor allem auch an den Sammler, den Lehrer,
wie überhaupt einen jeden Naturfreund.
Druck von Adolf Holzhausen,
k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien.
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Ausgegeben am 25. Jänner 1397.
XLVI. Band. Jahrgang 1896. 10, Heft.
VERHANDLUNGEN
der
k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft
in Wien.
Redigirt von
Dr. Carl Fritsch.
k. k. a. 0. Universitäts-Professor.
Mit 2 Tafeln.
Inhalt: IV. Bericht der Section für Botanik. S. 447. — I. Bericht der Section für Kryptogamen-
kunde. S. 449. — Versammlung der Section für Zoologie. S. 450. — König, Dr. Anton, Zwei
Fälle von Polydactylie. bei der Gemse. (Mit Tafel VIII und IX.) S. 451. — Ganglbauer Ludw.,
Neue und wenig bekannte Carabiden. 8.457. — Derselbe, Eine neue Art der Scydmaeniden-
Gattung Euthia. S. 468. — Teyber Alois, Oenathera Heiniana A. Teyber. S. 469. — Werner,
Dr. Fr., Die Iguaniden-Gattung Anisolepis Blngr. S. 470. — Haläcsy, Dr. E. v., Ueber eine
neue Lonicera aus der Balkanhalbinsel. S. 473. — Referate. S. 474. — Eingelanfene Geschenke
für die Bibliothek. S. 479. — Alphabetische Uebersicht. S. 485.
Sitzungs-Kalender.
Section für Zoologie. | Section für Botanik.
(Im Gesellschaftslocale.)
8. Jänner 1397. |12. März 1897. |
12. Februar 1897. | 16. April 1897. \ 12. Jänner 1897. |9. März 1897.
9. Februar 1897. 13. April 1897.
(Im Gesellschaftslocale.)
Section für Coleopterologie.
(Restaurant Leber.)
N : AED _» 17)
Vom 7. Jänner 1897 an bis auf Seetion für Kryptogamen-
Weiteres jeden zweiten Donnerstag. kunde.
Section für Lepidopterologie. (Botanische Abtheilung des k. k. Hof-
(Im Gesellschaftslocale.) )
2. Jänner 1897. |2. April 1897. ' 29. Jänner 1397. |30. April 1897.
5. Februar 1897. |7. Mai 1897. | 26. Februar 1897. |28. Mai 1897.
5. März 1897. | \ 26. März 1897. |25. Juni 1897.
Diese Verhandlungen erscheinen zehnmal jährlich im Verlage der k. k. zoologisch-
botanischen Gesellschaft, Wien, I., Wollzeile 12. Die Mitglieder der Gesellschaft
erhalten dieselben gratis. Niehtmitglieder können auf die Verhandlungen um
den Betrag von jährlich 10 fl. Oe. W. pränumeriren.
Druck von Adolf Holzarten, 2
'k. und k. Bof- und Universitäts-Buchärucker in Wien.
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